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Freitag, 2. November 1323.

Kaffeler Neueste Nachrtchto»

13. Jahrgang. Nr. 255.

verständlich als Führer einer politischen Parier bin ich dein Wunsche vcs Herrn Deckers nicht nach-gekommen, da Herr Deckers nicht im Besitz Seiner Handelserlnulmis für Medikamente war. Gleichzeitig hat Herr Leo Deckers versucht, un­fern Bezirksleiter in Aackien. dessen Iran eine Belgierin ist, und d-ssen Lohn bei der belgischen Armee dient, aus persönlicher Nieder­tracht bei der Besatzung atz preußischen Spitt isei M denunzieren. Des weiteren ist Deckers in Aachen allgemin als Schieber Ibcfmtiit. der es verstanden hat. während des Krieges sich ein ungeheures Vermögen zn er­werben. Die Motive des Herrn Deckers zu sei­nem Vorgehen gegen mich sind nur darin zu sin den, daß ich mich Herrn Deckers gegenüber nicht bereit erklärt habe, ihm zu seinen unsaubc - r cn Machenschaften behilflich zu sein.*

In Kreuznach steht an der Spitze der dortigen lokalenRegierung* der frühere Arbei­terrat Zeh. der wegen Bestechung aus dem Amte gejagt werden mußte. Angesichts solcher nicht zu erschütternder Tatsachen fragt man sich, »vie lange noch Frankreich und Belgien den verbrecherischen Schwindel derrheinischen Bewegung" und derRheinischen Republik* noch betreiben wollen, fragt man sich, wie lange noch die gesittete West einem solchen Verbrechen noch teilnahmslos zusehen ivill.

Sie bayrische Arave.

Noch keine Lösung der Spannung.

Berlin, 1. November.

Auch die bäuerische Frage ist noch gänzlich kkugeklärt. Herr o. P reg er, d:r bayerische Gesandte in Barlin, erstattete gestern mittag dein Reichskanzler Bericht über den bayrischen Ministerrat, in dem bekanntlich eine Einigung darin fcstgcftellt worden ist. daß eine Verände­rung im Oberbefehl des bayrischen Teiles der Reichswehr untragbar wäre. Das bedeutet also das Festhalten Bayerns an General v. Lossow. Der demokratische Fraktions­vorstand kam zu dem Entschluß, eine Abordnung zum Reichskanzler z entsenden, um ihn aufzu­fordern, die Autorität des Reiches gegen Bayern durchzusetzen Beranlaßt durch die Gerüchte von einer Kabinettsumbildung in Ber­lin haben die vaterländischen Verbän­de Bayerns in einem Telegramm an den Reichsvcrband folgende Stellungnahme kundge­geben: Die vereinigten vaterländischen Verbände Bayerns sehen die Voraussetzung für die Lö­sung der deutschen Frage nur in einer rein völki­schen und nationalen Diktatur. Pi ne Reichsdie- tatur. die sich auf General Seeckt stutzt, gibt diese Gewähr nicht. Aus München wird gemel­det: Am Sonnabend tritt der Aeltestenrat des bayrischen Landtages zusammen, um stch mit der Fraae zn beschäftigen, ob und wann der Landtag tinbemfen werden soll

s Die Jtegeiung in Gachfen.

Rene Regierungsbildung.

Dresden, 1. November.

Der fäd'fifdif Landtaa hat gestern nackt nach Llvölfstiindiyer Sitzung seinen neuen Mini­sterpräsidenten gewählt. Die Wahl fiel, tote schon kurz mitgeteilt, auf den Soziali­sten und bisherigen Mrtsckastsminister Fei­lt sch. Von 64 Stimmen lauteten 46 auf feinen Namen, während 18 Stimmen auf den Abge ordneten Dr. Kail er lDeutsche BolkSparteis entfielen. Tie Teutschnationalen und die Kom­munisten enchielten stch der Wahl. Fellisch tourde mit Hilfe der Sozialisten und der Demokraten gewählt. Da- Kabinett, das er zusammenberufen wird, enthält, wie gemeldet, folgende Namen: Finanzen: Held. Wirtschaft: Krätzig. Inneres: Liebmann, Justi»: Neu .Kultuö: Fleißner, Arbeit: Graupe. Mi- nifterprästdent Fellisch erklärte, die Wahl anzu­nehmen und am 6. November das neue Kabinett vorZUstellen sowie eine Erklärung abzugeü.-n.

Die voriaidemokraien gegen abert.

Berlin, 31. Oft über. Tie gestrige Konferenz der Berliner Funkttonäre der S. P. D. nahm gegen das Vorgehen der Reichsregierung in

Sachsen Stellung und schloß stch dem säckfifck.-,' Borscklage auf Ausschluß des R - s p r ä sidenten Ebert aus der Partei an. Hier­zu bemerkt derVorwärts" u. a:Solcke Be­schlüsse tragen nicht dem Umstande Rechnung, daß sich die Tätigkeit des Staatsoberhauptes in der Sülle des Beratungszinuners vollzieht, so daß ohne genaue Kenntnis der vertraulichen Vorgänge ein Urteil über sie nicht möglich ist.

Um die ^Reparationen.

Bor einer Sackverftnudigenkonferenz.

Landon, 1. November.

Das britsiche Kabinett hat gestern die Bera rung über die Frage der Sachverständi ge »k o mm i ff i o n fortgesetzt. Es wurde be. schlossen, den französischen Vorschlag über den Charakter dieser Kommission anzuueh- mcn. Die Hrörterimg der Frage, wie Amerika zu der Kommission offiziell eingeladen wer­den soll, führte zu zwei Möglichkeiten: Entwe­der könnte England die Initiative ergreifen und Amerika im Namen aller Alliierten einladen, oder die Vertreter Englands, Frankreichs Bel­giens und Italiens in Washington würden dem Staatssekretär Hughes authentische Noten über­reichen. Hierdurch würde ein Meinung s- austausch zwischen den vier Hauptmächten eröffnet werden Itz gewissen englischen Kreisen wurde vorgeschlagen, dem amerikanischen Dele- (Hertejj den Vorsitz in der Komission anzubieten

Helft ven Notleidenden.

Ausruf der Reichshilfe.

Von Berlin aus wird folgender dringende Aufruf an deutsthe Frauen und Männer ver­breitet:

Das deutsche Volk, hundert Tausende unserer Brüder und Schwestern, stnd nicht mehr in der Lage, stck selbst zu ernähren. Darum, Frauen und Männch Deutschlands rufen wir euch in der letzten Stunde Zur Mitarbeit aus. Helft in Meter Rot. Es gilt jetzt, H u n - gar und E le n d zu beseitigen, um daß deutsche Bott vor Berzweiflungssckritten zu be­wahren, dprck die die Reichseinheit zerstört und Deutschland in d-« Zustand der Kleinstaaterei zurückaedrängt würde. Der Kampf gegen hun­ger und Rot ist Menfchenpflicht, ist aber auch Pflicht gegenüber dem Vaterlandc zur Er­haltung des Staates. Tiefer Aufgabe will sich in vollem Umfange die OrganisationReicks- Hilfe" widmen. Ihr Hauptsitz und die Ga- fchäftSstelle befindet fick in Magdeburg, Zoll- straße 1 b. und in Berlin. Kurfürstendamm 181. Die ReickShilfe, gebildet von Männern und Frauen aller Stände, ohne Rücksicht auf politi fche Parteieinstellung, will durch fahrbare und fest stationierte Küchen helfen, die Ernährung der notleidenden Teile deS deutschen Vaterlandes stcherzustellen. Höchste Eile tut not. Verbände wie Einzelpersonen stellen ihre Ar- beitskrast sofort der Reichshilfe zur Berstignng. Frauen und Männer, gebt eure Spenden an Geld und Lebensmitteln an die Anmeldestellen. Geldspenden nimmt jede Bank unter Konto Reichshilfe, entgegen. Sammelstellen für Lebens­mittel werden an den einzelnen Orten bekannt- gegeben.

Frau Reichspräsident Ebert, Frau Reichskanzler Stresemann, Frau Katharina v. Oheimb, M. d. R Frau Dr. Marie Elisabeth Lüders, M. d. R., Frau Christine Teusch. M. p R., Frau Eornelie Hoetzsch, Gras v. Kanitz, Reichsminister für Er­nährung und Landwirtschaft.

Sttllunanahme Oer Beamten.

Kritik an dem Abbauplänen.

Berlin, 1. November.

In einer Sitzung der fünf Beamten- SPitzenorganisationen am 30. Ottobcr wurde von dem Deutschen Beamtenbund, dem Allgemeinen Deutschen Boamtenbund und dem Gewörkschaststtng eine .Kampffront" der Be­amten gegen die mitgeteilten Regierungspläne zum Beamtmabban ausgerichtet. Diese Kampf­front ist, w:e mitgeteilt wird, gedacht unter An­wendung aller gewerkschaftlichen Mittel. Der

Eosamwerband i cmfcher Deamtengewertschaf- ten (christlich-natisvali und der Reichsbund der höheren Bcamren b'elten sich aus dieser Stampf- gem-rnschstsi fern, wöil sie es ablehnten, in der jetzigen schwersten Lage des Vaterlandes das Elend des Volles einschließlich desjenigen dcr Beamten durch einen Streik zu vergrößern.

Von lete'ligter Seite wird dazu erklärt: Der Beschluß soll keineswegs eine Sabotierung der Verordnungen zur Gesundung der Staats- Wirtschaft »rtfcciriteJi. Er soll lediglich einen Ausdruck der Wachsamkeit darstellen, zu der die Organisationen sich gezwungen fühlen.

Thüringens Grenze.

Kampfstellung der bayerischen Hitlerlnippen?

Weimar, 1. November.

Entgegen den Erklärungen von bayerischer Seite, daß die von sozialistischen Blättern veröf­fentlichten Mitteilungen über die Vorgänge an der bayerisch thüringischen Grenzeans der Lust gegriffen seien", wird von thüringer amtlicher Seite mitgeteilt: Seit mehr als acht Tagen ist ein absoluter Aufmarsch der rechtsradikalen Kam forganifationen längst der bayerisch- thüringischen Grenze seftzustellen. Ent­sprechende Mitteilungen sind auch den Berliner Zentralinstanzen zugegangen. Es wird ferner bestätigt, daß sich der flüchtige Kapitänleutnant Ehrhardt in Kobnrg aufhält An der baye- risch-thüringifchen Grenze versammeln sich fämt- iicke Stoßtrupps der verschiedenen Hitler and Ehrharp - Organisationen Sie sind mit allen für einen Bandenkr eg erforb:r i chen Waffen ausgerüstet, als da sind: Infanterie­gewehre Maschinengewehre, einige Geschütze und sogar Minenwerfer. Das Kommando der Thü­ringischen Landespolizei verfolgt biefc Vorgänge nicht ohne Besorgnis, da angesichts her äußerst bedrohlichen Lage die Kräfte der Thiitingifchen Landespolizei kaum ansreichen dürften, um ei­nem etwaigen Vorstoß wirkam entgegentreten zu Können. Die Thüringische Landespolizei befin­det sich in erhöhter Warmbereitfckast. die Grenz - vosten find beträchtlich verstärkt worden.

Schlrßavungen an drr rSreuzt.

Weimar, 1. November. Wie von der Thürin gischen Landespolizei in Weimar mitgetejlt inirb, hört man an der Grenze fortwährendes Schießen, das, wie festgestellt wurde, von Schieß­übungen der Hitler-Truppen mit Geschützen und Maschinengewehren hkrrührt. Bei Li ch t e n = berg in Banern ist neue Artillerie in Stellung gebracht worden. Aus der Gegend von Arn­stadt und Kronach hört man Gewehrfeuer, das auf Scharssch-esitzungen in dies:» Gegenden zurüzckusühren ist Im Landkreise Hildburg- Held b n r g ist es zu Grenzüberschreitungen von Hitlertruppen gekommen, die auf thüringische Schutzpolizei geschossen haben. Die Polizei hat diese Angriffe nicht ertoiberf In ber Gegend von Hildburghausen find Listen für die Aushebung von Pferden und die Reguisjtion von Futtermitteln aufgeftellt worden. Die lhüringifche Regierung hat heute an den Reichs­präsidenten. den Reichskanzler und den Reichs Minister des Innern telegraphiert und die Wie­derherstellung verfaffunqsmäßiger Zustände in den nortbayerifchen Gebieten gefordert.

Steuerzahlung mit Solbanleihe

Verfügung an die Finanzämter.

Der Rcichsminister ber Finanzen bat die Fi­nanzbehörden angewiesen, Stücke ber Golban­leihe des Deutschen Reicks und die für sie aus- gegebenen Zwischensckeine an ZahlungsStatt bei Steuerzahlungen anzunehmen. Die Annahme erfolgt zu dem vom Reichsminister ber Fincm--. zen seftgchstellten Wett. Bis auf weiteres gilt als Annahmewert der Nennwert. Die mit Zinsscheinen ausgestatteten Stücke der Goldan- ,leihe (also Stücke im Einzelwett von 42 Gold- marf gleich 10 Dollars und mehr), denen der lausende und die später fällig werdenden Zins­cheine nicht beigefügt sind, sirwie beschädigte und nicht nnilau (fähige Stücke sind ausgeschlos­sen. Eine Zinsvergütung erfolgt in keinem

Falle. Bei Annahme der Stücke wird ihr Gold­wert in Papiermark umgerechnet. Der Umrech­nung wird der Goldumrecknungssatz zugrunde gefegt, der am Tage dc'r Zahlung für Reichs- steuern gilt.

Aus DollM und Wlrychast.

Reichsindexzifser. Tie Reichsinderzisser für die Lebenshalt nngsko st cn (Ernährung. Wohnung, Heizen, Beleuchtung und Kleidungt beläuft sich nach den Feststellungen des Statist:. schön Reichsamtes für Montag, den 29. Oktober, auf das 13671milltardensache der Vorkittgszett. Die Steigerung gegenüber der Vorwoche (3045 Milliarden) betrug demnach 349 Prozent.

TerPfalz-Hoffmann" entlassen. Ter frühere bayrische Ministerpräsident, Lehrer.vogann Hoffmann in Kaiserslautern, der den Versuch machte, die Pfalz mit französischer Hilfe von Bayern loszureißon, war schon 1908 aus dem öffentlichen Schuldienst ausgetreten und erst 1920 auf sein Ansuchen wieder in diesen aufic- nommen worden. Das Kultusministerium hat nun das widerrufliche Dienstverhältnis mit sofortiger Wirkung gelöst.

Tariferhöhung der Eisenbahn. Ab 1. Novem­ber werden die Perscmen- und Gütertarife der Eisenbahn, wie uns mitgeteilt wird, täglich nach dem Dollarstaude festgesetzt.

Preußens Sparprogramm. Das preußi­sche Kabinett ist, wie berichtet wird, zur Zeit damit beschäftigt, eine Reihe einschneidender Sparmaßnahmen vorzubereen. die sich im we­sentlichen im Rahmen der vom Reiche betrie­benen Sparpolitik bewegen. Zmn Teil gehen die Absichten der preußischen Regierung noch darüber hinaus. Die Beratungen sollen nach Möglichkeit so beschleunigt werden, daß bereit? für 'bie) nächsten Tage mit ihrem Abschluß zu rechnen ist. Die vom Kabinett ausgearbeiteten Verordnungen werden, da der Landtag zur Zeit in den Ferien ist, dem Ständigen Aus­schuß des Landtages Mr Kenntnis gebracht.

Konferenz um Tangelr. Die italienische Regierung hat, wie Havas mitteilt, bei den Re­gierungen von London, Madttb und Paris Vor­stellungen erhoben wegen der Nichtzulassung Italiens zur Tanger-Konferenz Die drei beteiligten Patteien seien zurzeit mt Be- flriff, sich über die Antwort an Italien zu ver­ständigen.

Ministqrmorb in Bulgarien. Au? Sofia Wirtz berichtet: Ter frühere Minister Gena- d i e f f ist Dienstag abend beim Betreten feine? Hauses ermordet worden. Der in seiner Be; gleitung befindliche srüherö Gesandte in Berlin. Geschoss, wurde schwer verletzt.

Rechtsmittel im Steuerversadren.

Mitteilung des Finanzamtes Kassel.

Um die Fincmzbrhvrden für die Ausgaben, die ihnen ans der Umstellung des StcuerWtem? aus Goldmark erwachsen, frei zu macken.bat de- Reichsminister der Finan-en am 24. Oktober 192-1 eine Verordnung Mr Entlastung der Fmgnzbe- Hörden erlassen. Durch diese Derordutmg wird ein beträchtlicher Teil der Rechtsmittel, die v o r dem 14. Oktober 1923, dem Tage des krasttretens der Aufwertungs-Verordnung, mt Besteuerungsverfahren eingelegt worden find, für erledigt erklärt. ES Werden dab« folgende Unterscheidungen gemacht: 1-Beschwer­den. Einsprüche. Berufungen und Anfechtungen sind erledigt, wenn der Stteitgegenstand am 13 Oktober 1923 keinen höheren Wert als eine Milliarde Mark gehabt hat. 2. Bei Beschwerden, Einsprüchen, Berufungen und Anfechttingen, bereit Stteitgegenstand am 13. Oktober 1923 uuhc als eine Milliarde, nicht aber mehr als drei Mil- liarden Mark wert «eweien ist. ist das Versab- nen unterbrochen. 3. Das Verfahren über Rechtsöeschwerben vor dem g^chssinanzdofisi unterbrochen, wenn- der Wett des Streit gegenständes am 13. Oktober 1923 den Betrag von drei Milliarden Mark nicht überstiegen hat. In den Fällen, in denen das Verfahren unter­brochen ist (im vorstehenden die Nummern 2 und .31 kann der Steuerpflichtige durch eine Er-

Wenn bieXoken erwachen

» Betrachtungen am Allerseelentag.

Am 2. November, dem Tag im Jahre, der den Toten frei ist, taucb-m mit der frömmelt Trauer um die Seelen ber Abgeschiedenen auch an die zahllosen noch heute lebendigen Bräuche und Sitten aus Vorzeittagen vor uns auf. Man glaubt, daß an diesem Tage im Freie» und in den Häusern alles voll von Geistern und Seelen ist, und deshalb muß man besonders vorsichtig sein, um die hernmsct wärmenden Heere der To­ten nicht Zu beleidigen oder zu verletzen. Man fürchtet auch diese Besucher aus dem Tote »reich und wagt sich daher im Dunkeln nicht gern ans die Straße Vielfach berichtet die Sage, daß die Seelen in der Allerseelennacht ihre Gottesdienste in den SHrcben abhalten, wobei sie nicht gestört werden dürfen. Da die Toten in dieser Jahres­zeit den Schauplätzen ihres früheren Lebens einen Besuch abstatten, so rüstet man alles MM Empfange der unheimlichen und doch so sehr ge­liebten Gäste.

In Tirol wird eine volle Stunde lang in der Rackst zu Allerseelen nm zwölf Uhr mit allen Glocken geläutet: das ist das3ee* lenmisläuttn" und es kündet an, daß die Toten auf dieses Zeichen hin das Fegefeuer ver­lassen, um ihre irdische Heimat aufzusuchen. Die Gräber, die man gewöhnlich schon am Allerheiligenfeste, am 1. November, vom Unkraut befreit unb reich geschmückt hat, 'werden am Ällcrbeiligenabend befitdrt; aber die große Pro­zession auf die Friedhof?, an der alle tum Dorf Gehörigen teilnehmen. findet erst am Allerseelen- taqe statt. In katholischen Ländern erfolgt Vieser feierliche Aufing unter Porantritt der Geistlich­keit: die Gräber werden mit Weihwasser be- svrengt unb Lichter werden entzündet. Das -Lickt i'vielt überhaupt im Totenkult eine große Rolle, beim es ist das Sinnbild berarmen Seele", besten Flämmchen im dunklen Reick des Todes hin und hersiackett. So stellt man in Tirol am LlllerseelenfestSeelenlichtlein" ans den Tisch. Auch beim Gottesdienst in der Kirche brenn* Kerzen, und auf den Straßen werden sic herumgetragen. Mancherorts zündet man ein

tüchtiges Feuer im .Herde an, damit die Seelen, die btekalte Pein" erleiden sich daran wärmen können. In Böhmen wird ein? mit Sutter gestillte Lampe angezündet, damit die Seelen die Brandwunden. die sie im Fegefeuer erleiden, damit einsalbcn können. Ml diese Brä"cke sol­len den Deelen einen wehmütige» und erqnik- kcuben Grnß bei ihrem Besuche spenden, sollen ihnen Wörme und «liefe wohl gar Erlösung bringen..

Aber nickst nur Wärme sondern auch Nah­rung verlangen tnc Besuckor aus dem Toten- reick. Uralte Speise Opfer leben ans in den Bräuchen, nach- denen früher auf die Gräber Essen unb Tittikckn gesetzt wurde oder auf dem häusliche« TUch Speisen und Getränke bereit standen. Da sich die Abgeschiedenen aber nickt mehr an diesen Opfern gütlich hin können, so ist man dazu übergegangen, diese den Tot?» oe- weihlen Spenden Lebenden. hauptsächlich Ar­men und Kindern zugute kommen zu laste». So entwickelt sich aus dem Trauerfeft für die Toten ähnlich wie bei dest Heimkehr vom Begräb- nis in dem gefunden Sinn bes Volkes hie und da ein Fest, bei dem man sich? wohl fein läßt. In Belgien z B. lackt, trinft und tanzt man am Alle'ire^enabrnd. und es wird b^brntfe* tct, daß die Seele» daran ihre Freude haben. Gewisse Speisen werden bei dckn Zoten opfern kx vorznat. nnd es gibt zahlreiche Gebildbrote. das fca. Allerfeelenaeböck, dos an diesestn Tage be­reitet wird Die lkinder ziehen herum nnv bet­teln in manchen Gegenden nmSpitzlcin": bei den Umzügen finden wobl auck die Knaben mit Schalen und Glocken. Sie erhalten nickt nur bestimmte Seelenbrote, sondern auch Aepsel, Bir neu. Rüste und Geld oder werden von ihren Paten beschenkt.

(Sine neue Oper.

Arigi Boiko und Richard Strauß.

Mit aroßer Spanuii-na sieht mau in Italien der Ausfiihning von Beitos OverNero" ent­gegen, di: in der diesjährigen Saison Der M<f- iänber Scala zum ersten Maie in Szene geben wird. Boito, der kongeniaic Librettist Ve.dis

und angesehne Dichterkomponist, bestenMc- fistofelc" in Deutschland höher bewertet wird als in der Heimat des Konrponislen, war ein er­klärter Feind der modernen Richtung i» der Musik. Eine Ausnahme machte er nur zu Gun­sten derSalome" von Richard Strauß, aber auch hier war er über Nacht aus einem Saulus zum Paulus geworden.

Als dieSalome" zum ersten Stale in Ita­lien an der Seata aufgefübrt wurde, wohnte der Premiere auch Arrigo Boito bei. Er war im höchsten Grade entrüstet über das Werk und machte seinem Herzen schimpfend Luft in der Erklärung, daß, wenn es nach ihm ginge, der Verleger dieses die Kunst in den Staub ziehen­den Werkes samt dem künstlerischen Beirat nutz dem Impresario hingerichtet werden würden. Nach einiger Zeit wandelte aber, man weiß nickst, aus welchem Grund, Boito die Lust an, dieSalome" noch einmal zu hören. Diesmal verließ er das Theater nicht nur als Bekehrter, sondern als ein begeisterter Verebter des Wer­kes, vor bestem Enthusiasmus nicht Worte des Lobes genug zu finden wußte unib jedem, bet etwa anderer Meinung fei. Maulschellen anbot.

Ausstellung im Kunstverein.

Di?Malergruppe 1923", eine Reihe jünge­rer Kasseler Künstler, deren Namen zum Teil den Kunstfreundeu bekannt sind, stellt ihre 'Ar­beiten, Laüdschasten, Porträts, Sttllsben und Graphiken, in diesem Monat im Kunstverein am Ständeplatz aus. Ihre Namen sind: Dersch, Lohe. Pilartz, Schnell. Schröter, Schwartzevberg, Sclncnk, Sigmund, Sv.

Buntes Assettet.

Unser Xlumfnaorttn im Zimmer.

Die einsetzenden Winterarbeiten richten sich sehr nach dem Wetter, da die härteren Tvpfae- wächsö je nach diesem früher ober später in die Neberwinternngsräume gebracht werden müssen; vorher sind Pflanzen und Töpfe sorgfältig zu säubern. Kranke und mißgestaltete Pflanzen wirst man hierbei wea. denn es wird doch nickte Rechtes ans ihnen. Die Ueberwinternden stellt

man möglichst bett und trocken, "" besten m kühle, nur im äußersten Notfall zu heizende Rau tue dis man bei milder Witterung reichlich lüf­tet.' Die ganz harten Kitbelpflanzen laßt man dagegen möglichst lang im Freien und Mt sie 2 in Aufbewahrung am besten einem zuveri ai si- gcn Gärtner, der die nötigen Einttchtungen dazu hat Eingezogene Knollen und Zwiebeln wer­den aus den Töpfen genommen, gereinigt und trocken aufbewahrt. Tie bekannten Sorttmenis- pflanzen (Fuchsien. Pelargonien) werden froft- frei überwintert. Tie Treibhyazinthen können jetzt auf Gläser gesetzt und dunkel gestellt, die Tcvfüvazinthen gepflanzt nnd eingegraben wer. den, Treihstauden und Treibsträucher sollen da. gegen nach dem Umpflanzen zur besseren Winter- ruhe noch möglichst lange im Freien bleiben.

lReaen und (Srntf.

Der Einfluß des Regens auf die Ernte ist ln der landwirtschaftlichen Untersuckungsstatton M Rothamsted in England genau erforscht worden. Es wurden einige abgegrenzte. Stücke Land M Jahre lang in ihrem Verhalten bei starken und schwachen Niederschlägen beooachtet. Man fand dabei, daß der Boden 20 Pfund falpetrtiautc? Dal, auf den Acker jedes Jahr durch den Regen erhält, aber daß bracfcüeaenbe? Land etwa stinf- mal soviel von diese» Sallen verliert als be- ba-utes Land. Die Versuche haben bewieien. wie kostspielig es ist. Land brach liegen zu laflen: sie zeigen andererseits, wie wertvoll es ist. wenn t er Boden während der nassen Iahres^it in ge­eigneter Weise bestellt ist. Die Regenmenge wurde in Rotbamited Dnrchschnittlick mir amt. undzwanzig Zoll fesigestellt, aber bet Regen, ber wirklich vom Boden auraenomen wird unb für bic Ernte wichtig ist. beläuft sick nur durch­schnittlich auf vierzehn Zoll. Ter übrige Regen macht nur die Schicke des Landmannes naß.

Humor in ernster Zeit.

** Ej verunglückter Widerruf. Im -Aklg. Anzeiger" (S?eer) erläßt i^manb folgende Ehren­erklärung:Wenn ich pefggt habe. Klgs F. sti nicht wert baß m*n ihm ins Geiickit ipucke, so widerrufe ich das auf Anra'eu des -Schieds^ mannrs und erfiärte: er i st r s wvhl wert."