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Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Sonntag, 3. Februar 1924.
Nnmmer 29. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.
»te Kasseler Neueren Oladrtd ten erscheinen rondirntlidi iechrmal nadim ttaflJ. Der Adonne- I mentsvret« t-ehret für die gelt vom 28. Januar MS 10, «ebruar 120 Pfennige bet ireier I ^uklelluna ins 5?cu , !ir der Lelchlisttfteie abgrdoli 110 Pfe. Nig:. — etrlog und 1 Redaltion- Schrachtbo'Maß.- 28/80. — Fernsprecher Nummer »51 und 952. — Für , unverlangt eingeiandte Beilräge kann die Redaltion «in« - erantworrung oder Eeirühr m tetnein Falle übernehmen. — Rückzahlung des Be,ugSgeldeS oder «nsvrüche wegen etwaiger nicht ordnnngSmätziger Llelernng ist ausgeschlossen. — Postscheckkonto Frankfurt o M. Nummer 6380.
Einzelnummer 10 Ps^ Sonntags 15 Ps. 14. Jahrgang
Aiuetqenpreise: »eschiistSanzeig
Kleine Slnzetaen dis Wort 2‘/, Pfennig, ReNamen bte Zeil« ennia Offntg-duhr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Rechnungsbeträge ^sind innerhalb fünf Lagen ,u bezahlen. — Maßgebend ist der Kurs des Zahlung,tages. Für die Richtig, lei, aller durch erniprecher aufgegedenen Anzeigen, ioroie r.tr lLufnallmedaten und Plaue kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Ta« yundert Prozent Aufschlag Truckerei - Schlachthofstratze WM. Eeschäftsstelle Kölnische Straße b, gegenüber der Spodrstratze. Fernsprecher Nr. 951 und 9o2.
MacdsnM verurkeill die Wrbesetzung.
beschlossen. Die Sozialisten und Kommimi- tcn hatten vorher den Saal verlassen. Fn maß. gebenden Kreisen des preußischen Kabinetts wird iedoch die Sachlage anders beurteilt. Dan aas hat die gestrige Abstimmung die Genehmigung gesunden und die Verordnung tritt nunmehr in Kraft. Die Verordnung unterliegt nicht mehr der Anfechtung durch den Staatsrat.
Deutschlands Stellage.
Eine Besichtigung durch die Sachverständigen. (Eigener Drahtberich:.)
Unter £er fremden Last.
Macdonald gegen die Ruhrbesetzung.
(Eigener Drahtbericht.)
Köln, 2 Februar.
Die Londoner „Times" melden: DaS Kabinett M a c d o n al d hat in seiner Donnerstag- Sitzung beschlossen, daß die K o st e n der R « h r - besetzung nicht den allgemeinen Bcsat- zungskosten znzuccchnen sind, deren Rück- erstattnng nach dem Versailler Vertrag Deutschland obliegt. Demnach habe Deutschland nicht die Pflicht, die Ruhr- Befctzungskosten zu bezahlen. Die Times nennen den Beschluß des Kabinetts, der anläßlich der notwendigen An- Weisungen für den Vertreter in ver Reparation^' Immission, Sir Bradburd, erfolgt sei, die erste Handlung des neuen englisjchetz Kabinetts in der Ablehnung der Ruhrbesetzung.
Das Unglück der Vfalz.
Auslieferung der Eisenbahn an die Franzosen.
(Eigener Drahtberich:.)
Ludwigshafen, 2. Februar.
Der Speyerer Korrespondent der Londoner Morningpoft" meldet, die „autonome Regierung brr Pfalz" habe die Uebertragung sämtlicher pfälzischer Bahnen in die alliierte Regie in einem „Staatsakt" vom 31. Januar vollzogen — Ter Vertreter des „Daily Chro- nirle" meldet aus Spener: Nach Berichten aus dem französischen Oberkommando in der Pfalz, die den Bürgermeisterämtern der Pfalz zwecks Anschlag zuqehen, sei an den BuslandSmelduu- gen, daß die französische Regierung sich von der separatistischen Pfalzregierunq zurückzu- ziehen beabsichtige, kein wahres Wort.
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Unter französischem „Schutz".
Speyer, 2. Februar. (Pridattelegramm.) Die Separatistcn-Regierung hat die Gen dar merie und Polizei der französischen Besatzungsbehörde unterstellt. Die Zustände in der Pfalz lasten nicht im gering- sten die Erwartung zu. daß Frankreich die Se- apmtisten fallen zu lasten gedenkt.
DieGrundsteuerD-rordnuns
Zweckloser Einspruch des Staatsrats.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 2. Februar.
Die gestern im Landtag befchloffene Grundsteuer bat den stärksten Widerspruch im Preußischen Staatsrat gefunden. Obwohl Staatssekretär Dr. Weber darauf hinwies, daß der Beschluß deS Landtages einen Ausfall von 70—80 Millionen bedeuten würde, beharrte Abgeordneter Dr. Graf von Kayferlinq Mit Entschiedenheit im Staatsrat auf seinem Antrag, gegen den Beschluß des Landtages Einspruch zu erheben, weil die Landwirtschaft davon am höchsten betroffen werde. Tiefer Einspruch wurde dann auch in namentlicher Abstimmung mit 55 gegen 5 demokratische und Zentrmnsstimmcn
^Betriebe soll erreicht werden, daß sie sich selbst erhalten. ES ist zunächst nicht recht einzusebea, warum dazu die Herausnahme aus dem Reicks- etat nötig war. Bei energischer Leitung und straffer kaufmännischer Verwaltung hätte sich auch ohne dies, so sollte man meinen, eine aktive Bilanz zustande bringen lassen. Aber für den Entschluß des Kalinetts, Bahn und Post auf eigene Füße zu stellen und vom Sleichsetat zu lösen, ist die Erwägung maßgebend, diesen Betrieben Kredite zu schassen. Eine für die Oesfenklickk.'ii unangenehme Auswirkung ist dabei die bevorstehende Erhöhung der Fahrpreise der drittm und vierten Klaffe, aber es ist anzunehmen, daß auch dafür die allgemeine Wirtschaftslage bald einen Ausgleich bringen wird. L. F. D.
Reformen.
Nach kaufmännisch n Gesicht punkten.
Die SachteistungsvrrteSae.
Düsseldorf, 2. Februar. (Privat-Tele- gramm.) Der „Trmps" meldet von hier: Am 15. Februar beginnen in Düsseldorf die Verhandlungen mit den Rnhrindustriellen über die Verlängerung der am 15. April ablaufenden Mieum-Verträge. Die Industriellen schla. gen die Herabsetzung der vereinbarten Leistungen aus fünfundsechzig Prozent vor
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Deutschland soll zahlen.
Berlin, 2. Februar. (Privattelegramm., DaS ,Kcho du Rhin" meldet, daß die alliierte Nheinlandkommission ihren Kostenan schlag fiit 1924 mit 98 Millionen Goldmark Verwalt ungskosten ausgestellt und der deutschen Regierung zur Z a h l u n g in vierteljährigen Vorschußleistungen eingereicht habe.
Da« teuere Leben.
Berlin, 2. Februar. (Privattelegramm.) Den Mitgliedern deS Sachverständigrn-Ausschus- ses ist der Luxus aufgefallen, der in Berlin getrieben wird. Ein Delegierter bemerkte aber, dast er die Armcnviertel noch nicht gesehen habe. „Das Leben in Berlin ist jetzt sehr teuer geworden," hat der Herr gesagt. ,Fch habe für mein Diner dreißig amerikanische Dollars bezahlen müffcn" Diese Teuerung soll ans die Sachverständigen einen gewiffen Eindruck machen. Diele haben die Absicht, den Aufenthalt in Deutschland möglichst abzukürzen und nicht länger in Deutschland zu bleiben, als die Aufgabe der Ausschüsie eS verlangt.
Frankreichs Teuerung.
Die Ausfuhr von Mehl ist jetzt verboten.
(Eigene Drahtmeldung.)
Ludwigshafen, 2. Februar.
Wie hier verlautet, soll Frankreich die Ausfuhr vo» W e i, e n m e hl ver b ot e n haben. Falls sich die Nachricht bestätigt, bedeutet die darin gekennzeichnete Maßregel die Folge des nun seit mehreren Wochen anhaltenden ^ranke nsturz es. In Frankreich beschäftigt man sich in den letzten Tagen bereits lebhaft mit den großen französischen Mehlverkaufen nach Süddeutschland. Das Departement Lille hat gegen diesen Zustand schärfsten Protest erhoben und darauf hingewiesen, wie schwere finanzielle und wirtschaftliche Folgen eintreten könnten, wenn dieser Zustand anhalte.
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Teuerungskundgebungen werden unterdrückt.
Pari«, 2. Februar. (Eigene Drahtmel- buna.) Infolge der Unruhen des letzten Sonntags hat der Seinepräfekt die für Sonntag einberufenen sechSundzwanziy Versammlungen gegen die Teuerung verboten. — Bei den Wahlen der Gewerkschaftsvertreter siegte in Lyon und Marseille di« kommunistische Liste. — In Paris und im Seinedepartement wurden, laut der Humanitö, 360 000 kommunistische und 110 000 sozialistische Stimmen gezahlt.
Erreguna in Rußland.
Wie die Opposition wieder unterdrückt wird.
(Eigener Drahtbericht.)
London. 2. Februar
Die „TimcS" melden aus Moskau: Die Stadt Moskau gleicht zurzeit einem Militärlager. Alle staatlichen Gebäude sind militärisch bewacht und durch Maschinengewehre gesichert, Die Stadt ist mit Truppen aus der Provinz angefüllt. Das Triumvirat Kamenew-Sinow- jeff-Stellin setzt seine Versuche. Trotzki unschädlich zu machen, fort. Die Tscheka hat Trotzki zweimal im Sanatorium vernommen. Die Verhaftung Probraschensus, des Führers der kommunistischen Opposition, hat große Erregung in der Arbeiterschaft hervor- gerufen Die Streikvcrsuche wurden durch rote Truppen unterdrückt. Die Bcrschik- fung von taufenden oppositionell gesinnten Arbeitern »ach Sibirien wird von der „Prawda" als Beginn einer „radikalen Reinigung" der russischen Sowjetrepublik bezeichnet. (!)
Der gleichen Form der Ehrerbietung unterzog sich der neue britische Premier gegenüber der Königin, der er durch den Souverän vor- gestellt wurde Mit diesem Handkuß ist der Leiter der englischen Regierungsgeschäfte nach Brauch und Verfassung aller persönlichen Ver. pflichtungen gegenüber der Krone ledig; es ist in England nicht, wie es früher im kaiserlichen Deutschland war, Brauch, daß der erste Staats, mann den Monarchen fortwährend über die Re- giernngsaesckäste auf dem Laufenden erhält. All« politische Macht liegt dort bei der Re. aierung und beim Parlament; die Rechte der Krone sind eng und scharf umgrenzt, urw der Premierminister ist dem König Rechenschaft nickt schuldig, solange er sich im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Befugnisse halt. Diese sind aber so umfassend, daß man sagen kann: Vereinigten Königreich regiert der Premier- Minister unter Zustimmung des Parlaments. Der Träger der Krone ist staatsrechtlich nicht mehr als ein gekrönter, erblick Präsident, und seine Main verschwindet ger" -zu. gemessen an der des Präsidenten der V einigten Staaten von Amerika. Die königliche stacht in England gebt ungefähr so weit, wie ‘ ■ des Präsidenten der französischen Republik e er des deutschen Reichspräsidenten, mit dem k gieren Unterschied, daß seine Amtsdauer nicht ei-länft, und daß er nicht absetzbar ist Der Hang zu
mittelalterlichem Pomp imb Prunk
im englischen Staatswesen zeigt sich selten fo sinnfällig Wie bei der Parlamentseröffnung. Diese erfolat stets durch den König, der sich in hockst feierlichem und prunkvollem Auszug nach Westminster begibt. Königliche Reitergaide bildet dabei Spalier, in einem Auszug, der von modernem Militarismus so weit entfernt ist wie ein Maschinengewehr von einer Steinschloßflinte. Auf dem Kopf tragen die Gardisten riesige Bä- renmützen; der farbige Unisormrock ist Wer« kreuzt von weißem Lederzeug: die weißen Hosen stecken in hohen, glänzenden Stiefeln. Uncckeich farbiger und prunkvoller nock aber sind die Offiziere und Mannschaften, die die Staats - kgrosse des Königs eskortieren. Es sind Fiauren, wie aus einem Kostümfest, Mannschaften in reich galonierten Röcken, breite Baretts auf dem Kopf, riesige Hellebarden Wer der Schulter.: Dazu ein unübersehbarer Troß von L a k e i e n und Dienern, in pompösen Uniformen. Der Staatswagen des Königs wird von acht Pferden gezogen, die wiederum mit Decken und Schabracken behängt sind: die Karosse selbst trögt auf dem Dach eine mächtige vergoldete Krone. Der ParsgmentSeröfsnnna voran gebt noch heute wie seit mehr als drcihunderk Fahren ein höchst seltsamer Brauch, die
Untersuchung der Kellerräume
von Westminster. Der Brauch stammt auS
inhaltlose Formalitäten
zu erflillen, Formalitäten, für die eigentlich heute alle Voraussetzungen und Anlässe fehlen. So hat sich eben auch diesmal beim Uebergang der Regierungsgewalt von den Konservativen an die Arbeiterpartei alles getreu den uralten Traditionen abgespielt, die der Engländer so sehr schätzt, 'und die auch der Schaulust der Massen, große Konzessionen machen Auch die.Arbeiter- sichrer sind eben in erster Linie Engländer und können unbeschadet ihrer polttticken Weltanschauung nicht aus ihrer englischen Haut; heraus. So hat auch Ramsay Macdonald bei seiner Ernennung zu.m Premierminister genau die gleichen Formalitäten beobachtet, wie es vor ihm Dalpwin, Bonar Law, Lloyd George und alle seine Vorgänger getan haben. Der Führer der Arbeiterpartei erschien bet der denkwürdigen Berufung zum König in dem für Audienzen in England vorgeschriebenen Anzug: Gehrock mit Zylinder, und nachdem er aus den Händen des Königs die Bestallungs-Urkunde empfangen hatte, die ihn zum Ersten Minister Seiner Britischen Majestät ernannte.
küßte er dem König die Hand.
Zum erstenmal in der mehr als sechshundert- jährigen Geschichte des englischen Parlamentarismus hat ein Führer der Arbeiterklasse, der sogenannte vierte Stand — cm Begriff aus früheren Tagen — die Regierung des Vereinigten Königreichs übernommen; aber die Zere- monien und Bräuche bei dieser Regie- rungsübernahme und bei der Eröffnung des neugewählten Parlaments unterscheiden sich
Berlin, 2 Februar, rungsübernahu
General DaweS stattete gestern in den Dor- des neugewählten Pt Mittagsstunden in Begleitung einiger persönlicher Freunde, darunter der Leiter der amerikanischen Kinderspeisung in Berlin, dem mit der Durchführung der amerikanischen Kinderspeisung in Berlin beauftragten Zentralausschuß Är die AuslandSHilse einen Besuch ab. Nachdem er sich über das von den amerikanischen Quäkern im Zusammenhang mit dem deusschen Zentralausschutz organisiette amerikanische Kinderhilfswerk einen Vortrag hatte halten lassen, besichtigte er unter Führung des Geschäftsführers detz deutschen Zentralausschussetz für «us- landShilfe das städtische T a g e s h c i m für t u - üerkulüfe Kinder. Im Anschluß daran besuchte der General eine Volk 8 sch ule des Nordens von Berlin, um sich ein aus eigener Anschauung gebildetes Bild von der Lage der Berliner Schuljugend machen zu können.
auch nicht im geringsten von denen, die unter einer konservativen Regierung üblich waren. Alles das — man könnte es Brimborium neu- nen — hat mit der politischen Neberzeuguna des Engländers nicht das geringste zu tun. Der Brite hat einen so ausgeprägten Sinn für Tradition, daß es ihm gar nicht zum Bewußtsein kommt, bei der Pflege alter Zeremonien in Wahrheit
Fünf Jahre lang haben die verschiedenen ; deutschen Regierungen aus Kosten des deutschen , Nationalvermögens gewirtschaftet, wozu sie . durch den Kriegsverlust und die Revolution sie- ; zwungen waren. Die deutsche Niederlage im ■ Kriege veranlaßte dir Feinde, die Höhe ihrer Kriegsentschädigungs-Forderungen so hoch an- ■ zusetzen, daß es für Deutschland unmöglich war. sie aöiutraaen. Durch die Abtretung der Ra:d- gebiete und der Kolonien, durch die Auslies> rung der gesamten Kriegsflotte und des Heeres- materials, deS größten Teiles der Handelsflotte, der zahlreiclen landwirtschaftlichen Maschinen, der großm Mengen besten VieheS. der Kohlen- ausheitte usw. ist das Volksvermögen stark vermindert worden, und während der militärischen Besetzung Westdeutschlands haben es di: Franzosen und Belgier darauf angelegr, Deutschland durch Beschlagnahmen und Aufbür- dung der Besetzungskostm weiter zu schädigen Rach der gleichen Richtung ging die Wirkung der deutschen Innenpolitik, die zwar auf Erfüllung der feindlichen Forderungen hinzielte, aber nicht dazu imstande war, weil die Volkslraft nicht ausreickte. Durch verringerte Arbeitsleistung blieb die ErwMungsmenge gegen früher zurück, so daß die überwiegende Einfuhr ungunsttg auf die Außenhandelsbilanz wirlte. Den vermin, derten Staatseinnahmen standen übermäßige unproduktive Ausbau gegenüber, so daß der Haushalt von Reich, Ländern und Gemeinden in heillose Verwirrung geriet, die noch durch . den andauernden Notendruck verschlimmer! wurde. Die Notlage fand tfrren sichtbaren Aus- druck in der Geldentwertung. Es war ein re- gelrechter Staatsbankerott, wobei ein großer Teil des Volkes, der seine Ersparnisse in Staats- oder städtischen Papieren angelegt hatte, um sein Geld betrogen worden ist. Und es bat den Anschein, daß die Privatwirtschaft dem Beispiel des Staates zu folgen beabsichtigt, da bei der Zusammenlegung deS verwässerten Aktienkapi- tals die gleichen Ergebnisse eintreten.
Regierungsseitig ist endlich unter die Dest. zitwirtsckast ein dicker Strich gemacht worden Eine durchgreifende Reform begann mit der Stabilisierung der Mark. Tie Errichwng der Rentenbank war eine Großtat, die den Grundstein zum Wiederaufbau des Reiches bildet. Ta etzt die Aussicht besteht, daß wir zu unserer eigenen Tatkraft auch ausländische Hilfe erhalten werden, so dürste die Festigkeit der Mark gesichert sein. Das wird umso mehr der Fall sein, alS die jetzige ReichZregicruna eine Tätigkeit entfaltet, die fortschreitende Erfolge verspricht. Weitere Reformen reihen sich in kurzen Abständen aneinander. Grundlegend ist das Be- ftrt&en, die Staatsansgaben mit den Einnahmen in Einklang zu bringen, womöglich einen Ein- iiahmenüberschuß zu erzielen und die Bilanz attiv zu machen. Man hat dazu die Richtlinie »>orgeschrieben: „nach kaufmännischen Gesichtspunkten!" Die bisherigen Sparmaßnahmen in der Verwaltung und die Pläne eines rationellen Betriebes in den staatlich"» Unternehmungen sind bekannt. Daß dabei in der ersten Eile manche Störten und Reibungen Vorkommen, ist begreiflich. Die Kürzung der Beamtengehälter, der Personalabbau, Vie Steuer- Neuordnung haben manche Mßhelligkeit und Zwangslage mit sich gebracht, aber mit der Zett wird man auch darin wieder Gelegenheit zum Ausgleich finden. Kein Zustand dauert ewig, auf schlechte Zeiten folgen einmal wieder gute, und wenn die Gesamtlage des Volkes gut wird, wendet sich auch die Lage des Einzelnen zum Bessern. Die Bestätigung dieses Satzes haben wir ja bereits wahrgenommen, als nach der Markstabilisierung Jedermann aufatmete, daß es nun wieder möglich war, mit festen Preisen zu rechnen und sowohl im Geschäft als auck hn Privathaushalt wieder in vernünftiger Weise die Einnahmen und Ausgaben abwägen $u können. Wenn trotzdem das Wirtschaftsleben durch Arbeitslosigkeit gestört wird, so liegt das zunächst an der allgemeinen Stockung auf dem Weltmärkte, dann an dem ungewissen Zustand, der durch die Reparationsberatungen verursacht ist. Aber auch das sind vorübergehende Erschei. nungen, denen eine Regelung und Erleichterung folgen wird.
Aus den Rrsormplänen der Regierung ist gestern die Umstellung der Eisenbahn- und Po st Verwaltung mitgeteilt worden, die nach privaten Grundsätzen eingerichtet werden sollen. Die Herausnahme der betreffenden Ein- zeletats ans feem Reichsetat und selbst die abgetrennte Verwaltung des Vermögens der Bahn und Post bedeutet eine ganz außerordentliche Veränderung. Hätten diese ReiMbetriebe tote in früheren Zeiten Einnahme - Ueberfchüsse gebracht, dann wären sie natürlich im Reichsetat geblieben, da sie aber feit den Kriegsjahren immer mit Fehlbeträgen arbeiteten, die durch Reickeszuschüsse gedeckt werden sollten, so waren sie eine dauernde Belastung für den Retchshaus- halt. Durch die Umwandlung in selbttändiJc
Historische Bräuche.
Der Zopf in England.
Da da« -naNsche Bott ,SH an feinen uralten B-Suchen hängt, haben au« Seim sehlgen Regierungswechsel öle alten Zeremonien n.cht gefehlt. Man berichtet uns darüber wie folgte