Mckr Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
14. Jahrgang
Nummer 79
Mittwoch, 2. April 1924.
Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.
Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf.
Das Urteil im Hitler-Prozeß
ist,
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werde. Der
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die neue Sonne zuschreiten, deren solange verzögerten Aufgang die Welt erwartet."
Die Kammer-Debatte.
Besprechung des französischen Ausbauschwindels.
(Eigene Drahrmeldung.)
Paris. 1. April.
Der Wiederaufbau-Skandal kam gestern abend in der französischen Kammer zur Spreche. Ter sozialistische Abgeordnete Jnghals richtete scharfe Angriffe gegen die Regierung. Nach seinen Miteilungcn sind über hundert Betrugs- prozesse eingeleitet worden, dreizehn Milliarden Franken Gelder sür den Wiederaufbau seien verschwunden. Auch der-Abgeordnete EScofier kritisierte lebhaft den Wiedcrauf- bauschwindel. In Lille hätten sünszehu Zn gewanderte, die nie vorher in Lille gewohnt haben. Gelder fibr die Errichtung von Wohnhäusern und Billen erhalten. Finanzminister Marfhal vermißt schärfste Bestrafung, wenn sich die erhobenen Anschuldigungen als wahr erweisen sollten.
Schluß des HMer-Srozeffes.
Am Morgen des Urteilstages.
(Privat-Telegramm.)
München, L April.
Seit den frühen Morgenstunden herrscht in München außerordentliches Leben in der inneren Stadt und auf den Strichen, die in das Viertel des Gerichtsgebäudes (Jnfanierieschule) führen. Ungeheuer groß ist der Andrang der Neugierigen. obwohl seit Mitternacht alle Zugänge zur Insantrrieschule abgesperrt sind. Schon an der Rhmyhenüurgfiraße stehen Abteilungen der Schutzpolizei mit {(bußfertigen Massen. Bor der Jnfanterieschule selbst sind zwei Maschinengewehre aufgepflanzt. Die Kontrolle ist fo streng, daß selbst Karteninhaber und die Mitglieder des Gerichts erst fünf verschiedene Stel- len passieren müssen, ehe sie das Gebäude betreten können. In die Jnfanterieschule sind zwei Kompagnien Reichswehr gelegt. Am Lahnhof hat um 5 Uhr vormittags auch die Kontrolle der einrciscnden Fremden begonnen. Die Tclepoon- gespräche auch nach auswärts werden feit gestern mittag überwacht. Es ist wahrscheinlich, daß die auf 10 Uhr angcfündiate UrteilsfSl- lung erst nach 11 Uhr verkündet wird, da um #10 Uhr die Angeklagten noch nicht erschienen waren. Voraussichtlich können sie durch die Menschenmasse kaum hindnrchk->mmen. Die Degrün- duna des Urteils dürste über eine Stunde in Aussicht nehmen und zwar in öffentlich. Sitzung.
Diese unverschämte 8^rdrehung und Heuchelei ist echt französische Frechheit. Es soll damit verMeiert werden, daß gerade Frankreich die vom Militarismus irregeleitete Macht Vie dauernd den Frieden Europas stört!
KaWer Rathaus.
Bolksschulabbau: Bedauern im Stadtparlament.
Die „Väter" und „Mütter" der Stadt Kaffri brüten gegenwärtig über dem Haushalt der Stadt, dem ersten der wieder auf Grund deut-, scher Mark gusgestellt wird. Wer weiß, was ein kleiner Haushalt für Sorgen macht, der vermag die Sorgen abzuschützen, die mit dem Bau eines städtischen Etats verbunden sind. Gestern gingen die Vorlagen, die auf der bekannten Tagesordnung fkmbrn, glatt ab. Wäre nicht ein Nachtrags- Punkt gekommen, so würde es überhaupt nicht Uder die stereotypen „Einverstanden"-Rufe hinausgegangen sein. Diese: Nachtrag betraf die
Stellenverminderung bei den städtischen Volksschulen.
Zic Staffelet 51eue :cn Slacartcblen erfcfietnen rohchrntlicb (echömäl narbm'ttagS. Der Abonne. m-nk-'xrcis betragt für ben Mo tat April ?.00 Mark hei freier >-u"-ilnn- m« -tau', in her tfeftfinftStteDe abgetjott 1.80 Mark. Lurch Ue Post monatlich 2 So Mark etnschl, Zutlellunas. gebühr. — Sertan und Red-ution: Schlachthokstr. 28/30. — Fernsprecher 951 und 952. — • ui unverlangt etngefanbte Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung oder Gewahr in keinem Stalle übernehmen. — -üuckzahkung der Berunsgeldes oder Ansvrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmätziger Lieferung ist auSgekchloffen. — Postscheckkonto Frankfurt a M. Stummer 63S0.
der Hand behalten. Das Ruhrgebiet muß in seiner Wirtschaftskraft und seiner Steuerleistung ebenso wie in der Verwaltung wieder Eigentum des Deutschen Reiches werden. Die französische Rhein- und Pfalzpolitik muß nach den bitteren Erfahrungen des letzten Jahres endgültig der Vergangenheit angehören. In der Besat- zungsfrage, die für Deutschland nicht nur eine Ehrenfrage, sondern ein Problem der finanziellen Sanierung ist, müssen die doch wirklich nicht sehr milden Bestimmungen des Friedensdiktates innegehalten werden. Wenn die Reichs- regierimg sich in dieser von Dr. Stresemann wirkungsvoll herausgearbeiteten Linie hält, so wird auch das innenpoliltschc Leben die Beruhigung erfahren, die erforderlich ist.
Um DeutfManbs Eisenbahnen.
London, i. April. (Eigene Drahtmrldung.) Eine Anfrage im Unterhaus, ob Macdoitald irgendeine Information betreffend die Uebcr- tragung der staatlichen Eisenbahnen in Deutschland an ein unabhängiges Handelsunternehmen erhalten habe- beantwortete der Premierminister bejahend. Die Eisenbahnen sollen indessen Eigentum des deutschen Staates bleiben. Auf die Frage, ob Macdonald, wenn er von dem deutschen Staate spreche, den preußischen oder den bayerischen Staat oder das Reich meine, (!) entgegnete er, er meine das Deutsche Mich. Auf eine weitere Anfrage, ob es nicht Tatsack^ sei, daß diese Eisenbahnen vermutlich zur Regelung der Reparationen herangezogen werden sollen, und ob e§ nicht unrecht sei, daß sie einem Privatunternehmen überantwortet würden, erklärte Macdonald, die erwähnte Regelung berühre dies nicht im geringsten.
Ssrwnunp und Srrepung.
München, 1. Avril. (Privaftelegramm.) In Erwartung des Urteils sind alle Ministerien und die Gebäude der höchsten Behörden seit Mitternacht scharf bewacht. Ohne Ausweis wird niemand eingelassen. Das Dahnhofsviertel und die Blntrnburgstraße sind durch sechs Reichs- wehrkom."agnien gesichert. Gestern nachmittag zogen größere militärische Abteilungen in voller Ausrüstung mit Musik durch die Straßen. Auf der anderen Seite ist die Spannung und Er- r e g u n g nicht minder groß. ES werden letzt schon Unterschriften gesammelt, die für den Fall einer Berurtciluna die Begnadigung der im Hitlerproz-ß Angeklagten fordern.
Wie Fmnzosen-polM.
Erklärung der neuen Regierung.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 1. April.
In Sen gestrigen Sitzungen der Kammer und des Senats wurde die Regierungserklärung vri- lesen, die häufig von protestierenden und verhöhnenden Zwischenrufen unter brachen wurde. Mit Bezug auf die dentfchc Frage sagte die ErNärung u. a.: „Das Kabinett hat den lebhaften Wunsch, sich so rasch wie möglich mit seinen sämtlichen Älliierterk und Assortierten über die beiden Fragen, von denen seine Zukunft abhängt, Reparationen und Sicherheiten, ins Einvernehmen zu setzen. Es ist. wie es erflärt hat, außerstande, seine Trupven aus dem Stu h r g e b i e t anders als nach Maßgabe und dem Berhältnis der Zahlungen zurückzuziehen. Es brnn seine Pfander nicht wegen unsicherer Versprechungen austauschen, aber es hegt die feste Hoffnung, daß man durch den Bericht der Sachverständigen eine allgemeine Regelung und eine rasche Liguidation ermöglichen werde. Sobald diese Arbett ich geschlossen ist und vorliegt, wird Frankreich bereit sein, sie .zu prüfen und sich gemeinsam mit seinen Freunden über die Regelung einer endgiltigen Lösung ins Einvernehmen zu setzen. Sollte dann der Fall eintreten, daß eine vsm Militarismus irregeleitete, und vom DämonderRevanche und des Haffes beseelte Macht das Statut in Europa zu zerstören, die Ordnung in Verwirrung zu bringen und die ehemals seiner Herrschaft unterworfenen und jetzt uns angeschlossc- nen Provinzen ganz oder teilweise wieder an sich zu reißen versuchen, fo wird sie die Entrüstung aller übrigen Völker Wachrusen. Was FrankrciK betrifft, so verlangt es nur Achtung vor den Verträgen. Möge der Friede, der uns versprocheu und unterzeichnet wurde, uns morgen vergönnt fein. Mit dem größten Eifer und mit größtem Fleiß werden gerade wir aus
Die Regierung hate verlangt, daß.dies durch das Städtpariameut gepeitscht wer Schulmann und Dichter im Nebenberuf Valentin T r a u dt, Kreisschnlrat und Stadtverord-
toter dem fremden Dmck.
Noch keine Einigung der Sachverständigen.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, i. April.
Daß Komitee Dawes, das gestern zu einer Vollsitzung zusammentrat, hat von den noch in der Schwebe gebliebenen Fragen einige technische Punkte geregelt. Der Bankunteraus- schuß wird heute vornfitatg eine Sitzung abhalten. Da. Komitee Dawes wird morgen nachmittag wieder zusammentreten und die Prüfung des endgültigen Berichts beginnen.' Dieser bricht enthält noch einige Lücken, die von den Sachverständigen schnell ausaefüllt werden. Die Re- parationskommtssion wird am Sonnabend mit den Berichten der beiden Komitees befaßt werden. — DaS Journal meldet: General DaweS teilte am Montag nachmittag den Preffevertetcrn mit, daß die Berichte der beiden Sachverständigen-KomiteeS getrennt übergeben würden, da die beiden Komitees in einigen Punkten zu verschiedenen Schlutzsolgerungen gekommen seien.
'.'(ntetRenpreife SeschäftSanzeigrn Zeile 15 Pfennig, stam>lien-Anzeigen Zeile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen da« Wort 2ll« Vf-nnig, Reklamen die Zeile 50 $!ennta, Offertgebühr 10 Vfennig (bei Zusendung 6er" Offerten 20 (Pfennig), Rechnungsbeträge sind innerhalb fünf Tagen ,n bezahlen. — Matzgebend ist bet Kurs des Zchlungitages. Sür die Richtigkeit aller durch lernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnadmedaten und Blage kann nicht garantiert werden. Für Anzetgen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Druckerei - SchlachthoMratze 28)3». Geschäftsstelle Kölnische Straße b, gegenüber der Spohrstraße. Fernsprecher Str. 951 und 952.
Hausbau und fiieöelung.
Eröffnung der Ausstellung im LandesmnseuM.
In Gegenwart der Spitzen der Behörden und geladener Interessenten wurde heut« mittag im Landesmuseum die drei Säle umfassende Äus- stelluna .HauSbau und Siedlungsbauten 1919 bis 1924" durch Oberbürgermeister Scheidcmann eröffnet. Die Stadt Kassel sieht naturgemäß int Vordergründe. Sie stellt städtebaulich-statistische Uebersichtspläne über die nach dem Kriege geschaffenen Siedelungen, städtische Pachtgärten, Eigen- lind Tauergärten sowie sämtliche von der Stadt geschaffenen Gartenanlagen aus, ferner Ueberstchstspläne übw die von der Stadt eingerichteten Wohnungen, die neuen Siedlunzs- vti-uten und eine große Anzahl von sozialen Neu- und Umbauten. Weiter werden über die
Dir AußenpoM.
Ein Rückblick und Ausblick.
Außenminister Dr. Stresemann hat die wirkungsvolle Plattform seines Parteitages dazu benutzt, um ..sich mit den nächstliegenden Problemen der Außenpolitik auseinanderzusetzen, die wichtigsten Ereignisse des letzten Jahres nochmals in ihrer Bedeutung herauszuarbeiten und alles Geschehen mit den Grundsätzen, der nationalen Moral zu unterbauen, wie sie dem gesunden Sinn des deutschen Volkes entspricht. Gegen den Grundsatz Bismarckscher Realpolitik in der Stellungnahme zu den verwickelten Problemen unserer Zeit wird in Deutschland wohl niemand Einspruch erheben. In gleichem Maße wie der Schöpfer des Deutschen Reiches sind die verantwortlichen Männer des niedergeworfincn Deuffchland geüötigt, die Dinge zu nehmen w i c sie sind und schrittweise, nicht immer ntrf vorwärts, sondern häufig auch rückwärts sich ihren Zielen entgeaenzubewegen. Zum Wesen Bismarckscher Polrtrr gehört allerdings auch nicht nur das Arbeiten mit den gegebenen Tatsachen, sondern das gestaltende Eingreifen in die Dinge, selbst wenn die Schwierigkeiten unüberwindlich scheinen, und die Entschlossenheit, auch Dinge anzupacken, deren Gelingen od:: Mißlingen auf des Messers Schneide steht.
ES ist erfreulich, daß Dr. Stresemann sich auch nach verlorener Ruhrschlacht zu dem Grund- । pedanten deutschen Widerstandes gegen unerträg- : lick« Gewalt bekennt. Der äußere Erfolg ist nicht immer Wertmesser für Richtigkeit oder Un- richtigkefi einer Polittk. Der elementare Er- bcbungSkampf der R u h r d e vö l k e r nn g: bat Widerhall weit über die deutschen Grenzen; hinaus gefunden, und selbst dort Achtung geweckt. wo au8 politischen Gründen offene Tvm- : pathie nicht angezeigt war. 'Auch die nachträgliche Würdigung jener Männer, die ihr Leben in aktiver Gegenwehr eingesetzt haben, wird in Deueschland weit« Kreise versöhnen, die sich von der kühlen Haltung der Regierung gegenüber diesen Mättyrern deutschen Lebenswillens abgestoßen gefühlt haben Die Freiheit der Ruhrgefangenen ist ein Kampfziel, des hohen Einsatzes wert.
Bedeutsamer noch ist die Stellungnahme Dc. Stresemanns zu den kommenden Ereignissen. Es ist ein offenes Geheimnis, daß „die Sachverständigen", denen man in Deutschland durch reichliche Dorschußlorbeeren leider ein moralisches Fundament gebaut hat, sich in ihren Entscheidungen sehr weitgehend von politischen Zweckmäßigkeitserwägungen und nicht nur von Sachqründen haben leiten lassen. Angesichts dieser Tatsache ist der leise Zweifel des deutschen Außenministers an der Richtigkeit des Bildes, daS die Sachverständigen in Deutschland gewonnen haben, berechtigt, ja, nötig. Ebenso nötig ist die ausdrückliche Betonung, d ttz die deuffche Reicksregiermig den Enffchließun- C-en der Sachverständigen in voller Freiheit ac- genüberstght. Es läßt sich allerdings nicht verkennen, daß eine Gegenwehr gegen die von dem sogenannten Sachverständigen-Ausschuß getroffenen Formulierungen erheblich schwieriger ist als gegen Forderungen, die von ben alliierten Regierungen unmittelbar in der bislang üb'ich gewesenen Diktatform gestellt werden. Poin- carö hat in seiner Programmerklärung vor Kammer und Senat ausdrücklich betont, daß auch die neue Pariser Regierung entschlossen ist, die äußere Politik der alten Regierung f ortzusetzen. In der Sache wird Frankreich, daran kann kein Zweifel bestehen, den einge- schlagenen Weg wertergehen. Die Entscheidung droht, wie so oft schon, wenn ein Kompromiß zwischen England und Frankreich nötig war. zu einem Fornwroblem zu werden. Die Verquickuua von Reparationsfrage und Sicherheitenfrage auf dem Hintergrund des Genfer DölkerbunLsaedan- kens gibt Macdonald wie Poincarö MöglMei- ten einer neuen Augenblicks-Verständigung in die Hand, die wieder einmal aufdem Rücken Deutschlands mtSgetragen zu werden droht.
Mt aller Deutlichkeit hat Außenminister Dr. Stresemann zum Ausdruck gebracht, daß Deutschland eine Verständigung wünscht, daß es aber Grenzen der Verständigung gibt. Gegen Leistungen im Rabrren des Tragbaren, gegen Uebereinkommen an sich, dürfte auch in Deuffchland, wie die Dinge augenblicklich noch liegen, niemand etwas haben. Die Forderung der Aufstellung Maier Grenzen ist der Kernpunkt der nationalen Opposition seit jeher gewesen. Wenn Stresemann diesen Wünschen, hinter denen in täglich wachsendem Maße das deuffche Volk stebt, nachkommt, so ebnet er dadurch gleichzeitig die Wege für die nach den Rcichstagswadlen voraussichtlich kommende Regierung der Mitte, die aber nicht wie bisher nach links, sondern nach rechts hin orientiert fein wird. Polttisch muß die uneingeschränkte Aufrechterhaltung der deutschen Souveränirät im ganzen Reichsgebiet gewährleistet bleiben. Wirtschaftlich muß Deutschland auch die Verfügung über die Regelung seiner Finanzen, {einte die Verwaltung seines Verkehrswesens in
Das Münchner Urteil.
Festungsstrafen mit Bewährungsfrist.
(Privat-Telegramm.)
München, 1. April.
Heute vormittag 10 Uhr 5 Minuten wurde im Hitler-Prozeß folgendes Urteil verkündet:
Hitler, Pöhirer, Kriebel und Weber erhalten je fünf Jahre Festung, Tragung der Kosten und 200 Goldmark Geldstrafe. dafür eventuell zwanzig Tage Festung. Rach Verbüßung einer Strafzeit von sechs Monaten Festungshaft wird für diese Berutteiltcn eine Bewährungsfrist sür den Sttafrcst in Aussicht gestellt.
Ludendorff wird freigesprochen unter Aufbürdung der Kosten auf die Staatskasse.
Die Angeklagten Frick, Röhm, Brückner, Wagner und Pernet erhielten wegen Beihilfe je ein Jahr und drei Monate Festung und je 100 Mark Geldstrafe, dafür eventuell zehn Tage Festungshaft, und wurden zur Tragung der Kosten verurteilt Diesen Verurteilten wird Bewährungsfrist für den Rest > t Strafe mit sofortiger Wlrffomkrit bis zum 1. April nächsten JahreS gewährt
neter in ben Reihen bei Mehrheit, ging mit dem Abbau scharf ins Gericht. Nie Stadt Kasse!, so sagte er, stand in dem Ansehen, daß sie eine Schulstadt fei, daß ihre Schulen gut bertoaftet und gut geleitet sind. So viel als möglich wurde in den zurückliegenden schlimmen Zeiten gesucht, die Schulen zu erhalten, ja sogar zu fördern und der Neuzeit entsprechend cnt23.11« bauen. Heute nun stehen wir vor der betrübenden Tatsache, daß auch aus dem Schulgebiete abgebaut werden soll. Aus jedem anderen Gebiete, sagte bet Sprecher, kann eher abgeb am werben, als hier. ES gibt hier ein Zerreißen von inneren, von seelischen • Beziehungen zwischen Lehrer i'Ud Schülern. Leichter kann ber Beamte von feinen Akten getrennt werden. Dabei vollzieht sich der Aban von selbst, denn der (Geburtenrüchzang- ivrgt boffir. Das hätte der Mnister wissen sollen, wenn er sich informiert batte. Dieser Abbau von selbst würde nicht so schroff wirken wie ber jetzt vorzunehmenbe und ältere Lehrer zögen sich mit der Zeit selbst zurück. In Braunschweig und Wien macht man diesen Abbau nicht mit, wie er in Preußen befohlen wurde, aber der Staat Preußen, dessen Schulpolitik (die .Hungersuppen des Lehrers von einst!) bekannt ist, hat die Machtmittel in der Hand, mit denen er auf widerspenstige Gemein- den drücken kann... er macht es mit den Steuern! Der Schaden wird durch Mehrarbeit ber Lehrer ausgeglichen, die, was schon jetzt vorkommt, 58—60 Schüler in einer Klasse unterrichten. Jedenfalls ist der Finanzminister heute in Preußen brr starke Mann, er ist stahl hart und vor biefer Härte muß alles weichen. Frl. Julie von Kästner lDem.) bedauerte ebenfalls den Abbau des Schulwesens. Es geht allen ans Herz, daß an der Volksschule gerührt wird. Auch diese Rednerin, ber allgemein gelauscht wurde, stellte fest: Lehrer unb Lehrerinnen geben jetzt mehr Stunden als früher! Lehrer Wald- schmidt von der Freien bürgerlichen Vereinigung bedauerte ebenfalls. Heute, wo jede Kraft zum Aufbau notwendig wäre, werden noch rü» füge Lehrpersonen in ben Ruhestand geschickt. Bor hundert Jahren, als Preußen in größter Not war, gründete es Schulen und sogar die Universität Berlin. Es bleibt nichts weiter übrig, als zuzusehen, wie wir so gut als möglich aus dem Schaden herauskommen. Di« Vor- schlage, die unsere Schulverwaltung gemacht hat, sind so praktisch. daß unser Schulwesen nicht allzusehr leiden wird. Konrektor Schwab vom Zentrum gab dem gleichen Bedauern Ausdruck. Wird auch noch so schonend vorgegangen, Wunden werden doch geschlagen. Die Stadt hätte einen solchen Einbruch in das Schulwesen nie und nimmer begangen. Schließlich gab Schulrat lgoese noch die tröstliche Erklärung ab: > Auch nach dem Abbau wird die Bürgerschule im Verhältnis nicht schlechter sein als vorher! Von allen Fraktionen wurde ber Vorlage zu gestimmt. bie 25 Lehrer (sic haben sich eir.tierflan« ben erklärt), in ben vorzeitigen Ruhestand schickt!
Die nächste Sitzung findet an zwei Tagen statt nnd zwar am 14. und 15. April, um ben Etat zu beraten unb ben Verwaltungsbericht des Magistrats über das letzte Jahr entgegenzunehmen.