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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 301

Einzelpreis 15 Pfennig.

Freitag, 28. Dezember 1923.

Einzelpreis 15 Pfennig.

13. Jahrgang

Kanzlerbotschast an alle Welt.

Untere Entwicklung.

Deutschlands Lage.

Nach den dahingegangenen Feiertagen stehen wir wieder im Alltag mit seinen politischen und wirtschaftlichen Sorgen. Man hat inmitten der finanziellen Ungewißheit die Hoffnng, daß wir uns durch die Stabilisierung der Preise unter der Rentenmark wieder hinaufarbeiten, und diese Hoffnung war der einzige Stern, der über diesen Weihnachtstagen lag. Der Wille zur Ar­beit ist der Weg zur Gesundung. Das Reich selbst hat die Folgen einer jahrelang ver­fehlten Politik nnd Wirtschaft büßen müssen. Es hat heute keinen Kredit. In der vorigen Woche bat der Reichsfinanzminister Dr. Luther nicht einmal die Beamtengehälter auszahlen können, obgleich sie niedrig genug sind; er hat ferner die Rentenbank um einen Kredit ersuchen müffen, da der Kredit von 1,2 Milliarden Rentemnark be­reits verausgabt worden ist. Die Rentenbank hat dieses Ersuchen abgelehnt, um nicht auch die Ren­tenmark in den Strudel der Inflation hinab­zureißen, und diese Härte gegenüber dem Fiskus ist ein Segen für die deutsche Wirtschaft. Der Fiskus hat trotz aller Sparsamkeitsgesten in sechs Wochen saft die Hälfte dessen ausgegeben, was das größere Reich 1914 im ganzen Jahre ausgab; er hat keine Einnahmen und hat, wie der einzelne Deutsche, nickt so viel, um von der Hand in den Mund zu leben. Die letzten Wochen und Monate, die in Parlamentskrisen und Par­teigezänk vergeudet worden sind, hätten dazu ge­braucht werden sollen, dem Staate Einnahmen zu verschaffen, die Reformierung feines Verwal-- f"w^cchvakateS in Angriff zu nehmen. Man hat solange um die Art der Reformen sich unterhal­ten ,bis die Katastrophe da war.

Ern solches System kann nur durch Zwangs­maßnahmen finanzieller Natur, wie sie die Ren- lenbank im Interesse der deutschen Wirtschaft vornimmt, ab geändert und durch ein besseres er­setzt werden. Wenn die Wirtschaft nicht wie­der in Gang kommt, ist der Staat dauernd lahm. Es geht nicht an, dieses System dadurch zu un­terstützen, daß man die Rentemnark der Infla­tion preisgibt nnd so die Wirtschaft abwürgt, jeden Einzelnen ober wieder der Rot nnd Sorge der Inflation aussetzt. Worauf es ankommt, ist, daß vor allem die Reichsbank in den kommenden Wochen durch eine gute Kreditgewährung der Wirtschaft die nötigen Mittel gibt, nm ihren Betrieb auszudehnen und mehr Hände zu beschäftigen. Nur von diesem Boden aus kanu die Gesundung vorgenommcn werden. Dann wird auch der Staat selbst wieder einen trag­baren Untergrund bekommen.

Unserer Rot Urheber ist das Frankreich des unsagbaren Poincarö. Die französische Machtpolitik hat in traditioneller Weise Raubbau getrieben; die Mittel, die sie durch Besetzung von Ruhr und Rhein zu erhalten hoffte, hat sie schon vorher den Staaten der Meinen Entente ge- liehG; dabei ist der Franken gesmcken, die Teue­rung i« Frankreich steigt. Aber die Zähigkeit und Verranntheit der französischen Politik zeigt sich unentwegt. Der deutsche Außenminister Dr. Stresemann hat einen Versuch unternommen, über die Fragen des deutschen Westens von Re­gierung zu Regierung zu verhandeln und die anonymen Faktoren ausznschalten, irie im Westen bisher unbevollmächtigt für das Reich verhandel­ten. Poincarö hat das Verhandlungs­prinzip angenommen, aber so viel Vorbe­halte aufgestellt, daß aus einer direkten Aus­sprache keinerlei Frucht kommen wird. Wer, wie 'Poincarö, Frankreichs Vorgehen im Westen und seine Politik gegen Deutschland, sowie den Ver­sailler Friedensvertrag, die EMscheidungen der Zkheinland- und der Revarationskommission von vornherein als unantastbar behandelt wißen will, der will ehrlich keine Besserung, sondern Beibe­haltung der Ursachen, die zum Ruin nicht nur Deutschlands führten. s

Fnzwistten- hat die e n glische Rsgiernng zäh weiter gearbeitet, um die Untersuchungsaus­schüsse über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands und die Höhe der privaten Guthaben der Deutschen im Auslande zusammen- zubringen. Sie werden ihre erste Vollsitzung wahrscheinlich am 4. Januar haben. Auch die italienische Regierung läßt jetzt verkünden, die französische Politik gegenüber Deutschland widerspreche den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Interessen Europas. Die Front gegen den französischen Wahnsinn scheint sich langsam zu stärken. Wichtig aber ist dabei daß der offi­zielle Vertreter Englands in der Reparaticms- kommifsion, Bradburh, von Baldwin, Asquith und von Ramsay Maedonald die Zusickerung er- hielt, die britische Reperationspolitik werde sich nicht ändern. Die größte Sorge Englands ist eben Frankreich. Deutschland, das auf Gerechtigkeit hofft, auf Auslandskredite, auf alles und jedes beginnt in diesen Sorgen und Erwar­tungen wieder sich aus sich selbst zu besinnen. Die Krisen in Thüringen, in Sachsen zeigen die Un­fähigkeit der alten, die Krise in Bayern die der dieSjShriern RovernLergröhe». Alles das wirbelt viel Depeschen und Gezänk auf. Der deutsche

Staatsbürger aber will seine Freiheit und sein Brot wieder ehrlich erarbeiten. Die wenigen Wochen, in denen die Rentenmark sich auswir­ken konnte, haben eins wenigstens gestärkt: Den Glauben, durch Arbeit bessere Zeiten mitheribei- sühren zu können. -dr.

Botschaft desRelchskanzlers.

Eine drahtlos ausgesandte Rede.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 27. Dezember.

Die in Deutschland zum erstenmale erfolgte Uebrmittlung einer Reichskanzlerrede auf dem Radiofunkenwege ging am ersten Feiertage abends vonstatten. Der Kanzler, der sich in An­wesenheit des Reichspreffechefs, Generaldirektor Spieker, i« die Räume der Radiosendestation be­geben hatte, trat dort vor das im ausgepolsterten Sprechraum angebrachte Mikrophon und begann sofort zu sprechen. Dr. Marx begann seine Rede damit, daß er auf das Weihnachtsfest in früheren Jahren hinwies, wo es in jeder Familie Ge­schenke gab. Geschenke für Angestellte und Arbei­ter. die Freude bereiteten nicht nur den Nehmern, sondern auch den Geber«. Heute gibt es in vie­len Häusern noch nicht einmal einen Weihnachts­baum, der früher felbst in den ärmsten Häusern brannte. Am Weihnachtstage wollen wir

dankbar derer gedenken, die Millionen der Aermften unseres Volkes eine warme Mahlzeit und ein Beisam­mensein in warmen Räumen unter dem WeihnachtLbaum g-gebe« haben. ELentz.^rS- bar müssen wir der edlen Menschen in Fenland nnd Dänemark, in der Schweiz, in der Tschecho- Slowakei, in Schweden wie in Norwegen, in Oesterreich und Amerika gedenken. Allen denen, die für das darbende deutsche Volk, für die Aerm­ften unserer Armen, die mit dem Hungertode und mit heimtückischen Seuchen ringen, Spenden ga­ben. haben wir z» danken. Zu danken haben wer auch all denen im Auslande, die für die deutsche Not Verständnis «nd Mitgefühl haben und wir gedenken auch! $n Weihnachten mit besonderer Herzlichkeit der Deutschen, die. wo immer auch sie ihre Existenz begründet haben, mit offenen Hän­den und offenen Herzen gaben, was sie geben konnten, und denken auch der Deutschen in den verschiedensten Weltteilen und in den deutschen Nach^irländcrn, die mit ihrer Liebestätigkcit ein so herrliches Beispiel gegeben haben, gerade jetzt, wo noch soviel Unwissenheit und soviel

Unkenntnis der deutschen Not

zu beklagen ist. Wenn wir, so fuhr der Reichs­kanzler fort, Briefe und Kundgebungen erhalten, aus den ehemals feindlichen Ländern, von Leu­ten, die einst felbst gegen uns im Felde gestanden haben, dann suhlen wir, daß trotz Verhetzung und trotz immer wieder geschürtem Chauv,«Is­mus der Gedanke des Wortes «Friede auf Erden" noch lebt Aber trotzdem ist

der wahre Frieden noch fern, allzu fern. Heute noch sitzen taufende und aber- taufende unserer deutschen Landsleut« in finsteren Gefängnissen, fern von ihren Angehörigen, ohne Weihnachten und ohne Weihnachtsfreude, weil sie ihr Vaterland nicht verraten wollten, weil sie es nicht fchädigen wollten, weil sie als Deutsche ihre P f l i ch t e r f ü l l t e n. Gerade unter den Lichtern des Wmhnackstsbaumes wollen wir auch derer gedenken, die für ihre deutsche Pflichterfüllung als deutsche Beamte ober Arbeiter zu Zehntaufcnden, oft in wenigen Stunden, oft auch nur in wenigen Minuten, ihr mühsam geschaffenes Heim verlassen mutz­ten, unter dem Zwange von Bajonetten und Maschinengewehren. Ferner gedenkt der Reichs, kanzlcr des deutschen Mittelstandes, der einst forAos Weihnachten feiern konnte, jetzt aber zufammengebrocheu ist, und fuhr dann fort: Bielen Familien von deutschen Angestellten, Be­amten und Arbeitern wird keine reine Wcih- nachtsfreirde zutell, weil Kündigung und Er­werbslosigkeit sie befallen haben. Anderthalb Millionen Vollerwerbslose besiuden sich im un­besetzten Deutschland und zwei Millionen Kurz­arbeiter. Autzerdcm zwei Millionen Erwerbslose im besetzten Gebiet und ebensoviel Kurzarbeiter. Die Gesundung der wirtschaftlichen Verhält, nisse hat nicht allein von innen heraus zu kom­men, ihre Sanierung ist im wesentlichen

durchHilfevon außen bedingt.

Das deutsche Volk und die deutsche Reichsregie- rnng wollen den Reparationsverpfiichtungen nach Möglichkeit nachkommen. Wir wollen, sagte der Reichskanzler, Reparationen leisten, soweit eS möglich ist und in unseren Kräften steht, wenn man uns friedlich in nnserem wirtschaftlickcn Produktionsgebiet Möglichkeiten läßt und ruhig und friedlich arbeiten läßt. Wenn man aber immer gewaltsam unsere Produktionsentfaltung an Rhein nnd Ruhr hindert, dann ist es uns nicht möglich. Reparationsleistungen aufzubrin­gen. Der Kanzler bekundete erneut den festen Willen zu ehrlicher und opfervoller Verstän­

digung. Mil uns richten sich die Augen ganz Europas, ja der ganzen Welt dahin, wo es sich erweifen muß, ob auch auf der Gegenseite der gute Wille zur Heilung der durch den Krieg und eine Folgeerscheinungen geschlagenen Wunden ebendig ist. Der Kanzler erwartet von den Krei­en, an die er sich wendet, nicht nur eine Aeuße- ruitg des Willens zur Verständigung, sondern endlich einmal eine Tat der Verständigung. Es gehe nicht nur um Deutschlands Not und Schicksal, es gehe um den Frieden und die Ruhe von ganz Europa. Zum Schluß fordert der Kanz­ler auf, zu arbeiten und nicht zu verzweifeln und sich nicht felbst aufzugeben.

Appell an alle Welt.

Die Reden dentfcher Führer.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Dezentber.

Durch das Mikrophon wurden die Ausfüh­rungen des Reichskanzlers Dr. Marx fofort auf den Telephonsender der Reichstelegraphcnver- waliung übertragen und somit nicht nur in dem­selben Augenblick in allen größeren Städten Europas, sondern, da die Witterungsverhält- niffe außerordentlich günstig waren, auch in Amerika gehört. Die Rede des Kanzlers war somit ein persönlich abgegebener Appell an die gesamte Welt und man kann sich die politische Tragweite einer solchen Rede für die Zukunft leicht vorstellen. Nach tem Kanzler Kanzler sprachen noch die Führer ter Koalitions- Parteien, die Abgeordneten Dr. Scholz (D. V. P.) Dr. Seisser (Zentrum) und Erkelenz (Dem.)

Wodtzelungene Llrdetmittrluug.

Es ist selbstverständlich für jeden, bet MM erstenmale vor dem kleinen Mikrophon steht, ein sonderbares Gefühl, wenn er ohne jede Mögliche leit, die Wirkung seiner Worte beurteilen zu können, zu sprechen hat. Bei ter Rede des Reichskanzlers bemerkte man keine Nervosität. Ter Kanzler sprach ruhig und langsam, sodaß die Uebermittelung vortrefflich gelang, was auch wenige Stunden später von allen Seiten gemel- bet wurde. Der Kanzler und der Parlamen­tarier ließen sich nach ter Rede unter sachkundi­ger Führung mit großem Interesse die Einrich­tungen-der RadioKition zeige».

Krise in der SozMlSemokmll?

Ein proletarisches Trauerspiel". (Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Dezember.

Die Krise innerhalb ter Sozialdemokratie beleuchtet eine außerordentlich pessimistisch ge- haltene Auslassung des Abgeordneten Ditr- rnann über" die Verhältnisse in Sachsen im Vorwärts". Dittmann nennt die Vorgänge, die seit Iaht und Tag dort vorgingen, ein proleta­risches Trauerspiel. Das sozialdemokratische Mnstetland Sachsen sei zu einem Tummelplatz parteizerstörender Treibereien politisch unreifer Elemente geworden. Ein hal­bes Dutzend RÄnckteure und ein halbes Dutzend Schullehrer beherrschen heute Presse und Orga­nisation der Partei in Sachsen. Sic beherrschen den Landesarbeitsausschuß und beherrschen a»fl) den letzten Landtag. Sie geben offen die Parole aus, dass der Partcivorstnnd. die Neichstags- fraktion und die Landtag-, fraktion von ihren Plätzen entfernt werden müßten. Vor den gröbsten Entstellungen nnd der gewissen­losesten Unwahrheit scheuen sie nicht M- tück. Um die alten Abgeordneten aus ihren Stellungen bei ten Gewerkschaften zu ver­drängen, wird die Verweigerung der Beiträge empfehlen. Verschiedene derneuen Herren" haben sich bereits als Reichstagskandidatcn oder als Landtagskandidaten proklamiert, darunter Viktor, der erst vier Monate in Sachsen ist. Kurz, alle Mandate sollen anstelle ter alten Führer mit diesenPartcierncurern" besetzt werden.

Der Düffeworser Irozeß.

Unter der französischen Willkür. (Privat-TelegiEM.)

Düsseldorf, 27. Dezember.

In der Verhandlung gegen die Schupo bean­tragte der französische Anklagevertretei Lelen für Dr. Grützner, der es fertig gebracht.ha­be, an einem Nachmittag so viele Opfer zu vcr- nrsau.en, wegen Mordes die T o d e s st r a f e, für die abwesenden Angeklagten Leutnant Be y - er. Obereutnant Bodenftein, Polizcftorn miffar Esser die Höchststrafe, d. i. lebensläng­liche Zwangsarbeit, für Oberleutnant Pohl ,ter die Hauptvernntlvortung trage, be­antragte er die Zwangsarbeit, cbenfo für Haupt­mann Pfeffer. Für Oberleusiiant Hübener und für Hauptmann Patzlack läßt "er Staatsan­walt die Anklage auf Totschlag faß.n, ebenso für Leutnant Bogt. Bezüglich der Schutzleute iÄer- läsit er die zu verhängenden Strafen dem Gericht

Angemessener preis.

Warenerzeugung und Verbrauch.

Sie Fr ge, wodu.ch Me Teuerung entstan­den ist und ob eine dauernde Derdilligung errettet werde» kmra» ist in den» narhitrpru. den Aussatz stutzlittz behandelt.

In Deutschland ist das Preisregulativ von Angebot und Nachfrage durch die künstliche Nie­derhaltung der Kaufkraft der Bevölkerung zum Tefl ausgesckalwr. Sehr normaler Bedarf wurde schon in großem Umfange vorhanden sein, wenn nicht die Geldentwertung uns zum armen Volk gemacht hätte. Infolgedessen ist der Warenum­lauf bei uns fo stark beschränkt, daß die Preise schon aus diesem Grunde erheblich höher fein, müssen, als im Ausland, wo diese künstliche Ber- branckerbeschränkung nicht besteht. Außerdem aber wird das Preisniveau in Deutschland noch dadurch verteuert, daß wesentlich mehr Men­schen. die sich in normalen Zeiten der Erzeugung von Waren gewidmet haben, heute als 'kleine selbständig^ Existenzen Handel treiben. Disie Wirkungen verstärken sich gegenseitig, denn erstens ist die Menge der zu verteilender Wa­ren außerordentlich tief gesunken, zweitens ist die Anzahl dck den Warenverkehr vermit­telnden Menschen, so außerordentlich ge­stiegen, daß auf jedes Quantum Ware eine erheblich

größere Unkoswn.uotc

fällt als in früheren normalen Zeiten. Das hat feinen Grund darin, daß seit dem Kriege Arbeit' nicht mehr normal bezahlt worden ist außer, wo sie ein selbständiger Unternehmer geleistet hat Infolgedessen wandte sich eine große An­zahl frühch im ProduW-msprozesi

Personen, die ein wenig Kapital verfügbar hat­ten. dem Handel M, andere ganz untergeordnete geschäftliche Unternehmungen erweitertey den Kreis dch von ihnen vertriebenen Waren und fo ist eine Fülle selbständiger HandelSimternehmun- gen entstanden, die die Konjunktur ausnützend, ihren Betrieb gut erweitern konnten, für die normalerweise m der Wirtschaft niemals Platz geworden wäre. Das sind aber alles den Wa­renverkehr so erheblich verteuörndtz Mo­mente, daß wir normale Preise für die gegen­wärtige Zeit nicht nach Dorkrietzspreisen, auch nicht nach dem Weltmarktpreis bemessen könn-n, sondern, daß wir auf Grund der angeführten Tatsachen über dem Weltmarktpreis produzieren müßten, wenn nicht auch ver­billigende Momente vorhanden toälAt. Die e'aene landwirtschaftliche Produktion ist dadurch verbilligt worden, daß die großen Hypothekenkapitalien keine Verzinsung mehr er- baltön. die dem früheren Aufwand dafür ent­spricht. daß im Gegenteil die landwirtsckaMcken Hypotheken mit entwerteem Gelbe obgestoßen sind und die Lasten hierfür nich mehr in den Er- zchlgunqskostew- enthalten sein können. Auch sonst sind

in der Produktion reale Verbilligungen zu verzeichnen. Wir woll'en von den lange Zeit unternormalen Preisen damals, als man in Deutschland für 1 Dollar die Woche gut leben konnte, abscheu, und wollen nur in Rechnung ziehen die Verbilligung, die durch t4e Aufhebung des Mietszinfes entstanden ist. Das macht sehr viel aus, infolgedessen könnte auch unsere in­dustrielle Produktion unter dcim Weltmarkt­preis liegen, wenn nicht gerade diese Konstruk­tion der' Wirtschaft einen erheblichen Vertäue- rungsfa'ttor enthielte: Denn gerade dadurch, daß die Kapitalbesitzer keinen Zins erhielten, ist ter Verbrauch so stark reduziert, daß die Berbilligung weit mehr als ausgeglichen ist. Au ckdas zinsbringende Kapital hat nämlich in der Wirtschaft eins außerordentlich große Beden, iung. Werden die Zinsen thesauriert, so wer­den sic normalerweise in die Wirtschaft wieder hineingesteckt, erweitern die Produktionsanlage«, bildest das Kapital, auS dem technische Erweite- rungen und Neuerungen, die zur Verbilligung beitragen, entstammen, oder das Geld wird ver­brauch, das heißt, es ermöglicht die Verbilligung, der Produktion in anderer Beziehung, der Ab­satz wird größer und aus diesem Grunde das Stück billiger. Alle diese belebenden und tretfcnben Elemente

fehlen in uuferer Wirtschaft, die aus diesem Grund« so unproduktiv ist. Nu« kommt hinzu die Erweiterung des Handels. Hieraus hat man sich die großen Preisspannen zn erklären die man im Frieden nickt gekannt bat und man erlebt das merkwürdige Schau- spifl, daß, obwohl der Erzcstgerpreis wesentlich unter dem Friedenspreis liegt, die Ware, so­bald sie an den Konsumenten kommt, trotzdem erheblich teurer ist Man mag alle diese Tin­ge, von dem ehtgefnen Jntereffenstandpuntt ge­sehen. wobl verschieden beurteilen können, in­dessen im Hinblick aufs Ganze kann keine Mei- nungsvcrMedenbeit bestehen. Aller Besitz und aller Ertrag in DöutMmrd bildet in Summa das Bclksvermög««. In jedem Warenumlauf oebt ein Stück des DolksvcrmöaenS verloren