Einzelbild herunterladen
 

Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Sw Raffelst Sleueften Slarfcriftten er»einen rondientlld-. Ie*8ma_nad)m ttagS. Der Adomie- menttorels betragt für Ute Zett nom 10 bU 81 1.50 Marl bet freier

«ufteUuna ins Sand tn der «efdjättSftelie abgehott 185 tpfe.inigi. Verlag uns Sebaltion: EMachihoMratz! 38/30. - Fernsprecher Nummer 951 und 952. Kur unverlangt eingefandte Beiträge kann die «ebartton eine fcerantroortuna ober Olereäbr tn keinem Stalle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgelbes ober Ansprüche roeaen etwaiger nicht ordnungSmätziger Lieierung ist ausgeschlossen. Postscheck, tonto Frankfurt a. M. Nummer 6880.

«nzetgenpreifei «eschSftSan,eigen Zeile 15 Pfennig. Familien.«»,eigen Zeile 15 Pfennig, «leine Anzeigen da« Wort 2-/, Pfennig, Reklamen die Zeile 50 Pfennig. Ostertg fuhr 10 Pfennig (bet Zusendung bet Offerten 20 Pfennig), Rechnungsbeträge ftnb fttncrftalb fünf Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Rurs des Zahlung-tages. Für die Richtiz. kett aller durch gernsprecher ausgegeoenpn Anzeigen, toroie htr Pufnahmedaten undWage kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem sgfz hundert Prozent Auftchlag Druckerei: «chlachthofstraße 28,80. Geschäftsstelle Kölnische Straße 5. gegenüber der Spohrfiraße. Fernsprecher Nr, 851 und 9a2.

Hessische Abendzeitung

Nummer 64. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Sonnabend, 18. März 1924. Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Sie Auflösung des Reichstags und Neuwahl.

Englands Wandlung

Neigung 8« Frankreich.

Wenn man Vie Nachrichten über die be­drängte Lage des französischen Kabinetts lieft, fühlt man sich in London zunächst versuaft, zu glLnben, das Uebergewicht Mardonalds in sei­nen diplomatischen Unterhaltungen mit Poin- care habe weitere Fortschritte gemacht. Wer dieser Glaub« halt einer genaueren Prüfung nicht stand. Dabei darf man sich natürlich nicht an den Namen Poincars hatten. Es ist leicht möglich, daß bei gegenwärtige französische Mi­nisterpräsident seinen Pliatz sehr bald einem Nachfolger räumen mutz, aber dieser Nachfolger wird heute bei Macdouald eine günstigere Stim­mung für Frankreichs Wünsche finden, cüs er sie vor zwei Wochen gefunden hätte. Der Grund dieses Wechsels liegt keineswegs in der besonderen diplomatischen Gewandtheit der Franzosen, sondern in dem Eindruck, den we Nachrichten aus Deutschland auf Englands öffentliche Meinung machen.

Der Münchener Prozeß, insbesondere die Art der Führung dieses Prozesses begegnet dort einem verständnislosen Kopfschütteln. Das Mitz- trauen, mit dem man diese Dinge betrachtet, wird natürlich durch die Ausschließung der Oef- fentlichkeit bei zahlreichen Aussagen, ferner durch die Zeugnisvcrweigerungen .wegen Gefährdung von Staatsgeheimnissen- geradezu ins Ungemes­sene verstärkt. Es ist sehr wohl möglich, daß die französische Regierung noch das ihrige zur Schürung dieser Mißtrauens tut, indem sie den Blättern Material über angebliche deutsche Ver­letzungen des Versailler Vertrages zur Ver- fügimg stellt. Es fehlt in der englischen Presse nicht an Behauptungen, daß zahlreiche runge Leute heimlich militärisch ausgebildet würden. ES ist gewiß nichts daran, aber der Eindruck ist sehr übel und die Arbetterregierung wiirde eine gründliche Widerlegung dieser Gerüchte durch offene Erklärungen einer zuständigen und zu­verlässigen deutschen Amtsstelle mit großer Freude begrüßen. Jedenfalls wird weder diese, noch, eine andere englische Regierung von der Forderung der wirklichen Abrüstnng Deutsch­lands die ja nach englischen Arbeiterbegriffen das unerläßliche Vorspiel zur Weltabrüstung ist jemals abgehen. ES herrscht das ehrliche Be­streben, Deuffchlaud diese Abrüstung zu erleich­tern: aber ebenso der unerschütterliche Wille, sie bis auf die Wurzel durchguführen. Reben dieser Sicherungsfrage spielt die Reparationsfrage erst die zweite Rolle.

Was Deutschland bei Enaland verloren hat, das bat Frankreich automatisch gewonnen, und um ebensoviel ist die Stellung Macdonalds Frankreich gcaenüber. zum Schaden Deutsch­lands, geschwächt worden. Diese Schwächung macht stch auch einigermaßen in der inneren Stellung der Arbeiterregierung be­merkbar. Diese Regierung, grundsätzlich allen Rüstungen ,u Lande, zu Wasser und in der Luft abgeneigt, hat sich genötigt gesehen, ihren Prin­zipien in einer Reihe von Fällen Abbruch zu tun. Schon füngst wurde der Bau der Kreuzer und Zerstörer erwähnt, die aus der Erbschaft der aßen Regierung übernommen worden sind. Aber auch für den Kriegsbafen von Singapur hat die Reoieruna viele Millionen Pfund be­willigen lassen und die Ausgaben für die Lust- f(r-tte und für die Luftverteidigung lassen über­haupt noch keine Grenze erkennen. Alle diese Dinge Bat Macdouald angenommen, um seine Minderheitsregierung zu halten. Er glaubt, daß sein Verbleiben an der Macht ihm die Möglich­keit geben werde, wenigstens einiges für die Ar­beiter und für den Weltfrieden hin zu können, und daß diese Möglichkeit durch die Rüstungs- auSgaben nicht zu teuer erkauft werde. Es fft die vrattische Politik des kleineren llebelS.

Natürlich ist ein bedeutender Teil der Ar­beit e r durchaus nicht einverstanden mtt der Nachgiebigkeit Macdonalds gegenüber den- Militarismus. Von diesen Arbeitern wird togar eine viel weitergeherche Radikalisierung der Partei verlangt, eine Radikalifieruna, die die Einbeit der Partei bedrohen und sie in ..Mehrheitssozialisten' und .Unabhängig!:' nach kontinentalem Vorbild zerspalten kann. Dennoch dürste die Gefahr einer solchen Spaltung nicht mit dem verglichen werden, was man in Deutsch­land erlebt hat. In England Würde es sich um ein getrennt marschieren, aber um ein vereint schlagen handeln.

Das polittsche Ziel aller englischen Parteien, und. was noch mehr fagen will, jedes Englän­ders ist heut- der Weltfrieden. England braucht den Weltfrieden und begreift die un­geheure Dummheit, die es 1014 begangen hat, als es nicht die Völker am Balgen hinderte, son­dern sich an dem wahnsinnigen und entsetzlichen Spiel selbst beteiligte. England braucht den Weltfrieden, wenn England England bleiben soll, und es begreift, daß es heute nicht die Wahl rwikchen Krieg und Frieden, sondern zwischeir Weltfrieden und Unteraano bat Dieses Begrei­fen beniht auf ganz egoistisch-englischen Motiven. Daß England fein Ziel begriffen hat, drückt sich

sehr deutlich darin aus, daß es heute das einzige Land ist, wo die Partei regiert, die 1914 ent­schieden gegen den Krieg war. Die neue eng­lische Politik ist nicht eigentlich pazifistisch, sie ist kriegsfeindlich, denn sie beruht auf der Er­kenntnis, "daß der Krieg daS dümmste, unzuver- läsfigste und untauglichste Mittel hn politischen Kampf ist. FmForeign Affairs' schreibt E. D. Morel:Sicherheit für Frankreich, England, Europa, kür die ganze Welt liegt nicht in Grenzen, die von Befestigungen starren, in Luft­flotten, Kampfschiffen und Unterseebooten, in großen europäischen Heeren, in der Bewaffnung von Astika und Asien s o n d e r n in der Ab­rüstung, in der Benützung der Wunher der wissenschaftlichen Entdeckungen nicht für die Zer­störung, sondern für den Fortschritt der gesam­ten Menschheit.' I>.

DieMichstLMs-Muwahren.

Nach der erfolgten Auflösung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. März.

Nachdem gestern der Reichstag aufgelöst worden ist (siehe den Bericht auf der 2. Seite), hatte der Reichskanzler mit den Parteiführern der bisherigen Regierungskoalition eine .Be­sprechung, in der die Frage der Neuwahl er­örtert wurde. Endgültige Feststellungen konn­ten nicht getroffen werden, da ja die Festsetzung des Tage? der Neuwahl beim Reichspräsidenten liegt. Jedoch nimmt man an, dass nunmehr der 11. Mai in erster Linie ftir die Neuwahl in Frage kommt. Besondere Besorgnisse bestehen zur Zeit noch wegen der Wahlen im besetzten Gebiet und besonders in der Pfalz, wo die Franzosen separatistische Parteibildungen unter- stützen werden. Wenn sie auch formell die not­wendige Durchführung des Wahlkampfes ertei­len sollten, so ist doch damit zn rechnen, daß die Personen, die beim Wahlkampf hervortreten, von den Franzosen in anderer Weise benachtei­ligt werden Es ist bekannt, daß ein großer Teil der politisch tätigen Bewohner der Pfalz und des besetzten Gebietes ohne jede Ursache von den Franzosen nuSgewlesen worden ist. Jnfolgedefsen wird eS notwendig sein, stch noch weitere Garantten für die Siche­rung des Wahlkampfes zu beschaffe«.

Spaltung in den Parteien. Die nattonalliberale Gruppe der Bolköpartei.

(Eigene Drahrmekdung.)

Berlin, 14. März.

Der Reugründung in der D-uffchen Bolkspar- tei, die sich ..Nattonalliberale Bereini­gung" nennt, haben sich, wie Reichstagsabge­ordneter Becker gestern mehreren Pressevertre­tern mitteilte, sechzehn Abgeordnete der Partei angeschlossen, indem sie ihr Einver- fiändnis mit dem vorgelegten Programm der neuen Bereinigung erttärt haben. Eine Bespre­chung der auf dem Boden der neuen Bereinigung stehenden Parteimitglieder findet am morgigen Sonnabend in Berlin statt. Die Hauptrichtung der neuen Gruppe gebt gegen das System Stresemann, daS man bereits seit dem Fehlschlag der Kanzlerschaft StresenmnnS im November v. I. für parteiverderblick angesehen hat. ebenso wie man die Eignung StresemannS als Aussenminister grundsätzlich verneinte.

»le Radikalen In der Sozi frrmj.ratie.

Berlin. 14 März. (Privattelegramm.) Tie ernste Spaltungsgefahr in der sozialdemo» kratischenParteikfatfichseit den stürmisch verlaufenen beiden letzte» FraMonssttznngen verschärft. Die ergebnislos verlaufenen Be­sprechungen der Parteiführer mit dem Reichs­präsidenten Ebert haben in der gestrigen Partei sitrung neue scharfe Angriff der Radikalen aus- gclöst. Neber den Wahlaufruf ist es mich gestern wieder zu keinem Beschluß gekommen. Der rechte und linke Flügel stand in offener Kampfstel­lung, so haft es nahezu zu Tätlichkeiten un­ter den Politikern gekommen wäre.

Letzte Gesetzesberatung.

Aus dem Reichstag und Reichsrat.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 14. März.

Der ReichSrat stinwtte gestern einer grösseren Reihe von Gesetzen in der vorn Reichstag ange­nommenen Fassung zu. Unter anderem «ich dem Poftsinanzgesetz, *u dem et eine Ab änderung beschlossen hat. Dagegen erklärte et zu dem vom Reichstag gestern angenommenen Antrag, wonach in der Zett »am 13. bis 30. Avril

keine politischen Versammlungen stattfinden sollten, dass hier ein verfassungsän­derndes Gesetz vorlicge. da die Bcsiimmungcn über Versammlungsfreiheit betroffen werden. Darum empfahl der Ausschuss des Reichsrats folgenden Beschluss: Der Reichsrat nimmt von dem Gesetzentwurf Kenntnis. Da ein verfas­sungsmässiges Gesetz nicht vorliegt, wird davon abgesehen, einen Beschluß über das Gesetz zu fassen. Minister Dr. JarreS betonte, daß auch nach Auffassung der Reichsregierung eine Ber- faffungsänderuna vorliege. Die Vollversamm­lung trat -instimmig dem Ausschnßbescklutz bei. Der ReichStagsantrag kann also mangels Zu­stimmung des ReichsrateS nicht Gesek werden.

Deutschland als Opfer.

Noch keine Klarheit der Sachverständigen.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. März.

Havas meldet: Die Abfassung des Gesamt­berichtes der beiden Sachverständigen­ausschüsse beginnt am Sonnabend. Die noch nicht entschiedene Frage des deuttchen Mora­toriums wird in einem Rachtrage behandelt. Es ist in keiner der zur Begutachtnng gekom­menen Fragen eine Uebereinstimmung der französisch-belgischen Degierten erfolgt. Eine Veröffentlichung des Sachverständigengutachtens ist vor der Erledigung in der ReparattouH-Kom mission nicht in Aussicht genommen__Die Lon­

doner Morningpost meldet: Die amerikani­schen Sachverständigen hoben für den am 6 April abfahrtnden DampferWashington I." Plätze zur Rückreise nach Newyork belegt.

* e *

Schwierigkeiten Im Ruyrgeblel.

Essen (Ruhr), 14. März. sPrivattelegramm.) Wie wir erfahren, hat die alliierte Regie die Anträge der Jndnstriellenverbände, eine Neuordnung der am 15. Avril ablaufenden Micumverträge auf veränderter Grund­lage vorzunehmen, ablehnend erwidert. In der Maschineninduftrie deS Ruhrgebiets kam es infolge Verweigerung deS Neun- bezw. Zehnstundentages z« Aussperrungen.

Hi

Macdonalds Lauheit.

London, 14. März. (Eigene Drahtmel­dung.) Macdouald erwiderte gestern auf eine Anfrage des Unterhausmitglieds Richards, die britische Regierung habe keinen Beschluß gefasst über eine militärische Räumung des Ruhrgebiets. Die Nichtanerkennung der Ruhrbesetzung enthalte keine Pflicht für Ewz- land, die Räumung der Ruhr von seinen Al­liierten ultimativ zu fordern.

Deuffchlaud verätz».

Poris, 14. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die zweite beutftfje Rate für die Besatzung s- kosten im März ist am Dienstag mit 22 Mil­lionen Goldmark geleistet worden.

Der Münchner Prozeß.

DaS übermässige Aufgebot an Zeugen. (Privattelegramm.)

München, 14. März.

Rach der Vernehmung der Hauptzeugen sind noch 94 vorgeladcne Zeugen zu verhören. BiS Abgang dieses Berichtes ist ein Schritt des Vorsitzenden bei der Staatsanwaltschaft und Ver­teidigung nach Verzicht auf einen Teil der Zeugen noch n ich t erfolgt man erwartet aber für die nächsten Tage einen dahingehenden Schritt des Vorsitzenden. In der Presse w rd feit gestern die Möglichkeit einer Vertagung des Hitlerprozeffes erörtert, falls es zu keiner Verständigung Über die Einschränkung der Zeugenvernehmungen kommt. Formell wird die Vertagung mit 6cm schwebenden Ermittlungs­verfahren gegen die Hauptzeugen Kahr, Lossow und Seiftet begründet werden. Eine Gefahr, daß nach dem 1. April der Leipziger Staatsgerichtshuf für den Münchener Hochverarsprozetz zuständig sei, bestehe «bet nicht, da das republikanische Schutzgesetz für Bayern aufgehoben bleibt

*

Gin anderes Bild.

München, 14. LNrz. (Privattelegramm.) Tie nichtnationolistischen Zeitungen Bayerns sind heute überwiegend der Ansicht, daß der Hitler- Prozeß durch die Aussagen Lossows, KahrS und Stiftete ein wesentlich ande­res Bild erhalten habe. Di« Belastung bet Angeflogten würde eine sehr schwere werden, wenn das Gericht nachträglich die drei Kronzeu­gen vereidigen sollte. Wievicle von den zahl- ridien Zeugen des Prozesses nsch verhört werden sollen, ist bei Abgang dieses Berichtes noch nicht entschieden.

Opfer für das Volk.

Industrie- und Handclstag.

Berlin, 14. Mär;.

Auf dem gesttigen Industrie- und Handelslag der vom Handespräsidcnten von Mendels­sohn geleitet wurde hielt Reichskanzler Marx ein: Rede, in der er betonte, die Reichs- regieruug sei sich bewußt, tote wertvoll die Mit- arbeit des Industrie- und Handclstages bei ver Lösung der großen Wirtschaftsfragen sei. Er entnehme mit Genugtuung den Erklärungen des Vorsitzenden, von Mendelssohn, daß Jndu. sttie und Handel auch für die Zukunft bereit sind, der Regierung ihre unentbehrliche Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. In keiner Epoche der deutschen Geschichte fei ein

Zusammengehen von Staat und Wirtschaft so notwendig gewesen wie heute, da es gelte, nach Jahren schwerster Erschütterungen den end­lich wieder errungenen Boden stcSiler W:rt. schastsverhältnisse zu befefticen und zu erwei­tern. Wir sichen sreilich erst am Anfang eines dornenvollen Weges. Um das Ziel zu errei­chen, gilt es, alle die reichen Kräfte des deutschen Volkes zu gemeinsamem Werk zusammenzufas. sen. Der Kanzler wies auf die Fülle ernsthafter Probleme hin, die der Lösung harrten, und fuhr fort: Sie toissen alle, daß es nicht angeht; von Seiten der Staatssinanzen allein eine Wieder- grsundimg des Wirtschaftslebens herbeiführen zu wollen. Auch die Wirtschaft mutz durch ge­steigerte Produktion und durch Rück- kehr zu den altbewährten Grundsät­zen der Wirtschaftsführung das Ihrige zur Wiederkehr normaler Verhältnisse be. tragen. Eine geradezu unerhört» aber leider unadwcud- bare Steuerlast Hat die Regierung allen Kreisen der SWöltentng aufbürden müssen, ben< wenn infolge des Ausfalls an Steuereingäugen die jinter schwersten Mühen und Opfern zur Stabilität gebiadjte Währung von neuem zum Abstnken käme, so wäre das deutsche Volk verlo­ren. Mer noch

weitere schwere Opfer stehen uns bevor, die Opfer in der R e p a r a * tio ns frage: vor außen und von innen müs« sen die unumgänglichen Bedingungen für eine erträgliche Eristenzmöglichkeit für unser Volk geschaffen werden. Von außen her können wir zu einer Besserung unserer Wirtschaft nur gelangen, wenn sich endlich die schwere Wunde im Westen schließt, durch die Tag für Tag tocrr- vollsteS Lebensblut aus dem deutschen SS'.rt- schaftsorganismus abströmt, wenn endlich ver« ständige und endgilttge Reparationsverpflich­tungen feil gelegt und die noch bestehenden Hem­mungen für die wirtschaftliche Betätigung denr- scher Unternehmungen in fremden Ländern be­seitigt werden Im Innern tut uns vor allem not ver unbeirrbare

Glaube an die Zukunft unseres Volkes, verbimden mit einem stahlharten Willen, beit schweren Weg aufwärts zu gehen. Diesen. W,l- len werden wir nur aufbringen können, wenn wir uns einmütig zttfammenfinden in allen Stämmen, Parteien und Berufsschichten. Reichs­kanzler Marr knüpft in diesem Zusammenhang an das Wort des Vorsitzenden an, daß eint Grundvoraussetzung des deutschen Wiederauz, stiegs die Leistung eines Höchstmaße- von Arbeit ist, und fügt hinzu, das Los der heur, lebenden deuffchen Generation werde ein Härte- Los der Arbeit und des Verzichts sein. Er er­innerte an den Satz: Friede ernährt. Un­friede verzehrt! und betonte, baß wir auch den Frieden der Arbeit brauchen, nicht den Scheinfrieden der Unterdrückung des einen ober des anderen, sondern jene verständnis­volle Zusammenarbeit, die die Achtung vor dem Lebensrecht eines jeden Menschen zur Grundlage hat, Erfüllen wir die Welt der Ma­terie. so schloß der Reichskanzler seine mit leb- baftem Beifall aufgenommenen Ausführungen, wieder mit neuem Geist. Heben wir sie ans dem Reich der Mittel in ein Reich des Zwecks dich jenen tiefen sittlichen Idealismus, der allein unserem Erdenleden Sinn und Inhalt gibt! Stehen wir zusammen, ein Volk, ein Geist, ein Wille! Dann dürfen wir getrost allem Kommenden entgegensehen nd eine neue hellere Zukunft für nufer geliebtes Vaterland erhoffen,

«Ine «kttschNktzung.

Rach Anhörung zahlreicher Referate von füh­renden Männern des deutschen Wirtschaftslebens faßte der Deutsche Industrie- und Handelstag eine Erklärung, die u. a. besagt, daß Handel m b Industrie Deutschlands aufs tiefste von der Not­wendigkeit durchdrungen sind, zur Aufrechterhal­tung des Deutschen Reiches in der letzigen UebergangSzeit die größten Opfer zu brin­gen. Sie erklären vor aller Welt, daß die stark geschwächte deutsche Wirffchaft diese Opfer vor­läufig aus derSubstanz trägt und sie daher in dieser Form nur noch kurze Zeit tragen kann. Rur wenn eine schleunige Verständigung über die deuttchen Reparationsoerpflichtüngcn erfüllt und das Reich als freies, einheitliches Wirt».