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14. Jahrgang

Sonntag, 13. Januar 1924.

Einzelpreis 15 Pfennig.

Nummer 11

Einzelpreis 15 Pfennig.

$U Saftetet ffleuefien VincbtMbten erfcbehten innthenilitti fed>*mai nadim ttagS. Drr Stbonne* mmtSprels beträgt für bte Woche oom 14. b8 21. 3an-.ar 70 Pfennige oei rettet Zustellung >nS SE.bl drr »ischLftsNeue -dgehoü 65 Pf- nia?. BeN-llung-n wcroen j-ber-ett rataeceite genommen, ««lag uns R-du.tion: L«,lach:uoN»rntz 28/30. Fernfpr-ch-r Stummer 351 und 952. ;vuc unverlangr eulgesaadte Beitrage kann die Redaktion eine k er.int. roortun« oder SewLhr IN keinem /falle üderneiinren. Rückzahlung des B-zuasgeldeZ oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnnngSm iÄger S.eterung ist ausgeschlossen. Pollscheckkonio Frankfurt a M Str. 6380.

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Die französisch-belgische Antwort ist überreicht.

DaSÄoch des Westens

Frankreichs stümper Hafts Politik«

Die Schüsse in der Pfalz sind wieder ein­mal ein grelles Signal der deutschen Not. ©t? sind die Entladung der seelischen Pressung im Volke, bedeuten einen Aufschrei der Unterrrucb- tcn llnd eine Warnung an die Peiniger. Die Atmosphäre toar schon an dem Tasse der Un­tat in Speyer mit Zündstoff geladen, und aus der allgemeinen Erregtheit heraus mutz man sich das Geschehene erklären. An- Mittwoch traten die wilden Horden der Separatisten in Speyer wieder mit verschärfter Willkür am, wie schon mehrfach vorher, belästigten die Be- völkcnmg, drangen in Privathäuser ein, erpreß­ten Gelder und bedrohten die Einwohnerschat mit Schußwaffen. Diese Ausschreitungen ver­anlaßten die Bedrängten, sich zur Wehr zu setzen, wodurch es im Lause des Tages zu rrn- sten Zusammenstößen kam. Im Hotel aber saß der Leiter der Pfälzer SeparaÄfrenL>ew:gung, der Gutsbesitzer Josef Hein, aus Orbis bei Kirchheimbolanden, mit seinen Vertrauensleuten die die .Regierung der autonomen Pfalz" bil­den, gab Weisungen an die Ruhestörer und hielt enge Fühlung mit der französischen Besatzung. Er war der Organisator der Lostrennurrg, also unbestreitbar ein -Landesverräter und der Mitschuldige an den Leiden der treu, deutschen Pfälzer. Am Abend des unruhigen Tages, alz Heinz mit feinen Spießgesellen m Speisesaal saß, traten drei Männer auf die Gruppe zu und erschossen Heinz und fünf seiner freunde. Die Eindringlinge forderten alle An­wesenden zur Ruhe auf und erklärten, daß fta? die Tat nur gegen die Stt aratistenfühier richte. Während ihre Helfer den Saal verdun'elttn. sind sie entkommen. Da das VoAommniS,den Ein­druck einer gut vorbereiteten Verschwörung nrackt, wird es nicht schwer fallen, die Uebeltäter seitzustellen. Ihr Vorgehen ist, juristisch betrachtet, allerdings zu verurteilen, obwohl man für'die Landesverräter kein Mitleid haben kann.

Politisch bewachtet, wird man immer wieder auf die Rebenumstände und die Vorgeschichie hingelenkt. Wie die PfAzer Bevölkerung, eben­so wie die rheinische, von den Donderbunv- lern, die deutsches Land und deutsches Vor! den Franzosen in die Hände spielen ^wollen, seit den Jtchren oer Besetzung gepemigr worden ist, höben wir aus vielen Berschten er­fuhren. Und doch lassen solche Berichte nui ebnen, was dir dauernd Gequälten wirklich ge­litten haben und noch leiden muffen. Mit ge­schäftlichen Schikanen, moralischem und körper- richem Zwang haben die Franzosen versucht, das linksrheinische Gebiet vom Reich« losxirre-.tzen. um es später zu annektieren. Um die Lo-sreitzung vorzubereiten, scharten sich in den Städten und Dörfern die Gruppen der, Sonderbündler zu­sammen und versuchten Stimmung für den Ab­fall vom Reiche zu machen. Aber alle Bernich- ungen scheiterten an der feffen deutschen Gesin­nung der Bevölkerung. Das war sehr natürlich Denn di« Bewohner des Westens seben ja mit eigenen Augen, aus welch niederer KUlturstusr die Franzosen stehen, und sie spüren es am eigenen Leibe, wie sie die Deutschen brutal un­terjochen. Ebenso genau kennt man dir Se- parattsten. Die .Führer* sinh käufliche El», mente manche haben schon mit Gefängnis und Zuchthaus Bekanntschaft gemacht die um Per­sönlicher Vorteile willen VE und Vaterland verraten, und die Mitläufer setzen sich aus no­torischen Verbrechern und arbeitsscheuen Bur­schen zusammen. ES erweist sich auch mercr, daß die Franzosen politische Stümper sind. Wie sie im Groben sich die Vorteile des Sieges ver­dorben haben, so ist ihnen auch im Kleinen der Annektiousversuch mißglückt.

Man darf mit Zuversicht behaupten, daß nach der fünfjährigen Erfahrung kein dnttscher Volks, teil das Verlangen hat, unter franwulcher Herr­schaft zu stehen. Dies mnso weniger, als fett estriger Zeit sogar die Engländer, Frank­reichs Verbündete, die franzSsifche Herrschaft bekämpfen und ihre Machenschaften mit den Separatisten verurteilen. Die englische Neuerung hatte ja bereits in den letzten Wochen gefordert, daß die Zustände in der Pfalz untersucht werd« sollten, wo nach dem vergeblichen Versuch des ehemaligen soztalde- mokratischen Mlnisterpräsidentrn Batzerns. Hoff­mann. die Pfalz vom Reiche zu trennen, schließ, lich Heim uno feine Anhänger den Franzosen Do-rsvanndienste leisteten. Für den Bereich der enpLischrn Besatzunqszone hoben jetzt dir Eng- länlder den deutschen Behörden freie Hand ge- gehen zur Stra'verfolgung der Separatisten. VieMchk geben ine Schöffe von Speyer endlich Anlaß, m die dunklen Kanäle hinein zu leuchten.

Ein anderer Beweis von der Unfähig­keit b.*r Franzosen ist das Ergebnis der Ruhrbesetzung. Sir haben dabei nicht nut teinc Ausbeute gemacht, sondern auch ihren Schuldner wirtschaftlich lahmgelegt. Da sie aber auf ihres Schuldners Leistung den französischen Dtaatsbaushalt aufgebaut hatten, so haben sie

selbst den Asi abgSsägt. mrf dem sie säßen. Der sinkende Kurs des Franken gibt das täglich zu erkennen. Wie sie im Ruhrgebiet gewütet uno die deutsche Wirtschaft geschädigt ha­ben, zeigte der Abschluß des Besetzungsjahres, ras gerade gestern (am 11. Januar) zu Ende ge­gangen ist. Infolge der Abschnürung durch Zollschranken und Verkehrssperren, Beschlag­nahme von Vorräten, infolge Prod'.rMonsauK- falleS in Bergbau und Industrie, infolge des Leistungsaussalles der staatlichen Verkebrsan- Flalten, weiter infolge der Einfuhr ausländischer Kohle ist uns ein Schaden von dreiundeinhalb bis vier Milliarden Goldmark entstanden. Dazu kommt die verlustreiche Wirkung auf daS ganze Reich durch die GesHäftSstockulNa und Arbeits­losigkeit. Schließlich bst neben dem wirtschaft­lichen mich die persönliche SchÄdiguna der Aus- gewtrsenen, Gefangenen und Getöteten in Rech- iiung zu stellen Durch die Politik des Raubes und der Versftavung hat Frankreich den Haß iödes national und menschlich fühlenden Deut­schen für immer aus sich gezog.en. K. F. B.

Q!ntteört der WefimZchte.

Gestern in Berlin überreicht.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 12 Januar.

Dlr Uebermittlung der ftanzösischen Note, die ein umfangreiches Schriftstück von 15 Seiten darstellt, erfolgte gestern in der üblichen Weise in chiffrierter Schrift- Tie Entzifferung nnd Uebcrsetzung in Berlin nimmt naturgemäß e'.ni. ge Zeit in Anspruch, fodaß schwerlich noch im Laufe pes heutigen TagcL mit einer Veröffcnt. lichung zii rechnen ist. Gleichzeitig mit der französischen Note soll auch die deut­sche Note, die Herr von Hvfch seinerseits in Pa­ris überreicht hat, wahrscheinlich am Montag veröffentlicht werden. Die belgische und die französische Note sind auch dicsesmal wieder, wie ans Paris verlautet, in ihrem In­halt übereinstimmend, doch soll die belgische Note etwas gemäßigter im Tone gehalten sein.

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Drrtzrmdwnffen mit Dsrveftaft.

Berlin, 12. Januar. (Privattelegramm.) Der Lokalanzeiger schreibt zur Ueberreichung der französisch-belgischen Note; Selbstverständlich werden wir jederzeit bereit sein, mit den Fran­zosen auch über andere politische Fragen, dir diese z«r Besprechung Vorschlägen, zu verhan­deln, dock müssen wir in der fetzigen Situation den größten Wert darartt legen, daß in erster Linie die Zustände im Rheinland gcre gelt werden. Außerdem müssen wir natürlich daran ftsthalten. daß eire endgültige Begeknng der ReparationSfraqe wcht zwifchen Ba­ris und Berlin, sondern nur zwifll'en Deutsch­land und den Alliierten in ihrer Ge- samt heil erfolgen darf.

Aus dem besetzten Geditt.

Die Lieferung der Reparationskohle.

(Privat-T elegramm.)

Düffeldorf, 12. Januar.

Am 15. Januar sollen nach dem Abkommen mit der Micmn die vollen Mengen an Re­parationskohle geliefert werden. Allerdings heißt es in dem Abkommen, daß im Falle, daß die Wirtschaftslage der Industrie die volle Lieser»«« nicht zuläßt, diese hinauSgefchoben werden kann. Tiefer Fall wird, wiebleKölnische Zeitung" schreibt, bei einer ganzen Reihe von Zechen ein- tretv«. Die Ursache der Verzöger un« ist in den durch den Frost hervoraerrcheuen Transportschwierigkeiten auf den Kanälen »u suchen, andererseits aber auch in der Tatsache, daß die französisch-belgische Regierung nicht in der Lage ist, ms erforderliche Wsgenmaterial für die großen Mengen zu stellen.

Um Sie rveinNHe Notenbank.

Berlin, 12. Januar. (PrivattÄegramm.) Etz bestätigt sich, die Berhandlungen, die die Gründer der rheinischen Goldnotenbank mit Xi» rard hatten, zu einem gewissen Entgegenkommen der Franzos-,, und Belgier geführt haben. Ein­zelheiten sind noch nicht bekannt, sie werden aber Gegenstand von Besprechung» der Reichsregie- rung sein, die unbedingt daran festhalt, daß die Gründung der Bank und die Herausgabe einer Goldnote für das besetzte Gebiet nicht zur Zerstöruna der Währungseinheit in Deutsch­land führen dürfen.

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Langsame arltitßterung.

Gelsenkirchen. 12. Januar. (Privattelegrammö Die Bahnhöfe Hörde und Aplerbeck sind von der RcichLbahnverwattuug wieder ht Bewirb genommen werden. Die französisch-bci

gische Regie Hal den Verkehr zwischen Wefel. Friedrichvfeld und Wesel-Stolle wieder anfgc- nommen, ebenso den Berkehr zwischen Wefel-Bü­derich Menzeln. AUS Duisburg wird gemel­det: Die belgischen Genietruppen verlassen am t. Februar Duisburg und Rnhrort. Ans Mei- derich sind die belgischen technischen Formatio­nen bereits zursickgxnommen. Die Besatmugs- armee hat vom 1. bis to. Januar im Ruhrgebiet 786 Ausweisungen zurückgenommen.

DeeVMzer Tumulr.

Unberechtigte Einmischung der Franzosen. (Eigener Drahtbericht.)

Speyer, 12. Januar.

Die französische Militärbehörde hat die S trasver folgung der Mörder der sechs Se. parattstenführer den deutschen Behörden aus der Hand genommen und dem ftanzösischen Kriegs­gericht übertragen. Die Beschuldigung lautet mrf Mord und Hochverrat (?) gegen dieautonome Republik Pfalz". Der ermordete Separatiften- führer Heinz aus OrbiS hatte am Vorabend des MordtagrS den Vertrag mit der französischen Militärbehörde abgeschlossen, der die Gendar- merieder Pfalz dem französischen Ober­kommando unterstellte und damit die letzte noch selbständige Exekntiv-behörde der Pfalz den Franzosen onslieferte. Die Zahl der verhaf­teten Geiseln war Freitag früh 32, nachdem eine große Anzahl verhafteter Bürger nach Stellung yon Kautionen von den Separatisten wieder stei- gelosscn waren. Aus PirmasenS wird ge­meldet, daß die dortigen Führer der Separa­tisten Drohbriefe erhalten haben, so daß sic es Vorzügen, Pirmasens zu verlasse«.

Mr Jrachforslvunse».

Speyer, 12. Januar. (Eigener Drahtbericht.) Auf die ErgreiftlNg der Täter hat das franzö­sische Kriegsgericht in Speyer eine Belohnung von 50 000 Franken ausgesetzt. Es haben umfang- reiche Haussuchungen durch die Separa­tisten begonnen, wobei s r a n z ö s i s ch - a f r i k a. Nische Truppen polizeilichen Beistand lei­sten. Wenn sich zwei au8 Schwetzingen und Hei­delberg bei Abgang dieses Berichtes vorliegende Meldungen bestätigen sollten, scheint eS den Ta­tern gelungen zu sein, noch in der Nacht Ann DonnerZtag das ««besetzte Gebiet zu errcicheil.

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J5rt>:ef5 Se? JftWsr^lrrtms.

Berlin 12. Januar. (PrivatteLegramm.) DaS Reichskabinett hat die Vorgänge von Speyer eingehend erörtert. Es hat sich infolge der französischen Gewaltherrschaft außerstande er­klärt, an Ort und Stelle eine Untersuchung vor­nehmen zu lassen. Wie zuverlässig »erlaufet, wird die Speyerer Bluttat dem ReichSkabi- nett Veranlassung geben, in schärfster Weise bei den Alliierten g e 8 e n die beispiellose B e d r u k - Fu n g bet Pfalzer Bevölkerung zu p r o t e st, e. reu und die Wiederhersiellung der deutschen Staatshoheit in der Pfalz fordern. Die Rote soll noch in dieser Woche Berlin verlassen. Heute, S^u.nabend, mittag findet wieder eine Sitzung des Reichskabinetts statt.

«Ine «ttiisnole DrrfiHwvru«, ?

Paris, 12 Ianuvr. (Privattelcgrarmn.) Havas meldet aus Spever: Der ftanzSsiscke Be- fehlShaSer General de Metz erhielt durch die Post eine Anzahl Drohbriefe. Man kann deshalb das Bestehen einer Verschwörung in der Pfalz annehmen. Die französisch« Regie- rima ist schon heute entschlossen, falls als Mör­der Personen in Betracht kommen, die das links­rheinische Gebiet bereitö verlassen konnten, von der deutschen Regierung ihre Auslieferung zu verlange» und vielleicht sogar durch Zwang. (!)

Koalition gegen Frankreich.

England, Italien. Spanien. (Privat-Telegrarnrn.)

Baftt, T2. Januar.

Die Basier Nationalzeittmg meldet aus Rom: Die führende italienische Presse ohne Aus- nalMe billigt die ablehnende Haltung der englischen Presse ggenüber dem fran­zösisch-tschechischen Vertrag nnd der Gewähnmg umfangreicher französischer Kredi­te an die Staaten der kleinen Entente.Tri­buna", ^kta-ia« nndGioeimle d'Jtalia" sind erfreut darüber, daß die in Aussicht stehende eng­lische Arbeiterregieruna die Anteilnah­me an der italienischen Außenpolitik verstärken «nd evtt. Verträge mir Italien und Spanien abschl-eße-i wird, um dj- Rückwir­kungen der ftanzösischen Politik aufS Mlttümecr zu neutralisieren. (!)

Verlorene Schiffe.

Wo ist Japans Flotte?

Ras» bem erbbeben in Iapa« (Anfang «»> hdr«« man j-.i^t« haben, leie- viele japanilrh« KrieqSschlge butS) be» An- fiUKS verlor«» argangen waren. Die nacki- ftehenbe» Brrimte find aber fetze vielfagrn».

ES kann heule kaum mehr einem Zweifel un­terliegen, daß die Erdbebenkatastrophe den Orga- nismus des japanischen Kaiserreiches in keinem Teil tiefer und verhängnisvoller getroffen hat, als in feiner großen Flotte, dem Stolz und Ruhm der siebzig Mlli.onen Japaner» dem der- lüßM;sten Instrument der Landesverteidigung und des unbegrenzten Expannonsdranges der Raffe. Man braucht gar keine Ziffern zu nennen und sich in Vermutungen über die (Zahl der Schiffe zu ergehen, die v e r n ich t e i wurden oder in dienstunfähigen Zustand versetzt wurden. W-as das dramatische Bild vieler Son- deriragödie im Zusammenhang mit dem Gesamt. unglück besonders düster erscheinen läßt, ist Vas undurchdringliche Geheimnis, das sich über Vie ftirchtbare Episode breitet und Vie heldenhafte Ansttenaung eines ganzen Volkes, dieses Ge­heimnis vor den Augen deS Auslandes xu hüten. Seit zwei Monaten bemühen sich, so fuhrt Ar- naldo Cipolla, der Tokioter Souderberichterftat- ter der .Srampa" aus, die sämtlichen den ver­schiedenen Botschaften in Tokio beigegedenen Ma- rineattachees, sich halbwegs darüber zu mtternch- ten, was von der japanischen Flotte übrig ge­blieben ist, die vor dem Erdbeben als Einheit die drittgrößte, ja vielleicht Vie zweitgrößte Flotte der Welt war. Affe diese Versuche blieben frucht­los, und Vie Herren sind in dieser Beziehung heue so klug wie zuvor. ES ist in diesem Zu- iammenhang wahrlich kein« AufaLssügung. daß zur Führung der japanischen Dtaatsaesckäfte ge­rade ein Seemann, der Admiral Hama- moto, .als Mmifterprässdent berufen wurde.' dem die Aufgabe zu fällt, die

zertrümmerte Flotte wieder aufzuSauen.

Rach der Ansicht verschiedener Diplomaten des Westens ist Admiral Hamamow entschlossen, den größten Teil der Goldreserve für den Wieder- aufbau der Flott« zu verwenden, eine Ansicht, die aber im Kabinett nicht ohne Widerspruch ge­blieben ist, vor allem von feiten des Fimmzmini- fterS. Die japanische Flotte setzte pd> vor der Katastrophe aus drei Einherten zusammen. Rach verläßlichen Informationen fcheint mn 1. Sep- rinder die ganze erste Flotte im Hafen von Jokosuka versammelt gewesen zu sein, wäh- rend iwe zweite Flotte eine Kreuzfahrt unter­nahm Jokosuka ist der Kriegshafen Japans und liegt in der Bai von Tokio, di« vor den gefähr­lichen Taiftlnen des Stillen Ozeans durch die vorgelagerte Halbinsel Kaznfa geschützt ist. Sie bildet die mäMigste Operationsbasis Asiens, de­ren Aktionsradius sich Vis zu den Philippinen er. streckt Diese OperationsbasiS, bie durch ein auf modernster Höhe stehendes System von vorge­schobenen Fons und gepanzerten Batterien her* teidigt war. umfaßte mach die Raphtalager der japanischen Marine, die mächtig genug wa­ren, um den Brennstoffl'darf der gesamten Flotte für drei Jahre zu decken; denn die Flotte ver­wendet nur flüssigen Brennstoff. Da Japan, Vas einen solchen Reichtum an Metallen und Kohlen bat, der Peftokeumguellen entbehrt, war es nötig, hier in Jokosuka ein großes Lager von flüssigem Brennstoff zu unterhalten. Die Erdverschie- bungen, die den Grund von Jokosuka mit nicht geringerer Heftigkeit als den von Yokohama und Tokio in Mitleidenschaft zogen,

rissen die Raphtabetteu auseinander, die den Kriegshaftn in großer Zahl umgoben. Don allen Seiten fetzte sich die Flü f f i gkeit iu Bewegung und ftrömie mit der Gewalt eines reHenden Sturzbaches d ern Meere zu. Unter* Wegs geriet die flüssige Masse durch überfprin* aendc Funken in B r a nd, und bald war es ein Feuerftrornj der sich ins Meer ergoß. Mit un* glaublicher Schnelligkeit verbreitete s«h diefer Fenerstrom über das Waffer des Kriegsbajens und nahm von hier aus feinen Laus tn der Rich­tung nach Norden gegen Uokohama hin. Es war noch eht Glück im Unglück, daß der Mnd die Flammen dem Lande zutrieb. Im anderen Falle wäre die verhältnismäßig enge Wasser* straße zur Bai von Tokio von den Flammen ge­sperrt worden, so daß kein Schift mehr die zer­störten Städte, die durch die Zerstörung der Bahnlinien vom Lande völlig abgeschlossen wa­ren. von der See her hätte erreichen können. Vier, zehn Tage nach dem ersten Erdstoß brannte noch immer Vas Naphta in der Bai von Jokosuka auf dem Meere, ein Umstand, der einen Begriff von dem ftirchtbaren Unglück gibt, Vas durch Vas auf vem Meere brennende Naphta über die dott ankernde Flotte hereingebrochen war. Bezeich­nend für die japanifche Geheimniskrämerei ist der Bericht des Kapitäns Caccia des italienischen SchiffesCalabria", der acht Tage nach der Kala, strophe mit seinem Schiss in Hokohcrma anlangte. Er erzählte von vem tunäfberen Eindruck, den