Kasseler Neueste Nachrichten
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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 121. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.
Freitag, 23. Mai 1924.
Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf. 14. FahkgaUg
Weilerbemlung des Legieruagsproblems.
Weltschiffahrt.
Zunahme des Verkehrs auf dem Ozean.
Ms im Kriege die Wirksamkeit der Unterseeboote am meisten hervortrat — im Jahre 1917 — wurde angenommen, daß bei Beendigung res Krieges eine viel geringere Tonnage vorhanden sein muffe als vordem. Insgesamt sind Mäh- rend des Krieges in der Ozeanschissahrt 4877 Dampfer mit 12 562000 Tonnen und 984 Segler mit 671000 Tonnen, also zusammen 5861 Schisse mit 13 23S 000 Tonnen verlorengegangen. Aber in England und namentlich in den Vereinigten Staaten wurden doch mehr Schiffe gebaut als verloren gingen, so Laß bei Beendigung des Krieges die Welttonnage größer war als beim Beginn. Auch noch nach dem Kriege wurde der Bau von Ozeanschiffen verstärkt. Die Tonnage der Ozeanschisfahrt vergrößerte sich im Jahre 1919 um 7,1, nn Jahre 1920 um 5,9, im Jahre 1921 um 4,3 Millionen und im Jahre 1922 um 2,6 Millionen. Das war in diesen vier Jahren allein eine Vermehrung um zwanzig Millionen Tonnen. Die g e s a m t e T o n n ag e der Ozeanschis- fcchrt wird für Ende 1922 auf vierund sechzig Millionen Tonnen angegeben. Dieser Stand dürste auch noch heute nicht wesentlich überschritten fein, denn den Neueinstellungen von Ähifsen feit dieser Zeit steht ein ziemlich großer Abgang von alten, unbrauchbaren Fahrzeugen gegenüber. Wenn man bedenkt, daß sich die gesamte Welttonnage im Jahre 1914 auf noch nicht fünfzig Millionen Tonnen stellte, so zeigt sich eine bedutende Zunahme dus Schiffsraumes.
Daß sich die englische Ozeanschfffahrt nur in einem verhäistnismäßig geringen Umfange, die Handelstonnage Amerikas aber umso stärker vermehrt hat. aß Frankl.ich in der Hanvelston- nage von der fünften auf die dritte Stelle vor- gerüekt ist, daß Deutschland weit zurückgedrängt worden ist, kann als bekannt vor- ausgesetzt wepden. Dafür gibt es eine Reihe von Aenderungen, auf die hingewiesen werden muß. Bei Ozean-chissen wird gewöhnlich eine Dauer von fünfzehn Jahren angenommen. Unter gewöhnlichen Verhältnissen gelten auch in der Handelsschisfahrt Schiffe mit einem höheren Alter als überaltert, wegen der größeren Unt?r- haltungskoften und der gesteigert:n Versicherungsprämien sind sie auch unrentabel. Nur die besonderen Verhältniffe Während des Krieges und die hohen Baukosten der Nachkriegszeit haben zur Folge gehabt, daß eine große Anzahl dieser alten Schiffe noch im Dienst belassen werden konnten. Nun ist aber die Zeit gekommen, da diese überalterten Schiffe aus dem Dienst zurückgezogen werde« utitffen Nach „Llovos Schiffahrts-Registerwaren vor zwei Jahren Schisse mit einem Tonnengehalt von mehr als zwanzig Millionen überaltert. Bei der Ueberalternng zeigen sich aber bei den einzelnen seefahrenden Völkern recht große Unterschiede. In Enaland müssen mindestens dreißig Prozent der Ozeanschiffe als überaltert angesehen werden, in der Union höchstens zehn Prozent
Wichtige Veränderungen kundigen sich seit einem Jahrzehnt und besonders seit Beendigung des Krieges in der Feuerungsart an In steigendem Maße wird in der Ozcanschiss- fahrt die Oelfeuerung eingefnhrt. Ungefähr dreißig Prozent der Ozeanschiffstonnage wird heute schon Lurch Oelfeuerung bewegt.. Fachleute haben berechnet, daß die aus Oelfeuerung eingerichteten Schiffe bereits fetzt eine Kohlenersparnis von jährlich zwanzig Millionen Tonnen ermöglichen. Außerdem können bei Oelfeuerung die Schiffsräume weit besser ausgenutzt werden. Tie steigende Anwendung der Oelfeuerung wirkt aber nicht nur nach der Richtung eines verminderten Bedarfs an Kohle, sie wirkt sich auch dahin ans, daß weniger KohlcuiranS- porffchfffe in den Dienst gestellt zu werden brauchen, denn bei Kohlenfeuerung muß viel Heizstoff nach den Kohlenstationen nnd nach fremden Häfen gebracht werden An Stelle der Kohlen- fchifse treten die Tankschiffe. Ungefähr die Hälfte der Tankflotte fährt unter der Flagge Amerikas.
Bor dem Kriege waren die Hamburg- Amerika-Linie und der Norddeutsche Llovd in Bremen die größten Dampffchiff- sahrts-Gefellschasten der Erde. Unter der Flagge der großen Hamburger Linie liefen zuletzt 194 Ozeanschffse mit mehr als 1,3 Millionen Tonnen. Die Hamburg-Am-rika-Li»ie hatte nicht weniger als 74 feste Linien, ibre Schiffe liefen in regelmäßigen Abständen n'cht weniger als Vierbundort Hafenpliitze an Der Lloyd besaß zuletzt 135 Dampfer mit 982 000 Tonnen. Selbst die größten englischen Schiffs-Gesellsckaften waren von den beiden deuffchm Schisfahrts-Gefell- schäften wesentlich überflügelt worden. In besonderem Maße haben sich seit der Krieaszeit einige japanische Schiffahrtsgesellschaften entwickelt. Drei der javanischen Untern ebm'.ing«» die Nippon Dusen Kaisha, die Osaka Thesen Kaks da und die Kokusai Kiscn Kaisha, sind den großen englischen Gesellschaften an Zahl der Schlsse und der Tonnage ziemlich nahe aerüdt
Die deutsche HandelSfchiffahrt aus dem Ozean, die infolge der Bestimmungen des Vertrages von Versailles fast völlig vom Meere verdrängt schien, mu:ht Anstrengungen, an neuem Umfang zu gewinnen. Durch Abmachungen mit nordamerikanifchen Unternehmungen — Hamburg-Armrika-Linie mit Harrt- man-Konzern, Norddeutscher Lloyd« mit United States Mail Steamship Company — wurde der Anfarg dazu gemacht. So konnte dte deutsche Linienschisfahrt wieder ausgenommen werden Ten tiefsten Stand zeigte die deuffche Ozcan- schiffahrt im Jahre 192u. Damals stellte sich die deutsche Tonnage nur noch auf 419 000 Tonnen gegen mehr als fünf Millionen Tonnen im Jahre 1914. Nach der letzten Zählung, vom Juni 1923, hatte sich aber die deutsche Handelstonnage bereits wieder aus 2,5 Millionen Tonnen vermehrt. Es ist also schon wieder ein gewaltiger Fort schritt gemacht worden. D.
Das Kegiemngsproblem.
Schwierige Parteibesprechungen.
(Telegraphische Meldung.)
Berlin, 28. Mai.
Die gestrigen Partei-Verhandkmgen waren erst eine Fühlungnahme, die ergebnislos war, weil die Deutschnationalen als Reichskanzler den Großadmiral von Tirpitz vorschlugen. Sie erklärten, daß Herr von Tirpitz, roenu er auch jetzt der drutschnatiotmlen Fraktion angehöre, dock« nach seiner politischen Vergangenheit über den Parteien stehe und insofern der gceig nctste Mann sei. um über die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinweg zu kommen. Tie D e - mokraten erhoben dagegen Einspruch, daß statt des sachlichen Programms personelle Fragen in den Vordergrund geschoben würden. Tas Zentrum schloß sich dem an und schließlich auch die Deutsche Bolkspartei. So kaut es, daß nach zweistündiger Beratung die Bespre- chtmgen abgebrochen und auf heute vormittag zehn Uhr vertagt werden mußten. — Die Kandidatur Tirpitz ist von der Deutschnationalen Bolkspartei zurückgezogen worden.
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tim kms GaKverft-rntzigen-Sutachte«.
Berlin, 22. Mai. (Telegraphische Meldung.) Die bürgerlichen Parteien wollen heute Sen Teuffchnationalen die außenpolitische Plattform vorlegen. Diese bezieht sich vor allem auf die Haltung zum Sachverständig e n g u t a ch t e n. Tarin wird erklärt, daß das Gutachten als eine praktische Grundlage anznsehen sei, daß aber die Reichsregiernng den «sinzelhciten gegenüber sich jene Stellungnahme Vorbehalten müsse, wie es die alliierten Regierungen täten. Als Voraussetzung für die Annahme des Gutachtens gelten die bekannten Ehrenpnnkte, der Freilassung der Gefangenen, der Rückkehr der Ausgewiefenen, die Wiederherstellung der deutschen Sonveränität in den besetzten Gebieten, die Wiedererrichtung der Zoll- linien und die Räumung deS Ruhr- und San!- tivnsgrbiets von Düsseldorf, DutSburg, Ruhrort
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Keine günstigen Vusst-Dtm.
Berlin, 22. Mai. (Privattelegramm) Wie um Mitternacht zuverlässig verlautete, hat du gestttge Nachmittags-Sitzung der Zent rumspart ei eine Absage an die Deutsch- nationalen erbracht. Hauptredner in der gc steigen FraMonssitzung waren die früheren Reichskanzler Witth und Fehrenbach. Auch in der demokratischen Partei ist es zu keiner Mehrheit für die deutschnationalen Vorschläge gekommen. Infolgedessen stehen die Verhandlungen über eine bürgerliche Regierungsbildung Bor dem Schellern Tie von den Deutsch- nationa-len auch mit den Deutschvölki- schen aufgenommenen Besvrechnngen dauerten bis spät abends und wurden dann auf heute mittag vettagt. Die erste Fraktionsfitzung der Sozialdemokratischen Partei ist auf Montag vormittag anberaumt worden.
Kampf im Ruhrgebset.
Blutige Zusammenstöße infolge des Streiks.
(Eigener Drahtber-chi.z
Essen, 22. Mai.
In der vergangenen Nackt haben sich im Rnbrgebiet Vie ersten ernsthaften Zusammenstöße "mit den ftreifenbrn Bergleuten ereignet. Auf der Zecke Brassert bei Marl, der nördlichsten Zone deS eigentlichen Ruhrgebiets, hatte sich eine vieltaufcndkStzfige Menschenmenge angesammelt, unter der sich auch viele Frauen befanden. Die Massen versuchten Sie 'Rot- standsarbeiten zu hindern und die Arbeiter zu mißhandeln. Das Zechentor wurde gesprengt. Als Polizei herbeigeholt wurde, bekam diese einen Empfang durch Steinwür- f e und Schüsse. Die Boomte« gingen ves- halb mit der blanken Waffe vor. Es entspann sich ein Kampf, der bis 11 Hör abends
dauerte. Dabei erhielten die Waffen immer neuen Zuzug» auch von Recklinghausen. Zwischen 11 und 12 Uhr griffen die belgischen Truppen ein. Aber auch in ihrer Äarocfcn« lreit ging der Kampf noch eine Stunde lang weiter. Schließlich besetzten die Belgier die Zeche. Die Zahl der Verwundeten ist schwer festzustellen, da die Arbeiter ihre eigenen Snmariierkolonnen bei sich hatten, von denen die Verwundeten sofort weggebracht Würben. In das Krankenhaus sind zwei Schwerverletzte ein- geliefert worden.
Folgen der Nuhttnse.
Ein Rechtsgutachten über die Arbeitszeit. (Telegraphischer Bericht)
Berlin, 22. Mai.
Im Reichsarbeitsministerium traten am Mittwoch vormitag die vom vorläufigen ReichS- wirtfchaftsrat vorgeschlagenen Unparteiischen zur Abgabe ihres Rechtögutachtens zusammen. Der Reichsarbeitsminister eröffnete im Beisein von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Verhandlungen versonlich und bezeichnete die zu begutachtenden Fragen dahin, welche Arbeitszeit im Ruhrbergbau unter Tage nach Ablauf des Manteltarifvertrages und der Vereinbarungen vom 29. November 1923 am 1. Mai 1924 zu Recht bestanden haben. Die Sachverständigen haben unter Vorsitz des ReichSgerkchtsrat Dr. Bewer sofort mit der Anhörung der Parteien begonnen.
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Betrlebseinstellung w-geu Kohienmangei.
Essen, 22. Mai. (Telegraphische Meldung.) Die Folg?« des Ruhrstreites werden immer katastrophaler. Wird bis DonnerStag mittag der Kohl en mangel nickt behoben, was nach der Lage der Dinge aussichtslos erscheint, so werden, wie aus Essen berichtet wird, die gesamten Kruppschen Werke stillgelegt. Die etwa 30000 Mann zählende Belegschaft ist dann auf die ErwerSSlvfenunterstützung angewiesen. Die Bhönir-A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb in Düsseldorf sieht sich bereits gezwimgen, von Mittwoch ab wegen Sohlenmaugel den gesamten Betrieb einzustellen. Auch die Verwaltung der DortmunderUnion gibt bekannt, daß sie sehr bald das Werk stillegen müsse. Au» Mühlheim a. d Ruhr wird gemeldet, daß die dottigen Zechenwerke mit etwa 8000 Mann Belegschaft durch Anschlag bekanntgemacht haben, daß infolge Kohlen-, Koks und Gasmangels vom 26. Mai ab die Betriebe zum Teil z,tm Stilliegen kommen nnd nur in einzelnen Betrieben weiter gearbeitet werden kann.
Frankreichs Kabinetwfrage.
Um die ne,ren Machthaber. (Eigener Drahtbericht.)
Paris, 22. Mai.
Vor dem Elqsee war gestern eine große Menschenmenge versammelt, die auf das Eintreffen der Gäste Millerands wartete. Um 12,10 Uhr begannen die Besprechungen unter dem Vorsitz des Präsidenten. Dez Finanzminister hatte den Auftrag, die beiden kommenden Machthaber Frankreichs Painlevö und Herriot, über die Schwierigkeiten der finanziellen Lage aiffzullären. In den Pressebesprechungen wird ausdrücklich hervorgehoben, daß der Besuch beS Senatspräfidenten am gestrigen Tage mit bie- fen Besprechungen in keinem Zusammenhänge stand. Ein amtlich ausgegcbener Bericht besagt lediglich: Painlevö und Herriot gaben der Heber« zeugung Ausdruck, daß der Budgetausgleich ein Gebot jeder Regierung fei wie sie auch immer heißen möge.
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Die Wirkung deck Frankensturzro.
Paris, 28. Mai. (Privattelegramm.) Der neue Frankensturz hat feit Montag alle Preise in Paris nahezu verdoppelt. Das Louvre- KauHaus und die übrigen großen Magazine geben nur noch beschränkte Warenmengen ab, nm eine Räumung ihrer Laaer zu verzögern. In St. Antonie kam es Dienstag Abend zu kommn- nistifchen TeuerungSdemonstrationeu. — Weiter wird berichtet: Der neue Frankensturz wird die Regierungsbildung in Frankreich beschleunigen. Herriot wird am Sonntag den Kongreß feiner Partti leiten und sich die Vollmachten znr Hebcrnahme der Kabinettsbildung geben lassen.
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Vvincarss Absage.
Pari», 22 Mai. (Eigene Drahtmeldung.) PoincarSs Besuch bei MMerand hat die ent» gültige Absage Poincarös gebracht. BiS gestern hatte man immer noch neue Versuche Poincarös nnd deS Nationalen Blocks ermattet, eine Rekonstruktion des Kabinetts am 1. Juni zu versuchen. Infolge der Frankenbttastrophe wirb das französische Budget schon für Monat Juni ohne genügende Deckung fein und die Erhöhung aller Steuern notwendig machen.
Die Smteausffchten.
Wie steht die Saat?
Neber dis Erntcaussichten in Proutzen, auf Grund de« jetzigen Saatenstandes, wird van fachkundiger Seit» FotgenSr« mitgeteilt: Für den Ausfall der diesjährigen (suite wird nach Lage der Dinge auch die ungünstige Be st e l l u n g im Vorjahre mitbcstim- mend sein. Am wenigsten befriedigend dürste bisher der Roggen stehen, der vielfach zu spät zur Aussaat gekommen ist, weil die Kartoffelernte im vorigen Herbst nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnte (Roggen wird gewöhnlich nach Kartoffel gesät.) Auch war es damals zu naß, und der Boden hatte noch nicht die für den Roggen notwendige Festigkeit gewonnen. Der starke Winter nun hat dem Roggen selbst auf den schweren Böden, wo er sonst am besten gedeiht, großen Schaden tuaesügi. Im Zusammenhang mit der verspäteten Bestellung, die der Roggen im Gegensatz zum Weizen gar nicht verträgt, ist eine erhebliche Auswinterung des Roggens die Folge. Es gibt Gegenden mit guten Böden, wo bis zu 80 Prozent des Roggens umgepflügt werden mußten. Die starke Auswinterung deutet ferner darauf hin, daß Wintergetreidebestände stehen geblieben sind, die einen dünnen Bestand zeigen. Allerdings wird man vielfach durch große Stick st offgaben die Bestockung und Enttpftklnng so anregen und fördern können, daß auch auf jenen Feldern, wo der Bestand zurzeit nur dünn ist, eine leidliche bezw. sogar normale Ernte erzielt werden kann. Ter nach modernen Grundsätzen wirtschaftende Landwirt fät heute den Roggen sowieso nicht sehr dickt: auf einen Moraen . Land kommen etwa 25 bis 30 Pfund Getreide zur Aussaat, denn logischerwetse kann sich dir einzelne Pflanze um so intensiver entwickeln, te mehr Raum sie Zur Verfügung hat. Die Entwicklung (Bestockung) ist dann eine Frage der Düngung. Während die Roggenpflanzr im dünn besäten Feld bei entsprechender Düngung bis zu 20 Halmen entwickelt, trägt sie im bichtbe- faten Feld — nach der alten Methode kommt auf einen Morgen eine Aussaat von etwa einem Zentner — viel weniger, eettoa 3 bis 4 Halme. Bei Weizen ist die Auspflügung nicht ic groß. Andererseits kann man. da Weizen eine besonders starke Bestoekungsfähigkelt aufweist, durch erhebliche Dünguna den dünnen Bestand sehr wohl retten und, falls auch die Unkraut! e« kämpfung intensiv betrieben wird, aus dem anfänglich schwachen Bestand noch eine seht gute Ernte erzielen.
Die Wintergerste hat, ähnlich wie bet Roggen, auch auf schweren Böden stark gelitten, da sie bekanntlich in bezug auf Wiuter- ftstigkeit sehr zu wünschen übrig läßt. Auch der Raps Hai etwas gelitten: er ist vor allen Tinnen durch erfrieren der Blätter sehr geschwächt worden Bei Klee und Luzerne sind, in diesem Jahre selten zu beobachtende A u s iv i tu ter nngs sch öden zu konstatieren. Infolge der starken Fröste ist der Boden, der bis in er- bebliche Tiefen gefroren war, hochgelwben worden und hat die Pflanzen unter Zerreißung ihrer Würzelchen mit in die Höbe genommen. Bet dem allmählichen Austauen des Bodens, das von der Oberfläche au? beginnt, sind nun die Pflanzen mit dem Wurzelhals über ben Boden hinausaetreten und waren daher der ungünstigen Witterung besonders ausgesetzt. Mehr Schaden noch als die Fröste mit Schneefall ha- ben die sogenannten K a h l f r ö st e anaerichtet, also Fröste, deren Wirkung durch keine schützen- da Schneedecke gemildert wird. Auch die Ge- treldearttn haben durch diese im Frühjahr ein» setzenden Kahlfröste vielleicht noch mehr gelitten, als durch die eigentlichen Winterfröste, zumal sie schon schwach ins Frühjahr hineingekommen waren . Das Anstalten am Tage und das Frie- reu des Rackts nimmt manche Pikanten außer- ordentlich mit. Es ist an manchen Stellen daS Phänomen zu verzeichnen, daß Klee und Luzerne eine Handbreit mit der Wurzel über den Boden emvorragen.
Die Kartof felbestellung ist zurzeit noch nicht beende^: im allaemeinen ist sie durch die aroße Nässe verspätet, auch hat z. B. in ONVreuß-n der Streik ungünstig auf die recktzeittae Erledigung der Besttllnng einge- wirkt. Die Wiesen in niedriger Lage haben ebenfalls unter allzu großer Rässe im Winter und im 7-rüdiahr gelitten, fo dost die Grasnarben (Bestände) eine recht ungünstige Verschiebung erfahren haben. Tie argen anhaltende Nässe emvffndlichen wertvollen Futter- gkäfer sind geschwächt toerben oder ganz ebne- Herben, während die mehr »der weniger wen- ftfen GraSorten. die große Nässe ohne weiie-eS vertragen, die Vorhand bekommen haben. Tie Qualität nnb Quantität des ftittfei« wird daher z« wünl^en übrig lassen. Wiettn und Weiden werden besonderer Vslanznng und Tsingnng bedürfen, damit die Vegetakionsoer- Hältniffe Mr die wertvollen Futterpflanzen wie-