14. Jahrgang
Einzelpreis 15 Pfennig.
Donnerstag, 24. Januar 1924,
Einzelpreis 15 Pfennig.
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Nummer 20
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MeKNMMnchtm
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Vorbereilungen M Goldnolenbank.
Englands Führer.
Ministerpräsident Macdonald.
kaS 'Kabinett Baldivin ist durch das Mtz- krauensvotum der Arbeiterpartei gestürzt Werben, unb eine Arbeiterrcgierung unter Mac- d o n a! d ist bereits an seine Stelle gerreten.. Es ist das erstemal, daß England sein Poliniches Geschick in die Hände eines Arbeiterführers legt, und es wird von seinem Erfolg oder Mißerfolg abhänaen, ob eine Wandlung der politischen Anschauungen Englands überhaupt eintritt. Wenn Cie englischen „Trabe Unions", deren geistige Verfassung ursprünglich durchaus auf den alt- englischen Konservativismus eingestellt gewefer. war, sich in neuerer Zeit zu einer politischen Em- heit und zu einer Kassenbewußten Arbeiterpartei gewandelt haben, so ist diese Wandlung in der gptsache auf die Organiiations ärigleit ihres rers zrirückzuführen, dem die letzten engen Wahlen den Weg zur Premierministerschaft geöffnet haben. I. Ramsay Macdonald ist Schotte von Geburt. Er wurde im Jahre 1866 in der Ortschaft Lofsiemouth geboren und war, nachdem er in seiner Heimat die Volks- und Mit- telfchule besucht hatte, nach London gekommen, wo er sich zunächst als Handlungsgehilfe, später als Privatfekretär des liberalen Parlamentsmitgliedes Thomas Lough betätigte, um sich dann völlig dem Journalismus zu widmen. Als solcher war er der Hauptmitarbeiter am „Wcekly Tispatch'. Seine Mußestunden benutzte er zum Besuch der Vorlesungen der freien Universität London, an der er auch einen akademischen Grad erwarb. Ws Zeitungsberichterstatter und später als Politiker unternahm er ausgedehnte' Studienleisen. Er besuchte Neuseeland und Australien, war zweimal in Kanada und in den Vereinig- fen Staaten und weilte wiederholt in Indien, sowohl in privaten Angeleger.heiten, wie in der ??otfle auch in offizieller Mission der britischen Negierung. Im Jahre 1895 verheiratete sich Ramsay Macdonald mit Miß M. Gladstone, die feine rührige Mitarbeiterin bei seiner politischen Arbeit wurde. Sie war es auch, die die „Frauen- Dereinigimgen' m3 Leben rief und zu dem Zweck organisierte, den englischen Arbeiterinnen bessere Lohnbedingungen und eine menschenwürdigere Behandlung zu erkämpfen. Frau Macdonald wurde dem Gatten aber schon im Jahre 1910 durch den Tod entrissen.
Die politische Laufbahn Macdonalds zeigt einen gradlinigen Aufstieg, ohne daß er sich einmal hätte vom Wege absenten lassen. Seine Tätigkeit, die zielbewußt und sicher au die sozialistische Zusammenschweißung der Tiade UnionS gerichtet war, begann in den letzten Jahren deS vergangenen und erstreckte sich über das erste Jahrzehnt des gegenwärtigen Jahrhunderts. Bei dieser Organisationstätigkeit sah er sich von Männern verschiedenen Temperaments und verschiedenen Charakters unterstiitzt, wie Lansburp, Thomas, Henderson imd vielen anderen. Er wurde zum Generalsekretär der Arbeiterpartei ernannt, eine Stellung, die er bis zum Jahre 1912, in dem er zum Präsidenten und Führer der Partei ernannt wurde. innebat'c. Seine Autorität wurde willig von allen anerkannt, und seine Verdienste fanden nicht minder allgemeine Schätzung. Erst später, in den Kriegsfahrm und nach dem Kriege, bildeten sich in der Partei die ersten ertremen Gruppen, deren Quertreibereien selbst einem Mann, der wie Macdonald seine Nerven so sicher beherrscht, arg zu schaffen machten. Diese Ertremisten wachsen stetig an der Zahl und Machen sich als Störensriede immer unangenehmer bemerkbar. Es kann nicht fehlen, daß sie dem Präsidenten und vielleicht dem Lande selbst n«h ernste Schwierigkeiten bereiten werden.
Im Parlament wurde Macdonald der offi- deffe Führer der Opposition nach den SMjTen les JasireS 1922. aus denen die Vertreter der Arbeiterpartei als zweitstärkste Partei hervor- gingen. Bei verschiedenen Gelegenheiten wurde Macdonald vom König empfangen und zu Hofe cezcgen. Er unterhält auch zum Prinzen von Wales gute Beziehungen und bat des öfteren Gelegenheit genommen, Taktlosigkeiten feiner Genossen tu rügen. Eine Reife nach Italien, den Balkanländern und dem füdlichen Rußland, die rr im vorigen Sommer unternahm, «ab ibm Ge- leaenheit, seine dort gewonnenen Eindrücke in einem Buch zu veröffentlichen. Er kritisierte hier Warr die antidemokratischen Tendenzen der italienischen Fasristen, erkannte aber willig die un- feitabaren Verdienste an, die sich die Reoiemna M"ssolinis um Italien erworben hat Mit umfh fi-tffiter cm Dvott bedachte er dafür die Halbgötter der FaSzistenvartei, die er mit labender Ironie den kleinen Gernearoßen der Moskauer Sow- sets gleichstellte. Hier wie dort merft man. so führt er au5, eine geradezu kindische Ueberichät- ->'na der eigenen Person und ein krampfhaftes Bemühen. sich in Pole zu setzen und durch originelles Gebaren die Aufmerksamkeit der Welt au sich in lenken
Macdenakd hat eine überaus umfmtgr»cke kiterarifche Tätigkeit entfaltet. Er schrieb eine Unzahl ZeittmsSgrffkel und gab eine stattliche Reihe von Büchern heraus, die, freilich
der bemerkenswerten Eigenart und Tiefe des Gedankens entbehren. Aber die Theorie und der Toltrinarismus sind seine Ställe überhaupt nicht. Er ist ganz und gar ein Mann der Praxis und der Tat. Was doama.isch an ihm ist, das ist allein die metaphysische Anschauung. die er sich gebildet hat, ohne sich darüber klar zu werden, daß feine Metaphysik nichts weiter ist als der demokratische Rationalismus der Freidenker des Jahrhunderts der Aufklärung. Hör allen Dingen ist er Engländer bis auf die Knochen und wird deshalb nichts tun, was geeignet wäre, dem Lande zu schaden. Beicht er doch jenen politischen Instinkt, der ihn davor bewahren wird. Erperimente zu wagen, die das Ansehen feiner Partei irgendwie gefährden und die ante Meinung, die man heute von ihr hat, in ihr Gegenteil verwandeln können.
LSm die GownvtenbE
Dk. Schacht im Parifer Sachverständtgenaussckuß (Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 23. Januar.
Die ReparationSkommifsion veröffentlichte eine amtliche Miteilmtg, wonach der von der Nc- parationskonnnifsion ernannte Sachverständig e n a u S s ch u st zu der Ansicht gekommen ist, daß es notwendig fei in Deutschland eine Bank mit Golddeckung zu schaffen. Der Aus. chnst legte großen Wert darauf, Dr. Schachts Ideen zu hören, da diese eine Gesamtheit von Maßnahmen umfasse«, die man entweder ganz annehmen, oder aus denen man auch Einzelhei, ten herausnehmen könne. Der Vorsitzende des Ausschusses unterstrich die Notwendigkeit, daß ich die Alliierten über ein gewisses Pro grarmn einigen müssen. Der Ausschuß ist überzeugt, daß es auch wünschenswert sei, im Interesse der Durchführung der Bank, alliierte Mitglieder in die Leitung der Bank zu entsende«.
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Sin guter EisSruS.
Paris, 23. Januar. (Eigener Drahtbericht.) Die Vertreter der amerikanischen Blätter erzählen, Dr. Schacht habe einen guten Ein. druck gemacht. Er habe alle Fragen aufrichtig und rückhaMoS beantwortet und bewiesen, daß er die finanzielle Sage Deutschlands in voller Offenheit auseinander zu setzen wünsche. Jevr politische Anspielung wurde vermieden. Nur einmal wurde die Ruhrbesetzung erwähnt und lediglich im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Fragen. Der Reicksbanlpräfident Haie die Fra- gonlifte in der Hand, die er seit seiner Ankunft studiert hatte, und begann auf jede einzelne Frage Antwort zu geben. Aber da er französisch und englisch sprach und somit die VerstSndiMim leicht war, ersuchten ihn t"e Mitglieder des Ausschusses um eine freiere und weitere Dar stellung, die er sofort gab. Der Newyork •Seralb" erfährt, daß über bk technischen Einzel beiten nichts gesagt werde« könne, weil allen Mitgliedern Schweigepflicht auserlcgt worden sei. In der französtschcn Presse wird über dr» allgemeinen Eindruck gesagt: „Die Erklär'.mgr« Dr. Schachts scheinen die Hörer zufrieden, g e st e l l t zu haben." ~
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Welirrberatung in Berlin.
Paris. 23. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Mt Rücksicht auf die Dringlichkeit der zu fassenden Entscheidungen und ihre Durchführung hat der Ausschuß Herrn Dr. Schacht davon verstän- digt, daß der Ausschuß am 30. Januar in Ber- lin über seine endgültige Stellung beraten werde. Dr. Schacht wird am Donnerstag die Rückreise nach Berlin antreten. Er wird vor dem Sachverständigenausschuß nicht mehr etf*eincn, dagegen wird der zweite Ausschuß, b’r sich mi' der Frage der deutschen Auslandsguthaben be= schästigt, den Staatssekretär Bergmann anhören.
Abbau kn den IMchsZmtern
Verminderung der Ausschüsse und Beamten.
• •" (Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 23. Januar.
Im Sparausschuß des Reichstages wurde bei der Besprechung des Abbaues auch ein solcher des Gesckäftsgebiets des Reichswirtschaftsmini- stcriums erörtert. Bei der finanziellen Notlage des Reiches kann der ReichswirtschaftS- rai nickt mehr f« seinem vollen Umsange auf- reclfl erhalten werden. Die Regierungsvertreter wiesen darauf hin, daß bereits in der Organisation des Reichswirtschaftsratxs erhebliche Ersparnisse durchgeführt worden sind. Der Ausschuß sprach den Wunsch aus. mit lürzrster Frist das Rejckskommissariat mit den dazugrhör gen Unterausscküsskn. dem Eisenwirlschastsbund, dem Metallwirtschaftsbund und sämtlichen noch vorhandenen Außenhandelsstellen zu beseitigen. Weiter- wurde mitgeteilt, daß im ganzen Geschäfts
bereich deS Reichsinnenministeriums der Befand an Beamten und Angestellten bis zum 31. Januar um 23 Pro ent vermindert sein werde. Auch im Retchsernährungsmi- njsterium wirb eine F n'ckränlung vorge nommen werden. Sie wird sich im Rahmen der uorgeschriebenen Abbau-Richttinicn vollziehen. Znm Schuß wurden auch de Abbaumapnahmen im Beresch des Justizministeriums zur Kenntnis genommen. Auch hier ist entsprechend den Richtlinien vorgegangen worden.
Englauös Kabmettwechsel.
Macdonalds neue Regierung. ^Eigener Drahtbericht.)
London, 23. Januar.
Die Abstimmung im Unterhaus über das Mißtrauensvotum der Arbeiterpartei gegen das Kabinett BaldJin ergab die Annahme des Mißtrauensvotums mit 328 gegen 256 Stimmen. Darauf ist bas Kabinett Balbwin zurück o e t r e t e n. In Uebereinstimmung mit btt Arbeiterpartei hat deren Führer Macdonald die Regierungsbildung übernommen. Er ist bereits vom König empfangen worden, der ihn znm Ministerpräsiden- ten ernannt hat. Macdonald hatte danach eine Besprechung mit den Parteiführern, wobei er die allgemeinen Richtlinien seiner künftigen Politik darlegte. Seine schon fertige Kabinettsliste kantet:
Ramsar, Macdonald (Ministerpräsident). Philips Snowden (Schatzkanzler), Artur Henderson (Inneres), Sidney Mcbb (Arbeit), I Thomas (Krieg), Oberst Wed- gewood (Marine), Ponsonby (Kolonien), Trevelyau (Kultus). Macdonaldsoll, nach toter Uebcrlrefernng, gleichzeitig Mitglied des Königlichen Geheimen Rates werden.
Der neue polttlfche Kur«.
London, 23. Januar. (Eigene Drahimel- tnng.) Das Unterhaus wird bis Mitte Februar vertagt, damit die neuen Männer sich in aller Ruhe mit ihren Aufgaben vertraut machen können. Bon unterrichteter Seite wirb versichert, daß cs Macdonald hauptsächlich st esZiel sein werbe, neben einer Erlebigung ber schwebenden inneren Fragen vor allem eine Lötung des Reparationsproblems herbeizn- ftthren, zu welchem Zweck er wahrscheinlich eine große internationale Wiebergntmachungs- Konfercnz Vorschlägen wirb, an ber, seinem Programm gemäß, Deutschland in voller Gleichberechtigung teilnehmen soll. Es wäre aber völlig abwegig, wenn man annehmen würde, daß Ramsay Macdonalds Politik irgend ettte Beränberunq in dem Verhältnis Englands zu Frankreich bringen wird, da Macdonald wiederholt erfiSrt habe, er sei unbedingt für eine Fortsetzung ber Entente. Wohl ober ist zu erwarten, daß Macdonald alles ansbieten wird, um tatsächlich endlich eine Liauibiernng des Krieges herbeizusühre«. Ramsay Macdonald erklärte nach ber Abstimmung im Unterlaufe in einer Unterredung» „Alles was ich fagen tarnt, ist, daß wir unser Bestes tun müssen. Wir stehen sehr schweren Aufgaben gegenüber und wir .- erden die gesamte Energie, über die wir verfügen, daran setzen. Meine Gefühle sind 'm gegen» ärttqen Augenblick non Uehertmit sehr weit entfernt ES ist eine sehr schwere Vercmt- morttma die wir übernehmen. Ob wir Erfolg oder M'ßerwlq haben, ick kann nur bas eine fa- arn daß keine Regierung, die je verantwortlich für die Anaelegenbeiten des Landes war, ehrlicher versuchen wirb, bem Lande z« dienen."
HyNoMrken-Aufwrrtung.
Grundsätzliche Stellungnahme des ReichskabinettS (Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 23. Januar.
Heber den Inhalt ber dritten Steuernotverordnung, die bekanntlich noch immer lebhaft umstritten ist, erfährt man jetzt, baß bie Verordnung grundsätzlich an der Auswertung der Hypotheten fefthält. Nähere Bestimmungen über die Auswertung sind noch nicht bekannt. Sie wird dagegen die Besteuerung aller uns bet Entwertung sich herleitenden Gewinne zum Grundsatz erheben und darüber hinaus auch eine Besteuerung der Gewinne aus der Inflation, aus Krediten, bei Holzverkäufen aus staatlichen Forsten und bei der Ausgabe von nicht wertbeständigem Notgeld durch Industrie, Hanbelskonzernc unb bergleichen bringen. Wenn auch bie Aus führungsbestimmungeu noch nicht feststehen, so is doch mit einem relativ hohen Steuersatz und em sprechender Belastung der Wirtschaft zu rechnen.
Drahtloser Verkehr.
2m Dienste der öffentlichen Wohlfahrt.
Dir vrahtlofe Tclrv»onie und Trlcpraphte »et auf t>:rm Wege jtt ihrer praktischen BervaU- letzthin grotze Fortfchritl» «ema-t.
Dir in Sr<mtfu*t o. St. gebildete „Gesellschaft von Frennven der rrndio-TelePtzan.« unh tete „raphic" gibt octei:« eine Zeitschrift „szavi» Rnndfchau" berank, die b:c praktifche Der Wertung dieser neuen technische» Wissenfebasi fördert. Dari« schrei»« n.a. Sttfti«6 »emmtreut Heute wollen wir nur ein kleines Kapitel, welche Bedeutung die Radio-Telepboiiie und -Telearavhie auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlfahrt erlangen kann, herauSgreifen unb darlegen, wie vielfach und segensreich ihr Wirken sein wird. Unabhängig von teuren, häufig durch Witterilugseinflüsse und durch son- tige Störungen außer Tätigkeit gesetzte T«le- chon- und Telegraphen-Leitungen werden «b * eits vom Verkehr liegende Orte (Hotels, Alpeuunterkunstshäuser. Landgüter etc.) die mit S e n d e a n l a g e n ausgerüstet werden, in die LagG versetzt, mit fern gelegenen Emv- fangsstelleiiWrahllos zu Verkehren, um Aerzte, Hilfserpedisionen rasch herbeizurufen. — In den Alpen wird dank dem raschen Arbeiten solcher Anlagen sicherlich manchem in den Eisregionen in Not geratenen Bergsteiger durch die drahtlose Telephonie noch rechtzeitig Rettung gebracht werden können, was heute nur in besonders glücklich liegenden Fällen möglich ist. Die große Bedeutung des drahtlosen Hilferufes von Schiffen in Seenot braucht, da uns allen eine Reihe dlcher Fälle bekannt sind, nicht besonders erörtert zu werden. Aber auch in kleinen Verhältnissen wird man in Zukunft der drahtlosen Telephonie nicht entraten können Otte, welch: abseits der Eisenbahnstraßen liegen, werden durch Errichtung von Sende- und Empfangsstationen erheblich an Bedeutung gewinnen. Bei großen Unfällen — deuten wir nur an die Ervlosionskatastropoe in Oppau und ander - Ereignisse (Bruch von Staudämmen, große Urberkchwemmnngen, Erdbeben etc.) — wird mit Hilfe ber Radiotelephonie und -Telegraphie die Hilfe ungleich rascher und auf einer viel groß ercn Basis angefordert werden könne» als dies heut- bei nuferer Drahttelephonie und -Telegraph'e möglich ist. Ve»gegenwärtigen wir uns nur den Zeitaufwand, welch» erforderlich ist, um sechs und mehr Telephonteilnebmer rasch hintereinander in solchen Fällen um Hilfe anzu- iitfen In der heutigen Zeit der finanziellen unb wirtschaftlichen Not sind häufig, selbst in unseren Kreisstädten, nach Einstellung des Te- lephonverkehrs zur Nachtzeit nickt einmal die Behörden in der Lage, Sauitätshilie im eigenen Orte, geschweige denn von außerhalb telephonisch herbeizurufen.
Ebenso wie der Radiodienst bei Massenun- ic.llen erfolgreich in Wirksamkeit treten wird, ber. mag er dies auch bei Großfeuer« über Land. Durch einen einzigen Funksvruch sind wir in der Lage, samflicke Feuerwehren oder Sanitätskolonnen eines KreiseS zur Hilfe zu clarn'ieren auf der Fahrt zur Brandstelle vermögen die Löschzüge drahtlos mit ihrer Heimatstatton zu verteoren, wodurch manche nachlräg- lich sich als unnötig sich erweisende Alarmfahrt abgebrochen werden kann, während heute in jedem Falle der Alarmon zwecks Feststellung des Sack-V.'vstaltes erst erreicht toctb'n muß. auch wenn inzw'schen Gegcnordre eingegangen ist. — Im Lande der »nliegrenzten Möglichkeiten besitzen große Krankenhäuser bereits drahtlose Empfangsstellen, durch welche Kranken Erheiterung und Erbamlng gespendet wird. Die amerikanischen Polizisten sind vielfach mit drahtlosen Empfängern ausgerüstet, um erforderlichenfalls von ihren Stationen auS Funksvrücke in Empfang nehmen zu können. Bei Anspruch von Seuchen werden tu Amerika zu feststehenden Tagesstttnden Maßregeln zur Bekämpfung derselben durch Funkspntch an die Behörden und an Private mitgeteilt
Auf dem Lande und in Großstädten ist der Alarm von Polizisten Feuerwehrleuten und SanitätSmannschaften, soweit ft- nickt kaserniert sind, ein ständiges Sorgenkind Die außerordentlich hoben Kosten, welch? ber Einbau von Weckerlinien heute nötig macht, verbietet geradezu den Ausbau bezw Er- Weiterung bestehender Alarmanlagen bezw. den Neubau solcher. Mit Hilfe b*r drahtlosen Tele- vhonie (Telegravhiei sind tot. in der Lage, dank der von GaSwerkSdireftor Ernst erfundenen Alarmvorrichtung von einer Zentralstelle cm3 nicht nur sämtliche mit drahtlosen Weckvor- richtungen versehenen Wehrleute in ihrer Wohnung zu alarmieren, sondern auch bestimmt? Abteilungen oder eine aetoifle Anzahl der Mann- '■(haften je nach Erfordernis auf einmal oder uach?in-andcr zu alarmieren.
Die Bedeutung der drahtlosen Telephonie im öfientlickett Wetterdienst für die Landwirt- schäft ist ebenfalls bei Eintritt von Frost, Gewittern etc. nicht zu unterschätzen, und man vermag mit tbre: .«xafec Werte recht.;eiiia su