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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 5. Einzelpreis 15 Pfennig. Sonntag, 6. Januar 1924. Einzelpreis 15 Pfennig. 14. Jahrgang

Anzeigenpreise GeschLftsanzekgen Zeile 15 Ssfennig, Familien-Anzetge« Zeile 10 Vkennt*. Kleine Anzeigen bt< Wort 2»/, «fenntg, ReNamen dir Zeile 60 Psenntp, Ossertgebühr 10 yfenni« (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Recknungebeträge sind innerhalb fünf Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kur« de* Zahlung-tage*. Für die St tätig­

te tt alter durch ernsprecher ausgeaeabnen Anteigen, 'erste für Äufnaamedaten und Plane kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonder* schwierigem Satz hundert Prozent Auffchlaa Truckerei - Schlachthosftratze 28/30. Geschäftsstelle Kölnische Straße d, gegenüber der Epohrstrgße. Fernfpr-cher Nr. 951 und 952.

Die Lllndesverhöltmsse $um Reich.

DikkrsteZaheeswoche.

Innere Spannmigsn.

Vorläufig hat das neue Jahr mit den guten Wünschen der Staatsmänner aller Länder be­gonnen, di« sich in ihren Reden und schriftlichen Kunogebungen allesamt als friedfertige Gemüts­menschen empfohlen Haden, obwohl man von mindestens einem unter ihnen weiß, daß er seine Wolfsnatur mit einem Lammfell maskiert hat. 'Einige mögen allerdings den ehrlichen Willen haben, der Welt dm Frieden endlich wieder zu geben, wenn auch aus national-egoistischem In­teresse. Immerhin hat schon die Aussicht auf wirklichen Frieden den Hoffmmgsketm auf eine Besserung in Deutschland leise emporsprießen lassen. Die Neujahrsborschaft deS deut­schen Reichspräsidenten begnügte sich da- mtt, den Wunsch nach Ruhe und friedlicher Entwicklung zu äußern. Diesem Wunsch müßte sich, so sollte man meinen, daS ganze deut­sche Volk von Herzen onschließen. Aber leider werden die inneren wirtschaftlichen m p s e noch fortgesetzt. ES ist noch der Streit um die Arbeitszeit, der in diesen Tagen zu Aus­stand und Entlassungen zunächst in der Metall­industrie geführt hat. Seitdem Mitte Novem­ber die Demobilmachungsverordnung über die Arbeitszeit abgelausen ist, spielt sich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein Ringen um diese wirtschaftliche und soziale Frag« ab. Di« Arbeitgeber sind entschlossen, die neun- und zehnstündige Arbeitszeit «inzuführen, während die Arbeiter am Achtstundentag festhalten wollen.

Es ist Aar, daß wir bei längerer Arbeit, wenn nicht passiver Widerstand geleistet wird, die Pro­duktion vermehren, also das erreichen, was dem deutschen Volke zugute kommt: Verbilligung der Waren und Erleichterung der Lebenshaltung. Andererseits ist es auch verständlich, wenn die Arbeiter besiirchten, daß bei erhöhter Arbeits­leistung weitere Arbeitskräfte überflüssig wer­den . Es wäre ein totes S-liema, wollte man von heute auf morgen die Arbeitszeit von acht auf zehn Stunden verlängern, obne in allen Betrie­ben die dazu erforderlichen Aufträge zu haben, denn auf Vorrat zu arbeiten sind nur wenige Betriebe finanziell in der Lage. Dafür labt sich aber die Neuregelung ohne Schwierigkeiten durchfübren, wenn von Fall z« Fall entschieden wird Die erste Aufgabe müßte fein, fiir Auf­träge zu sorgen und dementsprechend di« Nr- beitSzeit und Leistung zu steigern, danach durch billigere Herstellung den Absatz zu vermehren und so das Wirtfchristsleben in Schwung zu. bringe«. In Erkenntnis dieser Notwendigkeiten ist am Jahresende die neue Verordnung (vom 21. Dezembers veröffentlicht worden, die den Achtstundentag beseitigt und ie nach Bedarf di? Verlängerung der A'beiis- -eit zulößt. Aber di« Verordnima ist mit Klau­seln versehen, dir den alten Tarifverträgen noch eilte mehrwöchige Laufzeit gewähren. Auch kön- uen di« Betriebe noch nicht selbständig handeln, sondern müssen die Zustimmung der Geweft- schaffen haben. Aber schließlich können solch- Klauseln nickt den Gang der Wirklichkeit aut- halten wie sich setzt in Berlin und an «intern anderen Orten neigt. Die Unternehmer der Me­tallindustrie beschlossen den Zehnstundentag. die Arbeitnehmer leisteten passiven Widerstand (übrigens ebne Zustimmung der Gewerkschaf- tens. di« Folge War Schließung der Betriebe und Entlassungen. Die Zeit ist jetzt wirklich nicht dazu angetan. durch solche Kämpfe die ge­schwächte Wrtschatt wieder zu stören, denn wenn keine freiwillig« Einigung erfolgt, wird schiließfich die daraus entstehende Notlage die Entscheidung ohne Klauseln und Rücksichten herberführen. ,

Einen anderen Zwist verursachte di« Ver- Haftung der thüringischen Innen- Ministers Herrmann, der an den Nrkun- denfälschungen des Reare'imgsgssessorS Kunze beteiligt war und von diesem im Untersuchungs- verbör verraten wurde. Herrmann war eine Hauptstütze der so,iÄdemokratisck--konmn'nisfi- f*en Regirnmg. 9bm Werden über vierzig Einzelfiille von Fälschung und Dokumenfenver- nichtuug zur Last gelegt. Mr Seiden Täter ent­stammen hrscheidenet, Verhältnissen und es fiel daher aus. daß sie über große Geldmittel Per- tilgtet. Kunze bat ein« Kaution von tausend Goldmark für feine Freilassung angeboren, die ao-r oboelehnt wurde Durch die Urkunden­fälschungen wurden schwer vorbestrafte Versonen in verantwortliche Stellen bei der Thüringer Polizei eingeschoben. Die Einstellungen, die im Oktober eftohr Wimen, wurden so vordatiert, als ob sie im September vorgenommen worden wären. Dadurch sollten sie dem Beamten abbau entgehen. Voraussetzung war mtT. daß fff der sozialdemokratischen rte- konnnunistischen Parte! mia.'hören mußten. Aus wesem Tatbestand -roibt sich eine unhaltbar- chf-ßwir!schaff in Thüringen, die ein schlechtes Licht auf bi« Pgrtriregieruna wirst. Der Fall erinnert lebhaft an den Fall Zeianer in Sachsen, der sich als Ministerpräsident und Justizminister

besteche« ließ und dafür Begnadigungen erteilte. Die Sozialdemokratie erlebt an solchen »Füh­rern" keine Freude, denn die Arbeitermassen sehen sich in ihren Erwartungen schon lange ge­täuscht. weil die Versprechungen vom Novem­ber 1918 nicht erfüllt werde« konnten. Wenn dann noch Unlauterkeiten Vorkommen, erleidet das Vertrauen empfindliche Stöße. Wichtiger für die Volksgssamtheii ist jedoch, daß Personen und Regierungen, die die Volksmteressen schä­digen, möglichst schnell das Feld ihrer Tä­tigkeitverlassen. Es muß darauf hin- gewirkt werden, daß die alte Ehrlichkeit, Pflicht­treue, Berufschre und BerufskenntniL und --Eig­nung wieder zurückkehren. K. F. D.

Boyem unö das Werch.

Die Anträge zur Reichsverfassung. (Privat-Telegramm.)

München, 5. Januar.

In der Denkschrift der bayerischen Regierung worin die Aenderung der Reichsversassung be­antragt wird, werden sehr ausführlich zwei Ge­sichtspunkte dargelegt: L die bayerische Stellung zur Weimarer Verfassung im allgemeinen, 2. big geforderten Arnderungen. Der erste Teil der Denkschrift geht von der BiSmarckschen Reichs verfaffmig aus, die beweise, daß das Reich ein Bund selbständiger Staaten sei. Die Zuständigkeit des Reiches sei z» sehr erweitert worden. Auch die größeren Schwierigkeiten, di« sich nach dem Zrsamin-nbruch zeigten, seien vom Reiche nicht gelöst worden. 'DaS Heil köniu mir von Yen Länder« kommen, die allein in der Lage seien, die Probleme zu löse«. Bayer» empfind« de« Verlust seiner Rechte in dieser Richtung schwerer als jedes andere Land. Dir im zweiten Teil geforderten AkNdemn- flen sind: 1. Die Zufkändi gkeit zwischen Reich und Ländern muß neu »begrenzt werden. S. Der R «i ch s r a t mutz in seinen Kompeten­zen gehoben werden und an di« Stelle des frühe­ren Bundesrates trete«. Dem Reich müsse gr- geÄen werden, was z« seiner Existenz nötig ist. Weiter wird u. a. gefordert Wiederherstellung der Verfassungsautonomie der Länder, Aus­führung der Reichsgesetze durch Laudekbehgr- den, Rückgabe der Steuerhoheit an die Länder sowie weiterer Abbau der Reichs-Zentralisation.

Am dos besetzte Gedßet.

Frankreichs und B.lgiens Antwort.

(Eigene Drahtmekdung.s

Paris, K. Januar.

DasEcho de Paris" macht Mitteilung über frcnrzSflfch - belgische Meinungsverschiedenheiten. Während man in Paris verlauten läßt. P o i n - c a r s beharre auf den Beschränkungen des Han- delSvertraMs zwischen dem besetzten und vorn unbesetzten Deutschland, hat der Brüsseler Korre­spondent des Echo de Paris den Eindruck, daß ThenniS rmd Jasvar geneigt seien, ein Re­gime zu gestuften, das die Wiederauf­nahme der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem besetzten und dem unbesetz­ten Deutschland ermögliche, allerdings un­ter zwej Bedingungen: daß nämlich die Sicher­heft der Desatzungstruppe» nicht gefähr­det und die Sicherheit der genommenen Pfän­der nickt beeinträchtigt Werbe. Der Korrespon­dent bestreitet, daß zwischen Paris und Brüssel bereits Besprechungen eingeleitet seien. Man würbe vielmehr zunächst einmal die Ergebnisse der Beratungen der belgischen Minister und Snckverftändigen Poincarö mitteilen. Am Mon­tag wirb bet belgische Ministcrrat zu einer Be­ratung zuscnmnentreten zwecks Fonmrffenmg bes Wortlauts bet Antwort an Deutschland.

Beffenmg der Gisenbabn?

Eine Ermäßigung der Gütertarife ist möglich. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 5 Januar.

Seit kurzer Zeit wird im Reichs Verkehrs­ministerium erwogen, ob die Gütertarife ermä­ßigt werden können. Voraussetzung sei, daß die Rohstoffpreise herabgesetzt würden. Ein bestimm­ter Plan für Tarifcrmätzigrrngen liegt a»irbing§ noch nicht vor, es gibt aber verschiedene d.-vglich- keitcn für die Aenderung. Es können Uun Bei­spiel die Tarife für bestimmte Güter, namentlich für Lebensmittel, prozentual hcrahgesetzt werden. Es können auck. besonder« A«s - nahmetarjf« oder Ausfuhrtarife In Frag« kommen. Ferner ist daran gedacht worden, die sogenannte horizontale Staffelung der Tarif- der

verschiedenen Güterklassen so z« ändern, daß die Spannung zwischen den einzelnen Klassentarifen sich verschiebt. Zu bedenlen allerdings, daß Tarifermätzimmgen zunächst einen Einnahme- ausfall für die Eifenbahnverwalftmg bedeu­ten, der durch Belebung des Verkehrs wieder eingebracht werden muß. Die Eisenbahn- Verwaltung mutz also zur Deckung der Ausfälle die Mittel zur Verfügung haben. Vorläufig hat die Eisenbahnverwvltung noch unter den finan­ziellen Nachwirkungen der RirhrnMon zu leiden, denn von den etwa 190 0f>0 Beamte» und Ange­stellten im Ruhrgebiet ist erst etwa die Hälft« wieder in den Eisenbahndienst eingestellt worden, während für die anderen die Eisenbahnverwal- tung die Ausgaben noch weiter leisten muß. Es ist wohl anzunehmen, daß die Ermäßigung der Tarife eine Verkehrsvermehrung zur Folge hat.

Neues sächsisches Kabinett.

Auf Grund einer Koalition.

(Privat-Telegramm.)

Dresden, 5. Januar.

Zwischen den Sozialdemokraten, der Deut­schen Bolkspartei und den Demokraten ist eine Vereinbarung getrosten worden, daß eine Koa­litionsregierung gebildet werde» soll. Die Zahl der Ministerien bleibt unverändert und die So­zialdemokraten erhalten nicht drei, sondern vier Sitze. Der sächsische Landtag wählte gestern den sozialdemokratischen Abgoordneten »iib seit­herigen Finanzminister Held (gemäßigter So­zialist) mit 51 von 79 Stimmen zum Minister­präsidenten. Vierzehn Abgeordnete der sozial­demokratischen Linken hatten den Saal verlassen. Das neue sächsische Kabinett wird sich, wie in später Nächtstundc bekannt wird, endgültig aus folgenden Männern znsammensetzen: Minister- Präsident Max Held (Soz.), Wirtschastsminister Hermann Müller (Soz.), Innenminister Mül­ler-Chemnitz (Soz.), Finanzminifter Dr. Peter Reinhold-Leipzig (Demokrat), Kultusmini­ster Wilhelm Dünger, Reichsanwalt (Deutsche Volkspartei), Jikstizminifter Dr. jur. Fritz Soi­fer, Rechtsanwalt in Dresden (Deutsche Vpt.), Arbcffsminister GewerkschastSsekreiär Elsner (gemäßigter Si^ialist). Letzterer hafte bisher schon daS ArbritSnftnisterium inne.

Der sinkende Franken.

Auch daran soll Deutschland schuld sein.

(Eigene Drahtmrkdung.)

Paris, S. Januar.

Der Berliner Korrespondent desPetit Pa- rifien "erklärt in eine« neuerlichen Depesche, daß man in Deutschland mit einem weitere« Rück gang des srauzöstschen Franken rechne und da­mit mit einem weiteren Druckmittel im Verkaufe der politifchen Entwicklrmg. Di« augenblickliche Baisse fei, wie der Korrespondent ausvinanber- setzt, em 6. November auf einem Kongreß deut­scher Bankiers in Frankfurt a. M. beschlossen worden. (?) Am 13. November habe dann die Offensiv« an der Amsterdamer Börse eingesetzt. Die deutsche Finanz werde von ausländi­schen Finanzgruppen unterMtzt. Mit der Aufgabe des passiven Widerstandes sei, so fügt der Ko: pondrnt hinzu, in Deutschland der Kampf nicht aiifgcgeben. Er werde jetzt cbcnfo erbittert auf dem Gebiete der Wechselkurse fortgesetzt.

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»rforcBl» In Frankreich.

Paris, 5. Januar. (PftvakdefeMamm) Der Dollar hmrbe vorgestern mit 20,50 Francs bezahlt; d-rS englische Pfund wat mit 87,39 Francs notiert Diese Rekorde find selbst während des Krieges nicht erreicht worden. Der Trost der offiziellen Presse, daß dieses Sinken des Franken nur vorübergehend fei und bald aushören werde, findet feinen Glauben. @s wird dargelegt, weshalb alle euro- pätschen Währungen im Verhältnis zm» Dollar lieruntergehcn, baß aber doch bie Erklärung für die beunruhigende Baisse beS französischen Fran­ken fehle, der im Verhältnis zu sämtlichen Wüh- rungen im Niedergehen sei. Der Sturz des Franke» sei eben nur durch die verfehlte Finanzpolitik und besonders durch die Außenpolitik der Regierung zu erHäreit. DieSire Rouvelle" verlangt bie Erfüllung bet folgenden Bedingungen, die allein Hilfe bringen Zünnten: 1. Es motz ein W i r t s ch a f t s m i n i- sterium geschaffen werde», das fick misschfictz- lich mit der Bereinigung aller wirtschaftlichen Kräfte des Lande; und bet Kontrolle des Welt­marktes zu beschäftigen hat. 2. Dieses neue Mi­nisterium muß in enget Verbindung mit dem Ministerium bet auswärtigen Angelegen­heiten stehen. 3. Es mutz eine auswärtige Po­litik eingcleftet werden, welche energisch die Lösung des ftanzSsisch-beutscken Pro- bleurö anstrebt und bie internationalen Bezieh­ungen wieder herstellt.Tas Schicksal der fran­zösische» Währung hängt von dem ftanzSsischen Minifierxrästbenten ah", schließt die Zeitung.

Eingebaute Möbel.

Steue Wege der Wohnungskultnr.

Sei t>ucH ftrieg, »IrlschaftSuat > nd Prs»»«. tionSverminder ng veruclartzl» Wshuuog«. ro.nstl erfaceert Me Aripsffni-S an tleinece aeebstuniffe. Wie man dir 4mW«*tune »<« Wohn-en «verhiiltnistr «rträglUH snaeSen Ians, zeigen die naihfalzenden Äuftführuuge». In der gegenwärtigen Lage, in der sich das deutsche VE befindet, sind wir verpflichtet, jeden Weg auf feine Gangbarkeit zu untersuchen, der uns eine Erleichterung unserer Wirrfchaftsnötc in Aussicht stellt. Verglicht man. nun unser Wohnwefen mit anderen Möglichkeiten, die im wesentlichen gleiche Ansprüche erfüllen, so stößt man auf eine lange Reihe unb enützter Möglichkeiten. Wenn beispielsweise in Holland und England eine kleine Wohnungs­treppe allgemein nur achtzig Zentimeter breit und etwa (im Lauf) 1.30 Meter lang ist, so ist nicht einzusehen, warum sie bei uns wie das »och rar wenigen Jahren polizeilich erzwungen wurde etwa den doppelten Roum brauchte. In hol­ländischen Wohnungen mit drei bis fünf Stube»! pflegen die äußerst zweckmäßigen und bequemen, Küchen 7,5 bis 8,5 Quadratmeter groß zu sein.! Bei uns werden für gleiche Anforderungen elf bis dreizehn Quadratmeter für nötig gehalten.

Nun zwingt uns bie Not, alle Räume klei­ner und niedriger zu bauen, als man vor dem Krieg gewöhnt war. Stege» über die zu Keinen Räume sind alltäglich, sind auch in fehl' Vielen Fällen durchaus begründet. Aber sie sind! es nur da, wo der Inhalt, der HauSrat, nicht', zur Wohnung paßt. Die kleineren Räume ver­langen andersgeartete und oft auch weniger M ö - bel als die ehemaligen größeren; besonders aber muß ein Teil der Kastenmöbel eingebaut wer­den, wenn man den knappen, zur Verfügung stehenden Raum ausnutzen will. Die schönen und großen^ so bequemen und bet den Hausfrauen belieknen Wandschränke finden sich heute faft' nur noch in Olten Patrizierhäusern. Seit der Mitte des neunzehnten Jahrhundefts aber hat man bewußt Möbel in die Zimmer gestellt, nur mn sie zu füllen. Man fühlte sich sonst in den zu feeren Räumen nicht wohl. Man betracht« demgegenüber nur einmal ein eingerichtetes Zimmer etwa aus der Mtte des achtzehnte»! Jahrhundefts; es war vergleichsweise feer. Den Inhalt gaben die Menschen. Noch das betau nie Bild des alten Humbold in seinem Arbeitszim­mer zeigt einen für den Geschmack von heute un- behaglich leeren Raum. Später wurde es ge­radezu Aufgabe der Tischler und Dekorateure,^ Mittel zum Anfüllen ungenutzter WvhnirSume zu finden.

Heut« ist unsere Ausgabe wieder entgegen-' gesetzt. Alle sperrigen Möbel, alle ausladenden^ Profile, hochbeinige Schränk«, halbhohe, auf bie; man Vasen oder dergleichen ftellen kann, habe»! im Verhältnis zu dem von ihnen in Anspruch! genommenen Raum außerordentlich wenig nutz­baren Hohkraum. Dazu kommt, daß reine Schmuckgegenstände zur Gewohnheit geworden sind, oft mit einem vorgetäufchien Zweck, etwa ein großer Uhrenaufbm:, in dem das eigentliche Uhrwerk eine Walze von fünf Zentimeter Tiefe und sieden Zentimeter Durchmesser ist. Nur zu, viele Ding« haben sich in unseren Wohnun-! gen niedergelassen, die eigentlich gar keinen; Zweck haben. Die Trennung von solchen Din­gen kann sehr wohl eine Zerstörung von Gefühls­werten sein, etwa, wo es sich um ererbte Ober durch lange Gewöhnung kiehgewordene 'Singe unserer Umgebung handelt. Aber nur zu sehr ist doch das Beispiel von Familien mit Ottern, ererbten Besitz äußerlich nachgeahmt worden bisj zur künstlichen AhnengOlefte. Eine Trennung von Meten Urväter-Lsusrat wäre vielfach durchaus ohne Einbuße an Gefühlswerten möglich. Der! ganze Osten kennt noch heute das Vollftopfe» der' Wohnungen mit Hausrat nicht. Alte Gebrmichs- geaenstände sind dort mindestens ebenso geehft wie bei uns. Hören wir doch, daß bie landes­üblichen Beutel, in denen in Japan die Teedosen aufbewahrt werden, mit Vorliebe aus Stoff-! stücken genäht werden, di« einst in den Kleider»; berühmter Männer saßen. Ebenso ist es mit den Waffen und viel anderem Gerät der Vorfahren.« Aber man breitet dort nicht alles vor den Augen aus. Man hängt nicht all« Bilder an die Wand, (das erfand bei uns die prunkende Zeit Karls des Fünften), fondern man bewahrt sie unter Verschluß auf und hängt sie an die Wand, wenn) man glaubt, Freude daran zu haben.

Können wir von der hohen Kultur der altenj Ostvölter lernen «-Was heute unserer Kultur ent-' spftcht, entstammt einer Zeit, die wir sonst nicht eben hoch schätzen: der ersten Hülste des neun­zehnten Jahrhuudefts, besonders der für die! Aeußerlühkciten des Lebens so wichtigen Zeit, Louis Philipps. Auch das Bürgertum versank,! nachdem es in der großen Revolution die Fesfeln, abgeworfen hatte, die ihm der Despottsrnus Lud-; wigs des Vierzehnten auferlegt hafte, bald in! sattem Wohlleben, wo nicht, tote in Deutschland, > die Armut nach den napoleonischen Sri egen das' hinaus schob. Diese Zeit der Reaktion schuf de»' Salon" des neunzehnten Jahrhundcfts, der auf;