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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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$>ie Snfieler Sleuefien Siodsrtdbtsn ertöehten ronrhentttdi <echSma> nackm ttagr. Der Adonrie- mentSprete betragt für Die Woche vom 7. dir 13. Jana ar 70 Pfennige ati tretet Znvelluuz m« HauS.wder «efchasts»eüe abgeholt 65 Psrnigr. Bettellungen werben jederzeit entgegen, genommen. Verlag und Redaltton: Schlachtgofstratzr 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt etllgesandte Beiträge kann die Redaktion eine vereint, wormng oder Gewähr tn keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnnngsmätziger Steferuug ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Frankfurt a M. Nr. 6380.

Nummer 7. Einzelpreis 15 Pfennig. Mittwoch, S. Januar 1924. Einzelpreis 15 Pfennig. 14. Jahrgang

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Zehnstundenlag in Norddeutschland?

Der Frankensturz.

Äein Zutrauen zu Frankreich.

Ms die deutsche Mark ins Bodenlose sank, trug man in Frankreich eine Schadenfreude zur Schau, die umso törichter war, als ja letzten Endes auch der französische Gläubiger zu den Leidtragenden gehört. Der seit einiger Zeit in verstärktem Tempo vor sich gehende Stur, dez französischen Franken ruft jetzt m Frankreich die ernsteste Besorgnis, hervor, daß man dort am Ende einen ähnlichen Leidensweg durchmachen könnte, wie das deutsche Volk, und datz dem Wortwitz in der Kapuzinerpredigt vom Römisch-Reich" undRömischÄrm" die Um­wandlung hinznzufügen wäre: Frank-reich, Frtnzosen sein, wenn sie nicht Deutschland für Franzosen sein, winn sie nechj Deutschland für den Sturz des Franken verantwortlich machen würden. DerPetit Paristen" hat sogar an­scheinend in offiziöser Mission, eine einfältige (beschichte von einem Kongreh der deutschen Bankiers derichtet, der am 6. November in Frankfurt a. M. den Sturz des Franken be­schlossen habe, um die Rentenmark zn heben, die cS, was dem Pariser Matt entgangen ist, da­mals noch gar nicht gab! Di« Verleumdung ist von deutscher amtlicher Stelle als solche ge­kennzeichnet worden. Aber es bedurfte wirklich keiner Dolchstöße von außen, um den Kurs des Franken zu drücken, sondern die französische Finanzmißwirtschaft hat das ihrige hierzu getan. Hatten sich doch di« Schulden Frankreichs, die zn Beginn des Weltkrieges 29.8 Milliarden Franken betrugen, schon Ende 1922 aus 250 Milliarden erhöht, lieber ihren derzeitigen Stand ist angesichts der undurchsichtig gen Etatsaufstcllung in Frankreich Überhaupt keine Klarheit zu gewinnen.

jedenfalls ist es begreiflich, daß die inter­nationale Finanzwelt heute tn dem französischen Franken kein Vertrauen mehr hat. Besonders in der englischen und ame­rikanischen Preffe wird mit scharfem Tadel auf die Undurchsichtigkeit der frisierten französischen -Staatsbtlanzen, aus di« Verschleuderung der öffentlichen Mittel beim Wiederaufbau der be­setzten Gebiete und vor allem auf das Uebermaß der militärischen Rüstungen unp die Subventionierung der Vasallen­staaten zu dem gleichen Zweck hingswiesen. Besonders wird es in den politischen Kreisen der nordamerikanischen Union übel vermerkt, daß der französische Schuldner die ErWllung fei ner Verpflichtungen mit dem Hinweis auf seine finanziellen Schwierigkeiten immer wieder hin- ausschiebe, während er gleichzeitig Pole» und den Staaten der kleinen Entent« reichliche W- stungNredite bewillige. Und in die gleiche Kerbe hauen die englischen Anfragen in Warschau, Bel­grad und Bukarest, ob die den Franzosen gege­benen Garantien nicht die den anderen AÄier- ren verpfändeten Hypothek berühren.

Alle diese Vorgänge hängen mit der interna- tionälen Einschätzung des Franken eng Msam- !»nen, und die in den Beziehungen zwischen England und Frankreich seit langem her- vorgetritene S pa n n u n g könnte leicht noch ei­ne Verschärfung erfahren, wenn, womit man ja in England rechnet, das Kabinett Baldwin bei dem am 15. Januar erfolgenden Wiöderzusam- mentritt des Parlaments durch ein von den Li­beralen unterstütztes Kabinett der Arbe terpärtej, durch ein Kabinett Ramsav Macdonald abgelöst werden sollte. Zumindest wäre von die­ser Regierung eine wesentliche Verstärkung der moralischen und finanziellen Druckmittel gegen den französischen Militarismus und Imperialist muß zu erwarten. Hat doch auch der Amerikaner Hoover in seiner Botschaft zum Weihnachts- tage, die zweifellos di« Stimmung der regieren­den Kreise in der Union wiedergab, die Stabi­lisierung des Franken mit der Notwendigkeit einer Verminderung der europäischen Rüstungen in Zusammenhang gebracht.

Man darf es denn Wohl auch als die Wir­kung dieser internationalen Wandlungen und des damit zusammenhängenden Frankensturzes anseben, wenn jetzt Brüsseler und Pariser Mel­dungen versichern, daß die A n t w o r t P o i n - carss auf die deutsche Note in versöhnlichem Tone und Geiste gehalten sei und -in keiner Weise irgend eine derjenigen Unterhaltungen unmöglich macken werde, die durchaus erwünscht seien." Das ist eine gewundene Erklärung, die man nach Belieben aussiaen kann und die noch durch unsere gestrige Meldung verdächtig wird, datz die französisch-belgische Antwort Deutschland nicht befriedigen werde. Immerhin be­müht man sich in Paris, versöhnlich zu erscheinen. Wie Pariser Blätt-r wissen wollen, ist es möglich, daß die Antwort sogar von mündlichen oder schriftlichen Erllnrunaen begleitet sein wird, welch- die französische Re- fiimtng gegen leben Vorwurf schützen und die der deutschen Regierung alle berechtigten Mög­lichkeiten N' einer weiteren Unterhaltung geben werbe. Auch die Neujahrsrrde des Präsidenten Millerand bereitet auf einen Umschwung vor,

als er von der «Morgenröte der Versöhnung" sprach. Vom deutschen Standpunkt ans muß man trotzdem solche Worte aus französischem Munde mit Vorsicht aufnehmen. Sehr bezeich­nend ist eine Aeußeruna desMatin", in der cs hoißt, Frankreich riskiere nichts, wenn es Deutschland die Hand entgegen­strecke, solange die andere bewaffnet bleibt, (h Wie in Deutschland, so hält man auch in anderen Ländern nicht viel von der französischen Versöhnungsbereitschaft, wie aus der ungünstigen Beurteilung des Franken her- vergxHt. es.

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Franzosen müssen In Gulden zahlen.

Rotterdam, 8. Januar (Privattelegvaimn.) DerCourant" meldet: Auch an der Börse in Amsterdam ist der französische Franken in starkem Rückgang begriffen. Dieser Rückgang kann vorübergehender Art fe tt, wich­tiger und folgenschwerer ist jedoch die Tatsache, daß in Amsterdam und Rotterdam Waren­verkäufe an französische Häuser nur noch auf Grund von Fakturierung in Guldeuwäh- rung getätigt werden.

Aus der Berliner Industrie.

Schwebende Gehaltsregelung der Angestellten.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. Januar.

Während am Sonnabend mit den Arbeitern in der Metallindustrie eine Verständigung zu­stande kam, dauern die Differenzen der Ange- ft e l l t e n in der Metallindustrie mit den Arbeit­gebern immer noch fort. Vor einiger Zeit ist für die sechzigtausend Angestellten der Berliner Me­tallindustrie ein Schiedsspruch gefällt wor­den, der von den Arbeitgebern abge­lehnt worden ist. Der Gesmntverband Deut­scher Angestellten-Gewerkschaften, sowie der Ge- werkschastsbund der Angestellten haben dagegen die BerbindlichkeitSerklärung dieses Schiedsspruches beantragt. Dagegen hat der Afa-Bund, allerdings mit einer schwachen Mehr­heit, sich für einen Bermittelungsvorschlag des ReichsarbeitsministcriumS erklärt. Der Gesamt­verband Deutscher Angestellten-Gewerkschaften hat die Vorstellung bei dem ReichsarbeitSmini- sterium auf BerbindlichkeitSerklSrung mit dem Hinweis auf die in den Betrieben durch den Ar- beiter-Lohnkampf herrschenden Unruhen erneuert.

Der Ärdnstunbentog

Berlin, 8. Januar. (Privattelegramm.) Nach' Beendigung des Metallarberterstrciks, der das Nachgeben der Arbeiter durch den vollstän­digen Mangel an gewerkschaftlichen Streikgeldern erbracht hat, vollzieht sich die Einführung des ZehnstnndentageS in der Berliner Indu­strie ohne neue Widerstände. Aw Montag wurde in fast allen Kategorien der Berliner Industrie mitgeteikt, datz Arbeiter, die vor Beendigung der neuen Arbeitszeit die Betriebe verlassen, nicht wefter beschäftigt werden. Voraussichtlich wird Anfang Februar der Zehnstmrdenarbeits- tag in ganz Rorddeutschland durchgeführt fein.

Verwirrte Lage in Sachsen.

Unterstützung des Kabinetts Heldt.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig, 8. Januar.

Aus parlamentarischen Kreisen wird berichtet, datz die nächste Sitzung des sächsischen Land- tages zum 15. Januar verschoben worden ist. BiS dahin hofft man, daß die politische Lage in Sachsen endgültig gcNSrt ist. Im allgemei­nen wird angenommen, datz die M e h r h e i t der sozialdemokratischen Fraktion das Kabinett Heldt weiter unterstützen wird. Rach Schluß des offiziellen Parteitags der Sozial­demokratie Sachsens fand ein« Sonder- tagung des rechten Flügels rmter Teil­nahme der Berliner Vorstandsmitglieder Hiltzrr- ding, WelS und Dittmann statt. Es ist. gutem Vernehmen zufolge, beschlossen worden, an dem Ministerium Heldt und an der Koalttion mit den Bürgerlichen in Sachsin festzuhal» t e n und sich in den wetteren Entschließungen bis zum Zusammentritt deS Reichßpartektages von den Radikalen abzusondcrn. ("Netze 2. Sette.)

Hm Bayerns Denkschrift.

Die Demokraten gegen di« Regierung. (Privat-Telegramm.)

München, 8. Januar.

Im Berfaffungsausschuß des Bayrischen Landtages verlas Abgeordneter Dr. Dirr eine Erklärung der demokratischen Fraktton, in der bedauert wird, daß die schwcrwicLende volitifche

Aktton, die die bayrische Regierung durch die Uebermtttlung der Denkschrift über dsi föde­ralistische Revision der Weimarer Verfassung an die Reichsregierung unter­nommen hat und die die Grundlagen des bay­rischen und deutschen Staatslebens auf das tiefste berührt, erfolgte, ohne datz der La n d t a g recht­zeitig in Kenntnis gesetzt wurde. Dsi demokra» ttsche Fraktton verlangt, datz die bayrische Re­gierung in nächster Zeit mit der Volksvertretung in eine Aussprache über diesen Schritt und über den Inhalt der Denkschrift eintritt.

Im besetzten Gebiet.

Die Besatzungsstärsi wird nicht vermindert. (Privat-Telegramm.)

Köln, 8. Januar.

DasEcho du Rhin" schreibt: Die f r a n z ö - sische Rheinarmee befindet sich im Sta­dium der Umgruppierung. Der Kamp ist beendet. Das Aufhören des passiven Wider­standes, das mit den Industriellen "etroft'enc Abkommen und die Wiederaufnahme des Etten- bahnverkehrs gestatten es, die an der Ruhr ver­wendeten Kräfte zu vermindern. Die Truppen­zurückziehung wird den ganzen Januar in Bn- spruch nehme«, das französische Hauptquartter wird am 2. Januar wieder nach Mainz zurück- Sehren. DaS Blatt schreibt noch, daß die fran­zösische Rheinarmee in Zukunft aus drei Armee­korps mit neun Divisionen bestehen wird. DerMalin" meldet ans Düsseldorf: Dsi aus Essen und anderen Ruhrgarnisonen zurückgenom. nrenen französischen Truppenbestände werden nicht nach Frankreich zurücktransportiert sondern auf die französischen Garnisonen im alt- besetzten Gebiet verteilt. Dsi französische Ve- satzungsstärsi in Deutschland bleibt vorläufig unverändert. Stärkere Belegungen haben diesir Tage di« Garnisonen der Pfalz erhalten.

Abkehr vom Sranfen.

Ludwigshafen, 8. Januar. (Pnvatsilegramm.- Die Handelskammer teilt ntit. daß sie zur Behebung der außerordentlichen Knappheit an Zahlungsmitteln zmn Ersatz dsS «tmr*.<»!<. Franken wertbeständiges Rotgeld aus- gibt, das unter der Kontrolle einer Kommission steht, in der aksi pfälzischen Wirtschaftskrelfe ver- ttete« find. Dsi Einheit deS Geldes ist der Dollar. DaS Geld trägt den NamenPfälzi­scher Handelskammev-Dc-Hat". Die Umlanfs- frist gilt bis zmu 15. Februar.

Warnung an den König. Die englische Arbeiterpartei im Siegesrausch.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 8. Januar.

Am Sonntag sand im Rathaus des Arbeiter- stadtviersils Shoredttch eine Feier des Wahl­sieges der Mitglieder der Londoner Arbei­terpartei statt. Unter den Rednern befand sich auch Landbury, der sich über die Stellung des Königs äußette. Alle anderen Parteien, erklärsi er, seien hinsichtlich deS Königs beun­ruhigt. Bor vielen Jahrhundersin widersetzsi sich ein König dem Willen de« Volkes. Man ent- hauptete ihn. Etwa« später versuchte einer sei­ner Nachkommen, seinem englischen Vorfahren nachzuahmen. Man schnitt ihm zwar nicht den Kops ab. aber man zwang ihn, zu verschwinden. Seit dieser Zeit haben sich dsi Könige und- niginnen von England mit ihrem dekorativen Platz begnügt, der ein Symbol für die natio­nale Einheit ist. Der gegenwärtige englische- nig würde gut daran tun, wenn er seine Fin­ger von der Prsiitik weglassen wollte.

wac»onalvtz RadinetttpiSue.

London, 8. Januar. (Eigene Drahtmel­dung.) In polittschen Kreisen glaubt man zu wissen, datz Macdonald für den Fall eines Ar- beüerkabinettS für dsi Fragen der auswärtigen Politik tn erster Linie Tom Shaw, sowie den be­kannten Pazifisten Arthur Ponsonby, der be- kannüich seinerzeit dem diplomatischen Dienste angehört hat, heranzlehen werde. Macdonald würde sich auch, der gleichen Meldung zufol^, an den früheren Gesandten in Finland, Lord Acton,»wenden und den Sozialisten Roel Buxton, der ein Kenner der Orientfrage ist. znr Mttarbei- sirschaft zu gewinnen suchen. Es verlautet, daß MacdonÄd am Freitag eine Zusammenkunft mit Lord Haldane haben wird, der gleichfalls als engerer Mitarbeiter einer etwa kommenden Ar- beiterregierung angesehen wird.

Die Wucherpolizei.

Strafanträge in Berlin.

Sie Berliner ®iaaf8antoaltffiaft und Me Wuchs-Pott^i Rbeu neuerdings wieder ebie fedSrfers TSrigkeit aus, wie au« de» nath- tzeheude» «uSfilhruueen erflchiiich itz»

Berlin, 7. Januar.

Dem gestrigen Bericht über die Strafanträge »sechzig Berliner Banken wegen Wuchers Berechnung zu hoher Zinsen und Unkosten, wodurch zcchlreiche Nahrungsmittetsir- men in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, wird noch folgendes hinzu gefügt: Zur Untersuchung der Kreditverhältniffe wird eine Kommission gebildet, welcher neben Vertre­tern der Wucherpo-lizei, des Handels» der Jndu- strie und der Banken aller Voraussicht nach auch Vettreter dr Reichsbank angehörea. Diese Kom­mission stellt eine Neuerung dar, da sie in den zahlreichen Prozessen, dsi in allernächster Zeit beginnen werden, als Sächverftändigenausschaß Mitwirken soll. Wetter wird aus dem Berliner Polizeipräsidium mitgeteilt: Hatte die Wucher­polizei im letzten Viertel des vergangenen Jcch- res sich in der Hauptsache nrit der mehr oder weniger zwangsweisen Senkung der LebeaSmit- telpreise besaßt, so gilt es jetzt in allererster Linie, einem anderen gefährlicheren Feind den schärfsten Kampf anzusagen,

dem Leistnngswucher.

Auch auf diesem Gebiet hat die Wucherpolizei bereits dsi ersten Dkaßnahmen ergriffen. So wird gegen die verschiedenen Innungen ein- eritten, um deren Richtpreise einer gen tuen Prüfung zu unterziehen, zmn Beispiel gegen die Barbier-, Schuhmacher- und Schneiderinnua- gen. Auch wegen der allw, hohen Preisforde­rungen der Wäschereien Plattereüm schwe­ben Verhandlungen, nicht nur mit den promi­nenten Großfirmen, die in allen Teilen Berlins ihre Filialen unterhalten, sondern auch mit den Syndici der Verbände, dsi Richt­sätze für die einzelnen Waschleistungen geben. Ein scharfes Vorgehen gegen den Verband Ber­liner Schuhmacher steht rmmitsilbar bevor, des­sen erst kürzlich festgesetzte Richtpreise so hoch! sind, daß sie zmn Teil das Vsilfache der Bov- lriegSpreise ausmachen. Hier tritt augenfällige die preistreibende Wirkung der gewerblichen Innungen zutage, da zahlreiche Schuhmacher un­ter diesen Richtpreisen arbeiten. Ein Einschreiten wird zweifellos auf allen Gebieten der hand­werksmäßigen Leistungen ersochgen. Es bestebt kein Zweifel darüber, datz der Umsatz erheblich zurückgegangen ist, es mutz ober, genau wie auf dem Lebensmittelmarkt die Ueberzcchl der Händ­ler prerstreibend wirft, darauf gehalten werden, datz der Wert der Leistungen nicht nach der sZahl derjenigen Arbeitskräfte bemessen werden darf, die für diese Leistungen im Augenblick vorhan­den sind, für deren volle Beschäftigung aber dsi geschwächte Konsumkraft weitester Volkskreise nicht mehr ausreicht. Besonders schwierig wird sich aber die Verfolgung des Leistungswuchers auf denjenigen Gebieten gestalten,

wo Richtsätze nicht vorhanden sind, wie bei Schlossern, Klempnern!, Tischlern, wo dsi individuelle Leistung im einzelnen kaum nach- geprüft und bewertet werden kann. In allen Fragen des Leistungswnchers darf vor allem nicht vergessen werden, daß auch hier wie auf dem Warenmarkt die zeitweilige Disparitäh -wischen in- und ausländischer Bewertung der Papiermark die Hauptursache der Preiserhöhun­gen war. Während aber auf dem Berliner Wa- renmarkt durch den Druck der Wucherpolizei, das heißt vor allen Dingen durch Me zeitweilige Rabattverpflichtung, eine erhebliche Preissenkung durch das Ausschälten des Entwertungsrisikos erzvnmgen werden konnte, ist die Entfernung dieses RiskkoznschlageS ans den gewerb­lichen Leistungen bisher nur in ganz un­genügendem Maß« gefolgt. Daher hält es die Abteilung W. des Berliner Polizeipräsidiums für dringend erforderlich, den Fragen des Lei­stungswuchers ihre erhöhte Aufmerksamkeit znzn- wenden, wobei nicht vergessen werden darf, daß es wie in der gesamten WucherbekSmpfunq sich hier um völlig neue w irtsckaftltche Probleme handelt, für dsi es keine Präze­denzfälle in der Vergangenheit gibt. Me wei- terbm von der Berliner Wucherpolizei mitgeteilt wird, haben Dcrhandlimgen stattgefunden. als bereit Erfolg eine ganz erhebliche Senkung der PreisefürGänfezu erwarten ist. Auch gegen die überhöhen Fifchprei se, sowie gegen die Teuerung auf dem Gemüsemarkt sind scharfe Maßnahmen zu erwarten. Auch über die weitere Senkung der Fischpreis« wird in dieser Woche verhandelt werden.

Unter der fremden Kontrolle.

Die Jnteralliiersi Milttärkontroll-Konmnsfion.

In der Nosi der Botschafterkonferenz vom 21. November 1923 über die Wiederaufnahme der Kontrolle in Deutschland wird die auch in der französische« 'Vressc iuwM wiedcrLhrende