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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 116. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Sonnabend, 17. Mat 1924.

Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf 14. Jahrgang

Hoffnung Ms Einigung im Bergbau.

tim das Ruhrgebiet.

Keine Milderung durch Frankreich?

DaS Ergebnis der französischen Wahlen und dessen erste Folgeerscheinung, die Ankündigung der Demission Poincares, dürfte auch von wei­ten Kreisen des besetzten Gebietes, von dessen künftigem Verhältnis zu Frank- reich hier allein die Rede sein soll, mit einem gewissen Ausatmen der Erleichterung begrüßt worden sein. Ein solches rein gefühlsmäßiges Reagieren des besetzten Gebietes auf den Ausfall der ftanzöstschen Wahlen ist nun an sich zwar be» greiflich, aber nichtsdestoweniger verfehlt. Ge­wiß, mit dem wir fügen schon jetzt hinzu vorläufigen Abtreten PoincareS von der Leitung der französischen Politik verliert der be­setzte deutsche Westen seinen zweifellos größten Feind Es dürfte sich wohl erübrigen, dies noch im einzelnen zu begründen. Der Ruhreinbruch das brutale Unteidrückungssystem der Jahre 1923 und 1924, die Separatistenpest sind für immer mit dem Namen des .großen* Lothringers ver- knüpft. Dem scheidenden Poincare wird daher niemand im besetzten Gebiet, rs seien denn die Herren Dorten und Matthes, eine Träne nach­weinen, und der Wunsch, daß da« Verschwinden dieses Mannes ein dauerndes sein möge, dürfte an beiden Ufern der Rheins wohl allgemein sein.

Leider wird dieser Wunsch aber nur Wunsch bleiben, ist er doch ebenso wenig reell begrün­det, wie etwa die Hoffnung, daß das Verschwill» den Poincarös gleichzeitig auch das Verschwin­den des bisherigen B e s e tz u n g s s h st e m s be­deuten könnte. Im Gegenteil, mögen auch die Wahlen vom 11. Mai einen beträchtlichen Links- ruck in Frankreich gezeitigt haben, nichts berech­tigt bisher zu der Annahme, daß dieser Links­ruck irgend welche Aenderungen in der ftanzösi- schen Besetzungspolitik zur Folge haben werde. Man übersieht vielfach in Deutschland, daß der französische Wahlkampf unter ausschließlich innerpolitischen Gesichtspunkten geführt wurde, daß er sich namentlich um die von den Linksparteien verworfene Franken- und Steuer­politik Poincarös drehte, und daß die Ruhrfrage in ihm nur insofern eine Rolle spielte, als sich die Entscheidung der französischen Wähler haupt­sächlich gegen Poincare richtete, weil er es nicht vermochte, die finanziellen und wirtschaftlichen Rückwirkungen des Ruhrunternehmens von Frankreich abzuwehren. Fragen des Besat- zungSregimeS an sich, also des Verhält­nisses der Besatzungsbehörden zu der Bevölke­rung des besetzten Gebietes, sind tn diesem Wahl­kampf überhaupt nicht zur Debatte gestanden.

Wie für den Wahlkampf, so dürften auch für die" kommende Bildung der neuen französischen Regierung nur innerpoliiische Gesichtspunkte be­stimmend sein DieS ist nicht nur die Ansicht der ftanzösiscken Presse, sondern auch die Ueber- zeugnng aller führenden Blätter des Auslandes. Es wäre auch vollkommen verfehlt, schon setzt von einer französischen Linksrcqie- rung zu sprechen. Der sogenannte Linksblock ist durchaus keine dauernde Parteikombination wie etwa die Koalition der deutschen Mittelpar­teien, eS ist vielmehr ein reines Zweckgebikde und im wesentlichen nur ritt die Wahlen geschaf­fen worden, mehr loses Kartell als fester Block Eine Regietungsbikdung aus den Parteien die­ses Blockes, Radikalsozialisten, Sozialistische Re­publikaner und unifizierte Sozialisten, wird dem­entsprechend auch von allen Kennern der fran- rösischen Verhältnisse für durchaus unwahrschein­lich gehalten, wogegen man eine Koalition aus den beiden Linksparteien des nationa­len Blockes und den zwei Rechtsparteien der Linksblockes für die aussichtsreichste und wahrscheinlichste hält. Diese Parteikombination würde ungefähr der Regierungsmehrheit der ftanzöstschen Kammer von 1914 entsprechen, und es muß immer wieder daran erinnert werden, daß diese Kammer eS war, die seinerzeit den Versailler Vertrag annahm und deren Politik hauptsächlich die Deutschland nachteilig­sten Bestimmungen dieses Vertrages durchsetzte. Diese Kammer besaß auch eine ausgesprochen linksortentierte Mehrheit. Gehörten doch allein 186 Radikalsozialisten und 90 Sozialisten ihr an. Trotzdem erwies sie sich jeder Verständigung mit Deutschland durchaus abgeneigt, und eS ist nur nackte Logik, wenn man von der jetzigen Neu­auflage dreier Linkskammer nichts besseres er­wartet.

Man vergegenwärtige sich schließlich, daß aus­gerechnet von Herriot, dem Führer der jetzt siegreichen Radikalsozialisten undkommenden Mann", die Ruhrpolitik Poincares ausdrücklich gebilligt worden ist und daß von ihm der Ausspruch stammt, daß es dort, wo dte Fahnen Frankreichs einmal engagiert feien, einen Rückzug nicht geben dürfe. Ein grundsätzlicher Wandel in der ftanzöstschen Außenpolitik und damit auch der französischen Besetzungspolitik erscheint uns unter diesen Um­standen nach wie vor als höchst imwabrscheinlich. WaS das dauernde Verschwenden Poincarös be­trifft, so lassen sich schon jetzt in der französischen

Presse Stimmen vernehmen, die durchaus mit der Möglichkeit rechnen, daß P o i n c a r >; in einem kcmmcnden Kabinett Herriot oder Briand das Außen - Mintsterium übernehmen werde, eine Kombination, die durchaus nicht un­wahrscheinlich klingt, wenn man sich vcrgegen- wärtigt, daß Poincare lediglich aus innerpoliti- schen Gründen im Wahlkampf unterlag.

Besserung im Bergbau.

Mau hofft auf Beilegung des Streiks.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 16. Mai.

Die Verhandlungen im ReichsatbeitS. Ministerium über die Beilegung des KonflitteS zwischen den Zcchenverbänden und den Bergarbeiterverbänden sind gestern nach kurzer Pause wieder aufgenvutmea worden. Der Vorsitzende der Schlichtungstammek hat sich dahin geäußert, daß es voraussichtlich möglich sein werde, die Verhandlungen noch heute zu be­endigen und zwar durch Anuahme eines vom Reichsarbeitöminiflcrium gefällten Schied«. sPruchS. Dieser Schiedsspruch würde auch im Falle, daß er von einer der Parteien nicht an­genommen werde, für verbindlich erklärt werden.

Die Reichsregierung.

Beratung innen- und außenpolitischer Fragen. (Telegraphischer Berichts

Berlin, 16. Mai.

Die ReichSrcgierung, deren Mitglieder jetzt wieder vollzählig in Berlin versammelt sind, wird heute und Morgen zusammentreten. In der ersten Sitzung dürften Fragen der äußeren Politik, insbesondere die Sachverstän­digengutachten, zur Erörterung stehen. Des weiteren dürste sich die Reichsregierung mit der durch die Wahlen geschastenen Parla­mentslage befassen, vor allen Dingen mit der Frage, wie die Regierungsbildung er­folgen kann. Bon gut unterrichteter Seite ver­lautet, daß die Reichsregierung vorerst nicht gesonnen ist, der Ausforderuttg der D rutsch - nationalen nachz,,kommen und sich bis zur Bildung einer neuen Regierung jeder Weiter­führung dircster oder indiretter Verhandlungen über das Sachverständigengutachten zu enthal­ten. Die endgültige Entscheidung über die Regierungsbildung kann naturgemäß erst dann erfolgen, wenn die Fraktionen des notige» wählten Reichstages zusammengetreten find.

2lu« ver bayrifG-beutfHen Dostsporiri.

München, 16. Mai. ' (Telegraphischer Be­richt.) Der Landesvorsitzende der Deutschen BolkSpartei in Bayern, General v. Schoch, erstattete in der ersten Versammlung seiner Par­tei in Münden nach der Wahl Bericht über die politische Lage. General v. Schoch erklärte e& für ein Unding, wenn die alte ReichSrcgierung im Amte bleibe und warten wolle, bis sie gestürzt worden sei. Der Gedanke deS ArbeitSblocks der Mitte fei außerordentlich unglücklich. Eine Betet, liguttg der Deutschen BolkSpartei daran wäre gleichbedeutend mit ihrem moralischen Tode. Das Verlangen der Deuts chnationaleN an die Deutsche BolkSpartei, Dr. Strrsemann zu opfern, würde ein Ehrenpunst für diese Partei fein. Im übrigen stehe die Deutfchnationale Bolkspartei trotz aller Gegnerfchast bei der Wahl der Teut- fchen Bollspartei am nächsten und ein Zufam- mcngehen falle und müsse in Erfcheioung treten. Eine Koalition in diefem Sinne fei gut möglich.

Das Messegeschäft in Köln.

Eine sehr günstige Beurteilung.

(Telegraphische Meldung.)

Köln, 16. Mai.

Nachdem das Schwanken zwischen Angebot und Nachfrage durch daS Ucbrrwiegen der Geld- und Kreditknapphcit eine gewisse zwangsweise Festigung erreicht hatte, läßt sich heute in htt:n Strichen eine Vorbilanz der ersten Kölner Messe ziehen. Im allgemeinen ist das Ergebnis als überaus günstig zu bezeichnen. Technische und Textilmesse styreiten um den Bor­tang des besten Geschäfts, wobei auch bei bei- orn einzelne Zweige sich noch weit über das all­gemein günstige Niveau hervorhetzen. Die Übri­gen Branchen, abgesehen »on ver günstigen Lage des Nahrungs- und Geuußmittciutarktes weisen ein befriedigendes Geschäft auf. Es muß beson­ders betont werden, daß die Kölner Mess« für viele Aussteller eine beträchtliche Last! neuer

Kunden gebracht hat und daß infolge der Geldknappheit zum Teil geheinmte große Ge­schäfte durch vermehrte kleine Umsätze ausgegli­chen find. Die Gruudflimmtmg ist die: Die Köl- ncr Messe hat sich d u r ch g e f c t? t. Der Erfolg liegt nicht nur in den getätigten Abschlüssen und ihrem einzigartigen Propagandawert, son­dern auch in den Auswirkungen, die nach An­sicht aller Aussteller sich erst nach der Messe zei­gen werden und die durch das Uebcrgcwicht der Nachfrage garantiert sind.

Der deutsch-russische Steift.

Stellungnahme zur russischen Rote. (Eigener Drahtberichr.)

Berlin, 16. Mat.

Im Auswärtigen Amt ist gestern die umfang- rtidfeHotz der russischen Sowjetregierung ein« getroffen, die in russischer @prad)e abgefaßt ist und zur Zett noch übersetzt wird. Sie enthält die in Moskauer Meldungen bereits anaekünbia- ten russislhen Forderungen aus Anlaß der Zwi­schenfälle in der russischen Handelsdelegation. Im Ucbrigen steht die Regierung zu dem Ver­halten per deutschen Polizeiorganisationen wei­terhin auf dem bekannten Entschuldigungs­standpunkt. Die Kommunisten haben inzwischen die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses zur Besprechung des Vorfalles tn der russischen Handelsdelegation beantragt. Das Reichs­kabinett tritt heute vormittag 10 Uhr zu­sammen, «m zu der gestern überreichten russi­schen Rote Stellung zu nehmen. Wie verlautet, ist die russische Rote in einem so herausfordern­dem Tone gehalten, wie man ihn in diplomati­schen Dokumenten im Allgemeinen nicht kennt. Gestern abend versuchten die Kommunisten eine Demonstraiton vor dem Polizeipräsidium, wurden aber durch die Polizei zersprengt.

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Die erterrltoriöütei anerkannt.

London, 16. Mai. (Privattelegramm.) Die Morniligpost meldet aus Moskau: Der deutsche Außenminister Dr. Stresemann hat nach einer offiziellen Mitteilung der russischen Teleqr. Agentur in seiner Entschuldigung an die Mos­kauer Regierung am Dienstag die Exteritormli- tat der russischen Handelsvertretung in Berlin anerkannt. Damit ist die Hauptforderung bet Russen erfüllt und dem Konflift zwischen Moskau unb Berlin seine Schärfe genommen. Dir Mvrningpost fügt hinzu, in Moskau fei bieses schnelle Rachgeben Deutschlands nicht erwartet worben. Man bebaue«, bie im Großen Sowjet gehaltenen beuffchfeinblichen Reben.

Einspruch des Voilzelchefs.

Berlin, 16. Mai. (Privattelegramm.) Der vom preußischen Innenminister wegen seines Eingreifens gegen bie revolutionären Umtriebe in bei russisdfcn Handelsvertretung seines Amtes enthobene Chef ber politischen Polizei, Oberre- gierungSrat Weitz, hat gegen seine Suspen- bierung bie Beschwerde beim Staatsministcrium erhoben. Mit Dr. Weitz sind acht Herren des PokizeivräsibiumS gemaßregelt worden. Die in bet russischen Handelsvertretung beschlagnahm­ten Gegenstände waren 6 Kisten revolittionärc Aufrufe an bie Reichswehr unb Schutzpolizei, s> Kisten revolutionärer Druckschriften JÜr die Arbeiterschaft, sowie ein vollständiges Magazin zur Fälschung von Stempeln, Dokumenten und Reisepässen. (!))

Um das Gutachten.

Der Regierungswechsel bringt keine «enderung. (Eigene Drahtmeldnng.i

PariS, 16. Mai.

Wie derTempS" meldet, ist in der Be­sprechung zwischen Poincare und dem Vorsitzen­den der Reparationskommission Barthou festge- stellt worden, datz ba8 Expcrtcngutachten auch in der neuen französischen Kammer von achtzig Prozent der Deputierten unterstützt wirb. Jn- folgebeffen bebeuke ein Regierungswechsel keine «enberung ber Stellungnahme Frankreichs in bet Reparationskommission. DemMatin" zufolge ist von Barthou beabsichtigt, das Erper- tenmimchren unter allen Umständen am L Juli in Kraft treten zu lassen unb bis dahin bie Ver­handlungen innerhalb der Kommission unb mit Deutschland zum Abschluß zu bringen.

yolneare sucht eine Mehrheit.

Paris, 16. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) In den Wanbctzängen bet französischen Kam­mer würbe eine neue Lösung ber Ministerkrise vorgeschl-Mn. Diese Lösung verlangt, baß P o i ne a t ö bi» zum 1. Juni versuchen soll, in ber neuen Kammer eine Mehrheit für feine Po­litik zu finden. Die Havasageniur hebt in einem Wahlkommentar mit besonderem Nachdruck her­vor, daß bie Sachverständigengutachten auch in einem neuen Regime die Grundlage deS Rrpa- rationsvroblems bleiben werden.

Luft-Wettbewerb.

Rüstung in England und Frankreich.

Während fi« von Deutschland völlige Abrüstung verlangen, arbeiien die«ieaerstaaeen- Eng. land und Fnaukreich an riesenhaften Flug-Pro- gramrnen. Die nachstehenden Mittei uiigrn sind anch irir Deutschland sehr beachtenswert. Die Rivalität zwischen England unb Frankreich, die sich bis vor Kurzem darin geäußert hatte, daß die englischen Flugzeug» sabriken fieberhaft Kampftypen bauten, um den französischen Vorsprung auf Vern Gebiete des Militärflugwesens wettzumachen, ist in ein neues Stadium getreten, das nicht mehr und nicht weniger als eine Neusormierung des europäischen Gleichgewichts er. warteni läßt. Das britische Weltreich ist im Be­griffe, die strategischen Nachteile, die ihm bis­her ans der Tatsache der außerordentlick großen Weiträumigkeit feiner geographischen Schichtung erwuchsen, durch eine gewaltige Anstrengung int Wege einer radikalen Verkehrsreform ein für allemal wettzumachen. Lu diesem Zweck wird demnächst mit der Verwirklichung eines gttcide» zu gigantisch ,u nennenden Flugprogramms be­gonnen werden, ans Grund dessen die Riesen- cntsernunq von London nach Sydney, die nicht weniger als 13000 englische Meilen be- trägt in knapp sechs Tagen überwunden werden soll. Der neue Flugdienst wird Tag- und Nachtbetrieb haben und sich nicht nur auf den Post- und Passagierverkehr, fon. dern auch auf den F r a chtv e rk e h r, und zwar tn denkbar größtem Ilmfang, erstrecken. Schon jetzt werden Flugzeuge von erstaunlich gro­ße n Dimensionen gebaut. Ein Blick auf die Pläne lehrt, daß es sich um

fliegende Massen-Transportmittel für Menschen und Lasten

handelt .also um etwas vollkommen Neuartiges, das fast phantastisch anmutet. Offenbar aus einen Wink von oben unterstrekchen die Zeitun­ken den durchaus friedlichen Charakter dieser Vorbereitungen. Vielfach kehrt das Schlagwort wieder:Silberne Kugeln sind besser als Bomben!" Das richtet sich zugleich gegen Frankreich, das, vorläufig wenigstens, dr: Bom­ben den silbernen Kugeln vorzuziehen scheint. Es ist and» ohne weiteres zuzugeben, daß der neue britische Flugdienst zweifellos außerordentlich günstige Resultate wirsschaftli» cher Natur zeitigen und sich als mächtiger Mo­tor der britischen Schatzanhäufung erweisen wird. Doch ebenso sicher wird er über die Rea­lisierung dieser ökonomischen Ziele hinaus von weittragender Bedeutung werden. Abgesehen davon, daß die straffe Zusammenfassung eine! Staatenaebildes durch das Mittel eines engma­schigen Verkehrsnetzes feit jeher die verheißungs­vollste Vorbedingung her politischen Einheit unb Homogenität darstellt, bedeutet die Möglichkeit, Menschen- und Materialtransporte größeren Umfangs in kürzester Frist von einem b.s zum anderen Ende des riesigen Imperiums bewerk­stelligen zu können, einen

Faktor von höchstem militärischen Wert.

Im Hinblick auf diese Tatsache erscheint die durch die sranzösffchen Luftrüstungen vorübergehend hcrabgerninderte Vormachtstellung Englands alz bloße Episode ohne tiefere Bedeutung. In Zu­kunft Wirb England nicht nur sein früheres Uebergewicht zurückgewinnen, sondern weit darüber hinaus an Macht und Kraft piofitieten. In politischen Kressen gibt man sich hierüber reiner Täuschung hin und er­wartet insbesondere, daß Frankreich ange­sichts bei neu geschaffenen Tatsachen zu eine, Politik der Vernunft und Mäßigung zurückkeh­ren wird, (f) Der militärische Kurs, der di« Rachkriegspolittk Frankreichs bestimmt Hat uni noch bestimmt, wird einmal liquidiert Werder müssen. Die Folge werde eine neue und endlich wieder aufrichtige Entente cordiale zwischen England und Frankreich, zugleich aber auch eine den Grundsätzen von Recht und Billigkeit ent» sprechende Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland fein.

Die versenkte deutsche Flotte.

Englische Hebungsarbeit in Scapa Flow.

Englische Offiziere, die in Scapa Flow vock ihren Schissen sahen, wie die deutsche Kriegs­flotte heransegelte, um sich zu ergeben, versichern, daß sie den Anblick einfach nicht ertragen konn­ten; wider Willen füllten sich ihre Augen mit Tränen. Daß solch ein Schicksal eine Martve treffen kannte, die bisher bie gefährlich,tr Drohung gegen die englische Uebcrmacht zur see bedeutet und im Kamps einen Standard bewie­sen. welcher in vielen Punften den der Englän­der hinter sich gelassen hatte, war ein unfaßliche, Ereignis. daS die Nerven erschiitterte. Am 4. Juni MS versenkten die Deutschen selbst in Scapa Flow bei den Orknev-Fuseln die F l o 11 e, die sie den Alliierten hätten aNSliefcrn sollen. Mit Recht hat man .gesagt, daß dieser Tag Zeuge der größten Katastrophe tn der Ge­schickte der Flotten ist. Niederlage und Schiss-