Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
14. Jahrgang
Nummer 1
Di enstag, 1. Januar 1924,
Einzelpreis 15 Pfennig.
Einzelpreis 15 Pfennig.
kein Vorwörislommen mit Frankreich
Der Ausnahmezustand bleibt
Neue kommunistische Waffenfunde und Geheimverbande.
K. F. D.
der Not getan wird'
Kriegsbeute
Mittlerweile ist aber den
SW en bei dein Anwachsen der sranrösiscken Macht unbeweglich zu Afitte geworden, denn Frankreichs Waffenstärkr ist der britischen sehr
möglich erscheint, kann mit Zustimmung der obersten ReichSbehördc und des Reichsministers des Innern durchgehend gearbeitet werden.
Sefpannle« Drrvälini« zu rhüringen.
Berlin, 31. Dezember. (P rivattelegramm.) Zn Thüringen hat die Reichswehr in staatlichen Gebäuden geheime Waffenlager der Konnnuni- sten gesunden. Die Beziehungen des Reiches zur thüringischen Staatsregierrmg sind dadurch äußer stgespanni geworden. Jim Kabinett wird Vie Absetzung der thüringischen Regierung erneut erörtert. Der thüringische Ministerpräsidenr ist zur Rechtfertiguna nach Berlin berufen.
Die Nahrungsmtttelpreise
Regicrungsmaßnahmen zur Verbilligung. (Privat-Telegramm.)
tim die Saraniie.
Paris, 31. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) „Eckw de PariS" schreibt, daß die Beratungen im Kabinett über die an Deutschland zu gebende Antwort vorläufia an der Garantiefrage zum Stillstand gekommen seien. Die dertt- schen Zusagen müßten durch Sicherheiten der deutschen Industrie und des deutschen Kapitalismus gestützt werden, wenn sie Frankreich ernst lich behandeln solle. Die direkten deutsch französischen Verhandlungen seien vielleicht eine Gelegenheit, Frankreich diese Garantien zu geben und die Bedingungen auszuarbeiten.
lskdlanv« Vorschläge bedenklich k
Paris, 31. Dezember. (Privattelögramm- Der „Tcmps" meldet, das deutsche Memorandum über die wirtschaftlichen und Brrwaltungs- fragen des besetzten Gebietes ist General Degouette und Lberkommissar Tirard zur Begutachtung zugestellt worden. BiS jetzt liegt das Gut chten Tirards vor, das die deutschen Vorschläge für bedenklich hinsichtlich der Autorität der Rheinlandkommission erklärt, jedoch weiteren Verhandlungen nickst abraten will.
Berlin, 31. Dezember.
Die Konferenz im Rcichsernährungsmini- sterium über die Anpaffung der noch zu hohen Ladenpreise an die niedrigeren Erzen- gervr eise haben am Sonnabend mit einer Bespreckmnq zwischen dem ReichsernährungSmi- nifter und den staatliche«, Stellen der Wucher- Polizei begonnen. Das Ergebnis wird sich in den nächsten Tagen in einem verstärkten Druck auf die Preise auswirlen, nachdem die Mini fterielle Anweisung vorliegt, daß die Erzeugerpreise nur mit denjenigen Verkaufszuschlägen zulässig sind, die in der Vorkriegszeit als üblich angesehen wurden. Für den 3- Januar sind d>e Vertreter von Erzeugern, Großhändlern und Ladeninhabern in das Reick-sernährungSmiin- fterium geladen worden.
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Die omNicve Antwort.
Pari?, 31. Dezember. (PvrvatteÄyramm.) Havas meldet: Tie amtliche Antwort Poin carös, die zur Zeit noch den Besprechungen mit Brüssel unterliegt, soll heute dem deutschen Geschäftsträger in Paris übergeben werden. — Den französischen Mitgliedern der Tachverstäu- digenkommission ist mitgeteilt worden, daß die Prüfung der Frage der deutschen Leistungsfähig- keit nur in Verbindung mit der alliierten Finanzkontrolle den Interessen Frankreichs dienen könne.
Berlin. 31. Dezember. (Privattelegramm.) Wie der Reichskanzler in den letzten Tagen zu Abgeordneten mehrfach erklärt hat, ist zunächst an eine Aufhebung des Ausnahmezustandes im Reiche nicht zu denken. Die immer neuen kommunistischen Waffenfunde und die Aufdeckung immer weiterer kommunistischer Geheimverbände im Reiche lassen an großangelegte Pläne der Kommunisten glauben, weshalb die Aufhebung deS militärischen Ausnahmezustandes gegenüber dem Reiche nicht zu verantworten wäre.
NeujahrsgeSanken.
«ine deutsche Epistel.
Im Stundenglas der Ewigkeit ist ein Sand- körnchen ntedergerollt; die Vorsehung ist einen unmerklichen Schritt weiter gegangen; unS aber dünkt das vergangen^ Jahr eine lange und verstörende Nachtwanderung, daS neue Jahr kein rosiges, lächelndes Knäblein, sondern ein uneitt- rätselt. schicksaldrohendes Rornenangssicht. Der Hochkünder des deutschen Idealismus, Hölderlin, dem die versunkene Herrlichkeit AttikaS in seinem Hvverion Symbol für deutsche» Schicksal wurde, läßt Hhperion aus den Trmmnern einer großen Vergangenheit sagsn: „Ich liebe dieses Griechenland überall. Es trägt die Farbe meines Herzens. Wohin man sieht, liegt eins Freude begraben .. “
Wir haben die Feinde unserer Nation und irgend welche eigene Einrichtungen unseres Staates dafür verantwortlich gemacht, daß die Sorge und Not über die Gräber der deutschen Freude hinwegwuchtet, und d»r schwere Schritt der Zeit und ein unsagbares, zerfressendes, materielles Elend haben auch dem Einzelnen das Gefühl geraubt, sich selbst Gewicht zu fern aus der Wage des Schicksals. Nicht die äußerliche Not, sondern der Mißglaubc, daS Abendland und seine komplizierteste Geistigkeit, nämlich die deutsche Kultur ginge untsr, bat die Messer und Mäkler zu Bestimmenden gemocht. Mit Vcrglcicknen und einem Raketen feuer von Verstand sind sie am Innerlichen vorbeigegangen. Sie und wir haben katalogisiert und schd» marissert. Wir glaubten an den Verfall der Moral und des Religiösen, der Kunst und der Wissenschaft; der furchtbare Niedrrbruch nach einem blutigen Waffengang war wirklich Md Folge eines Nachlasscns dergeistigen Kraft der Deutschen gewesen, aber dieses Nachlassen war nicht plötzlich da, sondern seit Jahrzehnten
taiyetgenpreife GeschLstSanzeigen Zeile 15 Dfenntg, Familien.Anzeigen Zelle 10 Pfennig, Kleine Anzeigen baS Wort 21/, Pfennig, Reklamen die Zeile 50 Pknnia. Ostertg-bühr 10 Pfennig (bei Zusendung bet Offerten 20 Pfennig), Recbnungrbeträge find innerhalb fünf Tagen zu bezahlen. — Maßgebend ist der Kurs bei Zahlung3 tages. Für die Richtig, tetr aller durch .»ernsprecher aufgegebenen Anzeigen, lowie für Äufnahmedaten und Pläne kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Latz hundert Prozent Aufschlag Trnckerei: Schlachthvssitatze 28/30. Geschäftsstelle Kölnische Straße b, gegenüber der Spohrstraße. Fernsprecher Nr. 951 und 953.
Die veröeSlri, Machenschaften.
Berlin, 31. Dezember. lNrivattelegramm > vS'.h'Eis.tz M,
„Brbriterhilfe", wegeir wumlU-' cstischK^ Äiachsn- schaften geschlossen worden ist, hat der Preußi fchc Minister deS Innern die Nachprüfung der Geschäftsführung der Internationalen Arbeiterhilfe auch in Preußen angeordnet. In Holstein wurde bereits eine kommunistische Propagandtzabteilung der Internationalen Ar bcitcrRlfe festgestellt — In Hamburg sinv gestern im Bureau der „Arbeiterhilfe" Anweisungen der dritten Internationale in Moskau 6e- schlaqnahmt worden, aus denen hervorgelwn soll, daß die Internationale Arbeiterhilfe die Aufgabe hat, die in Deutschland verbotene kommunistische Partei unter anderem Decknamen neu zu organisieren.
überlegen und Poincarss ZersiörungspoMk der-» dirbt ihnen das Geschäft. Die englischen Wahlen Anfang Dezember waren die Quittung für Baldwins außenpolitische Erfolglosigkeit. Nun kommt voraussichtlich im Januar die Arbeiterpartei ans Ruder. Ihr Führer M a c d o n a l d hat schon ein Regierungsprogramm zurecht gelegt, das den Festlandsmächten gegenüber eine andere Stellungnahme Vorsicht. Dem französischen Irrsinn will er einen Damm setzen, Deutschland soll Gelegenheit zum Wiederaufbau erhalten und mit Rußland will er handelspolitisch anknüpfen. Seine Pläne sind wohl geeignet, den Frieden in Europa wieder herzustelleu. Es bleibt nur abzuwarten, was er davon zu verwirklichen in der Lvgc sein wird. Jedenfalls hofft man wieder einmal. Als einen Vorteil für ihn mag man verzeichnen, daß er wahrscheinlich bei Belgien und Italien Unterstützung finden wird, denen Poincarös Herrschsucht schon lange mißfällt. Ob er Amerikas Mitarbeit gewinnen wird, steht noch dahin. Zwar macht sich drüben auch eine günstiges Aussaffung über Deutschland geltend, doch ist amerikanische Denkweise unberechenbar.
Betrachten wir mm unsere Beziehungen zu den östlichen Ländern, so finden wir darin keine wesentliche Veränderung. Rußland hat noch Me Sowfetregietzmo mit dem doppelten Gesicht. Amtlich Berlin und Moskau die
diplomatische^ ,^-^chaft, die durch zunehmende wirtschaM, wV-Vt^ate Abmachungen ergänzt Wird. Pichtach, will, achen uns die Bolfchew- sten (fo; FHsnubsturm der Sowjetgesai-E'" die «r^'hntfetn Mette«, fördern dieKxcaan- mimistz, die. *vru dev c^d mit Geld r**es. BgH«»
Sachsens Regierungskrise.
Eine Auflösung des Landtags?
(Privat-Telegramm.)
Dresden, 31. Dezember.
Die sächsische Regierungskrise dürfte erst im Januar vielleicht durch eine Landtagsauflöfung ihr Ende finden. Die Mehrheit der sozial- vemokratischen Londtagsfrattion wünscht durch eine Koalition mit den Demokraten der Auflösung aus dem Wege zu gehen, und der Berliner sozialdemokratische Parieivorstand wirft auf die sächsische Mitgliedschaft dahin ein, daß Neuwahlen in diesem Augenblick vermieden werden müßten, selbst um den Preis einer großen Koalition mit Demokraten und Deutscher Volkspartei. Tie sächsische Landesorganisation der Sozialdemokratie steht aber in schroffem Gegensatz zu den Wünschen des Berliner Parteivorstandes. Die Landtagsstaftion ist nach früheren Organisationsbeschlüssen nicht berechtigt, ohne Befragung der Parteimitglieder in eine Koalition mit bürgerlichen Parteien einzugehen. Um diesem Konflikt zwischen den Parteiinstanzen ein Ende zu machen, soll am 6. Ja- nitar ein Landesparteitag der sächsischen Sozialdemokratie in Dresden noch einmal zu der Koälitionsfrage Stellung nehmen.
gesichts dieses' Mßbrauchs des Gastrechts kann noch kein Zmrauen auflommen. — Zu Polen! ist naturgemäß das Verhältnis schr zurückhaltend. Zwar haben Me polnischen Ueberfälle auf. gehört, aber das Unrecht, das mit der Entreißung deutscher Gebiete und der Vertreibung deutscher Staatsangehöriger geschehen ist, kann Deutschland nicht vergessen. Aehnlich steht es mit der Tschechoslowakei. Sie gibt Anlaß zu neuem Mißtrauen, da jetzt ein ftanzSftsch-tschechi- sches Bündnis abgeschlossen würbe. — Zu den Ländern des nahen und fernen Ostens sind unsere Beziehungen die gleichen geblieben, Me auf diplomatischen und Hanbelsfreundschaf- ten beruhen.
Zum Schluß wollen wir der privaten Hilsstätigkeit gedenken, Me hauptsächlich in den neutralen Ländern und besonders in der Schweiz, Holland und Schweden, ferner in Amerika im Laine des Jahres einen großen Umfang angenommen hat. Mehr erwünscht wäre es natürlich, wenn Me Mächte daraus hingewirkt batten, daß Deutschland endlich Gerechtigkeit widerführe und cs vom feindlichen Joch befreit würde, bann brauchten wir keine Wohltätigkeit an« zunehmen. Aber wie Me Sage nun einmal ist, nimmt das deutsche Volk dankbar Me Hilfe an und anerkennt alles Gute, das zur Linderung
Frankreich bleibt ablehnend.
Poincars will keine Verständigung.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 31. Dezember.
Die deutschen Verstäudigungswünsche finden keine Gegenliebe in Frankreich, und das „Echo de Paris" will wissen, daß Poincars wahrscheinlich die deutsche Rote vom 24. Dezember ablehncu werde. Tie deutsche Note, so bemertt das „Echo de Paris", beweise zur Genüge, daß bei der gegenwärtigen Geistesverfassung der Berliner Regierung (!) eine deutsch-französische Aussprache ein Ding der Unmöglichkeit sei. (?) Das Blatt betrachtet sogar den Abbruch der französisch-deutschen Besprechungen bereits als eine feststehende Tatsache. Wir werden daher heißt es weiter, nach unseren besten Kräften im besetzten Gebiet den Ausbau der wirtschaftlichen Orgaui- sattonen smtsetzen. Schließlich haben wir uns bei der augenblicklichen Lage der deutschen Dinge der Hoffnung hingegeben, daß uns aus dem unbesetzten Deutschland sofortwesentlicheBe- t r ä ge zur $>erf<l<c-5' gestellt würden. (!; Weiter beeiltet ta/ jWÖiT 0 „Strafe" für den Starr- 5>t7*tiee.»«M, auf eine unversöhnlich/ 'Haftung Frankreichs in der Frage der $T~ bensmittelanleihe vor. Man werde das Ergebnis der Arbeiten deS Berliner Garantie- nusschuffeS zunächst abwarten. Frankreich gedenke sich dann aber strengstens an die Klauseln des Dittats laut Paragraph 251 zu halten. Was die interalliierte Sontrolltätigkeit anbelange, so werde die Botschasterkonserenz auf einer ihrer nächsten Sitzungen über neue Maßregeln beraten, zu denen die widerspenstige Haltung des Kabinetts Marx die Veranlassung gebe. (!)
NeunstundentagberBeomten
Ein Erlaß der Reichsregierung.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 31 Dezember.
Für die Reichsbeamten hat die Regierung folgende Arbeitsbedingungen festgesetzt: L Jeder Beamte ist verpflichtet, seine volle Arbeitskraft in den Dienst des Reiches zu stellen. (Et hat die ihm übertragenen Arbeiten rechtzeitig und ohne Rücksicht auf eine festgesetzte Dicnststundenzahl zu erledigen. 2. Der Dienst ist in der Regel an der Dienststelle und innerhalb der vorgeschriebenen Tagesdienstzeit zu erledigen. Die Dienstzeit beträgt wScheut- l i ch mindestens 54 Stunden. Soweit der Dienst in bloßer Dienstbereftfchaft besteht, ist die Dienstzeit entsprechend zu erhöhen. 3. Dem Dienst an der Dienststelle und innerhalb der vorgeschriebenen Tagesdienstzeit ist die Teilnahme an Sitzungen, Besichtigungen und dergleichen gleichzustel- >en. 4. Die TageSdienstzeit wird von jeder Behörde nach Anhörung der Beamtenvertretung festgesetzt. Die Tagesdicnstzeit ist grundsätzlich in Vor- und R a ch m i t t a g s d i e n st zu teilen. Nur dort, wo aus zwingcuden örtlichen oder sachliche« Gründen eine solche Einteilung un-
Sin ZadresrückbNck.
IL Die äußeren Beziehungen.
Das Jahr 1923 war in außenpoliischcr Hinsicht für Idealisten eine ebensolche Enttäuschung wie die botangegangenen Jahre. Die hofften immer, daß die französische Zwangsmethode g-- gen Deutschland den Sinn für Gerechtigkeit tn anderen Ländern wachrufen werde. Gewiß gab es da und dort einige Stimmen, die sich für Deutschland einsetzten und das Verbreche der Bedrücker verurteilten, aber es blieb auch in diesem Jahre nur bei akademischen Erörterungen, die an der Wirklichkeit nichts zu ändern vermochten. Die Realisten dagegen haben nicht aus Wunder gehofft, da längst offenbar geworden war, oaß die G e w a l t h errs cht, die sich noch immer in den französischen Händen befindet. Von der Tyrann« befreien uns keine Schwärmereien der Pazifisten und keine Phrasen der roten Internationale. Immer wenn Mefe beiden Gruppen An Näherung sversuche bei den Völkern der Alliierten machten, erlitten sie eine M- fichr. Wir müssen «ns daran gewöhnen, oaß in jenen Ländern der nationale Gedanke an erster Stelle steht, die internationale Gemeinschaft aber erst bann gefördert wird, wenn sie der Ration Vorteile bringt. Diese Erkenntnis durchdringt, wenn auch spät, mehr und mehr das deutsche Volk Zwar ist es notwendig, daß von deuscher Seite aus Verbindung mit den el»e- maligen Feinden gesucht wird, denn wir haben ja leider kein anderes Mittel, um uns des Joches zu entledigen. Wenn wirklich in den len« D- ei".e Milderung , eingetreten ist. so
^ren^sehi realistische 'ÄÄ'ästünaen Itf "SeS' Eittenteregicrimgen die Beweggründe
Da infolge Ms Versailler Vertrags Deutschland im vollkommenen Abh ä n gi,g ke i t s - Verhältnis zu den Ententemächten steht, ist unsere Außenpolitik und sind alle Beziehungen zi-m Auslände bedeutsam für Deutschlands Entwicklung. Demgemäß werden die politischen und wirtschaftlichen Vorgänge im Innern in hohem Maße von außen beeinflußt. Rach wie vor ist es Frankreich, das in unsere Selbstbestimmung störend eingreift und den Wiederaufbau hindert. Die rechtswidrige Besetzung des Ruhrgebiets. Me den passiven Widerstand bcrausfor- derie hat das deutsche Wirtschaftsleben auf einen Tiefstand herabgedrückt, der für ganz Europa gefährlich zu werden drohte. Frankreichs Absicht geht unverändert dahin, D«itschland nie« Mrgebrochen und ohnmächtig am Boden sestzu- balien. Schon die Anzeichen einer Besserung sind geeignet, bei den Franzosen einen tollwut- (irtigen Zustand hervorzurufcn. Nur aus wirtschaftlichen Gründen bat man in Paris feit einigen Wochen eine Milderung im Ruhrgebiet zu- geffanben. weil der Niedergang Deutschlands die anderen Sirtber in den Strubel mit hinabzog, wodurch sich bte Stockung in Handel und Verkehr und danach die Arbeitslosigkeit auch auf sie ausdehnte. Poincars, der fon- derbarerweife noch ungehemmt fein Unwesen treiben und als Beherrscher Europas sich gebe» den darf, gab sich den Anschein, als sei er bereit, auf die deutschen Verhandlungsvor- schlüge, Me die Befreiung des Ruhrgebiets bezwecken sollten, einzugehen Aber durch hinter- bälttgc Verklausulierung wußte er jeden Versuch der Reichsregierung abrubiegen. Dabei wandte er wieder seine feit Jahren geübte Lügen- und Verbrehungsmethode an unb beschuldigte bte deutsche Regierung wegen des Mißlin- aenS. Tie letzten Tage des Jahres haben noch die Bestätiauirg gebracht, baß Poincars keine Verstänbigung mit Deutschland will. (Diebe die nebenbebettben Telegramme.) Würbe er auch biesmal feinen bösen Mllen durchsetzen, bann wären sMechte Ausn<chten für 1924. Aber schließttch wird fnne Perfidie eine Grenze erreichen, wo Me giftige Wirkung auf den Uebel- titter zurückfällt. Das Sinken des französischen Franken ist em vielsagendes Zeichen.
Es ist bercits die Entwicklung im internattonalen Wirtschaftsleben linverkennbar, daß die Verarmung Deutschlands den anderen Ländern Schaden bringt Der Handel mit dem Auslände ist f*arf zurückgegangen, was besonders von England imanaenebm entpftmden wirb. Mi- nisterprässbent B a l b w i n und Außenminister Curzon haben vergebens versucht. Poincarös verderbliche Politik zu wandeln. Sie haben amtlich Me Rubrbefeüimg als ein Unrecht erklärt und ans die schädlichen Folgen hingewiesen. Aber ihr Einspruch verlor an Dedeittung dadurch, daß sie selbst erklärten. Deutschland tfPt alle vom Vcr'a'ller Vertrag diktierten VerpNchtun- aen erfilssen. Außerdem waren ihre Argumente kchgn l«idenlabm. weil Poincars mit Recht ihnen entgegenbaften konnte, daß England ja fefbft den größten Gewinn aus dem Fricdens- kchliiß geilen habe. Die Triebkräfte bet Al- liicrtenvolftik sind eben der Schacher um die