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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

2>te Safi eiet Sieu«fien?ia<lrid)ten erfcbeinen rortdientlid) <ech«mni nadimttagä. Der Müonne- mentSprei« beträgt für bte Zeit vom 25, Februar bis 9. März 120 Pfennige bei freier suneüung ins Hau», in der «eichafrSfielle adgeholt 110 Pfennige. Bcrlag und Stebaltion: Schlachtbofstratz- 28/30. Fernsprecher Stummer 951 und »52. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaltion eine »Verantwortung oder Gewähr in seinem Falle Übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Liekerung ist ausgeschlossen. -» Postscheck- konto Frankfurt a.M. Stummer 6380.

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Nummer 50» Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Donnerstag, 28. Februar 1924. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14» Jahrgang

Das Problem der deutschen Finanzen.

Das FangbaNspiel.

Zwischen Paeis und London.

England hat die deutschen Kolonien und die deutsche Flotte in die Tasche gesteckt, und es ist nicht weiter verwunderlich, daß in Paris bei geeigneter Gelegenheit darauf hingcwiescn wird, daß als Kompensationsobjekt England die deutschen Kolonien znrückzugeben habe, wenn FrankreichZugeständnisse" mache So kam es nicht unerwartet, daß irauzösifche Quel­len behaupteten, in der Entente verhandele man über die Rückgabe. England denkt nicht daran, ernsthafte Verhandlungen darüber haben nicht statigefunden, und die französische Behauptung war lediglich ein Gegenhieb, um England zu verstimmen, zu ärgern oder um ihm anzudeuten, daß die britische Forderung auf Liquidation des Ruhrabenteuers sehr schnell eine fran­zösische Gegenforderung finden könne. Es wird keinem Briten, auch keinem Arbeit:t= parteiler, einfallen, an Macdonald die Forde­rung zu richten, die deutschen Kolonien zurück­zugeben. Der sozialistische Premier wird nie­mals auf diese Forderung eingehen, niemals über sie sprechen, es sei denn, daß Deutschlands Regierung offiziell die Forderung aufstellt. Aber wie von derBetonung der Notwendigkeit" der Ueberprüfung der Kriegsschnldlüge durch die deutsche Regierung bis zu einemoffiziellen An­trag" ist auch hierin ein weiter Weg. Die deutsche Reichsregkrrung hat leider solche Forderungen auf Gerechtigkeit und Ueberprüfung der Lügen von der deutschen Schuld oder der kolonialen Unfähigkeit der Deutschen niemals in der Außen­politik vertreten.

An und für sich war es also taktisch ganz ge­schickt, daß gerade die Poincare-Blätter das bri­tische Sündenregister wieder vorzeigten. Tas Frankreich schmählende Albion hat gegen Deutsch­land genauso brutal gehandelt wie Frank­reich; es hat nachher die Humanität erfunden, genau fo, wie es einst in den Konzentrations­lagern die Durenfrauen und -Kinder verhungern ließ, um sie dann, als die Raffe halb ausgestor- ben war, mit milden Gaben vor der völligen Ausrottung zu bewahren. Dos brutale englische Interesse will zuerst befriedigt sein, dann, wenn der Unterlegene in den letzten Zügen liegt, zahlt England einen Schilling vom geraubten Ver­mögen zurück und alle Welt glaubt, welche Wohl­täterrolle und Politische Mäßigung den Briten eigen sei. Dasfair plav" den Besiegten gegen­über Gewiß, die französische Zerstörungswut ist sadistischer, aber die englische Rechtschaffenheits­pose ist genau so verächÄich. Wenn England Frankreich der Greuel in der Pfalz anklagt, oder den Friedensbruch der Ruhrbesetzung feststellt, dann hat es doch nichts getan, um Abbilffe zu schaffen. Es bat gerade durch seine Politik zu den gallischen Zuständen in zivilisierten Ländern beigetragen Und wenn letzt der Kuhhandel über Ruhr und Mein und Pfalz anhebt, dann wird es nur den Schein zu wahren suchen, im übri­gen aber sich hüten, eine Möglichkeit der englisch- französischen Verständigung auf dem Rücken Deutschlands zu verabsäumen.

In der Pfalz hat die französische Rachepolitik durch die Rbeinlandkommifsion eingesetzt, und der britische Lord Kilmarnock in der Rheinland- ko-mmission tonnt nichts dawider. Im Ruhrgebiet baut Frankreich sich militärisch ans. imd Eng­land sagt nichts dazu. Es läßt höchstens for­dern. daß Deuffchland wirtschaftlich wieder im Ruhrgebiet sich einrichten könne, aber diese Konzession kann leicht von Poinearö gegeben werden, da Deuffchland dann das Ruhrgebiet als Pfand produktiv machen würde, was den Franzosen niemals gelang. Daaegen würde Eng­land nicht mtf Aushebung der Besetzung dringen, und Frankreich würde weiter deutsches Gebiet militärisch, also im Notfall vollkommen, in der Hand bebalten. Neberdies stellt Frank­reich nach Belieben deutsche Beamte ein oder entläßt sie. sabotiert weiter die Erhebung der deuffchen Steuern, die Schar der Vertriebenen wird weiter ausgefverrt. und die Morde Frank­reichs an der deuffchen Bevölkerung bleiben wei­ter nnaerächt. Neber dieses Kompromiß wird verbandelt. Frankreich bleibt in der Pfalz, ort Rubr und Rhein, und Deuffchland bat nur die Aiffgabe, für die Franzosen alles das in Ord­nung zn bringen was sie selbst in Unordnung gebracht haben. Das ist Gegenstand des Fang- balliviels zwischen London und Paris. Das nennt man Verständigung oder Abbau. Indessen bleibt wie es scheint, alles beim Alten, und nur eine ideologische deuffche Regienmg könnte darin, daß sie die Ruhrvroduktion zugunsten von Reva- raffonszahlungen in Fluß bringt, eine Wieder­herstellung ihrer Souveränität erblicken.

'S'er Deutschen aber ist in der ganzen Ange­legenheit der Verstand wieder einmal mit dem Gefühl durchgegangen Sie haben mtf Maedo- uald aebofft. manche haben ihn als Pazifisten gefeiert und ihm Lorbeerkräute gewunden. Die Antwort war Macdonalds Ablage an die Inter- oaffonale. Aufnahme des Rüstens in der Luft und zu Wasser gegen Frankreich und vor allem sic Wioderaufwärmuna des Projettes, deuffche

Gebiete und das deuffche Reich unter inter­nationale Vorm n'n'd schäft zu bringen. Hier begegnet sich Englands Plan mit französi­schen Bestrebungen lieber Deutschland wird ver­fügt, als ob es Kolonialland sei. Frankreich will uns gänzlich aussaugen, England will uns so weit leben lassen, daß wir bei Sklavenlos ar­beitsfähig bleiben Es müssen noch andere Zei­ten kommen, bis man erlebt, daß England wirk­lich die Kolonien zurückgibt und Frantteich sich wirttich bekehren läßt, seine Ruhrpolitik end­gültig abzubauen. 8.

Neue FmanzEne.

Sanierung nach Oesterreichs Muster.

(Eigene Drahtmeldung.f

Paris, 27. Februar.

Die Sachverfkündtgen-Ausschüsse haben beschlossen, den einstigen Generalsekretär der Reparationskommission und jetzigen Präsi­denten der Finanzsektion des Bölkerbundes, Sir Atrhur Salier, zu bitten, nach Paris zu kom­men, um über die finanzielle und wirtschastlickle Lage zu berichten, insbesondere bekannt zu ge­ben, wie die Stabilisierung der öster­reichischen Währung und des österreichischen Staatshaushalts erfolgte, und wie es möglich war. die aus Oesterreich abgewanderte« Kapita­lien zurück zu führen. Zwar ist nicht beabsich­tigt, Deutschland einer Finanzdiktatur zu unter­stellen wie Oesterreich, aber-die Sachverständigen glauben, daß die einstige Lage in Oesterreich und die jetzige Lage in Deutschland eine gewisse Gleichwertigkeit aufweiscn, weshalb Satter wei­ter wertvolle Mitteilungen.machen könnte. Sal­ier wird am Donnerstag vor den Sachverständi­gen Bericht erstatten. In Kreisen der Sachver­ständigen erklärt man, die Berufung SalterS werde insbesondere auf Ramsay Macdonald einen günstigen Eindruck machen, weil damit zum ersten Male eine Verbindung mit dem Völker­bund hergestellt werde, worauf der englische Ministerpräsident großen Wert legt. Vorläufig sei natürlich an eine Intervention des Völker­bundes nicht zu denken; aber da es diesem gelun­gen sei, in Oesterreich die Stabilisierung der Währung und des Haushaltes wieder herzuftel- len, so sei es durchaus natürlich, daß ein Mit­glied des Völkerbundes zu der Frage der Wie­derherstellung der deutschen Finanzen als Bera­ter zugezogen werde. Damit sei aber nicht ge­tagt, daß die Sachverständigen den Eintritt Deutschland in den Vötterbund empfehlen woll­ten oder zu dessen Gunsten eine Vermindermig der Rechte der Repko vornehmen würden.

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Hm Die Anleihe.

London, 27. Februar. (Eigene Drahtmeldung.> Hier sind Nachrichten cingeaangen, nach denen die Sachverständigen in 14 Tagen ihren Bericht erstatten würden. Das wird als ein Er­folg der Arbeiterregierung bezeichnet. Es wird nnn angedeuiet, Mardodald habe die Absicht unter Teilnahme Amerikas eine internatio- naleKonferenzin Vorschlag zu bringen, so bald der Bericht der alliierten Regierungen zu­gegangen wäre. Der britische Plan soll ferner eine große Anleihe für Deutschland vorsehen und man hofft, daß ein bedeutender Teil dieser Anleihe von amerikanischen Bantters gezeichnet werden würde. Vor einigen Tagen gab der Premierminister klar zu verstehen, seine Regierung erachte die Festsetzung der Schul» den für abgeschlossen, wenn nicht von Ame­rika die Anregung zu einer neuen Regulie­rung ausgehen würde, lieber diesen Punkt be­stehen zwischen Macdonald und Baldwin, der seinerzeit die Verhandlungen als Nachfolger Bonar Laws führte, nicht die geringsten Diffe­renzen. Die französisch-italienischen Schulden stehen jedoch auf einem ganz anderen Blatt. Macdonald und besonders sein Schatz­kanzler Snowden werden diese Frage noch ein­mal zur Berhandlung brigen.

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Dr. Schacht In Sari«.

Paris, 27. Februar. (Eigene Drcchtmeldung.) Man weiß noch nicht, wann der Sachverst.-Aus- schuß den Reichsbankpräsidenien Dr. Schacht wieder hören wird. Man nimmt an dies werde vielleicht am Freitag der Fall sein. Gegenstand der neuen Besprechung soll hauptsächlich vaS Statut der neuen deuffchen Goldwährungs­bank sein, nackchem, wie bereits berichtet, eine Einigung über die Heinere deutsche Goldnoten­bank direkt erzielt worden ist.

Sine Benkichkift Gatters.

Paris, 27. Februar. (Eigene Drcchttness dung.l Heber die gestrige Nachmittags-Sitzung der beiden Unterkommisfionen des ersten S«ch-

verständigen Ausschusses ist nichts Näheres be­kannt geworden. Sir Arthur Satter wird heute dem Ausschuß eine Denkschrift über die finanzielle Gesundung Österreichs vorlegen. Die Sachverständigen für die Monopol­frage werden am Donnerstag oder Freitag ge­hört werden. Vorher werden sie ihre Berichte vorlcgen, so daß vor ihrer Angehörung im Aus­schuß bereits eine Prüfung möglich ist

tim die Neichstagsauslösung

Die Reden der Minister.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Februar.

In Kreisen der Reichstagsgbgeordneten ist ge­stern mehrfach die Meinung verbreitet worden, daß aus dem Umstand, daß gestern Reichskanzler Dr. Marr und Arbeitsminister Dr. Brauns gesprochen haben und heute Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n, sowie mehrere andere Mi­nister sprechen werden, der Schluß ,« ziehen sei, daß die Reichsregierung ihrerseits den Wahlkampf bereits eröffnet hat, und zwar will man wissen, daß es sich bei der Regierung darum handelt, mit allen Kräften zu verhin­dern, daß es jetzt zu einer Widerspenstigkeit des Reichstags kommt, die die Regierung zur Auf­lösung zwingen würde. Die Regierung hat, wie verlautet, nicht die Absicht, mit der Mehrheit des Reichstages eine Vorverlegung der Wahlen aus den 6. April und eine Selbstauslösung des Reichstages für den 5. April zn vereinbaren. An- geblich handelt es sich um die Frage der Mieum- Verträge, die bekanntlich bis zum 15. April ab­laufen -in Termin, zu dem allgemein eine innere politische Aufgeregtheit durch einen etwaigen LLahlkampf nicht gebraucht werden kann.

tim das Versailler Diktat.

Nochmals Hendeffons Rede.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 27. Februar.

Llyod George und der frühere Unter- staatssekretär des Auswärtigen versuchten gestern erfolglos, Macdonald zu veranlass feit, Hendersons Ansichtenüber die Ver- tragsrevifion zu desavouiren. Sie erziel­ten nnr die Erklärnng, Hendeffons Rede habe nicht vorher das Kabinett passiert. Keynes nennt die Rede sehr unklug und nnopportun. Die britische Opposition gegen die französische Politik der letzten dreizehn Monate gründe sich gerade auf den Versailler Vertrag. Die Mängel des Vertrages zuzugeben aber bilde nun einmal die einzige Grundlage für den europäischen Wieder­aufbau. Der Parlamentsberichterstatter des Daily Chronicle" führt zu der gestrigen Unter- hauserttärnng Macdonalds über die Rede Hen­dersons aus, die Arbeiterparteiler hätten die ErNärung Macdonalds mit bewußtem Stillschweigeu angehört. Da sie gedacht hätten, daß eine Revision des Friedens­vertrages ein Programmpunkt der Regierung fei, hätte ihnen die Zurückweisung Henderslons nicht gefallen.

Volitifcher Mord in Varis.

Daudet Nagt die Polizei an.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 27. Februar.

Die Angelegenheit der Ermordung des jungen Philippe Daudet, die vor einigen Wrühen viel Staub aufwirbelte, scheint nunmehr zu einem großen Skandal zu führen. Der Ab­geordnete Leou Daudet hatte wenige Tage nach dem Tode seines Sohnes eine Mordan­klage gegen Unbekannt erlassen und jetzt in einer Anzahl von Artikeln und Eingaben an die Be­hörden darznlegen veffucht, daß die Polizei durch Geheimagenten, die sie in den anarchisti­schen Kreisen unterhält, seinen Sohn in einen Hinterhalt lockte wo er dann von Polizei- angestellten ermordet worden sei. Gelegentlich der Behandlung dieser Anklage durch die Juftizbchörde seien anch gewisse Ge­heimberichte der Pariser Polizeipröfektnr und die Peffonalatten der Familie Daudet zur Sprache gekommen. Der Vorsitzende der Liga der Menschenrechte, Buiffon, bat, obwohl er ein persönlicher Gegner Daudets ist, gegen die nach seiner Auffassung gewissenlose Art und Weise, mit der derartige Akte von der Polizei behandelt wurden, eine Interpellation im Par­lament eingebracht, hei deren Besprechung alle diese Dinge zur Sprache kommen werden. Poin- care soll Buiffon aufgefordert haben, seine In­terpellation zurückzunehmen. Sollte dieser dem Wunsch Poinear-8 nachkommen, so werde jeden­falls ein anderer Abgeordneter in der gleichen Angelegenheit interpellieren. Auf alle Fälle sind schärfste Parlaments- und Preffekämpfe sicher.

Fernsprechverkehr.

Ein europäisches Kabelnetz.

Trotz bet Fortschritte frn drahtlos««» Fernve». kehr behält der Drahtverkehr leint Bedeutung» da o e diskrete Telephonvermittlung und die Ur» künden tteferudeTelegraPhie nicht zu ersetzen find

Die ungünstigen Einwirkungen atmosphäri­scher Erscheinungen aus den telegraphischen uns telephonischen Nachrichtenverkehr mit Draht ha­ben seit langem die Einkabelung der ober- irdischen Drahtleitungen aktuell gemacht. Auf diesem Gebiete ist Deutchland allen anderen eu­ropäischen Staaten weit vorangeschritten. Trotz der Ungunst der Verhältnisse vermochte es nach dem Kriege bereits dreitausend Kilometer Fern­sprechkabel zu legen, die gleichzeitig auch für te­legraphische Zwecke verwendbar sind und die den wichtigsten Teil seiner oberirdischen Leitungen ein ungeheurer Vorteil für den glatten Ab­lauf des auf Nachrichten gestützten Wirtschafts­lebensjeder atmosphärischen Be­einflussung entzogen. Die deuffche Reichsposiverwaltung hat das Fernsprechkabess netz so entworfen, daß es nicht nur für die inne­ren deutschen Zwecke, sondern auch auf den zwischenst aatlichen Verkehr der Zukunft eingestellt itxir. lieber den europäischen Fern- sprechkabelverkehr der Zukunft soll im April die­ses Jahres

eine Fernsprechkonferenz in Paris > ftattfindeu, die, nach dem Programm zu urtei­len, zu außerordentlich wettgehenden EutscMs- sen kommen muß. Sie nennt sich europäi­sche Fernsprechkonferenz, obgleich das für den europäischen Fernsprechverkehr wichtigste Land, Deutschland, noch keine Einladung zu der Konferenz erhalten hat. Die Wahl des Tagungsortes Paris läßt erkennen, daß Frank­reich dem europäischen Fernsprechkabelnetz der Zutunst ein ganz außerordentliches Interesse widmet. Es tritt sogar mit dem Anspruch auf, in der Propagandierung und Förderung deS zwischenstaatlichen Fernsprechverkehrs führenb zu sein. Dabei wurde die Idee des zwischen­staatlichen Fernsprechverkehrs in E u r o p a außerhalb Deuffchlands, das ja sein eigene^ Ferusprechkwbelnetz bereits für zwischenstaatliche Zwecke verbreitet hat), in besonders wirkungs­voller Form zum ersten Male propagiert durch Frank Gill, den Präsidenten der Institution os Electrica! Engineers in London, der zugleich der Hauptvertreter einer der wichtigsten telegra­phentechnischen Gesellschaften Nordameri­kas, der auch durch ihre Leistungen für den Radioverkehr bekannten Western Electric Com­pany, ist. Gill entwickelte in London in einer ungewöhnlich stark beachteten Rede Ne Ides des zwischenstaatlichen Fernsprechverkehrs in Eu. ropa, gesffitzt auf eine

überstaatliche industrielle Privatorganisation, die die Anlagen und den Betrieb des zwischen­staatlichen Fernsprechkabelnetzes fiihren sollte. Bestechend wirtte auf den englischen Hörerkreis, der durch die englische Presse in einen interna­tionalen verwandelt wurde, besonders der Hin­weis Gills auf die vorzüglichen Leistungen der Western Electric Company für das amerikanische Fernsprechkabelnetz. Gill konnte für die hohe Entwicklung seiner Gesellschaft ins Feld führen, daß die telephonische Ueberbrückung der Strecke NewtzorkSan Franciseo geglückt war, daß es also in Amerika möglich geworden ist. mittels Drahts über Entfernungen von 5000 Kilometer zu sprechen. Er stellte für Europa ein Fern­sprechkabelnetz ersten Ranges in Aussicht, falls man sich die Erfahrungen und Regeln seiner Gesellschaft zu Nutze machen würde. Seine Ideen wurden ungemein eilig aufgegriffen durch den französischen UnterstaatSsekretär für Post, Herrn Lafont, der getrieben nicht nur durch chauvinistische Eifersuchts-Momen­te gegen Deutschland, sondern sehr wahrscheinlich auch durch die wachsende Diffe­renz zwilchen dem Wert des französischen Fran­ken und dem amerikanischen Dollar bereits im Marz 1923 eine Konferenz westeuropäischer Fernsprechtechnike'- in Varis nffammenbrackte, bei der Belaien. Rügland, Italien, die Schweiz, Spanien und Frankreich vertreten waren. Die Auswahl der Teilnehmer dieser Konferenz war sehr vorsichtig: alle Staaten, die über eine ei­gene besondere Leitung mtf fernsprech^echni- schem Gebiete verfügten wie Holland, Däne­mark, Schweden die insbesondere von dem hohen Stand der

deutschen Fernsprechtechnik

Kenntnis hatten und als Nachbarländer die überragende Bedeutung Deutschlands für den r.wischenstaetlichen Verkehr loyalerweise im Ver­lauf der Konferenz hätten zum Ausdruck brin- gen können, waren ausgeschaltet. Eie Konferenz wählte einen vorbereitenden techni­schen Ausschuß für die kommende Fernsprechkon- fcrenz im April des laufenden Jahres, und dieser Ausschuß wird eine- Anzahl positiver Vorschläge machen für die technische Einrichtung dcs zukünftigen europäischen Fernsprechkabess