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Kaffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 123

Sonntag, 25. Mai 1924.

Einzelnummer 10 Ps Sonntags 15 Pf.

Kabinett Marx vor dem Rücktritt

vom 4.

am-

Ar-

rctt sein, besonder? wenn, wie Englands Vor- die Verwirklichung des Gutachtens ohne neue schlag lautet, auf der internationalen Konferenz 'Verhandlungen und ohne Abänderungen.

auch Deutschland, Amerika und Rußland bei­treten wären.

Mögen nun die außenpolitischen Aussichten so günstig sein wie fld scheinen, oder weniger günstig, auf jeden Fall sollten die Kreise in Deutschland, die sich jetzt mit der R e g i e- rungspolitik bcfaffen, ihr besonderes Augenmerk auf diese Entwicklung richten, statt auf ihren Parteigrundsätzen herumzureiten. Es ist erstaunlich, zu erfahren, daß die Parteiver- Handlungen in Berlin sich um Formalitäten und Eifersüchteleien drehen. Tief bedauerlich bleibt, daß auch tn diesen ernsten Tagen der öde Kleinkram den vaterländischen Gedanken überwuchert Es ist keine Zeit mehr zu vergeu­den. Kommt man in Berlin nicht bald zu einer Emigung über die neue Regierung, dann braucht man sich nicht zu Wundern, wenn auch das Aus­land mit seinen Entscheidungen zögert. K. F. D.

Der deutsche Botschafter, der am Dienstag bei Ntuffolini war, sei in diesem Sinne informiert worden. Hcrriot hat vor den Pariser Presse Vertretern seine bisherigen Erklärungen wieder­holt. die vor der Durchführung des Expcrten- plans durch Deutschland keine Erleichte­rungen miltärischer, wirtschaftlicher oder son­stiger Art zugestehen wollen.

«Stellungnahme der Sozialdemokraten.

Berlin, 24 Mai. lPrivattelegramm.) Heute vormittag wird bekannt, dass gestern abend Ver­treter der sozialdemokratischen Partei nichtamt­lich beim Reichspräfidenten gewesen sind. Die Sozialdemokraten sollen nicht mehr abge­neigt sein, parlamentarisch für das außenpoli­tische Programm der drei Mittelparteien einzutreten. Dieses Programm schließt sich be­kanntlich ena an die Haltung der Reicbsregi» rnng zum Exvertenberi-hf an und billigt die Außenpolitik Stresemanns.

Kohlenmangel Im defetzten Gebiet.

Essen, 24. Mai. (Privattelegramm.) Die Thyffenwerke haben sich wegen Kohlenmangets

DermINlungsvers-iike.

Berlin, 24 Mai. (Telegraphische Meldung.) Laut Vorwärts findet heute eine Sitzung der Preußischen Staatsregierung statt, die sich mit dem Arbeitskampf im Ruhrbergbau be- schäftigen soll. Am Montag beginne tot Preußi­schen Landtag dir große Aussprache über den Konflikt im Ruhrbergbau Die Gewerk­schaften haben sich dem Reichskan^er für die neue Vermittlung im Ruhrkonflift zur Verfüg- ung gestellt. Auch die sozialdemokratische Reicks- taqssrattion ist lm gleichen Sinne beim Reichs- arbeitsminister vorstellig geworden.

Keine Erleichterung.

Das Gutachten ohne neue Verhandlungen.

(Eigener Drahtbericht.l

Zürich, 24. Mai.

Der Kampf im Ruhrgebiet.

Die Kommunisten gegen die Gewerkschaften.

(Eigene Drahtmeldung.)

Essen, 24. Mai.

Die Lage tat Ruhrgebiet ist heute früh wenig verändert. Die vorläufige Annahme des Schiedsspruches durch die Gewerkschaften findet bei den Streikenden so gut wie gar k e i n e Beachtung. Die Zenttale des sich immer mehr verschärfenden Kampfes ist der Boll- zugsanssch'. der Betriebsräte des RuhrreoierS in Oberhausen. Die Rächt ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Nur in Ruhrort kam es zu einem Zwischenfall. Die Kommunisten versuch­ten dort die Lagerschuppen des Hafens zu be­setzen, wurden aber von den belgischen Wachen vertrieben. Hierbei wurde ein Kom- munist erschossen. Mehrere Kommunisten erlittet schwere Verletzungen.

len mit 4000 Arbeiten stillzulegen. Die Stillegung der Hauptwerke in Mühlheim ist mir noch eine Frage von Tagen. Die unteren Sohlen der staatlichen MSllerschächte in Bottrov stehen infolge d-r Einstellung der Rotstandsar­beiten unter Wasser. Seit Mittwoch ist infolge der Kohlenbeschiagnahmungen durch die Micum die Ruhrbefärderung gänzlich still ge­legt. Die Reichseisenbahndirektion Berlin ver­fügt noch über Kohlenbestände bis 5. Juni.

Versöhnliche Klange.

EnAand unterstützt Herriots Friedenswortt.

(Telegraphische Meldung.)

London, 24. Mai.

Zu der Unterredung Herriots mit einem Ver­treter des BerlinerVorwärts" schreibtDaily News", Herriots Wunsch, Frieden zu schaffen, könne Wirflichkeit werden, wenn er 6 Meit lei, das Ruhrgebiet zu befreien Tet Sturz Poinearss durch das französische Volk sei einfach die Erkenntnis gewesen, daß seine Politik der Gewalt Deutschland gegenüber sich nicht be­

zahlt gemacht. Herriot habe gut begonnen, aber feine Hauptschwierigkeit werde fein, den immer noch starken Einfluß Poinearös auszufchalten. Herriots bemerkenswerte Worte für Befriedung und Versöhnung haben in England einen guten Eindruck hervorgerufen und werden als eine .,mutige und epochemachende Aeußerung" angc- sehem Westminster Gazette" schreibt, wenn Herriot wünsche, die gemäßigte öffentliche Mei­nung in Deutschland zu stärken, könne er leinen besseren Schritt unternehmen, als die Gewährung einer Amnestie im Rheinland urd im Ruhrgebiet.jdes preußischen Tuberkulosegesetzes

DerCorriere della Sera" stellt fest, daß das amtliche Kommuniguö der Konferenz Deutsch­land warne, keine neue Regiernngspolitit der Verzögerungen und Ausflüchte einzuschlage-i, da der Expertenbericht von den Alliierten nicht nur als Verhandlungsgrundlagx angenommen worden fei, vielmehr seien alle Alliierten jetzt für

ne Staffelet Dleucftett 9lac6rtcfiten erfdietnen roiidientttd) sechsmal naäm ttagS. Der Abonne. mcnlsvrels betragt für Den Monat Mat 2.0t) Mark bei freier «uftertun» m« San- tn der E-f-däftSstelle abgeholt 1.80 Mark. Durch die Bost monatlich 2 00 Marl elnfchl, Zutlellmtgs. gebühr. Serlag uns Redoition: «wlachthoiftr. 28/30. Fernsprecher 951 ünb 952. ,-.ur unverlangt etngefanbte Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung ober Lewahr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheck- konto Frankfurt a.M. Nummer 6380.

Die Krisenzeit.

Innen» und außenpolitische Verknüpfung.

Wie eng Politik und Wirtschaft miteinander oerknüpst sind, ist auch an der gegenwärtigen Lage wieder zu erkennen. Die L ä y m u n g von Handel und Wandel ist die Folge der un- Dcnen innen- und außenpolitischen Verhältuisse. Wir schrieben schon über die Kreditschwierig- keiten, unter denen das deutsche Geschästsleben feit Monaten leidet und ans denen wir nicht eher einen Ausweg sehen, bis eine feste Gold­währung geschaffen ist, die wiederum von der Regelung der Reparationsfrage abhängt. Was aber bis dahin noch alles geschehen kann, weiß niemand zu sagen, da selbst die Polittschcn und wirtschaftlichen Führer nicht wissen, wohin die Fahrt geht. Es bestätigt sich jetzt vor aller Welt, was wir schon immer geäußert haben: daß die gewissenlosen Drahtzreher der Entente den Mechanismus der europäischen Zusammenhänge derart zerstört haben, daß sie unfähig sind, ihn wieder in Ordnung zu bringen. Durch die Vernichtungswut oer Fran­zosen ist auch die alte britische Staaiskunst zu­grunde gerichtet worden. So steht Europa heute vor einem Trümmerhaufen, aus dem nur der französische Militarismus breiter unu höher als je herausragt. Und in diesem Militarismus liegt Europas Nebel: die Zersetzung und Nn- Produktivität, die selbst für Frankreich nur Nach­teil gebracht hat. Dem Aufschwung seiner äuße- rm Macht steht der innere Niedergang gegen­über. Die Absicht, Deutschland zu einem Skla­venvolk zu erniedrigen und daraus für Frank­reich Nutzen zu ziehen, ist gänzlich fehlgefchlagen, denn beide Völker sind durch den Versailler Zwangsvertrag so unheilvoll aneinandergekettet, daß Deutschlands Verarmung Frankreich mit hinabzieht.

Diese ungünstige Verknüpfung hat man end- lich auch in Frankreich erkannt, so scheint es wenigstens. Tie in Paris durch die Linksbewe- gung in den Vordergrund getretenen Männer, die für die neue Regierung in Frage fern- men, scheinen einen anderen Weg beschreiten zu wollen, wenn die Aeußerungen des wahr­scheinlichen Ministerpräsidenten Herriot ernst zu nehmen sind. Bemerkenswert ist, daß Herriot, der Sozialist, die bisherige Methode der Natio­nalisten, die in Poincars verkörpert war, ver­wirft und einePolitik des Friedens" erstrebt. Es ist allerdings noch zweifelhaft, wie diese Po­litik aussehen wird, denn während er davon spricht, daß Deutschland mehr freie Saud erhal­ten solle, damit es die ReparatiouSvsllchten er­füllen könne, sagt er bet anderer Gelegenheit, er fei mit Poincarö darin einig, daß Deutschland bis zur äußersten Grenze und bis zum letzten Centime bezahlen müsse. Nur beharre er nicht aus den starren Formalitäten wie Poincars. Da­mit hat er sich dem Standpunkt bet anderen Alliierten genähert, die Poinearss Militärpoli- t?f nicht gutheißen. So wird berichtet, daß so­wohl in England alS auch in Belgien und Ita­lien die Neigung bestehe, an die Stelle von mi- lt-ärischen Zwangsmitteln solche wirtschaftlicher Art zu setzen. DaS klingt zwar wie eine Er­leichterung, doch fragt es sich, wie weit man uns Bewegungsfreiheit erlaubt.

Pariser und Londoner Nachrichten, die auf eine bevorstehende Kursänderung der Alliierten gegenüber Deutschland schließen lassen, haben schon wieder tn manchen Kreisen Deutschlands weitgehende Hoffnung geweckt. Man glaubt vielfach, daß nun bald das Ruhrgebiet militä­risch und wirtschaftlich befreit werde. Grund zu dieser Annahme gibt eine Londoner Meldung, wonach England der neuen französischen Re­gierung folgende Forderungen unterbreiten wer­de: Die sofortige Räumung des Ruhrge­biets in militärischer und wirtschaft­licher Hinsicht, die Beseitigung der Zollschran­ken im Rheinland und das Aufhören jeder Einmischung in die deutsche Industrie durch die Micumverträge. Andererseits soll D e u t s ch- land seine Pläne vorlegen, um das »rfte Sachverständigen-Gutachten (Dawesi in Straft treten ut lassen und es soll dem Reichstag die notwendigen Gesetze unterbreiten. Die Möglich­keit, vorläufig eine kleine militärische Besetzung im Ruhrgebiet zu lassen, könne Gegenstand eines Kompromisses sein, aber die Eisenbahnen müß­ten unbedingt wieder an Deutschland gegeben werden. Sei einmal eine Uebereinstimmung in her Reparationsfrage erreicht, so sei England bereit, al? nächsten Schritt auf einer internatio­nalen Konferenz die Sicherungsfrage die toter« alliierten Schulden und die Festsetzung der end­gültigen Ziffer der deutschen Separationen zu erörtern. Sollte e? England wirklich gelingen, diese Forderungen durch zusetzen, dann wäre ein ganzer Wall von bisherigen Hindernissen besei­tigt und auf deutscher Seite würde man mit Freuden zur Gemeinschaftsarbeit be=

gezwungen gesehen, da§ Hütttnwerk in H vorn und Bruckhausen, welches 1300 beiter befibäftigt. und das Merk in Dinsla-

Anzeigenpreife: SefchästSanzeigen Zelle 13 Pfennig, FamlUni-Anzelgen Zelle 15 Pfennig, Kleine Anzeigen ba6 Wort 21, Pfennig, Reklamen die Zelle 60 Pkennla, Offertgebühr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Rechnungsbeträge sind innerhalb fünf Zogen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zahlung-tages. Für die Rtchllg- keit aller durch Fernsprecher aufgegeaenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plage kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachthosstraße 28/30. Geschäftsstelle- Kölnische Straße b, gegenüber der Spohrstraße. Fernsprecher Nr. 951 und 952.

bere Speisungen im Freien in einem Sorten an der Fulda eingerichtet, bei denen den Kindern besondere Gelegenheit zum Spielen gegeben war. Diese Einrichtung soll in diesem Sommer bei­behalten werden. Heilstättenkuren mach- ten 82 Patienten durch und zwar im Philippsiist zu Immenhausen 64, Heilstätte zu Cberfaufun« gen 8, Walde rholungsstätten Kragenhos 2, Heil­stätte Lindenberg 3, Lnpusheilstätte Gießen 1, Bad Sooden a. W. 2, Täcilien stift zu Bad Livp- Pringe und Augnsta-Viktoria-Stift zu Bad Lipp- bringe je eine Person. Mit dem Inkrafttreten

Kohlen für dao unbesetzte Deutschland?

Berlin, 24. Mai. (Privattelegramm.) Wie das B. T. erfährt, ist wogen des Kampfes im Ruhrbercchau für die beutto'e Wirtschaft, vorerst ein Kohlenmangel nicht zu befürch­ten. Eine verstärkte Einfuhr von englischer bezw. tschechoslowakischer Kohle kommt nicht in Frage. Auch die Gasanstalten feien vorläufig mit Brennstoffen gut versehen Die Stille­gung gewisser Werke im Ruhrgebiet infolge Kohlenmangels habe feine Ursache in der Aus­wirkung der Mrrumverträge. Sollte sich bei lärtgerem Andauern des Kampfes Kohlen - mangel bemerkbar machen, so könnte sofort au die deutschen Händlern im Ausland, namentlich in Holland, gehörenden Kohlenlager zurückge­griffen werden.

tim öie Regierungsbildung.

Die gestrigen Parteibesprechungen.

(Telegraphischer Bericht)

Berlin, 24. Mai.

In den gestrigen Parteibrfprechuu- gen, die unter der Leitung des Fraktionsrior- sitzenden der Deutschen Dolkspartei Dr. Scholz erfolgten, fand eine eingehende Erörterung über die sachlichen Grundlagen einer gemein­samen Regierungsbildung statt. Die Personenfragc wurde offen gelassen. Den Be- spicchungen lag eine von der Deutschen Volkspartei herrührende, mit anderen Parteien besprochene Ausarbeitung zugrunde. Die Verhandlungen wurden allgemein als ver­traulich bezeichnet. Insbesondere verpflich­teten sich die Teilnehmer, die erwähnte Ausar­beitung einstweilen nicht zu veröffentlichen. Es gab auch Beratungen innerhalb der einzelnen Fraktionen, bei denen sich immer wieder der Gedanke aufdrängte, daß eine Klärung der Personenftage an dem Widerstande der Demo­kraten scheitert. Fn politischen Kreisen laufen zahllose Gerüchte um. So wird öchlmptet, daß die Deutschnationalen dir sofortige Umgestaltung der Preußischen Regiernngs-Koa- lition gefordert batten. Von unterrichteter Seite wird dazu erklärt, daß es sich um eine Kombi- Nation handele, die Wahres und Falsches durch­einander mische. Es haben nur Bvrbefvrechnn- aen hierüber siattqefufiden. Auch eine sozialde­mokratische Meldung, daß man von dentschnatio- nalet Seite ans in Paris vorsichtig Fühlung ge­nommen habe, wird als leeres Gerücht bezeich­net. DieKreuz,zeift'ng" spricht von einem be­sonders plumpen Versuch bewußter Irreführung.

* Ä

Rücktritt Dest RoT-inetto Aflorx?

Berlin, 24. Mai. (Privattelegramm.) Erst gegen 11 Uhr abends sind die Verhandlungen der bürgerlichen Parteien über die Frage der Regierungsbildung zu Ende gegangen. Die Verhandlungen werden heute mittag fortgesetzt. Das Zentrum hat, gegen den Widerspruch der flüsteren Kanzler Wirth und Fehrci-bach, die hier seit einigen Tagen bereits erwartete Schwenkung gemacht, indem es erklären ließ, daß es auf Fortbestand deS jetzigen Ka- binettS nicht bestehen Weibe Damit ist das Schickfal des Kabinetts Marx-Sflefemann, für das keine bürgerliche Partei ntefir ciniritt, endgültig besiegelt. Wie der Lokalanzeiger meldet, ist der offizielle Rücktritt des Kabi- netts Marx-Strefemann Dienstag zu erwarten.

Kindertuberkulose.

Der furchtbarste Feind im Volke.

Sn »eutftolanb find nach der letz««, eta ttftit viermal soviel tnberkulöfe «Inder vor Händen al« in een Jahren vor dem «riege Unter dem Eindruck dieser erschütternden Mitteilung stand die gestern nachmittag im Saale der Landes - Versicherungs --Anstalt abgehaltene Hauptversammlung des Vereins Tuber­kulosefürsorge im Rcgieruugsbe- ; i r k Kassel. Alle in Betracht kommende» Be­hörden waren vertreten. Di? infolge dieser Tat­sache dringender als jemals zuvor notwendig, F ü r s o r g e fiir die t u b e r k u l ö s e n K i n - der erfuhr eine besondere Behandlung durch einen instruktiven Vortrag von Dr. Schotten. : Daraus ging hervor, das; die Tubrrkuloscmfek- timt bereits im Kindesalter eintritt. Ganz besoa. . ders verwies der Fürsorgearzt auf die gefährliche S üu g lin g stub e r k ul o s e. Je früher etwas ° zur Bekämpfung unternommen wird, je weniger ! der Krankheitsprozeß vorgeichritien ist, desto : günstiger sind die Heilungsaussichten. Von grvß- , ter Wichtigkeit ist die Erfassung im Anfangs­stadium. Der Erfolg hängt zuni großen Teil von der Initiative der in der Fürsorgetätigkeit stehen. : den Personen ab. Vorsitzender Sanitätsrat Dr i v. Wild ergänzte die Mitteilungen des Vor- , tragenden über die Vervierfachung der Zahl de? . tuberkulösen Kinder und gab der Befürchtung Ausdruck, daß die Statistik des Unheiljahrs 1923 die Lage noch ungünstiger beleuchten wird. Allen Müttern kann nicht dringend genug an geraten werden bet jeder Erkrankung der Kinder

die Mütterberatungsstellen in Anspruch zu nehmen. Richt eindringlich ge- : ttttg kann die Verantwortung der Eltern für die Gesundheit ihrer Kinder betont werden. Den Untersuchungen in den Mütterberatungsstellen wohnen Fürsorgerinnen bei, die bei der Wetter« l Verfolgung der Dinge Hilfe gewähren. In diesem Zusammenhang wird interessieren, daß die Heil­stätten Lindenberg bei Bettenhausen und Cb:r« kaufungen neuerdings Abteilungen für ^'öcr« knlöse Kinder geschaffen haben. Zu be.itW gibt ferner eine Mitteilung von Landesrat Hätz j-rg, 1 daß nach Feststellung des Stadimedizinaleats M. Kedtng fünfundzwanzig bis dreißig Prozent aller Kasseler Schulkinder unterernährt sind. Nach dem vom Geschäftsführer des

Vereins Tuberkulosefürsorge Landesobersekretär L o e b e r, erstatteten Ve» waltungsbericht für das Jahr 1923, in dessen Verlauf oftmals die Fortführung der so not­wendigen Fürsorgetätigkeit durch die Inflation und ihre Auswirkungen in Frage gestellt wurde, haben Spenden aus dem Auslande, sowie Zu- Wendungen in Form von Naturalien von den Quäkern und dem Deutschen Zentralansschutz fiir die Auslandshilfe wesentl-che Hilfe geboten. Die Aerzte der Poliklinik. Sanitätsrat Dr. Me­ter, Dr. Clara Zimmermann und Dr. F. Schot­ten, haben die Beratungen der Kranken in un­eigennützigster Weise immer fortgeführt, auch wenn die gewährten Vergütungen äußerst niedrige waren. Zu erwähnen ist die während der Mutermonate in einem Raum der Poliklinik neu geschaffene Einrichtung zur Durchführung von Liegekuren für die Kinder, die nach beende­ter Kur aus der Heilstätte zurückgekehrk waren. Diese Einrichtiing hat sich git bewährt. Es ist von großer Wichtigkeit, diefen Kindern de»

Uebergang ans der Heilstätte ta die zum Teil ungesunden Wohnungen zu erleichtern. Die Poliklinik selbst tourt« von 1944 Personen, nämlich 437 Männern und 512 Frauen, sowie 995 Kindern in Anspruch genom­men. Dazu kamen 7120 Hausbesuche bei Kran- kn ober deren Familien. In der Beratungsstelle wurden 302 Männer. 503 Frauen und 802 Kin­der ärztlich untersucht, von denen 246 Männer, 432 Frauen und 195 Kinder als tuberkulös be­finden wurden. Erfreulicherweise war cs mög­lich, die Bestrahlungskuren mit künstlicher Höhen, sonne und daran anschließender Speisung der vielen kranken Kinder in dem alten Umfang« durchzufiihren. Diesem bewährten Verfahren wurden diesmal 357 Kinder mit bestem Erfolge in der Poliklinik und in der KuranstaltSani- taä unterzogen. Röntgen-Durchleuchtungen der Kranken werden durch den Fürsorgearzt Dr. F. Schotten mit dessen Röntgen-Apvarat bewirkt. Besondere Kinderspetsunzeu fanden außerdem n den Stadtteilen Kirchditmold und Wehlheiden tatt. Weiter waren noch für 150 Kinder bcson-

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

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