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Kasseler Abendzeitung «m*, Hessische Abendzeitung

Tie Kasseler S.euefierr ?:ilrbrii^ten erschein en wöchentlich fec6#mal nachin ttagä. Der Adonr.e- »entLvreis betragt für Vie Woche vom 14, bir 21. Icmnar 70 Pfennige tei freier Zustellung tn8 ©cia^taber SetoaftSftenv abgetjoli 65 Pse ntge. Bestellungen werden jetier-eit entoegen- ocnontmcr. iietlag UNS Redaition: Lchlachuo'stratze 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. .rür unverlangt eingelandte Setträge tonn die Siedaltton eine < traut» icortuitit oder Bewäür in keinem Saite üdernebmen. Rückzahlung der Bezugrpelder oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordn'ingrm seiger Stelerung ist aurgeschlosseu.

Postscherlkonio Frankfurt a $t. Nr. 63R1

Nrrmmer 15. Einzelpreis 15 Pfennig. FreNrrg, 18. Januar 1924. Einzelpreis 15 Pfennig. 14. Jahrgang

Reichsbmkprasident Schacht spricht in Paris.

Anzeigenpreise GeschLstSanzeigen Zeile 15 Pfennig, Familien-Anzeigeu Zeile 10 Pfennig, Kleine Anzeigen dar Wort 2*/, Pfennig, Reklamen die Zeile 50 Pfennig, Offertgebühr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig). Rechnungsbeträge sind innerhalb fünf Lagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kurs des Zahlung 5 tage». Für die Richtig, teil aller durch »rafprecher aufgeaebenen Anzeigen. sowie für Aufnahmedaten und Plätte kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mtt besonder? schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Druckerei: Schlachthosftraß« 28/80. Geschäftsstelle Kölnische Straße 6, gegenüber Ser Spohrstraße. Fernsprecher Nr. 951 und 953.

FmntteichsRMgang

PoinearSs Fehlschlag.

Für neimzehn Pfennige der deutschen Ren- teumark kann man einen PoincarS-Franken kau­fen; schon vor einer Woche wurden im besetzten Gebier im Freiverkehr hundert Regicsrcmken für achtzehn Rentenmark angebo-ten. Das Land des .fterdenden Franken erlebt die gleichen Erscheinungen wie Deutschland in den letzten .Fahren, aber dieser Währungsverfall trifft die DevöMrung Viel unvorbereiteter und vor allem auch die französische Regierung in einer wirt­schaftlichen und politischen Lage, die nur nach faulen glänzend ist. Die Nation der Keinen Rentner ist nur in einem Punkte radikal. Sie hat den Weltkrieg auf sich genommen, weil mit dem Rentnergeld die französischen Politiker die russische Armee gegen Deutschland ausgerüstet hatten und die zwanzig M illiarden Gold franken phne Krieg vollkommen verloren gewesen wären. Der Zusammenbruch Ruftlands und der Verlust sollte nach Clemenceau wckigemacht werden da­durch, daß Deutschland als die zu melkende Kuh angesehen werden sollte. Eine widersinnige Po­litik legte aber diese Kuh trocken, und am Ende dieser Entwicklung mußte ganz natürlich der Frankensturz stehen.

Deutschland ist ausgebrannt, aber immerhin hat es noch gewaltige ArbeitSenergien. Frank­reich ist reich, aber seine bisherige stärkste Po­sition, die Sparenergie, ist erschüttert, ja, unmög­lich geworden, und damit »st eine Hrntvstchlag- ader Frankreichs unterbunden. Die Leichtfertige Art, in der jetzt die Verantwortlichen für Frank­reichs Po-Ktrk und Finanzwirtschast versuchen, ihren Zusammenbruch deutschen oder internatio­nalen Machenschasten zuzuschreiben, ist für sie 'selbst beleidigend dumm. Frankreich mag ruhig .Deutschland für den Bösewicht in allen politi­schen Geschäften halten, der Frankensturz ist über durch Frankreich selbst hervor­gerufen worden. Die französische Staatsschuld wird auf 420 Milliarden Franken angegeben; das französische Defizit für 11922 beträgt fast 37 Milliarden Franken, die nicht fmrch Steuern gedeckt sind. Die englischen Sach­verständigen haben nachgerechnet, daß die fran­zösischen Abgeordneten für Wiederaufbau mehr ausgegeben haben, als das Nationalvermögen per betreffenden Gebiete überhaupt betrug. Die Perschleuderung der Wiederauf- baugelder ist eine Neuauflage des Panamv- Mandaks. Und so müßte Fmnkreichs Bevöl- ken'ng jährlich allein zur Verzinsung der Schul- bcn eine Summe von mindestens sieben bis acht ^Milliarden aufbringen, die nach den poincaristi- schen Lügen aus Deutschland erpreßt werden sollten. Da das nicht möglich ist. und auswär­tiger Kredit Frankreich jetzt nicht zur Verfügung steht, ist die Finanzlage Frankreichs mtastvophal.

M« Ueberspannung der französischen Prestige- polittt hat das Land finanziell ruiniert, nicht her Krieg, dessen Schäden mit einem Dutzend Milliarden Franken für Frankreich bei ehrlicher Wirtschaft ausgeglichen wären. Mit der ver- biüten Energie des Monomanen hatte aber jeder französische Politiker die natürlichen Bedingun­gen der französischen Ration vernachlässigt und sich in Romantizismen bewogt, von denen eine, der Poincarismus, gleichbedeutend mit Neu- Napoleonismus ist. Uehersehen wurde dabei, daß Deutschland sich nicht mit den militärischen und politischen Mi.teln des ersten Napoleon auf die Dmier niederhalten läßt. Tie Lage wurde für Frankreich in dem Augenblick kritisch, in dem die durch die deutsche Inflation hervor- gerusene Narkose zur Ernüchterung und Selbst­hilfe führte. Inzwischen hatte die starre fran­zösische Polttik ganz Europa aufeinandergehetzt, den endgültigen Frieden immer weiter hinaus­gezögert. die WiederaNknüvfung wirtschaftlicher t vibcn verhindert und sich so dumm, brutal und hysterisch gezeigt, daß die herkömmlichen Sym­pathien für Frankreich in den Weltnationen so schnell dahinschwanden, wie die Kauflrast des französischen Franken.

Da Frankreich sich politisch der wirtschaftlichen Vernunft, wie sie vor allem aus merkantilen In­teressen heraus von Amerika und England nach­träglich wieder als Grundgesetz politischen Han­delns entdeckt wurde, widerlege, kam jene nicht­amtliche englisch-amerikanische Ge­genwirkung, die Poincars diplomatisch nicht besiegen konnte. Als der .englische Vor­schlag, eine Untcrsuchungskommission über die deutsche Leistungsfähigkeit einzusetzen, durchging, hatte Doincarö eine cnffdx*6enfcc diplomatische

Niederlage erlitten. Der amerikanische Beobach­ter in dieser Kommission, General Dawes, hat gegenüber dem Versuch Barthous, den Versail­ler Dertnrg aW Fmnkreichs Magna Charta hin­zustellen und die Kommission unter Statistiken und Tabellen zu begraben, in dürren Worten erklärt, nicht die bisher angewandten For­meln führten aus der Lage heraus, sondern die Wiederherstellung der deutschen Produktionskraft. Das hat seWstverstänb- lich zur Voraussetzung die Nieder? ämtzftmg des französischen Brandherdes des Haffes. S.

Mtersychimg in der Isalz.

Acufterung des britischen Vertreters. (Eigener Drahtbericht.)

Mannheim, 17. Januar.

Der britisch«! Generalkonsul Clive hatte eine längere Unterredung mit einem Redakteur derNeuen Badischen Landeszeitung". Clive betonte, daß die Aussprache, die er mit verschie­denen berufenen Vertretern der Pfalz am Montag in Mannheim gehabt habe, eine großeKnndgebung gewesen sei. Er wolle sich begreiflicherweise über seine Eindrücke nicht äußern, denn cs sei sein Bestreben, ganz nrntral die Verhältnisse zu untersnchen. fügte jedoch hin­zu, daß am Dienstag die Vertreter sämtlicher Städte bei ihm waren und daß sich diese sogar in Gegenwart der Franzosen ganz frei ausge­sprochen hätten. Der enoNsche Gen--k.-onsul er­klärte weiter, er würde bemüht fein, mit allen Schichten der Bevölkerung zusammeuzukommen. Er werde am Freitag in Koblenz der interalliier­ten Rheinlandkommission einen Bericht erstatten. Der britische Botschafter in Berlin weilte gestern im Auswärtigen Amt, um Aus­kunft über die Separatistenbewegung einzuholen.

tgnrisnB zununstrn D-Msüylanvs.

London, 17. Januar. (Privattelegramm.) Aus der Sitzung des Oberhauses teilt der Courant" noch mit: Lord Curzon erwiderte auf die Anfrage Lord Greils imch den Zuständen in her Pfalz, die englische Regierung warte mir das Ergebnis her Informationsreise des Mün­chener Generalkonsuls. Die Regierung sei ober entschloffen. in der Frage der besetzten Gebiete keine Kompromisse anznneh- men sondern die vollständige Wiederher­stellung der deutschen Verwaltung?- obsrleitung zu fordern.

e

Die ranziMche SlnmkschrmK.

Svcyer, 17. Famiar. (Privattelegramm.) Hier sind aus Mainz einige zwanzig franzö­sische Kriminalbeamte eingetroffen, um die weitere Verfolgung der Mörder des ..Regierungschefs der autonomen Republik Pfalz" ,u übernehmen. Die Gerichte der Pfalz weigern sich, dem Befehl des neuenRegierunas- ckefs" nachzukommen und ihre Urteileim Na­men der autonomen Republik Pfalz" zu verkün­den. Man rechnet deshalb mit weiteren Gewalt- maßnahmcn der Separatisten,.

Kemmunlsten all OBerrattr.

Parks, 17. Januar. (Privattvlegramm.) DasEcho" meldet aus Ludwfgshaken: Die kommunistischen Betriebsräte in der Pfalz haben sich in einer Entschließung vom letz­ten Sonntag Mr die Errichtung eines von Ber­lin unabhängigen Rheinstaates ausgesprochen.

Bayern «nd das Brich.

Der Reichskanzler zur bayrischen Denkschrift. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. Januar.

In einem Schreiben an den bäuerischen Ge- sandten in Berlin, v. Preger. saO Reichskanzler Marx, die ReichSregierung könne noch keine ab­schließende Stellung zur bayerischen Denkschrift einnehmen, aber er sei befriedigt darüber, daß der in sachlicher Form dargeleate Standpunkt, den die bayerische Regierung der Reichsverfas­sung gegenüber einuimmt, von dem Gedanken getragen ist, das Reich im ganzen wie in sei­nen Teilen stark und fest zusammmWfügt zu erhalten. ,Zch verkenne nicht, daß die Denkschrift sowohl in ihren geschichtZicheu Darlegungen, wie in den Vorschlägen für die Zukunft Gegen, stand lebhafter, vieMicht heftiger M>ei- nungskämpfe sein wird, die wie ich bestimmt hoffe, F ; in den Grenzen halten werden, die ihnen v Tatsache zieht, daß deutsche

Gedanken und Gefühle der bayerischen Regierung die Feder geführt haben. Die ReichsreKerung ist gern bereits zunächst mit der bayerischen Re- gierung unter Zugrundelegung der überreichten Denkschrift in einen Meinungsaustausch einM- treten, wobei sie mit der bayerischen Regierung darüber einig ist, daß die einzelnen in der Denk, schrift erörterten Fragen einer eingehenden fach­lichen und vorurteilslosen Prüfun« bedürfen." Deutschland wird amehStt.

Dr. Schacht reist nach Parts. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 17. Jammr.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der von der alliierten Sachverständigenkommission zur Besprechung eingeladen worden ist, reist heute nach Paris. Der Beschluß der Kommission, Dr. Schacht anzuhören, ist mit allen gegen bie Stimme Frankreichs gefaßt worden. Der Frankensturz übt noch keine Wirkung auf die Haltung Frankreichs aus. Hoinrars scheint ent­schlossen zu sein, die französische Meinung erneut gegen Deutschland zu mobilisieren, besten Nicht­zahlungen den Frankenstnrz verschuldet hätten. Zu der amerikanischen Meldung, Schachts Be­rufung sei ans einem Anträge des Vorsitzenden der Kommission, deS amerikanischen Generals Dawes, hervorgegangcn, wird nnn aus Rom gemeldet, daß nach amtlicher Erklär,mg diese Nachricht ni<U den Tatsachen entspreche. Man glaube vielmehr, da in nächster Zeit auch an­dere führende deutsche Persönlich- leiten nach Paris geladen werden, um dort vernommen zu werden. Auf diese Weise hof­fen gewisse Kreise zu vermeiden, daß die Smb- »c.c4ä.Ka;aeTttotmnifftE-i* wie ursprünglich beabsichtigt war, nach Berlin begibt,

Fkoch ein Sack-WEnS^er.

P a r i s, 17 Januar. (Privattelegramm.) Wie den Blättern mitaeteilt wird, ist Profestor H a. guettitt. der Präsident der französischen Dele- (pttion des Garantiekomitees in Berlin, zur Be­richterstattung nach Paris berufen worden und bat Berlin bereits gestern abend verkästen. Die Berufung steht in unmittelbarem Zusammen- hnage mit den Beratungen des Sachperständigeu- äusschuffes der Reparationskommission.

MW dem besetztem Gebiet.

Reue Ausschreitungen in Düsseldorf.

(Privat-Delegramm.i

Düsseldorf, 17. Januar.

Die Hauptstraßen Dülleldorfs waren vorge­stern abend wieder der Schauplatz wüster Ans- febreitungen. Eine aus einer politischen Ver­sammlung kommende Menge, unter der sich viel lichtscheues Gesindel befand, überfiel Stra­ßenbahnwagen, zertrümmerte die Wagcn- kcheiben und versuchte, den Betrieb stillzulegeu. Die Insassen wurden mehrfach gezwungen, auS- znstrigen. In der Schadowstraße hielten sie einen Kraftwagen an, mißhandelten die Insassen und beschossen den Wagen. Die Polizei zerstreute die Menge, die sich aber wieder sammelte rmd nach dem Worrinaer Platz zog, wo ein Straßenbahnwagen beschossen wur­de/ Ein Kaufmann wurde durch einen Schuß ins Auge schwer verletzt. Die Polizeibeam- ten erwiderten da>8 Feuer. Die Menge wnrde schließlich zerstreut. Sväter kam es am Dorothen- platz zu neuen Ansammlungen. Auch hier wurde geschoffen. Die Polizei schaffte dann Ordnung.

e

Äurllcknodme von Truppen.

Dortmund, 17. Januar. (Privat » Tele­gramm.) Die französischen Besatzungen aus dem Landkreise Dortmund sind im 14. ds. Mts. zu­rückgezogen wordedn. Die Kontrollstelle zwischen Dortmund und Lünen ist aufgehoben.

Die Teuerung in Frankreich.

Plünderung von Lebensmittelgeschäften.

«;£tr.e Drahtmeldung.)

Paris, 17. Jaimat.

Rach Mitteilungen der Blätter aus dem Elsaß ist es infolge des FrankensturzeS am Montag «nd Dienstag tu Ausschreitun­gen der Arbeitslosen und der Arbeiter gekom­men. In Colmar und Mülhausen wurden L e - bensmittelgeschäfte geplündert. In Straßburg vertrieb die Polizei die Demonstran­ten. In Mülhausen fordern die Arbeiter 50 Prozent Lohnerhöhung unter Androhung des Generalstreiks, ftn Straßburg sind alle Lebens- mittelpreise feit 1. Jamwr verdoppelt und ver­dreifacht. In L Y o n wiederholten sich die Teuerungsunruhen am Mittwoch In einer Straße sind etwa vierzig Geschäfte ausge­raubt. Die Demonstranten erZwauaen im Rat- Hause die Einführung von Höchstpreisen,

Neulinge in Amerika.

Enttäuschte Deutsche.

9a die Sin<ie<mbetaRgeiuft in ®euffa>r«nt> nach VN« vor destetz«, find folgende AnSfiihennaen beafttenatettt, die ein »eutfa,«* Korreipondent in SRet»t>orf, Felix « chn» id « schrei»« i

Mau trifft Hier jetzt häufig Landsleute, die erst kürzlich den Boden Amerikas betreten ha­ben. Sind doch infolge der bekreuzten Zulas- fung in letzter Zeit soviele Deutsche hier emge» wandert, daß die Einwandenmgsguote für Deutschie bereits erreicht ist. Da das Einwande­rungsjahr immer vom 1. Juli bis Ende Zum läuft, fo werden bis zum Ausgang des Monats Juni keine deutschen Einwanderer hier mehr landen dürfen. Wie denken nun die jüngst ein» gewanderten Deutschen über Amerika, und wie haben sie sich in die Verhältnisse eingelebt? Viel hängt dllbei natürlich von den UmWmden ab, unter denen die Einwanderung überhaupt ci- solgt ist. Wer zu Hiesige« Verwandten, Freunden oder Bekannten kam, hm ja gleich einen Unterschlupf gefunden und kann mit einer gewissen Ruhe der Wöiterentwickluna sei­nes Schicksals entgegenfefyfn. Denjenigen aber, die keinerlei Rückhalt haben, wird es na­türlich von Anjana an schwerer werden, festen Füß zu fassen. Die Erstgenannten werden viel, leicht nach einigen Wochen Enttäuschungen er­leben, wenn ihre Verwandten, Freunde und 23-v kannten, bei denen sie vorläufig ein Heim san­den, die

Fehlschläge auf der Stellungsuche J dann so auszulegen beginnen, als ob sich der Neuankömmling nicht errrsilich bemühe. Dann regnet es gewöhnlich von allen Seiten »gute Ratjchlaae" undErmahnnngeu" sowie anfangs lunfte. fwu« wrrfsei imijt durch

den ständigen Hinweis, daß sie, die setzrgen »mu gebet, gleich Stellung gefunden hätten, als sie nach Amerika gekommen waren. Daß damals freilich noch ganz andere Zeiten wich hierzu­lande geherrscht haben, 'freß wird dabei von den Mahnern, die sich in der Rolle der Ueberlrgenm und Erfahrenen nun fo schon sonnen können, natürlich wohlweislich verschwiegen. Man darf dem Schreiber dieser Zeilen glauben, daß et: solche und ähnliche Klagen in letzter Zeit von Eingewandertru recht ost gehört hat. Braucht man sich da ®it wundern, daß ein Äeueingewan- berter, dem es auf die hier beschriebene Weise er­geht, die neue Heimat bald gründlich satt ha­ben wird? In nicht allzu langer Zeit wird er aufrichtig wünfchen, er wäre niemals über den Ozean gefaHren. Mit der Zeit hm er auch das Hungern in Deutschland vergessen, und schließ» lich kennt er nur noch eine Sehnsucht Zurücks Das ist der eine Typ amerikamüder Deutscher. Dam andern eingewanderten Deutschen, der an» fang? keinen Haft an Freunden oder Vcr- wmtdten hatte, ist es nach größter Anstrengung, geboten durch das eiserne Muß, schließlich viel­leicht doch gelungen, eine ganz untergeordnete Stellung zu finden. Da er ja noch ke.n Eng­lisch versteht, konnte er auch keine Ansprüche stel­len. So mancher merkt auch erst, wenn er hi:r ist, daß seine englischen Kenntisse, auf die er drüben so stolz war, kaum ausrerchen, um sich bei einem Schutzmann nach dem Weg zu erkundigen. Die Stellung ist

aufreibend und anstrengend;

denn in Amerika wird für untergeordnete und anstrengende Tättgbeit geringer Lohn gezahlt. Nur zu bald hat dieserDeutsch» ausgesunden, daß der Dollar, der ihm drüben durch die Mil­lionen Papiermark, die er dafür erhielt, fo.nt» paniert hatte, hier eben nur die Kauflrast besitzt, die er in einem anf diese Währung eingHstellten Wirtschasts- und Geschäftsleben nur haben kann. Mtt 15 Dollars die Woche feinem Anfangs- Stallt kann er sich nur gerade am Leben et» ten, sich aber sonst auch garnichlts leisten.

Sein Leben besteht in Arbeiten, Schlafen, Men und Trinken. Und auch im Essen muß et sich ein schränken. Ersparnisse kann er von diesem Lohn kaum machen. Monate dauert es, ehe er sich vielleicht den billigsten Anzug anschaffen könnte. Auch dieser Deutsche kommt schon nach 5 bis 6 Monaten zu der Erkenntnis: »Bei io aufreibender Arbeit hätte ich drüben im alten Vaterland auch mein Leben machen können. Da-; :st der zweite Tvp amerikamÄder Deutscher.l Dann gibt es wieder Landsleute, die immer noch mit einer gewissen Romantik, mit Untemeh. mungs-, ja Abenteuerlust hier Herkommen. _Sie träumen von idealer Freiheit, größtem Verständ­nis und Entgegenkommen für politische und wirtschaftliche Ideale, die dem Deutschen drü­ben ia immer als Leitstern für Amerika vor» schweben. Er spricht darüber zunächst zu seinen hiesigen Landsleuten. Sie hören anfangs auch zu; dann fangen sie aber von etwas anderem ?it erzählen an. und wenn dann der Frischeing». wanderte mit seiner Schwärmerei noch nicht auf­hören will, daim wird er einfach ,

für immer mundtot gemacht

durch den guten Rat:Wissen Sie was? Mit solchen Fanen können Sie sich Hier nicht