Kasseler Neueste Nachrichten
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Freitag, 28. April 1924.
Nummer 97
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.
Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
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Jarres verteidigt die Regierungspolitik.
Deutsche Arbeit.
England fürchtet noch die Konkurrenz.
Wir haben schon oft dir Erfahrung gemacht, daß das englische Arbeiterinteresse vollkommen anders ist als das deutsche, und daß Macvoualo gegen die deutsche Wirtschaft und ihre Entwick- lungsfreiheit genau denselben Standpunkt einnimmt. wie der britische Aroßbiirger, dem vor 1914 seine Zeitungen erzählten, der Feind Englands, der vernichtet werden müsse, sei Deutschland als Handelsrivale. Das kommerzielle Denken des Angelsachsen und Amerikaners sieht solche Rivalität als Todsünde an, und da die deutsche Wirtschaft, um ihre Massen ernähren zu können, auf vielen Gebieten naturnotwendig eben diese Konkurrenz aufnehmen muß, haben die Sachverständigen den Versuch unternommen, diese Konkurrenz, ihren Wirrschaftsgang die Lebenshaltung der in ihr Be- schäjtioten, unter Aufsicht der internuio- nalen Finanz zu stellen, die eine allzu starke Tätigkeit der deutschen Wirtschaft glatt verbieten kann. Dies« Kontrolle, zunächst sichtbar in du Form rein finanztechnischer und steuerlicher Vorschriften und Verflechtungen, erstreckt sich übu jeden einzelnen deutschen Betrieb, über Einkom- men und Verbrauch auch des deutschen Arbeiters. Die Pfeife Tabak, die er raucht, sein Bier und sein Kaffee, werden zugunsten der Enteure- massen verteuert, und schließlich hängt seine Beschäftigung nicht nur ab von dem Gange der deutschen Wirtschaft, sondern auch von deut der Alliierten. Deutschland muß Ausfuhrgüter Herstellen, um seine Reparationszahlungen zu lei- ' en und die Lebenshaltung seiner Massen zu sichern. Es konnte bisher die Menge Ware die es produzierte, selbst bestimmen, konnte früher auch den Martt für diese Ware im Auslande selbst suchen. Immer wied«r zeigte sich, daß die schutzzöllnerischen Abwehrversuche gegen die deutsche Arbeit versagten.
Heute ist die Weltwirtschaft warenübersättigt. Deutschland kann die Lasten, die ihm das Ausland auflegt, nur tragen, wenn seine Fabrikate billig hergestellt werden und abgesctzt werden können. Je mehr wir erzeugen, umso billiger erzeugen wir, umso stärker sichern wir den Lebensunterhalt unserer Arbeiter und Angestellten. Würden wir, von irgend einer Seite gezwungen, unsere Produktion und ihre Preise jeweils nach dem Stand der britischen Wirtschaft zum Beispiel einiichten, dann würde Deutschland vollkommen konkurrenzunfähig, da es nur durch billige und gute Arbeit seine Produkte abzusetzen vermag. An dieser Tatsache zweifelt, kein deutscher Gewerkschaftler. Wer also verlangt, Deutschland müsse genau so teuer produzieren wie England, will eben die Ausschaltung des deutschen Wettbewerbes, die Brorlos- machung von Millionen deutscher Arbeiter zugunsten der Briten. Herr Macdonald, der britische Sozialist, hat aber diese Forderung aufgestellt. Er hat behauptet, die Deutschen, ie auf verbilligte und vermehrte Prodnttion hiu- strebten, hätten eine falsche Vorstellung der ^patriotischen Pflichten". Die wahre Pflicht des Deutschen läge darin, England kein« Konkurrenz zu bereiten. Macdonald, der die englische Luftflotte ausbaut, hat Deutschland nicht die geringste militärische Sicherung znbilligen wollen, natürlich auch keine polittsche, denn wenn Deutschland daran festhiette, „wird die deutsche industrielle Gefahr bestehen bleiben und die Zukunft Großbritanniens bedrohen".
Diese Worte Macdonalds zeigen klar, was jeder Brite will. Wenn Deutschlands Grenzen gesichert wären, würde die deutsche Industrie blühen. Dadurch würde England bedroht nsw. usw. Englische, auch Macdonalds Politik muß also darauf ausgehen. Deutschlands stattliche Sicherheit zu erschüttern, um da. mit seine Wohlfahrt zu untergraben zum Dohle deSbritischen Handels. Ein einfaches Rezept, das seit den Tagen der Königin Anne, durch ihren Lordkanzler Burleigh, britische Richtlinie war. Die politischen Folgen dieser Einstellung, die stets von den deutschen Politikern unterschätzt wurden, zeigen sich in der Haltung Macdonalds gegenüber Deutschland. Man kann sagen, daß Macdonald als Gewerkschaftler ein noch größerer Feind der deutschen Arbeiter ist, als es Lloyd George sein könnte. Eben der Egoismus des britischen Arbeiters zwingt Macdonald, gegen den Poincarismns nichts zu unternehmen. Für jeden Briten ist eine verarmte, in Sflaven arbeit dahinlebende deutsche Masie das beste Geschäft.
Daß sich in Deutschland Ideologen finden, die Macdonalds Schönreden für bare Münze nehmen und ihn sogar, well er sich gegen beit Abbau des schematischen Achtstundentages ausspricht. für deutschfreundlich halten, ist selbstverständlich, aber auch diese Polittker sollten zu- geben. daß in England eist Zeftlohnshstem wie bei uns, unter dem nur die Arbeits zeit, nicht di« Arbeitsleistung angerechnet wird, nicht vcstebt. Das ist aber ein fundamentaler Gegensatz. Als die deutschen Sozialisten wählend des Rubrkamvfes ihre englischen Genossen
baten, die internationalen Abwehrbeschlüsse durchzuführen, wurde ihnen von dort erwidert, die deutschen Arbeiter seien eine zu große Konkurrenz für England. Verlangt der deutsche Arbeiter den gleichen Lohn wie der britische für jtvtc geringere Arbeitsleistung, dann wird er in England über den grünen Klee gelobt werden, nur, daß er durch diese Lobsprüche nicht satt wird, sintemalen dann die englische Wirtschaft blüht und die deutsche unter der Absatzstockung durch überteuerte Produktion ihre Arbeitermassen nicht beschäftigen kann. S
Vertewigung der Negierung.
Eine Rede des Innenministers JarreS.
(Telegraphischer Bericht)
Stettin, 24. April.
Reichsminister Dr. Jarres bedauerte in einer von der Deutschen VolkSpartei cinbcrufcncn stark besuchten Wahlversammlung die uniöber. sichtliche Zersplitterung des Wahlkampfes, die ein Unglück für das deutsche Volk sei. Die große -m Grund außerordentlich einfache und ttere Richtlinie des Wahlkampfes sei von der Reichsregierung mit der Parole gegeben: Heraus aus dem Elend der Inflation, zurüd *u gesunden und stabilen Wirtschastsvcrhält- iiiffen. Rur so kann wieder Ehrlichkeit und Schaffensfreude und Handel und Wandel kommen und die nötige innere Grundlage zur Lö- ftmg der Reparationsfrage gewonnen werden. Will man aber dieses Z i el, so müsse man
auch den Weg dazu wollen,
auch wenn er durch furchtbare Bittern 8 führt. Zur äußeren Politik wies Dr. Jarres darauf hin, daß sich der Auisassung der R e i chs r e g i e- r u n g über das Sachver st äu Ligen gutachten die Vertreter der Länder einstimmig ongeschloffen haben. Selbstverständlich seien bei den Beratungen schwere B e d e nk e n hinsichtlich der Kontrolle wichtigster Teile des deutschen Wirtschaftslebens, namentlich der Reichseisenbahn und der Reichsbank zum Ausdruck gekommen, ebenso wie hinsichtlich der offenen Heber« schätzung der deutschen Leistungsfähigkeit. Die ganze Bedeutung des Gutachtens, welches zum ersten Male
die wirtschaftliche Vernunft
zum Durchbruch bringe, müsse jedoch anerkannt werden, ebenso der Umland, daß das Gutachten selbst wichtige Kautelen gegen eine lieber, spannung der deutschen Leistungen enthält. Wenn die Regierung sich zur Mitarbeit bereit erklärt und die Vorbereitung der nötigen Gesetze übernommen habe, so habe sie im deutschen Interesse so handeln müssen. An dem angeblichen Nachgeocn gegenüber einem Druck der Linken sei kein wahres Wort. Gegenüber gewissen französischen offiziösen Meldungen betonte der Minister mit Nachdruck, daß die politische Frage gleichzeitig mit den wirtschaftlichen geregelt werden müsse. Die Reichsregierung stehe auf dem Standpuntt. daß Deutschland die
Verfügung über Rheinland und Ruhr zum mindesten nach den Grundsätzen des Friedensvertrages und des Rheinlandabkommens ohne weitere Beschränkungen wieder erhalten müsse. Die wirtschaftliche und fiskalische Einheit des Reiches könne ohne Wiederherstellung der Berwaltungseinheit nicht als gesichert angesehen werden und die ungeheueren Leistungen können nur unter dieser Voraussetzung übernommen werden. Diese Auflassung werde offenbar von den Vereinigten Staaten, von Eng- land, Italien und anscheinend auch Belg en gereift. Auch die Entlassung der Gefangenen und die Rückkehr der Ausgewiesenen müßte gleichze». tig geregelt werden.
Um die Reparationen.
Die Belastung der deutschen Industrie.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 24. April.
Der Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie hat, wie wir erfahren, gegen wesentliche Teile des Expertengutachtens Stellung genommen und sie als untragbar bezeichnet. Im Anschluß an die heutige Tagung des Reichsverbandes der Industrie findet am Freitag eine Besprechung der Industriellen mit dem Kanzler statt. — 4>ie „Zeit" schreibt, daß nach zuverlässigen Meldungen eine der Hauptvoraussetzungen des Dawesschen Gutachtens, nämlich die Aufbringung der internationalen Anleihe von achthundert Millionen Goldmark zugunsten Deutschlands, besteAuSsicht habe, indem in Amerika bereits hundert Millionen Dollar und in England fünfundfiebzig Millionen Dollar als Zeichnung gesichert gelten.
Sreflungnohme der Linken.
Berlin. 24. April. (Eigene Drahtmeldung s Nach Mitteilung der rechtsstehenden Morgenblät- ter hat der Parteivorstand der sozialdemo
kratischen Partei zn den Sachverständigeu- Gutachten eine bedingt zustimmende Stellung genommen. Der Reichsverkehrsministrr hat gestern Vertreter der freien Gewerkschaften empfangen, die ihm Bedenken gegen die Gntachien unterbreiteten und ersuchten, bei den Verhandlungen mit den Alliierten die Anerkennung der Betriebsräte-Organisajiou und deren Hinzuziehung zum Verwaltungsrat der deutschen Reichsbahn zu verlangen.
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Eine amerikanifAe Auffassung.
R 0 t t e r d a m, 24. April. (Privattelegramm.) Daily Mail meldet aus Amerika: Senator Borah hat auf der Tagung der republikanischen Wahlmänner in St Louis die Expertenvorfchläge als endgültige Regelung der Reparations- ftage bezeichnet. Ihre Annahme müsse bei Freund und Feind durchgesetzt werden, und den sich widersetzenden Mächten der Welt- kredit gesperrt werden. Tie mllitärischeu und politischen Fragen dürften aber nicht mit den Wirtschaftlichen Fragen verbunden werde,:.
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AranzSflsche Vorschläge.
London, 24. April. (Privattelegramm.) Daily News meldet, daß die englische Regiernng Informationen erhalten hat, wonach Frankreich mehrere Abänderungsvorschläge zum Sachverständigenbericht gemacht hat. Diese Vorschläge Frankreichs würden vom Kabmett Macdonald nicht gebilligt werden können.
Das Unglück am Gotthard.
Dreißig Tote, sechsundvierzig Verwundete.
(Eigener Drahtbericht.)
Basel, 24. April.
Die „Baseler Nachrichten" melden: Bis Mitternacht lagen bei der Gcneraldirettion der Bundesbahn in Bern amtliche Meldungen aus Bellinzona vor, wonach von den dreißig Toten bei zwcnmdzwanzig und von den sechsund- vierzigVerwundeten bei neunundzwanzig die Personalien sestgestellt werden konnten. Unter den Trümmern sollen sich weitere Opfer nicht befinden. Der Bundesrat wird noch heute eine Rotverordnnng erlassen, die die Mitfühnmg von Wagen, die mit dem veralteten deutschen System der Gasbeleuchtung ausgerüstet sind, auf schweizerischen Bahnen verbietet. Der „Baseler Anzeiger" erörtert bereits die Schadenersatzpflicht Deutschlands (!) für die erschwerten Folgen des Unglücks. — Der Generaldirektor der schweizerischen Bundesbahn ist in Begleitung von Bundesrat Motta an der Ungücksstelle eingetrof- fcn. Der Generaldirektor führt das Unglück auf drei Fehler zurück: 1. Nichtbeachtung des Signals, daS auf Kalt staud, 2. Unterlassung der Rückmeldung von der Ucbcrholung des Güterzuges, 3. die noch nicht vollständig ausgebaute Zentralweichenanlage in Bellinzona. Das Eisenbahnunglück wäre ohne die große Zahl von Todesopfern abgelaufen, wenn nicht der badische Wagen durch Explosion in Brand geraten wäre. (Sie Beilage: Aus aller Welt.)
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HNfszage aus;Malland.
Zürich, 24. April. (Eigener Drahtbericht? Die Bundesanwattschast ist an der Stelle deS Unglücks eingetroffen. Ihre Feststellungen wurden durch starken nächtliche Regen erschwert. Die italienische Regierung hat zwei Hilsszüge aus Mailand entsandt. Bon dem Inhalt der beiden Gepäckwagen find nur sechs bis steben Ge- pSckstücke nicht verbrannt. Die Katastrophe war das Werk weniger Minuten. Innerhalb dieser kurzen Zeit wurde alles Lebende vernichtet, das fich in den beiden ersten Wagen deS Zuges befand. Bon den Berletzttn find Biele in furchtbarer Wrffe verstümmelt worden.
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Dr. yelfferlch im Llnglstckszug?
Hanau, 24. April. (Privattelegramm) Gestern abend sollte hier der deuffchnatiouale Spitzenkandidat sür Hessen-Nassau, Dr. Helfse- rich eine Rede halten. Dr. Helfferich, der sich bisher in Oberttalien nufhielt. beabsichtigte, wie verlautet, den vorgestrigen Rachtzug zu benutzen. Er ist bisher nicht eingetrossen, und es liegt auch sonst keine Nachricht von ihm vcr. Aus Nachfrage bei der Bundesbahndirektton in Basel, ob fich unter den Opfern der Katastrophe auch Dr. Helfferich befinde, ging die Nachricht ein, daß dort nichts davon bekannt sei. Die Persönlichkeit einiger Toten lasse sich, da sie zu sehr verbräunt seien, noch nicht fefkstellen Eine bündige Antwort war noch nicht zu erlangen.
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Ilmgekommene Deutsche.
Bern, 24 April. (Privattelegramm.) Sämtliche Insassen des deutschen Wagens, vermutlich durchweg Deutsche, find in den Flammen umgekommen. Der durch das Unglück angerich- trte Materialschaden ist sehr groß. Allein die vier elektrischen Lokomotiven haben einen Wert von etwa vier Millionen Franken.
Die fremde Last.
Wie stark die sranzöstsche Besatzung ist.
Da jetzt bur» das SalbverftLndtgcn.Gutachten aud> die Räumung des Ruhrgebiet« von de« franzöfifchdeigischen Truppe» beittttoottet wird ist es notwendig, die große Zahl der feind» liehen Desatzungstrnppen bekannt zu geben» Der Reichsminister für die besetzten Gebiete veröffentlicht die vierte Denkschrift über die B e s a tz u n g s k 0 st e n mit einem Anhang über die Ausgaben Deutschlands sür die Inter, alliierten Kommissionen nach dem Stand vom 31. Dezember 1923. Die Denkschrift ist nach allen in Betracht kommenden amtliches Quellen, insbesondere auch nach den Quellen, die di« amtlichen französischen Drucksachen ergeben, bearbeitet, liefert also einwandfreies Zifftrnmate- rial. Aus dieser Denkschrift haben wir bereits vor einigen Tcmen die Höhe der finanziellen Belastung Deutschlands durch die Besatzung nütze» teilt. Dem Abschnitt über die Besatzungs. stärke entnehmen wir das Folgende: Vor der Besetzung der Rheinlande durch die alliierten Truppen standen dort an deutschen Truppen im altbesetzten Gebiet (einschil. des sog. Saiü- tionsgebiets: Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort) rund 75 000 Köpfe in dreißig Garnisonorten, in dem Gebiete des Ruhreinbruchs, das zur neutralen Zone gehört, überhaupt keine deutschen Truppen. Gelegentlich der Versailler Verhandlungen machte der französische Minister Loucheur Ausführungen, wonach die Besatzung im Rheinland die frühere deutsche Friedensbelegunug nur wenig (legerement) überschreiten sollte, ®tt Wirklichkeit ist aber geradezu ein Hohn auf diese Zusage von verantwortlicher amtlicher Stelle. Die Stärke der
französischen Besatzungsarmee am Rhein (zusammengestellt nach den ftanzösi- scheu Haushaltsplänen und Kammerberichten) betrug 1920 an Offizieren und Mannschaften 88 550, 1921 88042, 1922 90419, 1923 im altbe« setzten Gebiet 106 584, im Ruhrgebiet 55120, zusammen in 1923 161 704, 1924 im altbesetzten Gebiet 94 835. im Ruhrgebiet 52715, zusammen 147 540. DaS auf der Pariser Finanzkonferenz vom 11. März 1922 zwischen den alliierten Fi- nanzminiftern abgesckLofsene Abkommen, da? grundlegende Vereinbarungen der beteiligten Besatzungsmächte auch über die Besatzungskosten enthält, ist auf folgenden Stärken der einzelnen Desatznngsarmeen aufgebaut: Belgisch« Arme« 19300 Köpfe, britische Armer 15 000 Köpfe, französische Armee 90400 Köpfe. Em Vergleich mit vorstehender Uebersicht ergibt, daß die unter den Alliierten vereinbarte Besatzungs- stärke von der französischen Armee in den Jahren 1922—1924
sehr erhebllich überschritten worden ist. Heber die Stärke der Besatzungsarmeen ist ferner folgendes bekannt: Bereits am 15. September 1922 standen nur im altbesetzlcu Rheinland 1995 Amerikaner, 29327 Belgier, 10310 Engländer, 106033 Franzosen, insgesamt 147 665 Köpfe. Gegenüber den auf der Pariser Finanzkonserenz vom 11. März 1922 vereinbarten Stärken bedeuteten diese tatsächlichen Stärken eine Ueberschreitnng von rund 12000 Franzosen und 10000 Belgiern, während die britische Armee mit rund 5000 Köpfen unter den im genannten Abkommen vorgesehenen Stande zurückblieb. Rechnet man zn den 147 665 Mann Besatzung im altbesetzten Gebiet noch die Be- satzung im SanktionSgebiet unud im Ruhrgebiet hinzu, so wird sich die Gesamtstärke der zmzeit in all diesen Gebieten befindlichen Besatzungstruppen um 200 000 Mann bewegen. Gegenüber den dreißig deutschen Friedensgarnisonen im alt» und neubesetzten Gebiet Warrn bereits am 15. September 1922 nur im gltbesctz- ten Gebiet zweihundertzwanzig Orte von den Besatzungsirupupen unud von Teilen der Rheinlandkommission belegt, und zwar von Amerikanern 15 Orte, von Belgiern 53 Orte, von den Engländern 18 Ort» und von den Franzosen 134 Orte zusammen 220 Orte. Die tse- samtzahl der heute mit Truppen usw. belegten deutschen Orte wird sich auf etwa dreihundert belaufen; sie hat sich also gegenüber den deutschen Friedensgarnisonen etwa verzehnfacht. (!)
Umorganifatton 6er Reichsbahn.
Der Rcichsverk-hrSminister als Generaldirektor.
Halbamtlich wird mitgetilt: Durch eine Verordnung des Reichskanzlers vom 23. April d. I. ist der Reichsverkehrsminister O e s e r zum Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn bestellt. Zu seiner Unterstützung und zur Leitung des Unternehmens wurde ihm ein vorläufiges Direktorium zur Seift gestellt, das aber lediglich begutachtende Tc» tiakeil ausüben soll. Das Direktorium ist unter Uebernahme der vorhandenen Gliederung des Reichsverkehrsministeriums aus bett Staatssekretären als geschäftsführenden Mitgli..