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Kasseler Mueste Nachrichtm

Kasseler AbendzeLLung

Hessische Abendzeitung

Nummer 82

Sonnabend, 5. April 1924,

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Mlerteufkeit um das Ruhrgebiet

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Voincarsdroht" wieder mit NsiSirM.

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Der SKu<ßlfid6 6t6 Ireichshausdo«-.

Berlin, 4. April. lPrivattelegramm.', Dcr Abschluß des Reichshaushaltes für den Monat März ergibt, wie wir erfahren, feine wesentliche Veränderung gegenüber dem Monat Februar. Die Ausgaben übersteigen nur nm ein Ge- ringes (4,5 Prozents die Einnahmen des Reiches an Zöllen und Steuern. Die Bezahlung der Besatznngsfosten ist im ordentlichen Reichs etat für März nicht aufgeführt, sondern unter Reparationsleistungen" gebucht worden.

Sonntag eine große Anzahl Bergarbeiterver- sammlungen einberufen worden, um zu der Frage des Gencralstreits Stellung zu nehmen. In Berlin hat gestern abend der Betriebs- räteausschnst (Vollzugsrat) beschloffen, am Mon­tag zur Wahl politischer Arbeiterrätc zu schreiten.

TftfiumungSfNst für das erste Drittel.

München, 4. April (Privattelegramm.) Wie die Morgenblätter telegraphisch aus Augs­burg melden, erllärte dort in einer Wählerver­sammlung der Bayrischen Bolfspartei (Zentrum) Reichsjustizminister Emminger im Namen des Reiches, daß die R ä u m u n g s f r i st e n im 6e= setzten Gebiet zu lausen begonnen hätten, sodaß am 10. Februar 1925 die Räumung des ersten Drittels im besetzten Gebiet zu erfolgen habe. Wenn die Gegner diese Verpflichtung nickt er­füllen dann sei auch Deütsckland seiner Verpflichtungen enthoben und müßte wieder zur Wehrpflicht zurückkehren.

ganzen Betriebes bildeten.

In China

sprach ich in fünf verschiedenen Städten über an­gewandte Chemie und wurde dann auch -u Vor­trägen über die deutsche Kultur eingeladen. Sie sanden zumeist vor Professoren und Studenten statt und wurden von einem Dolmetscher ins Chinefische übersetzt. Bei dieser Gelegenheit ka­men wir mit den bedeutendsten Persönlichkeiten des Chineflschen Reiches zusammen. In Peking stellte mir ein Minister fein Auto zur Verfügung, und diesem hatte ich es zu verdanken, daß ich verschiedene Kulturstätten besuchen konnte, die noch selten eines Europäers Fuß betreten hat. Ich machte da die bedauerliche Wahrnrh- mung, daß in China für die Erhaltung histori­scher Denkmäler viel zu wenig geschieht, und man nahm dankbar meine Anregung entgegen, eine eigene Gesellschaft zu diesem Zwecke zu grün­den- In Java interessierten mich besonders die Kautschuck-, GuttaPercha - und China­rinden- Kukturen. Es berührte mich merk­würdig, daß es dort staatlich konzesfionierie Opiumhöhlcn, sogenannte Kits, gibt. D-r Verkauf von Opium bringt der Negierung biete Millionen Gulden. Dann ging es über Su­matra. Ceylon nach Bombay. In In- dien hatte ich Gelegendett die Art der Bestat­tung bei den einzelnen Völkerlchasten zu studie­ren. Ich besuchte die Türme des Schweigens und war Zeuge, wie dort Leichen ben Geiern zum Fräße übergeben wurden. Auch bei Leichsu- verbrennunaen war ich anwesend, die sich von den in europäischen Krematorien wesentlich un­terschieden. Man legt die Leichen auf Holzstöße und gibt ihnen Kokosmilch als Wegzehrung mit. In Amerika besuchte ich die Automobilwerke von

Diktate vorbei ist, daß in Deutschland, wenigstens in dem Dentichland, das am 4. Mai seine Stimmen für eine Regierung nach seinem Willen abgibt, kein Raum mehr ist für eine be­dingungslose Annahme unerträglicher Forderun­gen und Demütigungen der Alliierten.

Kommumftifche Agitation.

Bei den Eisenbahnern und Bergarbeitern.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 4» April.

Tie kommunistische Streikagitation geht be­reits in großen Wellen über Deutschland. In den Eisenbahn - Direktionsbezirken Königs- b e r g, H a n n o v e r und B e r l i n find die den Verwaltungen gestellten, als uncrftillbar zurück- gewiescnen Forderungen bis 10. April befri­stet worden, kommunistische Streilredner führen in den Versammlungen das Wort In Frank- u r t sind 1600 Werfstättenarbeiter in den passi­ven Widerstand getreten. Im mittel- und westdeutschen Kohlenrevier lind für

Deutschlands Finanzen.

Dr Schacht über die Pariser Verhandlungen. (Privat-Telegramm.s

Berlin, 4. April.

Reichsbankprästdent Dr. Schacht erstattete ge­stern dem Reichskabiuett Bericht über die Ab­schlußergebnisse seiner Pariser Verhandlungen, sfinsichtlich der Golddisfontbank sind bic Resultate bereits bekannt. Neber die Frage der deutschen Leistungsfähigkeit, wie sie die sachverständigen festgestellt haben, lassen Schachts Ausführungen im Kabinett auf neue weitgehende Forderungen der Experten schließen, die die pessimistische Auffassung in Krei­sen des Kabinetts verstärkt haben.

England defürwJrtn dir NLumung.

London, 4. April. (Privattelegramm.) Der diplomatische Bericksterstatter desDaily Telegraph" sagt, Mardonald und seine Kol­legen feien durch einige der Erklärungen Poin- earss vom letzten Mittwoch verblüfft wor­den. Die Behauptung, daß die militärische Be setzung des linken Rheinufers ebenso wie die Ruhrbesetzung nicht zu Ende gehen wer­de, bis die letzte Goldman von Deutschland an Frankreich bezahlt fei, stehe im Widerfpruch zum Verfailler Vertrag selbst. Wenn England und Amerika durch Streichung der sran- zösifcken Kriegsschuld Frankreich aus dem Ruhr­gebiet herauskaufen würde, könnte Poincars nach einer Behauptung immer noch die Aufrechterhal­tung dcr stcktbaren und unfichtbaren Befetzung aus Gründen der Sicherheit beanspruchen, die im Berttag garnicht erwähnt werden.

P a r i s, 4. Avril. (Eigener Drahthericht.) Ja der französischen Kammer kam es gestern im Ver­sauf der Auseinandersetzung zu einer neuen Rücktrittsdrvhung Voinrarös. Er er­klärte, daß die Besprechung über das Ruhrgebiet auf heute vertagt werden sollte, daß er sofort zurücktreten würde, wenn man nickt ein unbedingtes Vertrauensvotum noch am gleichen Tage ansdrücke. In der Kammer ent­stand eine ungeheuere Aufregung Poincarö ,r- klärte weiter, daß er auf alle gegen ihn erhobe­nen Vorwürfe der Vorredner nur insofern eiu- gehe. als er tage: Keine Räumung des Ruhrgebiets ohne vorherige Be­za hlnng. (?) Die RcparationSvorfchläge der Sackverständigen leien nur annehmbar, wenn fit meitergch'ende Pfänder brächten (!) als die, die Frankreich und Belgien zurzeit ausbeu­ten Im weiteren Verlauf der Sitzung nahm diese kurz vor Mitternacht mit einer gewaltigen Mehrheit von 408 gegen 151 Stimmen das V e r- traueusvotum für die Regierung an.

hts ftcheler Sieuer-ert Siartirictiteii erfdietnen mnArnttid) ««Lsmal nachm ttag-3. Der Ara.-.ne. inentsvreis betragt für den Monat April 2.0V Mprk ">»t tretethH»»Uinv fiattn der »efMfWteEe abgehott 1.80 M:rk. Durch die Poft monatlich 2 00 Mark einfchl.'eu-ellungs- gebühr. 8 erlag und Redattion: ..rb lacht hoffte. _.->/30. Fernsprecher 951 und 952. i ui unverlangt etngefanbtä Beiträge kann die üiebattion eine '< erantroortun« oder Kewahr in teinem Kalle übernehmen. Rückzahlung del Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmöbigec ei-iernng ift -i-.isgeschloffen. Postscheck- konto Frankfurt a M. Nummer 8280.

D^rdandir ngen in Berlin.

Berlin, 4. April. (Privattelegramm.) Wie die Blätter zu den gestrigen Verhandlun­gen des Reichsverkehrsministers mit den Ber tretem der Spitzenorganisationen über die Re­gelung des Lohnes für die Eisenbahnarbeiter Mitteilen, wurde eine Lohnzulage im Durch­schnitt von fünfzehn Prozent vereinbart. Außer­dem erklärten sich die Patteien mit Aenderungen an verschiedenen sozialen Bestimmungen des Tarifvertrags einverstanden. Die getroffenen Vereinbarungen unterliegen noch der Zustimmung des Reichskabinetts.

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Anzeigenpreise Sefchäftsanzcigen Zeil« U Pfennig, Familien-Anzeigen Zeile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen das Wort 21/, Pfennig, Reklamen die Zeile M Pfennig, Lffertgebuhr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Rechnnngdbeträg« find innerhalb fünf Tagen zu bezahlen. Maßgebend ift der Kurs des Zahlungta ges. Für die Risiig. keil aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, owte rar -JlufnaL,mebaten und Pläüe kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachthofstraße 28/zo. Geschäftsstelle Kölnische Straße a, gegenüber der Spohrftraße. Fernsprecher Nr. 951 und 952.

Sine Weltreise.

Mission eines deutschen Gelehrte».

Dor »»«Monaten «rat ekn veutlche« Gelehrter Professor Sbom , eine Weltreise an, um deutsche Dorerage zn halten und fremde Eindrücke ans. zunehmen. Dariiver plauderte er mit einemDer- tretet des Berliner Lokalanzeigers. Er bericht.«

Der Direktor des pharmakologischen Instituts dcr Berliner Universität, Geheimrat Professor Thoms, ist vor einigen Tagen von einer Welt­reise zurückgekehtt, und wenn man mit ihm über seine Eindrücke und Erfahrungen spricht, und Von den Sympathien hört, die er in aller Welt gefunden und vielleicht auch geweckt hat, so drangt sich unwillkürlich der Gedanke auf, wie aut es wäre, wenn man da und dort einen Wis­senschaftler von der Lehrkanzel abberufen und an den Diplomatenschreibtisch setzen würde. Aber nicht generell natürlich, nicht generell! Ge­heimrat Thoms bezeichnet selbst die Ergebnisse seiner Reise als vorwiegend politische und äußert sich darum auch mit der gebotenen Zurück­haltung. Natürlich hat er deshalb die Gelehr- tennatur nicht verleugnet, und so wie er, der Ein­ladung von zahlreichen wissenschaftlichen Gesell­schaften folgend, durch seine Vorträge zur Ver­breitung und Anerkennung der deuffchen For­schung beigetragen hat. so hat er andererseits von seiner Reise auch wertvolle wissen­schaftliche Erkenntniffe mitgebracht, deren Verlautbarung in Fachkreisen mit großer Span­nung entgegengesehen wird.

Die interessantesten Erlebnisse

hatte Geheimrat Thoms in Öftesten, obwohl der Zeitpunkt seiner Ankunft nicht gWcklich gewählt war. Auf dem Dampfer erreichte ihn die Rach- ttcht von dem Erdbeben in Japan und zu­gleich kam die Aufforderung an den Kapitän, dort vor Anker zu gehen und einige hundert Flüchtlinge an Bord zu uehmrn.Ich kam am Abend an," so erzählt der Gelehrte, »und tastete mich nach meinem Hotel, das noch stehengcblie- ben war. In den Straßen saü eS grmicnhift aus. Kein Licht, keine Feuerwehr, keine S:ch>-r- beitswache, überall Trümmer, Drähte und Löcher, die zu passieren mit der größten Lebens­gefahr verbunden war. Meine erste Sorge war der -Deutschen Botschaft gewidmet, und ick suchte nicht früher mein Zimmer auf, bevor ich mich nicht davon überzeugte, daß EWillmz Sols und das Gesandtschastspersonal am Leben geblieben waren. BewuuderSwert war dir Haltung der Bevölkerung, die mit heroischer Ruhe ihr tragi­sches Schicksal trug. Dieser Bewunderung gab ich auch in einer Rede Ausdruck, die ich bei einem von der Universität mir zu Ehren veranstalteten Abend hielt. Ueberbleibsel der Kriegspsychosen habe ich nirgends angetroffen, ganz im Gegen­teil, auf mich machte es überall den Eindruck, als würde man es heikle nicht versieben, daß man mit dem Deutschen im Kriege gewesen ist, und als hätte man heule ein anderes Bestreben, als fick zu entschuldigen und wieder gut,«muhen Bor meinen Vorträgen in Tokio besuchte ich Beppu und besichtigte die großen Eisenwerke von Rckwata wo dreißigtausen Menschen beschäf­tigt sind und wo ick eine große Anzahl vor deutschen Werkmeistern autraf. Mtt Freude konnte ich hier konstatieren, daß die deuffcke Technik und die deutsche Organi­sation die Grund- und Unterlage des

Opposition gegen Jomcare.

Um die Ausbeute des Ruhrgebiets.

(Telegraphische Meldung.)

Paris, 4. April.

Infolge von Angriffen des Abgeordneten Her- riot in der Kammer erklärte Poincarö, die Be­setzung des Ruhrgebiet es habe bewiesen, was Deutsckstand leisten könne. (?) Der Abgeord­nete Hecriot erklärte, daß man 1922 für 900 Mil­lionen Goldmark Material erhalten kannte, was aber an den französisckzrn Industriellen geschei­tert sei. die nur Kohle und Koks beziehen, aber nicht die anderen Lieferungen aus Furcht vor Konkurrenz annehmen wollten. Le Trocquer wi­derspricht. Abg. Herriot erklärt, daß die Erträg­nisse im Ruhrgebiet anfgebauscht feien. Außer­dem fei der Ablauf der Mieumvertrnge nicht be­rechtigt, eindiucksvolle Ziffern zu fchaffen, zu­mal man jetzt in Franken gegen früher in Gold­mark rechnet. Herriot zieht aus der gestrigen Rede Poinrarös den Schluß, daß dieser mit der Wiedereinverleibung des Ruhrgebiets ins deutsche Wirffchastsleben einverstanden sei, worauf Poincars hinzufügt:unter der Kon­trolle Frankreichs und der Alliierten." Herriot er­klärt: Dadurch, daß die demokratischen Elemente in Deutschland nicht wirksam unterstützt würden, habe Frankreich für die Zukunft nicht den Säbel des banalen Ludeudorff, sondern die Bewegung im deutschen Bolle selbst zu fürchten.

Fremd? Kontrolle.

Der deutsche Gegenvorschlag.

Nichts wird im Völkerleben gleich demü­tigend empfunden, wie Maßnahmen, die sich über den Grundgedanken des staatlichen Daseins überhaupt, über die Souveränität, hiuwegsetzen. Ein Staat, der in dem Bereich seiner Gren­zen nichtungehinLerttundars, was er mtt dem Empfinden ,einer Bevölkerung und mit seinem Gewissen vereinbaren kann, hat ausge­hört, ein Staat im eigentlichen Sinne des Wor­tes zu fein. Undenkbar ist es, daß sich ein solcher Staat mit dem über ihn verhängten Zustande auf die Dauer abfindet. Ein seiner Selbstän­digkeit beraubter Staat wird stets eine Brand­gefahr für die Ruhe im Völkerleben und für seine Nachbarn sein, mag er auch noch so un­bedeutend an Einwohnerzahl und Gebtetsramn sein. Der Sinn der in Versailles im Jahre 1919 diktiertenFriedensverträge" ist die Sou- veränitätsenikleidung einer ganzen Reihe von Staaren, die das Unglück gehabt haben, im -Kriege einer ungeheuerlichen Uebermacht erlegen zu sein. Unter diesen Staaten befindet sich Deutschland mit seiner Sechzig-Millionm- BevöKerung und seiner anerkanntermaßen vor dem Kriege an der Spitze aller Rationen stehen­den Kulturleistung. Man hat Deutschland uichl nur in der Praxis aus allen Gebieten der Politik und Wrtschast seiner Selbständigkeit entkleidet, man hat auch Wert darauf gelegt dem deutschen Volke in möglichst demütigender Form sein Sklavendasein zum Bewußtsein zu brin­gen. Zu diesem Zwecke hat man uleKontrolle" das Wort schon muß das Ehrgefühl aufpeit­schen ringe fuhrt.

Fünf Jahre lang haben die sogenannten Köntrolifommissione« aus Kosten deS im Elend versinkenden deutschen Volkes ein Pvasserdafeiu geführt, dessen Einzelheiten durch berufene amtliche Darstellungen so bekannr ge­worden sind, daß man sie nicht mehr anzuführen braucht. Jahrelang hat sich das friedfertige deutsche Volk den Besuch uniformierter und be­waffneter Fremdlinge in seinen Kasernen und Fadickken gefallen lassen. Rach dem Friedens- verttag ist die Tätigkeit der Kontrollkommission in der bisher beliebten Form dann abgeliufea, wenn die Entwaffnung im Bereich der deutschen Rüsümg bis zu dem Stande durch­geführt ist, den das Friedensdittat dem besiegten Staate vorschreibt. Rach amtlichen Verlaut­barungen verschiedener an der Kontrolltätigkeit beteiligter Regierungen, insbesondere der Eng­länder, war dieser Stand bereits int Anftug des Jahres 1923 erreicht, abgesehen von minderbedeuffamen Einzelheiten. Als der Ruhr­einbruch erfolgte, konnte die deutsche Regierung ihrem Volke gegenüber nicht mehr die Garantie für die Sicherbeit der uniformierten Kontrolleure übernehmen. Nach Beendigung des Ruhrkampfes wurde nun seitens der alliierten Regierungen der Vorschlag gemacht, die Kontrolltätigkeit durch ein besonderes Garantiekomitee unter Aufhebung der bisherigen kostspieligen Kommis­sionen durchzuführen. Die deutsche Regierung hat keinen Grund ihrerseits dieser Regelung zu­zustimmen, die eine Verewigung des Kontroll- svstems bedeuten würde und über die durck den Friedensvertrag unseren Gegnern eingeräumten Reckte binausgebt.

Es ist dankenswert, wenn auch an sich natür­lich selbstverständlich, daß die Reichste gie- rang in ihrer Antwortnote auf die Eur- waffnungsnote der Boffchasterkonferenz mit Ent­schiedenheit darauf besteht, daß die weitere Kon­trolle nunmehr, wie es der Fricdensvertrag vor­schreibt. auf den Völkerbund übergeht und zwar in der Form eines Eingreifens von Fill zu Fall Eine solche Regelung, auf die wir Au- spruch haben, würde wenigstens der äußeren Form nach den Grundgedanken des Abrüstungs- Problems, die Ueberwo.chung aller Völker in ihren militärischen Rüstungen, zum Ausdruck bringen In der Praris ist natürlich der Völ­kerbund genau so ein Uebcrwachungsinstrmncnt Frankreichs, wie das in den vornebmsien Ber­liner Hotels untergebrachte Schnüffelkollegium des bekannten Herrn Rollet. Bedeutsam an dem im Gegensatz zu der Bott'chasternote auf das Friedensdiktat sich stützenden deutschen Vor­schlag ist nicht nur der Inhalt der deuffchen Forderungen, sondern auch ihr Ton.Gegenüber einer Nation von Tradition und lebendigem Gc- fiihl für nationale Würde kann aus die Tau:r i n m ö g l i ch alles auf die Formel Befehl und Untertocrfuna gestellt werden." Ties- Grundwahrheit, die unseren diktierenden Geg­nern nickt häufig und eindrücklich genug zum Bewußtsein gebracht werden kann, arbeitet den Desensinhalt der gesamten Nachkriegspolitik i unserer Feinde heraus. In den nächsten T.igcn : -»vird der Bericht der sogenannten Sachv.'rstan- ! digen bekannt gegeben werden. Alles, was bis­her über diesen Bericht bekannt geworden ist, i teiltet auf eine Reuauslage des Londoner Ulti­matums hin. Mögen sich die alliierten Regie­rungen, insbesondere die Arbeiterregierung in «Engtend, bewußt werden, daß die Z e i t d e r!

Sinter öer fremden Gewalt.

Die Stärke der ftanzösischen Besatzung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 4. April.

Nach einem dem Heeresausschuß der Kammer vorgelegten Bericht des Kriegsministers ist die Besatzungsstärke der französischen Armee in D e u t sch l a n d für das zweite Vier­teljahr 1924 unverändert belassen worden. Ein Abtransport ftanzöfifcher Truppen ist vor­läufig weder aus dem Ruhrrevier noch der Pfalz in Aussicht genommen.Manchester Guar­dian" veröffentlichte eine Unterredung mit Mac donald über den Eindruck der deutschen Rote zur Militärkontrolle. Bei allem Wohl­wollen und aller Sympathie für den deuffchen Vorfchlag würde feine Durchdringung erst bann möglich fein, wenn Deutschland die in der letz­ten Kontrollnote des Botfchasterrats mit- geteilten Bedingungen für die deutsche Entwaffnung angenommen hätte. Das sei in der deutschen Antwortnote nicht geschehen.

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Um dir Eachverficindigen-Derichte.

Paris, 4. April. -Eigene Drahtmeldung.) Tie Abschlnßfitzung der Sachverständigen war bis gestern abend noch nicht festgesetzt. Es heißt aber, daß die beiden Berichte spätestens am Sonntag der Reparationskommisfion über­geben werden. Die Veröffentlichung durch die französische Presse erfolgt noch am Sonntag abend, durch die ausländische Presse am Montag früh. Ans Brüssel wird berichtet: Im Senats­ausschuß erklärte Theuuis auf eine Anfrage, daß seitens Belgiens keine Verpflichtung eingegangen sei, die Vorschläge der Sachverstän­digen in ihrer Gesamtheit anzunehmen. Belgien könne nut eine wohlwollende Prüfung der Gesamtvorschläge zuficheyi. (ff