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13. Jahrgang

Freitag, 19. Oktober 1923

Einzelpreis 20 Millionen Mark.

Nummer 244

Einzelpreis 20 Millionen Marl.

Anzeigenpreise: ® r u n b p r e t 8 für bte Zeile 50 Mark, für Reklamen 200 Mark mal Schlüs­selzahl 'ü. das deutsche Zeitungsgew-rbe ijur Zeit 800 000), auf Familtenanzcigen und »leine Anzeigen rc»/. Nachlaß. Auf alle nicht bis zum Aoend des auf den Ausgabeiag folgenden Tages bezahlen Anzeigen erfolgt ein RechnunaSaulfchlaa von 10°/' Bet dieser Rechnungs. erletlmi - ist b:r Betrag innerhalb > Tagen zu zahlen. Nach Ablauf btefer Frist ist rer Anzeigen» grunbprei. mit d m am ZahlungStage aülttge : Anzetgenlchliissel zu ve.vtelfachen. Laufende An­zeigen werden mit dem Tageszeit. lipr.uS berechnet. Für die Richtigkeit aller durch .»ernfpredicr

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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Frankreich gegen die neue denlsche Vöhrnng.

Die nächste Aufgabe.

Tätigkeit im Kabinett.

Die weitreichende Ermächtigung, die die Iieichsregiernng vom Reichstag erhalten Hal, gibt der jetzt zu beobachtenden erhöhten Tätigkeit im Kabinett einen festen Unter­grund. Doch ist die Reichsregierung nicht ohne parlamentarische Kontrolle. Das Ermächti­gungsgesetz sieht vor, daß die diktatorischen An­ordnungen der Regierung auf Verlangen deZ Reichstages außer Kraft gesetzt werden müssen. Inzwischen geht die Reichsregierung an ihre Arbeit. In erster Linie kommt es darauf an, daß die im Kabinett vertretenen Kräfte zu ein­heitlichem und entschlossenem Wirken zu- sammengefaßt werden können. Daran hat es. bisher oft genug gefehlt. Man hat den Ein­druck, daß es in dieser Beziehung jetzt besser steht. Der Reichsianzler hat die einzelnen Mi- nifrer beauftragt für ihre Ressorts bestimmte Programme ausznarbeiten und sie dem Kabinett vorzulegen. Das ist jetzt geschehen. Das Ar­beitszeitgesetz ist im Kabinett verabschie­det, cs wird alsbald an den Reichstag gebracht. Die Ministerien des Verkehrs und der P o st, haben die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes von ihnen zu treffenden Maßnahmen bereits ausgearbeitet, und di« diesbezüglichen Pläne unterliegen jetzt der Beschlußfassung des Kabi­netts. Die Demobilmachungsverordnung liegt auch schon dem Kabinett vor, ebenso die Veroro- mnta über die Neugestaltung der Erwerbs­losenversicherung. Danach werden die Krankenkassen gewisse Zuschläge zu erheben be­rechtigt sein. Der Reichswirtfchastsminister, dem schon aus seiner Tätigkeit während des Krieges ein guter Rus als Organisator vorangeht, hat klar und durchsichtig durchgearbeitete Pläne in Kragen der Kartellpolitik dem Kabinett vorgelegt. Die Kohlensteuer ist unter ge­wissen Voraussetzungen jetzt aufgehoben wor­den, und daniit erhält die Wirtschaft einen er­heblichen Antrieb zur Aktivität, freilich wird durch den Fortfall dieser Steuer eine sehr wich­tige Einnahmequelle des Reiches verstopft, und nur die Wertbeständigmachung kann den Ausgleich erhoffen lassen.

Am wichtigsten wird aber das sein, was jetzt von feiten des Reichs - Finanzmint- fteriums aus geschieht. Hier ist die Stelle, die die tiefgreifendsten Entscheidungen zu treffen hat, die die größte Initiative und Entschlossen­heit an den Tag legen muß. Mit den neuen Währungsprojekten können wir uns nur unter Reserve befreunden. Es müssen viel mehr als das gegenwärtig der Fall ist, bestimmte Interessentenwünsche ausgeschaltet sein. Tas Ziel der neuen Währungsreform kann und darf nur die reine Goldwährung auf der Grundlage einer Goldnotenbank sein. Da wir über Gold- noten zu der dringend notwendigen Mobiliste- rung der Ernte noch nicht beschaffen können, da die Errichtung der Goldnotenbank geraume Zeit, mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nimmt, so bedürfen wir einer Zwischenwährung. Ueber diese Frage ist nun dir endgültige Ent­scheidung getroffen worden. Die Papiermark wird inzwischen als gesetzliches Zahlungsmittel berbehatten. Um ihren weiteren Verfall, der auch nach Einführung einer Zwischenwährung nicht zu vermeiden wäre, aufzuhalten, wird iu den Werten der Zwischenwährung dem Reich' ein gröberer Kredit zu Zwecken der Mark- st ü tz u n g zur Verfügung gestellt werden müs­sen. Man wird weiter an eine Vermehrung^ der Umlaufsmenge der Goldanleihe st ücke Herangehen müssen, um wertbeständige Zah­lungsmittel in größeren Mengen in den Verkehr zu bringen. Das wichtigste dabei ist, daß die Goldanleihe ausgiebig Deckung findet. Dir Goldanleihe muß insbesondere der Landwirt­schaft zur Verfügung gestellt werden, um die landwirtschaftlichen Massengüter jetzt in die Großstädte zu bringen. Es wird dabei daran gedacht, diese Goldanleihe durch die Postämter an die Landwirte zu vermitteln.

Die Ernährungslage unseres Volkes ist nämlich ungemein kritisch. Noch schlimmer als im unbesetzten Gebiet ist die Situation im besetzten Gebiet. Die Großstädte leiden heute schon unter einem empfindlichen Kartoffelman- gel. Würde ein überraschender Frost jetzt ein­setzen, so müßte die Lage geradezu katastrophal werden. Es ist bedauerlich, daß unter solchen Verhältnissen das Ernährungsministe­rium ohne Führung bleibt. Es erschetnt dringend notwendig, daß sofort eine sachverstän­dige Persönlichkeit an die Spitze des Reicks- ernährungsminifteriums berufen wird. Wir werden froh sein können, wenn wir in diesem Winter die Bevölkerung mit Brot und Fett ver. sorgen können. An Fleisch wird man kaum den­ken können. Die Reichsregierung beabsichtigt schon aus politischen Gründen, ihre Maßnahmen möglichst gleichzeitig vorzunehmen, so daß in gleicher Weise der Besitz wie die Arbeit oon den neuen Verordnungen betroffen werden. Man wird darum das Arbeitszeitgesetz, das ja

erst die ganze Ermächtigungsaktion des Parla­ments vollständig macht, zusammen mit den Kartellmatznahmen durchführen. Der Grund­gedanke, daß die Parole von der Opfrrge­mein s ch a f t des deutschen Volkes jetzt in die Tat umgesetzt werden muß, wird allem, was jetzt geschieht, zugrunde gelegt werden muffen.

Frankreich verhandelt nicht.

Deutsche erweiterte Zahlungsvorschläge.

iPrwat-Trlearmmn.)

Berlin, 18. Oktober.

Die München-Augsburger Abendzeitung be­richtet aus Berlin: Das Reichskabinett hat vorgestern der Unterbreitung neuer und bedeu­tend erweiterter Zahlungsvorschläge an die Alliierten zugestimmt. Der Temps meldet aus Paris, in seiner zweiten Unterredung mit Poincare habe der deutsche Geschäftsträger dem Ministerpräsidenten erweiterte Zahlungsvor - schlüge Deutschlands in Aussicht gestellt «nd um Verhandlungen über die Frage der Rück- kehr der Vertriebe nett und Abgeurteil­ten und die Frage der Auslieferung gebeten. PoincarS habe in seiner Erwiderung auf seinen früher dargelegten Standpunkt hingewiesen und weiter mitgeteilt, er sei ohne vorherige Befrag­ung der Alliierten nicht in der Lage, dem deutschen Botschafter die gewünschten Zusiche­rungen zu geben.

Gegen die neue WLSrung.

Koblenz, 18. Oktober. (Privatlele^ramm. > Tas sranzösifchE HavasMro meldet: Die alliiert: Kommission hat sich mit dem deutschen Plane der Einftihrung der neuen detttschen Währung befaßt. Soweit das besetzte Gebiet in Frage kommt, hat die alliierte Kommission beschlossen, daß die Einführung einer neuen Währung nicht z u z u l a s s e n sei, sofern nicht vorher die Zustimmung der alliierten Kommis­sion herbeigrführt worden sei. Bisher sei ein sicher Schritt Deutschlands nicht erfolgt.

Reue Versuche der industriellen.

Düsseldorf, 18. Oktober. (Privattelrgramm) DerTemps" meldet: Stinnes und vierzehn an­dere Großindustrielle des besetzten Ge­biets haben bei General Tegoutte um eine neue Unterredung für Montag nachgesucht. Den Pariser Berichten zufolge steht die Ausdehnung des Kohlen- und SachlieferungS- Abkommens an Frankreich und Belgien auf die gesamte Industrie des Ruhrgebiets bevor.

Das VrbettSzeitgesetz.

Beratung in der Sachverständigenkommission.

(Eigen« Drahttnelduna.l

Berlin, 18. Oktober.

Die Sachverständigenkommission der Koali­tionsparteien, die gestern im Reichstag mit dem RegisrungSvertreter zu Vorbesprechungen über das Arbeitszeitgcsetz zusammengetreten ist, hat ihre Verhandlungen noch nicht beendet und wird diese heute fortsetzen. Eine Einigung ist über die grundlegenden Punkte dahin erzielt worden, daß. was int Gesetzentwurf nicht besonders aus­gesprochen worden ist, zur Steigerung und Ver­billigung der Produktion die bisherige Höchstdauer der Arbeitszeit durch tariftiche Vereinbarungen oder bei deren Scheitern durch behördliche Maßnahmen verlängert werden kann und zwar ist in Aussicht genommen, die Höchstdauer allgemein biS zu 10 Stunden und im Bergbau und sonstigen gesundheitsschädlichen Betrieben bis zu acht Stunden festzusetzen.

tim den Achtstundentag.

Berlin, 18. Oktober. (Privattelegvavnn.) Die Gewerkschaften verlangten ge­stern vom Reichskanzler Bürgschaften gegen die Aufhebung des Achtstundentages im unbe- setzten Deutschland. Wie verlautet, hat der Reichskanzler eine Erklärung in dem ge­wünschten Umfange nicht abgeben können, je­doch darauf hingewiesen, daß dieErrungen­schaften der Revolution" nach Möglichkeit «nd im allgemeinen unberührt bleiben sollen. Die Gewerkschaften sind anscheinend mit dieser Er- klärung nicht zufrieden, tooS neben den Er­nährungsschwierigkeiten auch noch die inner- polftische Gefahr sehr gesteigert hat.

Steuerung und Löhne.

Reue Lohnverhandlungen im Bergbau.

lBrivat-TelrgraMm.)

Berlin, 18. Oktober.

Die Regierungsankündigung von der Ermäßi­gung der Kohlenstcuer um 35 Prozent behufs

Einleitung eines allgemeinen Preisabbaues hat nicht den geringsten Erfolg gehabt. Im Verlaufe des gestrigen Tages verdoppelten sich wie­der alle Preise, zum Teil wurden sie verdrei­facht. Fett kostete in Berlin gestern schon bis zn zwei Milliarden Mark das Pfund. Heute sol­len im Reichsarbeitsministerium die üblichen wöchentlichen Lohnverhandlungen im Kohlenbergbau stattfinden. Die Verhandlungen werden aus dem Grunde für die deutsche Volks- wirtschast von Interesse sein, Weil in ihnen die Frage der Arbeitszeitregelung im Kohlenbergbau weiter beraten werden wird. Der Satz des Ge­setzentwurfes. der für den Kohlenbergbau eine Ueberschreitung der achtstündigen Arbeits­zeit vorübergehend nur auf Grund des allgemei­nen Wohles als unbedingt erforderlich ansieht, wird wohl neben der Frage der Lohnerhöhmg den Kerupunft der Beratungen bilden.

Die unruhige Stimmung.

Im revoluttonären Sachsen.

(»rt»6Kel<eremwi)

Dresden, 18. Oktober.

Die kommunistischen Mitglieder des Dres­dener Kabinetts erklärten gestern im Landtag, daß sie k e i n e n Eid aus die Landesverfassung geleistet haben und einen solchen Eid auch nicht zu leisten gewillt seien. Der Arbeitsminister Traube sagte gestern zu den Dresdener Betriebs­räten: Wir halten den Eid für eine kindische aiöerei. Wir erkennen weder ein Vater­land noch ein Reich als unsere Heimat an. Wir haben kein Vaterland und kennen nur ein Ziel, den verbrecherischen Kapitalismus zur Strecke zu bringen und die Herrschaft des Prole­tariats aufzurichten. In Dresden, Leipzig und Chemnitz sind gestern große Verstärkun­gen der Reichswehr aus Mitteldeutschland und aus Schlesien eingetroffen.

Da« Militär Mit Ordnung.

Leipzig, 18. Oktober. (Eigene Drahtmel- dung.) Nachdem der Militärbefehlshaber des Wehrkreise 4 die gesamte sächsische Polizei unter seinen Befehl gestellt hat, haben die Unruhen nachgelassen. In Leipzig herrschte am Mittwoch Ruhe. Tie Markthalle war durch Poli­zei gesichert und wie üblich geöffnet. Von der Straße war die Polizei zurückgezogen. Um der Rot der Mwerbslosen zu steuern, haben verschie- bene Geschäftsleute dem Arbeitsamte Lebens­mittel und Geld zur Verfügung gestellt.

Aue Bayern abgrschoven.

München, 18. Ottober. (Pttvattelegrarmn.) Gestern nachmittag kam es hier zu einigen Z u - sammenstötzen mit Kommunisten. Die Füh­rer verschiedener Umzüge wurden von der Poli­zei als zugereiste Kommunisten festge­stellt und noch im Laufe der Nacht über die Grenze nach Rorddeuffchland abgeschoben.

Streikdroüung In Berlin.

Berlin, 18. Oktober. (Privattelegramm.) Die Betriebsräte beschlossen gestern, die Parole des Generalstreiks auszugeben, Ms es der Regierung bis zum Sonnabend unmöglich sein sollte, der auffteigenden Preisbewegung Herr zu werden. Bei den Stratzenkund- geSungen find nach amtlicher Mitteilung drei Personen durch Schüsse schwer verletzt wor­den, außerdem haben fünfzehn Personen leichtere Verletzungen davongetragen. Verhaftet wur­den im Laufe des gestrigen Tages achtzig Per- fönen, die zum Teil schon dem Richter zur Ab­urteilung vorgeführt worden find.

Aufravrrr im Störten.

Berlin, 18. Oktober. (Privattelegrarmn.) In Heide in Holstein kam es infolge der Verhaftung des Führers der dortigen Kommu­nisten zu Unruhen. Zwei mit Karabinern bewaffnete Kommunistentrupps drangen in die innere Stadt ein und forderten die Freilas­sung des Führers. Auf die Ablehnung des An­sinnens feuerten die Kommunisten eine Salve ab, worauf die Beamten sich in den Gefängnis­hof zurückzogen, und von dort aus wurde das fortgesetzte Feuer der Kommunisten mit Revolverschüssen erwidert. Nach dem Ein­treffen eines sofort alarmierten Zuges Schupo, stelltqn die Kommunisten das Schieben ein.

Verfall der Schule.

Line arme Jugend.

ie Teuerung und brr Mangel an UnlerrlchfO- Mitteln hat zur Folge, daß der Scvulbetrled auBereibeiitli<6 erschwert wirb. Ueber bte Schitben.di« daraus der Jugend entstehen,f«hreibt ein Berliner Lehrer folgende Mahnung» Angesichts der grenzenlosen Verarmung des deutschen Vaterlandes pflegt man gern unsere Jugend den wertvollsten Besitz zu neunen, der uns verblieben ist. Während die Leute, die auf des Lebens Höhe stehen, oder aber schon den Ab- stieg begonnen haben, mit wenigen Ausnahmen entfagungsvoll die Hoffnung auf eine bessere Zeit, die sie selbst erleben könnten, fahren lassen, hegen sie den festen Glauben, daß der Jugend eine glücklichere Zeit beschieden sein wird. Die­ser Glaube an die Erneuerungskraft der Fugend ist an und für sich erhebend in dem allgemeinen Zusammenbruch, den wir in täglich grausigeren Formen erleben. Er wird jedoch aussichtslos sein, wenn es unterlassen wird, die Jugend in geeigneter Weise vorzubereiten. Wir brauchen nicht an eine rein körperliche Vorbereitung zu denken. So wichtig auch allgemein die körper­liche Schulung unserer Jugend sein mag,

die Schulung des Geistes , darf darüber nicht vernachlässigt werden. Ein Blick auf die Ausgestaltung des Lehrbetriebes aller Unterrichtsanstalten von bei. einfachen Volksschule bis zu den Universitäten und Hochschulen aller Art zeigt jedoch in erschrek- lender Weise, daß wir uns mit jedem Tage wei­ter von diesem Endziele entfernen. Von allen Stufen der Bildungsleiter kommen die herz­brechenden Klagen der an den Bildungsstätten arbeitenden Lehrer aller Grade über den un­aufhaltsamen Verfall der Schulanstalten. Es fehlt an Mitteln, diesen Rückgang aufzu­hatten, geschweige denn einen neuen, lebensvol­len Fortschritt zu erzielen. Während vielfach die Hochschulen aus den Kreisen des an den Fott- schritten der Wissenschaft und Technik interessier, ten Publikums Spenden zur Förderung ihrer Arbeit erhalten, fehlt ein Ersatz der mangelnden staatlichen Fürsorge für die höheren, mittleren Sehulen und Volksschulen gänzlich. Und doch sind diese Schulen die Fundamente, auf denen der stolze Bau deutschen Geisteslebens ruht. Die Berichte, die von den Lehrern der einzelnen Schulgattungen über die Zustände an ihren Schulen erstattet werden, sind geradezu erschuf- tcrnd in ihren Einzelheiten. Man kann es ohne weiteres verstehen, daß unter diesen Umständen nicht nur der dringend nötige Ausstieg, ujjj möglich gemacht wird, sondern dass der stetige

Rückgang unausbleiblich

ist. Die Mittel, die für die Beschaffung der aller- notwendigsten unterrichtlichen Hilfsmittel bewil­ligt werden, sind so lächerlich gering, auch ohne Hinweis ans die tägliche Geldentwertung, daß davon fast nichts beschafft werden kann. Von den Summen, die für den Erwerb von Kreide, Sch w ämmen, Tinte und anderem Schreib­material bewilligt werden, kann man nicht ein­mal genügend Kreide beschaffen. In den Ge­meindeschulen ist es deshalb fast durchgängig die Gewohnheit, daß die Schulkinder

Merket Ersatz für Kreide,

in der Hauptsache Gipsabfälle aller Att, mft zur Schule bringen, um die kostbare Kreide nach Möglichkeit strecken. Schwämme zur Rei­nigung der Tafeln gibt es überhaupt nicht mehr. Tie Kinder bringen Stoffrefte aller Att mit zur Schule und reinigen damit die Tafel, so gut oder vielmehr so schlecht es eben geht. Sehr übel ist es unter diesen Umstünden auch mit der Tinte bestellt. Für die Vornahme unvermeid­licher Ausbesserungsarbeiten an Katten, Anschau- ungsbildern ist ein Betrag ausgeworfen, von dem der Buchbinder lachend erklärt, daß er dafür noch nicht einmal den Gang zur Schule machen könne, um die Schäden zu besichtigen. Für die zur Anschaffung von Büchern für die Lehrer- und Schülerbücherei ausgesetzten Summen ist nicht­mehr zu kaufen. Ebenso steht es mit den

Chemikalien und Apparaten

für den naturkundlichen Unterricht. Matt braucht Mes auf, was aus früheren Zeiten vor­handen ist; an Ersatz ist nicht zu denken. Winzig ist auch die Summe, die zur Forderung der vorgeschriebenen Wanderungen für die einzelnen Schulen ausgeworfen ist. Jede schule erhielt noch bis vor kurzem den Bettag von vunb zwei Millionen Mark. Was bedeutet das, wenn die Schule fünf- bis siebenhundert Kinder hat? Steht es schon schlimm mit der Beschaffung der uMerttchtlichen Hilssmittel durch die Schule, so ist es noch viel ttauriger bestellt mit den Schul- s a ch e n, die sich die Kinder selbst kaufen müssen. Die Preise atter Schreib- und Zei­chenmaterialien sind unter der Einwir­kung der Geldentwertung so maßlos gestiegen, daß es vielen Ettern schlechthin nicht mehr mög­lich ist, das Geld dafür zu erschwingen. Die Lch-