Vierzehnter "L3 Kasseler Neueste Nachrichten
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2. Beilage.
Mittwoch, 21. Mai 1924.
Gefandtenwechfel.
Der bisherige Deutsche Gesandte in Stock- Halm, Rudolf Nadolny ist in gleicher Eigenschaft unter Verleihung des verfönlichen Charakters als Botschafter nach Konstantinopel versetzt worden. Rudolf Radolny ist am 12. Juli 187.3 gehören. Nack; bestandener juristischer Staat svrüfting wurde er am 6. April 1902 in das Auswärtige Amt cinüerusen und am 28. Stott 1903 der Botschaft in Petersburg zugeteilt. Am 23. Dezember 1907 wurde er im Auswärtigen Amt zum Legationsrat und am 25. Mai 1914 zum Wirklichen Legationsrat ernannt. Nachdem er im Jahre 1913 bereits an den Konsulaten in Sarajewo und Albanien tätig gewesen war, wurde ihm im Juli 1916 die Verwaltung der Gesandtschaft in Persien übertragen. Am 39. Juni 1918 wurde er zum Geh. Lega- ticnSrnt ernannt. 1919 war er Leiter der poftti- schen Abteilung beim Reichspräsidenten. Am 1'7. Januar 1920 wurde er zum Geschäftsträger in StoSbolm und am 5. Mai 1920 zum. außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Stockholm befördert.
Ter Außenminister a D. v. Rosenberg ist zum Gesandten in Stockholm ernannt worden. R-reberic von Rosenberg ist am 26. Dezember 1374 geboren. Rach bestandener großer Staatsprüfung wurde er am 17. April 1903 in das Auswärtige Amt einberufen und am 21. Februar 1905 nach Antwerpen entsandt. Am 30. Okckber 1907 wurde er als ständiger Hilfsarbeiter ins Auswärtige Amt einberufen, wo er 1912 zum Wirklichen Legationsrat und Vortragenden Rat und 1916 zum Geh. Legationsrat ernannt wurde. A m 8- Dezember 1917 wurde ihm Titel und Rang eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers verliehen. Rach längerer Tätigkeit in der Gesandtschaft Bern wurde er am 19. Januar 1920 zum Geschäftsträger in Wien und am 30. Mai 1920 zum außerordentlichen Gesandten und bevoll- mächtigten Minister in Wien ernannt. In gleicher Eigenschaft leitete er vom 24. Dezember 1921 ab die Gesandtschaft in Kopenhagen. bis er am 22. November 1922 Zaun Reichsminister des Auswärtigen ernannt wurde. Am 13. Aug. 1923 ist er mit dem Kabinett Cuno von seinem Posten zurückgetreten.
Aus der Heimat.
Drr neue Lanvorbettertaris.
Für verbindlich erklärt.
Der Präsident der Reichsarbritsverwaltung Hat durch eine Entscheidung vom 25. 4. 24. IV 2865755 den am 16. Januar 1924 zwischen dem land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverband für Kurhessen E. V- einerseits und dem deutschen Landarbeiterverband. Gau Kassel, und dem Zentralverband der Landarbeiter, Geschäftsstelle Hessen-Nassau, Sitz Kassel, andererseits abgeschlossenen Tarifvertrag mit Wirkung ab 1. Januar 1924 für bis Kreiie Hofgeismar, Eschwege, Fritzlar, Homberg, Melsungen, Ro- tenSürg, Hersscld, Witzenhausen, Wolfbagen, Fulda. Gersfeld, Ziegmbain, Marburg, Kirchhain, Frankcnbergs owie Kassel-Stadt und Land als allgemein verbindlich erklärt. Hiernach gilt der betreffende Landarbeitertarif für sämtliche ländliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer der oben genannten Kreise ohne Rücksicht darauf, ob
dir beir. Personenkreise Mitglieder der ver- tragsschließnden Parteien sind oder nicht. In Zweifels fällen empfiehlt eS sich, nähere Aus« lunft bei einen der oben näher bezeichneten Verbände einzuziehen.
Ein Sägewerk in Flammen.
ES wird Brandstiftung vermutet.
Aus Waldkappel wird gemeldet: In der Nacht zum Sonntag ist das Sägewerk tro.t Chr. Fuchs niedergebranut. Das Feuer ist kurz vor 12 Uhr im Dreschmaschinen schuppen ausgebrochen. An den dort vorhandenen Strohvorräten fand es reiche Nahrung, sodaß es sich mit Windeseile auf die Schreinerei und das Sägewerk verbreitete und die Gebäude mit den darin vorhandenen Materialien in Asche legte. Sämtliche Maschinen sind mitverbrannt. Es konnte nur eine davor stechende Lokomtive gerettet werden. Wie es beißt, sollen sich in dem Sägewerk etwa zwei Eisenbahnwagen Bretter befttnden haben. Die Waldkappeler Feuerwehr mußte sich infolge der schnellen Ausdehnung des Brandes auf die Rettung der anliegenden Gebäude beschränken. Es wird Brandstiftung vermutet.
Schutz der Salweide
Ter Kasseler Regierungspräsident hat mit Zustimmung des Bezirksausschusses folgendes für den Umfang des Regierungsbezirks Kassel angeordnet, das leider etwas zu fpät für dieses Jahr erscheint: Die Salweide (i'asir caprea) und die ein sacke Weide (salir viminalis und Pnr- pnrea) sind geschützt. Es ist verboten, die Salweide zu entfernen oder zu beschädigen, insbesondere sie anszngraben, auszureinen, ihre Blüten (Kätzchen), Zweigs rder Wurzeln abzupfiük- ken, abzureißen. »Sznschneden, feilzuhalten, an« zulausen, zu verkaufen und zu befördern. Blüten s.Kätzchen), tragende Zweige der einfachm Weide abznpftücken, abzureißen, abzuschneiden, feilzuhalten, anzukaufen, zu verkaufen und zu befördern. Dem Verbot unterliegt auch'jede arider: Art des Erwerbs oder der Veräußerung, das Anbieten oder die Vermittelung folcher Rechtsgeschäfte, das Eingehen einer Verpflichtung zum Erwerb rder zur Veräußerung.
Gärtnereien, die den Nachweis erbringen, daß sie Weidenkätzchen in erheblichem Umfang selbst züchten, kann von der zuständigen Orts- Polizeibehörde auf Grund eines auszustellenden Ausweises der Verkauf der von ihnen gezüchteten Zweige gestattet werden. Tie Berechtigung zum Wiederverkauf solcher Zweige durch Bln- menhandlungen ist an den Nachweis geknüpft, daß sie in einer Gärtnerei gezüchtet sind, welche die polizeiliche Erlaubnis dazu hat. Ausnahmen von den Bestimmungen können für die Zeit von 14 Tagen vor Ostern für die Kreife Fulda, Hünfeld und Gersfeld von den Landräten nach Maßaabr besonderer Bestimmungen zugelassen werden.
* Ihringshausen, 20. Mai. (Feuerwehrtag.) Am kommenden Sonntag findet hier ein Feuerwehrtag statt. Vormittags ist eine Sitzung der Bezirksbrandmeister und anschließend eine Versammlung der Ortsbrandmeister und Zugführer angesetzt, in welcher auch Feuerlösck- direktor Fescher das Wort ergreifen wird. Nach gemeinsamem Mittagessen werden um 2 Uhr Schulübungen mit anschließender Alarm- Übung der freiwilligen Feuerwehr Ihringshausen unter Hinzuziehung der Bezirksführer vor- genommen. Ter -rrtüc’t Arbeit folgt am Abend ein geselliges Zusammensein. °°
* Melsungen, 20. Mac. (Schüler als Lebensretter.) Der Kasseler RegieruttgSpräfsident gibt amtlich bekannt: Die Schüler Jürgen Koepke, Heinz Belitzki und Hugo Stein in Melsungen haben am 22. Februar 1924 den Schüler Gottfried Gundkach. welcher beim Schlittschuhlaufen auf der Fulda cingebrocheu war, durch ihr entschlossenes Eingreifen vom Tode des Ertrinkens gerettet. Hierfür spreche ich ihnen öffentlich meine AneRennung aus.
* Landau (Wald), 20. Mai. (Als er toieder- kam.) Hermann Schönstedt von hier, dessen Eltern 1873 an den schwarzen Blattern starben und an einem Doge beerdigt wurden, besuchte jetzt seine Heimat und spendete der Schule 409 Dollar. Die Zinsen dieses Kapitals sollen durch
die jeweiligen Lehrer in Landau zum Besten der Schulkinder jedes Jahr verteilt werden. Einen Teil der Zinsen erhalten immer die beiden fleißigsten und würdigsten Kinder und zwar je ein Knabe und ein MÄchen bei ihrer Entlassung aus der Schule. Der andere Teil wird zum Besten der gesamten Schulkinder, besonders auch der ärmeren, zur Unterstützung bei Schulausflügen usw. verwandt.
* Zimmersrode, 20. Mai. (Geschlossene Bahnhöfe.) Die Haltevunkte Densberg und R e p t i ch an der Bahnstrecke von Zimmersrobe nach Gemünden (Wvhra), Haartmühle nnd Gemünden Süd an der Bahnstrecke von Kirchhain nach Gemünden (Wohra) sind für den Personenverkehr geschlossen worden.
* .Hersscld, 20. Mai. (Rücktritt Haufchildts?) Es heißt, daß Landrat Hauschildt das zuständige Ministerium um Enthebung von seinem Posten gebeten und Hersseld schon verlassen habe.
* Arolsen, 20. Mai. (Baumfrevler 1 An der Landstraße nach Helsa sind nachts zahlreiche der frischgepflanzten Obftbäum: zerknickt worden.
Dos Diadem des Atters.
Königinnen im grauen Haar.
Das Schicksal hat weder an dem jungen, noch an dem mittleren oder alten grauen Haaren etwas zu tun. Es ist einfach der Ausdruck der jeweiligen Konstitution der Kopf- und Haarnerven, und nur erst beim alten Menschen das Anzeichen des natürlichen Absterbeus Es gibt Sechzigjah- rige, bei denen sich noch kaum ein weißes Haar bemerkbar macht. Hat also eine Frau in den reiferen Fahren mit dem Leben der Liebe und des Gefallens noch nicht abgeschlossen, so wird das grave Haar ihr auf diesem Weg« nichr jtt hinderlich sein, wenn sie sonst wohlkonserviert und jung geblieben ist. Entweder ist dem Liebhaber ihr graues Haar ganz gleichgültig, wenn er sie noch liebenswert findet, oder es ist >hm gleichgültig, wenn er das Geld dieser wohlkon- scrvierten Frau braucht. Denn Geld übertüncht mit Grazie ein paar Falten und ein ehrwürdig graues Haupt. Können denn Kinder ihre Mnt- tet lieben und hochhaften, die sich ihrer grauen Haare schämt und sie färbt, um mit ihren Töchtern den großen Ringkamps aufzunehmen?
Es ist ein Zeichen der Zeit, daß die Töchter heutzutage mit ihren Müttern in einem wenig ehrerbietigen Verhältnis stehen. Der ge - fchwi st erliche Ton, der jetzt vorzuherrschcn pflegt, ist nicht, wie viele uns das glauben machen wollen, ein Produkt des Verstehens und der herzlichen Kameradschaft, er ist ebenso oft eine Mißachtung, iveil sich die Mutter neben der erwachsenen Tochter Erfolge erzwingen will und sich deshakb äußerlich jung hält. Die Kinder lieben euch zehnmal mehr mit grauem Haar und junggebliebeuer Seele Seid geistig jung, das ist die einzige Jugend, die das Älter schmückt und mit ihm versöhnt. Aber auch da, wo es sich wirklich nur um persönliche Eitelkeit bandelt, wo die Furcht vor der allgemeinen gesellschaftlichen Entwertung die Fran Heimsucht, auch da sind alle diese großen Anstrengunaen, Jiüaend zu heucheln und dem grauen Haar den Tod zu erklären, bedauerlich und töricht. Tas graue Haar rächt sich, wenn es von feinem rechten Heim vertrieben wird, und wirst seinen Nebenschleier über das Gesicht, über das Auge, über die Gestalt und jede Bewegung und dann unfehlbar auch über das Herz. Und dann sind wir schreckliche alte Seilte, vor denen alle Jahrgänge schaudern.
Aber wenn wir den Reif über das Haupt spinnen lassen, seine seinen, lichten Fäden, die das geheimnisvolle Schweben vom seligen Glück und tiefen Leid in unserem Leben wehmütig stolz künden wie ein Lied, das in schwelgender Erinnerung ausAingt, dann hängt das Herz voll reifer, saftiger Früchte, und das Ange hält milde den Blick in die Sonne anderer aus, ohne sich ab- zuwcnbcn und zu erblinden. Dann werden wir von der Art alter Leute sein mit den hellen Augen, mit den kräftig frischen oder feinen blassen Stirnen, zu denen sich die Jugend in die warmen Stuben drängt, von denen es Märchen hören will.
Und wir werden an den Fenstern sitzen und
Auslug halten in die Fernen, immer tu die Fernen! Aber nicht in die Fernen, die am Horizont aufziehen, fondern in die Fernen, die versunken und darum so schön sind, weil wir wissen, was sie uns hielten und was wir ihnen gaben mit unserem Herzblut und all unserer naiven Sehnsucht. Tie Fernen, über die der Nebel graut wie Über unser Hauvt. — So viel Verklärung schattet über jenen Frauen! Uno junge Leute werden uns unsere Runzeln neiden, weil sie von Ueberwindnng sprechen. Vom Sieg über das harte Leben, das nach der Jugend sich ausstreckt, um sie unter Lust und Qualen zn zeichnen! E, Rüst.
Was der Hmwmzt sagt.
Leicht und schwer verdauliche Speisen.
Die Verdaulichkeit der Speisen richtet sich nach ihrer Zubereitung. Sehr verbreitet ist die Ansicht, daß rohe Eier leichter verdaut werden als gekochte; manche wieder meinen, daß ein weich gelochtes Ei besser vertragen werde als ein rohes. Die Gelehrten sind über diese Streitfragen jedenfalls noch nicht einig. Sicher O't aber, daß har gekochte Eier weniger bekömmlich sind als weichgekochte Eier; diese werden in zweidreiviertel Sftinden, jene in dreieinhalb Stunden verdaut. Andererseits werden hart gekochte Eier, sofern sie in_ ganz dÜn - ne Scheiben geschnitten sind, sodaß sie eine große Oberfläche barbieten, vom künstlichen Magensaft noch schneller aufgelöst, als Weiche und rohe.
Beim Fleisch spielt die Zubereitung, eine Rolle. Prof. Uffelmann stellte an einem Knaben, der eine Magenfistel hatte, interessante Versuche an. aus welchen hervorging, daß gebratenes Fleisch besser verdaut wird als gekochtes und robeS. Der Verdauungsakt nimmt für gebratenes Rindfleisch nur zweidreiviertcl, für gekochtes dagegen dreieinhalb Stunden in An- spruch und steigt, wenn das Fleisch seit gelocht wird, sogar aus drcidreivierkel Stunden an. P ökelfleisch wird erst in sechsdrciviertel Stunden verdaut Im Allgemeinen wird Fleisch durch die Zukbereitung schmackhafter und weicher und dem rohen Fleisch deshalb meist »ungezogen. Doch wird auch rohes Fleisch, wenn es genügend fein zerkleinert ist, wie bei dem sogenannten Schabefleisch, sodaß es den Verdauungssäften eine möglichst große Oberfläche darbietet, aut vertragen. Im fein gewiegten Zustand wird es sogar von Magenleidenden xittoeifen besser »ertragen u. »erbaut als das 31:bereitete.
Was endlich die Milch anbetrifst, so wird sie in gekochtem Zustande schneller verdaut als in rohem. Gekochte Milch verschwindet in etwas mehr als anderthalb Stunden, rohe erst nach zweieinviertel Stunden aus dem Magen., Bei längerer, fortgesetzter Milchdiät tritt freilich Widerwillen ein, zumal wenn das tägliche Quantum mehr als zwei Liter beträgt. Um sich übrigens ausschließlich mit Milch zu ernähren, ohne dabei an Körpergewicht zu verlieren, müßte ein erwachsener Mensch mindestens drei Liter täglich trinken. Endlich fei htzei noch des O b st e s gedacht. Im allgemeinen wird gekochtes Obst besser vertragen als rohes; zumal bei Verbauungsstörungen sollte man das Obst nnre in Form von Kompott genießen.
Der Ofen unseres Leibes.
Die nickst genau erforschte Tätigkeit der Lunge im Haushaft unseres Körpers wirb durch Versuche von Rogers neu beleuchtet. Die Lunge isi hauptsächlich, und zwar in viel stärkerem Maße als die Leber am Fettst0ffwechses des Körpers beteiligt. Während die Leber besonders die Kolenhpdrate, den Zucker an sich zieht und umwandelt, verarbeitet die Lunge die Fette, die ihr vom Darm her durch den Milchbrustzttgang und das Venenblut zuströmen. Zn gleicher Zti« zieht die Lunge die Fette aus au en Teilen be i Körpers mit Hilfe bet roten Blutkörperchen an sich und wird so zu dem eigentlichen „Ofen" un< seres Organismus. Gewisse Formen der Fett- sucht beruhen auf ungenügender Tätigkeit der Lunge.
Dttlnnt erschde Lufdreife
Von
Carl Caspar Heyer-Kassel.
Vor vählen Iobren hadde ich hier in unser Vadderschdadt de Freide. zum erschdenmoh n Lufdballongk ze sehen. Ich ließ minnem Ahlen mbb eher Ruhe, bis hä mäh erlauwede, mäh n Billjedd ze laufen, imme das Tchau- sckbiel moh in der Nahe zu betrachden. Aes mar u herrlicher Augustsunndag, als der Ballongk in de Sehe schdieg. In der Gondel faß ne wun- nerscheene Dame, be Frau Sekurius, etwa zwanzig Husaren hielden den Lufdballvngk feste, nun uff das Kommando »Los" fchdieg des Dengen kerzendrade in de Lufd, sloch itotoer be Dächer wecken nch der „Bellewie“ zu, um bann itotoer be Au noh dem Kausunger Walde Zu zu verfchwinnen.
„Ach, kenndest Lu doch au moh so ne Fahrd middemachcn!“ Tifien Gedanken ben ich bis uff den heidigen Dag nibb loSgewom. Nee, nur noch befbiger totrb in müh der Wnnfch, r i m 0 h nur so frei vnn allen Sorgen, frei »un allen Aehrdenfchmrrzen dohinne ze segeln durch be Wolken, wo m-> kinnem Menschen begegnen duhd, unn wo me .sich nidd mehr y ärgern bruchd! — Eines Owends scbbrocb ntinne bessere Hälfde zu mäh. äs wäre Besuch bogetoefen, hä wulloe gegen Owend wwderkcmmen. Se reichte mäh ne Kahrde. die hädbe bä dogclassen. Rur einen Blick schmiß ich uff dieselwe, doh wußde ich genug! Ra, so was! .Gottfried Rieder. Arnsberg" las ich gan, erschdaund. Was. zum Deiwel, mag der vnn dah wollen? Uff leben Fall war ich gefchbannd wie ’n Fiitzebo- geu! Als hä bann owends kam, kannte minn Juwel linn En ne!
Verniedlich saßen mäh dann bie'm guben Toebbciien zesammen unn daufchdeu unser Er- i’.inentngcn unn Erlewnisse ns, nlj bletzlich minn Freind Mick fragen ohad: .Befde denn mmcr nock> W dnss uff be 2 n ft s ch i ff a h rd.
wie frieher?" .Awer nadierlich,“ anntoerbeb: ich. .Dann dbädeste wohl au gerne moh tntobe fliegen?“ „Ach, vor minn Lewen gerne, wenn ich mtr einen wißde, der mich moh ufr so ner Sutbreife mibbenebmen dhäbe. ’s dirfde awer nir kosben!“ „Unn wenn sich nu einer fin- »ten bhäbe, he? Was meinsdr derzn, wann ich bäh sogar zu so ner Reife verhelfen kenn de? He? So anbtoerb doch!“ .Du? — Ach mach sinne Witze, alles, was ich mäh usbidde, mach nur so Finne Fiffewadenden midd mäh, nun stahl mich in Minnen ahlen Dagen zum Uze!" Unn nutz verzählde hä mäh, daß hä Midglieb vum „Teibschen Lnfdfchiffervercine“ wäre, unn baß am annern Morgen ne Ballongkrcife mit jinnem Lusbschist .Fandasie“ unnernommen Svenen sullde. Wann ich midbe wullde, fallde ich mich nurb rechdzeidg barad Halen, häh wull- be mich schund abhohlen. ES madtben noch zwei Freinde biefe Bardie midde. Mäh älie- ioen bann noch n baar Schdunnen in ahngclr.- gendlichsder llnnerhalimg zesammen unn brenn« den uns midd dem Wunsche: Uff frohes W'tdd ersetzen morgen!
Wz ich in minnem Stiebchen Widder ganz alleine war, wußde ich erfckd nibb, ob alles Wohrheid oder ’n Traum gewesen war, alles drehde sich mibb mäh rimme, ich hibbede, danz- be, sang ganz lube vor Freibe, so daß minne Ahle, die schund im Bedb« lag, an be Wand bummeibe, unn mäh jurief, ob ich ’n Klacks hädbe. Ich awer brank noch die baar Resterchen us, die ufi’m Tisch schdanden, unn bann.. ? Jo bann , . .!
Am annern Morgen scbbcmb schon in aller Hcrrgo^dsftiehe minn Freind Rieber in vuller Reise- ristunge vor minnem Bebde. Ich fchdand rasch uff, brant schnell Kassee unn bann gings los. In kurzer Bibb waren mäh per Aubo am Ziele. Der Ballongk war schund zum Uffschdieg bereib. .Emschdeigen!“ rief mein Frciud. Bohle waren bem .Lufbikus“ bie Fesseln gelest un hosdenibbvosehen schdieg bä in de Hetze in den Aedtzer ninn! Dtäh wurde ufj
eimoh so gan? eigendiemlich zemude, Grau, blau unn griene wurd's mäh vor den Augen! Bletzlich kam ’n Windstoß — die Gondel wackl- de schdark hin unn her — so daß ich in ’ne Ecke sloch. Minn Freind lackde hell uff, dresbc- be mich unn half mäh Widder uff be Beine. Dann warf hä ’n baar Sandsäcke us, so daß mäh immer Hetzer flocken. Ich zibderbe am ganzen Kerber wie Esbenlaub. — Uff eimoh — mäh waren vielleichde 1'0 ner dreißig Minuden gefloßen — beerbe ich ’n Tunnern unn ’ne Braus.m um uns rimme wurde ’s ganz dunkel — mäh waren inn ”n Gewiddenschdnrm ninnge- wehb Wäre ich doch berheime gebliewen, ich Unglickstoorm! Minn Freind leerte zwar noch de iwwrigen Sandsäcke, bomit mäh us bisscr „Helle“ Nlskamen — ia brosde Maylzibd. Es hals nir. Der Rieder wurde immer drurigrr unn ernster. Tann dbad ha ’n diesen Seifzer, sah mich »unn der Siede ahn uni» schbrech: „Wer »unn Eich hodd dann do unnen, Wann unz sullba was baffieren, am meifden zu verlieren? Dann, wann nnse Ballongk nidd mehr Hetzer gebrachd tocren kann, so sinn mäh alle verloren ! Ich honn nämlick kinncn BaNasd mehr. Unn ruS missen mäh us diessem Tun« nertoebber! — Ich staube mich bie bissen Worben im Kitzchen in be Ecke geduckt, dann beerbe ich, wie hä Widder schbrach: „’s etnzigsbe wäre, daß mäh den Ballongk leichder mach- ben, daß bä us bi ff em Sanwedber ruskimmed unn itotoer emme schdehd. Unn deshalb jz äs am befben — doberbie sah bä mich brohend an — mäb werfen ben Schwerfden von uns itotoer Bord. Einer muß fich oppern!“ Dann klobbede hä mich uff be Schuller, Mbdel- de mich hin unn her, während um uns immer bie Blitze fuhsdcn unn der Dünner rolldc, als wenn der jingsde Dag abnbrecken bhäde. Mio minn liewer Freind, so leib tote ’s mäh bhied, atotoer du besb der Sdttoetfbe unn tzoid nibb vähle mehr ze verlieren. Dinn Drinchen inerb sich schunb ze brefben wissen — also, bhn uns den Gefallen. Aes i§ doch besser, einer gehd kabubd. wie mäh alle viere!“--
Ich war mehr hob als lawenbig. Ich wnll- be was schbrechen, ober nurb noch ’n Schbam- mcln kam itotoer minne Zähne. Ob ich noch ’n Wunsch hädbe? fregben fe mich hehntsch. Ich fchiddelde mit b’m Kobbe! — Tann Packden fe mich.--— Liewer Freind, liewer Rieder,
liewer Godbfried. bibbe, bibbe, midd den Beinen zuerfchd 1 gagede ich---unn bann
ließen fe mich los--— bumtzs ---—
Schweißbriesend wackde ick uff! Lang us« gefchdcckb lag ich ujf ber Aehre! Vor mäh fchdand min liewes Drinchen unn hicld mäh eine von sinnen Badendreben. Tas annere lafti sich bable erklären: Ich war inugeschlosen ufi dem Schduhle un hadde das ganze bull« Zeig gebreimeb!
Stammbuchverse.
Von
Otto Weddigen.
Sckwielen in des Mannes Hand Finden Ehr’ im ganzen Land. .
UeberaK willst du entdecken Fehler, drum verdamme nicht. $n der Sonne selbst sind Flecken. Und doch strahlt und wärmt ihr Licht.
»
Ie'c sreunblich gegen jedermann, Doch Freundschaft biet’ nicht eher an. Bis du in allen Lebensstunden (rin Herz als treu und wahr befunden Tie Waffen vor dem Unglück stkecken, Heißt erst, das Unheil ganz erwecken,
*
Nichts ist getan mit Reden, Was Großes nur erschafft, Und was allein heilt Schäden, DaS ist die Tat und Kraft.