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Kampf um den zivilen Ausnahmezustand

auf, dal

Versuche, doch größer als früher. Denn bisher tastete man völlig im Dunkeln und stand einem unbekannten Feind gegenüber, gegen den man schußlos war, während man gegen den jetzt be­kannten Gegner Hoffentlich bald wirksame Wak- fcn finden wird.

aber sie verneinen dix Schuld, denn, so argu­mentieren sie. wenn sie schuldig wären, dann wären auch die Umstürzler von 1918 schuldig. Es kommt eben alles auf den Erfolg an. Tie Richter haben keinen leichten Stand. Eine be­deutsame Nolle wird noch der Generalstaatskom- missar v. Kahr spielen, der zwar den Umsturz mit vorbereitet hatte, aber die entscheidende Tat durch sein Gegenspiel erfolglos machte. Nach­dem ihn das baverische Kabinett von der amt­lichen Schweigepflicht entbunden hat, erwartet man von seinen Ausführungen, dir er als Zeuge machen wird, wichtige Auffchilüff:. Daß die Führer aus Vaterlandsliebe gehandelt haben, erscheint selbstverständlich, aber die politkicye Torheit wird dadurch nicht geringer. Ihre An- Hänger werden daraus eine Lehre ziehen. K. F. D.

rischen Grenze

erweist auch die Tatsache, daßein Kahr-Minister

Belgiens Regierungskrise.

Roch keine Kabinettsbildung der Linken.

(Eigene Drahtmekdung.)

Brüssel, 1. März.

Der Brüsseler Vertreter desMatin" meldet: Die Rücksprache des Königs mit Bandervclde hat n i ch t mit der Uebertragung der Kabinetts­bildung an Vandervelde geendet. Es ist mög­lich, daß diese Berufung immerhin noch in einer zweiten Audienz erfolgen kann. Anscheinend wird die Ministerkrisis einige Tage sich hinzö­gern, da der König zunächst mit der S i s h e r i - gen Regierungskoalition weiterzuarbeiten ver­suchen wird. DasJournal" schreibt: Dre Bildung einer Arbeiterregierung auch in Belgien würde zweifellos nicht im Bünd- niSinterrsse für Frankreich liegen, sie würde aber auch die innerbelgischrn Schwierig­keiten nicht lösen, da sie keine Mehrheit hat.

Die Radaubrüder a!S Parlamentarier Volksvertreter" in Sachsen.

Dresden, 1. Marz.

Am Schutz der gestrigen Sitzung des sächsi­schen Landtag.'s kam es, wie telegraphisch kur; gemeldet, zu wüsten Krawallen, die durch die Kommunisten hervorgerusen wurden. Sie machten die unflätigsten Zwischenrufe, so daß der Präsident schließlich dem kommunisti­schen Abgeordneten Ellrodt das Worr entziehen und ihn darauf von der Sitzung a u s- schließen mußte. Ellrodt verließ aber den Saal nicht. Es entstand ein Ricsenlärm.

v. Kayrü Aussagen.

München, 1. März (Privattelegramm.) Der Gencralstaatskommissar v. Kahr wird am Montag vor dem Gericht seine Aussagen machen. Inzwischen hat Herr v. Kahr bereits den bei ihm erschienenen Vertretern der Bahri^ schen BolkSvartei die Erklärung abgegeben, daß die Beschuldigungen der Prozeßangeklag- ten gegen ihn den Tatsachen insofern nicht gerecht werden, als ste w a h l l o s aus dem Zusammen­hang gerissen seien und deshalb ein ganz sal- sches Bild ergeben hätten. Da er von der Amtsverschwiegenheit entbunden sei, werde er rückhaltlos seine Aussage machen. Die Verneh­mung von Kahrs wird voraussichtlich in nicht- Sssentlicher Sitzung erfolgen (?)

einen Ludendorff für München und Umgebung glaubt abtun zu können mit dem vergifteten Ge­schoßDer Preuße Ludendorfs". Zum Schluffe heißt es:Ueber Einzelheiten marktet der Preuße Ludendorff nicht. Er streicht keine Silben und rechnet nicht mit Zufallswörtchcn. Seine Hoff­nung ist am Morgen des 9. November zerstört mit der Geltung des Wortes und des Hand- schlagt 'ion Männern, denen et vertraute. Die motze Sttinde hat nur kleine Männer gesunden. Nicht zerbrochen ist ihm der Glaube an eine deutsche Zukunft und die Erneuerung des natio­nalen Wesens, für die er das Entscheidende in der Arbett Hitlers sieht. Mag er diese überschätzen und verkennen, jedenftills ist dieser Preuße Lu­dendorff ein glühender Deutscher."

Aus dem Münchener Vrozeß

Pressestimmen aus Berlin. , (Privat-Telegramm.)

Berlin- 1. März.

Die heutigen Berliner Morgenblätter haben ihren Raum im Wesentlichen dem Münchener Putschprozeß gewidmet. Unter anderem schreibt derBerliner Lokalanzriger": Daß etwas faul in der deutschen Denk- und Fühlweise mancher Söhne des bayrischen Vaterlandes ist, das er-

Das Vuvlikum spielt mit

Berlin,!. März. (Privattelegramm.) Im Berliner Mittagsblatt" wird geschrieben: Wir müssen den Angeklagten dankbar sein, daß sie den bisher noch Ungläubigen reinen Wein ein- geschentt haben über die Absichten und die Taten des sogenannten Generalstaatskommis- s a r §. Dient diese Verteidigung zu ihrer Ent- lafttmF, rechtlich oder moralisch? Sind sie we­niger strafbar, weil andere mitgefrevclt haben? Welch ein Prozeß! Zum Schluffe heißt es in dem Artikel: Die Staatsanwaltschaft beteuert hoch und heilig, sie habe nie daran gedacht, den wegen Meineids steckbrieflich verfolgten Ehrhardt zu verhastem Sie habe seine Wohnung gar nicht gewußt und mußte den Sohn einstecken, daß ihr vom Äerteidigertische die in München jedem Kind bebmnte Adresse zngemfen wurde. Das Publikum spielt anscheinend mit durch Bravo- und Entrüstungsrnfe. Wir stehen erst am Anfänge dieses Prozesses und mit einem endgüttigen Urteil muß man zurückhalten.

Sia ©©lag für SrankrelH.

Genf, i. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die Baseler Rational - Zeitung schreibt: Der Rücktrttt des stark linkS orientierten Soalitions- tabinetts fei ein schwerer Schlag für Frank­reich und ein »eiteret Beweis, daß sich die Ruhrpolitik Poincatss in voller Li» q u i d a i i o n befinde. Belgien, der Mitläufer Frankreichs an der Ruhr suche sich immer mehr nach London z« wenden, es habe nun den Jrr-

Dte KathoUken für TheuniS.

Brüssel, 1. März. (Privatelogramm.) Maß­gebende Persönlichseiten der katholisch-lt- beralen Mehrheit sprechen sich für den bisherigen MinisterprSfidenten TheuniS aus. ES wird sogar versichert, daß der Senats- und der Kammerpräsident dem König geraten hätten, Theuuis gegenüber noch einmal daraus zu beste­hen, daß er seinen Entschluß rückgängig mache und ein neues Kabinett bilde. Der frühere katholische Staatsminister van de Bvvere, der dem xnrfltfgetretenen Kabinett angehörte, unv der ehc.aalige Vrinisterpräsident Catton de Wiatt seinen neben TheuniS die einzigen annehmbaren Pettönlichkeiten, die unter den gegenwärtigen Umständen den Vorsitz des neuen Koalitioas- kabinetts übernehmen könnten. Unter den Li­ber a l e n werde Huysmans genannt, aber die Katholiken würden sich wahrscheinlich die Ministerprsidentschast nicht entgehen lassen.

tim die deutsche Beute.

A«S den Sachverständigen-Beratungen.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 1. März.

Der Pariser Bettreter, der LondonerTimes" meldtt: General Dawes hat sich am Mittwoch zum erstemnale im Kreise amerikanischer Presse­vertreter über die Sachverständigen-Beratungen geäußett. Ueber Ergebnisse und Beschlüsse machte der General in strenger Beachtung des Schweige­gebots keinettei Mitteilungen. Wichtig war aber, was er über die formale Sette der Beratun­gen sagte. Danach wird der Bericht der bei­den Sachverständigenkomitres ein untrenn­bares Ganzes bilden, das entweder abge- lehnt oder angenommen werden müsse. Auck Teuschland wird nur zwischen Annahme oder Ablehnung zu wählen haben. Im übrigen würde der Bericht in Gemäßheit der dem Ausschuß übettragenen Aufgabe lediglich die Jahrcszatzlungen für die nächsten Jahre festlegen

Der zivile Ausnahmezustand

Bekämpfung durch die Sozialdemokraten.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 1. März.

Gestern sind die Fraktionen bes. Reichstags zur Besprechung der Veröffentlichung des Reichs­präsidenten znsamengeirtten, die die Umwand­lung des militärischen in den zivilen Ausnahmezustand ausspricht. Bis gestern abend zeigten nur die Fraktionsfitzungen der So­zialdemokratie und die Bolksparte; ein Ergeb­nis. Die Sozialdemokraten haben beschlossen, den Kampf auch gegen den zivilen Aus­nahmezustand mit asten Mitteln aufzunehmen. Der Gegensatz zwischen Reichsregieruna und Sozialdemokratie hat sich dadurch wesentlich ver­schärft, eine Ueberbrückung in diesem Reichstag erfdjeint nach dem gestrigen einstimmigen Be­schluß der Fraktion ausgeschlossen.

Die Kommunisten wollen enlschSblgi sein.

Berlin, 1. März. (Privattelegramm.) Die Kommunisten des Reichstags haben eine kleine Anfrage an den Reichsiustizminister gerichtet, welche Maßnahmen zur Entschädigung der von den Militärbehörden während es Ausnah­mezustandes in Hast genommenen Kommunisten ergriffen seien, gegen die die Gerichtsbehörden keine Strafverfahren eingeleitet haben. Nach der Anfrage der Pattei sollen mehr als 900 Kommu­nisten in Militärhaft genommen worden fein.

tum erkannt, den eS beging, indem es allzulange Pvinrars folgte. Die schwere Krise im Land, der Sturz des belgischen Franken, der bemient- gen des französischen an Heftigkeit noch über- trifft, taten ein Uebriges. Der Beschluß Eng­lands, die deutsche Ansfulfrabgabe von 26 auf 5 Prozent zu ermäßigen, treffe ebenfalls mit Heftigkeit den belgischen Expott, und mache die Regelung des ganzen großen Reparationspro­blems noch dringender für Belgien. Die Abstim­mung weise deutlich auf den Weg über den Kanal.

weist die Tatsache, daß man glaubt, Hitler in Verruf bringen zu können mit dem Hinweis bar- seine Wiege 250 Meter jenseits der bay- Grenze in Oesterreich gestanden hat. Das

Innere Schwankung.

Parlaments- und Gerichtsszenen.

Die politische Spannung, die durch die Reichstagskrise hwvorgerufen wird, übt vorläufig nicht die Wirkung im Volke ans, die man bei so wichtigen Erngnissen sonst wahr- niuunt. Sowohl in den Fraktionen als auch in den Parteien im Reiche spricht man mit einer .Gelassenheit von der möglichen Auflösung des Reichstages, als müsse man sich in ein Schicksal fügen. Aus dieser Passivität sprechen am deitt- lichsten die Alterserscheinungen dieses Parla­ments, das sich seiner Schwäche selbst bewußt ist. Roch hat man sich im Reichstag nicht entschloss« {en, den Anregungen der Deutschen Dolkspartei zur Selbstauslösung zu folgen, weil man es für begännet hält, die Session ohne besondere Er­regung ablaufen zu lassen. Auch sehen zahl­reiche Wbgeordnete einer Wahl mit der Besorg­nis entgegen, daß sie ihr Mandat verlieren wür­den, da gewisse Parteien den zu ettvattend'.n Verlusten nicht entgehen werden. Umso mehr hoffen andere Patteien, und zwar die zur Rech­ten gehörenden, sowie die extremen Flügel rechts und links auf bedeutenden Zuwachs. Der Un- ' schlüssigkeit der Patteien wird nun die Regie­rung energisch nachhelsen durch die Forderung eines bestimmtrn Ja ober Nein. Sie verlangt, daß die Mehrheit den unterm Ermächtigungs- gesey erlassenen Notverordnungen zu- stimmen soll, andernfalls wird sie den Meichstag auflösen. In den Erflärungen im Reichstag haben die Minister ihre Verord­nungen nochmals verteidigt und betont, die Re- gierung müsse darauf bestehen, daß an lebens­wichtigen Bestimmungen nicht? geändert werde. Dabei ist aLerdings die Frage offen gelassen, was sie unter .lebenswichtig- versteht. Schließ­lich ist sie bereit, darüber an interfraktionellen Beratungen teilzunehmen, aber da hieran die Opposition nicht teilnehmen würde, so ist keine Aussicht auf einen Ausgleich der Gegensätze, und man muß sich darauf gefaßt machen, daß in den nächsten Tagen die Auslösung erfolgen wird.

Wichrend die Regierung in dieser Frage eine selten gesehene Standhaftigkeit an den Tag legi, zeigte sie bei anderer Gelegenheit einige Nach­giebigkeit. Sie HM dem Drängen der Liuks- patteien stattgegeb-n und den Ausnahmezu­stand aufgehoben, allerdings nur den mt- litärischen, wogegen sie einen zivilen Ausnahmezustand anordnet. Diese Vorsicht kann Jeder, der auf Ordnung hält, gutheißen, denn die häufigen Entdeckungen von kommunistischen Umsturzplänen beweisen, daß völlige Freiheit arg mißbraucht würde. Zwar würden die W>- sichten jener Kreise, dir immer noch von Mos­kau unterstützt werden, nicht zu einem Umsturz führen, weil sie zu schwach sind und ihre Ideen im Volke als Wahngebilde abgetan sind. Aber schon die systematischen Ruhestörungen wären ein Hemmnis an der Gesundung Deutschlands. Deshalb ist dem Reichsministrr die Befugnis gegeben, daß er Maßnahmen zur Abwehr von Bestrebungen, die auf gese^ivrige Verände­rung der verfassungsmäßigen Staatsform htn- zielen, treffen kann. Auf dieser Grundlage kann immer noch die Beschränkung der persönlichen tzreihrtt, des Vereins- und Bersammlungsrech- tes, des postalischen Verkehrs ausgeübt werden. Die Erekutive geht wieder an die Länder über. Um nicht neue Reibungen zu verursachen, wird vom Reiche besondere Rücksicht auf Bayern genommen, das feineanders gearteten Verhält­nisse" selbst regelt. ,

Sv wird also Bayern auch weiterhin eine Sonderstellung behalten. Man muß aber auch von Bayern erwatten, daß es sich dieses Vor­zuges bewußt ist und die entsprechende Beranr- wottung übernimmt. ES ist noch nicht lange her, da war diese Verantwortung Dort nicht vor- banden, wie der gegentoärtige Münchener Putschprozeß schlaglichtartig bestätigt. Die Vernehmung der Hauptangeklagten hat von Neuem die damalige polttische Verwirrung in Bayern dargelegt. Die Nationalsozialisten unv Deutschvölkischen wollten einen Umsturz insze­nieren, dessen Ausführung einigermaßen phan­tastisch anmutet. Durch eine geschickte Agitation war die Bolksstirnmung vorbereitet worden, so­daß die Mehrzahl der Bayern dem Unternehmen zugefubelt hätten, wenn es gelungen wäre. Aber eS konnte nicht gelingen, weil Bayern nicht führend in Deutschland ist und das deutsche Volk dagegen stand. ES war eine unkluge Handlung zur unrechten Zett. Rur durch die künstlich geschütte Stimmung ist es zu erklären, daß Männer, denen man mehr Umsicht zugettami hätte, die Führung zu übernehmen bereit waren. Sie haben sicl: zwar als gute Soldaten aber als schlechte Politiker erwiesen. Atn bebau- erlichsten ist bet Umstand, daß ein Mann tote Hitler dieses Abenteuer unternehmen konnte, ein Phantast, der seine nktionalisttsche Gesinnung wohl durch ein: glänzende Rednergabe zu ver­breiten verstand, der seine Anhänger begeisterte, aber von staatsmännischen Aufgaben keine Ahmma hat Die Führer bekennen ihre Tar,

Die Grlppegefahr.

Entdeckung des Krankheitserregers.

' Die gegenwärtig in Europa wieder anstatt» «hrnde Grippe lenkt die Anfmerttamkeit aus den Stan» der Jnfluenza-Forswung. Man schreibt »ns Pas Folgende darüber: Nachdem die Grippe eine zeitlang, wenn auch nicht ganz, erloschen schien, jedenfalls nur ver­einzelt ausgetreten war. wird jetzt aus dem Jn- und Ausland wieder über Häufung von mehr oder weniger schweren Fällen berichtet. So grassiett die Grippe augenblicklich in Berlin in verhältnismäßig leichter Form, wogegen aus London gemeldet wird, daß ste dort in Gestalt einer schweren Infektionskrankheit, ähnlich wie im letzten Kriegsjahr auftritt. Auch aus der Schwei, Werden zahlreiche Grippeerkrankun­gen gemeldet. Die Verschiedenartigkeit hängt aller Wahrscheinlichkeit nach mit den klimati­schen Verhältnissen zusammen; den» wähnend in ganz Mitteleuropa seit zwei Bio- naten fast stets Frostwetter herrscht, ist in Eng- land die Witterung in diesem Winter wie ge­wöhnlich mild. Strenge Kälte scheint eben dem Erreger der Grippe die allein im Jahre 1918 nicht weniger als sechs Millionen Opfer auf der Erde gefordert bat, nicht zuträglich zu sein. Es hat den Eindruck, als ob der Erreger die ihm am besten zusagenden Bedingungen zur Ver- breitung bei feuchter Witterung und bei Tem­peraturen findet, die nicht erheblich über dem Nullpunkt liegen, und zwar bei Temperaturen bis zu .zehn Grad Celsius. Bei berartiger feuchtkühler Witterung sind auch die Schleim- häute des Menschen zur Aufnahme von Krank­heitserregern besonders disponiert.

Die Frage, welcher der bekannten Erre­ger oder welcher noch unbekannte Bazillus diese verbreitetste aller Seuchen verursacht, setzt noch -kMmer die Gemüter der Forscher in hej- tigste Bewegung. Sicher schien bisher nur das eine zu sein, daß der oft gefundene Fränkelsche Bazillus, der Erreger der Lungenentzündung, und der Pfeiffersche Influenza-Bazillus nicht dte spezifischen Erreger der Grippe sind; denn so häufig auch der eine oder der andere im Aus­wurf ober im Nasenschleim gesunden wurde, so gab es doch eine große Reihe von Fällen, in denen keiner dieser beiden, auch kein anderer Er­reger zu entdecken war.

In allerletzter Zeit ist es nun gelungen, au- Nasen- und KehlkopMüssigkeit einen Erreger zu züchten, der, auf Tiere und Menschen ver- impst, die typischen Erscheinungen der Grippe hervvrrust. Er ist so klein, daß man ihn auch mit dem besten Mikroskop nicht sichtbar machen kann, ja, daß et sogar durch die feinsten Tonsilter hindurchgeht. Diese .Eigenschaft .ultrapistbel" zu sein, teilt er mit einer ganzen Reihe anderer Batterien, die man in letzter Zeit auf geeigneten Nährböden gezüchtet hat. Auch der .bazillus Pnenmosintes", wie ihn seine Ent­decker benannt haben, wächst flott auf dem ihm zusagenden Boden und wird so, wenigstens iw Kultur, sichtbar. Die Untersuchungen von mit dem BacillusPneumosintes" angesteckten nnb während der Krankheit getöteten Tieren ergab einen für Grippe durchaus charakteristischen Befund.

Indern man Versuchstiere mit dem BazilluS Pneumosintes vorbehandelte und daraufhin er. krankte Tiere mit dem Fränkelschen ober Pfeif­ferschen Bazillus ober auch mit Eiter-Kokken in­fizierte, gelang es. Lungenentzündungen zu ver- Ursachen, die genau den Vettauf und den schlimmen Ansqanq der grippösen Lungenem- zündung nahmen. Der Versuch nach dem be­kannten Prinzip durch Impfung mit abge. töteten Grippeerregern einen wirksamen Krank­heitsschutz hervorzurufen, ist bisher jedoch nichr gelungen. Rur wirflich an Grippe erkrankte Stete wiesen -etwa 35 Monate hindurch eine Immunität gegen erneute Ansteckung auf. Sollte es sich bestätigen, daß der Bazillus Pneumosin- tes der Erreger der Grippe ist, so sind die Aus- sichten, ein wirksames Schutzmittel gegen die Krankheit sowie em Heilmi ^tel gegen sie zu finden, trotz der bisher negativ verlaufenen

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 53

Sonntag, 2. Marz 1924.

14. Jahrgang

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

$>te »afieler Sleuefiat Slatbrtäten erf(6etnen robcfientlldi naitm ttagS. Der Abonnc-

mtntSprei» betragt für die Zeit vom 25. Februar tt» ». Mir, 120 Pfennige bet tretet Ruftettun, taS Hans, in ber Geschäftsstelle abgebolt 110 Pfennige. Verlag und Redaltlo«: Schlachtbosstraße 28/30. Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt etngefanbte Setteige latta bte Redaktion eine Serantwortuna oder «eivahr in keinem Falle übernehmen. Rückpthlung de« BezngsgelbeS ober Ansprüche tvogen etwaiger nlcht ordnüngimäßiger Lieferung ist auSgeschloffe». Postscheck- tonte Frankfurt a M. Nummer «380.

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