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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Dienstag, 25. Dezember 1923.

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13. Jahrgang

Kein Entgegenkommen Frankreichs?

Eine Rede Poinearös. Verdrehung der Tatsachen. Das Versailler Diktat und die Ruhrbesetzung bleiben.

Weihnachten.

Das liebliche Fest der Grazie.

Von

Artnr Brausewetter.

Grazie ist ein lateinisches Wort und heißt Anmut. Zugleich aber heißt es Gnade Weihnachten ist das Fest dckr Grazie wie kein an­deres. Und zwar in beiderlei Beziehung des Wortes. Es fällt einem nicht leicht, in Tagen wie diesen von der Grazie zu reden.' ist alles so ernst, so schwer, so wmhttg. Aber wenn Weihnachten naht, ist auch die Grazie da und b-reitet ihrs Sonnenschwingen weit, weit in das Land, das bis dahin dunkel war. Grazie liegt schon über dem eigentlichen Weihnachts­bilde. Es ist ein so einfaches Motiv, ohne jeden Schmuck und bildnerische Zutaten, ledig­lich durch seine schlichte Anmut wirkend: die Mutter mit dem Kinde auf dem Schoß. Die ältesten Zeiten der abendländischen wie der morgenländischen Kunst haben es gebildet, oft in wundervoller Naivität und Harmlosigkeit: das eben geborene Kind in Wiege, Krippe, Bade­wanne. Die Skulpturen eines Nicolo und Gio­vanni Pise, die Bilder eincks Duccio und seines Schülers sind bei allem Ernst der Anffaffung und Darstellung von dieser rührenden Anmut erfüllt. Gerade die Vereinigung von Ernst und Grazie macht uns dies Motiv so anziehend. Verfolgen wir seine künstlerische Darstellung weiter bis zu den bereits von modernem Empfinden getrage­nen Schöpfungen Raffaels, Corregios, Palms Vechios, TintorettoS, Paolo Veronescs. n>« lasaues, Murillos und Rembrandts, so beginnt jich das einfache Motiv ans dem rein Anmutigen und Natürlichen zu dem Ergreifenden zu entwickeln, das bald mit stiller Wehmut, bald mit Nackender Gewalt zu uns spricht.

Ein neuer Zug tritt hinzu: der einer ahnungsvollen Schwermut im Antlitz der jungfräulichen Mutter. Ein Schwert gebt durch ihre Seele, wenn sie auf ihr Kind blickt, das jetzt geborgen auf ihrem Schoße liegt und später einen so schweren Leidensweg zu gehen berufen ist. Aber auch dieser Schmerzenszug ahnungsvollen Vorhersehens hat uns in einer Zeit wie dieser viel zu sagen. Selbst Weihnach­ten, diesem Fckst der holden Freude, kann eine Mutter ihrem glückersüllten Kinde nickt ohne dies Empfinden ahnungsschwerer Wehmut in die Augen schauen: in eine wie ernste, vielfor­dernde und vielnehmende Zeit hinein sie es ge­boren, welche harten Kämpfe und Aufgaben sei­ner harren. Es gibt eine wolkenlos heitere, eine frohsinnliche, ans der Antike geborene An­mut Aber auch eine von nachdenklichem Ernste, von gehaltener Trauttgfckit getragene, sie ist die A n m u t des Wethnachtsbildes, das die K u n st, mit der Kirche sich vermählend, geschaffen.

Selbst die Kirche, die göttliche, stellt nicht Schönercks dar auf dem himmlischen Thron; Höheres bildet

Selbst die Kunst nicht, die göttlich gebor'ne, Als die Mutter mit ihrem Sohn.

Auch die Zeichen, mit denen wir das Weih­nachtsfest schmücken, sind von sein symboli- fcher Grazie: die gründunkelnde Tanne als das Abbild vom immergrünen Baum des Lebens, dis Kerzen, die wir an ihr entzünden, als die Lichter hinweisend auf den Urquell alles Lichtes, das Lickt aus Gott geboren. Die Gaben, die wir aufbauen, die Geschenke, die wir senden, die Arbeiten, die wir fettigen, allcks das ist vom Hauch der Anmut umweht. Selbst in dem weih­nachtlichen Dufte, der Stube und Haus durch­zieht, liegt eigenartige Grazie.

Aber Weihnachten ist Ehr als alles das Fest der Liebe. Und hier erst offenbart sich der eigentliche und tiefste Sinn des Wottes g»acia. Gnade, suchende, lockende, alles gebende Liebe schließt er in sich ein, strömt er aus sich heraus, frei und ungezwungen, fteudig und schöpferisch spendend. Es ist sonderbar, daß so viele Men­schen mit diesem schönsten und tiefsten aller Be­griffe bis in ihr hohes Attest hiaein nichts anzu­sangen wissen. Des sind Menschen, die nichts erlebt haben. Arußerlich mögen sie viel estlebi haben. Innerlich sind sie arm und leer geblie­ben Denn dis Gnade kann man nicht erlernen oder sich auf dem Wege der Erkenntnis aneig­nen. Erleben nur kann man sie, und erst der ist reich, der sie erlebt hat. .Sie segnet den, der gibt, und den, der nimmt. Sie ist ein Attribut der Gottheit selbst," sagt einmal Shakespeare von ihr.

In keinem Volke liegt der Zug zu Gott so unbewußt und lebensstark zugleich wie in dem deutschen. Keinem ist das Wott Augu- sttns so zur inneren Wahrheit geworden: .Du hast uns, Gott, geschaffen zu Dir. Darum ist unser Herz unruhig, bis es ruhet in Dirck Aber auch in feinem anderen so die Sucht, zu grübeln, zu zerfetzckn und sich skeptisch zu verschließen. Je älter wir jedoch werden, um so deutlicher erken­nen wir, daß all unser Grübeln und Forschen

Patts, 24. Dezember. (Eigener Drahtbettcht.) P o i n c a r e hielt gestern bei Gelegenheit der Neberreichuna des Kriegskreuzes an die Ort­schaft Courneuve eine ftirze Rede. Nach einer historischen Einleitung erklärte er die Borge, schickte der R u h r b e se tz u n g, um sich dann der finanziellen Lage Frankreichs zuzuwendcn. PoincarS aerteibigte seine Regierung gegen den Vorwurf, die Ruhrbesetzung sei Schuld an der Teuerung in Frankreich. Im Gegen- teil, sagte er und fuhr dann fort: Dieses Nebel, an dem Frankreich leidet, ist in der ganzen Welt vorhanden, wenn auch mit verschiedenen Graden der Stätte und Gefahr für die einzelnen Länder. Die finanzielle Notlage ist eine Folge des allgemcnen Umsturzes durch den Krieg, der Vernichtung der Reichtümer infolge des Krieges und der Verlangsamung der Produktion. Diese Notlage könne nur durch Arbeit und Euer, gie und Sparsamkeit wieder behoben wer. den, aber, da diese drei Eigenschaften echt fran­zösische Tugenden seien (?) sei er

über Frankreichs Zukunft beruhigt.

Ohne die Besetzung der Ruhr wäre die sinan- ziekle Krise viel stärker geworden. Frankreich sei das Land, das von allen Rationen die meisten Menschen im Kriege verloren habe nnd Fra: - reich könne fick nur durch den Wett seines Kre­dits wieder erheben. Der Kredit F. ' eicks stütze sich gleichzeitig ans die Bedei,.ang seiner materiellen Hilfsmittel im Augenblick und in der Zukunft. Auch moralische Elemente feien es. dir auf das Vertrauen für Frankreich nach misten Einflust haben. Diefes Vertrauen würde durch einen Verzicht auf die Rechte, die Frankreich uns dem Verfailler Verttag zustehen, erfchüttett wer.

zuletzt doch nur ein Pochen an verschlossene Pforten ist. Weihnachten, wenn die große, im Rausch und Kampf des Lebens nicht gekannte Stills um uns ist und nur die frohfrommen Lieder unserer Kinder sie unterbrechen, dann er­wacht wohl etwas von dem heimatlichen Klang, von Kindheit an gewöhnt, dann erleben wir vielleicht eine Ahnung von dem tiefeti Sinn der suchenden Gnade, und durch die bewegte Seele geht es wie weckendck Dämmerung. daß wir ohne sie nicht leben und uns entwickeln, ohne sie we­her uns noch andere überwinden können, daß Gnade nicht nur ein Attribut der Gottheit, son­dern ckin notwendiges Attribut unseres mensch­lichen Seins und Suchens ist. Was anderes ist diese blaue WundeMimie als die Gnade, die sich Weihnachten dem Su 'enden entfebfeiert, die verborgenen Tiefen des Lebens erschließt und nie geahnte innere Schätze spendet? Als das Fest der großckn Liebe wollen wir auch diesmal Wechnackten feiern, seiner holden Anmut uns freiten, seiner bezwingenden Lebcknsoffenbarung mit stiller Dankbarkeit und neugewonnenem Mut Mts hingeben.

Wcklt ging verloren, Christ ward geboren, Freue, freue dich, o Christenheit!

Deutschland und Frankreich.

Der deutsche Vertrtter bei Poincarö.

(Privat-Telegramm.)

Bettin, 24. Dezember.

Die Montagsztttung schrttbt: Der heuttge Be­such des Herrn von Hoesch bei PoincarS stellt einerfeitS die Fortsetzung der bereits vor einer Woche begonnenen Aktion der deutschen Re­gierung zur Wiederaufnahme der direkten Be­sprechungen zwischen Berlin und Paris dar, andererseits den eigentlichen Beginn der sach­lichen Auseinandersetzung über die Rhein- und Rnhrfrtrge, nachdem der erfte Schritt erst eine Fühlungnahme über die Möglichkeit einer sol­chen Aussprache überhaupt bedeutet hatte. Die beiden Reden die Poincarä seitdem hielt, bewei­sen, daß der französische Ministerpräsident offen­sichtlich die Absicht hegt, den deutschen Absichten S ch w ieri gleiten in den Weg zn legen.

tim ten ^otsKafkrpostku.

Berlin, 24. Dezember. cPttvattelegramm.) Im Zusammenhang mit der Aussprache zwischen Herrn v. Hoesch und Poiucarü wird auch die B o tscha ft e t fr a ge in aller Kürze ihre Er­ledigung finden. Der Namen, die für den Pariser Botsckafterposten genannt werden, sind sehr viel, redoch können angesichts der begretslicken Ver­schwiegenheit der Berliner Stellen keine Angaben gemacht werden. Rur soviel scheint sicher zn fein, daß angesichts der großen Aufgaben, die biefer Botschafter zu erledigen hat, die Besetzung des

den. (!) Poincarö wandte sich dann dem passi­ven Widerstand zu unb meinte: An ber Ruhr wie an ben Ufern des Rheins

t)at ber Widerstand ausgehört.

Die beutfdjen Arbeiten drängen sich zur Arbeit, die Eifenbahner treten mit Freude in ben Dienst bet französisch-belgischen Regie (?) unb bte beutfchen Industriellen haben Abkommen mit den französischen Ingeieuren unterzeichnet, die deutsche Regierung selbst aber schlage Unter- Handlungen vor. Wir sind nochnichtam Ende des WegeS, sagte PoincarS, aber wir nähern uns ihm mit federn Tage. Das Wesent­lichste ist, daß wir nichtdavon abweichen nnd keinen unserer leitenden Grundsätze aufge- ben, uns auch nickst von dem Versailler Vertrag entfernen. Wir machen

keine netten Zugeständnisse, weder hinsichtlich der Wiederherstellung noch un­serer Sicherheiten! Im wetteren Verlauf der Rede ertlärte Poincars: Wir stehen im Ruhr­gebiet und werden nur gegen Bezahlung hetattsgehen! Indern wir für Frankreich kämpfen, kämpfen wir für die Gerechttgkeit unb ben Frieden ber Welt. (?) Frankreick hat keine weiteren Gelüste. ES hat die verlorenen (?) Provinzen roieber erhalten unb seine alten Grenzen wicdergeftmden. es Hot ein Kolonial- ttich'mrd steht hoch in der Achtung der Welt durch feine Gegenwart unb feine Vergangenheit. (?) Es erwartet von einem Kriege nichts. weder für morgen noch für später. (FSfemrt die Strei­ten be§ Krieges und hat keinen anderen Ehrgeiz als zu einen Frieden unb die leitende Mensch­heit zu dem Adel der Arbtti und der Freude znrückMsühren.

Postens mit einer in wirtschaftlichen Fragen er­fahrenen Persönlichkeit erfolgen dürste.

tim Deutschlands Lage.

Untersuchung des Garantie-Ausschusses.

(Eigene Drahtmeldung.)

Patts, 24. Dezember.

Der Garantteausschuß beschloß, seine Bettre- tung in Berlin aufzufordern, raschestcns gewisse Auskünfte über den Ernährungszu­stand in Deutschland zu liefern. Der Aus schuß wird feine» Bericht in Kürze je nach der Entscheidung ben Alliierten ober der Reparatt- onSkommkssion übermitteln. Die englische Presse bringt auf schnelle Erledigung der Ver­handlungen. Dail«, News schrttbt, was Poincars auch immer beabsichtige, die netten englischen Vertreter im Reparationsausschuß meinten es ruf jeden Fall ernst, baSfeiöe könne auch von dem amerikanischen Delegierten Mawes. einem Manne von stackem Charakter und starker Ent-, fchloffenh it, getagt werden Man könne daher erwarten, daß keiner dieser Borirtter sich mit ttner Schein Untersuchung abspeisen las­sen werde ober mit einer Untersuchung, bte in ihrer Reichweite so beschräntt sei, baß ihre Ergeb­nisse keinerlei prattische Bedeutung haben könnten.

DieLWdwgskrsseinBuyern.

Ein Antrag aus Auflösung. (Privat-Telegrtmrm.)

München, 24. Dezember.

Die Bayerische Volkspartei wirb in bent sunt 28. Dezember einberufenen Landesansschuß An­träge für ben Verfaffnngsriusschuß des Land­tags einbringen ,die eine beschleunigte Sand- tagsauflösung auf dem Wege des Bolks- begehrons unb bie «enberung des Paragraphen 92 ber bayerischen Verfassung bezwecken. In dem Ausruf ber Bayerischen Volkspartei heißt es u.a.: Der gegenwärtige Landtag hat durch feine beidm letzten Sitzungen ben letzten Rest von Autorität eingebüßt. Der Landtag hat sich im Augenblick der dringendsten Staatsnvt- wenbigkcitm als absolut arbeitsunfähig erwie­sen. Der Landtag hat durch fein Vorgehen bei gegenwärtigen Koalitionsregierung den Boden zur Existenz entzogen. Darum muh biefer Land­tag unter allen Umständen fn rasch wie möglich aufgelöst werden. Nachdem es durch ben Landtag selbst nickst gelungen ist, weit der Antrag der Bayeriscken Volkspartei abgelehnt wurde, nachdem Bayern keinen Staatspräsidenten besitzt, der ihn auflöseu könnte, muß Bayern das ein­zige noch mögliche Hilfsmittel miroenbtn. ihn arrfznlösen: das ist das Volksbegehren.

Tannen und Kerzen.

ie Weihnacht«« la« «»fülle« in ber ganze» Christenheit die Menschen mit einer gemüt­vollen Stimmung. 0d Nord ober «Sb, Oft oder West, kitfe Tag« sind 6er Ruhe unb Einkehr geweiht. Mau schreibt un«.

Aus dem Solling.

Der Solling, dieses weltentrückte, waldum»' hegte Gebiet zttnschen Leine uno Weser, hat von altdeutschem Brauch und Wesen noch sehr vieles bewahrt, was sonst die moderne Zeit bereits hinweggefegt, und es ist daher eto reicher Schatz unverfälschten deutschen Volksttims, dcks Hein­rich Sohnrey in seinem WettSie Sollinger" aus diesem Jungbrunnen geschöpft hat. In dem Weihnachtskapitel ersteht vor uns ein liebes, ge­mütvolles Bild jener Innigkeit, mit der deutscher Geist dies Fest erwärmt und verklärt hat. Einc'n Niklaus oder Rupprecht kennt man im Solling nicht, wohl aber kommt am »Hilgen Abend" der Hille Christ" in die Häuser und läßt die Kinder beickn. Allerlei Kinderreime erzählen von diesem großen Augenblick, so z. B.Lieber Heit­ger Christ, Komm, wenn's Weihnachten ist, Bring uns gute Gaden, Pfeffernüsse und Ho­nigkuchen, Aber keine Birkenrittckn." Bei dem Erscheinen desHille Christ" kommt es manchmal zu drolligen Austritten. So rief ein Junge, ber in seiner Angst nicht gleich auf den Anfang des Gebets kommen konnte, mit weinerlicher Stim­meMutter, gift micht Bank (Fibel) her!" Ein anderch, der noch etwas Uebriges tun wollte, rief:Herr Kreskind, häirt Sei duffen auf mal giern?" (Christfind, hören Sic diesen Gck'ana- vers mich mal gern?) und dann betete tjr:Asse. Menschen müssen sterben, alle® Fleisch" Vergebt wie Herr." Bevor die Kinder in der Christnacht zu Bett gehen, stellen fick irdene Teller vors Fenster, und sind beim Anbruch des heiligen Tages entzückt, wenn sie da Backwerk, Achsel, Nüsse, wohl auch ein bimies Halstuch ober ein Sckreibbuch vorfinden.

Bei dem Umzüge desHille Christ" ging es früher recht lebhaft her, da der Weihnachts­mann in feiner Verfleidnng, mich noch von an­deren Maskierten begleitet, gar zu derb auf- trat Da ist es selbst im Solling zu manchem Zusammenstoß mit derneumodischen" Zeit ge­kommen. So stellte ein Mädchen, das nicht beten* wollte und dafür von demHille Christ* nach alter Gewohnheit mit der Fitzes ritte be­straft wurde, ihrerseits Strafantrag bei Gettcht, imb das allzu eifrige Christkind wurde zu einer Geldstrafe von 1000 Mark, und zwar 1000 Mark Friedenswert, verurteilt. Der Tann e n - bäum ist erst in neuerer Zeit als Christbaum nach dem SoMnq gekommen, und zwar durch dievornehmen Leute", wie die Alten erzählen. Später kam der Baum auch in den Kirchen auf, und heut ist er überall im Solling zur festen Sitte geworden.

Der abergläubische Zauber der Christnacht ist hier noch sehr lebendig. So glaubt mau fest an den Segen des in dieser heiligen Zeit ge­schöpften Wassers.Wenn man stck in der Christnacht untern Sußapfelbaum setzt, dann kann man die Engel im Himmel singen hören.* lautet ttn Spruch, aber die jungen Leiste hö­ren nichts mehr. Dor dem Kttege war es noch Sitte, daß sich die jungen Leute am Chttstahcknd in der Wirtschaft versammelten nnd von da au£ um 10 Uhr mit dem Nachtwächter durchs Dorf gingen, um die alten Wckihna ch t sgesänge anzustimmen. Der Nachtwächter tutete mit sei­nem uralten Horn die zehnte Stunde, und dann sangen die jungen Seite das Lied aus dckm Ge­sangbuchErhebet Gott den Fromnwn". Ein« sagte den Tett vor und ein anderer hielt die Laterne. Um elf Uhr mußte der Wächter zwei­mal tuten, und es wurde gesungenMein Schöpfer stehe mir bei* und vm 12 Uhr das SiebDies ist der Tag, den Gott gemacht*. Am Weihnachtsabend fammelt sich die Jugend in dm Spinnstuben, die einzelnen Jahrgänge im­mer für sich. Dann wirdNawer* (Nachbar) gespielt und auch getanzt, wobei ein Bursck auf dem Kamm bläst und ein anderer da§Drei­bein* dazu fchlägt. Der Müßiggang, am dritten Weihnachtstagc brachte natürlich das junge Dolf auf allerlei Allotria. Man berffeibe'te sich, zog im Dorfe hemm und sammelte Würste ein, die an eine von mehreren Burschen getragene lange Stange gehängt wurden. Ein origineller Brauch, der an diesem Tage geübt wird, ist das Abba.neu alter dürrgewordener Obstbäume oder Pappeln, und das war die einzige Arbeit, die erlanhf war. Auch an den übrigen Tagen der Weibnachtswo- cke rubt dick eigentliche Arbeit; nur das Vieh wird selbstverständlich Wie immer versorgt. O.K.

* * *

Aus München.

Man hat hier in den letzten Tagm die Hoff­nung genährt, daß nun eine wirtschaftliche B e s- ferung kommen werde, lleberall im Reick wird ja der Hebel zu einet Besserung der Lage angelegt: die Stillegung bet Notenpresse, die Einführung der Rcntenmark, die den Menschcki»