Meier Neueste Nachrichten
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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
13. Jahrgang
Nummer 248
Mittwoch, 24. Oktober 1923
Einzelpreis 150 Millionen Mark.
Einzelpreis 150 Millionen Mark.
Weilere Sonderbündler-Putsche am Rhein
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andere (elivfiA be-
Sobald die N en-
Vcrsailler Vertrages einen entschiedenen Protest Deutschlands zustcllen. Wie verlautet, hat sich der Reichskanzler für heute früh bei dem englischen Botschafter zum Besuch angesagt.
Sh>trft der Otrld6<reaitruno.
Berlin, 23. Oktober. (Privattelegrmmn.) Das Reichsknbinett hat gestern bis Mitternacht über die neue Lage am Rhein beraten. Der
möglich In Sachgüter oder In Werte umzuwechseln.
„Bhelnifche Republik."
Ueberall Putsche bewaffneter Sonderbündler. lVrivat-Telegrenmn)
Köln, 23. Oktober.
Die heute über den rhein schen Putsch vorliegenden Meldungen besagen: Mainz, Karten und andere Städte sind von bewaffneten Separatisten besetzt. Dix deutschen Behörden waren nicht in der Lage, Widerstand zn leisten Der englische Kommissar für das besetzte Gebiet ist telegraphisch nach London berufen worden, um an einer besonderen Kabi- nettsfltzung teil,unehmen, die stch mit der durch den Rheinlandputfch geschaffenen Lage befassen wird. — Rach weiteren Meldungen wurde in München-Gladbach und Krefezd die rheinische Republik ausgerufen. An Koblenz haben die Separatisten unter den Augen der französischen Besatzung das Telegraphenamt in ihre Hand gebracht. An Düren fand gestern ein Zapfenstreich der Garnison statt, inr dem die Führer der Sonderbündler trilnah- men. Die Bürgerschaft wurde durch Anschläge aufgefordert, der von den Sonderbündlern eingesetzten Behörden Gehorsam zu leisten.
Ledrrrumpelung weiterer «tadle.
Frankfurt a. M.. 23. Oktober. (Privattelegramm) Auch in Wiesbaden ist gestern d e „Rheinische Republik" auSgerufen worden. Bon allen staatlichen Gebäuden wehen die Fahnen der neuen Republik. Die französischen Truppen sind in den Kasernen zusammengezogen. Tie Ucberrumpelung Wiesbadens geschah so schnell und sicherrLschrnd, daß eine Stunde nach der Besetzung durch die Separatist,» eine große Anzahl Behörden noch nichts von der Besetzung wußte. — An Höchst a. M. wurde gestern auch die Rheinische Republik ausgcrufen. Die Separatisten haben bisher nur den Bahnhof besetzt. Die aus dem Rhkeinland kommenden Meldungen lauten immer ernster. Auch Bonn ist den Separatisten in dir Hände gefallen. Die Besetzung von Trier und Kreuznach wird für heute, spätestens morgen, erwartet.
Teils zum Reiche, teils zu Bauern.
München, 23. Oktober (Priv^tMegramm ) An München fand gestern abend eine Besprechung der höheren Offiziere der Reichswehr in Bayern statt. Die Kommandeure reisten noch am Abend in ihre Standorte zurück. Wie zuverlässig verlautet, stellten sich die Kommandeure auf den Standpuntt, daß sie als Offizier« der Reichswehr Befehle des Reiches anzunehmen und auszuführen haben, daß sie aber im Polizei- und Ordnungsdienst durch die Weimarer Verfassung der bayerischen Regierung für die Dauer des Ausnahmezustandes unterstellt sind, deren Anordnungen hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung durch die Reichswehr zu befolgen seien.
Widerstand in Düsseldorf.
Düsseldorf. 23. Oktober. (Privattelegramm.) Gestern abend kam rS mehrfach zu einem separatistischen Ptttschversuch, der aber an dem Widerstand der Gewerkschaften scheiterte. Man erwartet für heute wettere separatistische Unternehmungen. Die Separatisten find bewaffnet und in großer Zahl in den Kasernen der Franzosen und Belgier zusammengezogen.
IDte Sa fielen Sleuefien 9>a*rl»tert «Meinen nrncfcentlkb fe*5inal nacbm ttagS. Der Abonne- mentSprels betrugt für die Woche vom 21.—27. DttSOO Millionen Mark bei freier Zustellung in« Haus, in der SefchaNMelio abgetfolt 780 Million« ,. Bestellungen werden febersett entgegen.
। genommen. 3erlag una Redaltton: Schlachldosftcade 28/30. Fernsprecher Nummer । 951 und 952. Für unverlangt eingefanbte Beitrage kann die Redaktion eine Gerant- I rjOrtung ober Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes I ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlossen. | Postscheck Frankfurta M «180. Druckerei. Schlachthossir.28/z0. Sefchäfksstell.-: Kölnische Str. 5.
Am unruhigen Berlin.
Plünderungen und Massenverhaftungen.
Berlin, 23. Oktober.
Die Bäckerinnung kündigt eine n e « e B r o t - Preiserhöhung ihres 1400-Gramm-Brotes auf atft Milliarden an. Die Plünderungen in Berlin haben gestern den Charakter öffentlicher Revolten angenommen. Auf den Straßen wurden die Wagen überfallen und nach Lebensmitteln durchsucht. Die Geschäfte wurden durch Eisengitter geschützt. Dennoch meldet der Pisiizeiberichi über zweihundert N e b e r f ä l! r am gestrigen Tage auf die verschiedensten Geschäfte. Mehr als dreißig Läden find in den letzten vierundzwanzig Stunden geplündert worden, besonders Bäcker- und Metzgerläden. In Köpenick
Technische Nothilfe.
Vierjähriges Bestehen.
Heber bie ©enteinnlifcigleit der Technischen Nothilfe u b ih o bisherigen Leistungen geben bie nachstehenbenAusführnngen wieder Aufschlag
Zum vierten Male jährt sich der Gründungstag der Technischen Nothilsc. In diesen vier Jahren hat sie nach den bisher vorliegenden Zusammenstellungen an 2979 Stellen mit 73217 Nothelfern 3 884 696 Arbeitsstunden leisten müssen. Das abgelaufene vierte Tätigkeitsjahr weist eine Ziffer von 955 Einsatzstellen mit 13 750 eingesetztes Nothelfern und 174682 geleisteten Arbeitsstunden auf. Gemessen an einem Jahresdurchschnitt von 675 Einsatzstellen, 19822 Nothelfern und 1036 671 Arbeitsstunden ergibt sich hinsichtlich der Ziffer der Einsatzstellen eine Zunahme der eingesetzten Nothelfcr- z a h l und der geleisteten Arbeitsstunden jedoch ein Rückgang. Diesem Zahlenmäßigen Rück- gang, der auch mit der infolge der Ruhrbesetznng allgemeines Abnahme an durchgeUhrten Ar- boitskämpfen übereinstimmt, steht jedoch die große Bedeutung gerade der diesjährigen Tätigkeit der T. N. gegenüber, die durch Einsätze in der Landwirtschaft vornehmlich die
Dichvrstcklung der Volksernährung bezweckte. .In den diesjährigen größten land- wirtschaftlichen Streik?, die bisher überhaupt zu verzeichnen sind, hat die Technische NotMfe in diesem einen Fahre beinahe doppelt so um- fangreich in Tätigkeit treten müssen wie in den drck vorangeganqenen Fahren auf diesem Gebiete zusammen. Ans dieser Tatsache erklärt sich auch di? oben vermerkte Verwehrung der Eprfatzstelleu. Auster der angegebenen Zahl proftisch geleisteter Einsätze hat' die Technische Notbilse in sechzig Fällen außerdem in diesem Berichtsjahr b e r e i t g e st e l l t werden müssen, ohne daß es zu einem Einsatz kam. da die Not- standsarböften von den Streikenden selbst verrichtet wurden. Diese vorbeugende Bedeutung der Technischen Notbilse ist im letzten Fahre stärker bervorgetreteu. Nach einer vorliegenden Uebersicht über die Streikfälle in lebenswichtigen Betrieben ergibt sich, daß im Vorfahre von den erfaßten Fällen die Arbeitet von sich ans in 24 v. nach Bereitstellung der Technischen Rothilfe in 16 v. $?>. die Rötstandsarbei- ten selbst durchführten und die Technische Rot- Mse in 60 v. H die Durchführung übe'mebmen mußte. Am verflossenen letzten Aabre hingegen übernahmen nach dem vorlanflaen Ergebnis die Arbeiter selbst in 29 v. H. von sich aus die Notstandsarbeiten. in 27 v H. nach Bereisstellung der Technischen Rotbilfe. während d-e Notbilse in 44 v. 5? desi Nosstmid -dienst versehen mußte. — Neber die durch die Tätigkeit der Technischen Nothilse
geretteten materiellen Werte lassen sich in den meisten Fällen, so hibsschtlich ihrer Einsätze in Gas-. Wasser- und Elekttizi- tätswerken. und Ihrer Erhaltungsarbeit in Hochofenbetrieben. Bergwerken und anderen wertvollen Produftionsanlagcn ziffernmäßiges Angaben nicht beschossen. Dagegen lind aus denjenigen Einsätzen der Technischen Notbilse, die sich in erster Linie mit der Erhaltung von N a b« rungs- und Futtermitteln l-efaßten, in einer Reihe von Fällen näßere Angaben Mannt g-stvorden. So wurden in ß.n diesjährigen Einsätzen der Technischen Nothilfe In der Land- wjrsschast nach bisher noch nickt abgeschlossenen Feststellungen an .Heu 618 700 Zentner von Rot- belsern bereingebracht, an Hackfrüchten wurden 365 485 Zentner geborgen und der Volksernäb- rima erhalten, an Vicfi wurden aewartet 20 764 Stück Rindvieh, darunter der größte Teil Milchvieh, und 1168 Vserde Mit diesen Zahlen erhöbt sich die ziffernmäßig feststellbare Gesamtsumme an erhaltenen Werten im Nabrnnqsmit- telgewerbe und in der Landwirtschaft für die vier Fabre aus eine Ziffer von üb4r fünfzig Millionen Goldmark. — Nickt nur in Zahlen aber drückt sich da? Wirken der Technischen Nothilfe aus. Gerade
die ideellen Bestrebungen der Technischen Notbilse haben im verslossenen Berichtsjahre bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Von der Mehrzabl aller wichtigen'V e r. bände, Vereinigungen und Jnnun. gen ist in diesem Jahre — sei es durch Ent- schliestunoen oder durch korporativen Beitritt — das Programm der Technischen Notbilse anerkannt imd übernommen worden Während bereits in den Vorjahren auch von Arbeitnehmerseite die Christlichen und die Hirsch-Tunckerschen Gewerkschaften den Grundsätzen der Tecknischen Nothilse beistimmten, haben in dem verflossenen Berichtsjahre die Freien Gewerkschaften trotz ihrer arundsätzlichen Geonchschaff zur Technischen Notbilse den Grundoedanken der T. R., RotstandSarbeiten unter allen Umständen in lebenswichtigen Betrieben zn verrichten, ebenfalls dadurch anerkannt, daß sie für ihre Vetz-
Stnjetgenpreife: @ r u n o $ t e i 6 für bie Zeile 50 Mark, für Reklamen 200 Mark malSchlus. >el;ahl für da« deutsche 3ettung«gero;rbe zur ZeM2 000000), auf ffamiliemnictgen und Kleine Mn«etgen 20•/, Nachlaß. Auf alle nicht dis zmn Abend des auf den Ausgabetag folgenden Tages bezahlten Anzeigen erfolgt ein RechnungSau schlag oon 10°/o! Bei dieser Rechnungs. erietlun ist d r Betrag innerhalb > lagen zu zahlen. Rach Ablauf dieser Frist ist rer Anzeigen- grunoorei ■ mit d in am ZahlungStage mttige t Anzeigenichlussel zu vervielfachen. Lausende An- zeigen werden uiUdem Tageszeit.»preis berechnet. Für die Richtigkeit aller durch ,Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, tonne für Aufnahmedaten und Plaste kann nicht garantiert werden
tenmark eingeführt ist und die notwendigen Voraussetzungen zur Reform der Finanzen und der Wirtschaft geschaffen sind, wird sich die Einziehung des Papiergeldes verhäftuismäßig einfach bewirken lassen.
Die Renten mark wird von der Gesamtheit der landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe Deutschlands leinschließlich Handel und Bankens begründet. Sobald die Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Wohnungen gefallen sein wird, wird man auch den städtischen Jm- mobilienbesitz in das Rentenbankprojekt einbe- zichen. Die durch Sachwerte und erstklassige Schuldscheine sichergestellte Schuld ist die Grundlage für die von der Rentenbank auszugebendcn und als Deckung für die Rentenmark-Scheine zu verwendenden Rentckibriefe. Es handelt sich also bei der ersten Etappe unserer Währungsreform um ein im wesentlichen durch Sachwerte sichergestelltes wertbeständiges Geld.
wurde der gesamte gestrige Martt von zwei Hmr „ _____ dertschaften Erwerbsloser ausgeräumt. Tie Poltz
Reichskanzler wird heute früh alle« Mächten destrei hat Massenverhaftungen vorgenonnnen.
KeineVereldigunginDayrrn Merkmale der Enffpanuung.
(®iaent Drabtmelduna.s
München, 23. Oftober.
Die Regierung hat den Plan, die Truppen neu zu vereidigen, fallen gelassen, nachdem ein Teil des bayerischen Offizierskorps gegen die Aushebung des dem Reiche geleisteten Eides Widerspruch erhoben hat. Die Jnpflicht- nahme der Truppen für die bayerische Regierung ist, wie die Staatszeitung hervorhebt, unter Fortbestehen des Eides gegenüber dem Reiche, durch eine einfache Verlesung der neuen Pflichtformel erfolgt. (Siehe 2. Seite.) — Gestern war der Gesandte des Reiches in Mün. chen beim Ministerpräsidenten von Knilling. Der Besuch dauerte über drei Stunden. Die heutige Morgenausgabe der Münchener Neuesten Nmh- richten glaubt eine Entspannung der Lage seststellen zu können, nachdem von mehreren Bundesregierungen eine Vermittlung in München eingeleitet ist und der Konflikt dem Reichsrat unterbreitet werden soll.
Sin Viertel de« befehlen »tötet« I
Paris. 2.. Oftober. (Eigene Drahtmeldung.) Havas meldet von gestern abend, daß die Ausrufung der selbständigen Republik des Rheinlandes bereits in einem Viertel des besetzten Gebietes erfolgt sei. Nachrichten auS der Pfalz lassen erkennen, daß auch dort die Proklamation einer unabhängigen Republik „Pfalz" von den Separatisten in bie Wege geleitet wird.
Sin neuer Kurs?
Politische Wandlungen.
Die langerwartete außenpolitische Entschei- hung ist eiugetreten In der Umgebung des Reichskanzlers Strcsemann ist man der Anf- sassung, daß Frankreichs Reparation4^- sorder ungen 'licht erfüllt werden können und daß man es auf einen Bruch mit Frankreich ankommen lassen müsse. Die ähnliche Aeußerung des ehemaligen preußischen Minister- präsidrtnten Stegerwald, daß man mit einem, wenn auch vorübergehenden, Vörlust des Rhein- und Ruhrgebietes rechnen müsse, bestätigt den Ernst der Lage. Eine weitere Bestätigung können wir auch in dem völligen Schwinden der Papiermark erblicken. Da P o i n c a r ä hat erklären lassen, er werde auch nicht verhandeln, wenn Deutschland sich durch die-Reparationskommission die gleichen an Poincar^ gestellten Fragen beantworten läßt, ist eindeutig, daß Frankreich den deutschen Westen weiter besetzt halten will. Die Versuche Belgiens, zu vermitteln, sind fruchtlos geblieben und die Zurückhaltung Englands in der ganzen Frage geht nicht über unnützes Reden hinaus. Die deutsche Reichsregierung macht keinen Hehl mehr daraus, daß sie nicht in der Lage ist, die französische Handlungsweise im Ruhrgebiet seit dem 11. Januar als mit dem Friedensvertrag vereinbar zu betrachten. Da die Verhand- lungsbasis von PoincarH verschoben wurde, kommt der Zeitpunft, an dem die Entente als Gesamtheit für die Handlungsweise Poin- car^s und beten Folgen von uns hastbar gemacht werden muß. Mr sind aber nickt in der Lage, unter den jetzigen Umständen Rtiparatio- tnn zu leisten. Daß Deutschland ein zweites Versailles unterzeichnet, ist ausgeschlossen. Nachdem wir alle Mittel erschöpst haben, iml zu einer Verständigung zu gelangen, bleibt nur der Bruch!
Man kann iysofer» von einem Kurswechsel sprechen, als eine neue außenpolitische Situation auch neue Methoden fordert. Dirt kritische Lage Deutschlands zwingt auch zu einem neuen Kurs in der Annen- und Wirtschaftspolitik. Wenn wir auS den jetzigen Zuständen herauswollen, müssen wir konseguettt dis Fchlerguellen verstopfen, die zur Entwertung der Mark und zum Arätteverfall führten. Die neue Währung erfordert eine rücksichtslose Beschneidung Wr U»>tzg->n«n des Reiches. Wir müssen auch unsere Produktton Heden, nm die Warendecke zu vergrößern. Es ist mich ganz klar, daß die Umwertung aller Werte in unserem Wirtschaftsleben gerade diejenigen, die von Zwischengewinnen lebten, ansmerzen wird. An- lofern wird die wirtschaftliche Entwicklung und der Zusammenbruch vieler ungesunder (griffen« zeit und Katastrophen erst zur Genesung führen. Am jetzigen Aiwenblick und auch in einigen Wochen ist es vollkommen unbenfbat, daß durch Streiks ober einen Generalstreik bie notwendige Entwicklung durch das Tal der GenesungS- krise ausgehalten werden kann. Anfang November wird die nette ..Rentenmark" im deutschen Zahlungsverkehr eingefiihrt. Wenn es dem Reiche später gelingt, größere Bestände von Gold und Devisen an sich zu ziehen und binzii- legen, so wird die Ablösung der Rentänmark durch die Goldmark möglich sein. Gold und Devisen sind aber nur zu beschaffen, wenn das Reich seinen Aufwand aufs äußerste einschränkt und so Gleichgewicht im Haushalt erzielt. Unsere Vroduftion müssen wir über unteren Verbrauch hinaus steigern, damit wir Devisenüberschüsse erhalten. Die- wird nur durch eine Neubilanzierung unserer Wrtschast. d. h. praktisch gesprochen durch Steigerung und Verbilligung der Produktton und damit der Ausfuhr erreicht werden können.
Die Rentenmark soll zunächst nickt gesetzliches Zahlungsmittel für den Verkehr im Publikum werden. Wohl erbrir wird sie von allen öffentlichen Kassen zum vollen Gold- kurs in Zahlung genommen. Es ist trotzdem so gut wie gewiß, daß der Verkehr sich schnell an die Rentenmark gewöhnen und sie gern annehmen wird. Es klingt fast widersinnig. tvenn man ftststM, daß in Deutschland ein außerordentlich geringer Geldumlauf besteht. Rechnet man die Tausende von Billionen umlaufenden Papiergeldes in Goldmark um, so kommt man auf einen Betrag von etwa Millionen Goldmark gegenüber einem Geldumlauf vor dem Krieae in Höbe von etwa 6000 Millionen. Die Währungsreform tolrb darin zum Ausdruck kommen, daß sich die Um« lanfsaeschwindigkeit des Geldes verlangsamt, daß sich also ein viel größererer Realbetrag an Umlan'smitteln w? notwendig erweisen wird. Heute ft steht in Deutschland ckne krankhafte, aber leider nur allzu berockttate Scheu vor Bargeld. Wer ein paar Milliarden Papiermark in der Tasche hat, ft'chf sie so schnell wie
Das ratlose England.
Angebliche wichtige Entscheidung im Kabinett.
(Gigener
London, 23. Oktobetz.
In L o n d o n hat bie Ausrufung der „R hei- nischen Republik" allgemeine Hebet« raschung hervorgerufen. Die politische Lage, die dadurch geschaffen worden ist, hat zu einer Dauersitzung des Kabinetts geführt. Bis Mitternacht waren die Minister noch zusammen. Man erwartet für heute wichtige Entscheidungen (?) hinsichtlich der rheinischen Unab- hängigkeitsbewegung. Die sonst franzosenfreund- liche Londoner „Morningpost" schreibt: Die Loslösung des Rheinlandes vom Reiche würde dasselbe Verbrechen wikDerholen, bas bie Deutschen in bett Kriegsjahren in Rußland begangen hätten. Die Franzosen könnten nur gewarnt werden, auf dem bisherigen Wege fortzuschreiten. der nicht nur Frankreich, sondern auch die Entente letzten Endes mit Deutschland in den A b g r « n d stürzen würde. Die internationale Lage sei derart gespannt, daß man heute einer gleichen Situation gegenüber stehe wie 1914. Rur fei heute Deutschland entwaffnet, und das verhindere die Möglichkeit des Kriegeis.