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Dienstag, 13. Mai 1924,

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

Nummer 112

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Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. JüHkgENg

Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Zuwachs der Mgelparleiev in Zranlreich.

die

Äwvlf Tote, fünfzig Verletzte.

Die

eine harte Maßnahme gekennzeichnet und zugleich die Möglichkeit betont hat, die Beset- zungsfristen ab zukürzen, gemäß Artikel 431, der diese Möglichkeit vorsieht für den Fall, daß Deutschland vor Ablaus der fünfzehn Jahre allen ihm aus dem Vertrage erwachsenden Verpflich­tungen Genüge leistet. Die am 8. Januar 1925 fällige Räumung der Kölner Zone wird der Prüfstein für die Aufrichtigkeit des gegne­rischen Willens sein, die wenigen Deutschland im Versailler Vertrag zugesvrochenen Rechte zu re­spektieren. Daß dabei die Auseinandersetzung Zwischen den alliierten Machten eine groß« Rolle spielt und daß sich aus den Interessengegensätzen gewisse Verwicklungen ergeben, ist eine andere Frage, die aber hier nicht zur Erörterung steht.

Toten mehr als dreißig Verwundete. Sieben von ihnen liegen im Gemeindehaus von ^öllberg. Die Polizei meldet hunderteinund­zwanzig Verhaftungen. In Halle herrscht über die Vorgänge eine ungeheure Erregung.

Frankreichs, sich die erforderlichen Sicherheiten zu verschaffen, aber die französischen Staatsmän­ner haben systematisch die Angebote der deutschen Negierung hinsichtlich eines umfassenden Rbeinpaktcs und Burgfricdcnspak- tes a b g e l c h n t. Sollte aber selbst die franzö­sische These siegen, so kann es sich immer nur um einen kurzen Aufschub der Räumung bis zur Regelung der Sicherüeitssroge handeln

Wahrscheinlich wird Frankreich beim Ablauf der Besetzungssristcn sich auch darauf berufen, daß der Friedensvertreg von Deutschland nicht zur Genüge erfüllt sei. Es ist vielleicht lehrreich, in diesem Zusammenhänge darauf hinzuweisen, daß Lloyd George in einer Parlmnentsrede am 3. Juli 1919 die Dauer der Besetzung als

lizet und Linksradikalen. die zahlreichen Menschen das Leben kosteten. Zunächst versuchten kommunistische Trupps geße« das Denkmal vorzurücken, nm den Vorbeimarsch der Verbände mit ihren Fahnen zu hindern. Da­bei fiel ans der Me,rqc ein Schuß, durch den ein junger Arbeiter getötet wurde. Später versam melten sich die Kommunisten in einer Brauerei und eröffneten von da aus F e n'e r auf die vorüberziehenden Verbände. Jetzt rückte die P o li zei in großen Kolonnen, begleitet von einem Panzerantomobil. vor und ging zum Sturm über. Bei dieser Säuberungsaktion wur den sieben Polizeibe«mte verwun­det. Vier Kominunisten wurden verhaftet. Auch in dem nahegelegenen öllberg wurden die von außerhalb ausgestellten Kommandos der Schutz­polizei von Kommunisten beschossen und gezwun- acn, von der Waffe Gebrauch zu machen. Fünf Poltzeibeamte wurden verwundet, von denen einer inzwischen gestorben ist. Nach Feststellung der Schutzvolizei haben die Kommunisten zehn Töte.

Lalle, 12. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Betriebsräte von Halle sind noch gestern abend um elf Uhr zu einer Sitzung zusammen- aetreten. Es verlautet, daß wegen der gestrigen Ereignisse in Halle heute der Streik ar-sge- rufen werden soll. Der Polizeipräsident gibt be­kannt, daß die Polizei erst zur Waffe gegriffen habe nachdem drei Polizeibeamte durch SMffe verwundet morden waren. Insgesamt stnd achtzehn Beamte verletzt worden, darunter vier schwer. Ein Beamter ist tot. Die Kommunisten haben außer elf

Parts, 12. Mai. (Eigener Drahtbericht.) In Paris sind die Wahlen ruhig verlaufen. Im allgemeinen scheint es, daß die Wahlbeteili­gung ziemlich beträchtlich war, doch läßt sich iiber das prozentuale Verhältnis noch nichts sagen. Man rechnet aber infolge des schönen Wetters, das zu Ausflügen auf das Land ver­leitete, mit einer nicht unerheblichen Zahl von Stimmenthaltungen. Auf den Bahnhöfen, von denen die Züge nack den Vororten abfahreu, herrschte tatsächlich in den Vormittagsstunden das gleiche Gedränge, wie es an den schönen Sonntagen üblich ist. Aus dem gleichen Grun­de siel es zuerst schwer, freiwillige Wahlhelfer zufinden. Um einen Anreiz dafür zu geben, sind die W a ü l b ü r o s auf Grund eines Kre­dits mit S v e i s e n und Getränken ver­sehen worden. Von anderer Seite wird mit­geteilt, daß die Wahlbeteiligung in Paris trotz des schönem Wetters dcch «twa neunzig Pro­zent betragen habe.*

Gewinne bei den Tlutzenparteien.

Paris, 12. Mai. (Eigener Drahtberichi.) Obwohl am späten Abend nur ganz unübersicht­liche Meldungen über die Wahl vorlagen, gaben sich doch so ziemlich alle Parteien großer Sic- gesfreude hin. Am lautesten jubelte der nati­onale Block und die Kommunisten. Im allgemeinen ist die Wahl ruhig verlausen. Erst am späten Abend zeigten sich in Paris Trupps von Kommunisten, die demonstrierend durch d,c Straßen zogen >md mit den ersten kommnnisti- f(freit Wahlcrfolgen im Lande Reklame machten. An der Madclaine-Kirche kam es zu einem Z sammenstvh zwischen Kommunisten und Rovalisten. Dabei entwickelte sich eine Schlä­gerei, bei der es neun Verletzte gab. In Bor­

deaux versuchten die Kommunisten cineni An­griff ans die Wahllokale. Die Polizei stellte so­fort die Ordnung her u. nahm Verhaftungen vor.

*

Ein Äug nach links.

Paris, 12. Mai. (Eigener Drahtberichi.) DasJournal" meldet: Die bis Mitternacht voc- licaendcn Wahlergebnisse melden einen starken Zuwachs der kommunistischen Stim­men. Gleichzeitig aber auch eine Behauptung der Mandate des nationalen Blocks. In St. Genis hat sich die kommunistische Welle fast vervierfacht. Nach den bis Mitternacht vorlie­genden Teilergebnissen aus Lyon und Lille liegen dort die Verhältnisse ähnlich. Auch im Wiederaufbaugebiet haben die Linksparteien an­sehnliche Erfolge gehabt. Die sozialistische Liste scheint sich gut behauptet zu haben. I» Paris kommt ihre Stimmenzahl gleich hinter der Liste der Rechtskandioatcn. Soweit uni Mitternacht ein Ueberblick bereits möglich war, scheint ein Zug nach links cingctrctcn zu sein. Ob er genügt, die Vorherrschaft des natio­nalen Blocks zu brechen, müssen erst die wei­teren Wahlergebnisse zeigen.

Keine durchgreifende Klärung.

Paris, 12. Mai. (Eigener Drahtberichi.) In Marfaille-Land unterlagen die Kandi­daten des nationalen Blocks, der ausfallender Weise im Elsaß große Erfolge hat. Die allge­meine Auffassung ist die, daß die Wahlen k -1 - ne allgemeine Klärung der politischen Lage bringen werden, da die Verschiebung der Machtverhältniffe der Parteien vielfach nicht durchgreifend genug ist Das vorläufige Wahler­gebnis ist erst am heutigen Montag zu erwarten.

Das fremde Äoch.

Wann endet die Besetzung?

Unsere Sonntags-Ausgabe enthielt folgendes Telegramm:DieTimes" melden: Die Fe't- stellung, ob die Fristen der Rheinvejer- zung bereits zu laufen begonnen Haden, icU nach Macdonalds Erklärungen dem Völkerbund Vorbehalten bleiben. Inzwischen ist von zwei Vertragsstaaten (Frankreich und Belgien?) in London zum Ausdruck gebracht worden, daß diese Lösung nicht gutgeheißen wird, daß vielmehr darauk bestanden werden soll, daß die Fristen erst nach Erfüllung der deutschen Vertragsver- pflichtunacn zu lausen beginnen." (!) Nur noch drciviertel Jahr trennt uns von dem tut Ver­trage von Versailles vorgesehenen Zeitpunkt, an dem die von Engländern besetzte Zone ge­räumt werden muß. Dieser Zeitpunkt ift der 10. Januar 1925. In der französischen Presse beschäftigt man sich recht eifrig mit dieser Fruge. In Deutschland mißt man ihr leider viel zu wenig Bedeutung bei. Und doch hängt des Schicksal der Rheinlande wesentlich voii der Ver­trags- und fristgemäßen Räumung ab. Frank­reich und seine Verbündeten haben sich bekannt­lich im Artikel 428 des Friedensvertrages das Recht ausbcdungen,zur Sicherstellung der Aus­führung des Friedensvertrages durch Deutsch­land" die deutschen Gebiete westlich des Rheins einschließlich der Brückenköpfe während eines Zeitraumes von fünfzehn Jahren nach Jnkruft- ireten des gegenwärtigen Vertrages durch ihre Truppen besetzt zu halten. Von den vier Brük- kenköpsen befindet sich der Kölner in englischer Verwaltung, der von Mainz, Kehl und der von Koblenz nach Abzug der amerikanischen Truppen in sranzöstscher Verwaltung.

In französischen Minisierreden taucht nun immer wieder bi» merkwürdig» Behauptung auf, daß die Besatz ungssri st en überbauvt nochnichtzulaufenbe gönnen ha den, und daß Frankreich berechtigt sei. die Ränmungs- srist unter Umständen über die im Friedensver­trag vorgesehene Dauer von fünfzehn Jahren zu verlängern. Eine stichhaltige Begründung für diese Behauptung haben 'weder Poincar4, noch seine Vorgänger im Amte zu geben vermocht. Beschäftigen wir uns zunächst mit der ersten Be­hauptung, die von den französischen Ministern mit dem Vorwurf begründet wird, daß Deutsch­land die Bestimmungen des Friedcnsvertrages bisher nicht erfüllt habe. Die Rechtslage ist aber durchaus klar und die französische Auffassung durch keine Bestimmung des Friedcnsvertr.rg.'s gerechtfertigt. Deutsche Reichsminister haben bis in die letzte Zeit hinein keinen Zweifel daran gelassen, daß die A u s l e g u n g s v e r s u ch e der amtlichen französischen Stellen mit den einschlägigen Artikeln des Versailler Vcrtrrg.'Z schlechterdings unvereinbar sind. Maß-

Halle a. d. S., 12. Mai. (Eigener Drahtbe­richt.) Die Stadt Halle, die am Sonnabend und Sonntag viele Taufende von Anhängern der va­terländischen Verbände beherbergte, zeigte sich tn den alten Reichsfarben schw arz-weiß-rvt. Tie Straßen waren mit einer unzählbaren Men- chenmcnge geftillt. Die Fremden wurden von >er Bürgerschaft herzlich bewillkommnet. Man schätzt etwa hunderttausend Teilnehmer an der Feier am Sonntag. An dem damals von den Konmumisten zerstörten, jetzt wieder errichteten Moltkettandbild batten sich Fahnenabordnungen der S t u d e n t e n s ch a f t und aller beteiligten vaterländischen Verbände von hier und aus dem Reiche mit mehr als 1600 Fahnen eiuge- lunden. Rack gemeinsamem Gesang des Nie- erländischen Tankaebets bielt Oberstleutnant a D. Düücrbera die Weihe rede:Die Zerstörung des Denkmals sollte damals das Zei­chen zu einer blutigen Auseinandersetzung int Reiche sein, sie habe jedoch die nationalen Kreise anfgerüttelt."Wir brauchen keine Revanche," sagte der Redner weiter,wir Deutschen haben auf allen Schlachtfeldern einer Welt von Feinden siegreich standgehalten, wir verlangen aber auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes Wieder- v'ereinignng aller in Mitteleuropa lebenden Deutschen." Nack der wiederholt von leb­haftem Beifall unterbrochenen Red« fiel unter Glockengeläut die Hülle vom Standbild. Nach gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes er­folgte der Abmarsch der Fahnenkotonnen. An­schließend sand auf der Rennbahn ein Vorbei­marsch vor den geladenen Ehrengästen statt. Der Vorbeimarsch dauerte zweieinhalb Stunden. Die Zahl der Fahnen beztsfert sich auf 3640.

* * *

Die Störung Duren Die Kommunisten.

Halle, 12. Mat. (Eigener Drahtbericht.) Im Anschluß an die Wcihefeier kam es am Sonn­tag vormittag und am Nachmittag zu blu­tigen Zusammenstößen zwischen ver Po-

BlutigeZusammenMeinHalle

Hunderttausend Teilnehmer bei der Denkmalsweihe.

Die Wahlen in Frankreich

Ruhiger Verlauf in Paris.

gcbend sür die Räumung ist der obengenannte Ärtikl 428 des Vertrages. Dieser Artikel rech­net die Frist von fünfzehn Jahren vom In­krafttreten des Vertrages ab.

Deutschland hat demnach einen vertraglich verbürgten Rechtsanspruch darauf, daß mit Ablauf des 9. Januar 1935 der letzte Soldat der alliierten und assoziieri.'n Mächte das besetzte Gebiet verläßt. Dieser Rechtsanspruch ist nur einer Einschrän­kung unterworfen, die im Schlußabsatz von Ar­tikel 429 des Vertrages dahin festgelegt ist. daß die Zurückziehung der Besatzungstrupven in ge­wissem Umfange aufgeschoben weiden tarnt, wenn nach Ablauf der fünfzehnjährigen Bci'et- zungsfrist die alliierten und assoziierten Regie­rungen die Sicherheit gegen einen nicht hcrausaesorderten Angriff Deutschlands nicht als hinreichend erachten. Voraussetzung sür eine Verlängerung der fünfzehnjährigen Besetzung ist hiernach, daß von den alliierten nnd assoziierten Regierungen nicht etwa von den Regierungen der -Besatzungsmächte, oder gar nur von einer dieser Regierungen bei Ablauf der Besetzungs­frist die ausdrückliche Feststellung getroffen wird, daß gegen einen Angriff dec erwähnten Art keine hinreichende Sich«rheit besteht.

Auf diesem Paragraphen fußt nun die f r a n- z ö s i s ch e T h e s e. die am schärfftcn von Tar - d i e u verfochten wird, daß die Besctztmq des linken Rheinnfers keine Begrenzung in der Dauer habe. Tardieu und seine Ge­sinnungsgenossen im Ministerium behaupten schon jetzt, daß diese Garantien nicht gegeben seien, weil der französisch-amerikanische Bünd­nisvertrag nicht in Kraft getreten sei, und diese Tatfachc auch das Inkrafttreten des französisch- englischen Vertrages verhindert habe. Wenn Frankreich, so sagt Tardieu. nach fünfzehn Jah­ren keine andere Sicherheit habe, könne diese Be­setzung verlängert werden, bis andere Garantien bestüichen, das heißt bis entweder die am 28. Juni 1919 untereeichncten Verträge oder gleich­bedeutende Abkommen in. Kraft getreten seien. Die These Tardieus hat aber selbst in der fran- -ösischen Presse nickt durchweg Zustimmung ge- f:>nbcn. Doch Hai Poincarö sie in neuerer Zeit verschiedentlich mit großem Nachdruck ver­treten. Es liegt nun im eigensten Interesse

Die Geldknappheit.

Täglich fünf bis zehr» Konkurse.

Die schlechte Wirtschaftslage in Sentfdflait» hat in de» Ich en Zeit zahreiche Unterneh. mungen in Zahlungsschwierigkeiten gebrach«. Darüber wird »ns folgendes gefebrievenr Das WortGeldknappheit" erklärt all die unerfreulichen Folgeerscheinungen des setzi- gen Zuistandes. Welches Ausmaß die Wirkun­gen der gegenwärtigen Geldknappheit bereits erlangt hat, kann man an den statistischen L>u- sammenstellüngen von Insolvenzen und Kon­kursen erkennen, die die deutschen Gerichte au>- znlveisen haben. Diese Statistiken zeigen, daz wir uns gegenwärtig sozusagen in einer Hoch» konjunktnr von Konkursen befinden. Richt weniger als fünf bis zehn Konkurse werden täglich in Deutschland eronnet. Die Zahl der Konkurse in der Zeit von Mitte Februar bis heute, also innerhalb dreier Mo­nate. beläuft sich auf ungefähr 163. Demgegen­über waren im ganzen vergangenen vVObre 1923 nur 123 Konkurse zu verzeichnen. Der Bginn der außerordentlichen Zahlungsschwie­rigkeiten ist auf etwa Mitte Februar ®}^H» setzen. Bis dahin war allenthalben ein Auf­schwung des GcschSftslebens, und zwar mit Be­ginn der Stabilisierung der Währung, zu be­obachten. Der Abbau, der in den letzten Wo­chen der Fnflaiion in Industrie und Handel m weitestgehendem Umfange vorjgenommen wer. den mußte, begann erfreulicherweise einem Wie- deraufbau zu weichen. Die Bevölkerung wurde durch das st a b i l e G e l d in die Lage versetzt, wieder zu kansen und vor allem die arg gelichteten Bestände im Haushalt wieder zu er­gänzen. Leider war dieser Zustand nur von kurzer Dauer, denn die Geldknappheit er­möglichte jedem einzelnen Einkäufe nur in Je« schcidenen Grenzen. Die Folge davon war, daß der besseren Konjunktur wieder ein Tief, stand folgte, der beinahe ein Ge>chastsstill* stand zu nennen ist. Wenn man dem Wesen der tu Konkurs beziehungsweise in Geldschwierig- keitcn geratenen Firmen nachgeht, so kann mw» erfreulicherweise die Feststellung machen, w» es sich fast durchchweg um sogenanntes

Fallobst der Inflation", wie die Bezeichnung für diese Art von Firmen in Fachkreisen lautet, handelt. Es sind Fir­men, die während der Inflationszeit sich als Reugründungen mit einem für die da­maligen Verhältnisse allerdings ansehnlichen Kavital von etwa 600 bis 1000 Goldmark au,- aeiän haben, und die jetzt nicht mehr kräftig ge­nug sind, um den wirtschaftlichen Schwierigkei­ten Widerstand zu leisten. Es sind Firmen aus allen möglichen Branchen. Kolonialwaren. Tex­tilien. Eisen- und Elettrizität, Zigarrenfirmen, Schuhgeschäfte. Wollwarenfinnen nsw. vertreten. Teilweise befinden sich darunter auch Fabri­ken, u. a. auch Maschinenfabriken, die jetzt zu- sammenbrcchen beziehungsweise zusammenzu­brechen droben. Dagegen wird von den maßge­benden Stellen übereinstimmend versichert, daß alte gesunde Firmen bis jetzt so gut wie gar nicht ins Wanken geraten sind. Freilich werden auch nach dieser Ricktung hin Be­fürchtungen laut; denn bei der heutigen Geldknavpbeit kann auch eine gute Firma m Schwierigkeiten geraten. Es liegt auf der Hand, welche Folgen der Zusammenbruch so zahl- reicher Firmen für die übrige Geschäftswelt Und Industrie nack sick zieht. Schwere Schädigun­gen hat schon die Tatsache zur Folge, daß viele Firmen sick widerrechtlich

unter die sogenannte Gefchästsaufsicht begeben. Diese Geschäftsaufsicht wird von den Gläubigerfirmen deshalb gefürchtet, weil sie Wohl den.Schuldner, aber nicht den Gläubiger schützt. An sich kann eine Firma unter Ge- schäftsanfsickt gestellt werden, sobald sie nach­weist, daß sie infolge der Nachkriegswirren m Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Zahlreiche Firmen versnchen aber unter Anwendung ver­schiedener Mittel, unter Geschäftsanfsicht zu ge* langen nnd sich dadurch ihren Verpflicht»»«* gen ibcen Gläubigerfirmen gegenüber,zu ent­ziehen. Auf diese Weise sind Fabriken, die das Unglück hatten, eine ganze Reihe solcher Zweifelhaften Firmen zu ihren Kunden zu ,zäh­len, in Schwierigkeiten gekommen. Wie schon ertoäbnt, ist die Geldknappheit für die jetzt ein­getretenen Folgen in Handel und Industrie ver­antwortlich zu merfen. Die Firmen sind nicht in der Lage, auf dem Markte genügend Geld auszubringen, um ihre Verbindlichkeiten glatt zu decken, nm neues Material heranzuschassen und dadurch ihr Geschäft zu beleben. Außer­dem sind sie nicht in der Lage, ihre Vermögens­werte in der Weise flüssig zu machen, wie dies bei einer normalen Funktion des Kreditwesens möglich ist. Durch die abnormen, aeldlichen Zu­stande, unter denen wir jetzt zu leiden haben, ist unser ganzes

Kreditwesen in Unordnung geraten. Die Reichsbank ist in der Gewährung von Kre­diten außerordentlich zurückhaltend, und sie