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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Rümmer 120

Donnerstag, 22. Mai 1924.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Verschlechterung der Lage im Ruhrgebiet

Dir tSewerlsHoftsn für den Schiedsspruch.

eine Fn des iiom

soll zu der Entscheidung geführt haben, daß Mil­lerand in den nächsten Tagen bereit» den gestern nach Paris zurückgekehrten H e r r i o t mit btt Kabinettsbildung beauftragen wird.

triebsrSten abgerückt. Man hofft, daß die heu­tigen Besprechungen im RrichswirtschastSmini- sterium zu einem Erfolge führen. Der gestrige Tag und die vergangene Rächt find im Nuhr- gebiet ruhig verlaufen.

Bee ungeöulvlye USalnletrt.

Paris, 21. Mai. (Eigene Drahtmeldunq) Rach einem Korrespondenzbericht erklärte Pain- lev.- einem Mitarbeiter desEcho" gegenüber, daß die Sachverständigengutachten spätestens bis 1. Juli in Deutschland durchgeführt werden muffen, wenn er an den outen Millen Deutschlands, glauben solle,jft

Berlin, 21. Mai.

Die Fraktionsverhandlungen, die gestern in großer Zahl im Reichstagsgebäude stattgrfun- den haben, führten im Gegensatz zu den voreili- gen Meldungen verschiedener Parieistellen zu dem Gesamtergebnis, daß heute die Führer sämtlicher bürgerlicher Parteien mit einziger Ausnahme der Völkischen im Reichs­tage zu einer gemeinsamen Sitzung zu­sammentreten, um fich über die Möglichfeit einer Koalitionsbildunq zu unterhalten. Um die Mit­tagsstunde fand eine unverbindliche Besprechung zwischen dem Führer der Deutschnationalen Graf Westarp und dem Fraktionsvorsttzendrn der Deutschen Dolkspartei Reichsminister a. D. Scholz statt. Urber die außenpolitischen Bc- schlüffc der Deutschnationalen wird noch strengste Verschwiegenheit gewahrt. In der Fraktion der Deutschen Bolkspartei ergab sich völlige Einmü­tigkeit über die Stellungnahme zum Sachver­ständigen-Gutachten. Die Deutsche Bolkspartei hat ihre außenpolitischen Richtlinien für sich allein sestizesteüt. Sie stehen im engen Einklang mit der vom Außenminister Dr. Stresemann be­folgten Politik.

Regierung und Parteien.

Versuch zu einer bürgerlichen Koalition. (Eigener Drahtbericht.)

der Metallindustrie find allein ungefähr Million Arbeiter arbeitslos. Anbetracht der gefährlichen Verschärfung Konflilts hat der Rcichsarbeitsminister die

morgen zu einer Sitzung einberufen. Gestern trat bereits das Büro der Partei zusamnten. Ter Vorstand selbst wird erst am 1. Juni zur Kabinettsbildung Stellung nehmen. Inzwischen beschäftigt fich die liberale Presse bereits in außerordentlich lebhafter Weise mit einem Nachfolger für den Präsidenten Mille- r a n d. Sa wird P a i n l e v s, der ehemalige Ministerpräsident, als künftiger Präsident der Republik genannt. Präsident Millerand hat

lange. Sie schlägt jedem Partikularismus die geistigen Waffen aus der Hand, und das ent­scheidet letzten Endes den Entschluß des schlich­ten deutschen Mannes, nicht aber ein Mehr oder Weniger der Steuerpfennige. Rur als geistige Bewegung konnte das Niedersachsentum die Ab- stintmunH wagen, nur in der Anerkennung seiner geistigen Ideale wird cs restlos in Großdeutsch- land ausgehen können. Das ist die Lehre aus dem Sieg des großdeutschen Gedan­kens in Hannover. S

Verteilung der VMtze im Reichstag.

Berlin, 21. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Bei der aestrigcn Verhandlung im Reichstag über die Verteilung der Plätze ist es außeror­dentlich lebhaft zügegangen. Die Deutschvöl­kische Freiheitspartei vertrat den Wunsch, die Sitze auf der äußersten Reckten zu erhalten. Tie- er Wunsch wurde abgelrhnt Die endgültige Verteilung von Rechts nach Links wird nun­mehr folgende sein: Deutschnationale, Deutsch- völkische Freihcitspartei, Deutsche Bolkspartei, Bayer. Bolkspartei, Wirtschaftspartei, Zentrum, Demokraten, Sozialdemokraten, Kommunisten.

Geringe Aussicht auf Einigung.

Berlin, 21. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Für die heute im Reichstag beginnenden ent- cheidenden Beratungen der bürgerlichen Parlei- ührer über die Möglichkeit einer KoalitiouSbil- duug dauern die Widerstände in der de- mdkratifchen und in der ZentrumS- r a k t i o n an, obwohl auch diese beiden Frak­tionen die Einladung zur Teilnahme an den Verhandlungen angenommen haben. Die Aus- ichten für eine Einigung werden in den Reiben der Mittelparteien als sehr gering beurteilt. Vor­aussichtlich werden die Beratungen der Paetei- ührer sowohl den heutigen wie den morgigen Tag in Anspruch nehmen.

Grnste Knse im RWrgebiel.

Die streitenden Parteien nach Berlin gerufen.

(Eigene Drahtmeldung.l

Berlin, 21. Mal.

Die «gegensätzliche Stellungnahme beider Par­teien zum Berliner Schiedsspruch hat die Ver. hältnisse im Ruhrrevier verschlimmert, so daß in Kürze eine katastrophale Wendung zu befürchten ist, wenn auch die neuen Bemühun­gen des Reichsarbeitsminifters, die Parteien zur Einigung zu bringen, wiederum erfolglos blei­ben. Nach zuverlässigen Meldungen aus dem Ansstaudsgebiet sind an der Ruhr 93,59 Prozent der Zrchenbelegschaft ohne Arbeit. Die K o h - lenförderung ist auf rund acht Prozent ge­genüber der Rormalförderung gesunken. In

Reichswirtschaftsrat benannten namhaften Ar- beitSrechtler zur schleunigen Erstattung ihres Gutachtens aufgefordert. Zu diesem Zweck sind auch die Unternehmer- und Arüeitnchmervertre- ter f-ür heule nach Berlin geladen, damit durch kondradikrorische Verhandlung in Anwesenheit beider Parteien die Sachverständigen die Rechts­lage im Ruhrkonflikt besser klären können.

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Furchivore Notloge.

Gelsenkirchen, 21. Mai. (Telegraphische Mel­dung.) Die Not der Bergarbeiter hat mittler­weile bedrohlichen Umfang angenommen, so daß Städte und Gemeinden der betroffenen Gebiete'sich vielfach gezwungen sahen, Lebens­mittel und andere Unterstützungen an die Frauen »nd Kinder der betroffenen Bergleute auszuge­ben. In einer gestern in Schwerte einberufe­nen Versammlung der Landräte und Oberbür­germeister des rheinisch-westfälischen Jnduftrir- bezirks, an der auch die beteiligten Bezirksregie- rungcn teilnahmeu, wurde mitgetcilt, daß die preußisclie Siaatsregierung fich n i ch t in der Lage stellt, während der Dauer des gegenwärti­gen Wirtschaftskampfcs irgendwelche Mittel zur Verfügung zu stellen. Rach Wiederaufnahme der Arbeit sei jedoch damit zu rechnen, daß von den berufenen Stellen alles geschehen werde, um den Bergleuten ihre wirtschaftliche Lage bis zur nächsten Lohnzahlung nach Kräften zu erleich­tern. Die sogenannte gewerkschaftliche Abteilung der Kommunistischen Partei sieht fich gezwungen, eine Mitteilung an dir Streikenden zu erlassen, nach der eine Streikunterstützung für die Bergleute nicht in Betracht komme, da die zu unterstützende Masse zu groß sei.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 14* IaHkgÄUA

gerer als Ereust Moritz Arndt mußte bekennen daß die schwedische Verwaltung der Entwicklung der deutschen Eigenart freiere Bahn ließ als irgend ein anderer deutscher Staat seinen San» dcskindern. Mögen sich auch unter den Stim­men der Partiknlaristci zahlreiche befinden, die wirtschaftlichen Interessen gehorchen cs wer­den ja schon allerlei Lesarten über die Finan­zierung der Abstimmungs-Propaganda verbreitet , mögen auch Vertreter alter cumberländischer Interessen darunter vertreten sein auch von dieser Seite sollen Mittel geflossen sein, das wesentlichste bleibt die große Masse, die bei den Reichstagswahlen einer politischen Partei die Stimme gab, in der Niedersachsen abstimmung aber Wahrung feiner Eigenart fordert.

Kein Niedersachse wird die rein materiel­len Fortschritte leugnen, die das Land un­ter bei- Herrschaft Preußens als Teil eines großen wirtschaftlichen und politischen Faktor? gemacht hat, aber keiner will auch länget die jetzt nach schematischen Vrrwaltungsmethoden rein rationalistisch betriebene Bewertung geistiger und seelischer Kräfte hinnebmen wollen. ' Schutz hei­matlicher Landschaft, wie zum Beispiel des Wil- scder Parks, Schutz heimatlicher Sprache und Kultur, für die eine materislistiscke Weltanschau­ung nur ein Achselzucken übrig hatte, sind Mo­mente zur seelischen Wiedergesun­dung unseres Volkes, die Aufgabe einer jeden Regierung sein müssen, die praktischen Anti- par«tt.ular>smus treiben will. Die aegcn-

Achtung und Wahrung der stammiscker - hat noch stets der Einheit des Reiches u:»en HM gegeben, nicht materialistische Bc-

Regierungsbilöung in Pons

Um den Präfidenten und Ministerpräsidenten.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 21. Mal.

Die Frage der Kabinettsbildung steht, wie die Pariser Meldungen erkennen lassen, in« Vor­dergrund« des politischen Interesses in Frank­reich. Der Parteivorstand der Radikalen ist für

nahmen. Die Befchlagnahme erfolgt durch die Micum. In Mühlheim wurden auch pri­vate Kohlenlager durch französisches Mi­litär besetzt. Allem Anschein nach soll die Be­schlagnahme heute fortgesetzt werden. In Duis­burg wird bereits die allgemeine Schließung der Industriewerke für kommenden Montag durch Anschlag in den Fabriken bekannt gegeben.

Die Kalkeier Neuesten Nalbriclvcn erlM-inen w>ia>?nU>-c> (ezbdiual nacbm ttaßS. Der Adoane. inenlsxreis delr.'gt für ven Mo-r-it Mai 2.00 Mark iiei -rcier Süffelt um n« $an\ in der (SefdmftSftcfle «bgehott LNO Mark. Durch die Bost monatlich 2.00 Mark einschl, ZufiellnnfiS- gebühr, Bering uns Redaition: «»lachthoMr. Ä/30. Fernsprecher 951 uns 952. ,vur r.nocrtongt singssanvrs Beitrag« kann Sie -itedaktion eine yetantroortuttn oder Skewähr in teinem Solle übernehmen. Nachzahlung des Bezugsgeides ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmibtger Lieferung ist anSgeschloffen. Postscheck­konto Frankfurt a.M. Nummer 0980.

Französischer Raub.

Düsseldorf, 21. Mai. (Privattelegramm.) Gestern haben die F r a n z o se n in Essen <>, in Ruhrort 5, in Mülheim 8 und in Duisburg 7 Industriewerke besetzt zu dem Zweck«, die dort befindlichen Kohlenvorrate zu brfchlaa-

Anzeigenpreise Seschästsanzeigen Zeile 15 Pfennig. Familien-An.,eigen Zeile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen drS Wort 21/, Pfennig, Reklamen die Zeile 60 Plennia, Offertgebühr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 «Pfennig), Rechnungsbeträge find innerhalb fünf Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zahlung-tages. Für die Richtig­keit aller durch ernlprecher aufgegebenen Anzeigen, loroie für Äusnabmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachthofstratze 28/30. Geschäftsstelle- kölnische Straße 5, gegenüber der Spohrstraße. Fernsprecher Nr. 951 und 952.

Deutschland ist an staatsmännischen itnd organisatorischen Bkgabungen wahrsche'nlich reicher als irgend ein Land der Welt. Wo die Probe darauf gemacht wurde, wie in der Ausbildung des PriestevstanbeS burch die Kirche, bes Offizierskorps burch b>n Gene, r al stab, des deutschen Kaufmanns unb Techni­kers burch hanseatischen Handel und rheinische Industrie, da war baS Ergebnis immer bent entsprechenden im Ausland überlegen. Aber auf politischem Gebiet war es bis jetzt ein Verhängnis, baß bi« Linen ihre Kräfte nicht kennen, die andern sich angeekelt zurückhalten, die dritten vom Parteiklüngel vorzeitig ver- braucht werden. Wir hiwen keine gewachsenen Formen der politischen Auslese und Erziehung. Wir haben keinen Klub, wie in England, keinen Salon wie in Frankreich, wo Begabungen ent- deckt, mit einander in Fühlung gebracht, an ihren Platz gestellt werden. Wir sind zu schnell groß geworden. Wir leben jeder für sich und find hilflos, wenn wir zusammensitzen. In Eng­land gehört es zum guten Ton unter den großen Parteien, die in Wirklich»"«« fertige Regierun­gen in Bereitschaft sind. Talente zu entdecken, auszuzeichnen und Varzutreiben. Unsere Par­teien sind dazu zu dumm, und unsere alte Ver­waltung batte die Anforderungen bei Lage n'-ckt verstanden. Sie besaß kein Prinzip der tafti- scheu Ausbildung, das mehr als miiielmäiitr: Ergebnisse liefern konnte; ich schweige von dr- neuesten Parteiministern, denn sie haben diese Auslese nicht einmal gewollt.

Die Notwendigkeit nenn Regierungssormen wird eines Tages doch an uns herantreten. Tie Zukunft zwar kennt niemand, unb die großen Veräußerungen im Aufbau bei Staat?, gewalt find immer das Ergebnis >°?^Bln» «ud Gewalt, Siegen ober Niederlagen, Staatsstrei­chen ober Revolutionen «ewefen, wofür sich der Reibe nach die deutsche unb die französische Ver. Innung von 1871, das Reich Napoleons unb die Bill of rights von 1688 anführen lassen. Aber eia für, die allernäcküL.Zeit vorh-d-

Neubau des Reiches.

Spenglers politische Betrachtungen.

Sleubau bed ®eut[0>en Reiches" heißt die neue poittifche Schrift von Professor Oswald Spengler, 0er das nachstehende Stück ent. nommeit ist. (Verlag 6. S. Beck-München.)

Die Kunst des Regierens ist nicht das erste, sondern das einzige Problem der großen Poli­tik. Alles andere folgt aus ihr. Diese Kunst hat die Weltgeschichte gemacht. Sie hat winzige Völker auf die Höhe der Entscheidungen gcho- b.w und große vernichtet. Ein Prinzip zu haben, unter dessen Wirtung die geborenen Führer dort­hin kommen, wo mau sie braucht, eine politische Erziehung, welche die zugehörigen Anlagen weckt, schult, heraustreibt, die entgegengeletzten niedwhLlt; eine Tradition herausbilben, welche alles bieses fast unbemerkt unb in Vollendung leistet bas ist ber Sinn jeder Brrsaffung, in der sich ein Volk besinbet, ob sie nun von einem Herrscher gegeben ober von einer Versammlung beschlossen ist, ob sie in Paragraphen ober Ge­wohnheiten besteht.Recht« des Volkes" sind lächerlich, solange man barunter die Frei­heit besteht, sich von ben Parteien ver- berben zu lassen. Es gibt nur ein Volks- recht, das aus die Leistungen derer, welche regie­ren. Wenn in der großen Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert dieFürstenfreiheit" durch Völkerfreiheit ersetzt werden sollte, so kennte ein Sinn nur dann darin liegen, wenn die Auslese ber Regierenb-n 'besser, bereit Methoben erfolgreicher, ihre Leistungen größer wurden. Die Probe hatte das vorige Jahrhundert zu liefern unb es hat bas Urteil über die demokratische Method: gefällt. Di; Wende zum 20. Jahrhundert ist bezeichnet durch tue notgedrungene, für den Fortbestand der gro- ßcn Nationen nicht mehr aufschiebbare Heber» Windung der europäisch-amerikanischen De- mofratie ober vielmehr dessen, was sie als Ver­wirklichung ihrer Idie hrrvorgebracht Bat; Herrschaft ber Hochfinanz, Wirtschaft ber Par­teien statt Souveränität ber Völker, bereit Ent­mündigung durch Wohlorganisation unb Presse, eine Entwicklung, ble nur bort nicht zum Hn- sinn führte, wo eine alte Aristokratie unter Be­nutzung ber neuen Formen im Amte blieb wie in Englanb. Das englische Unterhaus war bas einzige Parlament ber Welt, wo es etwas zu lernen gab, aber gerade das läßt sich nicht nachahmen. Uns Deutschen haben hundert Jahre gefehlt, unS in diesen Formen bewegen zu lernen, als sie zeitgemäß waren. Jetzt ist es zu spät. Wir bringen es nm noch zur Kari­katur des Parlamentarismus und ohne den geringsten Zweck. Wir sind durch un­sere ganze Vergangenheit, durch unsere Raffe und unsere Sage ein monarchisches Volk, das heißt ans eine Regierung angewiesen, die wir mit Vertrauen und Vollmacht schalten lassen, möge der Regent nun Kaiser ober Kanzler hei­ßen, so wie bie Engländer geborene Republi­kaner sinb seit ber Diktatur ihres Normanen- abels, mögen sie den Bau ihrer Gesellschaft mit einer königlichen Spitze verzieren ober nicht

RachderAbstimmung

Lachsenovs; mit Prentzensahue.

Das springenbe Sachsenroß vor bem alten Welsenschloß in Hannover trug am Abstim­mungstage eine Preußen sahne zwischei ben Vorderhufen. Die Ergebnisse bet Vorabstim- mung haben diesem Symbol recht gegeben, beim an bem verfassungsmäßig vorgeschriebenen M:n. bestsatz fehlen 140 000 Stimmen. Im Sinne des deutschen Reichsgedankens, noch mehr im Sinne des preußischen Führertmns im Reiche ist diese Entscheidung zu begrüßen, ba sie ber Bevölkerung ber übrigen preußischen Provinzen beweist, wie eng bie Hannoveraner seit ihrem ersten heldenhaften Eintreten für bie bentsche Reichseinheit im Kriege 1870/71 sich bem Ver­bände Preußens nicht nur wirtschaftlich und po­litisch, sondern auch im Sinne bes gemeinsamen vaterländischen Gefühles e i n g e g l i e d e r t ha­ben. Hannover ist noch preußisch, aber auch Preußen muß aus diesem Abstimmungsversuch ernste Lehren ziehen. Innerhalb zweier Wochen haben sich bie Welsenstimmen in ben fünf Abstimmungsbezirken gegenüber ben gesam­ten Reichstags-wahl-Welsenstimmen um fün-ng Prozent vermehrt, in der Stadt Hannover selbst gar um hundert Prozent. Das sind Zahlen, die zu denken gebet}.

Wenn sämtliche Parteien in ihrer Presse ihrer berechtigten Freude über die Reichstreue Hannovers Ausdruck verleihen, so zeigt doch ge­rade die Art, wie sie einander bie Verantwor­tung für bas Zustandekommen der Abstimmung zuschieben, daß sie selbst die größte Schuld an dieser Avwehrbewegnng gegen die Hoberzcntrali- sation tragen. Das beweist auch das welfische Agitationsmaterial, das aus allen Parteien den RufLos von Preußen!" zitieren konnte uno doch in ber Lage war, die Nichtigkeit ber Tat, gegenüber einem berechtigtenWahret eure Eigenart"- zu erweisen. Tenn daß gerade ber Niederdeutsche seine ganz besondere Art hat, kann keinem verborgen bleiben, der das wüte Land vom Unterrhein bis zur Ober durchstreift. Bisher war diese Eigenart rem geistiger, seeli­scher Natur, und die Sünde ber Parteien ist es gewesen, daß sie dieses Volkstum übersahen unb in gleicher Weise wie bie bayrische Be­wegung behandelten. Die Welfenbewegung ist nur ein Teil der zahlreichen Bewegungen, die bie Abwehr gegen bie Rationalisierung ber aus Volkstum unb Heimat erwachsenden Belange be­zwecken. Die Stämme des ehemaligen Welfen- reickes blicken auch in der Geschichte ihrer Heimat zurück unb ihre Tradition ist eben die des Wel- fentums. Ihr Weg mußte ein Abweg sein, wie es ber ber bayrischen Parti?ularisten ge­wesen ist. Verantwortlich für die Bewegung aber bleiben die. bie hier gesunde Kräfte eines starken, eigentwilligen Volkstums auf biesen Ab­weg gedrängt haben, bie nicht dafür gesorgt ho­ben, baß bas niebersächsische Volkstunt ritten festen Halt an derbeutschen Gesamt- Tra- bitten, an bem großen deutschen Volkstum finden konnte.

Das übrige Riedersachscnlanb ist in dieser Hinsicht weit günstiger bedacht, «nd dock mag man nicht vergessen, daß sich auch in bett an­deren Ländern niedersächsischer Zunge eine ac- ' wattige Abwehr gegen bie Unterdrückung nickt nur ber niedersächsischen, sondern ber deutschen Eigenart überhaupt heranbilbet. Noch beute sehen zum Beispiel pommersche Laube mit Dank­barkeit nach Schweben hinüber, unb kein Serin-

Folgen der Kreditno».

Bochum, 21. Mai. (Telegraphische Mel­dung.) Die Handelskammer in Bochum hat in einer Eingabe an bie Reichsrrgierung auf die katastrophalen wirtschaftlichen und finanziellen Rückwirkungen der Stillegung des Ruhrberg­baues hjngewiesen. Tie durch die Kredit- not bestehende allgemeine Finanzkrife habe durch die Bcrgarbeiterbewcguug eine derartige Verschärfung erfahren, daß mit einer erheblichen Anzahl von Zahlungseinstellungen bereits in den nächsten Tagen zu rechnen fei, wenn die jetzige Lage noch einige Zeit andauere.

Essen, 21. Mai. (Privattelegramm.) Die Gewerkschaften des RnhrrevierS haben gestern abend einen bedeutsamen Beschluß gefaßt. In der Frage der Arbeitszeit im Bergbau , _ . ------- ----------- --- ------

wollen fie auf den Boden des Schiedsspruches gestern Poinrore zu einer längeren Besprechung treten unb der Arbeiterschaft die Annahme empfangen. Dieser Besprechung wird i.t poli des Schiedsspruches empfehlen. Damit sind die tischen Kreisen größte Bedeutuna briip'legt. Sic Gewerkschaften von ben revolutionären Bc- soll zu der Entscheidung geführt habe», daß Mil-