Nr. 271.
Dreizehnter Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrlchtes
Beilage.
Dienstag, 20. November 1923
in
17)
Für neue Leser
Ich fuhr nach Lorbacb zurück uni, bßeb in meiner gramerfüllten Einsamkeit. Aber ich ließ Erkundigungen über Dich einziehen und freute mich, zu hören, daß Du ein Viann von vornehmes Gesinnung und voll strebsamer Tüchtigkeit warst. Mir wurde berichtet, daß Du, weil Deine Mittel Dir nicht erlaubten. Landwirt zu sein, Deine Lebensaufgabe dann sahst, landwirtschaftliche Maschinen zu bauen, die dem Landwirt bie Arbeit erleichtern. Vor einigen Tagen sprach mir mein Verwaltest davon, daß Du eine epochemachende Erfindung gemaciu hast. Durch Zufall batte er dgz Modell derselben in Berlin gesehen. Er sprach mit Begeisterung davon, und ich habe sofort hch der betreffenden Aktiengesellschaft eine solche Maschine in Auftrag geaeben.
Ne wird künftig den Grund und Boden be-
4 vor __ ____
♦ lehnt seine Werbung ab, trotzdem ihr Herz i anders fühlt. Hans erklärt, daß er Anita J
| übeallhin folgen werde. Seine Erfindung | I wird angenommen, gleichzeitig macht Hans a f eine reiche Erbschaft. Er verabschiedet sich " | in Villa Friesen. |
«kutschr Triumphe fn der Lust.
Wie ein Pariser Matt meldet, ist ein Junkers- Flugzeug, das in ein Automobil ummontiert werden kann, in zwei Tagen von Neapel nach Madrid geflogen. Das Flugzeug, das nach dem Ausstieg in Neapel zuerst im Hasen von Castilliano auf der Insel Sarnos landete, setzte die Fahrt über das Mittelmeer nach Tal- mar fort; von hier aus ging es weiter nach Barcelona. Hier wurde das Flugzeug zum Automobil und rollte Wer die Landstraßen nach Madrid, wo die Reise ihr Ende erreichte. Die Füh- rer des Flugzeuges waren der deutsche Flieger Frantz, sein Begleiter der Mechaniker Kaszienfli.
verlangte Seifenpulver. Natürlich umsonst! Sie wurde fortgeschickt mit dem Bemerken, erst die Glaceehandschuhe abzulegen. — In einem anderen Geschäft erschienen zwei Frauen am folgenden Tage, entschuldigten sich bei dem Inhaber vielmals, aber sie hätten tags zuvor bei der Verteilung nicht da sein können, hätten so nie abbekommen, und man möchte ihnen nun he —, geben. — Ein größeres K aufhaus wurde von Frauen und Halbwüchsigen gestürmt. Kaum war ein kleiner Trupp in den Geschäftsräumen, da schloß sich die eiserne Tür, und die Plünderer waren gefangen. Ter Schreck ging einer Frau so in die Glieder, daß man ihr Stuhl und Wasser reichen mußte. Die anderen baten tränenden Auges um ihre Freilassung, die ihnen daun auch durch die Hintertür gewährt wurde.
Aus dkk Heimat.
«Sroßfeuer.
Ein reich gefüllte Scheune ejngeäschert.
Aus Schmillinghausen in Waldeä ivird gemeldet: In der Scheune des Landwirts Gebiecke-Dirke brach Feuer ans. wodurch alle landwirtschaftlichen Maschinen, die ungedrosche. ne Frucht, sowie die Heu- und Strohvorräte verbrannten. Infolge der Hilfe der Nachbarfeuerwehren. unter denen auch Arolsen und Nhoden vertreten waren, gelang es. das Wohn- haus un ddas Nachbargeb Lude zu retten, während die Scheune ganz niederbrannte Der Stall blieb zur Hälfte stehen, sodaß das Weh dort wieder untergebracht werden konnte. Auch der Fürst hatte der Arolser Feuerwehr ein Gespann zur Verfügung gestellt.
Aus aller Wett.
Der surft und dir Dollarwttwe.
In Newhott erregt ein Entschädigungspro- zeß großes und peinliches Aussehen, den die Gattin des Fürsten Nikolas von der Lippe gegen ihre Schwester Gertrud Schrö- d e r, eine in der Newporker Gesellschaft sehr bekannte und sehr reiche Witwe, angeftrengt hat. Die Fürstin von der Lippe hat den deutschen Adelssprossen im vorigen Jähre zum Gemahl genommen, nachdem sie als Frau Philippine sich durch ihre Fürsorge für kriegsverstümmelte Soldaten einen guten Namen in der amerikanischen Oefstntlichkeft gemacht hatte. Der fürstliche Gatte scheint aber auch auf seine Schwägerin, jene obenerwähnte Frau Schröder, en en sehr tiefen Eindruck gemacht zu haben. Wenigstens behauptete die Fürsten von der Lippe, daß ihre Schwester mit Erfolg den Versuch gemacht hatte, ihr den Mann abspenstig zu machen. Ihr Manu hat sie nämlich in Begleitung der Schwester böswillig verlassen. Der Prozeß beweist, daß man in Amerika gesct genug denkt, um auch solche Herzensangelegenheiten mit Geld abzumachen. Die Schadenersatzklage rautet auf 20 000 Pfund (400000 Gold markst Die Amerikanerin will sich also ihren gewiß teuren Gatten nun wenigstens auch teuer bezahlen lassen.
Paketen ist in die Wege geleitet, trotzdem die Not Ungarn selbst sehr groß ist.
mit hundert weißen Köpfen von Gänseblümchen iestgesteckt, funkelt in falscher Frühlingshoffnung. Die zitternden Wasserspiegel zwischen den schmalleibigen. engbrüstigen Wiesen sind betupft mit weißen Möwenflügeln und grünen Schilf- bündeln. Der westliche Himmel verglüht mild in Braun Rot auf lilafarbenem Untergrund. Seine Farben sinken in den Strom. Dann leuchtet zwischen winrerkalten Sternen die zierliche Schale des Mondes. Dr. Karl Mehnnann.
Hrrzsa Ernst aiueufW Tod.
In Göttingen
findet, wie uns von dort gemeldet wird, am Mttwoch eine große Trauerfeier statt, die kirch- .lichen Charakter trägt. Von den Mitgliedern bet Deutsch-Hannoverschen Partei wird eine Beileidsadresse nach Gmunden geschickt, die zur Einzeichnung aufliegt. Der Schützenverein „Niedersachsen", dessen Ehrenmitglied der ver» storbene Herzog war. schickt eine Abordnung nach Gmunden, um einen kostbaren Kran, am Sarge des Verstorbenen niederzulegen. j
Wenn Frauen plündern.
Die Plünderungen, die sich dieser Tage in Marienburg ereignet haben, zeitigten, fr bedauerlich sie an und für sich sind, man*» ergötzliche Szene. In einem Laden der Langpässe erschien plötzlich, wie eine dortige Zeitung schildert, ein Trupv Frauen und verlangte Lebensmittel. Besonders eine Frau, die gar nicht danach aussah, als ob sie es notwendig hatte, füllte ihre Taschen und nahm o"^-rdem einen großen Kohlkopf n den Arm. Kaurni war sie draußen, so stellte sie fest, daß ihr int Laden ihre Geldtasche mit zweihundert Milliarden abhanden gekommen war. — In ein Seifenge- schäft kam eine Frau, an den Händen kostbare GlaeeohandWuhe. am Hut einen Schleier, und
England« neuer 3eltung4{6nls.
Ein englisches Matt bringt die sensationelle Mitteilung, daß in London gegenwärtig eine große Zeitungsfusion vor dem Abschluß sei. Lord Rothermere, der Bruder und Erbe Lord Northclifses, habe die gesamte Hulton- presse ftir einen Preis von ungefähr •f’"'nf Millionen Pfund Sterling erworben. Jctt Besitz der Familie Hulton befinden sich das wichtige Londoner 2(6 enb blatt „Evening Standart" und bet „Daily Sketche«, außerdem noch M'. andere Tageszeitungen in London und Manchester, sowie mehrere Dutzend Provinzblätter. -
* Zwei junge Wiener abgestürzt. Zwei achtzehnjährige Wiener Mechaniker wurden auf dem Südabhang des Lugauer mit zertrümmerten Schädeldecken und gebrochenen Gliedern als Leichen aufgefurtben.
* Wie sie sich Stoffe erschwindelten. In Berlin wurde eine Frau Römerkamp verhaftet, die mit falschen Papieren und Mölschten Lohnbüchern in zweiundfünfzig Geschäften sich Stoffe anshändigen ließ, die sie sofort „für eigene Rechnung verkaufte". — Eine andere Betrügerin verschaffte sich auf einem anderen Wege Ausweispapiere und ließ sich von Arbeitgebern Stosse geben, um sie gegebenenfalls zu veräußern. Ihr sind bereits über zwanzig Falle nachgewiesen.
* Ein guter Fang. In Minden (Westsa- len) ist es gelungen; drei Diebesbanden mit 35 Mitgliedern, auf deren Konto mehr als zehn Diebstähle zu setzen sind, festzunehmen.
* Streik in den Gruben .... Mob auf den Straßen. Nachdem es im Waldenbu r Grubenrevier verschiedenttich zu Unruhen und Plünderungen gekommen war und auf einzelnen Gruben wilde Teilstreiks entstanden waren, sind jetzt die Belegschaften sämtlicher Gruben in den Ausstand getreten. — In N e u s a l z kam cs zu ausgedehnten Plünderungen. Die Polizei griff mit der Waffe ein. und es kam zu schwe- ren Zusammenstößen. Zwei Plünderer wurden getötet, acht verletzt.
* Dem Henkerbeil verfallen. Nach zweitägiger Verhandlung verurteilte das Schwurgericht in Hamburg den Händler Büttner wegen Ermordung und Beraubung der Eheleute Rögr- ner zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.
* Betäubt und beraubt. In Berlin hielt ein Fremder, der beim Oeffnen der Hausfrau mitteilte, daß ihr Rcssfe schwer erkranft sei, dieser plötzlich eine ivlafche mit einem BetäMunqsmit-
o Du Wgehst
Roman von M. Birkner.
Diese Angelegenheit hatte ihn mehrere Tage in Anspruch genommen. Mit günstigen Verträgen in der Tasche reiste er nach Gotha, wo der Notar Heine wohnte. Gleich nach seiner Ankunft suchte er diesen auf und besprach mit ihm die Erbschaftsangelegenheit. Er teilte ihm mit, daß er eine längere Reise verhabe, die ihn eventuell den ganzen Winter fernhalten würde. Unter diesen Umständen könne er vorläufig die Verwaltung von Lorbach nicht in die Hand nehmen. Erst t ach seiner Rückkehr Wolle er sein Erbe offiziell antreten.
Der Notar versicherte ihm, er könne sich ruhig auf den Verwalter Birkner verlassen. Dieser führe schon seit einigen Jahren die Geschäfte ganz selbständig, da Herr von Lorbach viel leidend gewesen sei. Außerdem gehe es ja auf den Winter zu, wo es mit der Arbeit nicht so dränge. Urtb im übrigen versprach der Notar, auch ab und zu in Lorbach nach dem Rechten zu sehen. Es sei ja von Gotha aus in einer halben Stund« Bahnfahrt zu erreichen.
Hans hatte eine lange Unterredung mit Dr. Heine. Dieser konnte ihm genaue Auskunft über die Bewirtschaftung und Erträgnisse von Lorbach geben, beschrieb ihm genau die Sage und Beschaffenheit des Herrensitzes und versicherte Hcutd, daß Lorbach ein mustergültiges Gut sei und unter Birkners Leitung auch bleiben würde.
(Sie wissen nicht, was sie tun.
Von
Ferdinand Aaenarins.
Ws der Gekreuzigte auf Golgatha Im Pöbelanaestcht den Wahnsinn sah. Da rief er: „Gott verzeihe ihrem Wahn Du weißt, sie wissen nicht, was sie getan." Millionen Schriften brannten es, bas Woci, Millionen Stimmen riesen's mahnend fort, Doch immer wieder, wie durch Feld und Wald Gleick-gülttg Hingosprocheues, ist's verhallt. Da taumeln sie und meinen, fest zu gehen, Da raten sie und meinen zu versteh'n Die Phrase braut, sie meinen tiefen Sinn. Der Irrwisch schwankt, für sie ist Leben drin. Gestalt wird ihnen jeder alter Stumpf, So rennen sie und reisen in den Sumpf,
tel unter die Nase, so vaß sie in Ohnmacht fiel. Als sie wieder zu sich kam, war der Besucher, der die Erkrankung des Neffen nur vor- gespiegelt hatte, verschwunden. Er hafte bet Frau zwei Ringe vom Finger gestohlen und außerdem eine goldene Damenuhr geraubt.
* Auf der Jagd nach dem Glück Seit einiger Zeit macht sich in Bünde u. Umg. (Hann.) eine lebhafte Au sw andernugslnsi bemerkbar. Meiste US fmb es Handwerker aus allen Branchen, die dem Vaterland den Rücken kehren, um in fernen Landen eine bessere Existenz zu suchen.
* Wenn man Papiergeld verweigert. Das Reichsgericht in Frankfurt a. M. verurteilte de» Drogisten Gustav Joberqer, der sich geiveigert hatte, Pettoleurn gegen Papiermark zu verkaufen zu sechs Monaten Gefängnis und zehn Billionen Geldstvafe bei fofortiger Verhaftung.
* In den Armen der Windmühle. In Gadenstedt bei Peine wurde der Müllerlehrling Fritz Weiß von einem sich schnell drehenden Mühlenflügel ergriffen und derart getroffen, daz er sofort tot war.
* Selbstlose Freunde in der Rot. Zur L:n- dexung der Not in Deutschland sind von Ungarn nud^Reichsd entlch en in Budapest 50 Millionen ungarische Kronen gesammelt worden. Eii'e Hilfsaktion für Versendung von Lebensmittel-
Novemberstimmung
Rebel und Sturm an der Elbe.
Cin gelegentlich« Mitarbeiter, der »en den Fran,eien «uggeWiefen Wuebe nnb gegenwär
tig feinen Aufenthalt an de» Safietlant« hat, übermittelt un« ba« folgende etlmmnngebtlb an« 9te»emb#rtage« an der Unterer»«, »tim mnngen aug Rebelwalten nnb »türme brausen.
Die grüne Marsch ist heute abeud nur eine kleine Scheibe, ein kreisrunder Ausschnitt aus der großen Grasebene, und über die abgezirkelte Platt« ist eine niedrige, trübgrau« Glocke gestülpt. Jenseits der Nebelkuppel, gau, nahe knarren Wagenräder; aber Fuhrwerk und Sttcr ße sind unsichtbar. Breite Wasserstteifeu. hier und da seeartig erweitert, liegen auf dem grünen Tafelrund und schnüren die Weiden zu wespenförmigen Flächen zusammen. Der weiß« Chauffeedcmn schneidet mitten durch Wasser und Wiesen und verläuft spurlos im Nebelrand. Die Bäume, die sie begleiten, haben auf der Stirnseite die Blätter verloren und nagen nur im Nacken noch einen spärlichen Laubschopf. Weit vorne sind die Stämme sortgewisck'. und ihre Kronen schweben wie umgekehttes Wurzelgerank im Ungewissen auf dunstigen Wolken. Näher heran ruht die schwere Last der struweligen Wipfelbüschel wie Riefenpilze auf angenagten, dünnwandigen, knickbeinigen, gebrechlich-wackligen Stielen, und wieder anderswo ist der ganze Baum wie ein zarter, feiner Pflanzenabdruck auf die Nebelwand hiugetuscht. Dort glimmt ein Licht im grünen Wisst; ein zweites glüht daneben, und da, wo nur noch die Umrißlinie der Gipfel einer wahrscheinlichen Baumgruppe in das Nebelgewölbe hineingedeutet ist. der schwimmt der gesellige Schein zu einem glaub (ältlichen Flimmer. Vom Nordfeekanal und von der Elbe dröhnt stoßweise das Warnungssignal der großen Dampfer. Die Kibitze jammern über den Wassern nach ihren versunkenen Nestern. Mit schwerem Flügelschlag fliegt krächzend die Krähe in ein schattenhaftes Ast- und Zweigaewebe. Immer kleiner wird die Grasland Scheibe; tiefer senkt sich die Nebelkuppel.
i zu haben, den er bewirtschaften konnte. Sein ■ Sinnen und Denken beschäftigte sich nur damit, • daß er jetzt Anita Friesen bitweisen konnte, daß ‘ er nicht nach ihrem Vermögen zu trachten > brauchte.
Für sich selbst hatte er nie nach Reichtum gestrebt. Er hatte nie drückende Sorgen kennen : gelernt und war immer sicher gewesen, daß er sich kraft seiner Arbeit emporringen würde. Im ' Grunde machte ihm auch der Erfolg seiner Arbeit möbr Freude als der ererbte Besitz. Aber um Anitas Willen bekam auch dieser Wert für ihn. Er hatte daS bestimmte Gefühl, daß zwischen Anita und ihm nur ihr Mißtrauen stand, daß er nach ihrem Reichtum ttachtete. Gleichgültig war er ibr nicht, das fühlte er.
Was ' <fte e*r nun zuerst tun — nach Berlin reisen, um die Verträge abzerschließen, oder sein Erbe antreten? Beides durfte ihn nicht lange aufhalten .denn in einer Woche wollt« er feine Reise nach BiSkra antretAt. Sein Reisehest war schon bestellt, und diese Reife schob er um keinen Preis hinaus. Eine Woche blieb ihm also Zeit. Aber in dieser Zeit konnte viel geregelt Wörden
Zuerst also nach Berlin! Tas konnte schon heute Abönd geschehen. An den Notar würde er heute im Laufe des Tages schreiben, vielleicht auch an den Verwalter Mrkner. Blieb ihm Zeit, reiste er auch noch nach Lorbach — andernfalls verschob er das, bis er von Biskra zurückkam Anita war ihm wichtiger als alles andere.
Abschiedsbesuch; wollte er sogleich machen — mir die nötigsten Es blieb ihm nicht viel Zett. Btzi Frau Erika Friesen wollte er auf jeden Fall vorsprechen imd ihr Mitteilen, daß ihn Geschäfte für unbestimmte Zeit fortriefen. Sie durfte nicht ahnen .daß er Anita folgte — kein Mensch durste das Wissen.
Er sah nach der Uhr. Dann fleidete er sich schnell um. ließ sich ein Auto Mett und fuhr davon, um feine Karten abzugeben.
Dr. Hans Roland hatte seine Geschäfte in Berlin zur höchsten Zufttedenheit abgewickelt. Sc in« Erfindung wurde nach menschlichem Ermessen am vorteilhaftesten verwettet und versprach ihm einen guten Gewinn außer der ziem-I l:ch bedeutenden Abfindungssumme.
brauchen auf den Roman, der schon begonnen hat, nicht zu verzichten.
be itinen Fortsetzung unserer außerordentlich spannenden Erzählung stellen wir eine kurze Inhaltsangabe der bis jetzt erschienenen Fortsetzungen voraus, sodaß der Anschluß an das heutige Kapitel gesichert ist.
* Kirchhain. 19. November. (Für d e Nerm- Wtt - awevsertsaffef {Stiftete
großen Posten Flettch. der am t a ,
die Bedürftigen und Erwcrbslsoen ppÄ,, zur Gratisverteilung kam. .K„\:
* Eschwege, 19. November. (Grakis-tztasie- ren.) Die Mitglieder der Friseurinnung haben den Insassen des Altersheims sowie hiesigen Unbemittelten. Sozial- und Kleinrentnern Freikarten zum Rasieren zur Verfügung gestellt.
* Rejchensachsen, 19. November. (Einschrän. kmta bei der Post.) Vorn Beamtenabbau wird unser Ort hart betroffen. Das Postamt z wird mit dem 1. Dezember in eine Agentur umge- wandelt. Wie ein Beamter die gefamte Büro- arbeit bewältigen soll, ist einstweilen noch unklar.
* Wrexen, 19. November. (Die Papierfabriken liegen still.) Die Emichrünkung auf allen Gebieten des Wirtschaftsle-beus hat auch die hie. sigen Papieviabriken zum Stilliegen gebracht, wodurch sünst'-a Arbeiten brotlos wurden.
Jüi . . . dschiii — zieht ts durch die Lust. Jiii . . . schrillt es mit grellen Pfiffen Huiif — gellt es aus bellendem Rachen. yoyohu — dröhnt und gröhlt es über dem Janken und Fauchen in den Telegraphendrähten. Und das Zischen und Kreischen, das Stöhnen und Brüllen balgt neben-, über- und durcheinander, und vor dem vielköpfigen und vielstimmigen Ungeheuer, das kreuz und guer über der Erde da hinschießt, jagt und springt, rollen und poltern die Lustballen daher wie Fässer, die auf hohler Rampe zu Boden kugeln. Am nördlichen Himmel. die ganze Breite deckend, steht bläulich leuchtender Gewitterschein, und ganz ferne grollt des Donners gemütliches Brummen. Dfckii-Huii-hohu-bum — der umgestülpte Him- melskesse! ist ein tosendes Becken, in dem die greulichsten Stimmen schmettern und widerhallen. Der Sturm raschelt durch die Rethwalder am Fluß und wühft die gelben, lanzeulpitzen Blätter durcheinander. Er peitscht die rresschwar. zen Wasser auf die Dämme und tagt die Wo gen, daß ihnen der Schaum in Fransen von weißglühenden Köpfen rinnt, immer aufs neue gegen die Deichstone, greift den Gischt mit tausend Fingern und spritzt ihn mit Juhu durch die angefreffenen Lücken. Plötzlich laufen ibrn selbst die rollenden Wogen noch zu langsam. Fäh bläst er, aber ganz fein über bte wallende See. und ein behendes Zittern rieselt geisterhaft schnell Wer die schweren Wogenrücken vor ihnen davon und ist blitzschnell nirgendwohin verschwunden. Vom Deich herunter gnrkeft der Sturm, fbringt wieder aufwärts heulend in die Baumgruppen um das Gehöft, würgt sie und schüttelt sie, biegt sie zu Boden, spreizt daS Ast- unb Zweigaewirr nach allen Seiten und fegt mit kablern Besen den grauen Nebelplunder von her Erde in den Himmel.
3le Sonne strahlt. Der fastarüne Rasen,
arbeiten, der Dir gehören soll. Denn ich sehe in Dir meinen Erben. Und in nicht sehr langer Zeit wirst Du Herr auf Lorbach sein, denn ich ' fühle, daß meine Tagö gezählt sind und erwarte
den Tod als einen freundlichen Erlöser. Ich lege alles, was ick an irdischen Gütern zurück- lasse, in Deine Hände. Verwalte Lorbach in meinem Sinne. Mein in allen Lebenslagen erprobter Verwalter Bittner wird Dich nach Kräften unterstützen. Mag mit Dir auch das Glück wieder in Lorbach einziehen.
Ick drücke Dir im Geiste die Hand, wie ich eS. als Unbekannter, ein einziges Mal im geben getan habe. Glück auf, neuer Herr auf Lorbach, eine neue Zeit zieht mit Dir em!
Dein Oheim Lothar von Lorbach."
Hans Roland hatte dies Schreiben nicht ohne tiefe Bewegung gelefen. Und er erinnerte sich ganz deutlich des alten Herrn, der eines Tages dicht vor ihm ohnmächtig zusammengebrochön war. Als er ihn dann im Wagen nach seinem Hotel begleitete, hatte ihn dieser forschend angesehen.
„Darf ich Ihren Namen kennen, mein Herr? Ich möchte wissen, wem ich zu Dank« verpflichtet bin!" hatte er gesagt.
Hans hatte seinen Namen genannt, und der alte Herr hatte mit einem tiefen Seufzer geant- Worte:
„Es konnte nicht anders sein."
Was er damit gemeint hatte, wußte Hans nicht. Er glaubte, der alte Herr sei noch nicht Miedest ganz bei sich. Vor dem Hotel hatten sie sich verabschiedet, und der alte Herr hatte ihm fest und warm die Hand gedrückt und zu ihm gesagt:
.Sie werden noch von mir hören — ich werde Ihnen meinen Dank abtragen." Hans Roland hatte das für et ne höfliche Redensart gehalten und nie auf diesen Tank gewartet. Es war ihm nur aufgefallen, daß der Fremde ihn mit einem seltsam langen Blick in die Augen sah. Nun wußte er — das war sein Ohöim genesen. Uno dieser Oheim batte ihm einen reichen Besitz ' hinterlassen. Wie seltsam das Leben spielte!
Für sich selbst erschien es ihm gar nicht so ■ wichtig, daß dr jetzt ein reicher Mann war, obwohl er sich freute, eigenen Grund und Boden ]
Ä Inhalts-Angabe i
der bis jetzt Efchienenen Fortsetzungen. .
I Dr. Hans Roland liebt Anita, die Toch- ’ | ter des reichen Bankiers Friesen. Die junge | ♦ Stiefmutter, Frau Erika Friesen, steht Ä zwischen ihrer Liebe. Anita behandelt ihn ’ | kalt Sie fühl:, daß sie ihn dennoch liebt, f ♦ und beschließt, eine Freundin im Auslande 1 zu besuchen, um ihre gnneigung im Keime ’
| zu ersticken. Von ihres Vaters Geldsor- | ♦ gen ahnt sie nichts. Hans erfährt Anitas Ä
Reisevlau und ist tiefbetrübt. Er hält noch ’ ihrer Abreise ien ihre Hand an. Anita |
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