Donnrro.ag, 2D. - -
Mandate. — Im gsiticn waren 584 Mandate ,’u verteilen. Der Rest von 15 Mandaten fetzt jid) zusammen aus 10 Ergebnissen aus den Ko-'o- nien, die noch nicht bekannt sind, aus vier Sitzen, die im Wege der Stichwahl verteilt werden, und einem Mandat im Rorddeparie-nent, dessen Träger noch zweifelhaft ist. Die Liste ist mehr in Anpassung an die Fraktionsverteilung in der alten Kammer angelehnt als an die während der Wahl selbst benutzte Liste der Agentur Havas.
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Die Zusammensetzung der Linken.
Paris, 13. Mai. Es ist zu bemerken, daß unser Linksrepublikanern die Gruppe der republikanischen und sozialen Aktion tParlci Jonnart) und die alte Gruppe der Linksrepublikaner (Partei Leygues) zusammengrfaßt sind, die hiernach als selbständige Fraktionen verschwinden würden. Desgleichen umfaßt die demokratische Linke der Statistik die alte Gruppe der republi- kanisch-demokratischen Linken, der Raoult Pcrct und Kriegsminister Maginot angehören, und offenbar die während der Wahlkampagne als dissidierende Radikale bezeichneten nicht eingeschriebenen Mitglieder der radikalen und sozia- lPsch-radikalen Partei. Unter der „Entente Republicaiu» Democratic" ist die alte Gruppe Arago zu verstehen.
Keine Hoffnung in Amerika.
Rewyork, 14. Mai. Dem „Newyork Heralb" zufolge ist man in amerikanischen Regierungskreisen überzeugt, daß die französische Außenpolitik nach den Wahlen keine Aenderung erfahren werde und daß der Dawesplan bis zum nächsten Herbst durchgeführt werden würde.
Kommunistische Hetze im Nuhmediet.
Aufforderung ,» Mord und Totschlag!
Gelsenkirchen, 14. Mai
Gestern sind hier von den Kommunisten eine grosse Anzahl von Flugblättern angebracht worden, in denen aufgefordert wird, von jetzt ab Gewalt anzuwcnden. Die Plakate tragen die Ueberschrist: „An das kämpfende Ruhr- proletariat" und den Untertitel: „Mit Hacken und Hammern schlagt die Ausbeuter nieder". Es wird dann aufgefordert, in die Wohnungen der Kapitalisten einzudringen und die Gelder herauszuholen. Die Polizei sei, soweit sic nicht auf feiten der Kommunisten stehe, niederzuschlagen. Alle Lebensmittel wären zu beschlagnahmen und zu verteilen. Ferner wird aufgefordert, sofort proletarische Hundertschaften zu bilden. Streikbrecher seien ebenfalls totzuschlagen. Aehnlichc Flugblätter sollen, wie ein Vermerk besagt, täglich herausgebracht werden. Angeblich sollen die Flugblätter in Hamm hergestellt sein, jedoch steht einwandfrei fest, dass sie v o n B e r- lin bezogen wurden. In Gelsenkirchen werden zurzeit noch zwei weitere Flugblätter verbreitet, und zwar ein Ausruf der K. P. D. Berlin an die Eisenbahnarbeiter und Exportarbeiter. sich der Bewegung anzuschliessen, und ein Aufruf der „F. F. F.", mit den Separatisten zirsammenzuarbeiten.
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Die Internationale soll tzrifrn.
London, 13. Mail Der Führer der bri- klschen Grubenarbeiter, C o ck, hat von dem Generalsekretär der Deutschen Bergarbeiter, Husemann, folgendes Telcgranim erhalten: „Unser Kampf wird immer intensiver. Ueber eine halbe Million Grubenarbeiter stehen nun im Kampfe und brauchen dringend internationale Unterstützung." Die britischen Grubenarbeiter werden sich heute auf einer Konferenz mit dieser Frage beschäftigen. Eock deutete in einer Unterredung mit einem Vertreter des Mail» Herold darauf hin, dass die britischen Grubenarbeiter ihren Siebenstun- dentag unmöglich einhalten könnten, wen» die deutschen Grubenarbeiter nicht die englische Unterstützung für dasselbe Prinzip fänden. Eine Deputation der britischen Grubenarbeiter wird die Frage heute dem Minister des Innern unterbreiten.
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RuhrverlrcSer in Berlin.
Berlin, 14. Mai. Die gestrigen Besprech- stnqen im Reichsarbeitsministerium führten insoweit zu einer Annäherung der Auffassungen, dass beide P a r t e i e n sich bereit erklärt ha-
beit, Vertreter zu der Verhandlung vor de.n Reichskanzler am Mittwoch und zu den später stattfindenden Vcrhandkungen im Rcichsarbeits- ministerium zu entsenden- — Wie wir weiter erfahren, finden in den Bergbaurevieren noch im Laufe des heutigen Tages Sitzungen der Arbeitgeber und der Gewerkschaften statt, in denen die gestrige Besprechitng zur Te- batte gestellt werden wird. Auch auf Seilen der Gewerkschaften scheint der Wille zur Einigung fetzt stärker vorhanden z» sein, da man in diesen Kreisen mit der Tatsache rechnet, dass bei einem Andauern der Bewegung in Rheinland- Westfalen auch ein erneutes Eingreifen der französisch-belgischen Aufsichtsbehörden nickt unwahrscheinlich wäre und dass tn diesem Falle die Bewegung einen für die Arbeiterschaft recht ungünstigen Verlauf nehme« könnte. ♦
Der deutsrh-rufflsche Konflikt.
Erledigung durch eine Kommission.
Berlin, 14. Mai.
Die seitens des Auswärtigen Amtes der Berliner russischen Botschaft (in der Angelegenheit der Durchsuchung der russischen Handelsvertrc- knng) unterbreiteten Vorschläge gehen dahin, daß für die Erlangung des Zwischenfalls eine paritätische Kommission vorgeschlagen wird, ebenso für die Prüfung der Frage der Exterritorialität. die gewisse Vertreter der Handelsdelegation in persönlicher Hinsicht genießen könnten. Beide Kommissionen sollen sich aus neutralen Sachverständigen zn- sammensetzen. Wenn keine Einigung zustande- kommt, soll nach dem deutschen Vorschlag ein Schiedsgericht entscheiden. Vom Auswärtigen Amt ist bereits eine Note abgegangen, die dem Bedauern über den Vorfall Ausdruck gibt, insoweit Verletzungen von Vorrechten solcher Mitarbeiter der Handelsvertretung vorliegen, die das Recht versönlicher Exterritorialität genießen. — Wie wir von russischer Seite hierzu hören, würde die russische Regierung eine paritätische Kommission annehmen, wenn diese das Rechr erhielte. Zeugen zu vernehmen und von sich aus eine Untersuchung anzustellen. Auf ein Schiedsgericht will sich die russische Regierung aber keinesfalls einlaflen.
Im Preußischen Landtag wird der ganie Fragenkomplex in der ersten Sitzung nach der Pause, am 20. Mai. zur Sprache kommen. Der preußische Innenminister Severing wird sich in dieser Sitzung über den deutsch-russischen Zwischenfall in einer Rede verbreiten.
’S reifte russische Forderungen.
Berlin, 14. Mai. Russland hat inzwischen den Abbruch aller wirtschaftlichen Transaktionen mit Deutschland vollzogen. Als Ergebnis der in Moskau gepflogenen Verhandlungen steht die Uebergabe einer Note in Berlin zu erwarten, die nach unseren Informationen unter anderem folgende Forderungen ausgestellt: Strikte Garantie der deutschen Regierung für die Sicherung der Arbeit der Handelsvertretung und Anerkennimg der Exterritorialität des Gebäudes: Absetzung des verantwortlichen Beamten; Bestrafung der Beamten, die sich Grobheiten und Gewalttätigkeiten gegenüber den Mitarbeitern der Handelsvertretung zuschulden kommen ließen; Entschädigung der betroffenen Persönlichkeiten. — Hoffentlich sind die von Deutschland gestellten Forderungen ebenso deutlich!
Der Finanzminifter über die Kredilnot.
Sorgxm um die Zukunft.
München, 14. Mai.
In einer Versammlung der Vertreter von Handel, Industrie unb Gewerbe sprach gestern abend in München Reichsfinanzminister Dr. Luther über wirtschaftliche und finanzielle Fragen. Besonders beschäftigte er sich mit der steigenden Kreditnot und erklärte, er sehe mit Sorgen in die Zukunft, weil nicht erfindlich fei, wo die Krediterleichterungen Herkommen sollen. Der Minister verwies auf unsere seit dem Monat Januar steigende passive Handelsbilanz. Als einen Trost bezeichnete er es, daß eine neue Inflation unmöglich sei und wieder wertbeständig gespart werden könne. Wir müssten die Währung erhalten, weil ein Verfall die schlimmsten Folgen zeitigen müsste. Bis zum Zeitpunkteder Goldwährung
Mtisslen wir auf der fetzig:» 'ni nngsgruuü- lagc weiter wirtschaften.
Weitere „Deutsche Sage".
Vorbereitungen in Breslau.
Breslau, 14. Mai.
Für den kommenden Sonntag wird wieder eine grosse Kundgebung der vaterländischen Verbände angekündigt, die diesmal in Breslau stattfindet. Auch wird ein „Deutscher Tag" verbunden mit Fahnenweihe des „Stahlhelms" angckündiat. Zahlreiche Stahf- helmgruppen und rechtsgerichtete Vereine sollen von auswärts nach Breslau Msammenkommen. Für den Sonntag vormittag wird dann in dem offiziellen Programm „Antreten sämtlicher Stahlhelmkameraden, nationalen Verbände, Re- gimentsvcreine und süddeutscher Korporationen auf dem Palaisplatz" angekündigt. Es foliu dann Abmarsch nach dem Festplatz ,ein öffentlicher Marsch durch die Hauptstrassen. Auf dem Platz sollen dann unter Fanfaremilussk die Fahnen mit ihren Falmenkomvagnien aufmarschieren. — Der Revublikaitische Kriegsteilnehmerbund „Sckwarz-Rot-Gold". dem Sozialdemokraten, Demokraten und linksstehende Zentrumsleute angehören, kündigt Gegtnttmdgebung an.
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Die Kundgebung im Freien verboten.
Berlin, 14. Mai. (Telegraphische Meldung.) Wie das B. T. hört, hat das preussische Ministerium des Innern die Genehmigung zu der in Breslau für den nächsten Sonntag angekündigten grossen nationalistischen Kundgebung versagt. Zugelaffen ist allein eine Versammlung im Saal die vorschriftsmässig angemeldet wurde.
Die Dollar-Schatzonweisungen.
Annahme bis 20. Mai.
In letzter Zeit sind Fälschungen der als Zahlungsmittel verwendeten Stücke der SLay- anweisunaen des Deutschen Reiches von 1923 (Geldanleihe), fällig am 2. September 1925 über 0,42 Mark Gold gleich ein Zehntel Dollar, 1.05 Mark Gold gleich ein Viertel Dollar, 2.10 Mark gleich einhalb Dollar, 4.20 Mark gleich 1 Dollar, 8,40 Mark gleich 2 Dollar. 21 Mark gleich 5 Dollar, beobachtet worden. Es erscheint daher angezeigt, die Verwendung dieser Stücke als Zahlungsmittel aufzuheben. Die Kassen des Reiches werden die vorbezeichneten Abschnitte der Goldanleihe nur noch b i z zum 20. Mai d. I. in Zahlung nehmen. Um Stücke aus dem Verkehr zu ziehen, wird den Inhabern angeboten, a) die Einlösung zum Nennwerte in Rentenmark oder gesetzlichen Zahlungsmitteln, b) der Umtausch in neue unverzinsliche auf 500. 1000 und 2000 Goldmark lautende Schatzanweisungen. die am 1. September ober 1. Juni 1925 fällig werden. Die Antragsteller können zwischen diesen beiden Arten von Schatzanweisungen wählen. Für die am 1. September 1924 fälligen Schatzanweisungen wird ein Diskont von 8 Prozent, für die am 1. Juni 1925 fälligen ein Diskont von 10 Prozent gerechnet für die Zeit von Hergabe der Goldanleihestücke bis zum Fälligkeitstermin der unverzinslichen Schatzanweisungen.
Sämtliche Reichsbankstellen nehmen die Goldanleihestücke zur Bareinlösung oder zum Umtausch in unverzinsliche Goldschatzanweisungen entgegen. Die Annahme zur Einlösung wird mit dem 20. Mai geschlossen. Umtauschanträge können bis auf weiteres auch nach dieser Frist noch gestellt werden. Bei den Umtauschbetragen sind die Minderbeträge, di: an den Nennbeträgen der Schatzanweisungen von 500, 1000 und 2000 Goldmark fehlen, in bm zuzuzahlen. Die Einlösung in bar und die Aushändigung einer unverzinslichen Schatzan - Weisung erfolgt möglichst bald, nachdem die Echtheit der eingelieferten Stücke durch die Reichs- fchuldenverwaltung geprüft worden ist. Vom 21. Mai d. I. ah sind die kleinen Stücke der Goldanleihe lediglich Wertpapiere, die börsenmäßig gehandelt werden.
Aus Boliffi und Wirtschaft.
Sun Yat-Sen, der chinesische Revolutionär-j-. Wie aus Hongkong gemeldet wird, ist Sun Hat Sen an einem Gehirnschlag gestorben. Er war im Jahre 1867 a!s Sohn kleiner Leute geboren, wurde infolge seiner Begabung in der Schule
gekörpert uno i^m das -tachum in En: a:3 ermöglicht, wo er den Doktorgrad erwarb Er nahm dort neue Ideen auf, die er bei seiner Rückkehr nach Cß-na 1911, zur Zeit der Revolu- tion in die Tat umzusetzen versuchte. Die Süd- chinssen wählten ihn -um Präsident-n der Rc- pubkik in Nanking, aber die Nordchinesen erkannten ihn nicht an. Diese wählten Mian Schi Kai in Peking. Schließlich trat Sun^at Sen zurück und betätigte sich als volitisch-r Agitator. Er war ein idealer Schwärmer, aber kein Staatsmann. 1
Verhaftung eines polnischen Spions An- läßlich der B r e s l a u e r Messe veranstaltete die Kriminalpolizei eine großzügig angelegte Raz- $in int Innern der Stadt. Die gesamte Innenstadt wurde von 125 Polizeibeamten völlig abgerieg^lt und mehrere hundert Personen, die sich noch auf den Straßen befanden und nicht vollgültig auszuweisen vermochten, wurden nach dem Hauptbahnbof abgedränqt. Hier erfolgte die Feststellung der Personalien. Unter den Sistierten befand sich u. a. auch ein polnisch e r S p i on, der sofort der politischen Polizei zugeführt wurde, ferner wurden mehrere von verschiedenen Staatsanwaltschaften gesucht« Schwerverbrecher festgenommen.
Weites aus staffel.
Turnen, ©»ort unv Spiel.
Faustball der D. T.
Frauen und Männer tummelten sich im schönsten Frühlingswetter. Es zeigte sich, daß im Faustball die meisten Gegner gleich spielstark wa. rett, leider wurden die Spiele etwas durch den aufgekommenen Wind beeinflußt. Bei den Spielen der Frauen stellte Tura die besten Spielerinnen und gewann mit der 1. Mannschaft über Kirchditmold und knapp über die Kasseler Turngemeinde, während die zweite Mannschaft im Spiel mit Kirchditmold 1. dieselbe Punktzahl erreichte. Bei den Männer» bet! A-Klasse gewann Kasseler Turngemeinbe knapp über Kirchbitmolb, währenb Henschelwex- ke unb Kirchditmold mit 46:46 unentschieden spielte. In der B-Klasse gewann Kasseler Turn- gemeinde über KirchditmoÜ».
Tchlagball-KreismeistEsse.
Turnverein Jahn-Homberg — Tum- «. Ra- sensportv Kassel 5551 (29:35). Das dritte Spiel der Meisterklasse wickelte sich in Homberg vor einer verhältnismäßig zahlreichen Zuschau, ermenge ab, und hinterließ einen sehr guten Eindruck. — Bei Platzwahl hat Homberg de» Vorteil, zugleich in das Schlagmal zu kommen. Ztt Anfang macht sich eine gewisse Erregtheit bei den Spielen bemerkbar, da es für Tura gilt, die Schatte gegen Corbach vom Svnntag vorher auszuwetzen. Tura war voll auf dem Plan und führte eins seiner besten Spiele vor. Homberg fiel der größeren Spielerfahrung Turas zum Opfer und diese errangen einen Punkt nach dem andern. Beim Schlußpfiff stand das Spiel 91:5 für Tura. Der Schiedsrichter Kalv- Corbach war in seinen Entscheidungen gerecht, aber nicht bestimmt genug. — In der Gruppe „Süd" stehen sich nun die Homberger, Kasseler und Corbacher in gleicher Punktzahl gegen über. Tura ist davon wohl als aussichtsreichster Anwärter für den Gruppensieger anzusprechen.
Turn- und Sportverein von 1848.
Die Sportabteilung des Turn- und Sportvereins 1848 hat für den 18. Mat keinen geringeren Gegner als T.-A. Jahn-Regensburg nach hier ^verpflichtet. Nach Ftrrth-Karlsbad hat Re- gensburg das Wort. Jahn gehört mit zur ersten süddeutschen Klaffe und wird unfern Sport- intereffenten einen guten Tag bereiten. Jahn tritt mit stärkster Mannschaft, darunter fünf Repräsentative für Nordostbahern und Ober. Pfalz-Niederbayern an.
Schwimmsport.
Obgleich einige Vereine bereits die Bade« saison eröffnet haben, kann man erst mit Ein- tritt der schönen warmen Tage damit rechnen, daß der Schwimmsport in vollem Umfange ausgenommen wird. Ter Aufbau der August Ger- hatdt'schen Badeanstalt am rechten Fuldaufer ist in diesem Jahre besonders glücklich gelöst
3m Reiche der Kunst,
©taaidflbeater Kassel.
.Die fünf Frankfurter", Lustspiel von Carl Rößler.
Carl Rößlers sechzigster Geburtstag gab Veranlassung, das gemütvolle Lustspiel „Die fünf Frankfurter", das einen bemerkenswerten Ausschnitt aus dem Leben der fünf Brüder Rothschild zeigt und die Vorzüge unb Schwächen der Menschen in gütiger, verstehender Weise berührt, nach mehrjähriger Panse wieder einmal aufzu- führcn. Ten Inhalt darf man als bekannt voraussetzen. Die sriedfertige und versöhnende Stimmung, die das Stück durchweht, wirkt wie ein wohltuendes Mailüstchen an einem sonnigen Tag, als angenehme Unterbrechung in rauhen, frostigen Wochen. Prächtiger Humor und gutgemeinte, verzuckerte Satire werden nach allen Richtungen hin ausgestreut. Man läßt als Zuschauer mit Schmunzeln und froher Laune die heiteren Ereignisse an sich vorüberziehen unb freut sich schließlich über die glückliche Lösung.
Die gestrige Aufführung, die unter Herrn Werends Leitung stand, strömte viel Frohsinn und Heiterkeit aus. Einzelheiten hätten aber noch der Ausarbeitung bedurft, so vor allem die Masken. Tie ganze Familie Rothschild sah gestern reckt christlich aus, aber Einer, Carl, der aus Italien kam. verflieg sich gleich ins andere Er- trem. Es hätte dabei mehr auf Einheitlichkeit zeachtet werden müssen. Auch soll das Stück mcht etwa ein Schwank sein, sondern einen vorneh- nen Stil haben, wie es bei Weltmännern selbstverständlich ist. Und dann der Dialekt! — War das ftankfurkisch? — Dialekt-Stücke auf der Bühne sind immer ein heikler Punkt. 9Ib#t Frankfurter Mundart sollte doch geläufiger sein, fzm Einzelnen gaben sich die Darsteller redliche Mühe, den richtigen Ton zu treffen. Tie alte Frau Gwdnla wurde von Auguste Scholz vor- iresftich im Spiel und in der ganzen Erscheinung gegeben Sie verkörperte die ehrwürdige, alte Mutter, die noch ben Mittelpunkt der in alle Welt verteilten Familie bildet. Von den fünf
Brüdern trat Gustav Pickert als Salomon (der Wiener) hervor und brachte die dieser Figur eigene Tatkraft und den Ehrgeiz lebhaft zum Ausdruck. Den Anselm spielte Fritz 93 er en» den Nathan Rudolf H e l l b a ch, den Carl Ernst W e h l a u und den Jakob Kurt Uhlig, jeder nach seinem Typ. Als Lotte, Salomons Tochter, war Anni Wein ert recht reizvoll. Den Herzog Gustav gab Alfons Pape sehr gut mit jovialer Lebensfreude. Charakteristisch spielten Adolf Jürgensen als Fürst Klausthal und Hans Schlcnck als Hofmarschall. Kleinere Rollen waren durch Karl Eberle. Hermann Böckler, Berta Hermann und Inge Conradi in geeigneter Weise besetzt. Das Bühnenbild, von"Direktor Waßmuth eingerichtet, war geschmackvoll. Tas gute besetzte Haus spendete freudig Beifall. . K. F. D.
Konzert des Kasseler Lieberverelns.
Chormeister: Julius Hesse.
Tie bekannte Vereinigung gab gestern abend anerkennenswerte Proben ihres Könnens. Der Chor umfaßt etwa 150 Mitglieder, die recht wohl geschult sind. Besonders schön sind die schwarzen, traasähigen Bässe, aber auch die Tenöre verfügen über weiches, schönes Material. Der Hauptvorzug des Chores ist, daß er sehr verständig singt und aus die Intentionen seines ausgezeichneten Chormeisters liebevoll eingeht. Die konzertierende Vereinigung hatte sich die Sache nicht leicht gemacht und recht schwierige Chöre von Hegar und Kempter sich zur Aufgabe gestellt. Wenn auch restlose Ersüllung, besonders in dem Kemvteschen Chor, uns nicht wurde, so ist doch bte meist richtige Intonation. Halten des Tones, unb, wie schon oben erwähnt, geisiige Erfassung bcS Liebinhalts besonders hervorzn- beben. Sehr schön gelang in dem Hegarschen Chor „Die beiden Särge" das Schlachgetöse.
Wiederum waren zwei Solisten geloben, trotz aller Warnungen unb entgegenstehenber Bitten der Kritik. Wiedernm hatte man sich einen Berliner Tenor verschrieben, der kaum den beschei
densten Anforderungen genügte. Herr Senn - beim verfügt über ein kräftiges, sogar schönes Stimmaterial, das man aber als verbildet ansehen muß. Im Forte macht der Künstler so gewaltige Kraftanstrengungen. daß ihm die Adern aus der Stirn treten. Die Folge dieser Anstrengung ist naturgemäß ein Nachlassen des Tones und eine schwache, kaum klingende Mittellage. Was ich von dem Sänger hörte, war auch dem Programm nach durchaus unküustlerisch Hier kann man sagen: „Ausgerechnet Bana... diettich", dieses längst verschollene, durchaus epigonenhafte und minderwertige Sftick des kleinen Sohnes des großen Vaters ist auch in einzelnen Stucken nicht wert, noch gehört zu werden. Ebenso geht es mit der zweiten Arie aus den ..Mädchen aus dem goldenen Westen", die Herr Sennhenn sang. Diese Musik ist kaum etwas anderes als verwässerte Butterfly-Musik, die, das sagen auch alle Bewunderer Puecinis, besser nicht aeschiieben wäre. Rach diesen Kunstproben hatte ich kein Verlangen, noch Wagner-Arien von Sennhenn zu hören.
Sehr effreut war ich. endlich einmal die künstlerische Bekanntschaft mit Frl. Elsa Schade zu machen. Von Frl. Schade hörte ich zwei Lieder von Fleck und zwei von Winternitz. Schon dieses Programm macht Frl. Schade Ebre. Es ist Pflicht einer gewissenhaften Konzertsängerin, unter allen Umständen die guten zeitgenössischen Liederkomvonisten zu berücksichtigen. Frl. Schade verfügt über einen schönen, dunkel timbrierten Sopran. Ihre Technik ist ganz ausgez: ichnet. Sic deckt die Höhe in geradezu mustergültiger Weise, die Stimme spricht in allen Lagen aleich- mäßia an. Ter ausgezeichnete Sinn für Rhnth- mus ist bei einer Dame besonders hervorzuheben Den Liedern gab sie feine Gcsiattung, insbesondere waren der Fleckiche „Frühlingsabend" und Winternitz' „Leise klingklarei" ausgezeichnete Proben ihrer feinen Sangeslunft. Dr. P.
Aus Kunst und Wissen.
** Ein schwarzer Erfinder. Wie aus Wellington auf Neuseeland berichtet wird, hat c:n!
Eingeborener namens Rikiana, der ein Fahr- radgeschäft in Te Kuiti besitzt, einen elektrischen Apparat erfunden, mit dessen Hilfe man Risse in Eisenbahnschiene» aufsinde» kann. Er wurde zu seiner Erfindung durch Vie Eisenbahnkatastrophe von Ongarue im vergangenen Jahre angeregt. Es sind dem dunkelfarbigen Erfinder bereits große Angebote von Amerikanern für bie Ueberlassung bcs Patents gemacht worben; er will jeboch bie Ausnutzung ber Erfindung zunächst den Eisen- bahnen seines Landes zugute kommen lassen nnd hat bas Patentrecht bem neuseeländischen Eis en bahnministerium übertragen.
** Der große Münchener Kunst-Aufmarsch. Die große, für diesen Sommer geplante Kunstschau in München wird als Ausstellung der „deutschen Malerei in den letzten fünfzig Jahren" das bleibend Gewordene in der malerischen Entwicklung dieses Zeittaumes sestgehalten unb bamit zum ersten Male einen repräsentativen, qualitativ erlesenen Ueberblid über llbbe, Thoma, Liebermann, Corinth, Slevogt wird diese Kunstschau bis zu Nolde, Heckel und anderen Vertretern der jüngsten Maberne führen. Etwa breihunbcrt Werke aus deutschen Galerien wird aus Privatbesitz, ;um Teil öffentlich nie gesehene Stücke, werden den Bestand dieser Kunffschau bilden.
** Keine Todesgefahr bei Lungenentzündung. Dem amerikanischen Arzi Dr. Felton ist es ge- lui'2eu,.iu>ch Impfung von Pferden bas 2c- ritni, das bis jetzt ZUr Bclänipfung der Lungenentzündung angewandt wurde, in gau z reinem Zustand zu gewinnen. Es i'i eine weiße, kristallische Substanz, die crictefc’.ierma f;eu als Gegengift gegen den Bazillus vorzügliche Dienste leistet. Es sind bereits bmidcel- zwanzig Fälle mit cinwandsrciern Erfolg mit dem Serum behandelt worden, das frei von allen schädlichen Beimischungen ist, die bie Verwendung des P'erdese.ums bisher geißbrüd er machten wie die Lungenentzündung selbst. W c retfichert wird, vermindert sich bei Anwenduw :«!> n.-uen Mittels d e Todesgefahr um 50 Pxc.