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Kasseler Abendzeitung
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Freitag, 1. Februar 1924.
stummer 27. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf.
Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. FahrgaNg
Sie Verlmer Sachverslöndigen-Tagmig.
Mit List und Tücke.
Die Leimruten in der Pfalz.
Die separatistischen Gewalthaber in der Pfalz veröffentlichen ein neues .Regierungsprogramm", das die Schaffung eines „Bundes freier deutscher Staaten im Rahmen der Grenzen des deutschen Reiches" als höch- stes Ziel der Sonderbündler bezeichnet. Diese Verlautbarung, deren Wortsaffung eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit französischem Geiste verrät, gleicht wie ein Ei dem andern den Absichten, die vor- einigen Tagen der französische Provinzdelegierte General de Metz in Speyer in einer Unterredung mit dem Vertreter des Brüsseler „Soir" als die Ziele der franko* sischen Politik in der Pfalz geschildert hat. Auf bnden Seiten also, bei den Franzosen wie bei ihren ausführenden Werkzeugen, den Separatisten, ’jcr Versuch, einen Frontwechsel zu voll- ziehen und nunmehr sich umz u stell en aus den Plan einer „pfälzischen oder rheinischen Republik" im Rahmen des Reiches". In diesem Sinne läßt man soeoen auch im Bezitt G-r- mersheim und anderwärts durch die separatistischen Bezirkskommissare Listen ausiegen, in die sich alle diejenigen eintragen sollen, die zwa, eine separatistische Gewaltherrschaft ablehnen, indessen mit den bestehenden staatsvolitischen Verhältnissen im „Rahmen des Reiches" auch nicht einverstanden sind. Dieses neueste Manöver des General de Metz — und er allein ist der geistige Vater der »Idee" — erweist sich als eine S p c k u l a t i o n, deren nur allzu durchsichtige Ziele klar zu Tage liegen. General de Metz möchte das separatistische Abenteuer, dessen völlige Haltlosigkeit nun auch er erkennt, in seiner jetzigen Form möglichst rasch liquidieren und unter der Firma „Föderalismus" den „alten Wein in neue Schläuche gießen".
Mit diesem Beginnen wird General de Mey ebenso Schiffbruch erleiden, wie er es mit seiner ganzen bisherigen Politik getan hat. Das pfälzische Volk, das seit langem die heuchlerische Verlogenheit des General de Metz durchschaut, weiß, daß anders als in Frankreich, dessen zentralisierte Methoden man in Elsaß- Lothringen heute verspürt — im Deutschen Reiche und seinen Ländern der föderative Gedanke bereits verwirklicht und sein weiterer Ausbau einzig in die Entscheidung des Gesamtwillens der Bevölkerung gelegt ist. Das Pfälzer Volk weiß, daß di: Entwicklung zu diesem Ziele ausschließlich über den Rechtsboden des Artikel 18 der Reichsverfassung und nickt über den Weg des Hochverrats geht. Das Pfälzer Volk weiß, daß die Ordnung der staatsrechtlichen Verhältnisse der deutschen Länder eine rein innerdeutsche Angelegenheit ist. Die Separatisten hingegen, die zufolge ihrer neuesten Verlautbarungen kürzlich an die „alliierten und assoziierten Regierungen" sich gewandt hüben, suchen die Lösung ihrer Ziele von außen.
Das neue „Regierungsprogramm" der Separatisten steht großmütig die „Wtrdrreinver- leibung der Pfalz in vas Reick unter gewissen Voraussetzungen (!) vor, deren wesentlichste beißen: „Die autonome Pfalz kann gegen ihren Willen nicht gezwungen werden, an irgendeinem Krieg teilzunehmen. Die autonome Pfalz behält sich das Kontrollrecht über die in ihrem Gebiet erzeugten Güter vor, damit diese lediglich zum Besten des Landes und zur Erfüllung der Verpflichtungen des Versailler Vertrages verwendet werden. Diese beiden Bedingungen verraten, weß Geistes Kind die neue Staatseinheir ist. Es ist, in deutsch« Sprache grfl.'idet, das von General de Metz immer wieder verkündigte französische Verlangen: Politisches Selbflbestimmungsrecht und Wirtschaft der Pfalz sollen Frankreichs Forderungen auf Sicherheit und Reparationen ewig verpfändet bleiben. Man will eine Pfalz, die i.i der Frage der Landesverteidigung und Kriegführung eine selbständige Außenpolitik treiben soll, eine Pfalz, bereit wirtschaftliche Hilfsquellen Frankreich zur Ausbeutung gleichwie in einer Kolonie für immer verschrieben fern sollen. Man wagt ein solches Gebilde, das nur eine Satrapie von Frankreichs Gnaden ist, eine „autonome Pfalz im Rahmen des Reiches" zu nennen. Die „Autonomie" würde gegenüber dem Reich, nicht aber auch hn Verhältnis zu Frankreich bestehen.
Jedenfalls aber ist es der erste Erfolg der Pfalzreise des englischen Generalkonsuls Elive, daß nunmehr sich die Separatisten genötigt sehen, ihre bisherige Firma zu liquidieren und eine neue Unternehmung unter de: Parole deutscher „Föderalismus", wie ihn der franzö- stsche General de Metz versteht, aufznmachen. Fn dieser Stunde, wo die Verräter in Speyer ihre eigene bisherige Politik verleugnen und sich neu- orientieren wollen, gilt es zur Verhütung einer Verfälschung geschichtlicher Tatsachen, die Leitsätze der Staatskunst festzustellen, mit der die Separatisten zu Beginn ihrer Herrschaft die Pfalz zu beglücken verheißen hatten. Diese wahren Ziel« sind damals in einer Verlautbarung der „autonomen Regierung der Pfalz" in der Presse verkündet worden, wir
folgt: „Die Rheinisch« Republik ist ein unab- hängigrr Staat, frei von Ost und West. Dieser Strich gegen Osten müsse unbedingt gezogen werden. Soll uns geholsen werden, müssen wir selbständig sein. Einem Rheinstaate im Rahmen des Deutschen Reiches würde das Ausland nie Vertrauen entgegen bringen. Es ließe sich auch niemals eine gesunde Währung für den Rheinstaat schaffen, ohne daß dieser absolut selbständig wäre; denn die Währung ist ein Dtaatshoheitsrecht. welches nur ein Staat haben rann, der selbständig und der nicht ein Teil eines anderen Staates ist. Es läßt sich eben eine eigene Währung erst dann schaffen, wenn der neue Staat da ist. Deshalb muß dieser Treu, nungsstrick gegen Osten gezogen werden!" — So steht der „Föderalismus" aus, den General de Metz der Pfalz durch seine se- paratistischen Freunde bescheren möchte.
Sachverständigen-Beratung
Empfang beim Reichskanzler. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 81. Januar.
Reichskanzler Marx empfing gestern im Beisein des Außenministers Stresemann, des Fi- nanzministers Luther und des Wirtfchaftsmini- sterS Hamm, des Staatssekretärs im Wiederauf- bauministerium Müller und des Vorfitzenden der Kriegslastenkommission Fischer die Hauptmn- glieder des alliierten Sachvcrständigenkomitees. Dr. Marx sagte in seiner Begrüßungsansprache: „Ihre Wünsche und Fragen werden mit größter Beschleunigung und rückhaltloser Offenheit behandelt und beantwortet werden. Zur Unterstützung Ihrer Arbeiten ist h.t Auftrage i-sr N-sichsregierunq Material für ein Studiunt der deutschen Wirtschaft, Währung und Finanzen zusammenqest- t worden, das Ihnen alsbakd zugehen wird. Um die geschäftlichen Beziehungen zwischen dem Komitee und den deutschen Negiernngsstellen zu erleid), ter«, ist die Deutsche KriegSlastenkommission, deren Vorsitzender Herr Staatssekretär Fischer ist, beauftragt worden, die deutsche Regi-runa Ihnen gegenüber zu vertreten. Außerdem ist ein besonderer Vertreter der Kriegslastenkommission in dem Ihnen für Ihre Arbeiten zur Verfügung gestellten Gebäude dauernd anwe- send, um Ihre Wünsche in Empfang zu nehmen." Der Vorsitzende des Komitees, General D a - wes, gab der Hoffnung des Komitees Aus- dniü. daß durch persönliches Zusammenarbeiten eine Verständigung erreicht werde.
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Air erste Sitzung.
Berlin. 31. Januar. (Privattelegramm.) Der erste Sachverständinenausfchuß trat gestern vormittag unter dem Vorsitz des Generals Dawes zu feiner ersten Sitzung zusammen. Die Besprechung war interner Ratur und galt dem Arbeitsplan. Die Sachverständigen haben zunächst das ausgestellte Arbeitsprogramm einer Rachprüfung unterzogen und die Reihenfolge der zu behandelnden Fragen geregelt. Man wird zuerst die Budgetfrage und dann die Währungsfrage behandeln. Was die Budgetfrage anbelangt, fo dürfte dabei die Frage der Reichsbahnen und ihrer Erträgnisse eine Rolle fpielen, sodann eine Nnterfuchung der Er- trägnisse der deutschen Stenern und ferner die Frage, ob eine Erhöhung gewisser Gebranchs- fteuern angängig sein wird. Erst dann soll das Problem der G o l d n o t e n b a n k geprüft werden. Die Regierung hat eine sehr ausführliche Denkschrift ausgearbeitet, die die Grundlage für die Untersuchung der deutschen Finanz- itnb Wirtschaftslage bilden soll. — Der zweite Ausschuß, von dem ein Teil der Mitglieder vorgestern abend zusammen mit der ersten Kommission angekommen war, ist gestern abend hier eingetrosfen.
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Otur zur Information.
Berlin, 31. Januar. (Privattelegramm.) Im Hotel Efplanade sind die Zimmer für die Mitglieder des Ausschusses bis 15. Februar gemietet. Wie General Dawes nach seiner Ankunft dem Berliner Sunvertreter mitteilte, dient der Berliner Aufenthalt lediglich der Information durch die deutfche Regierung, Äefcklnss- irgend welcher Art würden erst nach der Rückkehr nach Paris gefaßt. Im übrigen würde auch für die Berliner Besprechungen das Schweige- gebot für die Ausschuß - Mitglieder fortbestchen.
Tagung der Ändufirie.
Die Wirtschaft ist vom Ruhrgebiet abhängig.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 31. Januar.
Die Tagung des Hauptausschusses des Reichs- vcrbandes der deutschen Industrie, die gestern in Berlin begann, war aus allen Teilen des Reiches zahlreich besucht. Die Verhandlungen leitete anstelle des ersten Vorsitzenden, der verhindert war, der stellvertretende Vorsitzende deS Reichsverbandes, Abgeordneter F r o bw e i v
(Elberfeld), der die Hoffnung aussprach, daß die Arbeit der alliierten Sachverständigen- a n s s ch ü s s e die erhoffte Klärung der Verhältnisse bringen und damit die für Deutschland und die Weltwirtschaft notwendigen Ergebnisse zeitigen möge. Nach Erledigung der Geschäftsangelegenheiten erflärte Geheimrat Dr. B ü ch e r folgendes: Die Wirtschaftslage wird sich halten lassen unter der Äorausset- zu n g, daß an Rhein und Ruhr normale Zustände hergestellt werden. Bei den unmittelbar bevorstehenden Verhandlungen mit den Sachverftändigen-AuSschüffen wird durch die Industrie die Lage in aller Osfenheit und ohne jede Verschleierung dargestellt werden. Rur ein offenes Bild kann uns retten.
Gegen die Landesverräter.
Antrag zu einem Gesetzentwurf.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin. 31. Januar.
Ein deutfchnationaler Antrag im Reichstag lautet: Im befehlen Gebiet wird ganz offen Hochverrat getrieben. Die Notfchreie der von separatistischen Banden in Speyer zahlreich ftstgehaltenen und gemarterten Deuscken er« ichüttern die ganze Welt, foweit sie ein EmP- finbtn für Reckt u. Menschlichkeit besitzt. Ist bas Baterlanb zu ihrer Befreiung zu sckwach, so ist cS doch eine selb' verständlich« Pflicht, ben im besetzten Gebiet bedrängten Volksgenossen irgendwie Hilfe zn gewähren und wei tcre Greueltaten zu verhindern. Au- s'ergewöhuliche Mittel sind notwendig. Das Rechtsempfinden verlangt, daß die verbrecherischen Taten unter ollen Umständen koko-i ab«' - urteilt werden müssen. Deshalb beantragt drc deutschnationale Fraktion des Reichstages, einem Gesetzentwurf feine Zustimmung zu geben, der folgende Bestimmungen enthäst: 1. Für das Verbrechen des Hochverrats wird im besetzten Gebiet dir Todesstrafe festgesetzt; 2. im § 133 des Gerichtsverfassungsgesetzes wird bestimmt, daß das zuständige Reichsgericht in der Abwesenheit der Beschuldigten zur Aburteilung des Hochverrats befugt ist.
Nir Willkür wird fortgesetzt.
Speyer, 31. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) General de Metz ist nach Paris zur Berichterstattung abgereist. Die Separa- t i st e n wüten unbeschränkt weiter. Sie haben am Montag 46 Beamte btr pfälzischen Finanzämter mit zweitägiger Frist ausgewiesen und der Familie des ermordeten Führers Heinz eine „StaatSvension" von jährlich 6000 Gold- mnrt angewiesen.
Almosen für Deutschland.
Ein Aufruf bc8 Roten Kreuzes.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 31. Januar.
Der Vorsitzende deS gesamten Roten KreuzeS in Genf, Ador, hat kürzlich einen Aufruf zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung Deutschlands erlassen. Dieser Aufruf, dessen gute Absicht allgemeine Anerkennung findet, ist in feiner Fassung allerdings recht »nglücklich. So wendet sich jetzt der „Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge" gegen den Wortlaut und weist es zurück, daß durch Herrn Ador die sogenannten Reichen Deutschlands gewissermaßen an den Pranger gestellt werden, weil sie angeblich ihren Landsleuten gegenüber ihre Pflicht nicht erfüllten. Es dürfte, so heißt es in der Abwehr, für jeden Einsichtigen erwiesen sein, daß die Zahl der reichen Leute in Deutschland erheblich vermindert ist, was ja absolut klar ist, da wir ein verarmtes Volk sind. Andererseits ergibt ein Blick auf die quittierten Summen in den großen Zeitungen, daß auch in Deutschland noch große Opferwilligkeit herrscht. Deutschland hat seinerzeit, als es noch reich genug dazu war, bei großen Unfällen, selbst für das Ausland, oft genug reiche Spenden gezeichnet und das als seine Pflicht betrachtet. Die anständigen Volksgenossen werden in Deutschland niemals besonders bekannt gegeben, sie erfüllen ihre Pflicht im Stillen.
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Hilfe aus Amerika.
R e w Y o r l, 31. Januar. (Eigene Drachtmel- düng.) Bor dem Ausfchuß des Kongresses befürwortete General Allan am Mittwoch die schnelle Unterstützung der notleidenden Deutschen durch den Kongreß. Auch der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat über mehrere umfaf- sende Pläne zur Unterstützung der Notleidenden in Deutschland beraten, deren Ausführung die Zustimmung des Senats benötigt.
Wie einst bei uns.
Pariser Verhältnisse.
Die Entwertung des französischen Franke« hat die Lebensweise in Frankreich ehenso ge- ändert wie in den »ergangenen Jahren in Dentschiand. Darüber gib« «in deutscher Be- »ichkerftgtter folgende Schilder «ng au« Pari« „Bei uns kann das nicht passieren. Dazu liegen die Verhältnisse doch zu verschieden." Wem klingen diese vermaledeiten Sätze nicht noch hn Ohr, die stets die Einleitung zu einer längeren polistschon Bierrede bildeten. Man hörte sie zuerst in Men, als die gemütlich sinkende Valuta in das Rodeltempo geriet und Schwarzseher auf die Geldentwertung in Rußland hinwiesen. Dann übersiedelten sie nach Berlin, wo man erst, ganz bescheiden, von „österreichischen Zuständen" sprach, ehe man wagte, noch schlimmere Verreiche heranzuziehen. Nun liegen sie in Paris m der Lust. „Uns ergeht es jetzt wie Deutschland." Jeder densts, aber keiner wagt, es auSznsprechen. Und bet Chorus brüllt: „Dazu liegen bie Verhältnisse boch zu verschieben." Der Franzose, aber speziell bet des Nordens, war stets ein Sparer, meist jedoch ein Knicker. Er lebt zwar gerne gut, hat es aber von jeher verstanden, sich so billig wie möglich einzurichten. Und der Gast hat sich hier nie über allzu üppige Bewirtung zu beklagen gehabt. Man mußte schon lange in Pariser Häusern verkehren, dje man zur traditionellen Liebenswürdigkeit mehr als eine Tasse Tee serviert bekam. Rur jene Leute, die französische Artikel. Novellen und Romane schrieben, ohne Frankreichs Boden je betreten zu haben, phantasieren von dem Ausschweifungen der Pariser. Diese überließen es schon lange vor dem Krieg den Fremden, da? Betriebskapital der Nachtlokale und Lurusresiaurcmts cmfzuffillen. MuKürgehtiche Familien essen gewöhnlich nur Weihnachten außer dem Haus, oder wenn sie von Freunden aus der Provinz eingckaden werden, an ihrer schwächsten Stelle zu packe«
Immerhin ging der Pariser ehemals gern in Musiklokale, er nahm gern seinen „boc" hn (Safe, gelegentlich einen Imbiß beim billigen Wein- dänbler. beim bistro und suchte besonders gerne jene zahlreichen kleinen Theater und „betten" auf, wo er feine Mundart, ben arget zu hören bekam. Jetzt muß sich der Rentner längst iebe überflüssige Ausgabe verkneifen, und mich die anderen ver- bienen ihr Geld nut bittet schwer, wie man hier sogt, ä la vointe be flepSe. Schon hat das Gros der Bevölkerung kaum mehr für Kleider und Schuhe, geschweige denn für die Kneipe etwas übrig. Es ist sehr, sehr still geworden im Quar- tier latin.
Restaurants und Theater, Kabaretts und Kinos haben sich deshalb völlig auf die Au s l ä n- d e r eingestellt, die zurzeit die Stadt beherrscken. Schon das übliche Trinkgeld genügt, damit der Kellner sich verneigt und das englische „thank von" flüstert, weil er glaubt, den Gast damit besonders zu erfreuen. Dem Fremden zuliebe, der die Landessprache meist mit wenig beherrscht, sind alle Programme möglichst international -ab- oestimmt worden. Für den originellen Wortwitz, für die nur dem Einheimischen verständliche Satire, kurz für den esprst h-tt der Direktor keine Verwendung mehr. In den meisten Theatern spielt man seit Jahrzehnten erprobte Reißer, in denen drastisch Effefte überwiegen. Und jene Lo- kalinbaber verdienen am meisten, die die besten Beziebunaen zu den Portier? der Fremdenhotels Mt unterboten verstehen. Im Clgridae. wo der Tanztee schon um 5 Uhr wegen Ueberfüllung geschlossen wrden muß. kann man stundenlang verweilen, obne ein französisches Wort zu hören
Spanner. Schlepper, Sckieber, sie schießen wie die Pilze aus dem Boden. Der nächtliche Wanderer vermag ihnen km'm zu entgegen. just, ia genau just so wie vor Monaten in Bersin. Manche anderen Metiers haben dalür baS Feld räumen müsi-n. Verstummt ftnb les eris be Paris. Dem Jimmv. dem Forttott. der ltgzrband bat der Cfranfonnier meiden müssen. Die Zeitungsausrufer schwinden, denn die Boule- nardblätter stnd dem Pariser zu teuer und für den Fremden nickt verständlich. Der Straßenkleinhan- del stirbt, denn der bentscke Krosckenartikel «versteht fick mit gefälschter Urlprungsbezeichnnng), mit dem sie arbeitete, verträgt ja seit der Aera Rentenmark, die Umrechnung in Centimes nicht meßr. — Wer wollte len an en. daß onch dieses entstellte. veraröberte, massierte Paris noch gleißt, blendet, lockt und verwirrt? Fast darum zieht t? aber auch Millionen von Unskändern an. die sich frier breit macken ”nb für e'nen Pavvrnsttel genießen. Der Pariser aber bedient sie. frcrTaitft ihnen, spielt, tanz 'md serviert In seinen Muße- sftmden hingegen sitzt er zu Hanse und vermag dem Gedanken nickst z„ entaefren, daß hie Inflation verfluchte Aefrnlickfeit mit der Ent- wicklnna zeigt, die man bis Var kurzem in ^«"tfcklanb erlebte Obwohl er es selbst nickt wahr haben will, und jedem beweist, daß „dazu die Verhältnisse doch zu verschieden siegen ..."
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Dkamienobdau auch In Frankreich.
Paris, 30 Januar. Sobald PoincarS die Zu. siimmung der Kammer zu feinen verschiedenen