Sonnabend, 10» Mai 1924.
Nummer 110
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Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Parleibesprechungen $ut Kabinellsdil-ung.
Sie Kabinettsbildung
SergLs „Ja".
Die Zweifel, die darüber entstehen konnten, ob die Deutsch nationalen nun auch wirklich zur Uebernahme der Verantwortung bereit seien, oder ob sie auf daS Verbleiben in der taktisch bequemeren Opposition hinarbeiten würden, sind durch die Erklärungen des Herrn Hergt beseitigt worden. Zum mindesten — Wenn man ganz korrekt fein will — insoweit beseitigt, als die Meinung des Parteiführers kkipp und klar sür eine Beteiligung m der Regierung fesigelegt ist- Die deutsch- nationale Reichstagssraktion könnte zwar, wenn sie in anderthalb Wochen Zusammentritt, eine andere Stellung einnehmen, vielleicht nur indirekt durch Verschärfung der Bedingungen für eine Koalition, aber das würde doch immer m>f eine Desavouierung des Führers hinauslaufen. Leicht wird sa Herrn Hergt die Leitung seiner großen Fraktion gewiß nicht gemacht werden. Er galt dem rechten Flügel immer schon als zu „weich", und es wird sich erst nach den ersten FrattionZsitzungeu Herausstellen, wie die verschiedenen Richtungen unter den neuen Män- ncrn verteilt sind. Doch darf man wohl, da der Erfolg der DeutschvöMschen nicht den gefürchteten Umfang angenommen hat, erwarten und hoffen, daß sich die große Mehrheit der Fraktion hinter Hergts „Ja" stellen wird. Beachtenswert ist an den Erklärungen, die einem Vertreter des Berliner Lokalanzeigers gegenüber der deutsch- nationale Führer abgegeben hat, zunächst die Zuversicht, mit der er keinen Rückgang, sondern sogar einen Zuwachs der Anhänger auf die Rc- gierungstätigkeit der Partei hin erwartet, wenn diese nur wirklich regiere und führe.
Das Hauvtstück der Erklärung bleibt natürlich die Stelle, die von der Behandlung der Sachverständigen-Gulachten und der ganzen Revarationsfrage handelt. Herr Hergt bestätigt hier vollkommen die Auffassung, daß die Deutschnationalen eine positive, und zwar eine mögliche Außenpolitik mit dem Ziele der Verständigung treiben wollen, so sehr sie auch Gewicht auf die Vertretung der Lebens- interessen des deutschen Volkes legen und ihre Zustimmung zu dem Gutachten von der Erfüllung gewisser Vorbedingungen abhängig machen. Hierzu sind die sogenannten Ehrenpunkte und die politischen Fragen der Besatzung usw. zu rechnen. Würden die Deutschnationalen, so lügt ihr Führer hinzu, schließlich lfjre_ Unterschrift unter ein erfüllbares Abkommen über die Reparationen setzen, dann hätte die Entente aber auch zinst ersten Male die Garantieidaß das Versprechen vom derftschen Volke gehalten werden würde.
Niemand wird' bestreiten können, daß die Aeußerung Hergts über die Gutachten in anderer Tonart gehalten ist als die Erklärungen seiner Partei vor den Wahlen. Aber die Partei bat noch sachliche Vorbebalte, die z. B. der bekannte Großindustrielle Geh.-Rat Dr. Guggen- heimer in der D. A. Z. darlegt. Man findet da die Fragen aufgeworfen, die noch einer Klärung bedürfen, bevor das endgültige Ja zu den Vorschlägen der Dawes-Kommission mrsgespro- chen werden kann. Was geschieht, wenn die internationale Anleihe von 800 Millionen int ersten Jahr nicht voll gezeichnet wird: oder wenn im zweiten .Jahr die 250 Millionen aus dem Erlöse der Eisenbahn-Vor- zugsaktien nicht in diesem Umfange eingehen? Wer deckt die etwaigen Fehlbeträge, die uns nur zu einem Drittel gutge- schrieben werden sollen? Wie sichern wir uns gegen Auslegungskünstler, die hinterher doch noch Sonderleistungen über die vereinbarten hinaus von uns verlangen, die vor allem die Wiederherstellung des einheitlichen deutschen Wirtschaftsgebietes erst hinter unsere Leistungen anstatt vor sie, wie die Sachverständigen es wollen, stellen möchten? Diese Gefahr ist offenbar besonders groß. Dr. Guagenheimer stellt den schweren Bedenken gegen die ErM- barkeit der wirtschaftlichen Forderungen wie gegen die Bevormundung Deutschlands durch Kommissionen und Agenten ganz objektiv die Vorteile gegenüber, die ims das Sachverstäudi- gen-Gutachten verheißt; als wichtigsten Vorteil sieht er die Währungsgarantie an. Am Ende empfiehlt er weder die Annahme noch die Ablehnung. sondern fordett zuvor die Klärung der noch st r i t t i g e n Fragen.
Man ersieht hieraus, daß zwischen der Zustimmung zur ^Verhandlunasgrmrdlage" und txr glatten Annahme der Vorschläge doch ein erheblicher Unterschied ist. Nm so verkehrter war es, wenn man die Frage der Gutachten zur Wahlparole zu macken versuchte, wozu sie viel zu komvliziert ist. Wenn somit eine gewissi Aussicht darauf vorhanden ist. daß sich die Deutschnationalen mit den Mittelparteien über die Hauvtftaae der Außenpolitik werden eint« gen können, so dürfte noch ein schweres Hindernis die Fordern?«, Hergts bilden, daß nur die „nationale Rechte" einen entscheidenden
damit, daß die Arbeiterschaft einen rechts-
B
Sozialdemokraten und der Kommunisten in Bayer« zu bilden. Diese Koalition aller in der Mitte stehenden Patteirn mit Einschluß der denttchnattonalen Bayrischen Mittelpartei würde über 74 Stimmen gegenüber einer Opposition von 55 Stimmen verfügen. Als neuer Winb sterpräsident wird in den Kreisen der Bayrischen Bolkspattei abermals .Herr v Knilling genannt.
Ausdehnung auf vir ZndMrie.
Düsseldorf, 9. Mai. (Privattelegramm.) Die Betriebsräte der Industrie haben beschlossen, falls es bis morgen abend zu keiner Einigung im Bergarbeiterstreik kommt, den Generalstreik der Industriearbeiter zu proklamieren.
gen Bergverwaltungen die Teilnahme an neuen Einigmrgsverhstndlnngen im Bergar- betterstreik verweigert. Sie begründen ihre dem.
gültig gefällten Schiedsspruch grundlos gebrochen habe, und daß deshalb neue Verhandlungen zwecklos erscheinen müßten. Der ReichSarbeitsminister hat erklärt. daß er seine Bemührungcn dennoch fortsetze« werde.
We-gerung öer Verwaltungen.
Berlin, 9. Mai. (Pttvottelegramm.) Wie aus Duisburg gemeldet wird, haben die dorti-
Frankreichs Macht.
Die ungeheure Bewaffnung.
Wie Frankreich grger.toärtig in Waffe« fiat-ri, zeigt Mc nachfolgende Aufstellung. Danach wird Jeden- klar sein» datz wir die Franzo. ien nicht mit Gewalt ans deal Land« tagen können. Das Ausland wag aber daran« er sehen, wo der Friedensstörer zu fkuden ist
Die Wahren in Frankreich
Vorkehrungen für den Sonntag.
(Eigene Drahtmekdung.)
Die Krise im Ruhrgebiet
Kampf «m die Arbeitszeit.
Für die weitere Entwicklung der ftanzösi- schen Luststreitkräfte ist ein Programm ausgear. beitet, das folgende Friedensstärke vorsieht: 140 Kampfftaffeln mit 1400 Flugzeugen 1. Linie als reine Angriffswaffe, darunter 16 Nacht- bombenst.iffeln mit 160 Riesenflugzeugen 1. Linie und 48 Tagbombenstaffeln mit 84 Bombenflugzeugen 1 Linie. Ferner 80 B e ob ack- tungsstafseln mit 800 Flugzeugen 1. Lune. Insgesamt also 220 Staffeln mit 2200 Flugzeugen 1. Linie, wozu wiederum eine gleichstarke Kriegsreserve und eine wachsende Zahl von militärisch sofort verwendbaren Zivilslug- zeugen tritt, sodaß also in etwa 3—5 Zähren mit einer Luftflotte von etwa 6000 rflugzeugen zu rechnen ist. Für die industrielle Mobilmachung stehen in Frankreich 37 Flugzeug- sabr-ken und 13 Motorsäbriken zur Verfügung, die in kürzester Zeit die gleiche Leistungsfähigkeit erzielen werden, wie zu Ende des Weltkrieges, wo alle 15 Minuten ein vollständiges Flugzeug und alle 10 Minuten ein neuer Motor abgeliesert werden konnte.
Dir (Salönote kommt.
Zunächst Ausgabe von Fünspfund-Noten.
Die deutsche Golddiskontobank Hal ihren Wochenausweis berausgegeben, auS dem bervorgebt. daß die Bank ihre Tätigkeit in vollem Umfange bereits ausgenommen hat. Wie zu erwatten war. ist die Nachfrage nach Kredo, ii sehr stark. Die starke Anspammung, die Deutsche Nentenbank in bezug auf die Kredit: zu tragen hat. hat bekannflich die Beschleunigung der Golddiskontobank-Gründung notwendig gemacht. Neben ihrer eiaeutlicken Aufgabe als
etrtff auch In Sachsen.
Leipzig, 9. Mai. (Telegraphische Meldung ) Aus einer von allen am Bergbau beteiligten gewerkschastl. Organisationen stark beschickten Funktionärkonferenz, die sich mit der Frage der M e h r a r b e i t s z e i t im Braunkohlen-, Erz- «nd Kalibergbau beschäftigte, wurde, einstimmig beschlossen, die Entscheidung über den Schiedsspruch in Sachen der Mchrarbeits zett der demnächst einzubernfenden Konferenz der Vertrauensleute der GewerkschaftS- Organifationen zu unterbreiten. Mittlerweile hat der Streik begönnern
Paris, 9. Mai.
Der Seinepräftkt verbot für den Wahlsonntaq die Abhaltung von Versammlungen und die Beraustaltung von Umzügen. Gleiche Anordnungen sollen morgen für alle französischen Departements ergehen. Die Royalisten hielten gestern abend i« Paris neun Versammlungen ab, die «ngemei« stark besucht huren und in denen Resolutionen für die Wiedereinführung der konstitutionelle« Monarchie zur Annahme gelangten. An dem Demonstrationszug, der sich nach Schluß der Versammlung in der Rue Martin bildete, nahmen mehrere tausend Personen teil, ohne daß es zu Ruhestörungen oder zum Einschreiten der Polizei kam.
Deutschland und Rußland.
Milderung von beiden Seiten.
(Eigene Drahtmekdung.)
Berlin, 9. Mai.
Wie jetzt bestätigt wird hat der große Sowjet das von dem Rat der Volksbeauftragte Ultimatum an Deutschland abgelchnt. Die „Prawda" veröffentlicht eine Rede Trotzkys gegen die russische Außenpolitik unter dem neuen Regime, in der es heißt, daß die hoffnungsvolle proletarische Revolution in Deutschland durch eine antideutsche Politik nicht gefördert würde. — Infolge der Zusagen des Außenministers an den abgereisten russischen Botschafters Krestinski ist die Strafverfolgung gegen die wegen Mißhandlung und Freiheitsberaubung der deutschen Polizeibeamten im Gebäude der russischen Han- delsvertretlina festgenommenon fünf Russen vorläufig aufgehoben worden. Die polizeilichen Ermittlungsakten find vom preußischen Minister des Innern einaefordert worden.
Einfluß aus die Führung der RsgierungSge- schäste im Reiche sowohl als auch in den größeren Bundesstaaten ausüben müsse. Damit ist -von neuem die Frage der Koalition in Preußen aufgeworfen, an der im Herbst 1923 der Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung scheiterte. Wirb es diesmal besser gehen? Die Aenderuug der Verhältnisse in Preußen ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit. Deshalb hat dort Widerstand ebensowenig Zweck wie ungestümes Drängen. Aus vernüui- tigem Boden muß eine Einigung möglich fein.
„ ., . ... Nach der jetzt in Durchführung begriffenen
Reichsarbeitsminffter mügeterlte Aolenhnung £Ccrc§Tefontr umfaßt das französische Heer int Frieden allein in Frankreich und dem besetzten Teile Deutschlands 16 Generalkommandos mit 32 Infanterie-, 5 Kavallerie- und 2 Luftdivisionen, daneben zur Verfügung oer höheren Tntppenführung eine große Zahl von Maschinengewehrbataillonenj Kampfwagenregt- mentern, schweren Artillerie-Regimentern, Pionier- und Vettehrsformationen und Fliegerregimentern. Außerdem verfügt Frankreich noch in seinen außereuropäischen Besitzungen über erhebliche militärische Kräfte, welche im Kriegsfall mit starken Teilen nach Europa über- führt werden. Die Verkehrstechnik, das Ma- nneproaramm und die Militärpolitik stellen sich in Frankreich zum großen Teil darauf ein, einen schnellen und sicheren Transport dieser Streitkräfte zu gewährleisten. Insgesamt kann die Friedensstärke der außerhalb Europas stehenden französischen Truppen aus weitere 16 Divisionen veranschlagt werden.
Zahlenmäßig beträgt die Friedensftrrke 786000 Köpfe, davon sind 217000 Farbige. Auf deutschem ' Boden stehen davon 146000 Mann, welche in 1 Armeeoberkommando mit 3 Generalkomandos, 9 Infanterie- und ' Kavallerie-Division gegliedert sind. Bei der Betrachtung der Heeresstärke Frankreichs muß weiterhin berücksichtigt werden, daß es bei seiner Armee den Hmwtwert nicht einmal au.-xfi Menschenzahl, sondern auf d<-? Kriegs- als terial legt. Dieses ist — im Vergleich > 1914 — jetzt mehr als verdreifacht. Für den Kriegsfall sind alle Vorbereitungen getroffen, daß fast fünf Millionen Weiße und farbige Franzosen als Soldaten zur Verfügung stehen: das bedeutet die Ausstellung von etwa 150 Divisionen.
Einen besonderen Platz in der ftanzostschen Heeresmacht nimmt die Luftflotte ein. 64 Kampfstaffeln verfügen z. Zt. über 640 Kampfflugzeuge. Diese reine Angriffswaffe ist folgendermaßen gegliedert: 32 Jagdstaffeln mil 320 Jagdflugzeugen 1. Linie. 20 Tagbombenstaffeln mit 200 Tagbombenflugzeugen 1. Linie, 12 Nachtbombenstaffeln mit 120 zweimotorigen Nachtbombenflugzeugen 1. Linie. Dazu kommen noch folgende Beobachtungsstaffeln: 42 Beobachtungsstaffeln mit 420 Flugzeugen 1. Linie in Frankreich, 26 Beobachtung?- staffeln mit 224 Flugzeugen 1. Linie außerhalb Frankreichs Das ergibt eine Luftflotte von rund 1.300 Flugzeugen 1. Linie, wozu ebensoviele Flugzeuge der bereits lagernden Kriegsreserve kommen. Außerdem steyen für einen Nebersall aus Deutschland etwa 1000 Zivils lug zeuge, die sofort zu schwersten Bombenflugzeugen eingerichtet werden können, zur Verfirnung. Rechnet man noch mit einigen Hundert Schul- und Spottflugzeugen sdie ebenfalls zu Ansbildnngszwecken verwendbar sind), so ergibt sich z. Zt. eine Luftflotte von rund viertausend Flugzeugen. (!)
Essen, 9. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die Gesamtlage im deutschen Bergarbeiterstreik hat sich bis gestern abend verschärft. Im Steinkohlenbergbau find 92,5 Prozent der Belegschaft nicht eingefahreu. Im Ruhrrevier streiken 220 000 Bergarbeiter. Gestern fanden im gesamten Ruhrrevier über 300 Beleg- schnstsversammlungen statt, die ruhig verliefen. Ueberall wurde daS Vorgehen der Grubenbesitzer aufs schärfste verurteilt, der Wille der Bergarbeiter zur Arbeit entschieden betont. Verschiedentlich von Anhängern der Union erhobene Aufforderungen zum Generalstreik wurden von der Mehrheit der Teilnehmer zurückgewiesen. Es wurde gefordert, daß nicht die Bergarbeiter allein, sondern das ganze Volk gemeinsam die Reparatiouslastcn tragen müsse. Das Verlangen nach der 7-Stundenschicht unter Tage nnd der 8-Stuuden schicht über Tage werde die Rnhrbergarüeiterschast n i ch t a u s g e- b e n. Die Beschlüsse der Revierkonferenzen wurden einmütig gebilligt. Das Angebot des Schiedsspruches in der Lohn- und Arbcitszctt- frage sei sür die Bergleute unannehmbar.
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VussKreitungen Ser Kommunisten.
. Essen, 9. Mai. (Privattelegramm.) Die Förderung im gesamten Ruhrgebiet steht weiter vollkommen still. Die Streikenden halten überall Versammlungen ab, die im kommunistischen Zeichen stehen. Die Stimmung in der Arbeiter- schäft ist erbittert und gedrückt, vor allem deshalb. weil die Aussichten des Kampses trübe find. Gestern haben die letzten fünf Zechen in Ruhrort geschlossen. Gestern abend ist es auf einer Anzahl Zechen zu fchweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei war dem kommunistischen Terror gegenüber machtlos. Aus Alteneffen werden elf, aus Ruhrort neun Verletzte gemeldet.
Wirkung in Berlin.
Berlin, 9. Mai. (Privattelegramm.) Seit gestern früh machen sich die ersten Auswirkungen des deutfchen Kohlenarbeiterstreiks auch in der Reichshauptstadt bemerkbar. Die W e t a l l i u. dustriellen haben für kommenden Sonnabend Feierschichten eingelegt, was starke Erregung unter der Arbeiterschast hervorrnst. Fi» die Reichsbahn besteht vorläufig keine Beraülassung» zu BetpiebsreduLierungen im Fahrplan zu schreite«.
BmteZ-Be?prechungen.
Keine völiksch-deutschncttionale Annäherung.
(Prtvat-Telegramm.)
Berlin, 9. Mai.
Die von den DeutschvöMschen angeregten Besprechungen mit den Deutschnationale« haben gestern abend stattgefunden. Wie zuverlässig vrelautet, ist es zu keiner Annäherung zwischen beiden Parteien gekommen. Jnzwsschen ist von den DeutschvöMschen ein Antrag in Vorbereitung, der zum Zwecke der Ersparnis von Staatsgeldern die Herabsetzung der Zakfl der Reichstagsmttglieder auf hundert (!), die Auf- hebnng der Eisenbahnfreikarte« und die Beseitt- gung der Diäten für jene Tage verlangt, an denen keine Sitzungen des Reichstags stattfinden.
Drrhaudiungen beim NrichsprSsivenien.
B e r l i n, 9. Mai. (Privattelegramm.) Die erfolgte Rückkehr des Reichspräsidenten aus Bad Mergentheim nach Berlin, die ursprünglich erst für Anfang kommender Woche vorgesehen war, leitet die offiziellen Berhand- lungen über den Ausgang der Wahlen und die dadurch geschaffene neue politische Lage ein. Für heute ist eine Gesanttfitzrmg des Rcichs- kabinettS unter Vorsitz des Reichspräsidenten anberaumt. Herr Ebert hat unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin die Führer der sozialdemokratischen Partei empfangen.
KosflUon in Bayern?
München, 9. Mai. (Privat-Telegramm.) Die gestrigen Abendblätter melden, datz die bayrische Eoikspartei versuche, eine Koalition mit Ausschluß der Völkischen, der