Kasseler Neueste Nachrichten
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Nrrmwer 108. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Donnerstag, 8. Mar 1924. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
Die Möglichkeit einer Nechtsregieeung.
Der neue Reichstag.
Das Parteien- und Personenbild.
Nach dem parlamentarischen Brauch wird die stärkste Partei — die Sozialdemokratie oder die Deutschnationalen (siehe Telegramm) — vom Reichspräsidenten mit der Bildung einer n e u e n Regierung beauftragt werden. Das Auszählen der Wahlstimmen wird ungefähr zehn b:s zwölf Tage in Anspruch nehmen, so daß vor diesem Zeitraum nicht mit dem endgültlgcn Ergebnis zu rechnen ist. Die Wahlprüfung und die Befragung der einzelnen Gewählten nimmt weitere Zeit in Anspruch, so daß der neue Reichstag kaum vor vierzehn Tagen zusammentreten wird. Der neue Reichstag wird von dem Präsidenten Löbe danach alsbald ein« berufen werden. Daraufhin konstituieren sich die Fraktionen, mit denen der Reichspräsident Fühlung nehmen wird.
Fest steht, daß sich die Mehrheit des deutschen Volkes für die Fortführung der Politik entschieden hat, welche das deutsche Reich seit Jahren betreibt. Man kann heute schon mit Bestimmtheit sagen, daß die große Linie der deutschen Außenpolitik auch in Zukunft bei- behalten werden wird. Bemerkenswert iß das wider Erwarten starke Anwachsen der Kommunisten. Es ist nicht eingetreten, was im Auslande befürchtet wurde, daß das deutsche Volk den Völkischen in die Arme laufen würde. Tie Verzweiflung hat noch größere Massen den Kom- munisten in die Arme getrieben, und es ist bedauerlich, daß nmnentlich im besetzten Gebiet die Zahl der Kommunisten sehr stark angewachsen rst. MS Gegengewicht ist allerdings die starke Zunahme der Deutschnationalen sehr bemerkenswert.
Das Personenbild im großen Sitzungssaal am Berliner Königsplatz hat, wenn auch die Masse der Gesichter sich gleich geblieben ist, doch einige markante neue Züge aufzuwcisen. Andererseits werden Einige sehr vermißt werden. Es fehlen von den Deritschnationalen Dr. Hclfferich, der ausgesprochenste und wirksamste Kämpfer, sowie der Abgeordnete Henning, dessen Konflikt in der Deutschnatw- ualen Volkspartei seinerzeit Anlaß zur Loslösung der völkischen Gruvve wurde. Von der Deutschen Volkspartei fehlt Hugo Stinnes, der zwar nicht in den Plenarsitzungen, aber doch m den Ausschüssen immer wieder die ganze Wucht seiner Persönlichkeit eingesetzt hat. Mit Hugo Stinnes ist auch Generaldirektor V o e g l e r. der Führer des industriellen FMgels der Partei, nicht wieder erschienen. Auch Katbinka von Oheimb, die selbst auf Wiederaufstellung verzichtet hat, wird zum mindesten in den Wandel- gäugen des hohen Hauses vermißt werden. Aus der Bayrischen Volkspartei ist die hochgewachsene Gestalt des Banerndoktors Heim verschwunden und mit ihr sein urwüchsig derbes Wort. Er hat sich wegen eines ernsten Leidens nicht wieder aufstellen lassen In den Zentrumsreihen fehlt der Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer, Dr. Lauscher und Brentano. Ans den demokratischen Reihen f sind die alten parlamentari- fdOen Kempen Pachniüe und Gothein aus- geschieden.
An neuen Gestalten ist unter den Deutschnationalen in erster Linie der Großadmiral von Tirpitz zu nennen, mit welchem eine, wenn auch vielangefeindete, Persönlichkeit von staatsmännischem Range und geschichtlichem Format: in den Reickstag eingetreten ist Der junge Fürst Bismarck rechnet seines Namens wegen ebenfalls Mi den im neuen Reichstag bemerkenswerten Persönlichkeiten. Professor Spahn wird im Gegensatz zn seinem Vater, bept Zentrums- Veteranen, ebenfalls in den Reihen der größten Rechtspartei sitzen. Neben dem Schöpfer der deutschen Flotte wird der militärische Organi- sator aus dem Weltkriege, General Luden- dorff, in das Parlament und zwar als Führer der Deutschvölkischen Freiheilspartei, einziehen. Einen Namen geschichtlichen Klanges trägt auch der deutschvölkische Abgeordnete von Mücke, der wegen seiner verwegenen Kreuzer- kährten berühmt ist. Beim Zentrum, den Demokraten und Sozialdemokraten sind wenig neue Gesichter. Die Kommunisten haben eine Reihe von Persönlichkeiten ihres Stiles, und zwar charakteristischer Prägung, dem Hause neu beschert. Die Namen Ruth Fischer, Scholem und Iwan Katz sagen genug Es ist nicht nur der verstärkte Chor der Rache, sondern auch eine ganze Reihe neuer, leistungsfähiger Chorführer vorhanden. Der zukünftige Reichstagspräsident wird mit seinen Schutzbefohlenen einen nicht gerade leichten Stand baben. Die Befugnisse einer verschärften Geschäftsordnung dürften int neuen Reichstage noch weniger wie im alten nur auf dem Papier stehen bleiben.
Beuifchnattonal als stärkste gartet ?
Berlin, 7. Mai. (Privattelegramm.) Ter Reichspräsident kehrt voraussichtlich Mitte kommender Woche nach Berlin zurück. Erst dann wird die Frage der Regierungsneubil- d u n g zur Lösung kommen. Inzwischen wird
von Seiten der bisherigen Regierungsparteien verbreitet, dass eine Demission d.s Kabinetts Sircsemann-Marr erst nach Zusammentritt des Reichstages, das ist Ende Mai, zu erfolgen brauche. TaS Verhältnis der Parteien im neuen Reichstag zueinander ist auch gestern im ntige meinen einer Klärung nicht nähergerückt. Zwischen Dcutschnation'len und Nationalliberalen bereitet sich ein Nebereinkommen vor, das die Tentschnationalen und Notionalliberalon mit bisher 105 Mandaten zur größten Partei des Reichstages machen würde und ihnen das parlamentarische Anrecht gebe auf die Bildung der neuen Reichsregierung.
Die Gemeindevertretungen.
Berlin,?. Mai. (Privattelegramm.) Soweit heute früh aus 56 preußischen Städten die Ergebnisse der am Sonntag stattgefundenen G e- metndewahlen vorliegen, ist in 31 Städten die bisherige sozialistische Mehrheit gebrochen worden. Die Gemeindewahlen in
Bolschewistische VMne.
Gleiwitz, 7. Mai. (Eigene Drahtmeldung ) In einer stark besuchten Beraarbeiterversamm- lung erklärte gestern ein aus dem Ruhrgebiet gekommener Betriebsrat, daß der jetzige Generalstreik der Bergarbeiter zu einem General- streik des deutschen Proletariats führen werde, dessen Endziel die Ausrufttnq der Diktatur der Arbe iter und der Anschluß an Sowjetrußland sein werde. (!)
Bier Dervünve gegen den Streik!
Essen, 7. Mai. (Telegraphische Meldung) Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, der Gewerkschafts - Verein christlicher Bergarbeiter Deutschlands, die polnische Berufsvereinigunq und der Gewerkschastsverein Hirsch - Dunüer (Bergarbeiter) haben beschlossen, die bisherige tarifliche Schicht von sieben Stunden unter Tage und acht Stunden über Tage beizubehalten. In einem Aufruf der genannten vier Bergarbei- terverbände wird dieser Beschluß den Bergarbeitern mitgcteilt »nd betont, daß ein Streik von de» Verbänden ausdrücklich abgelehnt wird.
tim die JUßierunßtfbiföung.
Die Deutschnationalen find bereit.
(Telegraphische Meldung.)
Berlin, 7. Mai.
Die Blätter haften es für sicher, daß die Reichstagsabgeordneten der Landlisten sich der dentschnationalen Fraktion anschlie- ßcn werden. Dadurch würden die Deutschnationalen zur stärksten Fraftion des Reichstages werden. In einer Unterredung mit einem Ver- tretet des Berliner Lokalanzeigers drückte der dentschnationale Führer Hergt die Bereitwivig- keit seiner Partei aus, eine RechtSregie- r u n g im Reiche zu bilden. Die deutschnationale Partei würde als Regierungspartei eine Außenpolitik treiben, die den Lebensnatwendtg- ketten und brat Lebenswillen des deut schra Volkes unbedingt Rechnung trage, aber andererseits geeignet sei, eine befriedigende L 6 • sun g der deutschen Gesamtfragen auf dem Wege schleuniger Verständigung herbeizuführen. Dem Gutachten und der Aufforderung zu Verhandlungen fetzen die Deutschnationalen nicht von vornherein ein rundes Unannehmbar entgegen, wohl aber Vorbehalte, auf die man nicht verzichten könne. Sie würden dem deutschen Bolle die großen wittschnftlichen Lasten niemals zumutrn, bevor die häufig genannten Ehren- punkte befriedigend gelöst worden seien.
GemeinLemedrsieiten.
B r e S l a u, 7. Mai. (Eigene Drahtmeldung) Der Ausfall der Wahlen hat vor allen Dingen auch in die kommunalen Verwaltungen der oberschlesifchen Industrie-Bezirke eine vollkommene Verwirrung gebracht. In einigen Ortschaften, zum Beispiel in Zabrcze, Kars und Roßbach, haben die Kommunisten die absolute Mehrheit oder find nahe daran. In Hindenburg besteht da-Z Stadtparlament nur aus fünfzehn Kommunisten und aus elf Ber- tretern des Miclcrschutzverbandes.
Berlin finden erst Ende dieses Monats statt. — Die Stadtverordnekenwahle» im Ruhrgebiet haben ein sehr starkes Anwachsen der Kommunisten ergeben. In Bochum kommen 13 Kommunisten in das Siadtparlament, in dem sie bisher überhaupt nicht vertreten waren. in Dortmund 20 und in Herne erhalten sie 12 von 44 Sitzen. In anderen Stadtver- ordnetenkollegien gewannen die bürgerlichen Parteien die Mehrheit. Die Deutschvölkischen haben viele Stimmen gewonnen.
Kommunistisches Vorgehen.
Ausstandsbeschlutz für das Ruhrgebiet. (Privat-Telegramm.)
Gelsenftrchen, 7. Mai.
Auf einer gestern abgehaltenen Konferenz der kommunistischen Betriebsräte wurde einstimmig beschlossen, heute den Generalstreik im Ruhrgebiet auSzurufen. Auch die Rotstandsarbeiten sollen nicht verrichtet werden. Eine Reviertonferenz des alten Bergarbeiterverbandes schloß sich den Beschlüssen der Kommunisten an. Die Stadt Hamm ist bereits ohne Gas. — Heute früh sind in Ruhrort auf acht Zechen die Belegschaften nicht eingefahren. Im Mülheimer und Bollmmer Revier sind die meisten Zechenanlazen geschlossen. In Dortmund-Land haben die Kommunisten drei Gruben besetzt und treffen Anstalten zu ihrer Verteidigung. Die kommunistische Streikbewegung greift auch auf das i n n e r e Ruhrgebiet über. In Duisburg und Esse« ist dte^Lage kritisch.
Aussperrung ate Gegenmaßnahme.
Essen, 7. Mai. (Telegraphische Meldung.) Die Bergwerksbesitzer haben infolge der Beschlüsse der Bergarbeiter-Organisationen in Bochum und Essen seit gestern abend sechs Ulir die gesamten Belegschaften ausgesperrt. Seit dieser Zeit ruht die Arbeit auf den sämtlichen Zechen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Von bet' Aussperrung im Ruhrgebiet werben laut „B. T." etwa 300000 Bergarbeiter betroffen. Die Besatznngsbehörben haben, dem Blatt zufolge, erklärt, daß sie strengste Neutralität üben werden. Rach Blättermeldui, aen ans Dresden ist gestern auch in allen Gruben des sächsischen Kohlenbergbaues die Aussperrung erfolgt. Die Notstands- arbeiten werden zunächst in der Hauptsache von den Beamten der einzelnen Werke verrichtet.
weise für zwei bis drei Monate und länger mit Aufträgen versehen. Die finanzielle Lage der Werke ist aber zum Teil infolge der neuerdings von der Reichsbank ein geschlagenen Dtskouto- polittk sehr schwierig geworden. Die Hoch, ofenwerke konnten die große Nachftage int besetzten Gebiet nicht befriedigen. An Oberschlesien stehen von den vierzehn Hoch. Öfen nur noch acht in Feuer. An den Märkten für Fertigeisen zeigte sich im Laufe der ersten Monatshälste eine Besserung. Die Preisnotie- ntngen entsprachen aber noch nicht den Selbstkosten der Werke. Die Siegerländer Eisen, industrie wurde durch die von den Besatzungs- Mächten eingefiihrten Ausfuhrzölle in das unbesetzte und Einfuhrzölle in das besetzte Gebiet schwer beeinträchtigt. Dadurch ist die Siegerlän- der weiterverarbeitende Industrie gegenüber den Werken des Ruhrgebietes wettbewerbsunfähig geworden. In der Märkischen Kle-.neisen- industrie hätte sich die Lage gebessett, wenn nicht alle Bemühungen, sich Kapital oder Kredit zu verschaffen, gescheitert wären. Die Belebung des Geschäftes im Eisenwarenhandel hat auch im April angehalten, doch hemmte die allgemeine Kapitalknappheit das Geschäft sehr.
Im Holzhandel ist eine erhöhte Nachfrage cingetreten. Die Holzeinfuhr aus dem Osten leidet nach wie vor unter der Devisenbeschaffung. IM Papiergroßhandcl sind die Preise teilweise erhöht worden und es sind allgemeine Preissteigerungen zu erwarten, da die Celluloscfabriken wesentliche Erhöhungen beabsichtigen. Im Vuchdruckgewerbe haben die Wahlen zu größeren Bestellungen geführt. Die T e x t i l i n d u st r i e gehört infolge der an. haltenden Fnlandskonjunktur noch immer zu den meistbeschäftiaten Industriezweigen. Der Expott ist stark eingeschränkt. Allerdings beginnen sich auch in der Textilindustrie die Zweifel zn mehren, ob auf einen weiteren günstigen Verlauf des Absatzes zu rechnen ist. Die Mhlhansener Handelskammer hebt in ihrem Bericht ausdrücklich hervor, daß der Inlandsbedarf gedeckt zu "ein scheint und die Kaufkraft der Verbraucher den gestiegenen Preisen nicht mehr nachkommen zu können scheine. In der Lederindustrie wurden die Umsätze ftn Lause des Monat? immer kleiner. Statt beschäftigt war die Schuh- ledettndusttte. die Rotten Absatz in Luxus- schuhen und namentlich in farbigen Stiefeln und Schuhen hatte.
Die Lage des G e t r e i d e q ro ß h a n d e l s hat sich in ungünstigem Sinne weiter entwickelt. Ter Markt ist durch die seinerzeit vorgenommenen umfangreichen Mehleinkäufe in Belgien und Frankreich infolge der Aufwärtsbewegung des französischen und belgischen Franken vollständig in Unordnung geraten. In vielen Fällen wurde die Ware nicht abgenommen und mußte meistbietend verstcigett werden. Der monatliche Saatenstandsbett cht ist diesmal sehr spät erschienen Die inzwischen aus länd-. lichen Kreisen eingelarifenen Nachrichten schildern den Saatenstand entschieden günstiger als der wenig erfreuliche amtliche Bericht. Die Müh- l e n industrie hat unter der Einfuhr von anslän-
3n Sachsen und Schlesien.
Zwickau, 7. Mai. (Eigene Trahtmeldung.) Gestern abend beschloss eine kommunistische De- legiettentagnng den Generalstreik im fächfi- scheu Revier. Inwieweit die Arbeiterschaft dieser Parole folgen wird, läßt sich erst heute abend übersehen. Heute früh sind auf e l f Z e ch e n des Oelsnitzer Reviers die Belegschaften nicht mehr eingefahren. — In Beuthen ist gestern abend von den Kommunisten beschlossen worden, für morgen, Donnerstag, den Generalstreik auszrnfen, Die Belegschaften wurden anfgefordett, nach siebenstündiger Arbeitszeit aus der Schicht zu fahren. Die Grubenverwaltungen wollen die Gruben schließen.
Demokraten mit den Sozialisten.
Berlin, 7. Mai. (Privattelegramm.) Führende Mitalieder der Demokratischen Poe- tei haben sich gestern mit Entschiedenheit gegen Teilnahme an einer Regierungsbildung im Reiche erklärt, die die Sozialdemokraten ansschliesst. Die Vatteifitzung der Demo- haten findet erst Anfang kommender Woche statt
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Die preußische Koalition.
Berlin, 7. Mai. (Privattelegramm) Wie wir erfahren, trat am Dienstag der Landesvor- ftand der sozialdemokratischen Partei Preußens zu einer Sitzung zusammen. Tas Ergebnis der Besprechung ist, gutem Vernehmen '»folge, dass in dem Ausgang der ReichStags- wahlen zunächst keine Veranlassung zu einer Aenderung der Stellung der Sozialdemokratie in der Koalition tu Preußen zu erblicken sei.
Die Wkktschaftslage.
Aus dem Monat April.
Die amtlichen Berichte irbcr die Wirtschaftslage i« Rpril zeige«, daff der Geschäftsgang nicht einheitlich war.Man konnte aber verinehrteRachfragesc?»stellen Die Wirtschaftslage im Monat April war, wie ein auf Grund von Berichten Preußischer Handelskammern im Handelsministerium zusam- meiigestellter amtlicher Bericht hervorhebt, durch eine steigende Kredit not gekennzeichnet, welche auf die an sich nicht ungünstige Entwicklung einen statt hemmenden Einfluß ausübte. Der Beschäftigungsgrad nahm weiter zu. D-r Arbeitsleistung wurde durch T e i l ft r c i k s beeinträchtigt. Unsere Handelsbilanz blieb mit rund 200 Millionen, wie in den Vormonaten, passiv, ein Zeichen, daß die berbefierte Konjunktur im wesentlichen dem Absatz aus dem Jnlandsmarkt zu danken ist. Zur Hebung der Ausfuhr ist, wie der Bericht betont, Abbau der hohen Schutzzölle der anderen Länder und fortschreitende Besserung der Betriebsorganisation unter absoluter Verhinderung des Lewlaufs in den Betrieben erforderlich. Im Einzelnen wird bemerkt, daß im Bergbau an der Ruhr und in Oberfchlesien die Förderung dirrch Streiks stark gelitten hat. Die Kohlm- preise haben vom 7. April ab eine durchschnittliche Ermäßigung um 0,20 Matt erfahren. Die Förderung im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau war gleich hoch wie im März. Die Geschäftslage in der K aliindustri e war verhältnismäßig günstig, der Absatz nach dem Ausland war gering. Beim Torf gewinnungs- betrieb in den Mooren macht sich ein erheblicher Mangel an geübten deutschen Torfarbeiterinnen geltend. Bei den Arbeitern ist dieser Mangel weniger fühlbar, da, wie aus Hannover berichtet wird, zahlreiche Polen durch Zuerkennung der deutschen Staatsangehörigkeit ortsansässig geworden sind.
Die E i s e n i n d u st r i e des Westens ist teil-
Berlin, 7. Mai.
DaS Reichskabinett ist gestern abend zum ersten Male zu einer Besprechung der poli- tffchen Lage zusammengetreten, die sich aus der Neuwahl zum Reichstag ergeben hat. Das Kabinett hat darin den bereits vorher bekannten Standvunv der Reichsregierung bestätigt, daß es bis zum Zusammentritt des Reichstages im Amte bleiben will. Tie neu gewählten Abgeordneten haben sich binnen zwölf Tagen nach der Wahl, also bis zum 16. Mai, darüber zu erklären, ob sie die Wahl annehmen oder nicht. Tie Eröffnungssitzung des Plenums, die man anfangs für den 20. Mai erwartete, wird sich, wie heute früh bestimmt »erlautet, bis zum 2 2. Mai verzögern.
Da« daurische Kadinrtt.
München,?. Mai. (Privattelegramm.) Die Bildung des neuen bayrischen Kabinetts begegnet Schwierigkeiten. Der Landtagspräfl- dent hat mir den Führern der Laudtagspatteien beraten. Die Bildung einer Koalitionsregierung findet allgemeine Ablehnung. auch von feiten der Sozialdemokraten.
WM-Nachklänge.
Reichstags-Eröffnung am 22. Mai.
(Privat-Telegramm.)