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14. Jahrgang

Einzelpreis 15 Pfennig.

Mittwoch, 16. Zarmsr 1924,

Nrrrnmer 13

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Einzelpreis 15 Pfennig, sra i w mw wirammin

»mtisenpttife 6ef*äft8an)eigen 3dte 1". Pfennig, «amiRe».«nietaeit Seite 10 STenntg. eiettte Anzciaen t> -.5 Wort 2'1, Pfennig, tReflamen die Zeile0 trennt«. Lffertg«dthr 10 Mennig (bet Zusendung »er Offerten 20 Pfennig), 9le*nung«betrage i^oinn-rhald fünfSagen ,u beLhlen. - Maßgebend ist der K..rS deS Zahlung 5 tage«. JVur d-Ri«ttg. leit aller bur?, . emfpredbcr aufgeeteoen«» dimetgen. lomie fnr mnmaoinebatrn unf' 3(0« kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonder, schwierigem «atz hundert 'Irorent Aufschlag Trucker ei: Lchlachthoffiraße 2S/30. Äeschästistelle Kölnische Straße a, gegenüber der Svohrstratze. Fernsprccher Nr. 9ä1 und 952.

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Um die Veröffentlichung der Antworten.

Der Vsalzftandal.

Bedeutsame Wirkung-n.

Der französische General de Metz Hai am Grabe des gerichteten Separatistenführers Heinz als Vertreter Frankreichs davon gesprochen, der Hochverräter sei ein Freund Frank­reichs gewesen und der Kugel eines , gekauf­ten" Statt onaiifien zum Opfer gefallen. Daß die- ser General die Schamlosigkeit besaß, uberhauvr an der Trauerfeier tcilzunehmen, kennzeichnet die wahre Haltung Frankreichs. Die Banditen­scharen der Separatisten sollen eben dazu dienen, das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen in den besetzten Gebieten zu vernichten. Kein neutraler Beobachter hat einen Zweifel darüber, daß die­ses Gesindel ohne französische Unterstützung über. Haupt nicht an die Oeffentlichkeit käme.

Die Ausführungen des Generals de Metz sind aber auch ein direkter Angriff gegen England, das immerhin nach dem Friedensvertrag Wer die Pfalz mitz-ubeftimmen tat. Richt Frankreich, sondern die Entente, vertreten durch die Rhein- landkommission. hat über pfälzische Angxlegeu- heiten zu befischen. England hat es jetzt durch- aefetzt, daß der bltitische Generalkonsul Clive eine Untersuchung über die psmzi- schen Verhältnisse vornimmt. die unbeeinflußt von der RheinLandkonnnission bleibt, deren Chef Tirard ausgesprochener Anhänger der Separa- listeNbewegung ist. Wenn Tirard als Gegen­demonstration französische Kontrolloffiziere ms englisch besetzte Köln schickt, und zwar Äs Chef der Rheinlan.dkomniission, dann bleibt es nur verwunderlich, daß der britische Vertre er in die­ser Kommission. Lord Kilmarnock, diese frcmzö- fche Unverschämtheit nicht gebührend beant- tovttete. - i

Die d rutsche Regierung hat m Paris und Brüffel gegen die Unterstützung der Separa­tisten Protest eingelegt. Er wird das Schick'Ä der früheren erleiden, es sei denn, daß die deutsche Regierung ganz selbstverständlich di- Be­zahlung der Pesatzungskostcn einstellt. Ter Reichster band der deutschen Presse erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Lange mutzten sich die pfälzischen Zeitungen eine entwürdigende Bevormundung durch die Vorzensur der Separatisten gefallen kaffen. Auch beute noch werden willkürliche Zeitungsverbote Geld- und Freiheitsstrafen gegen Angehörige der Prefle verhängt, rechtsrheinische Zeitungen von der RheinpfÄ; serngehÄten und die pfälzischen Zeitungen gezwungen, gehässige und tendenziöse Dropagandaartikel der Separatisten aufzuneh­men. Wir protestieren vor aller Welt gegen diese Vergewaltigung der Preffe- und Gewissens­freiheit, die zugleich eine ungeheuerkichc Verfäl­schung der öffentlichen Meinung bedeutet, und appellieren an das Weltgew'issen und besonders an die Journalisten des Auslandes, ihren deut­schen Kollegen bei dem Streben nach Wiederher­stellung der Pressefreiheit behilflich zu sein.

Die Untersuchung des Blutgerichts in Speyer hat noch nicht ergeben, in welchen Krei­sen die Täter zu suchen sind. Und obwohl durch­aus nicht von der Hand zu weisen ist, daß der Hochverräter Heinz und die fünf seiner Gesin­nungsgenossen der Rache verwilderter Separa­tisten zum Opfer gefallen sind, bat neben ihnen auch die Rheinlandkommisfion Sank­tionen gegen die Pfalz verkündet. Die Pfalz- banditen gingen voran, indem sie, ohne von den Besetzungsbehörden gehindert zu werden, in Zweibrücken den Qberlandespräsidenten Billabcl imb Sohn, den Oberstaatsanwalt König, den Stadtrat Dr. Lehmann, den Oberveaierungsrai Pöblmann und den Bürgermeister Göring als Geiseln feftnahmen und über Speyer die Ver- kehrssperre verhängten. Nunmehr entpuppt sich auch die Rheinlandkonrmifsion wieder Äs Par­teigänger der Separatisten. Seit Oktober vorigen FahreS schon geht die Welle des separatistischen Terror? über das Rheinland und die Pstrlz. Deutsche sind von den Banditen ermordet wor­den. weil sie nicht? Äs ihr gutes Recht vertei­digten und sich gegen die Räuber und Plünderer zur Wehr setzten: Rheinländer wurden aus ihrer Heimcu von landfremden Elementen vertrieben, weil sie die ihnen zngodachte Rolle willenloser Objekte einer Abenteurerschar energisch ablehnten Schandtaten über Schandtaten sind von den Banditen begangen, die sich Separatsten nennen! Unter den Augen der Rheintandkommissivn und den Desatzungstruppen! Die Rheinlandkommis­sion bat nicht eine Verordnung erlassen, die etwa den Willen hätte erkennen lassen, daß die Rhem- kandkommission das gute Recht, Leben und Frei­heit der Rheinländer vor dem Banditen-Terror zu schützen gewillt ist, aber sie hält sofort schüt­zend die Hand über das Gesindel, wenn sich die gequälte Bevölkerung gegen ihre Peiniger zur Wehr setzt. Und trotzdem Waat die Röeinland- kommission zu bbaupten, sie achte das Versailler Diktat und das Rbeinlandabkornrnen.

Tröstlich ist demgegenüber die Haltung England-.. Das britische Besatzung Scmrickt verbandelte gegen den Separatsten August Rade­macher, der im Besitz einer Pistole mit Muni­tion gewesen War. Der Angeklagte hatte bei sei­

ner früheren Vernehmung erklärt, daß er die Pistole in Bonn von einem Sonderbündler er­halten hab«. Er machte zu seiner Verteidigung geltend, daß er in mehreren Irrenanstalten ge­wesen und daher nicht zurechnungsfähig fei. Das Gericht hatte darauf die Verhandlung vertagt, um über den Angeklagten Erkundigungen einzu­ziehen In der jetzigen Verhckftdlung wurde von der Polizei mitgeteilt, daß der AngMagte eine fünfjährige Gefängnisstrafe in Bonn verbüß e, als er von den Sonderbündlern befreit wurde. R. hatte außerdem auch andere Straftaten auf dem Kerbholz. Tas Urteil des Beiatzungsgerichts lautete auf neun Monate Gefängnis.

DerMHlMd und Frankreich.

Rrparationsbesprechungen in Paris.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. Januar.

Das PariserJournal" berichtet: Der Finanz­minister de Lastryrie war am Sonntag beim deut­schen Geschäftsträger v. Hoesch. Es verlautet aus sicherer Quelle, daß de Lafteyrie dem Geschäfts­träger im Namen des Ministerpräsidenten den Wunsch auSaesprochen hat, durch eine schnelle Fortsetzung der Aussprache zwischen Deutschland und Frankreich zu einer endgültigen und abschließenden Lösung des Reparationspro- blems zu gelangen. Die Verjagung der Be­ratung der Antwortnote im ReichskaSinrtt ist darauf zurückzuführen, daß Herr v. Hoesch, zuver- lässtaem Vernehmen zufolge, der Ueberbringer wichtiger mündlicher Eröffnungen der französischen Regierung an Deutschland ist.

Seger? Sir SktzrimyetNung der Rote.

Berlin, 15. Januar. iPrivattelegranrm.) Vertreter der Sozialdemokraten waren gestern beim Außenminister Dr. Stresemann, um gegen die Geheimhaltung der Pariser und Brüsseler Note Stellung zu nehmen, deren Beröffent. »l i ch u n g s i e w ü n s ch c n. Dr. Stresemann hat die Unterbreitung der Noten im Auswärti­gen Ausschuß zngesagt. ihre anderweitige Veröffentlichung aber abgelehnt, um die sich an­bahnendenVerständigungsmöglichleiten" nicht zu gefährden. (?) Der Antrag der Sozialdemo­kraten an den Vorsitzenden des Ausschusses be­hufs Zusammentritts des Auswärtigen Ausschus­ses war gestern nachmittag noch nicht eingcreicht.

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Varis schon verkssenttiHi.

Berlin. 15. Januar. (Privattelegramm) Wie der PariserTemps" meldet, erfolgt die Richtveröffentlichung der französischen Antwort­note an Deutschland aus dringendes Ersuchen der deutschen Reichsregierung. Inzwischen brachte am Sonntag früh HavaS einen fast wört­lichenAusruf mrS der Antwortnote, so daß das französische Publ'kum seit Sonntag früh über alle Einzelheiten d:r Rote wörtlich infor­miert ist, während dem deutschen PnSlikunt der Inhalt der Antwortnote vcrenthaltcn wird.

Reform Ser MrffeprlWng.

Berücksichtigung der Gesamtleistungen.

(Privatz-Telegramm.)

Berlin, 15. Januar.

Der preußische Kultusminister hat in einer Unterredung mit Pressevertretern sich für die Umgestaltung der Reifeprüfung aus­gesprochen. Der Kultusminister beabsichtigt eine durchgreifende Reform auf diesem Gebiet vorzu­nehmen. Diese Umgestaltung soll baS Ziel ha­ben, die Prüfung nicht abzuschaffen, sondern ihre Fehler zu beseitigen Der Minister steht aur dem Standpunkt, daß eine einzige Prüfung nicht über daS ganze Schicksal eines Menschenlebens ensscheiden könne. Bei der Gesamtprüfunq sollen auch die Persönlichkeit des Prüf­lings und seine bisherigen Leistungen bewettrt werden, sodaß die Prüfung eine Art Nachprüfung zur Erlangung d. Endergebnisses ist.

Hm Sie Selbstverwaltung.

Finanzvorschläge für Gemeinden und Länder.

(Eigene Drahtmeldung.)

Königsberg, 16. Dezember.

Der Oberbürgermeister der Stadt Königs­berg, Dr. Lohmeier, hat eingehende Vor­schläge rum Wiederaufbau der Selbstverwal­tung gemacht. Die Hauptbedingung des Wieder- ausvaues liege darin, daß den Gemeinden »Md Ländern ihre finanzielle Selb, ständigke it wiedergeoeben werde, daß die Verwaltungen vereinfacht werden und richtig kaufmännische Wirtschaft, einschließlich der Aus- nntzung der Domänen und Forsten stattfindet, ähnlich wie sie bei dem Berkau bereits in die Wege geleitet ist.

Finanznvt in Berlin«

Berlin, 15. Januar. iPrivattekegramm.) Tie Verw altungLkrife in Berlin

nähert sich ihrem Höhepnnv. Di« Stadtverord­neten befürchten, daß ein StaatSkounmssar für die Stadt Berlin eingesetzt wird, der die Auf­gabe hat, die Berliner Verwaltung wieder in Gang zu bringen. Aogenblicklich ist die Reickis- Hauptstadt ohne Mittel nm den Beamten daS »olle Gehalt auszuzahlen. Es wird be. absickitigt, für dieselben eine Abschlagszahlung in Höhe von 50 Prozent zu gewähren. Der Hauk- Haltsetat für diefes Vierteljahr benötigt 60. wahrscheinlich sogar 66 Millionen Goldmark. An Steuern können nur 22 Millionen eingebrnchi Verden, die Werke erbringen 2 Millionen, ine Bessldungsznfchüsse Reiche? 3 Millionen und allgemeine Einnahmen Itz Millionen Gold- mark. Im ganzen kommen höchstens 42 Millio­nen hrrans, womit sich ein Fehlbetrag von 2024 Millionen ergibt.

Sortöauer desFmnkensturzes

Besorgnis und Bemühungen in Paris. (Privat-Telegramm.) *

Paris, 15. Januar.

Der Frankcnsturz um, die allgemeine Lebensmitt elte.uerung versetzen die französischen Reqierungslreise in größte Besorg­nis. Rach dem diplomattschen Mitarbeiter d-r Daily Niail" gedenkt die französische Regierung eine Reihe von Abwehrmahnahmen zu ergreifen, von denen die hauptsächlichsten die nachstehenden find: 1. Auferlegung einer bcson deren Steuer von 100 Millionen Pfund Ster­ling jährlich? 2. Verkauf der bestehenden Re- gierungsstaatsmonopole, die unter der Beauf­sichtigung drS Staates nicht restlos ausgenutzt Worten 3, einschneidende Maßnahmen aus dem Verwaltung ^gebiet «nd der sozialen G- setzgebung, um eine äußerste Sparsamkeit zu entfalten. Wie der Korrespondent hinzufügt, ist die Mehrheit des französischen Volkes mit diesen drei Maßnahmen, auch mit der erstge­nannten einverstanden. (?)

« Die gestrigen Kurse.

Paris, 15. Jamrar. (Eigene Dvcchtmeldung.) Der Frankensturz nimmt weitere scharfe Formen an. Der Dollar wurde am Montag in Paris amtlich mit 22,70 Franken notiert. Das Vfuns erreichte einen amtlichen Kurs von 96,114 nnd stieg nachbörslich auf 96,50. Der italienische Lire erreichte eine amtliche Kursnotierung von 101,20 und hat damit die Parität überstiegen.

SWingen unter Kontrolle.

Reichsanfficht über die Landesregierung.

(Eigene Drahimekdung.)

Berlin, 15. Januar.

Die thüringische Landesregierung hat sich mit der Einsetzung eines Kontroll- ausschusseS halb und halb einverstanden er­klärt. Die steht nach wie vor auf dem Stand­punkt. daß die gegen fie erhobenen Vorwürfe un­begründet find und daß kein Anlaß vorliege, auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfaffung gegen sie vorzugehen. Me thüringische Landesregie­rung wird Einstellungen und Beförderungen, Entlassungen, Versetzungen aus dem Beam­te n 8 a « d, sowie Versetzungen von Beamten einschließlich der Hochschullehrer bis zur Bil­dung der neuen Regierung nur mit Zustimmung eines Ausschusses von Mus Mitgliedern vorneh­men, dessen Vorsitz der Präsident beS Oberlan- deSgericht? in Jena führt. Ein ähnlicher Aus­schuß soll für die Kontrolle der thüringischen Finanzen gewählt werden.

Die Goldnotenbank.

Errichtung voraussichtlich km März. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. Januar.

Wie von maßgebender Stelle mitgetellt wird, find die Vorarbeiten für die Goldnotenbank so­weit gediehen, daß man mit der Errichtung der Goldnotenbank in einigen Wochen, voraussichtlich int Monat März, rechnen kann. Erfrenlicher- weise hat die Londoner Reise des Reichsbank­präsidenten Dr. Schacht Ergebnisse gezeitigt, die für die Grundlagen der Rentenbank von großem Werte sein dürsten. Verschie­dentlich' wurde von einigen Kreisen, auf denen die Rentenbank basiert, vorgeschlagen, die Ren­tenmark, die fich doch bestens bewährt, und in folgedeffen größere Ansprüche als nur die auf eineZwischenlösung" habe, als Grundlage für die Goldnotenbank zu wählen. Dazu ist zu sagen: Tie Goldnotenbank soll frei von einer Verschmelzung mit der Rentenbank fein. Die Ausgabe der Gvldnoten würde eine Einlösung der Rcutcnmarknoten zur Folge haben.

Leiden im Westen.

ein Lummelfeld für Franzosen.

te jüngftets eSorgänge in bet Pfalz rufen Vie traurige Tat ar»e In Erin erring, baff die Ftanz-sen a»on in alten Zeiten die Pfalz al» Tnntnie fetb für ihre viandztige Uttb «ewaltt^tioieiten b-nutz« haben. Man fthreidt uns d-r-'.be- bas R.a-df»l«end-

Die Schreckensherrschaft, die unter Duldung, ja geheimer Mitwirkung der Franzosen gegen­wärtig in Der Pfalz herrscht, beschwört düstere Bilder der Vergangenheit herauf, in denen be­reits in früheren Jahrhunderten die Erbfeinde furchtbare Untaten in denselben Gebie­ten verrichteten, wo sie heute Hausen. Eine rn- drncksvolle Zusammenstellung der geichichiuchen' Quellen, die über das Wüten der Franzosen deutschen Landen im 17. Jahrhundert und wäh­lend der navoleonischen Kriege unterrichten, bie­tet Alfvns v. CzibuNa in seinem soeben im Wie­land-Verlag zu München erschienenen Buch .Franzosenzeiten". Da werden wieder vor dem geistigen Auge be3 Lesers jene Szenen lebendig, in denen die entmenschten Figuren der französischen Soldateska, rasend von satanischen Trieben, durch die Flammenmeere brennenDeT Städte und Dörfer jagten. Besonders hat die Rheinpsalz durch die Banden Ludwigs Vierzehnten schrecklich zu leiden gehabt, und es ist eine Kerle von Schändlichkeiten, die sich seit den Brandschatzungen in Lothringen 1675 und dem Wüten in Zweibrücken 1677 bi« zu der Riedcrbren« nitng d^r Pfalz 1689 ausdehnt. Die ganze scham­lose Grausamkeit der ftanzösischen Polittk offen­bart sich in den Anweisungen des Kriegsmini­sters Ludwias des Vierzehnten, Louvois, der am, 17. Oktober 1688 an den Intendanten Le Grange schreibt:Ick stade den König sehr geneigt, Stadt und Festung Mannheim vollstän­dig niederzureißen, sodaß nicht ein Stein aus dem anderen bleibt, der einen Stur« fürsten, dem man am Ende bei einem Friedens­schluß dies Land znsprechen wollte, reizen tonn­te daraus eine neue Siedlung zu machen." Im Dezember 1688 gibt LonvoiS dem General Mont« dar den Befehl: .Se Maiestät legt .Ihnen ans .Herz, alle Plätze, die sie mit ihren Truppen ver« lassen, O

gründlich zu verwüsten, ,

damit die Feinde weder Futter noch Lebensmit­tel finden und nicht in Persnckmng kommen, sich diesen Plätzen zu nähern." Die Mordbrennervo inurde am ganzen Rhein, besonders aber in der Pfalz von den Soldatenbanden organisiert. Typisch war die Rieder br ennun g Spey­ers durch General Mourdar. Am SO. Mai 1689 wurde den Einwohnern befohlen, .binnen sechs Tagen 'di- Stadt xu verlassen". Alles Jammern' war vergebens, und nachdem die Frist verstrichen^ war, stand die uralte Stadt mit ihren zwanz'g Türmen und Kirchen bald in vollen Flamm.n. Der ssleneral batte den Einwohnern mit erben« ckiettem Mitleid geraten, ihren Hausrat in, den Dom zu schleppen, weil dieser verschont würde. Mer als 'die obrwürdiae Kirche mit allem, möglichen Hab und Gut hoch angesüvt war, da ließ sie der Franzose erst recht anqünden, und selbst die Sdnocken der alten deutschen Sftn« fet riß man aus den Gewölben heraus, wie ein Zeitgenosse lagt,gleichsam als ein verreckte? Vieh". Selbst in dem Urteil der sonst so vor« eingenommenen französischen Geschichtsschreiber finden diese Schandtaten keine Gnade.Da? Zeitalter Ludwigs des Vierzehnten,' sagt de Ta Valles, .weit davon entfernt, wie man immer meinte, das Zeitalter des Ruhmes für Frank« reich zn sein, war vielmehr die Zeitseiner Schande." Und Camstl« Rousset schreibt m seiner .Geschichte Louvois':So vollzog sich die' ungeheuerliche Riededbrennnng der Pfalz^ DaS Ivar der Gründ, daß Deutschland, schon zürnend über die Ruinen von Mannheim und Heidel« berg, mm mit noch größerem Recht der empör­ten Welt den unerbittlichen und grausamen Feind -eigen konnte, »um Zeugen cm rufend da? Elend so vieler Flüchtlinge nnd die rauchenden Trümmer vrunkvollster Paläste und armseligster Hütten, diese ewigen Denkmäler der

grauenhaftesten aller Mnttaten.

DieS auch der Grund, warum einer der beredt« famften Publizisten mit Recht schreiben konnte: .Mitten im Frieden beginnt man den Krieg: nimmt Milippsburg, bemächttgt sich Heidelbergs, Mannheims, der ganzen Pfalz, Worms, SveverS, Mainz imd des ganzen Rhein« landes. M-in verhandelt mit diesen Städten, man bestimmt sie zur lleb-rgabe, barm brennt man sie nieder, macht sie dem Erdboden gleich, verwandelt alles in Asche nnd Oedland, ohne Rücksicht auf die Gesetze Gottes oder die des Krieges, unter Hintansetzung aller Zusagen und feierlicken Versprechungen. Ehemals galten die Franzosen für eine menschliche, zivilisierte Ra­tion. aber beute Mieuten in der Vorstellung der Nackbarn Franzose und Kannibale dasselbe." Mit Schaudern lieft man die Be­richte französischer Ofsiziere über die Gewalt-