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Mittwoch, 9. April 1924.

Nummer 85

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

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Meier NM Nach

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

vayrische Vollspartei als Regierungspartei.

Wahlen in Bayern.

Die Parteivevschiebungen.

Wenn auch das Ergebnis der Landtags- tvahlen vom letzten Sonntag aus sämtlichen Bezirken zur Stunde noch nicht vorliegt, so las­sen die vorläufigen Ergebnisse doch einen Rück- schluß auf den Wahlausfall zu. Wie in Mecklen­burg, Lübeck, so ergibt sich auch in Bayern eine erhebliche Verstärkung der oppositio­nellen Flügelparteren, welche bei dem deutschvölkischen Block besonders in die Erschei­nung tritt. Die Mittelparteien haben ausuäüms- los Stimmen an den Deutschvölkischen Block ab- geben müssen; besonders schwer ist der Verlust, den die bayerische Vollspartei erlitten hat. Wenn sie auch noch als stärkste Partei aus diesem Wahlkampf hervorgehen dürste, so hat sie ihre polittsche Rolle im neuen Landtag ausgespielt. Sie hat erfahren müffen, daß die Wähler auf die Dauer keine Halbheiten ettra- gen; das Paktieren mit der äußersten Rechten wurde ihr ebenso zum Verhängnis wie die An­nahme, partikularistische Geschäfte machen zu können. Dazu kommt, daß diese Partei wie keine andere eine rein persönliche Schöpfung des Bauerndoktors Heim war, der mit dieser Grün­dung mehr an eine persönliche Gegnerschast ge­gen das Zentrum als an weitsicktige politische Aufbauarbeit dachte. Diese Partei war zu sehr belastet, vor allem auch mit dem früheren Mi- nrsterprÄsidenten Dr. von Kahr, der zu ihr sich bekannte. Die verlorenen Sttmmen kamen Wohl in der Hauptsache dem Deutschvölkischen Block zugute, weniger den Christlichsozialen, die sich in Bayern hauptsächlich aus Anhängern der christ­lichen Gewerkschaftsbewegung rekrutieren, welche in den Doktrinen der allen Zentrumspolitik groß gc'-'^-den sind. Bei dieser starken Abwan­derung nach rechts kann der Wahlausfall für die nationalen Mittelparteien nicht überraschen. Die Mehrheitsso^ialdemokratie dürste im wesentlichen ihre Stellung behauptet haben; für sie ist die Konzentration der Industrie in einzelnen bayerischen Städten bei den Wahlen das, was für die BGerische Volkspartei das flache Land ist, das allerdings von einer gewis­sen Radikalisierung nicht verschont geblieben ist.

Ein auffallendes Merstnal dieser Wahlen war die ungeheure Partei- und Kräfte- zersplitterung. Während im Jahre 1920 nur siÄ>en Parteien sich um die Sitze bewarben, lagen jetzt die Vorschläge von fünfzehn Par­teien vor. Eine solche freiwillige Splitterung bringt nicht nur Verluste an gewiß nicht wert­loser Arbeit, sondern eine Schwächung des Ein­flusses von solchen Patteien, die mit jeder Stimme rechnen müssen. Die Vorgänge in Bayern könne eine warnende Lehre für die Reichstagswahlen abgeben, bei welchen noch mehr Parteien und Parteichen in den Wettbe­erb treten

Ueber die Möglichkeiten der Regierungs­bildung lassen sich nur Vermutungen auf­stellen, solange nicht die endgültige Mandats­verteilung feststeht. Hier liegt allerdings der Schwerpunkt bei der Bayerischen Volks­pariei, nachdem die Demokraten nahezu auf- gerieben worden sind. Ohne die Mitwirkung der Bayerischen Volkspartei dürste einem neuen Bayerischen Landtag eine Regierungsbildung schlechterdings immöglich sein. Inwieweit deren Geneigtheit, bei der RegierunKbildung mitzu­wirken, oder sich an der Regierung zu beteiligen, gebt, läßt sich im Augenblicke nicht sagen. Man wird daran denken müssen, daß die hochfliegen- den Pläne dieser Partei mit dem Volksentscheid Mer die Schaffung eines bayerischen Staats­präsidenten eine Ablehnung gefunden haben Die Bayerische Volkspartei, welche ge­rade mit diesem Volksentscheid die partikula- ristischen Wähler zu gewinnen dachte, hat damit ihre Listen und ihr Programm, wie sich zeigt, be­lastet, so daß sich der bayerische Wahlausfall wohl auf die kurze Formel bringen läßt: er ist ein Sieg der schwarz-weiß-roten R'cktung über die weitz-blaue. Für das Reich selbst ist dies deshalb von Bedeutung, weil die Liauidation der zwischen dem Reiche und Bayern schweben­den Streitfragen doch einmal erfolgen muß. Wie der neue Landtag sich dazu stellen wird, ist nicht die unwichtigste Frage. *

Für die in vier Wochen siattfindenden Reichstagswahlen können die Wahlen in Bayern oder soll man sagen die bayerischen Wahlen? manche Lehre und Warnung ab- oeben. Die Verengerung der Basis der zur Verantwortung U reiten Parteien oder jener Patteien, welche bisher die Verantwortung ge­tragen haben, wird wohl auch bei den Reichs- tagswablen in die Erscheinung treten. Sie mutz von selbst zu einer Verbreiterung der Koaliti­ons-Basis führen, wenn das Parlament sich überhaupt zu erfolgreicher Arbeit über Pattei- auseinandersetzungen erbeben soll. Darin liegt lebten Endes die tiefste Bedeutung der Wahlen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen,' befinden wir ims in einer Zeit des Uebergangs und der be­ginnenden Klärung. Ob dieser bayerische Land­

tag und der neue Reichstag einen längeren Be­stand haben werden, ich mehr als fraglich. Dt-> Vielheit der Parteien läßt darauf Wte= ßen, daß sich das Patteiwescn überhaupt in einer Gärung und in einer Krisis befindet, dir allmählich zur Klärung und Gesundung fuhren muß. Im Interesse Deutsckflands liegt es, daß diese Kttsis nicht allzulange dauert, denn die ernste außenpolitische Lage laßt für innerpoli­tische Versuche weder Raum noch Zeit. Es darf nickt vergessen werden, daß das Ziel gerade der französischen Politik darauf gerichtet ist, solche politische Hohlräume in Deutschland zu schaffen, um durch Teilen herrschen zu können. Dazu wird allerdings notwendig fein, daß sich die Wähler freimachen von dem Eindrucks augenblicklicher Stimmungen.

Die bayrMen Wühlen.

Die Bayrische Volkspartei als Mehrhett. (Telegraphische Meldung.)

München, 8. April.

Während in München der Völkische Block die Mehrheit erreichte, gestalttten sich die Ergeb­nisse vom Lande so, daß die Bayrische Volkspartei die Mehrheit in Bayern hat. Rach dem nunmehr vorliegenden Gesamt­ergebnis ergibt sich aus Mer 197 Verwal­tungsbezirken folgendes Bild: Batierifchs Volkspartei 919587, Völkischer Block 491 862, Meh heitssozialisten 433821, Deutscher Block, 73 81& Nationalliberale 29 416, Kommunisten 203017, BeamtenPartei Rückert 4504, Deutsche Volkspartei 5635, Christlich-Soziale 22 929, Beamtenpattei Kratowil 19 480, Unabhängige Sozialisten 2393, Bereinigte nationale Rechte 197509, Bayerische Mittelfiandspattei und Südgau 6823, Bayerischer Bauern- und Mittrl- fiandsbund 207 422, Mietcrliste 399, Republika­nische Partei 285, Koburger Partei 7833, Beam­tenpattei Stühler U 622. Für den Volksent­scheid, dessen Zählung noch nicht beendet ist, bisher 124017 Stimmen mit ja, 1263 892 Stim­men mit nein.

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<Sln rerytsgerlmleirr Regierungsblock.

München, 8. April. (Privattelegramm) Unmittelbar nach Vorliegen der Wahlrcsultare zum bayrischen Landtag traten Vettreter der Bayrischen Volkspartei und des Völkischen Blocks zu einer Besprechung zusammen, die die Schaffung eines parlamentarischen Re- gierungSblocks zum Ziele hat. Die Be- prechrmgcn waren vorerst inoffiziell; bis jetzt ist die Stellungnahme der Völkischen eine reser­vierte, aber nickt unbedingt ablehnende. Rach der Stellunanahme der siegreichen Patteien zur Frage der Monarchie in Bayern ist das Wahlergebnis dahin zu bewetten, daß rund die Halste der jetzigen Landtagsabgeordneten auf dem Boden der Monarchie für Bayern stehen.

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Neunzig Vrozeut Beittttgunp.

Zuspitzung der deutsch-stanzösischen Gegen­sätze in der Ruhttrage (Mieumvetträge) lege dem britischen Kabinett die ernste Ver­antwortung auf, einer Vermittlung näher- zutreten. Im Kabinett sei die Frage eingehend erörtert worden, ohne daß cs bisher zu Be­schlüssen gekommen fei. Maedonald lasse sich über den Fortgang der Düsseldorfer Besprechun­gen laufend unterrichten.

Am Lohn vnd Arbeitszeit.

Die Forderungen der Eisenbahner. lTelegraphischer Bericht)

Berlin, 8. April.

In dem Konflikt zwischen den Eisenbahn­arbeitern und der Reichsregierung ist eine wei­tere Verschärfung eingetreten. Beirat und Vorstand des freigewerkschaftlichen Eisen­bahnerverbandes nahmen einstimmig eine Entschließung an, in der das neuerliche A n- gebot des Reichsverkehrsministeriums abge- lehnt und gefordert wird, daß der Lohn vom 30. März ab um 6 Pfennig je Stunde für alle Lohngruppen und Wirtschastslassen erhöht wird. Der Achtstundentag sei grundsätzlich für das gesamte Eisenbahnpersonal zu gewähr­leisten. Zur Ueberwindung der gegenwättigen wirtschaftlichen Notlage der Reichsbahn könne die Arbeitszeit auf neun Stunden täglich ver­längert werden, falls die Mehrarbeit durch einen Ausschlag bezahlt werde. Auch der Hauptvorstaud der christlichen Gewerk- schäft deutscher Eisenbahner lehnte in einer Entschließung das Angebot der Regierung ab mit dem Bemerken, daß bereits der für die Ar­beiter günstigere am 4. April mit dem Reichs- ver7ehrSminifter vereinbntte Einigungsvorschlag eine große Belastungsprobe bedeute und bei der Mitgliedschaft des Verbandes erheblichen Wider- stand finde Heute vormittag 10 Uhr sollen noch einmal Verhandlungen zur Beflegung des entstandenen Konfliktes stattfinden.

Ein Etrettverdot.

Berlin, 8. April. (Telegraphische Mel­dung.) Der ReichSverkehrsminister hat eine Ver­fügung erlassen, wonach gegen Beamte, die sich an dem Streik btteiligen, sofott dis­ziplinarisch vorgegangen werden soll. Die Reichsbahnverwaltung hofft, daß der Streik nicht proflamiett werden wird. In den Bezir­ken Altona. Stuttgart und Elberfeld ist die Technische Rothilfe eingesetzt worden, in Elberfeld mir mit geringer Mannschaft, in M- tona in größerer Zahl, um die fehlenden Ar­beiter beim Lokamotiv-Schlacken zu ersetzen. Sollte der Streik ausbrechen, so glaubt die Reichsbahnverwaltung gleichwohl mit der Tech­nischen Nothilse und dem Beamtenpersonal den Betrieb und Bettehr ungehemmt anfrechterhal- teu zu können. Im Stuttgarter Bczitt sind die Leute in größerer Zahl zur Arbeit znrückgekehrt. Inzwischen find die Berliner P ost- und Te­legraphenarbeiter in eine Streikbewe­gung eingetreten. Fhre Forderungen sind zwanzigprozentige Lohnerhöhung ab 1. April bis insgesamt dreißig Prozent ab 1. Mai.

Sn Oer ZnOustrie.

München, 8. April. (Privattelegramm) Die abschließenden Bettchte aus Bauern ergeben eine Gefamtwahlbeteiligung von 90,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung war am stüttsten in Oberbayern, wo sie 87 Prozent, und in Un- terftanken, wo sie 90 Prozent erreichte. Die po- litsschen Auswirkungen in Bayern dürften sich in erster Linie in der Aufhebung der Verbote der rechtsgerichteten Kampforganisationen und weiterhin in einer verschärften Bekämpfung von Kommunismus und Sozialismus zeige».

Vertrage rmö Gutachten.

Keine Einigung über die Micumlasten.

(Eigener Drahtbettcht.)

Berlin, 8. Apttl.

Die heute aus Essen vorliegenden Meldungen über die Besprechungen der deutschen In­dustrielle» mit der Mi rum lassen die Situation als unverändert ernst erschei­nen. Eine Annäherung zwffchen den Forderun­gen der Micmn und den Zugeständnissen der Ruhrindustriellen ist bisher nicht erzielt worden. Die Sprengung der Verhandlungen durch Dik­tat kann täglich erfolgen. Der PariserTemps" schreibt: Am 10. April werden die Verhandlun- gen mit den Ruhrvcttretern endgültig abge­schlossen und die weitere Entscheidung über die am 15. April eintretenden Verhältnisse liegt bei Frankreich und Belgien. (I)

Englische DermMung?

London, 8. April. lEigene Drahtmekdung.) »Westminster Gazette" schreibt, die eingetretene

Halle, 8 April. (Privattelegramm.) Fm mitteldeutschen Industriegebiet sind gestern die Forderungen der Gewerkschaften überreicht worden. Sie gipfeln in der Mieder­einführung des Achtstundentages und einer 25- prozentigen Lohnerhöhung. Die Forderungen tragen ultimativen Eharakter und sind b,s Ostersonnabend bestistet. Fm mitteldeutschen Braunkohlenrevier sind russische Agitatoren aufgetaucht. (!) Sie haben be­reits gestern in verschiedenen Versammlungen gesprochen und fordern znm Massenstreik des brutschen Prolttariats ans.

Der Sieg der Fasziften.

Ergebnis der italienischen Wahlen. (Telegraphische Meldung.)

Rom, 8. April.

Die safzistische Presse stellt znm Wahlergebnis fest, daß die Regierungsliste weit mehr Stimmen erhielt, als erforderlich waren um 356 Kammer­sitze zu erobern. Die Blätter wessen weiter dar­auf hin, daß jetzt eine ruhige Entwick­lung der italienischen Politik gesichert sei. Tie Opposition verfüge nur über 170 Sitze, von denen die Italienische Volkspattei die meisten erhalten habe. Da diese 93ortet eine starke Miu- derheitApariei geblieben ist, ist über die Aussich­ten ihrer bisherigen bekannten Führer nock nichts bekannt. Rach der Italienischen Bolks- pattei kommen die gemäßigten Sozialisten. Tie Wahl ihrer Führer Turati nnd Treves ist ge- sichett. Die Kommunisten sind vielleicht etwas stärker als bisher. Die Wahl Eiolittis und we­niger feiner Gttrenen ist gesichert. Tie Demo­kraten find zusanunengeschri'.mpst. Das Blatt Bore" hofft, daß 6 Republikaner durchkommen.

Die Kreditnot.

Führt die Barmittel dem Vettehr zu.

Von fachmännischer Seite wird uns geschrie­ben: Die augenblickliche Lage aim Geldmarkt gibt Veranlassung, im Nachstehenden auf einige Merkmale hinzuweisen, die rein technisch die Flüssigkeit des inländischen Krevitverkehrs be­einträchtigen. Seit dem im November v. Js. eingetretenen Stillstand in der Markentwertung ist an den deutschen Geldmättten eine früher in diesem Ausmaße nicht gekannte Kapitalnot in Erscheinung getreten. Die allgemeine Auf­fassung geht dahin, daß diese Kapitalarmut nur mit fremder Hilfe, d. h. durch Aufnahme von Auslandskrediten, gemildert werden könne. Bis jetzt haben die darüber gefühtten langwie­rigen Verhandlungen noch zu keinem Ergebnis geführt, und man sollte sich daher fragen, ob es kein Mittel gibt, der neuerdings immer schär­fer zu Tage getretenen Kapitalnot durch an­dere geeignete Maßnahmen entgegenzuwirken.

Das während der Inflationszeit bekundete Bestreben, Sachwerte anzusammeln, um sich gegen die Markentwettung zu schützen, ist da­mals so tief eingewurzelt, daß trotz der inzwi­schen eingetretenen Veränderung in den Ver­hältnissen breite Schichten an diesem System jetzt zum Schaden der Allgemeinheit noch fest- halten. Die Mittel, die in übergroßen Lager­beständen und fremden Zahlungsmitteln über das notwendige Maß hinaus fest- gehalten werden, fehlen im Krttslauf der Wirtschaft und es kann nicht ausbleiben, daß bei dem Anhalten der Kapitalknappheit eines Tages viele Geschäftsleute durch die Verhältnisse ge- zwunaen werden, zur Beschaffung der für ihren Betrieb nötigen flüssigen Mittel die zuvrtt an? gehäuften Lagerbestände zu veräußern. Drängt zu einem solchen Zeitpunkt sich das An­gebot zusammen, so wird eine Senkung des Preisniveaus unausbleiblich sein und große Verluste für die davon Betroffenen zur Folge habe. Diejenigen, die vor Eintritt solcher- VerhAtnisse ihre Bestände auf eine normale Höhe zurückschrauben, die naturgemäß in Anbe- tracht unserer allgemeinen Verarmung beträcht­lich geringer als in der Borkriegs eit bemessen sein muß, werden sicherlich in ihrem eigenen Interesse gut Vorsorgen. Außerdem werden die hierdurch frewerdenden Mittel zur Vermehrung der seither spärlich fließenden Depositen­gelder nnd zur Berbillligung der Kre­dite beitragen. Die Geld ausleihenden stel­len und die Bankwelt werden hierdurch tnkbie Sage versetzt, den Kredit suchenden Kreisen die zur Belebung des Wirtschaftslebens unentbehr- licken Kredite in erhöhtem Maße zugänglich zu machen.

Bei der großen Kapitalknappheit ist man im allgemeinen wieder dazu übergegangen, den Ab­nehmern für die Erfüllung ihrer Zahlungs­verpflichtungen mehr oder minder längere Ziele einzurämnen. Es ist ohne weiteres Nur daß die Lieferanten, die ihre Außenstände im Laufe der Zeit nur in Form solcher lcmg- frifiiger Buchforderungen zu beträchtlichen Posten anivachsen lassen, das Fehlen ihrer eige­nen Mittel immer fühlbarer spüren und die Klagen über schleppende Zahlungsweise sich täg­lich vermehren Dem Verkehr werden durch Stundungyi dieser Art ganz erhebliche Sum­men entzogen, die befruchtend der Wirtschaft dienen könnten. Statt der langftistigen buch­mäßigen Zielgewährnng müßte die Geschäfts­welt bei ihren Abschlüssen darauf bedacht sein, wechselmäßige Zahlungen zu verein­baren. Leider steht noch ein großer Teil der Geschäftswelt der Hergabe von Wechseln ableh­nend gegenüber, was Wohl seine Ursache darin haben dürste, daß viele Zahlungspflichtige die Ziele über Gebühr ausnutzen wollen. Durch die Diskontierung der Warenwechsel werden die in den Buchforderungen festgelegten Mittel mo- bilistett, wodurch eine wesentliche Verminderung der' gegenwärtigen Anspannung zweifellos er­reicht werden könnte.

Wir müssen auch dazu zurückkehren, daß, wie in der Vorkriegszeit, alle Barmittel, rmd sei es auch nur ganz vorübergehend auf wenige Tage, zinstragend angelegt werden und in den Kassen der Geschäftswelt und des Publikums überflüssige Bestände nickt sestaehalten werden. Hierzu gehören beifpiels- toeife auch die überschüssigen und unverzinsli­chen Guthaben auf Postscheckkonten. die der In­dustrie, Handel und Landwirtschaft für Kredii- benutzung entzogen werden. Bargelder, die ihrem Zweck nack der ZRrtschast als Zablungs- mittel dienen sollen, fehlen, wenn sie nutzlos umherliegeu. Das Unterhalten von großen Bargeldvorräteu erübrigt sick, wenn von dem bargeldlosen Verkehr wieder im In­teresse der Allgemeinheit weitgebendst Gebrauch oemackt wird. ' Als Ersatz für Bargeld dient der Scheck- und UeberweisunaSverkebr, d->- setzt nach der eingerretenen Ruhe mit der gleichen mustergültigen Sorgfalt und Pünktlich­keit wieder wie ehedem durchgefiihrt wird. Die