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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Nummer 71. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. Sonntag, 23. März 1924. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang
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Um Veulschland und öen Völkerbund.
Bewegte Tage. Lnaufhörltche Kampfstimmung.
Man kann nicht gerade sagen, daß in diesen Lagen die Gemüter mehr erregt wären als sonst. Wer sich mit Politik befaßt, könnte leicht in einen Zustand dauernder Erregung kommen, wenn er sich nicht durch Selbsterziehung Vie nötige Ruhe aneignet. Auch gibt der beendete Reichstag keinen Anlaß mehr zur Unruhe, und doch liegt eine unaufhörliche Spannung über dem deutschen Volke. Grund dazu gibt zunächst einmal die'Vorbereitung zur Reichstags. Neuwahl Zwar ist äußerlich noch nichts von Parteiengeplänkel wahrzunehmen, aber hinter den Kulissen rührt man sich schon recht lebhaft, um bet dem Vorstoß in die Oeffentlichkeit gerüstet zu sein. Die Parteivorstände sind seit einigen Wochen an der Arbeit, die Kandidaien- ltsten aufzustellen und müssen jetzt, da der Ernst des Wahlkampfes bevorsteht, diese Listen fertigstellen. «Daß es dabei vielerlei Schwierigkeiten. die ans taktischen Erwägungen heraus entstehen, zu überwinden eibt, ist diesmal besonders bedeutsam, weil fast -alle Parteien vor der Aufgabe stehen, aus die Sonder bestre- b u n g e n in den eigenen Reihen Rücksicht zu nehmen. Angesangen von den Deutschnationalen lis zu den Sozialdemokraten treten in jeder Partei Spaltungsabsichten hervor Ueberall gibt es Gruppen, die mit der seitherigen Politik ihrer Partei nicht zufrieden sind. Ta sie sich aber nicht so weit abzweigen, nm zu einer Nachbarpartei überzuaehen, sondern eigentlich an ihren alten Grundsätzen festhalten, so versuchen sie ihr Heil in Sondergruppen.
Welche Kurzsichtigkeit' Muß man denn um einzelner Programmpunkte willen dem Freund den Rücken zukebren? Glauben diese Eigenwil- ligen, daß das Wohl des Vaterlandes mit ihren SondckNMnschen im Einklang stehet Gerade die Eigenbrödelei zeigt immer,»aß nur eng begrenzte Absichten verfolgt werden. Es ist noch immer das alte Lied, daß das deutsche Volk seine Kraft in innerem Hader zersplittert.. Selbstgefällige Leute haben diese Zersplitterung gerne mit der deutschen Intelligenz begründet, da denkende Menschen ihren eigenen Kopf haben. Ja, den eigenen Kopf haben sie, aber leider denken sie meistens nur für ihren besonderen Inter« essenkreiS und nicht für das große Ganze, sonst würden sie eher zu der Einsicht kommen, daß dem VoVe nicht durch eine Politik vom engen Gesichtskreis aus geholfen werden kann, sondern nur durch eine Politik von hoher Warte auS, von der man unser Volksganzes und noch darüber hinaus die Weltvölker zu überschauen in der Lage ist
Auf diese Kurzsichtigkeit ist eS auch zurück- zufübren, daß in den letzten Jahren so oft von den Links- und Rechtsradikalen versucht wordeu ist, die stete Entwicklung des Reichsausbaues »u stören. Man hat versucht, in den Gang der Ereignisse gewaltsam einzugreisen und sie nach einer bestimmten Richtung vorwärts zu treiben Daß dabei idealistische Beweggründe treibend ge« wesen sind, darf man ohne Zweifel annehinen. Aber es liegt auch offen zutage, daß starke realistische Gründe bet Vielen mitgesprochen haben, die ihre Sonderinteressen verfolgten. Jedenfalls hat man von beiden Außenflügeln die Gewißheit, daß ihr Vorgehen die Lage nicht gebessert hat. Die große V e r w i r r u n g, die durch den Hitlerprozeß enträtselt wird, sagt uns genug. Muß man den Nationalsozialisten immerhin zugute holten, daß sie in Vaterlands- Nebe den Aufbau zu beschleunigen gedachten, so mutz man den Kommunisten die gute Absicht rundweg abfvrechen, denn sie wollten nur die Zerstörung. Dazwischen standen die Kreise der bürgerlichen Mitte mit einem großen Teil der Arbeiterschaft, die oft nicht wußten, waS geschehen würde, die ganz vom Existenzkampf in Anspruch genommen wurden und in ihrer un- beirrten ruhigen Arbeit das breite staatserhal- t'nde Element bildeten. Zn ihnen stand auch btc Reichswehr, die den Putschen der Minder- heilen entgegengetreten ist und für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung gesorgt hat. Es ist das Streben des Ellefs der Heeresleitung, Generals v. Seeckt. gewesen, das Militär von der Politik fern zu halten. Das ist eine Haltung, die ihm dankbar anzurechnen ist,, denn wenn das Militär Politik treibt, kommt nur eine einseitige Herrschaft zustande.
Die Führung des Slaatslebens liegt lediglich den Staatsmännern ob. Die dazu geeigneten, fähigen Staatsmänner zu finden, liegt letzt in der Hand des Volkes, dem durch die Wählen die Gelegenheit dazu gegeben ist. Wir brauchen Männer, die sich nicht von ungestümer Begeisterung zu Unüberlegtheiten hinreißen lassen, sondern kluge, klarblickende Köpfe, die die harte WiMichkcit sehen; die alle Möglichkeiten zur Besserung ansnützen und dabei dte vorhandenen Schwierigkeiten nicht außer acht lassen, sondern sie mit diplomatischem Geschick zu umgehen wissen. Allerdings sind bisher die Möglichkeiten ost nickt ansaenutzt worden. Daß uns große Hindernisse im Wege liegen, die
wir nicht einfach zu überspringen in der Lage sind, ist für jeden Einsichtigen klar. Mit den inneren Schwierigkeiten läßt sich fertig werden Bedrohlich sind aber die äußeren. Wie die Enthüllungen der letzten Tage über das französisch-tschechische Militärbündnis uns mit krasser Deutlichkeit in Erinnerung gerufen haben, ist Deutschland mit Stacheldraht und Geschützen umgeben, die uns in ständiger Gefahr festhalten Uns gewaltsam zu befreien, sind wir leider nicht in der Lage, nachdem wir einst unsere Waffen fortgeworfen haben. Jetzt bleibt keine andere Wahl als klar und zielbewntzt, durch eine kluge Politik, durch Weitblick und Diplomatie uns durchringen zu einer steten Aufwärtsentwicklung, an deren Anfang wir jetzt stehen. K. F. D
Deutschland und Völkerbund Ein neuer Vorschlag Macdonalds. (Eigene Drahtmeldung.)
London, 22. Mürz.
Mordonald hat einen neuen Brief an Poin- cars gerichtet, worin folgende Darlegungen enthalten sind:
1. Frankreich hat das Recht (!), eine Regelung der Frage der Sicherheit zu fordern, „da es fetzt in der Lust hänge", nachdem Groß, blitannien und Amerika das geplante Sicher- heitsabkommcn verworfen hätten;
2. entwickelt Macdonald die Ansicht, die „deutsche Gefahr" möge für Frankreich in derselben Weise bestehe», wie die französische Gefahr für Deutschland nach 1870 bestanz», unp her müsse man gegen diese Gesahr Borkeh- rnngen treffen;
3. legt Macdonald Einspruch gegen Militärverträge in der Form der Vorkriegszeiten ein, weil er glaube, diese erzeugen neue Kriege. Er schlägt daher vor, daß Deutschland in den Völkerbund ausgenommen werde, damit Deutschland sowohl als Frankreick durch den Völkerbund die gleiche Dek- kung finden. Wenn dies erfolgt sei, schlägt Mac. donald eine britische Garantie vor, in der Großbritannien zusagt, alle seine Streitkräfte zu Lande, zur See und in der Lust gegen das Land anzuwenden, das einen Konflist provoziert, ohne den Streitfall zuerst dem Völkerbund unterbreitet zu haben.
Die weiteren Vorschläge Macdonalds be- ziehen sich aus die endgültige Regelung der gesamten Reparationsfragen.
Die Auffassung in England.
London, 22. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die „Times" schreiben zu dem Schriftwechsel Macdonalds mit Poinrars, daß die Tat
sache des Vorschlags Macdonalds, Deutschland
geschloffenem Zuge in die Innenstadt zu ziehen. Als sich in der Kieler Straße Polizei- b e a m t e der Menge entgrgcnstellten, wurden sie unter den Rufen: „Schlagt die Hunde tot!" heftig bedrängt, so daß die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen mutzte. Mehrere Personen wurden verwundet, darunter, wie bisher festgestellt ist, ein Zivilist durch Bauschsckutz, schwer. Verstärkungen, die von der grünen Polizei eingesetzt wurden, zerstreuten die Ruhestörer.
Verständigungs-Versuche.
Besuchsaustausch mit dem französischen Gesandten (Privat-Telegramm.)
Berlin, 22. Mürz.
Am gestrigen Vormittag wurden die Besprechungen des Reichskanzlers Dr. M a r x und des Außenministers Dr. Stresemann mit de» Wiener amtlichen Stellen abgeschlossen, so daß die Abreise der beiden Herren bereits am Nachmittag erfolgen konnte. Rach Wiener Meldungen hat es dort Aufsehen erregt, daß Marx und Stresemann bei ihren diplomatischen Visiten in Wien auch dem französischenGesandten ihre Aufwartung gemacht haben. Dieser soll sich über den Höflichkeitsbesuch der deutschen Staatsmänner sehr befriedigt geäußert haben und hat ihn sofort erwidert. Er hatte bei der Gelegenheit eine längere Aussprache sowohl mit Marx, wie auch mit Stresemann. — Wie weiter berichtet wird, soll der österreichische Bnndeskanz. ler Seipel bei seinen Berlin^ Gästen warm für eine Verständigungspolitik Frank- reich gegenüber eingrtreten fein, und cs wird hinzugrfügt, daß Dr. Seipel unmittelbar vor der Ankunst der Berliner Staatsmänner eine Unterredung mit dem französischen Gesandten hatte.
Aus der Wahlbewegung.
Verhandlungen und Hoffnungen der Parteien. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 22. März.
In ganz Deutschland geht der Wahlkampf im großen Stile fort. Innerhalb der Sozialdemokratie einigten sich der rechte und der linke Flügel fast durchgehend, wobei der linke Flügel größtenteils die radikalen Spitzenkandidaten durchgesetzt hat. Auch in der Deut- scheu Volkspartei zeigt sich große Rei- gung, den interfraktionellen Konflikt bts nach den Wahlen zurückzustellen. Die völkische Presse rechnet mit einem Einzug von mindestens 30—10 Deutschvölkischen in den neuen Reichstag, während die „Rote Fahne" die Erwartung auf einen sicheren Gewinn von 70—80 kommunistischen Sitten ausspricht. Hugo StinneS hat sich am 21. März einer Gallenstein-Operation unterziehen müffen. Das Befinden ist gut. Immerhin ist die Gesundheitsstörung so nachhaltig, daß es für StinneS nickt möglich sein wird, sich in der nächsten Zeit parlamentarisch zu beschäftigen. Seine Kandidatur scheidet damit aus.
in den Völkerbund aufzunehmen, bereits seit Anfang dieses Monats in politischen Kreisen bekannt war. In Verfolg dieses Schrittes sei schon damals der deutschen Regierung durch den Botschafter in Berlin nahegelegt worden, Deutschlands Ausnahme in den Völkerbund zu gegebener Zeit nachzusuchen. Die Stellungnahme der deutschen Regierung sei bis heute nicht bekannt geworden, sie sei aber auch deshalb nicht dringend, weil Poincars auf das Schreiben Macdonalds bis heute nichtge - antwortet habe. Die gestrigen Londoner Abend-Times bezeichnen Macdonalds Schritt als wenig aussichtsreich, da Poincars vor den Wahlen keine Zusagen geben werde.
Die Tagung in Senf.
London, 22 März. iPrivittelearamm) Englische Blätter wollen wissen, daß Premier Macdonald entschlossen sei. an der im September stattfindenden Bölkerbundsversammlung in Gens persönlich teilzunehmen. Daily Newk bemerken dazu, daß in diesem Falle kein Ministerpräsident eines großen Staates den Verhandlungen werde fernbleiben können. Genf würde dann das werden, was es fein falle: Das Zentrum und die Wendung der Weltpolitik.
Kommunistische (Störung.
Eine Schießerei in Hamburg. (Privat-Telegramm.)
Hamburg, 22. März.
Gestern abend gegen sieben Uhr verfuchten drei- bis viertaufend Teilnehmer einer kommunistischen Versammlung in Hamburg in
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Die Auslegung« frist für die Listen.
Berlin, 2>. März. (Privattelegramm.) In Abänderung der Verfügung des Reichsministers des Innern ist für Preußen gestattet worden, daß die Auslegungslisten für die Gemeindewahlen auch für die Reichstagswahlen gültig find. Mithin ist für beide Wahlen in Preußen eine einheitliche vierzehntägige Auslegungsfrist angeordnet, die am 30. März beginnt und am 13. April endet.
Rücksicht auf die Karwoche.
Berlin, 22. März. (Privattelegramm.) Im Namen der im deutschen evangelischen Kirchenbunde zusammengeschloffenen evangel. Landeskirchen hat sich der deutsche evangelische Kirchenausschuß mit einem Schreiben an alle Reichstagsparteien gewendet, in dem die Bitte ausgesprochen wird, in der Zeit vom 13.-21. April d. Js. den Wahlkamps ruhen zu lassen u. d-n Frieden der Karwoche nicht zu stören
Unter dem fremden Druck.
Die Zahlungs- und Garanti-pläne.
(Eigene Drahtmeldnng.)
Paris, 22. März.
Der Pariser Timeskorrespondent meldet, die neuerliche Anwesenheit Dr. Schachts in Paris habe die Frage der deutschen Zahlungsfähigkeu. noch immer n i ch t g e l ö st. Zwischen den französischen und englischen Forderungen bestehen noch Difterenzen, die schwer überbrückbar seien. — Ter Mailänder Corriere della Sera bringt die noch unbestätigte Pariser Meldung, daß der Dawes-Ausschutz beschlossen habe, auch dir deutsche Post zu entstaatlichen und den Finanzgarantien unter Kontrolle zuzuteilen.
Aus dem Rheinland.
Erst französtsche ... dann deutsche Kinder.
SS ist leider Im unbesetzten Deutschland noch ,u wenig bekannt, wie die deutsche Devöik«. rnng in» Rheinland unter der WiUkiir der Franzosen zu leiden hat. Rur dann und wann werden Einzelheiten berichtet. So schreibt ein Mainzer dem Berliner Lokalanzeiger r Vor einigen Wochen wurde in Mainz das nahe am Rhein gelegene Realgymnatsium von der französischen Okkupation mit Beschlag belegt. Die deutschen Knaben wurden einfach an die Luft gesetzt und in der Töchterschule untergebracht. Seit drei Wochen stecken junge Franzosen in großer Menge in dem deutschen Schnlhaus. Aber nicht genug damit: Heute — zu einer Zeit, wo man sich in Deutschland der Hoffnung hingibt, daß Dank der Gegenströmung der Ententestaaten gegen den Bruch des Versailler Dittates die Annerionsbe- strebungen der Franzosen zurückfluten werden, treten unsere Machthaber überraschend mit dem Plan hervor, das neben dem Gymnasium gelegene grvste Prachtgebäude der Deutschen Fleischer - BerusSgenossen« schäft zu beschlagnahmen, um es mittels Durchbruchs mit dem Gymnasium zu vereinen. Der Komplex würde so ein kleines franzMcheS Stadtviertel in dem schönsten Teil von Mainz bilden, das als Schule und Internat lediglich französischen Kindern zugute kommen soll. In dem Schulgebäude sind alle Vorbereitungen hierzu schon getroffen. Schlaf- und Speisesale, 8 Baderäume^ 16 Klosetts, große Küchen im Untergeschoß fit® geschaffen. Es fehlt nur noch die Vergrößerung durch Anschluß des Nachbar- gebäudes. Zweihunkdert neue französische Knaben sind bereits da.
Die Direktion der Fleischer-BerüfSgenossen- schäft kämpfen wie die Löwen gegen dar Projekt. Sie sind in Verzweiflung, wie sie ihre Büros, wie sie ihre 70 Beamten unterbrin- gen sollen. Sie sind empört Wer die offensichtlich geplanten Vergewaltigung. Sie schrieben nach Koblenz und Köln. Sie appellieren an die Hilfe der Reichsregierung. Wird sie ihnen werden oder ist unsere Regierung vollkommen machtwS gegen jeden noch so empörenden Willkürakt des Feindes k
Es handelt sich hier nicht um ein StaatSge- ißSube, sondern um den Sitz einer Privatge. sellschaf 1, die sich ihr Heim mit riesigem Kostenaufwand an schönster Stelle der Stadt, neben dem alten, kurfürstlichen Schloß geschaffen hat. Außer den Beamten dieser Gesellschaft sollen natürlich mtch alle sonst noch im Hause wohnenden Deutschen Hals über Kopf hinaus aus dem neuerstehenden französischen Stadtviertel. Dabei sind kleine Wohnungen in der ganzen Stadt nicht zn haben, noch nickt einmal Dachkammern. Viel- leicht steckt man die Entrechteten in die neuer, standene große Mietkaserne am Scklackthof, die aber bereits überfüllt und von einfachen französischen Familien besetzt ist. Hier ist nichts unmöglich. und alles geschieht überraschend tückisch und unter dem gefahrdrohenden Zwang des Geheimnisses. Es darf nichts verlautbaren nichts in die Zeitungen kommen, das ist die lichtscheue Methode, dem wehrlosen Deutschen den Hals abzuschnüren.
In Deutschland, insbesondere in Norddeutschland, ahnt kein Mensch, wie es am Rhein zugeht. Vor kurzem ist das Schiller-Schulhaus hier in gleicher Weise wie jetzt das Realgymnasium vom Feind an sich gerissen worden, tebenso Vas neugebaute Lagerhaus einer Speditionsfirma am Rhein. Alle großen Ban» k e n und Hotels sind in französischen Händen. Wie lange werden die Alliierten der Entente, wie lange wird England dem schmachvollen Schauspiel der Franzosenherrschast in deutschen Landen mit verschränkten Armen znsehen?
Iustizabbau im Landtag.
Vertagung der Sitzungen auf den 3. April.
Berlin, 22. März.
Der preußische Landtag behandelte gestern eine Interpellation gegen die Verordnung der Reichsjustlzministers zur Vereinfachung der Rechtspflege. Der preußische Justiz. Minister Am Zehnhoff verteidigte das Vor. gehen des Reiehsjusiizministers mit der Finanz, not und behauptete unter Widerspruch des Hauses, daß mit der Durchführung der Verordnung der Rechtspflege kein Abbruch getan fei. Tie Abgeordneten Oppersdorf (Ztr.) Eickhoff <D Vpt.), Kuttner (Soz.) Derberg (Dn.) Obuch (Komm.) und Höpker-Aschosi (Dem.) bestrit. len das und hoben an der Rede des Justiz« Ministers als einzig erfteuliches Moment hervor, daß nach seinen Erklärungen die Notverordnungen bald wieder aufgehoben werden würden. Die Ausspracke fand im Haufe, das im Durchschnitt kaum stärker als mit 12 bis 14 Abgeordnete besetzt war, kaum Interesse.
Der Landtag v e r t ag t e sich sodann auf dm 3. April. An diesem Tage soll der Antrag der Deutschen Volkspartei und des Zentrums auf die Tagesordnung kommen, her die Verlegung