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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Kummer 268

13* Jahrgang

Freitag, 16. November 1923

Einzelpreis: 20 Milliarden.

Einzelpreis: 20 Milliarden.

Die Ausgabe her Renkenmart beginnt.

Wechsel in England.

Vor den Parlamentswahlen.

Voraussichtlich noch vor Weihnachten wird die britische Insel infolge der Auflösung des Parlaments inr Wahlkampf stehen, dessen Haupt­flaggen Schutzzoll oder Freihandel sein werden. Die Konservativen unter Baldwin glau­ben, daß es den Liberalen ergehen würde wie zu Gladstones Zeiten. Damals trennte sich Chamberlain oomgroßen alten Mann", nicht um der Homerule willen, sondern um in allen Städten eine großbritische Propaganda, vekbun- en mit einem Eintreten für den Schutzzoll, zu entfalten. Das Erde trat das konservative Kabi­nett Salisbury an, nachdem Chamberlain über seine ehemaligen Parteifreunde, die Liberalen, gesiegt hatte. Damals, als 1886 unter Chamber­lains Führung dreiundneunzig liberaleUnio­nisten- ihre Partei verließen und zur konser­vativen überschwenkten, entstand der Name Unionisten für die Torys. Das spätere Aufkom- men der Liberalen unter Asquith sah in ihren Reihen den jungen Lloyd George, der als Fi­nanzminister 1005 sein großes Budget ausarbei- tcte und es 1909 gegen den erbitterten Wider­stand der Konservativen zum Siege brachte. Die Wahlen im Jahre 1910 ergaben eine (verrin­gerte) Mehrheit für Asquith, der typischer Vertreter des händlerischen Mittelstandes geblie­ben ist. Unter seiner Regierung wurde das Ein­spruchsrecht des Oberhauses abgeschafst. Lloyd George ist durch Asquith hochgekommen.

Bei Kriegsausbruch traten Liberale alten Cha­rakters aus dem Kabinett Asquith aus. Asquith und Lloyd George, die Mitschuldige am Welt­kriege sind, jedenfalls die Poliik Lord Edward GirehS unterstützt haben, bildeten unter dem Burgfrieden" die Koalition mit den Konser­vativen im Mai 1915. Balfour wurde Marine­minister, Bonar Law Kolonialminister. Lloyd George orgarrsierte die Rüstungen. Asquith wurde durch die Intrigen seines früheren Schützlings c-usgeschifst, und Lloyd George übernahm die Diktatur, die im Kriege wirklich über England lag. Als britischer Diktator ging er nach Ver­sailles. Asquith sammelte inzwischen die Alt- liberalen. Die Kämpfe nach den Wahlen 1918 tobten nicht nur zwischen Lloyd George und den Konservativen, sondern auch zwischen Lloyd GeorgesNationalliberalen" und den Unab­hängig-Liberalen, die unter Asquiths Füh­rung standen. Da Lloyd George einen für eng­lische Verhälntiffe schlechten Frieden heimgebracht hatte, die Unabhängig-Liberalen in ihren Doktri­nen anmuteten wie weiland die Fortschrittler in Deutschland in den letzten Jahren Eugen Rich­ters, siegten die Konservativen unter Bonar L a w s Führung bei den Novemberwahlen 1922. Lloyd Georges Gruppe verlor sechsundsiebzig Mandate, Asquith gewann fünfzehn, die Arbci- rervartei dreiundackstzig. Die Konservativen ver­einigten über fünseinviertel Millionen Stimmen auf sich, die Arbeiterparteiler 3,9 Millionen, die Asquith-Liberalen fast zweieinhalb Millionen, dagegen hatte Lloyd George auf sein« Gruppe von dreizehneinhalb Millionen abgegebener Stimmen nur knapp 450000 erhalten.

Die damalige vernichtende Niederlage Lloyd Georyes erklärt sich aus der Verschiebung der gesellschaftlichen Struktur Eng­lands. Die Konservativen Hecken immer mehr Angehörige des alten liberalen Mittelstandes als Zuwachs schalten, das heißt biejenr m Ele­mente, die in der Industrie an den Quellen der Produktion fitzen oder händlerisch in den Berufen tätig find, die damit zusammenhänqen. Auch die zahlreichen Mißvergnügten, die Lloyd Georges Politik in der eigenen Partei schuf, gingen zu den Unionisten über. Die Unionisten wollten nicht den Versailler Friedensvertrag beseitigen, aber durch ihre Politik die Bestim­mungen ausmerzen, die dem Handels- und In­dustriestaat England gefährlich geworden sind. Asquith predigte dagegen die alte liberale Doktrin, der Freihandel, und zwar haupt­sächlich als Vertreter der Textilgruppe. Das alte Wort: Die Baumwolle ist die Königin der In­dustrie, gilt auch noch heut«. Königin Baum­wolle über hat in England stets freibändlerische Kreise um sich geschart. Dazu kamen bei den letzten Wahlen die Intellektuellen und Pazifisten, soweit sie nicht zur Arbeiter-Partei abgeschwenkt waren.

Die Asquith-Partei hat nur in der Freihan- delsfraae ein klares Programm, im übrigen schwankt sie wie Lloyd George. Zustatten kam ihr der Zwist im konservativen Lager, der nach dem Mißerfolg der Bonar Lawschen Politik zu Ge­gensätzen zwischen den Franzosenfreunden, den britischen Nationalisten und den Unionisten der Daldwingruppe führte. Andererseits bedurfte die Asqnithpariei eines demagogischen Naturbur­schen, wie es Lloyd George ist, um die Mafien mit sich zu reißen, da die Parteihäuptlinge As- quichs gute Doktrinäre, aber keine Volksmänner find. Wenn Asquith und Lloyd George sich heute einigen, dann ist der L i b e r a l i s- mus in England äußerlich wieder in Lront.

Auch die Idee Freihandel ist das alte Panier. Aber die Massen der Liberalen haben sich geän­dert. Sie bestehen aus Kleinbürgerlichen, die mit den Unionisten heute tatsächlich für einen befieren Zusammenhalt des britischen Impe­riums find (während früher die Großbriten von den Liberalen abgelehnt wurden) und sich nur in ihren wirtschaftlichen Interessen von den Kon­servativen unterscheiden. Ihre auswärtigen Be­lange sind die gleichen. Lloyd George und Asquith würden genau dieselbe Außenpolitik ge­trieben haben wie Bonar Law oder Baldwin. Für Deutschland hat diese Einigung des briti­schen Liberalismus keinerlei Bedeutung. Sie ist eine innerbvitische Angelegenheit. tr.

Ausgabe der Nentmmark.

Langsamer Bergin« der Auszahlung. (Priyat-Telegramm.)

Berlin, 15. November.

Trotz der durch den Druckerstreik verursach­ten Störung soll die Ausgabe der Rentenmark heMe beginnen und zwar in kleineren Summen, da der Druck leider stark verzögert wurde. Nm die Ausgabe beute in die Wege zu leiten, wurde zunächst der Reichsregierung ein verzinslicher Kredit in Höhe von etwa 80 Millionen Renten­mark zur Verfügung gestellt, wovon schon Be­träge nach der Provinz vor mehreren Tagen geschickt wurden .um überall mit der Auszahlung von L o h n in wertbeständigem Gelde an Reichs­und Landesbeamte, Angestellte usw. beginnen zu können. Allerdings werden vorläufig wohl nur 30 Prozent des Lohnes in Rentenmark ge­zahlt. Bon Woche -zu Woche fiofft man big Quote steigern zu können Den nach dem Gesetz dem Reime zu gewährenden zinslosen Kredit von 300 Millionen Rentenmark Hut diese vorläufig noch nicht in Anspruch aenonrmen. Wie die Köln. Volkszeitung" erfährt, hat die interalliier­te Rheinlandkommission ihre Zu­stimmung zu dem Rentenbankgesetz gegeben. Damit ist die Rentenmark also auch im besetzten Gebiet zugelaffen. Nach einer anderen Mel­dung haben nur der englische und belgische Ver­treter zugestimmt. Hebet die Haltung des fran­zösische» Vertreters verlautet noch nichts.

Nenrenpfenarge in Münzen.

Berlin, 15. November. (Privattelegramm.) Mit der Ausgabe von Rentenpfennigon soll schon bald begonnen werden, und zwar wer- den die Stücke zu ein und zwei Rentenpfennig aus Ku P f e r, die höheren Einheiten aus Alu- m i n i u m b r o n z e hergcstellt. Sie haben un­gefähr das Aussehen der Scheidemünzen der Vorkriegszeit. Heute werden Verhandlungen zwischen der Deutschen Rcntenbank und dem Reichsfinanzministerium über die Frage grjführt, ob die Rentenmark sofort an der Börse nach Art ausländischer Zahlungsmittel notiert werden soll, oder ob man verkuchsweise die Bilduna des Verhältnisses zur Papiermark dexn freien Verkehr überlassen soll.

Tveilerrr Druck von Vopiergelv.

Berlin, 15. November. (Privattelegramm.) Die München-AugSburger Abendzeitung erfährt aus Berlin, dass durch den Streik der Berliner Notendrucker die Einstellung des Napiergeld- drucks verzögert werde Es sei jetzt in Aussicht genommen daß die Einstellung des Banknoten­drucks, die am 15. November erfolgen sollte, erst zum 25. November vorznnehmen fai. Es sei jedoch mit einer weiteren Verzögerung des Ter­mins bis zum 4. Dezember zu rechnen.

Am das besetzte Gebiet.

Beratungen mit dem Reichskabinett.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. November.

Die Notlage im besetzten Gebiet macht schnel­les Handeln nötig. Die gestrigen Berliner Ver­handlungen der Reichsregierung mit den Vertretern der Länder und einer Reihe von Herren aus dem besetzten Gebiet haben sich bis in die späten Nachtstunden hingezogen. Trotz der eingehonden Aussprache konnten end­gültige Beschlüsse nicht gefaßt werden, die Be- sprechungen werden vielmehr in den nächste» Tage» fortgesetzt werden. An den Verhandlun- gen wurde das lebhafteste Bedauern darüber ausgesprochen, daß die französische Re. gierung es abgelehnt hat, in gemeinsamer Arbeit mit der Reichsregierung das Wirtschafts­leben im Rhein., und Ruhrgebiot wieder in Gang zu bringen. Durch das völlige Stillegen fast der gesamten Wirtschaft im besetzten Gebiet steigt die Zahl der Erwerbslosen immer mehr. Die Summen für die Unterstützung der Erwerbslosen und Kurzarbeiter haben bei der fortschreitenden Geldentwertung einen solchen Umfana angenommen Latz die Reichsregierung

genötigt ist, zu einem naheliegenden Termin die Z a h l u n g für die Unterstützung einzustrllen.

Versuche zur Besserung.

Berlin, 15. November. (Privattelegramm.) Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß die von Frankreich und Belgien ausgeübte Besetzung des Ruhrgebiets niemals als berechtigt anerkannt werden dürfe. Die Vertreter der Länder traten dem Standpunkt der Regierung einmütig bet. Eine abweichende Auffassung hatte lediglich Preußen insofern, als es der Meinung war, daß die Zahlungen schon länger geleistet würden, als es bei der katastro­phalen Lage der Reichsfinanzen tunlich sei. Die Vertreter der besetzten Gebiete gaben der Hoff­nung Ausdruck, daß es der Reichsregierung viel­leicht doch noch gelingen könnte, die Zahlung weiter zu leisten, ohne daß selbstverständlich die Verhältnisse im unbesetzten Doutschland dadurch in ein völliges Chaos geraten dürsten. Sollte sich dieses Ziel nicht etreidjen lassen, so hielten sie die Schaffung einer rheinischen Organi­sation und ihre Ausstattung mit weitgehenden Vollmachten auf wirtschastspoliischem Gebiete für dis beste Lösung, um nicht das besetzte Ge­biet dem vollkommenen Verfall preiszugeben.

WSne der Kommunisten.

Ein Beschluß gegen die Reichsregierung. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. November.

Die tnncrpolitische Lage hat gestern zu einem Beschlüsse der Kommunisten geführt, der geeignet ist, großes Aufsehen zu erregen. Die kommunistische ReichstagSsraktion hat einstimmig die Bekämpfung des Kabinetts Stresemann durch eine gemeinsame Astion der radikalen Be­triebsräte beschlossen und zwar im Anschluß an den Stteik der Notendrucker. Nach dem an­genommenen Aktionsprogramm sollen Zug um Zug die Arbeiter der wichtigsten Staatsbe­triebe in den Ausstand treten, wenn die Forderungen der Notendrucker nicht bis zum 18. November erfüllt find. Bereits gestern abend ha­ben die Werkstättenarbeiter in Spandau, Rum­melsburg und Potsdam beschlossen, zunächst in den passiven Widerstand einzutreten.

Sie rufen noch den Bolschewisten.

D r e s d e n, 15. November. (Privattelegramm.) Der frühere kommunistische sächsische Minister Böttcher sprach gestern abend in Pirna. Er führte aus, daß diebefreundete russische Armee" mobilisiert an der Grenze stehe und des Rufes der deutschen Kommunisten harre, um der proletarischen Bewegung auch in Deutsch­land zum Endsieg zu verhelfen. Böttcher entzog sich nach dieser Ankündigung hochverräterischster Art der Verhaftung durch die Flucht. Aus Hamburg wird berichtet: Nachdem der Staats­anwalt den kürzlich vom Reichspräsidenten be­gnadigten Aufrührern die Begnadigung mitteilte, sagte der Hauptverbrecher (dessen le­benslängliche Zuchthausstrafe auf zehn Jahre verkürzt worden ist):Wir werden uns wieder- fprechen, Herr Staatsanwalt. In einem halben Jahre wird mir der Rest der Strafe erlassen."

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DtuffiftSe Truppen an der Grenze»

B r es l a u, 15. November. (Privattelegramm.) Die Blätter melden aus Warschau: Nach den Meldungen der Warschauer Presse finden beun­ruhigende Ansammlungen russischer Truppen, Artillerie und Kavallerie, im Gebiet östlich von Wilna statt.

Mussolini für Deutschland.

Gegen Poincarös Unterdrückung spol itik.

(Eigene Drahtmeldung.)

Zürich, 15. November.

Die Reue Züricher Zeitung meldet aus Rom: Mussolini hat am Dienstag in der römischen Handelskammer über den Wiederaufbau Mitteleuropas eine Rede gehalten. Bon besonderer Bedeuttmg sind die Sätze, die sich mit dem Verhältnis zu Frankreich und Dsutschland befassen. Mussolini erklärte: Ich habe den Ver­treter im Botschafterrat angewiesen, gegen jede Ma ß n a h m e zustimmen, die deutsche Gebiete von der deutschen Staatshoheit ent­fernt, oder betttfAe Gebiete der Bewirt­schaftung durch Deutschland entziehen soll. Ich habe auch die Mitglieder Italiens in der alliierten Jngenieurkommission in Düs­seldorf zum 31. Dezember abberufe n Ich sehe nur im Wicdererstarken Deutsch­lands einen Ausweg, der Europa den Frieden und die wirtschaftliche Wohlfahrt wiedergibt.

Europa-Reisen.

Beobachtungen eines Journalisten.

Statt) Bitten Streut- und Suerfebrten in Swn- Pa hat der omer lanifctze Norreipondent Selbe* Wieher in Berlin Aufenthalt genommen, lieber feine Kahrten wirb Nachfolgende* berichtet

Georgs H. Seldes, der Korrespondent oer Chicago Tribüne, ist seit vier Jahren in Euro­pa und hat dieses Stück Welt nach allen Wind­richtungen hin bereist. Bald war er in Skandi­navien. bald in Italien, bald in Rußland oder Frankreich, Berlin oder London. Er hat zwei­undzwanzig Länder besucht, und zwar immer nur, wenn dortwas los" war. Set es in Flensburg zu der Abstimmung, in Turin während eines Umsturzes, in Prag, um Mafa- rhk und Benesch zu interviewen ,in Pisa des Erdbebens wegen, in Weimar, um Admiral Scheer zu sprechen. Oder in Eberbach, um den amerikanischen Dollarmillionär und Deserteur Bergdoll auszufragen, als er von Soldaten der amerikanischen Rhckinarmee verhaftet werden sollte, oder in Genua zur großen Konferenz, oder in Fiume, um Augenzeuge deS d'Annunzio-Ge- waltafies zu fein, kurz, es gibt kaum einen Ort in Europa, an dem sich etwas ereignet batte, ohne daß der Korresponden nicht mit dabei ge­wesen wäre. Selbes' Beobachtungen in Deutschland, das er immer wieder auf sei­nen Kreitz- und Querfahrten besucht hat, sind nicht uninteressant. Auch hier ist et so ziemlich mit allen hervorragenden Vertretern der Poli­tik und des Wirtschafslebens zusammen gekom­men. Auf die Frage, wem er augenblicklich für den bedeutendsten Politiker Deutschlands- halte, antwortete er: Stresemann Sttesemann würde bei Amyttkonern '($ Deutschlands stärk­ster Mann seit döm Kriege angesehen. Erst kürz­lich hatte er dienstlich beim Reichskanzler zu tun, es handelte fich.um das Dementt seiner Meldung der Aufgabe des passiven Widerstandes, die er schon drei Wochen zuvor nach Newyork gekabelt hatte. Ein der Negierung sehr nahestehender Geheimrat habe ihm die Meldung gegeben, wor­auf der Reichskanzler ihm mit Bismarck geant­wortet hätte:Man dcknkt, man hört das von Gott, und es ist nur von einem Geheimrat!* Man kommt auf die augenblickliche Lage Deutschlands zu sprechen, auf die immer wieder austauchenden

Berichte von der Hilfe aus Amerika.

Herr Soldes ist in diesem Punkt sehr pessimi­stisch. An eine Hilfe von der amerikanischen Regierung glaubt er nicht. Amerika sei nicht von Deutschland wirtschaftlich abhängig, wie so oft behauptet würde. Branting habe ihm gegen­über diese Ansicht auch geäußert, er hingegen könne auf Grund seiner Beobachtungen und Er­fahrungen in beiden Ländern dem nicht beivflich- ten. Es fei doch in der Welt bekannt, daß das amerikanische Kapital, abgesehen von seinen Pe- troleumkampagnien, nirgendwo in der Welt In­teressen habe, nie irgendwie es nötig gehabt hätte, das Ausland zu unterstützen, um mit ihm Geschäfte zu machen, sondern daß Amerika feinem Wunfch Entsprechend völlig auf sich selbst angewiesen dastebe. Ein amerikanischer Stafistiker habe nachgewiesen, daß nur einund­einhalb bis zwei Prozent des gefamten amerika­nischen Handels auf Eurova entfielen. Amerika könne höchstens in moralischer Hinsicht Deutsch­land zur Seite stehen und das fei ja auch heute fchan wieder der Fall. Fm übrigen aber sei Amerika fr ob und zufrieden, mit all den euro- väischen Verwirrungen nichts gemein zu haben. Amerika könne aber unmöglich Frankreich, den früheren Verbündeten, zugunsten Deutschlands kaltstellen, find dann habe Amerika immer wie­der Beweise, wie undankbar es ist. üch in euro- väifch.- Angelegenheiten einzmuischetz. Herr Selbes mhrt den Fall Mussolini an. den er als einenTotschlag für die Bölkerbitndsidee" be­zeichnet Helft euch selbst! Das ist Ame­rikas Auffassuna. Aber liefert ein Land Beweise, dass es den Willen zu Frieden. Rübe und Ord­nung bat. so ist es nicht ausgeschlossen, daß Amerika diesem Land seine Hilfe erweist, mate­riell durch vrivate Mittel, ideell durch morali­schen Beistand. Bemerkenswert spricht Herr Seldes von seinem längeren

Aufenthalt in Rußland.

das er unb-*trsitbar für das interessanteste Land Europas hält.Ist man nur eine halbe Stunde auf der Sttasse, so siebt und beobachtet man mehr, als irgendwo ander? in einem eurovSischen Lande.* Russland sei reich an tausenderlei klei­nen Monrentbildchen von dlafttfcher Wirkung. Seldes ist mit nahezu allen Kövfen der Sowjet, repubfik zusainmenaekommen. kennt Lenin und Trotzki, Radek und Sinowiew, Tschitscherin und Kamenew ans nächster Räbe. Lenin hat aus ibn den stärksten Eindruck gemacht. Er hält ihn 'licht nur ffrr Rußlands, sondern auch für Euro- nas bedeutendsten Kovf, Radek scheint ibm einer d-r aerifie-n-n Politiker der Atelt; er zitiert die Charakterisierung eines deutschen Journalisten,