Xie Saffeler Sieuefien Sndirtdiien erfdieirten rohcbentli» sechsmal nackm ttagS. Der Abonnementspreis beträytfür die Woche vom 12. bis 18. November 100 Milliarden bei freier Zustellung .ns Haus,in der llleschaitssleue abgeüolr 27 Milliarden. Bestellungen tverden jederzeit entgegen, genommen. Verlag und Redattion: Schlachthoistraß: 28/30. Fernsprecher Nummer 951 und 952. iiür imverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine -oerant- mortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Berugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lteserung ist ausgeschlossen. Postscheck Frankfurt a M. SZ80. Druckerei: Schlachthosstr. 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Str. ä.
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 266.
Einzelpreis: 20 Milliarden.
Mittwoch, 14. November 1923.
Einzelpreis: 20 Milliarden.
13. Jahrgang
in Bagern.
Arbeit und Währung.
Wie deutsche Wirtschaftslage.
SA Währungsverfall hat auch unsere gewerbliche Tätigkeit in verhängnisvollster Weise beeinflußt: Fast alle Aktiengesellschaften, die ihre Jahresabschlüsse veröffentlicht haben, erklären, mit Rücksicht auf die gegenwärtig herrschenden Zustände die Aussichten nicht beurteilen zu können. Man steht der Zukunft mit stärksten Zweifeln und Mißtrauen gegenüber und rechnet mit weiteren Stillegungen von Unternehmungen .nachdem die Arbeitslosigkeit schon während der letzten Monate einen bedenklichen Um- la-g angenommen hat, und Ausschreitungen in gewissen Städten an der Tagesordnung sind Die Steigerung des Brotpreises innerhalb dreier Tage auf das Zehnfache zeichnet den anarchischen Zustand unseres Wirtschaftslebens, und cs ift nur ein schwacher Trost darin zu erblicken, wenn es durch das Einschreiten des Ernährungs- Ministeriums gelungen ift, deft Brotpreis ein wenig herabzudrücken. Auch sonst schafft die rasende Teuerungswelle Unglück über Unglück, weil von ihr die Gegenstände des elementarsten Lebensbe- darses ergriffen werden. Kohlen, Gas, Wasser und alle Nahrungsmittel haben einen Preisstand erreicht, der von breitesten Schichten der Bevölkerung als unerträglich empfunden wird, und dem selbst Arbeiterstundenlöhne von 18—20 Milliarden Mark nicht Rechnung tragen können, Sar nicht zu reden von den freien Berufsarten und den zahlreichen Unglücklichen, denen der Ernährer während des Weltkrieges geraubt ist, sowie vielen Hausbesitzern, Hypothekengläubigern.
Es wurde von vornherein damit gerechnet, bag der U e b ergänz zu einer neuen, der wertbeständigen Währung, mit manche" Schwierigkeiten verknüpft sein werde; aber so viele unangenehme Ueberraschungen, wie sich bei uns eingestellt, dürsten die besten Finanz- kunstler nicht vorausgesehen haben. Zunächst siud die Tollarschatzanweisungen aus dem Perkohr verschwunden; sie find gehamstert worden und werden als „Rotgroschen* aufbewahrt. Dich Gold anleihe ist Gegenstand lebhaftester Börsenspekulation geworden und wird nur hervorae- holt, wenn anders Waren nicht erhältlich sind. Am 15. November sollte nun die Renten- wark das Licht der Welt erblicken, und zwar davon sogleich große Beträge auf den Markt geworfen werden, um sie vor der Hamsterei zu bewahren. Aber es kommt in der Regel anders, als die lange überlegende Regierung denkt. Diese setzt jetzt alle Hebel in Bewegung, um die Papiermark ant Leben zu erhalten; es ist aber sehr zwchfelhaft, ob ihren Bemühungen Erfolg beschieden sein und ob es ihr gelingen wirs, diese Mark zu stabilisieren. Wenn das Reichs- kabinett .beschließt*, ein festes Mindest-Um- rechnungsverhältnis zwischen einem wertbeständigen Wert und der Papiermark her- zuftellsn, so wäre die wichtigste Voraussetzung für die Durchführung die Begrenzung der Papiergeldmenge. Mit der Einführung der Ren- tenmark soll freilich die Notenpreffe stillgelegt werden; ob aber diesest Vorsatz stritte d^rchge- sührt werden kann, wird sich ja heran -stellen, wefin die dringenden Verpflichtungen des Reiches erfüllt werden müssen Jahrelang hat die Nolenvressö gearbeitet, was das Zeug hielt; viel Unheil wurde dadurch für die Gesanubevölke- rung beraufbeschworen. Jetzt, wo alles zusam- menbricht, greift man wie ein Ertrinkender nach einem Strohhalm. Man muß abwarten, mit welchem Erfolge.
Die Börse, die zu früheren Zeiten jedes politische Vorkommnis sorgsam beobachtete, kümmert sich neuerdings um die Reichspolitik so gut tote gar nicht mehr; ihr Streben ist nur noch darauf gerichtet, dem Verfall der Papiestmark gerecht zu werden. Was wir in den letzten Börfen- iogen an Kurssteigerungen und Kursrückgängen der Dividendenpapiere erlebt haben, dürfte' in der Börsengeschichtö Wohl einzig dastehen. Mochte man bisher mit Recht davon sprechen können, daß die Wertpapiere mit der Entwertung der Paviermark nicht Schritt gehalten hätten, so suchte letzthin die Börse das Versäumte in einem Tempo nachzuholen, wobei manchem Spekulanten Hören und Sehen vergeben mochte Aus den Milliarden- find wir geschwind in die Bil- ltonenkurse gelangt, nachdem freilich \y2 Milliarde Papiermark auf den reellen Wert von 1 Gold- vfennig gesunken ist. Die Kehrseite war, daß dann plötzlich die Effektenkurse auf etwa ein Viertel zurücksanken I« bitten Schwankungen liegt eine furchtbare Anklage gegenüber den mannigfach wechselnden Regierungen feit der Revolution. Die Börse will angeblich die Wert- vapiche entsprechend den Währungsvorhältnis- sen envassen. Man darf sich aber darüber keinen Selbsttäuschungen hingeben, daß diese Kurse
einer Revision unterzogen werden müssen, die sich naturgemäß nicht so milde vollziehen kann, wie mancher jetzt annehmen mag, wenn die geplante Umrechnung in Goldmark vollzogen wird. 8.
Münchener Nachweisen.
Hitler verhaftet. — Kundgebung für Ludendorff. (Eigene Drahtmeldung.)
München, 13. November.
Unter dem Eindruck des mißlungenen Münchener Putsches zittert nach eine ftarfe Erregung "ach- Daher sind manche Meldungen widersprechend. Nackchem vorher berichtet worden toot, der Führer Hitler sei über die österreichische Grenze entkommen, heißt cs jetzt, daß er nm Sürffelsec in Bayern verhaftet worden ist. Diese Nachricht scheint nun richtig zu sein, da hinzngesügt wird, er sei nach Landsberg am Lech in Schutzhaft gebracht worden. Es verlautet, daß er tatsächlich bereits österreichisches Gebiet im Auto erreicht hatte, daß er aber aus Oesterreich wieder über die Grenze geschafft war, den sei, weil er keine Papiere bei sich hatte. Er besaß auch keinen Pfennig Geld. — Die Lage in München ist noch gespannt. Am Sonntag und nm gestrigen Montag fanden große Kundgebun nen der Studentenschaft für Ludendorff statt Ein studentischer Umzug wurde am Lenbachplatz durch Schutzpolizeiaufgebot aufgelöst. Die Erregung in der Bevölkerung ist groß. «u* abend gab es große Ansammlungen, die aber zerstreut wurden. Kommunistische Elemente wurden in der Menge bemerkt. In einer Kaserne find kommunistische Flugblätter verteilt worden. Die Verteiler wurden festgenommen.
Stimmung gegen Kahr.
München, 13. November. (Eigene Drahttwfl- tontg.) Die Bereinigten Vaterländischen Verbände in Bayern haben gestern dem Ge- aeralstaatskomiflar von Kahr verschiedene Fo r. be tu na e n überreicht, auf die sie bis Mittwoch Mittag Antwort verlangen. Unter anderem fordern sie Amnestie für die am Butsch beteiligten, unter Berufung auf das Schicksal der Beteiligten an der Revolution des November 1918, sowie Aufhebung des Verbots der aufgelösten Verbände. In weiten Kreisen der Koalitionsparteien und der bayerischen Volkspartei wird die ZteIIung Kahrs als unmöglich angesehen. Allenthalben ist eine starke Mißstimmung W8en ihn zu bemerken. Auch die vaterländischen Kampf -Verbände, die gestern zusammentraten, haben ihn zu 80 Prozent abgelehnt. Der baye nsche Mlnisterrat hat seine seit Sonnabend Unterbrochenen Beratungen wieder aufgenommen.
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SHttrSung der Universität.
München. 13. November. (Eigen« Drahttnel- bung.) In der Aula der Münchener Universität fand gestern eine Studentenversamm- lung statt, die einen äußerst erregten Verlauf nahm, da die Anhänger Hitlers unter den Stu deuten einen sehr scharfen Ton anschlugen Kavi- tanleutnanl Ehrhardt und Geheimrat Professor Sauerbruch versuchten, auf die Studenten in mäßigendem Sinne einzuwirken, hatten aber da mit wenig Erfolg. Professor Sauerbruch wurd niedergeschrien und erhielt im Verlauf eines Gedränges, das beim Eintreffen der Reichswehr entstand, einige Schläge. Der Rektor der Universität hat infolge dieser Vorkommnisse ang-ord- net, daß die Vorlesungen a «der Universität bis auf weiteres eingestellt werden.
v. ÄnHIInq in Berlin.
Berlin. 13. November. (Privattelegramm.) Der bayrische Ministerpräfid-nt v Kriilling wird, wie wir aus parlamentarische Streifen er fahren, heute zu einer Aussprache mit dem Reichskanzler in Berlin eintreffen. Dieser Aussprache wird auch deshalb große Bedeutung beiaemessen, weil der Große Ausschuß der Bay-- nschr« Volkspartei heute in München zusammm- trift und man erwartet, daß er zu der Frage Kahr Stellung nehmen wird.
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Aussvsungen recht» und links.
München. 18. November. (Privattelegramm.) Nachdem die bayerische Regierung die rechts- radikalen Verbände aufgelöst hat, ist auch durch Verordnung vom 11. November we kommunistische «Partei verboten und aufgelöst worden. Ebenfalls ist die sozialistische Presse verboten worden.
Die Verkehrs-Teuerung.
Weitere Erhöhung der Post- und Bahnpreise. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 13. November.
Die cm 12. dieses Monats in Kraft getretene neue Tariferhöhung bei der Post soll schon a m
20. November durch einen neuen Tarif abgelöst werden, der für den Fernbrief das Porto auf dreißig Milliarden Mark festsetzt. — Die Konferenz der Eisenbahn-Direktionen im Reichsverkehrsministerium beginnt am 18. dieses Monats. Bis jetzt ist in Aussicht genommen, am 1. Dezember den Zugverker aus ein Viertel der Vorkriegszeit und am 1. Januar aus ein Fünftel der Vorkriegszeit zu beschränken. Infolge der Einführung der Goldfahrpreise hn Eisenbahnverkehr ist ab 1. November die Benutzung der Ferneisenbahnzüge allein im Reichsbahn-DirMionsbezirk Berlin um mehr als sechzig Prozent zurückgegangen.
Regiemug und Reichstag.
Die Haltung der Fraktionen.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 13. November.
Die innerpolitische Lage ist heute insofern geklärt, als die Fraktionssitzung der Deutsch- nationalen die parlamentarische Opposition gegen das Kabinett Stresemann beschlossen hat. Der Zentralvorstand der Deutschen B olkspartei ist auf Sonntag den 18. November nach Berlin einberufeit worden. Die Tagung gilt der Aussprache über die politische Lage; sie wird durch ein Referat des Parteiführers Dr. Stresemann eingeleitet werden. — Die Sozialdemokraten haben einen Fraktionsbeschluß noch ausgesetzt, weil der linke Flügel Crispien den offenen parlamentarischen Kampf gegen die Regierung Stresemann fordert.
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Sinderuftmg be« Reichstags?
Berlin, 13. November. (Privattelegramm.) Wann das Plenum des Reichstages zusammentritt, ist nach wie vor unbestimmt. Die Reichs- tagssrattion des Zentrums wird heute eine Sitzung abhalten. Heute nachmittag findet in der Reichskanzlei eine Parteiführerbesprechung statt, in der über dix Frage einer Reichstagssitzung in dieser Wockse beraten werden soll. Präsident Loebe beabsichtigt, den Reichstag noch in dieser Woche zusammen- zuberufen, da die Sozialdemokratie, die über ein Drittel der Abgeordneten umfaßt, einen dahingehenden Antrag gestellt hat. In Regierungskreisen hält man aber eine Reichstagssitzung in der gegenwärtigen Lage noch nicht für erwünscht, und in der Parteifiihrer- besprechung dürfte der Versuch unternommen werden, den Zusammentritt des Reichstages auf eine gelegenere Zett zu verschieben.
Unter dem fremden Druck.
MilitärkontrMe und Leistungsfrage.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 13. Rovembör.
Die Havas-Agcntur meldete gestern mittag, daß die deutsche Reichsregierung die Ententenote mit einigen Einschränkungen angenommen hat. Die geforderte Ueberwachung durch die alliierte Militärkommission in Deutschland ist von der Reichsregierung zugestanden worden, jedoch unter dem Vorbehalt, daß die Mitglieder der Kommission nicht in Uniform ihr Amt ausüben. Die Militärkontrolle tritt am 1. Dezember in Kraft. — Die Londoner Times meldet, daß der englische Botschafter in Paris angewiesen worden ift, nach dem Beispiel des amerikanischen Botschafters, der französischen Regierung anzuzeigen, daß England sich an einest Sachverständigen - Konferenz über die deutsche Leistungsfähigkeit, sofern die Tagesordnung durch die französische Regierung ausdrücklich auf bestimmte Punkte beschränkt bleiben solle» nicht beteiligen könne
Um die tftrfLfj. ...
Berlin, 13. November. (Privattelegramm.) Wie der Reichskanzler beim gestrigen Empfang der Führer der Deutschen Volkspartei mitteilte, hat er auf die Forderung des französischen Gesandten erwidert, daß er lediglich Zusagen geben könne, soweit eine verfassungswidrige Diktatur in Deutschland in Frage kommen könne Diese Diktatur lehne er unbedingt ab. Er behalte aber für das Reich das unbedingte Recht vor, daß auf verfassungsmäßigem Wege eine Diktatur zur inneren Sanierung errichtet werden kann, sobald die gesetzlichen Instanzen bezto. das ju befragende Volk damit einverstanden seien.
Der Arbeitsmangel.
Die Regelung derErwrebsloseuunterstützung.
Die <nr&eiteio{ta$eit und ihr- Folgen sind jetzt da« dringend« soziale und w rtsa»af1li<hr Pro. »lern. Aus der nachstehenden Iusammenstel- lang ergibt sich der Umfang des Notstandes.
Die Arbeitslosigkeit ist zurzeit im besetzten Gebiet und im unbesetzten Deutschland gleich groß. In der letzten Zeit sind Unternehmungen im Ruhrgebiet in größerem Umfange dazu überaegangeu, ihre Betriebe z u schließen, um die Angestellten und Arbeiter der Erwerbs- loseirfürsorge zuzuführen. So beträgt die Zahl der Erwerbslosenunerstützungsempsänger in den besetzten Gebieten gegenwärtig etwa Millionen. Was nun die Verhältnisse int unbesetzten Debtschland betrifft, so lassen sich diese hier klar übersehen, da in den unbesetzten Teilen Deutschlands eine ungehinderte Tätigkeit der deutschen Verwaltung vorhanden ist. Trotzdem kann jede Statistik nicht alle vorhandenen Erwerbslosen enthalten, die die Gewährung der Erwerbslosenunterstützung von bestimmten gesetzgebenden Bedingungen abhängt. Nach einer Statistik der Reichsarbeit sverwaliung über die Zahl der unterstützten Erwerbslosen int Reiche zeigt sich folgende Entwicklung: Am 1. Januar 1921 gab es 410238 Erwerbslose in Deutschland. Diese Zahl sank bis zum 1. Januar 1922 auf 165 24s, bis diese am 1. Oktober des gleichen Jahres die niedriaste Zahl von 16 678 erreichte. Am 1. Januar dieses Jahres stieg sie wieder auf 85418. In den Zahlen, die dann folgen, zeigen sich deutlich die Wirkungen des bekanntlich am 11. Januar dieses Jahres er. folgten Ruhreinbruchs auf das Erwerbslosen- problem. Denn am 1. Februar dieses Jahres stieg die Zahl auf 150 220, am 1. März auf 190000, am 1. Avril auf 222.410., am auf 266 966. Daun ging die Zahl ötS zum 1. August auf 138000 zurück. Angesichts der niedergehenden wirtschaftlichen Eutwick- lung-<sti e g diese Zahl von da an unaufhörlich <£te betrug am 1. September 248724, am 15. September 380263, am 1. Oktober 514 607. Diese Verschlechterung hat seitdem von Woche zu Woche zugenommen. Wenn man die gegenwärtige Zahl der Erwerbslosen im unbesetzten Deutschland auf etwa zweieinhalb Millionen berechnet, so dürfte die Schätzung nicht zu hoch gegriffen sein. Es wären demnach mit Einschluß der besetzten Gebiete gegenwärtig
etwa viereinhalb Nfillionen Erwerbslose \ in Deutschland vorhanden, wobei diese Zifssz naturgemäß etwas schwanken kann. Zu den Län- dern mit der geringsten Arbeitslosigkeit gehören die agrarischen. Deshalb ift auch die Erwerbslosenziffer beispielsweise in Ostpreußen wie auch in Bay ern verhältnismäßig gering, Gegenden zahlreicher Industrien wie beispielsweise in Sachsen, ist' die Erwerbslosenzahl mit am stärksten. In Preußen gab es am 1. Oktober dieses Jahre 268088 Arbeitslose, während Sachsen mit 112274 folgt. Eine mit dem Erwerbs losenproblem zusammenhängende Frage ist die der Ku rz arbeite r. Die Anzahl derselben betrug am 1. Oktober dieses Jahres 1111560. Auch diese Ziffer dürste wohl inzwischen erheblich Mgenommen haben, gehe-- doch immer mehr betriebe zur Kurzarbeit über. Angesichts der finanziellen Notlage des Reiches hat vor kurzem dre von Dr. Stresemann in seiner Stuttgarter Rede angeküudigte Neueinrichtung der E rw e rb s l o sen fürso r g e begonnen. Vis- ster war bekanntlich so, daß Reich, Staat und Gemeinden die Mittel für die Erwerbslosenunterstützung aufbrachten. Da die öffentliche Finanzlage ein Ausbringen der Mittel für die Erwerbslosen nicht mehr gestattet, so ist von der Reichsregierung am 15. Oktober eine entsprechende Verordnung auf Grund des Ermächti- gungsgesetzes erlassen worden. Der Gedanke dieser Verordnung ist der, daß die Summen für bte Erwerbslosen-Unterstützung
von den Beteiligten selbst aufgebracht werden müssen. Von diesem Gesichtspunkt aus Ivll auf Grund diefer Verordnung von Arbeit- Cebein und Arbeitnehmern ein zehnprozentiger Zuichlag zur Krankenversicherung zugunsten der Erwerbslosenfürsorge erhoben werden. Die Einstellung der Zahlung an die Erwerbslosen durch das Reich sollte ursprünglich am 1. November erfolgen. Da jedoch bis zu di^ fern Termin die von den Arbeitgebern und 9Irbettne5mern durch die erhobenen Beilage gebildete Form noch nicht zur Verfügung tarJb, werd die Zahlung zur^Unterstützung der Uebergangsmaßnahmen noch kurze Zeit durch das Reich fortgesetzt werden. Die Unterstützungssumme betrug in der vorigen Woche Tir einen Mann über 21 Jahre 21 Milliarden für die Frau 16,8 Milliarden pro Tag. Familien erhielten außerdem 7,8 Milliarden für die Frau und 6.2 Milliarden für jedes Kind. Diese Beträge sind für die abgelaufene Woche verdrei-