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Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Freitag, 28. M8rz 1924,
Nummer 75
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Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14.
Kabinettwechsel in Frankreich.
sachlichen Erwägungen, den endgültigen Sturz des französischen MNisterpräsidenten begrüßen.
Krise in England.
Macdonalds Politik wird angefochten.
Die Liberalen für Macdonald.
London, 27 März. (Privattelegramm 1 „Daily Telrarapl," rneldct: Asguiih sprach am Dienstag in Birmingham. Er erklärte, dass die Politik Macdonalds in der Rrparations- und der Sicherheitsfrage weiter von den Liberalen unterstützt würde. Große ntscheidnngen in der europäischen Krage feien durch Macdonald in Borbereitung. Sobald die Sach- verständigcn-Bcrichle vorlicgen, würde Marda nald twch seinen den Liberalen gegebenen Zu- üchrnmgen alle Vorschläge sowohl von sritcn Frankreichs wie von feiten Deutschlands ohne Borcingcnommcnipkit prüfen. Den franzö fischen Forderungen nach militärischer Sicherheit der französischen Grenzen ständen
London, 27. März.
Die Nachricht von dem Rücktritt des Kabinetts Poincarö ist hier mit großer Urber- rafchnng und nicht ohne Beklemmung ausgenommen worden. Die Uebcrraschung kam daher, daß nach der Annahme des Finanzge- srtzes durch den Senat und die Kammer die Stellung PoinrarSS bis zu den Wahlen als durchaus gesichert angesehen wurde. Die Be- klemm«ng in den politischen Kreisen h«t verschiedene Ursachen. Die meisten, vielleicht übertrieben optimistischen Gerüchte in der letzten Zeit hatten den Glauben erweckt, daß Poincars bei einer weiteren Aussprache mit Macdmmld schließlich dazu gelangen würde, die notwendigen Konzessionen zu machen, nm eine Einigung in den großen internationalen Problemen mit England zu ermöglichen. Man wies darauf hin, daß cs zwischen Poincars und Macdonald noch nicht z» Zwischenfällen gekommen war.
Besorgnis in London.
Die Auffassung übe PoincarSs Rücktritt. (Eigener Drahtbericht.)
Sine Kursänderung mSglich?
London, 27. März. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Paris wird gemeldet: Nach einer Reutcr- note, die sich mit dem französischen Kabinetts- rücktritt beschäftigt, erklären einflußreiche Persönlichkeiten aus der Umgebung PoincarSS. daß die Arbeiten der Sachverständigen bei ihrem Abschluß eine tatsächliche Kursänderung Frankreichs hätten herbeiführen kön-
hcr eine Rücksprache mit PoincarS gehabt hatte, äußerte, er glaube nicht, daß Poincars, wen» er seinen Posten wieder übernehme, eine Aenderung seines Kabinetts vornehmen werde. „Ich glaube nicht", sagte dieser Minister, „daß Poincars irgend einen seiner Mitarbeiter am Vorabend der Wahl im Stich lassen kann." Der Minister glaubt weiter, Poincars werde die gleichen Mitarbeiter behalten. Er weiß allerdings nicht bestimmt, was Poincars tun werde, aber vernünftigerweise müsse er diese Haltung einnehmen. (?) — In der Kammer herrschte gestern Aufregung über diese Wirkung der Abstimmung. Dir Sitzung wurde auf Freitag vertagt.
Ruhrgebiets mündeten.
Immerhin dürfen wir hoffen, daß mit einem Nachfolger PolncarSS ob er nun 9 o 1t - cheur oder Driand heißt, eher ein Verhandeln möglich ist, als mit PoincarS, der wirtschaftlichen Erwäannaen übcrbanpt imzu- aänqlich war, und wdischastliche Forderungen stets nur erhob, um seine Machtvositik zu verlassen oder ’n stützen. Lonckenr insbesondere bat wiederlmlt die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen An s g l e i ch c s zwischen Deutschland und -Frankreich betont und das wirtfchnktliche Zusammenarbeiten der beiden Völker gefordert, allerdings unter Bedingungen, die
(Privat-Telegramm.)
London, 26. März.
Innerhalb der englischen Arbeiterregierung herrscht gegenwärtig eine etwas gedrückte Stimmung Führende Männer äußerten in Privat- gesprächen die Ansicht, die gegenwärtige Regierung werden den Monat Mai nicht überleben. Ursache schcint^die zunehmende Hcftig- kcit der W i r t s ch a ft sk ä m p f e zwischen Kapital und Arbeit zu fein. Als Ergänzung zu dieser Meldung berichtet die „Chicago Tribüne" von schweren Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Arbeiterpartei wegen der Politik Macdonalds gegenüber Frankreich. Wenn der Minister fortfahrc, Frankreich so glimpflich zu behandeln, könnten die Repara- ttons- und Sicherheitsfragen überhaupt nicht gelöst werden. Insbesondere müsse man sich darüber beschweren, daß es dem englischen Kabinett bisher nicht gelungen sei, von Frankreich Auf klärungen über das jetzige Regime im Ruhr- und Rheingcbiet zu erhalten. Ter Führer der Opposition gegen Macdonald in der Außenpolitik. der Schatzkanzler Philipp Snowden, wünscht, Großbritannien solle eine Politik 6e- treiben, die den ZusammenbruchDeutsch- lands verhindert. Wenn Frankreich seine Politik nicht ändere, könne Großbritannien mit ihm nicht zusammengehen. Dieser Teil der Arbeiterpartei tritt nachdrücklich für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund ein, und seine Ansicht wird von einem Teil der Liberalen und Konservativen geteilt. Man wünscht, daß Macdonald eine energische Politik betreibt, da nur so ein Einvernehmen zustande käme.
Paris, 27. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der „Matin" erklärt berechtigt zu sein, über die Auffassung des Präsidenten Miller and folgende Erklärungen zu veröffentlichen: „Die Grundlinien der französischen Politik können nicht geändert werden, cs sei denn durch den klar ausgedrückten Willen deS Landes. Der Präsident der Republik habe das feste Vertrauen, daß Poincars ein neues .««• binett bilden werde und daß dieses ermächtigt wird, nach außen wie nach innen die Sparmaßnahmen fortzuführen. — Nach außen hin kann Frankreich das Ruhrgebiet nicht vor der vollkommenen Zahlung der Reparationen räumen, nach innen soll Frankreich das Gleichgewicht seines Budgets wieder Herstellen, sich brr Anleihen enthalten und sich zu keiner Ausgabe verpflichten» die nicht durch gleichwertige Einnahmen gedeckt ist. Wenn es Poincars unmöglich sein sollte ein Ministerium zu bilden, würde er, Millerand nur ein Kabinett beruf - fen, das entschlossen ist, die allgemeine Politik des Landes nach den genannten Richt-
Als seine Freimd« in der Kammer kein anderes Argument für das Verbleiben PoinearSs an der Spitze der Regierung aufzubringen ver- m-ochten» als daß Berlin illuminieren würde, wenn die Kammer ihm nicht Gefolgschaft leiste mußte man, daß es mit seiner Macht Matth«' tmt Letzten war. denn solch aufreizender Chauvinismus kann Mar wie eine Kampfereinspritzung bei einem Kranken das Leiden etwas in die ' Säuge ziehen, aber nicht Heilung bringen. Ein Teil der Presse meldete daher schon bei den setzten KanrmerverHandlungen, in denen sich Poincars merkwürdig nevvöS zeigte, daß sein politisches Dasein beendet fei. und der Präsident Millerand hat fchon seit Monaten, wie man wohl wußte, mit Laucheur und anderen wegen der Rachsolge Poincars verhandelt: über man wollte ihn wenigstens noch die Wahlen machen lassen. Deswegen schwankte der n a t i o- n. a le Block zwischen Unterstützung und teilweiser Opposition hin und her. da auck, et tue Finanzpolitik PoinearSs vor dem Lande nicht tragen zu können meinte. Die Opposition der Linken aber hoffte, daß bei den Wahlen ihr unbedingter Sieg zufallen müsse, und damit der Abgang PoincarSs nach den Wahlen von selbst zur Tatsache würde, während man mit fet- r er Steuerpolitik und dem koistsvicliaen Erperi- mente des R u hretnb ruchc S die Wahlagitation gegen Poincars und den nationalen Block bestreiten zu können glaubte.
Poincars bat als Staatsmann lediglich dem Macht st reben feines Volkes, seiner E r - oberungslust und Verichtunasgier gedient und hat damit den Beifall nickt nur des nationalen Block?, sondern des ganzen 'ranzö- ftschen Volkes aestmden, so lange er das Volk mit Worten auf die ungeheueren RcparationS- kcistunaen Deutschlands vertrösten konnte. llls gl'er die Erfüllung des Wortes, daß der Bocke alle« zable, ausblieb. und sich die Politik Poin- raräs, wie der Franken stürz zeiate, als nn- rlanblich teuer und ruinös sowohl für die c-taatssinanzen wie für die kleinen Vermegen diefes Rentnervolkes erwieS, fchlng der Wind um und man stand zu Poincars nur noch nm des Prestiges willen, wünschte aber seine reine Macktvolitik durch eine wirtschaftliche abgelöst Mit Poincars ist der stärkste Gegner feder Vn- ständigung mit Deutschland und feder vernuntt- aemäßen AusoleickSpolitik in der Rcparatious- frage vom politischen Felde verschwunden. Es wäre aber v"rfrüht,an seinen Abgang allzu große Hoffnungen sür eine sofortige Besserung der deutsch-französischen Beziehungen zu knüufen. Zwar hat Millerand in seiner Neu- fabrsrede Worte der Versöhnnna imd der Vernunft gesprochen: aber vom französischen Worten m wirklichen Taten ist ein weiter Weg, und wir haben in den letzten vier Iabren immer wieder erlebt, daß nach tönenden Verheißungen und überströmenden Friedensworten der alte Ro.che- krteg gegen Deutschland fortgesetzt wurde und alle Versprecknnaen schließlich in die Forderung nach der Festhaltung deS Rheinlandes und des
fache blind verschließt.'
Deshalb richtet der Verfasser zunächst an die Arbeitnehmerschaft folgende Forderung: »Es gibt zweifellos einen gesellschaftlich notwendigen Mindestarbeitstag. . . Eine gewisse Gesamtleistung mutz aber die Bollkswirtschast hervorbringeu, wenn sie nicht eintrocknen soll. Aus ihr erAbt sich gleichsam durch Division ... der gesellschaftlich notwendige Mindestarbeitstag Und zwar mit fast mechanischer Sicherheit' Ist der Zustand der Volks- wirtschaft möglichst gesund, so wird er sich dem von unserem Standpunkt aus wünschenswerten Höckstarbeitstag möglichst annähern können. Ist die Volkswirtschaft aber gar niedergebrochen und muß sie von vorn wieder beginnen, dann wird der gesellsckastlich notwendige Mindestarbeitet aq naturgemäß möglichst weit von ihm entfernt sein. Sie trotzdem so gut wie möglich einander zu nähern, das ist das Ziel! Das würde immerhin eine Minderung des »praktischen Erfol- ges" der ArbeitnebmerschM fein, zweifellos. Wenn der gesellschaftlich richtige Arbeitstag aber durch die Arbeitnehmerschaft mitgefunden würde, so würde die praktische Einbuße durch einen ungleich größeren und wichtigeren »Sieg des Prinzips" meh" als ausgewogen werden. Versäumte die Arbeitnehmerschaft aber dies und wäre tatsächlich der Achtstundentag gegenüber der derzeitigen volkswirtschaftlichen Zwangsläufigkeit zu kurz, dann würde er durch einen Sieg der Unternehmerschaft fallen müssen."
Die Unternehmerschaft dagegen solle bedenken, daß die Verlängerung der Arbeitszeit bei der heutigen Notlage der Wirtschaft zweifellos einer Vermehrung der Arbeitslosigkeit nach sich ziehen müsse. Anderseits aber könne die Wir- kung mit der Zeit eine andere werden. Denn der durch die längere Arbeitszeit eintreten, de größere Verbrauch werde einen größeren Witcrbebarf, also eine vermehrte P r o- tutftion und demzufolge größeren Befchösti- gungsgrad Zeitigen. Das aber komme nicht von selber, sondern sei an vermehrte Kaufkraft gebunden. Diese ober fei. da die Arbeitnehmerschaft die weitaus größere Halste der Verbraucherschaft darstellc. nur durch Erhöhung der Löhne und Gehälter m erhöhen. Rur dadurch werde der Markt fähig, das infolge der verlän- gerten Arbeitszeit Mehrproduzierte auch auszu- nehmen. ..
Beide Teile sollen also volkswirtschaftlich, nicht nur privatwirtschaftlich denken! Die Arbeitnehmerfchaft solle die Tatsache des gesell» schastlick notwendigen Mindestarbeitstages, Die Arbeitgeberschaft die Tatsacke der gesellschaftlich notwendigen Mindestkauftrast bedenken. Die Ar. beitnehmerschast solle den Kamps mit dem Ziele führen, für sede Erhöhung der Arbeitszeit in Richtung aus den gefellllfchastlich notwendigen Arbeitstag eine Erhöhung der Entlohnung ein- -nweckseln. Denken die Unternehmer volkswirt- 'chaftltch. dann würden sich beide hierbei durch- aus auf dem Boden des Möglichen bewegen. Denn sede Verlang ernng der Arbetts. zeit im Sinne rationeller Betriebssuhrung bewirke in einem nach modernen Grundsätzen kalkulierenden Betriebe auch eine rationelle •»tret» kung der „mit der Bearbeitung und Veravkei. tung teils in unmittelbarem, teils tn mittelba.
Llm Sie Arbeitszeit.
Ein Weg der Mitte.
®et Kampf «m die Arbeitszeit hat noch nicht zn einer Etniqung zwischen allen streitenden Verbänden geführt. AVer in einigen Wir«, schastsgrnppcn ist die Zeit- und Arbeitsver- mehrnirg letzthin verwirklicht worden. Mit der Möglichkeit einer allgemeinen Regelung dieser Frage befaßt stch der nachstehende Anssatz.
In der Tageszeitung »Der Deutsche" des (christlich-nationalen) Deutschen Gewer.scha ts. buudes (DGB.) findet sich eine beachtenswerte Aettßerung über den Achtstundentag, um den jetzt zum Nachteil unserer Volkswirtschaft so heftig gekämpft wird. Der Verfasser, Paul Brök- ker (Hamburgs, rückt die Frage in eine interessante Beleuchtung. Er crllärt, dem Achtstun- tentag liege ein Prinzip zugrunde, das wich- iger fei als er selber. Beide Teile, Arbeitgeber» chaft wie Arbeitnehmerschaft sollten sich ar- beitsgeminschastlich auf den Boden dieses Prin. zips stellen. Dies Prinzip sei sogar für Karl Marx wichtiger gewesen, als die Festsetzung einer bestimmten Stundenzahl. Es besage, daß die Arbeitskraft ans dem mechanischen Verhältnis ovn Angebot und Nachfrage, das sie zu einer Ware erniedrige, herausgehoben werden müsse, — daß viel mehr die Avbeitnehmer- schast durch eine von ihr selber herausgvstellte Führung, eben die Gewerkschaften, die Arbeitszeit generell als gleichberechtigter Vertzandlungs- faktor mitbestimme. Dann heißt es:
»Dies ist auch daS Prtnzip, um da» fetzt gekämpft wird I. . . Stimt es, daß der Achtstundentag mts dem Zusammenhänge der heutigen volkswirtschaftlichen Bedingungen, wie der Vertrag von Versailles sie geschaffen hat, unhaltbar ist, so würde in der Tat die Gefahr einer Niederlage des „Prinzips" der Arbeitnehmerschaft bedenklich nahe liegen, wenn sie schon sich gegen jene Tat-
^ranfrei* kalt das aanze Erträgnis der Arbeit! sachlichen Erwägungen, den endgültigen Sturz icherien und uns die Arbeit und die Not über- üiHmtik-rnrnfihcntett bcatu6cn.
ließen. Trotzdem muß daran festgehalten werden, daß auf wirtschaftlichem Gebiete am letzten Ende dock noch eine Verständigung möglich ist, wähwnd bei dem politischen Machtverlangen Poincarss es nur Unterwerfung und Selbstvernichtung oder Widerstand nach Maßgabe der vorhandenen Verteidigungsmittel gab. Loucheur sowohl wie Briand haben den Ruhreinbrnch zwar später verteidigt, waren ihm aber vor seiner Aussühruna durchaus abgeneigt und haben ihn immer als einen Fehler betrachtet, wenn sie es anck nur vorsichtig in ilften Reden andeutctea. Mit PoinearS ist der größte Zerstörer nach dem Kriege abgeaangen. Aber leider weiß man noch nicht, ob er nicht doch wiederkommt!
Um Deutschlanbs„Vssichten
Die Sachverständigen-Gutachten.
(Eigene Drahtmeldnng.)
Paris, 27. März.
Wir bereits mitgeteilt, erwartet man für Mittwoch die Uebergabe der Sachverständiqeu- Berichte an die Re p a r ati o n s kom mi s s i o n. Diese Uebergabe wird wahrscheinlich mit denselben Zeremonien vor sich geben, mit denen die beiden SachverständigenauSschüffe s. Zt. eingesetzt worden sind. General Dawes und MarKenna werden von ihren Mitarbeitern umgehend beauftragt werden» den Bericht in die Hände Barthvus zu legen, der ihn dann der Reparationskommission übergibt. Ein Teil der tcchnisc^n Anlagen zu dem Sachverständigeit- Bericht ist gestern in Druck gegeben worden. Der Bericht des ersten Ausschusses, der den umfangreicheren darstellt, wird in dm Drucklegung sehr gefördert worden und erscheint in einer Auflage von fünftausend Exemplaren.
nett Jedenfalls wäre dadurch eine Verzöge- rnua der Umstellung der bevorstehenden Verhandlung erfolgt, wag ber allgemeinen Sage in Europa, nach der Ansicht in der Umgebung des Ministerpräsidenten, nicht zuträglich geroefrn wäre. Nebenbei fehlt cs nicht anPoinearö----- —, — —
feindlichen Stimmen, die, abgesehen vonIauch die Liberalen mit Wohlwollen gegenüber. (I
poincark Rücktritt,
ein überraschendes Ereignis.
AuS Pari? kommt die überraschende Nachricht, daß die französische Regierung zurückgetre- ten ist. weil die Kammer gegen das Pensionsgesetz gestimmt hat. Obwohl der Finanzminister de Lasteyrie die Vertrauensfrage stellte, hat die Kammer doch das Gesetz mit 271 gegen 264 Stimmen an die Kommission zuruck- überwiesen. Daraus hat die Regierung ihre Demission gegeben, die vom Präsidenten angenommen worden ist. Dieser Sturz PoincarSs dicht vor den Wahlen, von denen er eine Be- fcftiaitna seiner Herrschaft erhoffte, wird selbst in Parts im Augenblick verblüffend gewirkt haben. vielleicht sogar auf die Kammer selbst, die wnder einmal einer ihrer Gefühlserregungen gefolgt ist. Zwar war es um PoinearS in den letzten Wochen immer einsamer geworden, von Abstimmung zu Abstimmung bröckelte seine Mehrheit ab, und selbst im Senat hat er auch bet Anwendung aller Druckmittel nur noch eine Mehrheit zu erreichen vermocht, die man kaum noch als ausreichend für einen gefährdeten Staatsmann ansehen konnte, und die jedenfalls seine Autorität nicht stärkte, sondern deutlich zeigte, daß der Glaube an PoinearS als Staatsretter verschwunden war und er unr noch gehalten wurde, um Deutschland mit seinem Sturze keine Freude zu machm.
Keine Aendenmg der ßolitif
Millerand will PoinearS halten.
(inten durchzuführen. Im Falle, daß man der Fortführung der Politik feindlich gesinnt sei, werde der Präsident der Republik für feine Pcr- fon die Folgerungen ziehen, die notwendig find.
Neuer Auftrag für Piolncars.
Paris, 27. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der Präsident der Republik hat nachmittag PoinearS die Neubildung des Kabinetts angeboten, der sich Vorbehalten hat, biö heute mittag zu antworten. — PoinearS hat gestern abend eine längere Unterhaltung mit dem Präsidenten des Senats und der K a m- mer gehabt. Er lehrte erst gegen 10 Uhr in feine Wohnung zurück und arbeitete bann noch mehrere Stunden. Ein Minister, der kurz vor-