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Mekr Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 14.

Donnerstag, 17. Januar 1924

14. Jahrgang

Einzelpreis 15 Pfennig.

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$te ßafieter Keueflert Kadirlcbten erfdicinen ronrhentli» fettiSma! ngcbm ItagS. Der Abonne» inentsvrets beträgt für die Woche vom 14. b!S 11. ganr.ar 70 Pfennige Bei tretet Aufteilung ins Haus, t» der Seschalttitet!e abgcttott 65 Pf- nlg?. Bestellungen weroen jeder,-eil entoenen- genommeä. B-riag uno Redaktion: -vchiachloosftrotze 28/30. Fernsprecher Nummer $51 und 95X Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine verant. ivortnng oder Eervühr M keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgelde- oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordn ingSmilager Lieierung ist ausgeschlossen. Polijcheclkonto Frankfurt a.M. Nr. 6380.

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Prüfung deutscher Leistungsfähigkeit.

Mühle ohne Wasser.

Di« §reparati»nSSe«atnngen.

Als der amerikanische Vertreter am Montag Sei Eröffnung der Pariser Konferenz in sach­licher Weise über die Reparationsfrage sprach, war man in Deutschland angenehm berührt, denn General Dawes zeigte in seiner Rede, baß er die wahren Ursachen des europäischen Elends erkannt hat und auf eine Besserung hinzielt. Er wies darauf hin, daß die deutsche Rot durch die schwere Belastung von außen ge­schaffen worden sei nrto befürwortete wirkliche Hilfe. Mit Formalitäten dürfe man keine Zeit mehr verlieren, sondern müsse gleich zu prakti­scher Arbeir übergehen. Die Beschäftigung mit dem Ausgleich des deutschen Budgets habe kei­nen Wert, solange das deutsche Geld keine Kaufkraft habe. Deshalb müsse man vor allem rin System zur Stabilisierung der deutschen Währung seststellen. Es gelte »Wasser für die Mühlen des deutschen Budgets ,u finden" Die Mühlen werden gebaut wer­den, sobald das Wasser gefunden sei, das diese Röder drehen soll. DaS sind vernünftige Worte, die der Lage Deutschlands gerecht $u werden ver­suchen. Jetzt kommt es darauf an. daß dieser amerikanische Vertreter auch den Einfluß auf der Konferenz auszuüben imstande ist, daß die Alliierten sich seinem Standpunkt anschließen. Vielleicht darr man davon auch eine beschleunigte Regelung des Rhein- und Rrchrproblems er­hoffen.

Die deutsche Regierung hat in ihrer letzten Denkschrift die Rhein-Ruhrfrage, also einen Teil­ausschnitt deS RevarationSprsblems. behandelt. Die hat Mn, richtig betont, daß ohne Meder- herstellung des deutschen Verfügungsrech­tes über Rhein und Ruhr die deutsche Wirt­schaft nicht in der Sag« ist, Reparationen zu liefern, und der deutsche Staat nicht fähig ist, gesunden. Die Nichtwiederherstellung deS deutschen VerMnngsrechteS über diese Gebiete und vor allem die sogar von England als be­sangen angesehene tmeralliierte Rbeinlandkom- mission waren politische und anuelftonistis-be Mittel der kranzösischen Politik. Eins der Mittel ist die Unterstützung der ©epa- ratifbenbewegungj durch die Franzosen. Erst durch daS furchtbare Urteil des pfälzischen Vol­kes gegen die Hochverräter Heinz und Genossen hat die französische Presse sich genötigt gesehen, den Schleier zu lüften, der über der Diplo- matieEnglandS in den letzten Wochen lag. Danach hat Lord Eurzon sich sehr scharf ge- gen d-ke Anerkennung der Separatisten ausgesprochen. Wenn Herr Tirard und der bel­gische Vertreter in der Rheinlandkommission am S Januar beschlossen hatten, die Verordnung der Banditen zu registrieren, d. h. die Separa­tisten und ihre Regierung gegen das Volk anzu- erkennen, dann liegt damit die französisch-bel­gische Absicht offen. Lord Curzon dagegen hat den politischen Mißbrauch der Rbeinlandkem- mission und Bruch des Versailler Vertrages in einem Notenwechsel mit Paris nicht mir gerügt, sondern eine Untersuchung durch den englischen Generalkonsul in München veranlaßt, weil die Rheinlandkommission parteiisch fei.

Denn der Enthüller deS enolisch-franzSflschen Gegensatzes in der Pfast frage, Pertinar. bemerft, Me planmäßige Durchführung des Versailler Vertrages werde allmählich das Rheinland von Deutschland trennen .dann wird hier ans den Anker der französischen Politik hingewiesen. Zwar scheint die Sevaratistenhewegung hauw- köchlich von den französischen Militärs und nich' voll und ganz vom französischen Auswärtigen Amt gebilligt zu werden, aber der Erfinder einer VermittlungSsormel für die wahren Db- sschten Frankreichs und die 'diplomatische Tages- takftk ist und bleibt Pornoars. So ist die Ant­wort an Deutschland das Gemisch aus poli­tischem und' wirtschaftlichem Inte­resse Frankreichs, das noch jeden Derständi- gnngsversuch avk geschäftlicher Basis in den Wurzeln vergiftet hat.

Gaur scharf klar und ohne Pfeiler für einen Brückenbau stellt dem gegenüber Englands Interesse und das Interesse Deutsch­lands. Di; allmähliche Einverleibung des RHHnlandes und der Rnbr in ffrankreich würde Frankreichs politisch- und wirffchvftlicke Macht auf Menschenalter hinaus stabilisieren und Eng­land und Deutschland ruinieren. Durch daS französische Bündnissystem und die Besetzung deS Ruhrgebietes ist Frankreich nicht nur Herr der europäischen Ersen- und Kohlen- lager, sondern auch der Werke, die in einem Kriege Riesenkanonen fiefern können, wie Schme.der-Crensot imb Skoda-Pilsen sowie Krupp^-fsscn. Gewiß ist die augenblicklich« fi- - an rielle Basis Frankreichs zu schmal fitr die Ma-chrträume Der Sturz des Franken hat dem ftau'öftsch-n Kleinrentner in wenigen Wochen den Verl"st von drei VieWeln seiner Ersvarn'sse eingebracht, und Poincarö mag noch so sehr nach dem politischen Herzen des srauiösischen Kleinbürgers sein, er wird aber niemals aus

Deutschland trotz aller Machtpolitik und Bandi- tenmethoden so viel herausholen, um von Deutschland die gesamten Kosten der französt- schen Kriegspolitik bezahlt zu erhalten. Das ist der schwache Punft der französischen Politik. Sie gleicht einer auf den Kovf gestellten Pyra­mide, deren Stützen, die Bajonette, zerbrechen, wenn die Finanzpolitik Poinrares sich erst voll auswirkt. Inrmer wieder ist von Sachverstän­digen darauf hing.'wiesen, die politische Dik­tiermethode in der Reparationsfra- ee werde erst Deutschland vernichten, dann aber auch Frankreichs Finanzen und Franken in den Abgrund reißen. Tas fran­zösische Volk hat monatlich vier Jahre lang durchschnittlich 90 Millionen Franken, in der letzten Zeit noch mehr, auf dem Wege der in­neren Anleihe zur Stützung des Poincarismus aufgebracht. Dazu ist es nicht mehr in der Lage. Damit verliert aber auch Frankreichs Politik aus den gleichen Ursachen tote die deutsche nickt mir den Bodest unter den Füßen, sondern auch an Einfluß Schon heute erhält Frankreich von Amerika T'ht Geld mehr, es fei denn, daß es sich mit Deutschland verständige.

Unsere Leistungsfähigkeit.

Unterlagen der Reichsregierung. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 16. Januar.

Der deutsch« Geschäftsträger in Paris, von Hösch, hat vor seiner Abreise dem Vorsitzenden des Gachverstündigenausschuffes zur Prüfung der deut schien Lei stungsfä hi gleit diese- wifltw Unterlagen der Reichsregierung nn- terbrettet, die feit einigen Wochen im Kabinett zusammengestellt worden find. um die Sanierung der deutschen Wirtschaft «nd die Gewährung von Auslandskrediten herbeiznMhren. In Ber­lin rechnet man mit einem Abschluß der Pariser Beratungen nicht vor Ansang bezw. Mitte Fe­bruar. Die vom Reiche in England, Hol­land und der Schweiz abgeschlossenen Währungskredite lauten, wie wir erfah­ren, allgemein auf den 1. Februar. Der deut­sche Botschafter von Hösch hat. nachdem sich sein Gesundheitszustand gebessert hat, gestern abend die Reise nach Berlin angetreten.

Einblick in ölt Finanzen.

Paris, 16. Januar. (Privattelegramm.) HavaS meldet: Die zweite Sitzung der alliierten Sachverständigen zur Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit hat die Anfrage an Deutsch, land beschlossen, ob Deutschland bereit sei, dem Ausschuß denjenigen Einblick in seine Fi- nanzgebahrung zu gewähren, di« bie Jahre 1920 bis 1923 betrifft. (!)

Um dir Sparmaßnahmen.

Beamtenabbau und Arbeitszeit. (Privat-Telegrmmn.)

Berlin, 16. Januar.

Der Unterausschuß des ständigen Ausschusses des preußischen Landtages für den Beamten ab, bau nahm einmütig den Standpunkt ein, paß die berechtigten Interessen der Schulen bet der Durchführung der Notverordnung des Personal- abaues in keiner Weise geschädigt werden dürfen. Die Abänderun- des Al- tetSgrenzen-GesetzeS toitrb« in der Fassung der Regierung angenommen, sodaß in Zukunft keine Ausnahmen zugelaffen sind. Nachdem am 4. Januar der Beschluß des ReichKabinetts über die Verlängerung der Arbeitszeit der Reichsbeamten auf neun Stunden täglich verkündet worden war, ist durch Ver­fügung vom 11. Januar auch die Dienstzeit der behördlichen Angestellten festgesetzt worden. Bei den Angestellten soll ein« Arbeitszeit von zehn Stunden durchschnittlich nicht überschritten werden.

England und Rußland.

Eine Warnung vor der Anerkennung.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 16. Januar.

Der Bund der Auslands-Engländer erläßt in den Zeitungen eine Warnung an das englische Volk und an die englische Regie­rung vor einer Anerkenmmg Sowjetrutz- lands. In Sowjetrußland seien 13500 Eng­länderenteignet" und damit nm ihre Er­sparnisse gebracht worden, fast zweihundert Eng­länder feien von den Sowjets seit 1918 crmor- d e t worden. Die Sowjetregierung sei eine Dik­

tatur von freigelassenen Sträflingen und Verbrechern. Der Polizeichef von Moskau habe wegen Falschmünzerei neun Jahre Zucht- etS hinter sich. Es sei einer Kulturmacht, wie gland. unwürdig, mit den Ausbeutern eines ganzen Volkes sich auf gleicher Stufe zu stellen, deren Herrschaft nur noch durch den brutalsten Terror sich behaupten könne. Der Auftuf wird in der englischen Presse lebhaft besprochen.

Der Fraukeu sinkt Welter.

Amerika unterstützt Frankreich nicht.

(Eigen« Drghtmeldung.)

Paris, 16. Januar.

Der Herold meldet aus Rewyork: Das Staats» dpartement gibt bekannt, daß Frankreich gegen die Preisberechnung bei Ankäufen in Amerika in Dollarwährung Pretest erhoben habe, well di« Ankäufe bisher in Frankenwährung be­rechnet wurden. Das amerikanische Staatsdcvar- tement erklärt sich für unzuständig, in privathan­delsrechtliche AuSeinandersetznngen einzugreifen. An der letzttägigen Börse in Rewyork be­merkte man starke Verkäufe von Frankenwer- ten durch das Morgansche Bankhaus, was die Abgabeneigung des französischen Franken und damit seinen weiteren Sturz beschleunigt.

eefdhtfertige Jtrtölte.

Genf, 16. Januar. (Privattelegramm.) Der Eorriere della Sera meldet aus Bukarest: Im Kanrmeraussckmß gab der Finanzminister be­kannt, daß die letztbewilligten französischen Kredite a« Rumänien noch nicht aukge- z ah lt worden seien/ Es bestehe die Befürch­tung einer erheblichen Wertminderung, wenn bet Sturz des Franken sich fortsetze. In diesem Falle würde auch Rumänien groß« und beden- iende finanzielle Einbußen erleiden. Der Aus­schuß bewilligte die Vorschußzahlung auf Kriegs­beschädigte zu Lasten der deutschen RevarationS- verpflichtungen (!) in Höhe von 90 Mill. Leu.

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«naufDcItfamer TNiSgaug.

Basel, 16. Januar. (Privattelegramm.) Der französische Franken erreichte Dienstag früh in der S chw eiz einen neuen Tiefstand. Er wurde in Basel nur noch' mit 25 Schweizer- Franken für 100 Franken im Frei verkehr genannt. Wahrend er am Samstag vorher noch auf 28 stand.

Hypotheken, Obligationen.

Reuet Antrag zur Aufwertung.

(Privai-Telegramm.)

Dresden. 16. Januar.

Die Demokraten haben in Dresden auf ihrem Parteitag folgende Entschließung ange­nommen: Die Fraktion verlangt, unabhängig von einer etwaigen sonstigen Regelung der Mark­schulden, Staatsanleihen um, Sparkaffengutha- ben, eine schleunige gesetzliche Regelung der Hypotheken- und Obligationenauf. Wertung, da die gegenwärtigen Zustände der Unsicherheit wirtschaftlich unerträglich seien. Die gesetzsiche Regelung müsse in möglichst einfacher Weise, die keine neuen Beamten erforderlich mache, erfolgen und die eine den Wirtschaftsver­hältnissen deS Schuldners Rechnung tragende rechtlich-billige Aufwertung zrrlaffe.

»emWrmo um ein Kompromiß.

Berlin, 16. Januar. (Privattelegramm.) Der Reichsfinanzmin'sser rechnet damit, daß et den Entwurf der dritten Steuerverordmmq noch in dieser Woche dem Kabinett zuleiten kann. In­zwischen ist man in der Frage der Auf wer. jung der Hypotheken nach wie vor be­müht, ein Kompromiß zu finden. Die Ent­scheidung liegt bekanntlich beim Kabinett ES ist damit zu rechnen, daß daS Kabinett sofort, nachdem ihm der Entwurf zugegange« ist, sich mit dieser Frage beschäftigen wird.

Die Leuerung In Frankreich.

Sturmzeichen deS ErnährungszusammenbruchS.

(Eigene Drahtmeldnng.)

Paris, 16. Januar.

In ®t Antoine ist eS nm Montag abend zu netten großen TenerungSkrawallen ge­kommen, weil die Bäcker die Brotpreise um je 60 Son herauffetzten. Die Demonstranten zer­störten vier Bäckerläden tmd dreizehn andere Geschäfte. Die Gendarmerie griff *«if mehreren Bereitschaften ein, wobei zwei Plünderer ver­wundet und über zwanzig verhaftet werden konnten. DemEcko" zufolge bekennen üch olle Verhafteten zur kommunistischen Partei. Die Humanitä" überschreibt am Dienstag den Be­richt über die Vorgänge in Antoine mit ..Sturm­reichen des ErnährungSzusammenbruches".

Der sinkende Frank.

Direktor llrbig» Meinung.

®«$ Dlr,tt»r Fran MU,'big beit der Berliner Di konte-AepUIedas^hat do» SSetiebtetftatle* Steif D-.-and eine Unterrebttng gewahrt, tu Be* er ftä) in »eathtenswerier Weise über den tret»- zöstfch«« Franken Sr,horte, «r sagt- Folgende«:

.Für uns hat der Rückgang des Frauken in diesem Augenblick ein besonderes Interesse, weil Mitglieder der französischen Regierung erklären, in Deutschland feien Bankengruppen am Werke, den Franken zu stürzen. Wir Bankiers sollen so­gar in Frankfurt a. M. darüber Beratungen ab- gehalten und Beschlüsse gefaßt haben. Es lohitt1 nicht, eine solche Torheit zu widerlegen. 23« deutschen Bankiers haben wirklich Besseres zu tun, als in Franken zu spekulieren, imb Halen uns beispielsweise oft den Kopf darüber zer­brochen, wie wir dem Unheil parieren tonnten,, daß die französischen Truppen im 6c«: setzten Gebiet Tresore öffneten, Mil-' liarden, Billionen und Trillionen von Papier- mar! Wegnahmen und gegen einen Teil triefet1 Papiermark dann sofort Devisen kauf, ten. Diese Vorgänge haben viel dazu beige­tragen, die Reichsmark in den Grund zu bohren.1 Am 15. November 1922 habe ich an ein dem Pa­riser Kabinett noch jetzt angehörendes Mtglied (an Herrn de Lastehrie! R. B.) einen Brief ge­schrieben, worin es wörtlich heißt: »Für 100 französische Franken erhielt man am 12. 10. 19 65,30 Schw. Fr.; am 12. 10. 20 41,20 Schw. Fr.; am 12. 10. 21 39,45 Schw. Fr.; am 9.11. 22 34,50 Schau. Fr. Wenn diese Bewegung weitergeht, so werden Sie auch in Frankreich die Erfahrung machen, daß es kein Gesetz gibt, welches die Spe-, knlation m Devisen verhindern kann.' Heute sind unter Berücksichtigung des aus dem Schwei­zer Wechselkurs c&mben Disagios n*sv nach etwas weniger cüS 25 Schweizer Franken für ICO französische Franken zu haben. Ein französi-r scher Finanzminister kann sich über den Verlauf der Bewegung wahrlich nicht überrascht fühlen. Durch eine Kontrolle der Devis«n-Ge- schä f t e an der Pariser Börse wird er ganz ge- wiß nichts erreichen, denn der Jttdustriell« in Nordfrankreich, der seinen Besitz an Franken in den Besitz von Wolle umwandest, braucht nicht an die Pariser Börse zu gehen, um gegen Fran­ken die Devisen zu bekommen, mit denen er die Wolle im Ausland« bezahlt. Neben den vielen Verunglimpfungen, die wir von Frankreich ha­ben hinnehmen müssen, haben die Vorwürfe we­gen der Inflation und wegen der mangel­haften Kontrolle unserer Devisen einen 'breiten Raum eingenommen. Es wird mich nicht wun­dern. wenn man nun in Frankreich der gleichen Erscheinungen nicht Herr wird, wegen deren man uns geschmäht hat. In den Angriffen aus die die gesamte Wirtschaftskraft widerspiegelnde Va­luta eines Landes bildet

die Spekulation

immer nur eine Episode. Sie kommt erst auf ihre Kosten, wenn die Bewohner des San- des. im vorliegenden Falle also die Franzosen, die Flucht aus der eigenen Währung antreten. Frankreich bat stets seine Fi­nanz in den Dienst der Politik gestellt und tut daS auch jetzt noch: der französische Franken bildet sonach keine Rarität im Airslonde. Dadurch wird die Zahlungsbilanz Frankreichs verschlech­tert. Gegen einen Verstoß gegen die wirtschaft- kichen Gesetze aber bildet die politische Macht kei­nen genügenden Ausgleich. Wir Bankiers haben nie einen Zweifel gelassen, daß dem Verfall der Mark, den Frankreich mit seiner Machtpolittk in unerhörter Weise gefördert hat, eine starke ©en- kung des französischen Wechselkur­ses werde folgen müssen. Der Krieg war im Jahre 1918 zu Ende und lebt im Fahre 1924 noch weiter In einem solchen Kriege verbrennt alles was die Wechselkurse der davon betroffe­nen Länder stützen kann, nnd führt zu grotesken Erscheinungen. Ich sehe es kommen, daß Ame­rika sich eines TageS wehren wird, noch wei­teres Geld von Europa zu empfangen. Dem> Deittschen Reich« soll eine untragbare Last auf. gebürdet werden, und im Siegerlande Frankreich wächst die Staatsschuld nochgenche auf etwa 400 Milliarden Franken an. Wenn ein1 Staat derartige ungeheure Summen verzinsen oder tilgen will, so stebt er vor der Frage, ob er den Produzenten, also den Erwerber neuer Güter, vernichten soll, oder ob er den die Forde­rungen an den Staat haltenden Rentier, also den Pensionär des Staates, preisgeben will. In Dentsckland hat der Reittier, der Renten empfSn-! qer, die Entwertung der Staatsschuld mit seiner Existenz bezahlt. Ich qsaube, es wird in Frank­reich nicht viel anders kommen. An dem Tage, wo Männer sich an einen Tisch setzen, nm über eine

Ermäßigung der Reparationen,

eine Regelung der alliierten Schulden und eine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Integrität Deittscklonds ernsthaft zu sprechen, werden die Wechselkurse aller Valuta sch wachen Län­der steigen Denn erst dann öffnen sich die Tore, durch welch« der Weltverkehr wieder un­gehindert fluten kann. Von dieser «Steigern*e