Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
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Si nmmer 72. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.
Dienstag, 25. März 1924.
Einzelnummer 10 Pf-. Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
Monalö bemüht sich bei Jfoincatf.
Brudervölker.
Deutschlands Verbindung mit Oesterreich.
Nach dem kurzen Aufenthalt in Wien sind der deutsche Reickskanzler und der Retchsaußenminister wieder in Deutschland. Die gastliche Ausnahme, welche sie in der österreichischen Hauptstadt, sowie bei der österreichischen Presse gesunden haben, war überaus herzlich, durchaus ab gestimmt aus den traditionellen Ton der Freundschaft, die seit Jahrzehnten die st a m m e s v e'r w a nd t e n Völker verbindet. ' Wenn das oppositionelle Wiener Blatt bei diesem Anlatz einige hämische Bemerkungen glaubte nicht unterdrücken zu können, die nur diktiert waren von engbegrenztem Parteifanatisnms, so hat der Reichs autzenmini- ster Dr. Strcsemann ein solches Verhalten bereits treffend charakterisiert, wenn er in seiner Wiener Rede cmsführte: „International totro nur der wirken, der national benlt." Den Leuten ans den Streifen dieser Wiener Zeitung bleibt nach dem richtigen Satze Dr. Strefemanns auch ihr internationales Wirken nur eine leere Phrase, eine Tatsache, welche die Erscheinungen der Kriegs- und NaMriegszeit zur Genüge bewiesen haben. Man mochte fast sagen, datz es höchste Zeit war, die Bande wieder fester zu knüpfen, welche Deutschland und Oesterreich, die beiden im Kriege verbündeten, durch die Nachkriegszeit schwer getroffenen Völker, einen.
Viel bittere Mißstimmung ist m dieses Verhältnis gekommen, vor allem durch die Erinne- rung an die unerquicklichen Erscheinungen, die sich cm die letzte Kriegszeit knüpften. Man darf nicht vergessen, daß in dem Falle nicht das Volk für die Sünden des Führers büßen muß. Der letzte Habsburger war ein Mann, dem jeder politische Weitblick fehlte, zu eng begrenzt durch die Linien einer überb-bten Hausmachtpolitik und nicht zuletzt zu sehr beeinflußt tunt der Clique am Hofe, welch: unter Führung der Kaiserin eine eigene Politik glaubte machen zu können. Mr müssen »ns daran gewöhnen, die Bewertung dieser Erschetnung mehr den kritischen Historikern zu überlassen, als sie in den Bereich Mttischer Erörterungen zu ziehen, welche die Gegenwartsfragen zu lösen haben Es war daher klug von beiden Setten, wenn in Wien nicht aufs neue der Vorhang von diesen recht trüben Bildern genommen wurde. Ebenso geschickt ober war e®, wenn sowohl der österreichische Bundeskanzler Seipel, wie der deutsche Reichskanzler Dr. Marr anknüpften an die Zeiten der gemeinsamen schweren Rot und hinwiesen mtf die Solidarität der Interessen, welche Deutschland und Oesterreich vor allem in wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung nach wie vor verknüpfen. Man darf mit guten Gründen annehmen, daß die Wiener Bcspreckungen in der Richtung bald greifbare Ergebnisse zeitigen werden, die selbst wieder eine Brücke bilden. auf der sich die deutschen Völker Mitteleuropas hoffentlich tn nicht zu ferner Zeit begegnen können. Die Trennung der Nachkriegszeit war und ist ja noch eine gewaltsame, Die Pofitik, welche die Entente Deutschla nd und Oesterreich gegenüber verfolgt, ist bekanntlich sehr weit verschieden von dem Grundsätze, den Wilson in seinen vierzehn Punkten proklamierte, daß man die Völker nicht verschieben dürfe, wie die Figuren auf einem Schachbrett. Jede Annäberuna politischer Natur zwischen Deutschland und Oesterreich hat Frankreich Lis jetzt mit allen Mitteln hintangehalten. , „ *
Es ist vielleicht angebracht, in diesem Zus-rm- menhange nochmals darauf hinzuweisen, daß gerade in der Zeit nach dem Zusammenbruche die Annäherungs-Bestrebungen zwischen Deutschland und Oesterreich in beiden Ländern ein ziemlich laittes Echo gefunden haben. Nach siebzig Jahren war die großdentscke Idee lebendiger denn ie geworden. Sie zunächst durch wirt- sck«stliche Röte zu unterdrücken, bat Frankreich kein Mittel unversucht gelassen. Und doch wird der rauhe Gang der Ereignisse, ob früher oder fester, dartun, daß die deutschen Völker Mittel- eurova?. die berufenen kultttrellen und wirtschaftlichen Missionäre des neuen Europa sein werden. Es ist ein Verdienst des deutschen Reichsaußenministers Dr. Sttesemann. auf diese Zusammenhänge eindeutig knnqewiesen zu haben. Das Frühlingsahnen, das ans den Reden der beiden führenden Staatsmänner Deutschlands und Oesterreichs sprich, hat auch in dieser Rede StresemannS besonderen Ausdruck gefunden, in der er es als die erst: Aufgabe, der deutschen Regierung bezeichnete, die Deutschen ftei- zumachen an der Ruhr, am Rhein und in der Pfalz. Und er hat Wohl allen Einsichtigen in Deutschland und Oesterreich aus dem Herzen gesprochen, wenn er hinwies auf die Seelenge- meinschaft putschen den beiden stEmesverwandten Völkern, eine Seelenoemeinschaft, die ein nicht zu unterschätzender Fattor für die zukünftige Entwicklung sein dürfte, und an deren Stärke schließlich auch die Rankünen der Diplomatie zerschellen müssen.
Der italienische Historiker Ferrero schreibt in seinem Werke .Die Tragödie des Friedens'',:
»Europa ist ein Chaios, alle alte Ordnung ist ge- Wrzt, jede Autorität ist gefallen. Es regiert illein die Gewalt, die rohe, nackte Gewollt, entweder in ein paar rote Lappen gebullt oder in ein paar Fetzen einer nationalen Fahne." Deutschland und Oe'sterrcich leisten indessen Friedensarbeit und damit kulturelle Arbeit im höchsten Sinne. Das ist letzten Endes die Gemeinsamkeit des Blutes und des Geistes, von der Reichskanzler Marr in Men gesprochen hat. Diese Arbeit gilt nicht nur den beiden in betracht kommenden Völkern, sie gilt auch weiterhin für die ganze Welt. Die Reden, die in Wien gehalten wurden, erheben sich bedeutend Über das politisch-diplomatische Spiel, das in dem Briefwechsel des französischen und englischen Ministerpräsidenten sich widerspiegelt, wo sich hinter der Phrase doch nur die Selbstsucht verbirgt. Weder in Berlin, noch in Wien macht man heute eine Politik der Illusion, und deshalb scheint die Hoffnung nicht ganz unberechtigt, daß doch noch an diesem deutschen. 6er» üngtem Wesen die Wett genesen wird.
Unter dem fremden Druck. Zusammenkunft Macdonalds mit PoincarS?
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 24. März.
Bisher wurden die Gerüchte über eine bevorstehende Zusammenkunft zwischen Poin- cars und Macdonald zwar noch nicht offiziell bestätigt, aber sie wurden auch keineswegs mehr dementiert. Vielmehr kann man an zuständiger Stelle hören, daß über das Prinzip der Zusammenkunft keinerlei Zweifel mehr bestände, sondern n «r noch über den Zen« punkt. Am heutigen Montag wird der französische Botschafter in London deswegen eine wichtige Unterredung mit Macdonald haben. Es sollen dann die diplomatischen Verhandlungen auf dem üblichen Wege zwischen Paris und London fortgesetzt werden, die dann sehr baw -zu einer persönlichen Aussprache zwischen den beiden Premierministern führen werden. Inzwischen rückt dann auch die Zusammenkunft Mischen TheuniS und PoincarS heran-
Die untragbaren Micumvertrüge.
Berlin, 24. März. fPrivattelegramm.) Entgegen den aus Essen eintrefsenden Meldungen, die wegen der Verzögerung der Sachverftändi- gen-Berichte von einer kurzfristigen Verlängerung der Mirum-Verträge sprechen, wird tn Berliner unterrichteten Kreisen darauf hingewie- sen, daß auch eine solche kurzfristige Verlängerung an der materiellen Undurchsüyr- barkeit der weiteren Erfüllung der Mirum- Verträge scheitern müsse. Die Ruhrindustrie und der Bergbau werden nicht dazu in der Lage sein, und auch auf feiten der Reichsregierung wird nach wie vor mit Rücksicht auf den Stand der Reichsfinanzen auf die abfolnte Unmöglichkeit einer Verlängerung dieser Verträge hingcwiesen. Auch Sonderabmachungen einzelner Industrien mit der Mirmn sind jetzt nickt mehr möglich, weil bald nach dem Abschluß des großen Abkommens zwischen dem Sechser-Ausschuß des Bergbaulichen Vereins nnd der Mirmn sämtliche Gruppen der rheinisch- weMlischen Industrie geschloffen dem Hauptabkommen beigetreten sind.
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Weiierzavlung der Desatzunaskvsten!
Berlin, 24. Mürz. (Privattelegramm.) Die erste Sitzung des Reichskabinetts nach der Rück» kehr des Kanzlers aus Wien hat u. a. der dringenden Frage der Weiterzahlung der Be- satzungSkosten am L April gegolten. Wir wir zuverlässig hören, Hai das Kabinett auf btt Befürwortung Dr. Stresemanns hin, feine Z »- stimmnug ausgesprochen.
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In französischer Gewalt gestorben.
Koblenz, 24. März. (Privattelegramm.) Der von den Franzosen nach der Insel Saint Martin de RS deportierte Wilhelm Dreyer ist dott gestorben. Dreyer, der am 28. Juni vorigen Jahre in Mainz wegen angeblicher Sabotage zu ttbenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurde, ist am 20. Oktober nach Saint Martin de RS transportiert worden, wo er an einem alten Nierenleiden schwer erkrankte.
Streik-Ende in Hamburg.
Schlichtung durch den Reichsarbeitsminister.
(Eigene Drahtmekdung.)
Hamburg, 24. Mürz.
Im Hafenarbetterstreik sanden, wie berichtet, am Sonnabend Verhandlungen unter Lettung des Reichsarbettsrninisters Braun im Rathause statt. Da trotz dreizehnstündiger Beratungen eine sachliche Einigung nicht zu erzielen war, unterwarfen sich die Parteien der Entscheidung eines Unparteiischen. Als solcher wurde
der ReichSarbeitSminister gewählt. Dieser fällte daraufhin folgende Entscheidung: Nachdem die Parteien der Hafenbetriebsvereine Hamburg, so- wie der Verkehrsverüand und Zentralverband der Maschinisten und Heizer in dem Hamburger Hafenstreik mir als Unparteiischem die endgültige, sür beide Teile verbindliche Entscheidung übertragen haben, bestätige ich den S ch i e d s. spruch des Schlichters von Hamburg vom 18. März. Dabei stelle ich im Einvernehmen mit den Parteien fest: Die Kattenansgabc erfolgt fottan in Verbindung mit dem Hafenbetriebsrat. Die Arbeit im Hamburger Hafen ist am Dienstag den 25. März wieder auszunehmen.
DersmnrösiMeMchtsbmch.
Dawes gegen die Ruhrbesetzung.
(Privat-Telegramm.i
Paris, 24. März.
Der amerikanische General Dawes, Vorsitzender^ des Ersten Sachverständigen-Ausschuf- fes, hatte geäußert, daß der Ausschuß nicht vorhanden wäre, wenn die Franzosen nicht an der Ruhr wären. Einem amerikanischen Korrespondenten gegenüber bemerkte nun Dawes noch: Die Ruhrbesetzung sollte zwar den Deutschen begreiflich machen, adß sie zahlen müssen. Aber sie habe auch den Franzosen b e - greiflich gemacht, daß die Besetzung an sich die Reparationszahlungen nicht ermöglichen könne. Diese Erkenntnis werde die Franzosen dahin bringen, die H a l - tung aufzugeben, die sie bisher eingenommen haben. Sie hätten immer nur die fosortige Bezahlung ungeheurer Summen verlangt. Jetzt würden sie wohl geneigt fein, etwas weniger strenge Bedingunoen für die Regelung der Reparationen in Betracht zu zielen. Dazu ist zu bemerken, saß P o i n r a r S in d-^ Kammer d i e Unwahrheit gefügt hat. Er hat vor dem Parlament zweimal die Acußerung fo wiedergegeben, als wenn Dawes die Ruhrbesetzung als gerecht und vorteilhaft anerkannt hätte; der Mi- nffftrpräsident hat aber kein Wort davon gesagt, daß der General Dawes hoffe, die Erfahrungen der Rnhrbesetzung würden die Franzosen zu einer Aenderung ihrer Haltung veranlassen.
9ttacfr>nai6e Erklärung.
London, 24. März. (Privattelegramm.) Macdonalds Erklärung, datz die stanzöstsch-bel- gische Ruhrbesetzung ungesetzlich ist, hat in Paris mißfallen. Dazu schreibt der Londoner „Daily Telegraph«: Wie falsch die französische Einstellung sei, könne man daraus entnehmen daß England die Sicherheit Frankreichs nicht garantieren könne, wenn die Franzosen im Ruhrgebiet blieben. Die englische Regierung fei schon weit genug gegangen, als sie sich zur Zusammenarbeit mit Frankreich bei der Wiederaufnahme der Militar- ko ntrolle bereit erklärte. In London fei man auch nicht einverstanden mit dem Vorgehen der Rheinlandkommifsion, die den pfälzif chen Kreistag ersucht habe, seine Regierungstätigkeit provisorisch fortzusetzen. Man sei der Ansicht, je eher diese unregelmaßi- gen Zustände aufhörten, deren ungebührliche Fortdauer sich weder durch den Friedensvettrag, noch durch das Rheinlandabkmnmcn rcchtferti- geu lasse, desto besser wäre e&
Lnr öea Völkerbund.
Paris, 24 März. (Eigene Drahttneldimg.) Das Vorgehen Macdonalds bei PoincarS, das u. a. auch Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund vorfchlägt, stellt einen Teil des mn 19. Februar in Baris übergebenen engli- schen Reparationsplanes dar. Auf diefe englischen Vorschläge sei Frankreich bisher nicht zurückgekornmen. weil die Entscheidung der Sachverständigen noch nicht vorliegt. Es sei jedoch richtig, datz Macdonald am 3. März an eine Beantwortung seines Planes erinnert habe.
Spannung in München.
Die Wirkung des Hitler-Prozesses. (Privat-Telegramm.)
München, 24. März.
Die Spannung in München nach den Strafanträgen deS Staatsanwalts im Httlerprozeß zeigt sich auch im Stratzeubild. Immer öfter tauche« auch in der inneren Stadt nationalistische Ansammlungen auf, die von der Polizei vertrieben werden müssen. Das Regie- rungsgebäude, in dem Herr v. Kahr wohnt, ist besonders stark gesichert, nachdem sich neue Kund, gebnngen gegen v. Kahr ereignet haben. Heber besondere militärische Sicherungs-Maßnahme n am Tage der Urteilsfällung fand eine Konferenz unter Zuziehung des Justizministers im Ministerium des Innern statt. Wie zuver- läfsig verlautet, wurde die Urlaubsspcrre für Zteichswehr und Polizei bis 2. April verlängert.
Unser Oberschleflm.
Drei Jahr« nach dem Abstimmungstage.
Des 20. MSrz 1921, an dem tn OberfWefiett die AdsttmmnngSscylacht geschlagen tourbe, wurde gestern Soantag auch in Kastel gedacht.
Drei Fahre schon seit jenen Tagen und Nächten, da wir nicht vom Bcchuhof oder aus den Räumen des damals noch vorhandenen Residenztheaters kamen, von dem aus die Teilnehmer an dem großen Pilgerzug gen Oberschlesien mit Musik und Gesang abzogen ...? Die Zeit verrinnt, doch das Erinnern verblaßt nicht und ... es darf nicht bleichenl Zur öffentlichen Gedächtnisseier hatten die Heimattreuen Oberschlesier durch ihre seit nunmehr fünf Jahren vereinigten Verbünde geladen, die Bevölkerung 'owohl als auch die Behörden und der Erfolg ... außer den Heimattreuen waren nur wenige Vertreter der .Allgemeinheit" erschienen und die Behörden ...?! Der Vorsitzende der Lan. desgruppe Frankfurt a. 9JL, Klemnitz, der hierher gekommen war, obwohl die Frankfurter selbst Feierlichkeiten aus Anlaß der Abstim- mungsschlacht haben, mußte öffentlich das Ausbleiben der Behörden feststellen. Der Frankfurter Gast» Vorstandsmitglied des Zcntralvcrbands der Heimattreuen (Sitz Breslau) rief dann dazu auf, nie zu vergessen, daß Oberschlesien ein äußerster deutscher Posten im Osten ist, daß es uns int Vorjahre, als un Westen gekämpft wurde, mit dem Notwendigsten allein versorgte und dann gab er zu: Der große Pilgerzug nach der oberschlesischen Heimat wurde vor drei Jahren angetreten, obgleich man von vornherein die Aussichtslosigkeit wußte, aber dennoch ... die Geschichte darf nicht in späterer Zeit sagen, es Wäre versäumt worden, alles zu tun, was hätte getan werden r°-üsser«! Fm Schmachsrieden von Versailles war bereits alles abgekartet, wie in Oberschlesien der deutsche Lebensnerv durch- schnkiten werden sollte. Aber trotzdem ... Ober- sckckefien bleibt eine schwebende Frage, die eines Tages wieder aufflmnmt und neue Bedeutung erlangt! Deshalb bewahre jeder Oberschlesier seine Heimat in treuem GÄenken:
Wer die Heimat nicht liebt Und die Heimat nicht ehrt. Der ist fürwahr
Der Heimat nicht wert!
,3rn Flammenworten rief dann Dr. Bell da? deuflche Gewissen auf. Er erinnerte daran, daß zur Zeit der Maria Zcheresia, als Friedttchs des Großen Name die Welt erfüllte, in Oberschlesien nur recht armselige Hütten standen. Dann haben Deutsche in 150 Jahren Grube an Grube in die Erde gebohrt, Werk reihte sich an Werk, eine Stadt nach der anderen, entstand und jenes Wundernetz deuffcher Arbeit wurde geschaffen, das nur Varbarenhände zerreißen können. Hätten wir nur diesen Schein des Rechts, er genügte: Wir haben Oberschlesien zu dem gemacht, was es ist, und so muß es uns gehören! Ter 20. März 1921 ist das ungeheuerlichste Geschehnis der Weltgeschichte. Der Name ds sranzösi- schen Generals Lerond darf nicht vergessen Soerben. Er muß mit schwarzen Lettern in das Buch unseres Unglücks eingetragen sein. Wie dieser .Treuhänder" zu „treuen Händen" gewaltet, ba8 ist bekannt. Hätten 99 Prozent für Deutschland gestimmt, das Ergebnis der Scha- cherwirtschast von Genf im Namen des Völkerbundes würde genau das Gleiche gewesen sein. Zwei Aufstände zettelten die Polen an und alS der dritte kam, da flammte der deutsche Zorn empor, da kam der Grenzschutz, da wurde der Annaberg gestürmt und unter diesen Helden war Mbert Leo Schlageter! Nun aber erschien Frankreich und wir dursten nichts mehr tun, mußten die Faust in der Tasche ballen, dieweil sich der Pole an unserer Kehle verklammerte. Oberschlesien wurde zerrissen. Wer jetzt von dort kommt, berichtet tränenden Auges, was er dort gesehen, wie das, was deutscher Fleiß errichtet, in Schmutz unub polnischem Schlamm erstickt. Oberschlesien gleicht beute einem komplizierten Elektrizitätswerk, in dem der lebendige Strom (hier deutsche Arbeitskraft, deutscher Arbetts- willel nicht mehr wirkt, weil er willkürlich unterbrochen worden ift ... daran muß dieses Werk zugrunde gehen? Uns bleibt nur ein Hoffen, das ein schlesischer Dichter in die Worte gekleidet hat:
Eine Zeit wird kommen, Da macht der Herr ein End, Da wird den Falschen genommeu Ihr unrecht Regiment ...
Fetzt nutzt kein Rückwärtsschauen, es gilt in die Zukunft zu schauen. Die Deutschen, die ver- drängt worden sind, kamen bereits zusammen, in Treue zu ihrem Volk, zu ihrer Sprache, und so wenig wie das deutsche Münster zu Straßburg zusammenbrechen kann, so wenig wird auch hier Deutschland zugrunde gehen. , Ter Redner wies an dem großen Geschehen in Essen, im Banat, dem Land, das unsere Kinder ausgenommen hat und am großen Brand in PirmasenS nach, daß überall der Deutsche erwacht. Das