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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Sie Raffelet tkeuefien iladirtditen erftt'fncn mnd)entttd> fediSntaf nacf.rn ttagg. Der $lbonne. menupre» tetrapt fäx die Zett vom 11. bis 24. Februar 120 Pfennige bei freier SufteUimg in» S<m, in der Teicha,tSfteiie abfleholt 110 Pf« nig:. Scrltzg und Stebaitteo: LchlachtboMrat 28/30. Fernsprecher Nummer 951 und $52. Für unverlangt etaftefanfite BetlrLge kann die Redaltion eine <erantroortunp oder Keita6r m keinem Satte überneb ncn. Rückzahlung bei Bezugsgelder ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheck- tonto Frankfurt a M. Nummer 6380

Nummer 46. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. Sonnabend, 23. Februar 1924. Einzelnummer 10 Ps.,»Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Anzeigenpreise: SeschSftsanzeigen Zeile 15 Pfennig, Familien-An,eigen Zeile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen bi« Wort 2*/« Pfennig, Reklamen die Zeile 50 Pfennig, Offertgebühr W Pfennig (bet Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Rechnungsbeträge sind innerhalb fünf Dogen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zahlung-tage«. Für die Richtig, teir aller durch ernsprecher aufgeae'ienen Anzeigen. ' orale *ur Ausnabmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Auffchlag Druckerei: Schlachthofstratze 28/30. Geschäftsstelle Kölnische Strafte b, gegenüber der Spoyrsiraße. Fernsprecher Nr. 951 und 952.

Die Regelung der Mlzfmge.

Albeitödienstpflicht.

Ci« gesunder Vorschlag.

Von

Reinhard Collstede.

In die hartbedrängten, eine Besserung bei« sprechenden deutschen Friedensjahre schattet eine schwere Sorge hinein: Die Sorge um unsere Heranwachsende Jugend. Wir empfau- den, daß wir der Werdenden nicht mehr Herr waren und daß sie sich in steigendem LLaße un­serer Leitung entzogen. Das Wort von dcr wachsenden Kriminalität der Jugend Laim auf, und zunial in den Großstädten wurde es üblich, daß die Halbstarken, männlichen wie weiblichen Geschlechts, ihre Wege aus eigenem Recht gingen, naturgemäß sehr oft Abwege. Allzu früh verliehene Freiheit wird notwendig miß­braucht, und unser Nachwuchs, durch die teilt* schastlichen Verhältnisse häufig von den Eltern fast unabhängig, begann nicht nur Vater und Mutter, sondern überhaupt jeder Autorität ins Gesicht zu trotzen. Was frühere Jahr­zehnte ängstlich behütet und vor der gefürch­teten Weltlust bewahrt, ihre unreifen Kinder, das überließen wir jeder Versuchung und Ver­führung, jedem beliebigen Hetzer und Herzens­vergifter. So begann die Jugend an Seele und Leib zu verkümmern.

Zu Riesengröße sind inzwischen die Gefahren angeschwollen. Wer sich mit unserer Jugend pflichtgemäß beschäftigt und nicht stumpf und starr an ihr vorüberläuft, der weiß, wie sich der Zettgeist" an ihr austobt, welche Drachensaat htex 8Bs£- wir ehemals rügen mutz­

ten, sind Harmlosigkeiten im Vergleich mit den heutigen Ausschreitungen der Heran­wachsenden. Gewiß dürfen wir nicht sie dafür verantwortlich machen. Jugend hat keine Tu­gend. Schuld am Verderben und Schuld an dem Elend, das ihm notwendig entspringen wird, sind allein wir Aelteren. die sich ihr Erziehungsrecht aus den Händen winden und sich von Halbwüchsigen terrorisieren ließen. Glück- licherweise bricht sich der B e s s e r n n g s w i l l e allmählich Bahn. Es kommt ihm zustatten, daß auch die wirtschaftliche Lage Deutschlands uns dazu zwingt, dem Jugendlichen-Problem erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Die Arbeits­losigkeit in Deutschland, die Erwerbsschwie- rigfeiten nehmen zu. Wenn auch noch nicht zwan­zig Millionen Hände zu viel sind sicher ist daß die sieben- bis achthunderttausend jungen Arbeitskräfte, die früher im Heere dienten, jetzt aber in Fabriken und dergleichen beschäftigt sein wollen, den Arbeitsmarlt beeinflussen. Nach der Revolution» die unsere Wirlschaftsmaichine arg in Unordnung brachte, fiel das Angebot dieser jugendlichen Masse zunächst nicht übermäßig ins Gewicht. Damals schien ja Geld in Hülle und Fülle vorhanden, jede Verschwendung er­laubt zu fein. Wir dlinkten uns so reich, daß wir nicht nur den Achtstundentag einführen und damals die halbe Arbeitszeit außerdem noch mit Beratungen vertrödeln konnten, sondern daß wir uns auch berechtigt glaubten, fünfzehn- und sech­zehnjährigen Ungelernten ungefähr dieselben Löhne wie erfahrenen, verheirateten Arbeitern zu gewähren. Diese demagogische Leichtfertigkeit rächt sich jetzt furchtbar. Unterm Druck der fres­senden Rot wird aber die Finge immer lauter, tote wir die sieben- bis achthunderttausend über« zähligen jugendlichen Arbeiter vorn Martte ab- lenken können.

Ein neues Heer aufzustellen, verbietet uns der Bielverbands die Wehrpflicht ist für Deuischllmd bis auf weiteres erledigt. Niemand kann es uns dagegen verbieten, von unseren jungen Leu­ten die Erfüllung einer Arbeitsdienst- pflicht zu verlangen. Wird jeder junge Deutsche angehalten, ein oder mehrere Jahre für die All­gemeinheit zu arbeiten, genau so, wie er früher zu ihrem Sckutze in das Heer eintreten mußte, so entlasten wir die Wirtschaft mit einem Schlage, helfen aber auch gleichzeitig dem finanzschwachen Staate aus die Beine. Große Ar­beiten, die jetzt den Staatshaushalt empfindlich belasten, können bequem von unserer Jungmann­schaft geleistet werden. Welch eine unübersehbare Fülle von Aufgaben bietet sich hier' Man brauch! nur an Wege-, Kanal- und Eisenbahn- b au, an Meliorationen großzügiger Art usw. zu denken Aber dies ist nicht das Wich­tigste. Von entscheidender Bedeutung wäre, daß die Heranwachsende Jugend endlich wieder ein­mal Manneszucht uns Ordnung kennen lernte. Daß fie aus dem volitiicheu Getriebe.

das den Unreifen verhängnisvoll wird, aus der Kneipen- und Versammlungslust herauskäme Statt dessen träte sie wieder in einen gefestigten Verband ein, dem anzugehören zwar hohe Ehre bedeutete, der aber auch Erfüllung aufcrlcgicr Pflichten verlangte. Deutschland erhält dann statt der Soldaten des Krieges Soldaten dcs Friedens. In der neuen Schule der Heran­wachsenden fiele es leicht, sie körverlich und see­lisch zu stählen, darüber hinaus sie mit jenem echten vaterländischen Geist zu erfüllen, ohne der» es keine Wiedergeburt gibt.

Dcr Gedanke der Arbeitsdienstpflicht wird sich durchsetzen, weil er mehr als eine wirtschaft­liche, weil er eine sittliche und natio­nale Notwendigkeit ist. Daß er in der Zett bitterster Armut auftaucht, braucht uns nicht zu erschrecken. Preußen hat es in noch schlim­merer Zeit verstanden, seine Heranwachsenden zu eii'cvien Männern zu erziehen und die dafür nötigen Millionen anfzubringen. Woher und unter welchen Entbehrungen teir auch das Geld zusmmnenkratzen wenn wir es für die Jugend tun, dann finden teir reichen Lohn. Die kommen­den Geschlechter werden uns nicht danach beur­teilen, ob teir in furchtbarem Ringen gegen die ganze Welt unterlegen sind; sie werden eS uns auch verzeihen, daß wir nach fürchterlichen fünf Jahren harten Kampfes und grausamer Enkbeh- rung die Nerven verloren. Aber nun und nim­mer würde es uns die Zukunft verzeihen, wenn wir unsere Werdenden verwahrlosen lassen, statt das Letzte für sie aufzubieteu und damit die deutsche Zukunft wieder zu retten.

Die Lage in der Malz.

Nur noch vereinzelte Separatistentrupps.

(Eigener Drahtbericht.)

Mannheim, 22. Februar.

Hebet die Lage in der Pfalz wird heute gemeldet: Seit gestern ist die Pfalz von den Separatistenfrei. Nut in Speyer befinden sich immer noch einzelne Separatisten-AbteUun- gen, die nach der franziisischen Kaserne überführt sind, weil der Abtransport Schwierig- leiten macht. Die alliierte Untersuchungskom- mission hat die Pfalz noch nicht verlassen, sie wellte gestern in Pinnafens, wo sie die Anord­nungen über den Belagerungszustand und die Berlehrssperrc gebilligt hat. Rach Mannheim kehren täglich zahlreiche Beamte zurück, deren Eintritt in die Pfalz von den Franzosen noch verweigert wird. Anschläge der Militärbehörde bedrohen jeden Angriff auf die abziehenden Se­paratisten oder deren Familien mll kriegsge­richtlicher Bestrafung.

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vvMisGr Amnestie.

Paris, 22. September. (Privattelegramm.) DerMalin" meldet aus Koblenz, die Inter- alliierte Kommission habe eine Amnestie für alle politischen Strafvergehen in der Pfalz erlassen, die alle Handlungen bis 10. Februar einschließt. Der Beschluß ist damit begründet, daß eine schnelle Beruhigung der Bevölkerung eintreten müsse. Gemeine Verbrechen, Mord und alle Handlungen gegen Anordmmgen der Be­satzungsarmee bleiben ausgeschlossen.

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Die französischen tiebercriffr.

Pirmasens, 22. Februar. (Eigene Drahttnel- düng.) Infolge der Verhaftung von städtischen Beamten in Pirmasens durch französische Lri- minalpolizei ist es noch nicht möglich gewesen, die städtische Berwaltung wieder in Gang zu bringen. Bei den Repressalien wirken auch die Separatisten mit, die den französischen Gendarmen und Kriminalbeamten die Personen bezeichnen, die zu verhaften sind und auf diese Weise ihre Rache ausüben.

Thüringer Reichskabinett.

Die erste Laudtagsfitzung.

(Privat-Telegramm.)

Jena, 22. Februar.

Die erste Sitzung des Thüringer Landtages brachte nach stürmischen Kundgebungen der Linkö-Radilalen die Wahl des Präsidenten. Auf Vorschlag des Ordnungsbundes wurde zum Landtagspräsidenten Dr. Wernicke (Landbund) gewählt. Im Verlaufe der Sitzung wurde ein Antrag der Kommunisten auf Wah­

rung der Immunität der Abgeordndeten abge­setzt. Die Sitzung mußte infolge von Stö­rungsakttonen der Linksradikalen um eine halbe Stunde ausgesetzt werden. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde die Zusam­menstellung des Kabinetts vorgenommen. Fi­nanzminister wurde Ministerialrat Dr. Stolze (Weimar), Innen- und WirtschastSminister Lau­desrat a. D. Dr. Sattler, Minister für Bildung und Justiz Reichstagsabgeordueter Oberverwal- ttmgsgerichtsrat Dr. Leuthäuser (Jena). Die Demokraten gaben eine Erklärung ab, daß sie dieses einseitig ausgestellte Kabinett nicht unter­stützen könnten. Sie seien für eine Koalition.

Am den Reichstag.

Die Auflösung soll vermieden werden.

(Eigener Drahtberich:.)

Berlin, 22. Februar.

Entgegen den von den Parteien geflissentlich verbreiteten Meldungen über eine Zuspitzung der Situation im Reichstag kann heute erneut festgestellt werden, daß, mit Ausnahme der Deutschnationalen, vonkeinerParteiernst- liche Vorbereitungen getroffen werden, um eine vorzeitige Auflösung des Reichstags herbeizuführen. Eine unbedingte Berstäudi- gung wird von allen Parteien, einfchließlich der Sozialdemokraten, angestrebt. Auf die- fem Grundton war auch die Rede deS Kanzlers Marx in der Zentrumsfrattion gestimmt.

ZSarlamentoorbett bis Ostern

Berlin, 22. Februar. (Privattelegramm.) Die Arbeiten deS Reichstags werden sich vor­aussichtlich bis Ostern erstrecken. Der Not­etat soll unter allen Umständen bis 1. April f<-r- tiggestellt fein. Die wahlagitatorifchen AntrS- g e und Anfragen der Sozialdemokratie wer­den Anfang kommender Woche auf die Tages­ordnung des Reichstages kommen.

AmerikasVrivaweteiligung.

Die Reparationsregelung.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 22. Februar.

De,Malin" meldet aus Washington: Im SenatSausschutz erwiderte Hughes auf die Anfrage Borahs über Amerikas Anteil an der Reparationsregelung, wie sie von den Sachver­ständigen vorgefchlagen würde, Amerika be- absichtige keineswegs, sich amtlich au der ReparatioSregelung zu beteili­gen, es würde den etwaigen Beschlüssen der Sachverständigen jede moralische Unterstützung zuteil werden lassen, die Beteiligung an deut­schen Anleihen müsse jedoch dem privaten Gklbmartt Vorbehalten bleiben. Ein amtlicher Bericht der amerikanischen Sachverständigen liege jedoch zurzeit noch nicht vor.

Sachverständigen-Ausschuß Verzögerung der amtlichen Berichte.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 22 Februar.

liebet die Sitzungen der Sachverständigen an den beiden letzten Tagen ist ein amtlicher Bericht noch nicht erschienen. DemTemps" zufolge sol­len Beschlüsse erst am heutigen Freitag gefaßt werden. DieHumanitü" glaubt in dem Ausbleiben der offiziellen Berichte den Beginn ernster Meinungsverschiedenheiten zwischen den stanzöfischen Sachverständigen und der Mehrheit des Ausschusses erblicken zu müs­sen. DerTemps" bezeichnet feine Veröffent­lichung über den Hauptinhalt des Sanierungs­programms ausdrücklich als Vorschläge der M e h rh e i t des Ausschusses, was die Ueberstim- mung der Sachverständigen zu bestätigen scheint.

Der Versonaladbau.

Maßnahmen zur Vermeidung von Härten.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 22. Februar.

Der Sparausschutz des Reichstages äußette den Wunsch, daß der Spnrminißrr A u s - gleichsstellen schaffen möge, wodurch es möglich werden soll, abgebaute Kräfte in anderen Verwaltungen, wo ein Neubedarf ein- tritt, unterzubriugen. Der Reichstagsaus- schuß für die Ueberwachung der Durchführung der Perfonalabbauverodnung nahm eine Ent­schließung an, wonach der Abbau von Schwer­beschädigten Beamten, Angestellten und Ar­beitern nur mit Genehmigung der obe- reit Reichsbehö rde vorgenommen werde» darf. Bereits ausgesprochene Entlassungen von Schwerbeschädigten sollen nachgeprüst werden, ob sich Wiedereinftelluna ermöglichen läßt.

Hotel und Verkehr.

Die Marburger Tagung der Hotelbesitzer.

An den betben letzten Tatzen fand in Marburg die 6. Jahreshauptversammlung des 3 0teib«- fitzer.Berbanbes von Hesse» unb Walbeck start, in berrn Mittelpunkt bi« 8,-nc der Ho els uub bie Rendelevung ber Berkey-siverbnng ftanb. In der bergigen schloßüberragten Stadt der heiligen Elisabeth und der Philipps-Universität war gerade Lichttnetz-Markt. Eigentlich sollte er am 2. Februar sein, doch im Zeitalter der Schie­bungen kommt es vor, daß auch einmal ein alter Markt verschoben wird. Morgens wurden Schwei­ne verhandelt und nachmittags Ho-lztoaren, Spielzeug, Backwaren, Schotoloade und andere jener Dinge, die es auch in Kassel zur Messe gibt. Stolz-erhaben blickte das alte Rathaus mit der Riesenuhr auf die kleine Budenstadt hcrad. Das war ein Gewimmel von Studenten, mit Mütze und Band, Wagen und Vie- len Landmädchen in sämtlichen Trachten der Umgebung. . . ein wirklich bunt abwechselndes Bild!

In den Stadtsälen aber saßen die Hotelbesitzer, ians Kassel, Marburg Wildungen, Sooden, Melsungen, Kirchhain, Biedenkopf und anderen hessischen und waldeckischen Städten zu ernstem Rat beieinander. Nur zweimal wurden die Ge­danken abgelenkt, als draußen eine riesige Dreh­orgel vorüberfnhr, die den neuesten Schlager spielte und zum anderenmal, als eine Kompag­nie des Ausbildungsbataillons unserer15er" oorbeimarischierte. Bums machte die Pauke und mächtig dröhnte das Deutschlandlied. Die Mar­burger Stadtverwaltung, dar dortige Finanz­amt und die Kasseler Handelskammer waren vertreten. Albert Mann's (t) Nachfolger, Schloßhotel-Desitzer Stecker von WilbelmS- höhe, führte den Vorsitz. Zu Ehren von sechs To­ten, vier davon in Kassel, die das letzte Jahr gefordert, gab es das übliche Erheben von den Plätzen. Dann erstattete Hoteldirettor Opel- Kassel, der rührige Schriftführer, den Jahres­bericht, der alles Schwere, was Wer uns alle und über die Hotels im besonderen infolge der Inflation hereingebrochen war, getreulich wie- deifpiegelte. Das frühzeiftge Ende der Saison in den Badeplätzen wurde auf die sprunghaften Steigerungen der Eisenbahntarise zurückgefühtt. Und weiter spielten die Steuern eine große Rol- le, namentlich die Wohnsteuer. Heute, im Lickte der Rentenmark, wird erst erkannt, tote hoch dieseSleuern sind. DerVergnügungsreisende, so hörten toir weiter, ist heute ziemlich der-, schtounden und wenn wir dem Auslande gegen­über wieder kotikurrenzfäbig werden wollen, so ist es erforderlich, daß Staat und Kommunen sich bereit finden, eine abbauende Steuer- Politik zu treiben. Interessant war die Fest­stellung: In den deutschen Hotels find 5 Gold- rnikkiaÄeu investiert, während 1914 der gesamte deutsche Bergwerksbesitz auf 5 bis 6 Goldmilli­arden geschätzt wnrde In einem eingehenden Referiat über das Stenertoesen bekämpfte Ho­telbesitzer Döhne-Kassel die dem Hotel- und Hastwirtsgewerbe aufokttoierten Sonder, steuern, die alles andere, nur nicht verkchrs- werbeitd wirkten. Schon vorher hätte Opel fest- gestellt, daß auf einem Brillantrtnq nur 15 Pro- zent Stenern ruhen, während einFrernder 30 Prozent für eine Uebernachtung an Steuern aufzubringen hat. Die Forderung Döhnes ging dabin, daß die Gemeinden, wie es das Reich be- reits tut, auf die BehervergunaSsteuer bei Zim­mern unter 5 Mark verzichten oder doch wenig­stens merkliche Milderimgen eintreteu lassen.

Stadlrat Weber-Kassel, als Vertreter des Verkehrsverbandes für Hessen und Waldeck, dem der Hotelierverband korporativ. angehört, brach­te znm Ausdruck, daß die Städte gern solchen Steuerteünschen entsprechen würden, wenn sie die frühere Steuerhoheit zurückerhielten. Oberregierun^rat Harte vom Marburger Finanzamt appelliette an die Versammlung: Betrachten Sie die Sache von dem Standpunft aus, daß. um die neu Währung unter allen Um­ständen zu halten, dem Voffe fünft bare Steuer­lasten an'crlegt Niedren muffen und es wird Ihnen leichter fallen, auch Hätten mit in Kauf zu nehmen Ein neuer Zusammenbruch müßte zu dem fürchterlichsten Towubabobu führen und alle Gewerbe könnten dann einvackeu! Bürger- meister Müller- Marburg f*i(tcrte die Fi- nanznot der Gemeinden, die auf rwei Steuern nicht verzichten können: Die Gewerbesteuer und bie Lustbarkeftsstei'er! Der Vorsitzende deS Provinzialverbandes der fflastwitte von Heffrn- Nasso.n und Waldeck, Stadtverordneter Hart- leb-Kastel bcbaitertc. daßEntgegenkommen an die Treckenleannoari'se aus Amerik" die Ge- iränkestener beeinflußt hat und machte allerlei Mitteili'noen, die kaum glaublich, aber wahr sind. In Witzen bansen hat man, wie Ho­telbesitzer Blume von dort mitteilte die Ge- «ränkesteuer bereits taffen kaffen. In einer E n t- kchlieffnng wurde einstimmig dagegen pro­testiert. daß der Satz von 2 Prozent vom nrnfan «nach Abzug der Gebälter, Söhne und 23of- steuer) als Vorauszahlung aus die Einkommen-