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Nummer 94.

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

Sonntag, 20. April 1924.

Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf. 14. ZahrgaNg

Ostern 1924.

Der Tod ist verfchlunge« in de« Sieg.

Von

Artur Brausewetter.

.Mein ganzes philosophisches System gäbe ich freudig dahin, wenn ich mich von der Auf- erstehung des Lazarus überzeugen könnte," yat einmal ein bahnbrechender Philosoph gesagt

Und Faust?Die Botschaft hör' uh wohl, allein mir fehlt der Glaube."

Aus diesen beiden Worten klingt zweierlei: Einmal eine milde Verneinung. Dann eher eine deutlich schwingende Sehnsucht: .Könnte ich es doch glauben könne ich mich überzeugen!"

Damit werden diese beiden Worte zum Symbol unserer Tage. Auch heute ein skepti­sches Ablehnen, ein inneres Fertigsein mit der verstandswidrigen Kunde von der Auserstchung. Hat je ein Toter die Bande seines Grabes ge­sprengt? Ist er zurückgekchrt zum Lichte des Lebens? Wie könnte das. geschehen? Wie wäre es möglich?

Aber Hand in Hand mit dem verstandes­mäßig ablehnenden Skeptizismus ging be­reits damals, geht insbesondere heute ein ande­res: Ein immer mehr hervortretendes Ver­langen, die Kluft zu überbrücken die zwischen dem sichtbaren Diesseits und dem nebelhaften Jenseits gähnt, eine wach­sende Sehnsucht, mit der jenseitigen Welt, mit den Geistern der Abgeschiedenen in Verbindung zu treten. Okkultismus und Spiritismus blü­hen starker als je, finden itstmer zahlreichere Anhänger. Weshalb? Weil dies arme Menschen­leben Herz und Seele der Suchenden nicht aus- zufüllen vermag, weil fle eS nicht fassen können, nickt fassen wollen, daß der Tod das Letzte -ein. ein Weiterleben, ein Wiedersehen nur ein Trug und Wahn sein soll, weil es etwas für fie geben muß, daS Über diese Endlichkeit hin­ausweist, das die verborgenen, aber doch spürba­ren Fäden anknüpst in «» anderes, besseres Land.

Und nun kommt Ostern mtt seiner großen Botschaft von einem, der die Bande des Todes gesprengt, der der Verwesung den Stachel ge- riomrmen, kommt in eine Zeft hinein, die sie ab­zulehnen bereit ist und der sie mit ihrer aus­bauenden Kraft doch so bitternotweudig ist. Denn an nichts fehlt es unseren Tagen so, wie an einer beherzten Bejahung. Es ist heute alles negativ, sowohl im Jnbalt wie in der Form. Wir leiden an einer Nichtachtung der Form, ja, an einer Formlosigkeit, die soweit gediehen ist, daß sie mit dem Gefäß auch den Jrchalt zertrümmert.

Die Osterbotschaft veremt beides in vollendeter Weise in sich: die Form wie den Inhalt. Sie bringt das dunkle, dem Men­schen eingeborene Sehnen und Suchen, seine Furcht vor dem Tode und sein heißes Verlan­gen nach seiner Ueberwindung, nach einem Per­sönlichen Weiterleben aus eine ebenso einfache wie klare Form, indem sie als den Kern alles Glaubens das Leben hinstellt und damit zur eigentlichen Religion des Lebens wird. Denn eine Religion, die nicht Lebenskräfte spen­det, ist bald tot und zerfallen.

Mber die Osterbotschaft füllt diese Form mit einem bestimmten, persönlichen und zugleich all­gemeinen Inhalt, und der heißt:Christus ist der Erstling derer geworden, die da schlafen." So vereinen sich Form und Inhalt 'wiederum zu einem, und das heißt: Erlösung. Das Oster­fest erst gibt der christlichen Religion ihren ei­gentlichen Inhalt und Charakter als Erlö­sungsreligion. Dadurch, daß Christus den Tod überwindet, wird er der Erlöser des Menschen­geschlechtes.

Und mag der moderne Skeptiker einwenden was er will, tote Menschen von heute sind erlösungsbedürftig wie nie die Men­schen einer anderen Periode. EAösungsbcdüri- tigkett, das ist das Zeichen unserer Tage. Aus allen Gebieten, heißen sie Pholosophie, Theoso­phie, Mystizismus oder Okkultismus, herrscht als eigentlich Treibendes, mehr oder minder zugestanden,, dies Silchen und Verlangen nach Erlösung, aus der Kunst unserer Tage spricht ez mit deutlichen Zungen, selbst die strenge und nüchterne Wissenschaft kann sich von ihm nidjt frei machen. Und nun gar das öffentliche und vaterländische Leben, welche andere Macht und Sehsucht erfüllte es, als die der Erlösung? Alle Parteien, so grundverschieden, ja, entgegen, gesetzt sie sein mögen, der Wunsch nach Erlö­sung schlingt sich wie ein stark einendes Band um sie alle. Daß eine jede diese Erlösung auf die ihr eigene Weite sucht, ändert nicht, sondern bestätigt vielmehr die schlichte Tatsache.

Vollends aber die steigende Not unseres Vaterlandes, das Elend, das im Westen wie im Osten mit immer beredteren Zungen i« uns spricht, der Aiffschrei anscquätten Herzen überall:Wann wird der Retter kommen diesem Lande?" Gibt es deutlichere Anzeichen einer die weitesten Kreise umfassenden Erlösnngsbediirf- tigkett? Alle, die heute als trauernde Patrioten unter uns wandeln, was anders sinh sie als fol-

Mchtige Entscheidungen.

Neue Beratung tot Reichskabinett.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 19. April.

che Erlösungsbedürftigen? Die Erlösungsbe- dürstigkeit kann niemand leugnen. Die Frage ist nur die: Ob uns noch die Kr aft der Erlo- sungsfähigkeit innewohnt? Mit einem anderen Worte: Ob das uns beseelende Negative aus sei­ner Sehnsucht heraus das Positive zu er- zeuaen fähig ist.

Wie wahr urteilt Goethe, daß olle Epochen in denen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch wolle, glänzend, herze rhe- bend und fruchtbar für Welt und Nach­welt sind. Alle Epochen hingegen, in denen der Unglaube, in welcher Form es auch fei, einen kümmerlichen Sieg behauptet, vor der Nachwelt verschwinden, weil sich niemand gern mit der Erkenntnis des Unfruchtbaren pla­gen mag. Mau mag sich die Auferstehung Jesu vorstellen wie man will, mag von allem L-rnnli- chen, Demagogischen, Aenßerlichen absehen die innere Tatsache bleibt das Entscheidende und Erlösende. Das Erfahren und Erleben aus dem inneren Bedürfnis des Herzens, aus tausend Wunden und Zweifeln der Zeit heraus, das ist der Sieg des Lebens über den Tod

misfion angehört werde, nachdem Deutschland diese Anregung nicht weiter verfolgt habe. Wahr­scheinlich werde die Reparationskommission Verhandlungen über die Durchführung der Sachverständigenvorschläge, die Deutschland auf die schriftliche Nntcrbreitung bestimmter An­fragen beschränkt, bevor sie die Gutachten zum endgültigen Beschluß erhebt, anordnen.

* * *

Die alliierten Schulden an Amerika.

Basel, 19. April. (Eigene Drahtmeldung.) DieBaseler Nationalzeitung" berichtet aus New York, daß die Reise von General Da- wes durch die europäischen Hauptstädte auf Be­schluß des Staatsdevartements erfolgt. Der Ge­neral hat die Aufgabe, im Namen der ameri­kanische« Regrerung die Schuldnerstaa­ten daran zu erinnern, daß die Annahme der Sachverständigen-Pläne kein Borwand sein dürfe, die Regelung der Kriegsschul­den an Amerika gu verzögern.

Vorbereitung zu neuem Äwang.

London. 19. April. (Privattelegramm.) Ter diplomatische Korrespondent derDailq Mail" meldet, daß die französische Regierung in London angefragt habe, welches die Hal­tung der englischen Regierung im Falle neuer deutscher Verfehlungen" wäre.

Für heute vormittag 11 Uhr ist eine Sitzung des Reichskabtnetts anberaumt worden, die sich mit einer gestern spät abends überreichte« Note der Reparatiouskvmmkssion za befas­sen hat. Gestern nachmittag weitte der englische Botschaftssekretär tot Auswärtigen Amte. Wie zuverlässig verlautet, hat er sich bei der Reichs- regieruug für eine beschreuuigte Regelung der Reparattonsfrage eingesetzt. Falls die ReichS- regierung vor die Notwendigkett gestellt werden sollte, ta der Frage der Reparationen ne«; Bindungen einzugehen, wird sie, wie ver- sichert wird, sachlich p r ü f e n, ob sie solche Bin­dungen eingehen kann. Sie hätt sich für b e - fugt, auch ohne die Plattform des Reichs­tages zu haben, selbstständige Entscheidungen in der Zwischenzett zu treffen, und beabsichtigt, diese Auffassung, wenn «ötig, zmn Ausdrnck zu bringen. Sie lehnt damtt das Ersuchen der Deuffchnationalen Partei, bis zum Zusammen- tritt des Reichstages keine Bindungen einzu- gehe«, mit Enffchiedenhett «6. Anderseits ist fie jedoch der Auffassung, daß sie für bestimmte Ek-nzelfragen, wie z. B. in der Enffchel- dung über die Rekchseisenbah« und deren zukünf­tige Rolle in der Reparattonsfragr, der Mit­wirkung deS Reichstags, unter Umstän­den sogar der verfassungsmäßigen Mehrhett, be­darf. Weiter ist sich allerdings die Regierung be­wußt. daß die Bildung einer ttagfähigeu Mehr- heit im Parlament noch nicht gesichert ist

* * *

Mahnung an Vie Regierung.

Berlin, 19 April. (Privattelegranrm.) In der Unterredung des Kanzlers mtt den Parla­mentariern haben, wie wir erfahren, die Bettre» ter der Rechtsparteien und auch der zu- rückgctretene Reichsjustizminister Emminger den Kanzler auf die dem Kabinett drohende Geseift einer Fnanklageversetzung hingewiesen, wenn es zu einem Rechtsfieg bei den Wahlen kommen sollte. Auch der Reichsjustizminister hat seine Auffassung dahin ausgesprochen, daß daS Kabinett die neuen drückenden finanziellen Bc- dingrmgen der Sachverstäudigen-Gutachten ver­fassungsrechtlich nur nach ausdrücklicher Boll» macht des Reichstages annehmen dürft.

Keine Verschiebung der Wahlen.

Berlin, 19. April. (Telegraphische Mel- düng.) Die Reichsregierung legt nach wie vor Wert darauf, z« betonen, daß sie nicht willens ist, den Termin der Reichst ägstoah len etwa mit Rücksicht auf die ftanzösischen Wahlen hin- auszrffchieven, wie dies gerüchtweise behauptet wurde. Sie betrachtet vielmehr den 4. M a i als endgültigen Termin für die Reichstagswahl.

Am Sie Gutachten.

Verhandlungen um Deutschlands Verpflichtungen (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 19. April.

Die hiesige Havas-Agentur widerspricht ge­stern mit aller Entschiedenheit der Auffassung, daß die wirtschaftlichen mit den politi­schen Fragen bei der Ausführung der Sachver­ständigen- Gutachten verbunden werden sollen. Die Gutachten der Sachverständigen, so heißt es, enthalten keine andere Bedingung, als die Wie­derherstellung der deutschen Oberhoheit. Diese Frage sei gegen Sicherheiten zu lösen. Weiter meldet Havas, daß kein deut­scher Vertreter von der ReparationSkom-

Ein Schritt der Kommission.

Beschluß des Reparations-Ausschusses.

(Wgene Drahtmekdung.)

Paris, 19. April.

Am Donnerstag nachmittag fand die Fort- fttzung der offiziellen Sitzung der Reparations- kommifston statt. Roch Schluß der Beratungen murd« ft-wUdeS amtliche Ksmmuniqns ver- össsttücht:

Dir Reparattouskommissto« hat einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt:

1 Sie nimmt Kenntnis von der Antwort der deutsche« Regier«»«, in der diese die Sachverstäudigenberichte als Grundlage zur Beratung des Reparationsproblems anerkennt.

2. Sie stimmt in bat Grenzen ihrer Zustän­digkeit den in den Sachverftändigenberichten ge- machten SlUutzfolgerungen zu und erkennt die Methoden, die darin empfthlen sind, an.

3. Sie beschließt, offiziell die Sachverständi- genberichte den interessierten Regierungen ,«-«stelle» mit der Empfthlung, fie bald­möglichst in die Tat «mzusetze».

4. Sft beschließt, dft deutsche Regierung aufMfordern, a) in kürzester Frist unter Zugrun­delegung des Inhalts und der Bestimmungen der Sachvefftändigenberichft dft Gesetz - und BerordnungsentwÜrfe vorzulegen, die dazu bestimmt sind, die Durchführung der Sachverständigenvorfchläge zu sichern, b) die. Mitglieder zu bestimmen, die Deuffchland in den vmgeseheuen Organisationsausschüssen (Eisen­bahn- und Jnduftrft-Hypothck-Gesellschast) ver- tteten sollen, und ihre Namen der Reparations- kommisston namhaft zu machen

5. Sie beschließt weiterhin, in ihrer nächsten Sitzung die in den Sachverstandigenberichtcn vorgesehenen Vertreter zu ernennen, soweit sie von der Reparationskomnnsston zu ernennen sind.

6. Sie beschließt ferner, die Maßnahmen vor zu beraten, deren Ausarbeitung dft Sachverständigenberichte der Reparationskom­mission überlassen habe«.

Die hohen Micumlasten.

Eine Sonderleistung neben den Reparationen! (Privat-Telegramm.)

Düsseldorf, 19. April.

In der Sitzung der Revier-Betriebs­räte in Duisburg wurde über die verlängerten Mieumverttäge mitgeteilt, daß sich für das Reich die finanzielle Tragung der zweimonatigen Ber- tragsverlängerung von 300350 Millionen Goldmark ergeben. Inzwischen fei anch die «Steigerung der Kohlenmenge von 1%' auf 13 Millionen Tonnen durchgeführt worden. Das PariserJournal" meldet: Der französische Finanzminister Marshall gab zu dem Abschluß der Mftum-verttäge in einer Sitzung der Pari­ser Handelskammer eine wichtige Erläuterung. So sagte er unter anderem, daß die Micumver- träge durch die Anahme der Sachverständigengut­achten keineswegs zum Fortfall kom­men. Die Deutschen dürften nicht annehmen, daß ihre Erträgnisse alSVann statt der franzö­sisch-belgischen Regierung der Gesamtheit der Reparationsmächte zugeführt werden würden. Nach seiner Meinung müßten die Micumverträgc bis Ende 1925 in Krakt bleiben

Zenfetts der Grenzen.

Bei de« Zipser Deutschen.

®ie BerbindnngSfäde« zwischen DeMschlan» unb beit im Ausland befindlichen deutschen Giedlnnaen breiten sich immer metzr au*« Sowohl hier innen al« auch bringen sieht man ein, wie nvtig der nationale unb knltu. relle Zusammenschluß aller Deutschen IF.Uebe» eine sudSstliche Siedlungwirbun«geschrieben. Die Geschichte des Zipser Deutschtums ffi die Geschichft eines deutschen Stammes, der, irsm- dem Volke dienend, an dieses seine Kraft ver­braucht und von ihm aufgezehrt wird. Im nörd­lichen Teil des alten Königreichs Ungarn,, dort, wo die Karpathen zu ihrer höchsten, schneegekrönten Erhebung, der Tatta, ansteigeu, liegt das ehemalige ungarische Zipser K omi- tat. Heute bildet es, zur Älowak ei gehörig, den östlichen Zipfel! des geogrrkphisch wie völkisch so gänzlich unmöglichen Gebildes der tschecho­slowakischen Republik. Ms die Deutschen im elften bis dreizehnten Jahrhundert von Schlesien und dem Erzgebirge her in der Zips einwan­derten, kamen sie in ein kulturloses Land. An den Südabhängen der Tatra sanden fle ehemalige ungarische Grenzwachen als Siedler des Landes vor, aber die Urbarmachung des freilich nie Ver­schwenderisch lohnenden Bodens ward rhrem Fleiße Vorbehalten, und die in Städten und Dörfern rasch blühende Shittor war ihres Geistes Frucht und ihrer Hände Werk Bald zählte die Zips sechzehn betriebsame Städte, und der Zip­ser Kaufmann, geschickt und fleißig, begann als Vermittler zwischen Orient und Nordsee eine Rolle zu spielen. Noch heute besitzt manche Zip­fer Kirche herrliche Kunstwerke, die aus den Händen heimischer Meister hervorgingen. Die Verpfändung des Landes an Polen durch Kais-r Sigismund im Jahre 1412 fürvierzigtausend Schock Prager Groschen" batte Kr kurze Zeit die Entwicklung gehemmt, V5 in der ersten Tri- lung Pollens das Land totober an Ungarn zu- rAckkommt.

Ju dir neuesten NummerDer Türmer" schil­dert Rettchard Steffler eine Wanderung durch diesen Landstrich: Ich wanderte von K e s m a r k, der Hauptstadt des Landes, sie zählt hettte etwa sechstausend Einwohner, nach Leutschau. In Ristorf, durch das mich mein Weg führt, besuche ich den Pfarrer. Jung, braungebrannt, nur in Hemd und Hose, kommt er soeben von seinem Acker. Aber er hat Zett, mit bei einem Glase Heurigen" etwas bau feiner Gemeinde und sei­ner Heimat zu erzählen, und er tat es gern. Wir ahnen," so erzählt er,auch für unser Land und unsere Kirche eine kommende Kata­strophenzeit, tmd wir wissen, daß wir daun von Deutschland allein werden Hilfe zu er­warten haben, darum suchen wir immer wieder Verbindung mit unserem deutschen Mut­ter lande. Wir hatten sie fast ganz verloren, auch die mit den Sudetendeutschen, darum machte die Madjarisierung unter uns so rasche Fort­schritte."

Ja, die Madjarisierung! Ich ließ mir erzäh­len: Die Zipser Bauernsöhne, geistig rege und fleißig, hielt es nicht in der beim Aus­bau der modernen Verkehrswege mehr und mehr vereinsamten Heimat. Sie studierten und wur­de« zur Kerntruppe der ungarischen Beam­tenschaft, stiegen bis hinauf zu den Mini- sterpostrn. In ganz Ungarn schätzte man den Zipser Deutschen als pflichttreuen und tüchtigen Beamten. Die Zips selbst aber wurde dadurch ihrer Intelligenz beraubt, die Entwicklung geriet ins Stocken, die Städte begannen p verarmen. Aber auch die Dörfer entvölkerten sich. Der Bo­den hatte schon immer nur kärglich deS Laad­mannes Fleiß gelohnt, uud die Tage der Haus­industrie waren gezählt. So «immlS nicht wun­der, daß im Zipfer der alte Wandertrieb wieder wach wurde: er schnürte fein Bündel und wan­derte nad) Amerika aus.Einmal," so erzählte mir der Pfarrer von Ristorf,war auch unser Dorf eine wohlhabende, betriebsame Stadt. Heute hat fie als Dorf kaum vierhundert Bewohner, meine Gemeinde nur etwa zwechundert Seelen." Die vercmnftn Gemeinden konnten nun auch nicht mehr mit der vom Staate verlangten An- schaffung der modernen Lehrmittel Schritt hal­ten, sie brauchte» eine staatliche Unter­stützung. Und^dcr Staat half gern, aber er forderte Gegenleistung: Ungarisch wird Schulsprache!

Aber die Entwicklung ging noch weiter. Vam vierzehnten Jahrhundert ab waren die Slowaken von Westen und Norden her ins Land eingewan. dert, als Tagelöhner und Hausierer zunächst. Dann beginnen sie nach und nach in die von den Deuffchen geräumten Plätze aufzurucken. Sie sind genügsam und fleißig, und ihr Kinder­reichtum macht sie im Wettbewerb mit den Deut­schen bald zu gefährlichen Konkurrenten. Heute ist Kesmark die einzige Stadt in der Zivs, die noch deutsche Mehrheit hat! Und seitdem die Slowaken politisch die Herren des Landes sind, sind auch die Arsscbrisien an den öffent­lichen Gebäuden, Bäbnhöfen ufw. s l o wa k i s ch geworden Die Slowaken hoffen, daß sich ihnen die Deutschen ebenso rasch assimilieren werden, wie einst den Ungarn, und als Zeichen dessen