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Rümmer 25

Mittwoch,. Januar 1924,

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Die Beratungen um die Mbanl

Grungsuntkkfchied

*

Gründung der Bank, an der das Ausland

^r^deu^cken Frankenempj^ger. Em: tet. mit 50 Prozent" beteiligt sei» soll, vorgeschen Hauptaufgaben der franzosijchen Propaganda ,__, . , _ _ _, ,, , .

am Rheinland war seit Beginn der Besetzung worden fei, bemerkte Dr. CdfntW: Ich würde in die Propagierung des Franken und, nachdem si- der finanziellen Unterstützung durch Frankreich

nur einen Borteil fehen, aber ich wiederhole, daß

Segen den versonalavdau

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die Politik bei der Gründung Die Gründung der Goldnvten- finanzielle Sanierung Deutsch-

nichts, als daß nicht mitspricht, tank und die lands find

die Politik keine Rolle fpielen darf, cs handele sich lediglich um ein Geschäft. Im weiteren Verlaufe der Unterredung weigerte sich Dr. Schacht, dem Wunsche des Korresponden­ten entsprechend, persönlich ein Urteil über Poincars zu füllen; er hob nur hervor, daß Poiueare ihn mit größter Höflichkeit empfangen habe. Eine politische Frage fei nicht gestreift worden. Schließlich äußerte er sich noch über die Reparationspläne der letzten Zeit, wobei er, wie der Vertreter desEcho de Paris" hervorhebt, die Bemerkung machte, er fei von der N 0 tw e u- bigleit einer wirtschaftlichen Eini­gung zwischen Paris und Berlin durchdrungen.

im Saargebiet ihr Ziel «rreickf haft.', schien in tuen Zeiten der schwersten Währungserschüfte-

Frmckettsturz gerade recht: Das Rheinland wird mit französischen Waren überschwemmt.

Aus der anderen Seftc sehen wir die Notlage

In dieser Beziehung w e i ch t der Plan von dem Plane a b, den Dr. Schacht den Sachverstän­digen vorgelegt hat. Obgleich, so heißt es in der Meldung, die Herstellung eines Gleichgewichts im deutschen Budget eine schwierige Ausgabe ist, sind die Sachverständigen nach Anhören der Eisen­bahnfachverständigen zu der Ueberzengung gekom­men, daß die deutsche Reichsbahn hierbei eine bedeutsame Rolle spielen dürste

rrntg in Deutschland auch rm besetzten Gebiet die Zeit nicht mehr allzu fern, da d:r französi­sche Franken im Begriffe stand, die deutsche Mark zu verdrängen. Damals sahen die Fran­kenverdiener mit Mftleid auf denjenigen, der nrft der schlechten Mark zu kaufen genötigt war. Für wenige Franken konnte er ja Dinge erste­hen, bi* für den Volksgenossen, der Mark ver­diente, unerschwinglich waren. Das war zu Zeiten des schlimmsten Auswrrkaufs im Rhein- land, als das Land vom Westen her buchstäblich ausgesaugt wurde. Die französische Leutnants-

Sinzlehung der Fernsyretvgeb ühren.

Monats- und Wochenzahlringen.

Die Summe von 10 Mark, bei deren Er» reechung die Zahlung der Fernsprechgebühren obrer Aufforderung an die Postkaffe in der letz-

geworden. Heute kann die Schaffung einer eige­nen rheinischen Währung nur noch mchr Scha­den als Nutzen bringen. Die Gefahr einer Zer­reißung der deutschen Währungseinheit muß gebannt werden durch die Einführung der Ren- tenmauk, bezw. der kommenden deutschen Gold­note. Dieses Zugeständnis muß die Reichsre- gierung von der Rheinlandkonrmission erzwin­gen. Zeigen sich so durch den Frankensturz einer­seits große Gefahren für die oeutsche W rticka': durch Verringerung des Absatzes, so darf ande­rerseits doch mit Genugtuung gesagt werden, daß die Stabilisierung der deutscher Währung und der Niedergang der französischen dem Deutschtum im besetzten Rheinland mächtige Waffen im Kampfe gegen die französischen Wirr- schastSpläne gegeben hat.

Diese Unbeliebtheit der Franzosen kam da­her, daß man sie auf ihren Eroberungözügen so genau kennen lernte. Ueberhaupt dürfte das Kennenlernen eines Volkes keine völker­verbindende, sondern eher eine di« Abneigung fördernde Macht haben. Ws die Engländer im neunzehnten Jahrhundert das große Reisevolk wurden, da machten sie sich allgemein unbeliebt, und schon Goethe schrieb den heimischen ^Phili­stern" ins Stammbuch:Unartig seit Ihr wie die Briten, doch zahlt Ihr lange nicht su gut." Auch die Deutschen haben nach 1870 durch ihr Erscheinen in aller Herren Länder nicht gerade zu ihrer Beliebtheit beigetragen, während die Franzosen, die nur sehr wenig reisten, damit die Möglichkeit gaben, von ihrer Liebenswürdig­keit zu reden, die sie selbst verkünh-ten, ohne sie tatsächlich anderen Völkern, gegenüber auszu- üben. Der Franzose war vor dem Kriege da­durch, daß er sich verhältnismäßig selten in an­deren Ländern zeigte, eine begehrte und geschätz­te Persönlichkeit.

Die Engländer, die vvr dem Kriegedurch ihre imperialistische Politik verhaßt waren, haben während des Krieges eine gewisse Beliebtheit gewonnen, die sie sich in Amerika auch noch nachher bewahrten. Bei den Franzosen, den Po­len und anderen Völkern haben sie die während des Krieges als Verbündete erlangte Freund­schaft bereits wieder gründlich eingebüßt. In Deutschland aber scheinen sie merkwürdigerweise nach dem Kriege an Beliebtheit gewonnen zu haben. Ein Volk kann eben nur. wie die Er­fahrung zeigt, e i n anderes Haffen und da die bnitale Gewaltpolitik der Franzose» die Evbit- teruna aufs Höchste gesteigert hat, bringt man ge­gen die Engländer bei uns keine feindlichen Empfindungen mehr auf. Es scheint aber, als ob der Völkerhaß. der im Weltkriege sich so lei­denschaftlich gegen Deutschland richtete, allmäh­lich gegen die Franzosen umzuWagen beginnt, und so dürsten sie. die vor kurzem die, Beliebtesten waren, wenn sie die bisherige Poli­tik weiter versagen, allmählich die Unbeliebte* len unter den Völkern Europas werden.

Berlin, 29. Januar. (Privaftelegramm.) Im Eisenbahndirettionsbezirk Berlin haben ge­stern dreizehn Eisenbahnerversammlungen stätt- gefunden. Der besonnene Teil der Bersamm- lungsbekucher wurde von den radikal-kommuni­stischen Mehrheiten überstimmt. Tie Versamm­lungen nahmen Resolutionen an für die Abwen­dung eines weiteren Dimststellen-Abbrms.

Am die Arbeitszeit.

Teilweise Abstimmung in den Bahnbetrieben. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. Januar.

Die Berlängerung der Arbeitszeit in den ReichSbetrieben hat den Derrtschen Eiseu- bahnerverbaud veranlaßt, au feine Mitglieder die Frage zu richten, ob sie geneigt wären, diese verlängerte Arbeitszeit anzunehmen oder ob sie entschlossen seien, die Verfügung abzulehnen. In dem Rundschreiben des Deutschen Eisenbahner­verbandes an seine Mitglieder hat aber der Vor­stand daraus hingewiescn, daß die Ableh­nung der Arbeitszeit zur Folge haben würde, daß der Verband zur Bekämpfung der Regie­rungsverordnung in den Streik treten müßte. Gleichzeitig mit diesem Rundschrei­ben hat sich der Verband an die übrigen Eisen» bahner-Organisationen und an den Deutschen B e a m t e n b un d gewandt, ob auch fe geneigt Wären, sich diesem Schritt anzuschließen. Mit den übrigen Eisenbahnerorganisationen ist auch vom Deutschen Beamtenbund auf tiefe Anfrage des Deutschen Eisenbahnerverbaiides eine Antwort nicht erteilt worden. Es handelt sich also hier um eine i s 0 l i er t e Aktion, die nur für die Mitglieder des ernannten Verbandes in kommt Tie Abstimmung ist bereits am Sonnabend zu Ende ergangen. Das Ergebnis dieser Abstimmung liegt zur Stunde noch nicht vor. Im allgemeinen glaubt man nicht, daß sich die notwendige Zweidrittelmehrheit für den Streik ergeben wird.

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Weitere Abstimmung verboten.

Berlin, 29. Januar. (Privattelegramm.) Der Reichsverkehrsminister hat durch Verfügung vom Sonittag die Veranstaltung von Urab­stimmungen über den vom Deutschen Eisen­bahnerverband beschlossenen Eisenbahner­streik in den Werkstätten der Reichseisenbahn verboten. Die Eisenbahndirektionen sind an­gewiesen, Beamte und Arbeiter vor einer Betei­ligung an den Streikabstimmungen zu warnen, die bei der Finanzlage des Reiches nur mit Dienstentlassungen geahndet werden könnten. Auch in Bayern wurde die Abstimmung v e r boten. In Augsburg wurden Büros und Wohnungen der Betriebsratsmitglieder durch- sucht und das vorqeftindene Material für die Urabstimmung befchlagnahmt. Die Funk- tionäre des Eisenbabnerverbandes wurden in ihren Wahllokalen verhaftet.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Der Ulan der Sachverständigen.

Pari 8, 29. Jammr. (Eigene Drahtmeldung.) DerRewyork Herold" veröffentlicht in feiner heutigen Pariser Ausgabe folgendes: Der Plan für eine Gold-Emissions-Bank für Deutschland ist praktisch bereits von den Sach­verständigen ausgearbeitet, abge­sehen von wenigen Einzelfragen. Es ist eine Bank vorgesehen, die mit deutschen Goldreserven oder deren Gegenwert und mit Hilfe ausländi­schen Papitals eine Emission von Goldgeld vor­nehmen wird. Die Reichsbank wird auf-- küren aks deutsche Emissionsbank zu fungieren.

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Einmischung wird avgelehnt.

Paris, 29. Januar. lPrivattelegramm.) TerMotin" meldet: Ja spar s SonntagS- konferenz mit P 0 i n c a r s hot als Ergebnis die Neubekräftigung des Willens beider Nationen ge­bracht, alle Einmischung von dritter Seite abzulehnen, die die Ruhrbeset­zung betreffe, deren gemeinsame Ausbeute zwi­schen Frankreich und Belgien bis zum Jahre 1930 erst kürzlich vereinbart worden ist.

Anzeigenpreise: Geschgftsanzeigen Zeile 15 Pfennig, Familien.Anzeigen Zeile 10 Pfennig, Meine Anzeigen bi» Wort 21/, Pfennig, Reklamen die Zeile 60 Pfennig. Offertgebühr 10 Pfennig (Bet Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Reei-nungsbeträge sind innerhalb fünf Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zahlung-tag«;. Für dis Rilvlig. leit aller durch ernsprecher aufgeasaenen Anzeigen, orote für Aufnavmedaten und Bläue tarnt nicht garantie-t werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Truckerei - Schlachthosftiaße M/zo. Geschäftsstelle Kölnische Straßei-, gegenüber der Spohrffraße. Fernsprecher Nr. 9öl und 952.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachm ttagg. Ter Abonne. ment;prei« beträgt für die Zeit vom 28. Januar bi» 10, Februar 120 Pfennige bei freier chuilellunz in« Hau-, in 6er «eichan«fle-e abgeboll 110 Pse-nig-. «erlag und Redaltion: SchlachthoMrob- 28/30. Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt «tngosanvte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in tetnem Falle übernehmen. Rückzahlung de» Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschloffen. Postscheck, tento Frankfurt a M. Nummer 6380.

frau war die auffallendste Erscheinung in den Warenhäusern und auf den Märkten. Ms nach Beendigung des passiven Widerstandes die Re. webediensteten in Franken entlohnt und die Eisenbahnfahrprns« in Franken entrichtet wer» den mußten, schien der Sregeszug des Franken unaufhaltsam.

Der französisch« Währungssturz hat dem französischen Traum ein jähes Ende bereitet. D«r Markverdiener ist Edel- vakutarier geworden und trostlos ist die Lage der Eisenbahnangestellw, deren Stützen- lohn täglich kaum zwei Goldmark beträgt. Der Traum von der obligatorischen Einführung des Franken im Rheinland ist vorbei. Die forcierte Einführung französischer Franken ins Rhein­land hat sich bitter gerächt. Das besetzte Gebiet wurde zu einem blühenden Markt für Frankeiv- spekulaiion ir.tfe an derschwarzen Börse" wird dort in der letzten Zeit die französische Valuta immer schlechter bewertet. Wer gtiicklicher Be­sitzer von Rentenmark ist, kann dort für zehn bis zwölf Goldpfennige den einst so stolzen, viel, begehrten Franken erstchen. Kein Mensch wünscht sich mehr Frankenlohn, dagegen ersehnt das Rheinland die Einführung der Rentenmark Nichts kennzeichnet den Umschwung der Verhält, nisse besser als zum Beispiel das Verbot der Besatzungsbehördeit ist Men an die Zeitungen über den Frankensturz zu berichten oder die nachbörslichen Kurse mitzuteilen. Es ist noch gar nicht lange her, daß die Basatzungs- behörren von den Zeitungen verlangten, daß die Franknotierung regelmäßig und auffällig ver­öffentlicht wurde. Seitdem es sich gezeigt hat, daß Deutschland aus tu fitem Wäbrungs- e'end sich tatsächlich auf den sicheren Boden der Rentenmark gerettet bat, ist auch das Ber- langcn nach Schaffung einer rheinischen iLmmissionsbank aermoot und aerraarr

Frankensturz und Rheinland.

Der auffallende Sturz des Franken hat in Frankreich ähnliche Wirkungen heworge- rufin wie in Deutschland der Verfall der Reichs­mark. Mehrmaliger täglicher Wechsel der Ver­kaufspreise, die Jagd nach fremden Devisen, Verkaufsabschlüflc in fremder Währung, begin­nende Kapitalflucht ins Ausland, Lohnkämpse und Unzufriedenheit der breiten Volksschichten Mw. Eine besonders und für die deutschen Wirtschastsinteressen nachteilige Wirkung übt der Frankensturz in den besetzten Gebie­ten aus. Unterstützt durch eine außerordent­liche Wirtschastsprepaganda und brutale Zoll­politik der französisch-.n Regierung im Rhein­land konnten die französischen Waren rasch ihren Weg in das besetzte Gebiet finden und sich bort ein beträchtliches Absatzgebiet sichern. Franzö­sisch« Geschäfte schossen in den rheinischen Städten toi« Pilze aus der Erde. Tie lange Zurückhaltung der rheinisch-n Bevölkerung ge­gen die französischen Geschäftsleute tourte nach bei notwendig gewordenen Einführung der Goldmarkpreise durch die brutsche Wirtschaft ge­meinsam mit dem Rückgang der Kaufkraft der Konsumenten geringer und geringer. Heute finben die billigen französischen Wa­ren großen Zuspruch. Nach einer kürzlich durch die Presse gegangenen statistischen Mitteilung konnte die französische Automobilindustrie in kurzem Zeitraum« im besetzten Gebiet über tau­send Fahrzeuge verkausen7"während nur vier deutsche Kraftfahrzeuge dort in der gleichen Zeit­spanne Absatz finden konnten.

Aehnliche Verhältnisse finden wir auf zahl anderen gewrrbüchen Gebieten. Im Le­bensmittel handel machen sich die französtscyen Unternehmungen immer mehr b-merkbar und selbst der französisch: Hausierer macht dem deut­schen größte Konkurrenz. Eine gewohnte Erscheinung ist der mit Kurzwaren handelnd? kolonial französische Siraßenhändler geworden. Haben die französische Wirtschaftspropa^ ganba und die entsprechenden Zoll- und Wn- schaftsmaßnahmen der Rheinlandkommission feit Jahren vorgearbeitet, um das Rheinland wirt- ichastlich möglichst restlos von Deutschland abzu> trennen, so kommt ihr auf diesem Wege der

Die (Sntente in Gefahr.

Französisch-britischer Gegensatz.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 29. Januar.

Das Interview Macdonalds mit dem Vertreter desQuotidien" rüst in P a r i s außer, ordentliche Entrüstung hervor. Wahrschein­lich ist die Unterredung auch von Poincarö und Jaspar erörtert worden, weil beide aus ihr die Richtlinien der neuen englischen Außen­politik kennen lernen konnten. DasJournal" erklärt zu dieser Unterredung, sie übersteige alle erlaubten Grenzen. Man könne damit rechnen, daß Poincarö und Jaspar die einzig mögliche Schlußfolgerung zogen, nämlich, daß zwischen der Politik bere neuen englischen Regierung und der der französisch-belgischen Regierung ein nicht überbrückbarer Abgrund klaffe. Auch das Echo be Paris" befürchtet einen gewaltsamen Bruch der Entente. Aus diesem Grimdr sei ein enges Einvernehmen zwischen Frankreich und Belgien notwendiger denn je.

Die berliner Beratungen.

Paris, 29. Januar. (Privatteilegramm.) In seiner gestrigen letzten Sitzung hat das erste Sachverständigen-Komitee zur Prüfung der deutschen Währung unter dem Vorsitz von , Dawes biiS Programm des arbeitenden Aus­schusses während seines Aufenthaltes in Berlin festgelegt und die Liste der finanziellen Fragen ausgearbeitet, die fosort nach der Ankunst in Berlin geprüft werden fallen. Die -m Laufe der gestrigen Sitzung begonnene Ansfprache wird während der Eisenbahnfahrt, die fchon heute angetreten wird, ihre Fortführung finden.

Keine rheinische Solbbcmk.

Berlin, 29. Jcmnar. (Privattelegramm.) Auf Erfuchen des Reichsbankpräfidenten Dr. Schackt ist, wie mitgeteilt wird, der Plan einer Rheinischen Goldnotenbank aufgegeben worden.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Goldban? undNeparatwnen

Eine kaufmäimifche Angelegenhest.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 29. Januar.

Der Berliner Berichterftatter desEcho de Paris" Halle eine Unterredung mit Reichslumk- präsident Dr. Schacht. Auf die Frage, ob er mit den Verhandlungen in Paris zufrieden fei und ob er an eine baldige Errichtung des neuen Finanzinstituts glaube, antwortete Dr. Schacht: Die Goldnotenbank, deren Plan ich in Paris unterbreitet habe, ist eine rein kauf­männische An gelegen hcit. Ich verlange

Vorbedingung für die Reparationsregclung.

Wenn man mich arbeiten läßt, wie ich es wün­sche, bann wird die neue Bank sehr bald gegrün­det fein, wenn sich hingegen die Politik in eine wesentlich kaufmännische Frage einmischt, dann wirb das neue Finanzinftitut vielleicht niemals bas Licht der Welt erblicken. Jedenfalls weigere ich mich, die Verantwortung dafür zu überneh­men, was bann geschieht. Auf die Frage, ob die Teilnahme französischer Kapitalien an der

Zuneigung oder Haß.

Beliebte oder unbeliebte Völker.

Seit dem Kriege itt dir Zuneigung »der der Hatz im Bölk erleben besonder« start ansgepriigt. Sebec die Wandl ngen in der Volkerstin-mnng ist fei« geübt Betrachtung leh-reich and unterhaltsam.

Daß nicht nur bei Einzelne, sondern auch ein ganzes Volkunbeliebt" sein kann, haben wir leider im Weltkriege zur Genüge erfahren. Aber der Haß, der sich gegen ein ganzes Volk ent­lädt. ist doch etwas ganz anderes, als die Ad- neigung, die der Einzelne gegen den Einzelnen empfindet. .Im persönlichen Verkehr von Mensch zu Mensch bilden sick doch scharfe und bestimmte Eindrücke heraus, ans denen sich eine gewisse Berechtigung zum Haß gegen den anderen herlei­ten kann. Wehhe Eindrücke aber gewinnt ein Volk von dem anderen? Das sind im allgemci- neu keine persönlich gemachten Erfahrungen, sondern es sind Vorstellungen, die aus den Quel­len der Propaganda, bei öffentlichen Mei­nung fließen. Der Haß gegen ein Volk beruht zum Teil auf realen Grundlagen, zum Teil ist er ein Wahngebilde, das durch ganz unbestimm­te Gefühle und Meinungen hervorgerufen wird. Dieser Begriff des Massenwahns, der die Hand­lung einer großen Menge bestimmt, ist von der modernen Psychologie näher beobachtet worden, und seine Bedeutung für die Politik legt Dr. Kurt Basschwitz in einem inhaltsreichen Werk Der Massenwahn, feine Wirkung und feine Be. herrschung" dar.

Wie bei Streitigkeiten unter Einzelnen man sich gern einen .Sündenbock" aussncht, der au allem schuld gewesen sein soll, so führt auch tag masfenscelische Eutlastungsbedürsnis der Völker in Zeilen höchster Spannung zu der Er' findung einesunbeliebten" Volkes, gegen bas sich alle Wut entlädt. Di« Einkreisungs- politirvordcm Krieg« zielte herauf hin, die M»utschen zu diesem »Sündendock" zu stempeln, und das Volk, bas daraus Nutzen zog, was das französische; es war im Gegensatz zu dem deutschen überall beliebt. Das ist nfdjt immer so gewesen. Jahrhundertelang richtete sich der Völkerhaß goßen die Gallier, und Rosse au spricht in seinen »Bekenntnissen" be­reits von dem »allgemeinen Haß, den das über hebljche Wesen der Franzosen einflößt". Ms dann nach der französischen Revolution die Franzosen als Unruhestifter ganz Eu­ropa überschwemmten, und unter Napoleon sich die Völker unterwarfen, da entstand ein wilder Franzosenhaß in den verschiedensten Län­dern, der noch lange fortgÄdauert hat.