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Mittwoch, 23. April 1924.

Nummer 95

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

Der Reichskanzler zum Gutachten

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druck, daß der Geist Kants diejenigen leiten möge, die über die nächste Zukunft Europas und der Welt zu entscheiden haben. Der preußische Ministerpräsident Braun entwickelte eingehend das hohe Kant vorschwebende Ideal vom c w i - gcnFrieden und betonte, wie sehr für diesen ewigen Frieden das Selbstbestimmungs- r e ch t der Völker nach innen und außen unerläß­lich ist, und rwar gerade im Geiste Kants, der die Selbstbestimmung des Volkes im Innern und die auf Vernunft und Recht gestützte Ver­ständigung der Völker zum Zusammenschluß in einem wahrenBölkerbundals sittliches

Weiter unter Frankreichs Gewalt.

Paris, 22. April. (Eigene Drahtmeldung.) Am ersten Ostrrtage hielt Finanzminifler Mar­shall in NancN eine Rede, in der er unter ande­rem sagte, daß Frankreich an der Ausbeute der Ruhr bis zum Jahre 1930 festhalte, daß es aber gegen genügende Barzahlungen be­reit sei, von 1926 an einen schrittweisen Abbau der Regie nach dem Umftmge der deutschen Lei­stungen im die Alliierten eintreten zu lasten.

Blutige Ausschreitungen.

Kommunistischer Ueberfall ans nationale Jugend (Privat-Telegramm.)

Berlin, 22. April.

Wie die Blätter berichten, wurde Buckow in der Mark am Ostersonntag nachmittag der Schauplatz eines lleberfalles von Kommunisten auf rechtsradikale Jugendbündler, wöbe, ein Mitglied der Jugendbündler erstochen und ein junger Kommunist durch Messerstiche schwer verletzt wurde. Dem Lok.-Anz. zufolge wurde noch ein z w e i t e s Mitglied der rechtsstehenden Jugendbündler fo schwer verletzt, daß es am Ostermontag im Buckower Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen ist. Die Abtei­lung la des Berliner Polizeipräsidiums ent- sandte sofort mehrere Beamte zur Untersuchung deS Tatbestandes nach Buckow, -s- Es wird wci- ter darüber gemeldet, daß es zweiTote und achtundzwanzig Verletzte gab. dar­unter 21 auf nationaler Seite. Tie Polizei lmtte bis gestern über zwanzig V c r h a f t u n - gen in lommwrrstifchcn Kreise,! vorgenommen.

tim das besetzte Gebiet.

Die Sorge des Reichskanzlers. .

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 22. April.

Einem Düsseldorfer Preffevertreter gegenüber äußerte sich Reichskanzler Dr. Marr dahin, daß a!s hauptsächlicher Beweggrund für die Annah­me des Sachverständigen-Gutachtens die erstrebte Erleichterung und Befreiung des besetzten Gebie­tes ausschlaggebend war. Es sei ein uner­träglicher Zustand, daß die Bewohner des besetzten Gebietes bei der Unfähig­keit des Reichs zu Reparationszahlungen in dem geforderten Ausmaße von Frankreich für ave Forderungen haftbar gemacht werden, oaß nur das besetzte Gebiet und seine Bewohner als Reparationsprovinz gelten, w» die die Pumpe angefetzt werden, um aus ihnen unter der Drohung der Bajonette, unter dem Druck der Kriegsgerichte, nutet der Last der gesamten französischen Militärherr- sckaft herauszuholen, was sich herauShol-n läßt. Dieser entsetzlichen Lage müffe ein Ende gemacht werden. Um eine dauernde Stabilität in Staatshaushalt und Währung zu erreichen, müffe, wie die Sachverständigen betonen, die steuerlich^ und wirtschaftliche Einheit des Rei­ches wiederhergestellt werden. Dies bedeutet al­so: Wegfall der Zollgrenzen und der Reisesper- re zwischen dem besetzten und dem uuvesetzten Gebiet, Wiederherstellung der Bcrkehrseinheit und der deutschen Berwaltungshoheit.

* * *

Deutschland t)?r!a igt Klarheit.

London, 22. Llpril. Eigener Drahtderickt.) Einige Blätter melden, zwischen Deutsch­land und England hatten Besprechungen be­gonnen, um eine möglichst rasche und klare Aus- lcgung des Berichtes der Sachverständigen zu erhalten. Deutschland erwarte in diesem Au­genblick die Antwort Englands auf seine letzte Anfrage, wie die Stelle der jüngsten Rede Poincaräs ausznlegen wäre, in der dieser von der Beibehaltung der Ruhrbeset- , n n g gesprochen hat. Ebenso sei auch über die Regelung der Gefangenenfrage Fühlung­nahme eingeleitet. Derartige Rückfragen feien außer in London auch in anderen europäischen Hauptstädten von Deutschland aus erfolgt.

Slmetaenoreife- GeschüftSanzeiaerr Zelle 15 Pfennig, Famtlien-Aazeigen Zelle 15 dtennlg, I ßleine8e»metacn baS Wort 2'/, Pfennig, Reklamen die Zelle 50 Pfennig, Ossertgebnhr I 10 Pfennig ($et Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Rechnungsbeträge innerhalb | fünf Tagen m bezahlen. — Maßgebend ist der Kurs des Zahlung-wges. Für die Richttg- । keil aller8 durch lernfprecher aufgegebenen Anzeigen, iowie snr ^usnahmedaten und Pl 8e . kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz Hundes I Prozent Austchlag. Truckeret: Schlachthofstraße 28/30. Kesch-is»-stell^ Kölnische Straße b, l

8 gegenüber der Srohrstratze. Fernfprrcher Nr. Sol und 952. [

Kant unb die Politik.

Reden bei der Königsberger Gedenkfeier.

(Tickegraphische Meldung.)

Königsberg, 22. April.

^Anläßlich der Kantfeier fand gestern abend zu Ehren der zahlreichen in- und ausländischen Gäste ein Begrußimgsabend statt. Rach den Be­grüßungsworten von Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer, der besoners auf die derzeitige Trennung weiter Gebiete Ostdeutsch lands vom Mutterlande hinwieS, sprach der anstelle deS verhinderten Reichspräsidenten erschienene Vizekanzler Dr. JarreS, der aus dem gewaltigen LebenSwerk des genialen Philosophen insbesondere deffen Forderung würdigte, daß wahre Politik «leinen Schritt tun kann, ohne vorher der Moral gehuldigt zu haben. Der Minister gab dem Wunsche Aus-

Streik und Aussperrung.

Kelbra, 22. April. (Telegraphische Meldung ) Gestern nahm hier eine stark besuchte Gewerk schafts-Fnnktionärkonserenz Stellung zu dem wilden Streik der 2000 jungen Arbeiter und der darauf erfolgten Aussperrung von 4000 Bergarbeitern. Die ManSfeldcr A. G. droht für morgen gesinnte Aussperrung an, von der rund 23000 Bergarbeiter einschließlich der zugehörigen Metall- und sonstigen.Arbeiter betroffen würden. Die Funktionär-Konferenz beschloß, kein Mittel zur Beilegung der Diffe­renzen unversucht zu lassen.

Braunkohle.

Ihre Verwendung in der Industrie.

Auf der Leipziger Tagung dr« Mitteldeut Won Vraunrohlen.Industrie.DerriuS wurden aNg«. mein interessante Vorträge gestalten, die über die vollere Ausnutzung der Braunkohle Aus- geben. Man schreibt «ns darüber z

: Die schwierigen Verhältnisse der Kriegs-« und Nachkriegszeit haben die deutsche In« d u st r ie gelehrt, sich von der weit teuereren und schwer zu beschaffenden Steinkohle immer mehr zu emanzipieren und die namentlich in Mit­teldeutschland in fast unbegrenzten Men­gen lagernde Braunkohle in größtem Um­fange zur Beheizung der Kesselanlagen und zur Gewinnung der nötigen Energiemengen zu be­nutzen. Selib-stvevständlich hat die Umstellung auf diesen für viele Industrien vor ^md wäh­rend des Krieges völlig unbekannten Betriebs- stoss zunächst manche Schwierigkeiten nach sich gezogen, allein deutscher Jugenieurkunst, deut- schein unermüdlichen, rastlos vorwärts dringen­den Erfindergeist ist es gelungen, auch die tech­nischen Einrichtungen zu schaffen, die eine vor- teihaste Verwendung der Braunkohle ermögli­chen Besonderes Verdienst auf diesem Gebiete hat der Deutsche Braunkohlen-Jnduftrie-Verein, der es sich im Interesse der deutsche» Wirftchrft angelegen sein läßt, die Verwendbarkeit der Braunkohle restlos zu erforschen, und daß man seiner Arbeit in den Kreisen der tntereffierten Industrie und Technik lebhafteste Beachtung schenkt, bewies die rege Teilnahme an seiner Tagung, die den Hörsal der großen Leipziger Universität bis auf den letzten Platz füllte. — Bei der Eröffnung der Tagung hieß der Vor- stand die Erschienenen herzlich wtMommen und ging zunächst ganz kurz aus die allgemeinen Verhältnisse im mitteldeutschen Braunkohlcn- bergbuu ein. Ec betonte, daß es bisher nur ge­lungen. jpi, die Braunkohlenförderung auf acht­zig "Prozent der Friedensleisiung zu bringen. Die Schwierigkeiten einer weiteren Steigerung der Förderungen lägen vor allen Dingen en den ungünstigen Lagerungsverhättnissen. Es fei deshalb notwendig, sich alle

technischen Verbefferungen

schnellstens zunutze zu machen und es könnte im Braunkohlenbergbau nicht daran gedacht wer­den, die Arbeitszeit abzubauen und sich etwa aus den Achtstundentag sestzulegen, sondern nur bei Beibehaltung der Borkriegsarbeftszen sei eine Rentabilität möglich. Sodann ergriff Direktor Jahnke-Berlin das Wort zu einem Vortrag „Der Aufbau der öffentlichen Elektrizi. tätswirtschaft auf der Braunkohle Mitteldeutschlands.- Er gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung bet Elektrizitätswirtschaft seit dem Jahre 1913. Da- mals habe es in Deutschland 16Ö0 öffentlich: Elektrizitätswerke gegeben, die zumeist im Mit­telpunkt ihres Versorgungsbezirkes gelegen hät­ten und häufig auf die Zufuhr der notwendigen Brennstoffe angewiesen waren. Die Versorgung Rheinland-Westfalens durch das rheinisch-westfä­lische Elektrizitätswerk sei damals nur mit Steinkohlenfeuerung erfolgt, während im Jah­re 1923 bereits vierzig Prozent der Energie mit Braunkohle erzeugt wurden. Erst die Möglichkeit einer Ueberiragungsspannung von hunderttausend Volt habe in der Anlegung von Elektrizitätswerien eine grundlegende Äende» rnng gebracht. Die Wafferkraftversorgnng habe sich noch nicht völlig ausgewirkt, weil die großen Kraftwerke erst in jüngster Zeit ihrer Vollen- duna entgegengingen, immerhin werde zum Betzpiel in Baden bereits Dreiviertel der not­wendigen Energie durch Wasserkraft erzeugt. Gleichwohl habe die Anlegung großer Elektri- iitätStoerfe an den Orten großer Braunkohlen- borkommen nicht ein bis dcchin bestehendes Kraftwerk überflüssig gemacht, für den Spitzen­betrieb und einen ost notwendigen Ausgleich hätten sie immer noch ihre Daseinsberechtigung^, Aber die großen Neuanlagen brächten eine wesentliche

Schonung der Steinkohlenvvrräte

und eine ganz ungemeine Entlastung der Eisen­bahnen mit sich. Direktor Jahnke zeigte sodann noch ian Hand eines reichen Bildermateri rls das großzügige Fern Versorgungsnetz tm mitteldeutschen Jndnsttiebezirk. Er betonte, daß die Betriebssicherheit eines so großen geknp. pelten Netzes mit der Steigerung der Spannung immer größer werde und daß eine Spamzungs- regulierung durch Ausgleich der Zenttale und durch Phasenverschiebung am Ende er Leimige bei guter Zusammenarbeit vollkommen zu enei« chen fei. — Professor Dr. Philippi, Berlin, sprach sodann über den »Elektrischen Antrieb von Baggern und Abraumlokomotiven im Braun- kohlenbergban- und sand mit seinen wettvollen icchnischen Fingerzeigen lebhaften Beifall. «— „Mechanische Braunkohlen feuern »» gen" lautete das Thema eines Dortrrg-s, den Oberingenieur Eiraafen, Leipzig, hielt. üBenu es auch unmöglich ist, in diesem Rahmen auf die Einzelheiten der interessanten, durch eine

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 14« Zshrg<Mg

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Arbeit und Preise.

Zu viel Einfuhr.

In dieser Usbergangszttt ist wirtschaftlich effizig erfreulich die Besserung des Ar­tz e i t s m a r k t e s. >Sv hat in Berlin d>e Zahtz , der Arbeitslosen im März um rund sechzig Prozent abgenommen. Da aber jugendliche und weibliche Personen eher Beschäftigung fan­den als gelernte männliche Berufsaroeiter, handelt es sich hauptsächlich um eine Besserung in den Betrieben, die Masseuware fabrizieren. Da die erwartete umfangreiche Belebung im Baugewerbe nur teilweise eingetreten ist, und zwar aus Mangel an Sponkapital, das heute höchstens auf 1/75 der Friedenszeitz berechnet werden kann, kann diefe Besserung, 'vor allem auch die Belebung der Metall- und Spinnstofs- industrie, die heute Einstellungen vornehmen, leicht ihr Ende erreichen, wenn die Repnra- tionsfrage sowohl wie die der deutschen Wah­rung endgültig geregelt ist. Vor einem Opti­mismus ist umsomehr zu warnen, als die Be­lastungen ans den Reparationsverpslichtungen notwendigerweise zu einer Einengung des Ausfuhrgeschäftes, zu einer Abdrosselung des Importes und damit zu einer Einengung auch der deutschen Lebenshaltung führen werden. Gerade diese Momente aber werden heute noch vielfach auch in rein geschäftlichen Kalkulatio­nen nicht genügend berücksichtigt, obgleich War­nungssignale ost genug gegeben worden sind.

Der Reichswirtschaftsminister.Hamm hat so etwas wie ein Programm für die Uebergangs- zeit ankündigen wollen. Er hat eine Senkung der Preise befürwortet, besonders für Kohle, ebenfalls eine Herabsetzung der Umsatzsten-r, ohne anzugeben, wie er beides ermöglichen will, ohne entweder tm Bergbau Mehrleistun- gen bei mindestens gleichbleibendem Lohn oder eine weiter? Einschränkung der Reichsaus­gaben zu fordern. Wenn Dr. Schacht angibt, unsere Rentenmark habe die Kauftrast von etwa Äig FriedensPsenmgen. so heißt das nichts :res als: In der Verminderung der Kaustraft der jetzigen gegenüber der Frie­densmark prägen sich die Verluste durch vermin­derte und überteuerte Produktion, die steuer­lichen Belastungen, ans, und da Reparations­leistungen uns um mindestens ein Fünftel der jetzigen Gesamtbelastung stärker betasten wer­den/ würden wir in absehbarer Zeit für eine Rentemnark nur Ware int Werte von etwa vier­zig Friedenspfennigen ju erstehen vermögen, d. h. da unter dem.Ententediktat der einzelne Deutsche nicht sein Einkommen vermehren wird, wird er seine Lebenshaltung um weitere zwei Fünftel einfchränken müssen. Dabei ist es ganz gleichgültig, ob wir mit Rentenmark oder Goldmark arbeiten. Maßgebend für die Kauf­kraft eines Geldes bleibt immer die von einer Wirtschaft erzeugte Gütermenge. Nach dem Re- paratconAdittat wird uns diese Gütermenge aber zu einem erheblichen Teil glatt durch di» En­tente entzogen. Mit anderen Worten: Die Preise werden sichnachoben bewegen.

Es ist vollkommen zwecklos, durch offizielle Ankündigungen dieser Ausbalanzierung begeg­nen zu wollen. Je stärker unsere Wirtschaft und damit auch unsere heute lediglich inländtsche Währung unter die Gesetze der Weltwirtschaft gerät, um so stärker werden sich auch die Preise und Produktionsmöglich- k eit en nach den Erfordernissen und Bedürf­nissen nicht Deutschlands, sondern des Welt­marktes, richten. In den letzten Monaten hat die deutsche Entwicklung darauf wenig Rücksicht genommen. Anderrrfeits ist aber der Jnlandsmarkt nicht gerade gekräftigt und da­mit aufnahmefähiger für deittsche Waren ge­worden. Die Nachfrage nach einzelnen lebens- notwendigen Waren ist nach Stillung des drin­gendsten Bedürfnisses bereits wieder tm Ab­flauen. Unser Außenhandel aber ist krank. Im Februar stand nach statistischen Zissern, die mit Vorsicht aufMnehmen sind, eine Ausfuhr von 406,34 Millionen eine Einfuhr von 718,50 Mil­lionen Mark gegenüber, wir haben alfo e neu E infichrÜberschuß von 252 Millionen Mark ge­habt Es bandelt sich bei dieser Einfuhr um Lebensrnittel im babbelten Betrage der Einfuhr des Vorjahres, aber diese Lebensrniitelimborte sind heute minde»: -bedeicklich als die an Lurus- waren, Südfrüchten und Rohstoffen, bereit Ver­arbeitung für die Ausfuhr kaum in Betracht kommt. Eino Einfuhr von Fertigwaren im Betrage von rund vierzig Prozent der Gesamt- einflihr bewiese aber, daß wir leichtfertig dar- aufloswirtschaften, und die Bereitstellung von Krediten für eine solche Einfuhr heißt geradezu unsere Gesamtwirtschaft schädigen.

Die Gewährung von Krediten für die E i n f u h r ist geradezu leichtfertig erfolgt, wäh­rend die Industrien, die für die Ausfuhr arbeiteten, ebenso wie das Baugewerbe, duS schließlich Arbeitslose für die Vermehrung deutscher Sachwerte beschäftigt, unter Kredit- schwierigkeiten leiden. -Statt künftige Werte zu schaffen, sind Kredite gegeben worden für Dinge, die wir, um das bekannte Bild zu ge­brauchen, mit Stumpf und Stil ver-ehrteu. Die

Reichsbank hat sich deshalb genötigt gesehen, die Kredite zu beschränken. Wird damit eine Festsetzung des Diskontsatzes vorgenommen, dann werden vor allem die Sondergewinne der Banken durch den jetzigen Satz beschnitten. Ob und inwieweit die Golddiskontbank zu einem Nachlässen des Devisenbedarfs führt, wird sich bald zeigen. Jedenfalls müssen wir . zu einer geordneten Handels- und ~ ‘

rück, um Beschäftigungsgrad und Lebenshaltung unserer Nation auch nur einigermaßen stcherzu- stelleii. Die offizielle Handels- und Währungs­politik der letzten Monate war berartig, daß sie mit einem Zusammenbruch geendet Hätte, wenn 'chließlich nicht in Rcgierungskreisen selbst die Erkenntnis anfgedämmert wäre, das Steuer zu lasch gehandhabt zu haben. Goldkredtte müssen in erster Linie den Zweigen zugeführt werden, die für den Erhört und für die Schaffung neuer Produktionsstatten Deutschlands angesetzt sind. Eine Ueberprüfuna der reinen Jmportkredile ist um so notwendiger, als eine Einschränkung der Warenüberflutnnq des Jnlandsmarktes schließlich auch zu einer größeren Solidität des Einzelhaushaltes führt. S.

Meta Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Gesetz so glänzend ausgezeichnet hat.

greife, Löhne und Arbeit.

Erhöhung der Erwerbslosen-Unterstützung.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 22. April.

In Bertretuna des Reichskanzlers emfing Vizekanzler Dr Jarres die Vertreter der Spit­zenorganisationen der Gewerkschaften. Der Besprechung wohnten auch der Reichswirt- schaftsminister Hamm, Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und Reichsfiuauzminister Dr. Luther bei. Tie Gewerkschaftsvertreter wandten sich gegen die Auffassung, daß jede Lohnerhöh­ung eine Gefährdung für die Aufrechterhaltung der Währuna nach sich ziehen müffe. Wenn man Lohnerhöhungen nicht bewil­ligen «olle, so müffe man die Waren­preise senken, die heute »och künstlich hoch­gehalten würden. Im übrigen hemme eine Niedrighaltung der Löhne die technische Ent­wicklung und beeinträchtige die Arbeitsleistung. Die Vertreter der Gewerkschaften forderten schließlich nachdrücklich die zwingend gewordene Erhöhung der ErwerbSlosen-Unter- st n 1! u n g, die heute schon vorwiegend aus den Plichstbeiträzeu gedeckt würden; eine nennens­werte Beanspruchung von Staatsmitteln werde durch eine Erhöhung nicht eintreten. Von feiten der Reichsregieruna wurde die Notwendigkeit einer baldigen Erhöhung der Sätze aner­kannt. Die Regierung werde auch alles tun, um eine PreiSsenkuna herbeizuführeu und damit die Kauftrast der Lohn- n»d Gehalts­empfänger zu heben.

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Kampf um den Achistundenlog.

Berlin, 22. April. (Telegraphische Meldung.) Dex Allgemeine Deutsche Gewerkschastsbund hat auf Antrag des deutschen Textilarbeiterver- bandes beschlossen die Frage beS Achtstun­dentages auf dem Wege beS Volksent­scheids zur Entscheidung zu bringen. Eine Kommission, in der auch der Allgemeine Freie Augestelltenbund und der Allgemeine Deutsche Beämtenbund vertreten sind, ist gegenwärtig mit den technischen Vorberestungen beschäftigt. Wie das Blatt erfährt, wallen die drei gewerk­schaftlichen Spitzenverbänb-r nicht ein besonderes Gesetz über den Achtstunw »tag zur Bolksabstim- mimg stellen, sondern die Ratifikation des Was­hingtoner Abkommens des Völkerbundes ver­langen, das die grundsätzliche Festleg. u n a des Achtstundentages enthält. DaS Volks­begehren wird erst nach den Wahlen im neuen Reichstag eingereicht werden.