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Kasseler Neueste Nachrichten

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N«mmer 93. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Freitag, 18. April 1924. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

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Unftimmigleiten zwischen Amerika und Japan.

Golgatha.

Betrachtung zum heilige« Karfreitag.

Von

Arthur Brausewetter.

Der Materialismus, der, jeden fecti« Wen und idealen Aufschwunges unfähig, den Wert des Daseins nur nach äußerlichem Gewinn und Vorteil mißt, blickt stumpf und gleichgültig zum Kreuze Jesu empor, lehrt und lernt immer bewußter die traurige Kunst, das Leben ohne Ideale und Sehnsucht zu leben, betrachtet christ­lich« Weltanschauung und inneres Suchen als «ine durch die technischen Errungenschaften der Modernen Zeit längst überholte und erledigte Angelegenheit und entblödet sich nicht, diese ver­nichtende Weisheit in die Herzen eine aufstreben­den, zur Rettung und zum Aufbau eines ge­sunkenen Vaterlandes berufenen Jugend zu Pflanzen. Noch heute brüstet sich scheinheilige Werkgerechtigkeit mit pharisäischer Anmaßung am Kreuze Christi, streckt sich laxe Gleichgültigkeit auf dem Ruhcpolster einerToleranz" genannten Weltlosung, deren Motto heißt:Macht hier das Leben reich und schön 7 kein Jenseits giür's, kein Wiedersehn!"

Noch heute wirst der rohe Mammonis- mus die Würfel um den Rock Jesu, bekämpft die Wahrheit und das Große, sowie er aus ihnen Gefahr für den Geldbeutel wittert, und bläst die Gebote einer Liebe, die Jesus als das hei­ligste Vermächtnis feines Todes hinterlassen, skrupellos in alle Winde, sowie ihm cuS Schaden und Fall seines Nächsten Vorteil erwächst. Noch heute wird der verfolgt und ans Kreuz ge­schlagen, der ethische Werte höher emschätzt als geldliche, der mtt dem Mute der Uebcrzcuzung und der Kraft der Wahrheit wider die innere Unwahrhaftigfeit und das skrupellose Wollen kämpst. und das Wort des alten Weisen behaup­tet sein Recht: daß ein Gerechter nie lange unter Ungerechten leben könne. Noch heute breitet sich die dreistündige Finsternis, diese schauerliche und zugleich symbolische Beglesterscheinnng des To­des Jesu, über die Lande, verdunkelt das Mei­nen, verwirrt die Begriffe, teilt eine Menschheit, die durch diesen Jod der Liebe eins sein sollte, in der Liebe, in kaum noch zu zählende Spal­tungen der Partei, der Richtung der Konfession, läßt aus der lichten, lösenden Liebe den dunklen, bannenden Haß erstehen. Noch heute spielt sich das ganze Leben als der urewiae Kampf ab zwischen den Mächten des Lichtes und der F i n st e r n i s. Und noch heute spüren wir es auf Schritt und Tritt, daß wir dunkle Wesen sind, nicht wissen, woher wir gekomnren, noch, wohin wir gehen.

Aber auch heute noch durchströmt uns das Bewußtsein des Lichtes und des Sie­ges, das vom Kreuze Golgathas in das Dunkel dringt, noch heute erleben wir in still geworde­ner Seele, daß die Stätte des Todes die Stätte des Lebens geworden, daß der Kreuzestod Jesu nicht etwas einmal Geschehenes, geschichtlich nur Bedeutungsvolles gewesen, sondern eine fortwir­kende Tat, ein notwendiges Geschehnis der Kul­tur und menschlichen Entwickelung, daß der Ge­kreuzigte nicht, wie Friedrich Nietzsche einmal gemeint,das Symbol der Verneinung, ein Fluch auf das Leben ist", sondern im Gegenteil das Svmbolder Bejahung, ein eminen­ter Fortschritt in der Entwicklung Per innerlichen Kultur der Menschheit, ihres Lebens und Ster­bens. Ein Mann, der kein Gottesgelehrter ge­wesen, sondern ein Staatsmann und Feldherr, der erste Napoleon, hat dem einmal in einem Gespräche mit dem General Bertrand Ausdruck gegeben: »Ist denn Christus gestorben? Heißt so etwas nicht vielmehr ewig leben? Das ,st nämlich der Tod Christi, nicht der eines Men- scheu, sondern der eines Gottes."

Daß Golgatha, die Todesstätte, die als das Zeichen des Fluches für die Geschichte ge­pflanzt erscheint, die Stätte der Befreiung, des Segens wird, der wahre Freiheitsbaum der Geschichte, das ist die wundervolle Ironie, zu­gleich das tiefe Liebesmysterium der Geschichte. Das Kreuz Golgathas aber ist beides: das Sym­bol des Leidens und zugleich das Symbol des Sieges. Die Tat Christi kann nicht dogmatisch oder gar auf dem Wege des Denkens angeeig.net werden. Nur auf dem Wege der Selbstverinner­lichung können wir sie uns zu eigen machen, kann sie uns den seelischen Frieden geben und die Antwort auf das quälende Warum, das wir aus der der Tiefe unseres Leidens und un- lerer Sehnsucht an das Schicksal stellen.

Wenn die Sttmden kommen, wo wir vor dem Unerklärlichen stehen, wo wir Gottes Wege und Führungen nicht mehr zu verstehen vermögen, mit ihm und seiner Weltordnung zu hadern be­ginnen, dann will Golgatha die Antwort uns aebß»: Jesus mußte das Kreuz auf sich nehmen, mußt- in die Höllenqualen der Gottverlaffenhett hinabstcigcn, um die Sendung zu erfüllen, zu der Gott ihn ausersehen hatte. Golgatha lehrt uns, das Vergängliche und Stückwerk, das an dies arme Diesseits gebundene Un- ' eoreifliehe unter dem Gesichtspuntt der Ewig-!

feit zu sehen, lehrt uns, daß alles Vergängliche nun einmal Gleichnis und das Wirkliche keines­wegs das Sichtbare ist, daß wirklich und wahr­haft vielmehr nur das ist, was in den tiefen Gründen der göttlichen Weisheit ruht, aus dem tiefen Brunnen der göttlichen Liebe steigt. Nichts ist wirklich und wahrhaftig als die Liebe. Das ist die Erfahrung, die wir machen, je älter wir iverden. Nirgends aber hat sich die Liebe so überzeugend geoffenbatt als in Golgatha So geschaut und so innerlich angeeignet, öffnet uns Golgatha die Fülle des Lebens und des Ster­bens,löst die ttefsten Probleme, die auf beidem lasten und führt uns dem Ewigen, Meidenden nahe. So wird der Karfreitag der Tag des großen Erlebens, der Tag des Triumphes über feindliche Bosheit und Tücke, der Tag des Sieges göttlicher Weisheit und Gerechtigkeit.

Amerika und Japan.

Weitere Verschärfting der Unstimmigkeiten. (Telegraphische Meldung.)

New York, 17. April.

Aus Washington wird gemeldet: Nachdem der amerikanische Senat das zwischen Lan­sing und Jshii geschlossene Gentlemenabkommen außer Kraft gesetzt hatte, wurde eine weitere gegen Japan gerichtete Verschärfung der amerikanischen Einwanderungs-Bestim­mungen beschlossen. Danach dürfen in Zukunft nur kolche Personen amerikanischen Boden betre­ten, die in der Lage sind, das amerikanische Bür­gerrecht zu erwerben. Die Annahme dieser Bor. tage erfolgte mit 76 gegen 2 Stimmen. ES ver­lautet, Präsident Coolidge werde von seinem Vetorecht gegen den Beschluß keinen Gebrauch machen. Nach einer Meldung der Central News aus Washington mache man sich dort auf einen Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen gefaßt. Es werde auch mit dem Rücktritt des Staats,..retärs Hughes gerechnet.

* * »

Die Folge einer japanischen Warnung.

Washington, 17. April. (TÄegraphische Dkeldung.) Die energische Haltung des Senates wird auf ein Schreiben des japanischen Botschafters an den Staatssekretär Hughes zurückgeführt, in dem dieser von den ernsten Folgen sprach, die durch die Annahme der strengen Ausschließungsbestimmungen entstehen würden. Senator L 0 d g e bezeichnete diese Mit­teilung als ungehörig und sagte, die Rege­lung der Einwanderung sei ein grundlegendes Reckst der amerikanischen Nation. Borah und andere Senatoren beider Parteien schloffen sich der Auffassung des Senators LodM an.

8.

Erörterung in England.

London, 17. April. (Eigener Drahtbericht.) DieTimes" schreiben zum japanisch-ame­rikanischen Konflikt, daß dieser sich ver­schärft habe. Rach einer Meldung aus Washing­ton erklärte ein bekannter Parteiführer, daß der Kongreß die neue Einwanderungs-Borlage auch daun genehmigen werde, wenn sie vom Präsiden­ten abgelehnt werden sollte. Die außenpo­litische Spannung ist groß und noch wei­ter im Zunehmen begriffen. Man ist in London der Ansicht, daß England jetzt von neuem prüfen müsse, ob die Arbeiten zur Errichtung eines Flottenstützpunktes in Singa­st 0 r e Wittlich eingestellt werden können.

Llm das Wettrüsten.

Englands Befischtungen gegen Frankreich, (Telegraphische Meldung.)

London, 17. April.

Im Unterhaus bemerfte das liberale Parla­mentsmitglied Genera! Seely, er hoffe angesichts des gegenwärtigen Wettrüstens in der Lust, daß der Premierminister in der Lage sein werde, eine Konferenz der Mächte, vielleicht sogar nur von zweien von ihnen einzuberufen in der Att der Washingtoner Konferenz. Darauf erklärte Macdonald, sobald einige, der gegcnwär- ttgen Schwierigkeiten in Europa -beseitigt seien, müsse man sich mit der Frage der Rüstungen ernstlich befassen, nicht nur der Lustrüstungen, sondern aller Rüstungen. Wenn die ge­ringste Möglichkeit auf eine gute Aufnahme einer entsprechenden Anregung bestünde, so sei er be­reit, sie zu machen. (Beifall.) Wenn er von irgend einer anderen Macht aufgefordert würde, mitzu­helfen, eine derattige Vereinbarung zustande zu bringen, stehe seine Tür einer solchen Einladung offen Es sei von der größten Bedeutung, daß nicht nur kein Grund zum Streit, sondern auch kein Grund zu Mißverständnissen zwischen Frankreich und England bestehe. Es würde weit besser fein, wenn man erreichen lönnte, eine Att von Washingtoner Abkommen zustande zu bringen, nicht nur zwischen zwei Nächten, sondern zwischen vielen Mächten, da­

mit Frankreich, Italien und England und andere ein gewisses Maß der Sicherheit erhielten.

*

Amerika baut neue Kreuzer.

L 0 n d'o'n', 17. April. (Eigene Drahttnel- dung.) Aus Washington wird berichtet: Das Flottenkomitee des Repräsentantenhauses billigte den Bau von acht neuen Kreuzern. Bezeichnend für die augenblickliche Situation ist es, daß jetzt die Errichtung eines Flotten­stützpunktes in S'andpoint (Kalifornien) vorgesehen und sechs Kanonenboote für die ch i - ncsisch en Gewässer bewilligt wurden.

DieNeparati onsfragen.

Beratung über Deutschlands Antwort. (Telegraphischer Bericht) - :

Paris, 17. April.

Havas meldet: Die Reparationskom­mission, die l-eute eine offizielle Sitzung ab- halten wird, um sich mit verschiedenen Fragen und besonders mit dem Programm der von Deutschland im Monat Aiai anszuführenden Kohlenlieferungen auf Reparationskonto zu be- schästigen, wird im Lause dieser Sitzung offiziell von der deutschen Antwort betreffs der Sachverständigenberichte Kenntnis nehmen. Es ist wahrscheinlich, daß die Kommission diese Ant- wott als befriedigend betrachten wird inbezug auf die Bedingungen, die die Kommission i« ihrer Entscheidung vom 11. April gestellt hat, in der sie bekanntlich die Annahme des Berichts der Sachverständigen durch die Reichsregietttng als Vorbedingung dafür aufgestellt hat, die Annahme der Schlußfolgerungen der beiden Komitees den alliiettru Regierungen anzuemp­fehlen. unter diesen Umständen könnte die Re- parattonSkommission den alliierten Re­gierungen die SachverMndigenbettchtr offi- ziell Wergeben, damtt sie so in den Stand gesetzt Bierden, die Fragen zu prüfen, die sie ausschließ­lich angehen, wie die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands. Die Re- parationskommisston wird ihrersetts die Doku­mente im einzelnen ,0 prüfe« und die Ab­änderungen vorzunehmen haben, die sie für nötig erachtet, bevor sie endgültig Entscheidung trifft.

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Teure Sachverständige.

Paris, 17. April. (Privattelegramm.) Wie dasEcho de Paris" meldet, haben die Beratun- ge« in der Reparativ nskommission über das Glttachten die nochmalige Zuziehung und Befragung der Sachverständigen nicht notwen­dig genmcht. General Dawes mit seinen amcri- kanischen Mitarbeitern sähtt nunmehr am 26. April nach Washington zurück. Jntereffant ist die Feststellung imMatin", daß die Gesamt­kosten für die Tätigkeit der Sachver- ständigen 1,3 Millionen Goldftanken an- gesetzt find und daß diese Kosten vonDeutsch- l a n d aufReparationskonto" gefordert werden.

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Die französischen Forderungen.

Paris, 17. April. (Privattelegramm.) Wie derTemps" meldet, find beretts am Montag die Besprechungen Poinrarös mit dem ettg lischen Botschafter ausgenommen worden Über die Aufrechterhaltung der sranzösi- fchen Sicherungsforderungen gegen­über Deuffchland und daS Belassen der Pfänder in ftanzösischer Hand. Dem Temps ziffolge ist England zu Konzessionen in dieser Frage entschlossen, sofern die Reparationsreglung schnellstens ohne Verzögerung durchgeführt wird.

Englische RatschlSge?

London, 17. April. (Telegraphische Meldung.) Der diplomatische Vettreter desDaily Tele­graph" teilt mit, Macdonald habe der deut­schen Regierung durch den Botschafter Dr. Stha- mer nachdrücklichst empfohlen, den Dawes-Bericht vorbehaltlich anzunehmen. Er scheint dem Botschafter gleichzeitig gesagt zu haben, daß die volle Herstellung der wirtschaftlichen Souveräni­tät des Reiches und die m i l i r i s ch e Räu­mung des Ruhrgebietes selbstverständ­lich seien. (?) Die gestrige Rede Poin- carss wird vielfach als französische Verwerfung des Dawes-Berichtes ausgelegt. DieTimes" meint beruhigend, als Wahlrede könne man ihr keine buchstäbliche, oder internationale Be­deutung beilegen.

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Italiens Haltung.

Rom, 17. April. (Telegraphische Meldung.) Ministervrästdent Mussolini prüfte mit den italienischen Delegietten der SachverWndigen- AussMffe die vorgelegten Berichte und stellte mit Genugtuung die Anwendung der Grundsätze fest» von denen sich die ttalienische Politik in der Reparationsftage leiten ließ. Nachdeut sestge- stellt worden war, daß die Sachverständigrnirr- brit eine geeignete Vorbereitung der Lösung der Frage darstellt, wurde über die von Italien bei den späteren Verhandlungen einzu­nehmende Haltung Beschluß gefaßt. j

GaftwlttekongreH.

Die Marburger Tagung der Gastwirte.

Marburg, 17. April

In den letzten Tagen fand in der Stadt bet heiligen Elisabeth und Philipps des Großmü- ttgen unter sehr starker Beteiligung die dritte! Hauptversammlung des Provinztal-Gast­wirt e-Ber b and e s für Hessen-Nas­sau und Waldeck statt. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Hartleb (Kassel) begrüßte unter anderem besonders Vertreter der Regie­rung, des Kreises und der Stadt. Im Nantcn der Stadt Marburg hieß Oberbürgermeister Troje die Versammlung willkommen. Ev er­innerte dabei an den Einfluß fteundlicher Be­ziehungen zwischen Gastwitten und Reisenden und auch daran, daß der Gastwirtestand mit fei­nen Bestrebungen das Beste zum Wiederaufbau des Vaterlandes beitragen wolle. Landrat e>r, Piesb eigen übermittelte die Grüße der Kas­seler Regierung. Eine bedeutsame Ansprache hielt dann der Präsident des Deutschen Gast- witte-Verbandes, Köster (Berlin) über

Tie Bedeutung des Gastwirtegewerbes V für den Wiederaufbau Deutschlands".

Redner gedachte des Ruhreinbrnchs: die foi3i.1t« demokratische Lehre von der Jnterncttionale habe in feder Hinsicht Schiffbruch gelitten. <5r schilderte auch die Zustände im Ruhrgebiet und fügte hinzu, daß auch der Gastwittestand viel gelitten habe und immer noch leiden müsse. In feinen: weiteren Darlegungen wies er auf die Verschie­bung der Vermögensverhältnisse und auch auf die kommenden Reichstagswahlen Mn, zu denen auch der Gastwirte - Verband Stellung nehmen müsse. Viele Kandidaten seien infolge der Fi­nanzierung der Wahlen durch das GxoßkapitÄ wirtschaftlich abhängig, und dabei hat der Mit­telstand völlig versagt. Dieser müsse mehr Po­litisch denken und mehr Opferflnn zeigen." Der Redner warnte auch vor den vielen Patttirn, weil sie die Zerrissenheit vermehtten. Die Sta­bilisierung, die zu einer Regelung des Staats­haushaltes führen solle, habe zu hatten Maß- nahmen geführt. Er erwähnte den Beamten- abbau. die Arbettszeitfrage und die Frage der Lebenshaltung. Pie Förderung der Qualitäts­arbeit, durch die wir die wittschaftliche Macht erringen würden, sei zu erstreben. Tas deutsche Volk werde nttr durch die Arbeit gesunden; dazu wollte auch der Gastwitteverband beitragen.

Der deutsche Gastwirt 'y

wolle seine Gäste gut bedienen, ohne Diener" zch sein. Bei dem Schankstättengesetz habe sich, ge- zeiat, daß die Gastwitte eine Macht seien. Dieses Gesetz sei durch die Abstinenzbestrebungen veran­laßt, und diese Bewegung ;ei nützlich insofern, als sie sich nur gegen "die übermäßigen Trinker richte: diese schädigten auch den Gastwikte stand. Die Kleinhandlungen seien für den übermäßigen Schnapsgenuß verantwortlich zu machen und nicht die Gastwirte. In seinen weiteren Aus­führungen behandelte der Redner das Schank- stättengesetz, die Kon^ssionsfraae nsw. Da müsse' der Fachmann gehött werden und Einfluß ge­winnen Ein ordentlicher Witt müsse vör .Men Dingen Menschenkenntnis haben itnb mit Men­schen verkehren können; die fachliche Vorbildung fei nicht immer maßgebend für einen tüchtigen Wirt. Auch bei den Konzesstonsentziehunge»' müsse der Gastwittestand mttwirken können. Fer­ner sei es erforderlich, daß

die Polizeistundefrage geregelt ' werde, denn wie jetzt könne es nicht bkerbew» zfh reifer Mensch brauche keine Bevormundung. Die Polizeistunde müsse aus vielen Gründen besei­tigt werden, dann verschwänden zum Beispie! auch die vielen Lasterhöhlen in den Großstädten. Was den Begriff Trunkenheit anbelange, fo sei dieser schwer festzustellen, wie der Redner in hu­morvollen Bettachtungen hinzufügte. Bei allen solchen Gesetzen müsse der Sachverständige ge­hött werden, auch bezüglich des Ausschanks art. Jugendliche. Was die Abstinenzbewegung an- belange, so seien von den Führern die Grenzen hinsichtlich ihrer Besttebungen nicht zu überschrei­ten. Mäßiger Alkoholaenuß fei nicht schädlich, es müsse eben jeder wissen, wie weit er zu gehen Hobe. Im Weltkriege hätten wir gezeigt, daß wir nicht degeneriert seien. Auch die Stellung­nahme zum Tanz flocht der Redner in seine Be­trachtungen; der frühe Schluß Lev Tanzbelusti- Utncen sei aus sittlichen und moralischen Grün­den nicht zu befürworten. Ferner kam er auf

die Stcuerwittschast

itt sprechen; die Gemeinden müßten die Finanz^ wheit zurückgewinnen, es müsse hier mehr Ein- sachheit herrschen, die Steuern müßten an der Quelle erfaßt werden. Beweis: die Geträicke- feuern. Die örtlichen Getränkesteuern entbehrten ibttgens ost der gesetzlichen Begründung. Das Gettänkesteuergesetz mache mehr Arbeit, wie es Einnahmen bringe. Auch die Beherbergunzs- fteuern seien zu verwerfen^ das sei kein geeigne­tes Steuerobjett. Es sei eine grundlegende Steuerreform zu fördern. In seinem Schlußwort vics der Vortragende auf die große Wichtigkeit