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Kasseler Neueste Nachrichten

Nummer 243

Einzelpreis 20 Millionen Mark.

Donnerstag, 18. Oktober 1923

13. Jahrgang

Einzelpreis 20 Millionen Mark.

:-£te ftafieler Sieneilen Äadirtditen eri*«inen njncfeentu.ii 'e.lisinm anb jroar nacf:m ttaaS. L«r 2Ibonnanenttoret$ betragt für die Doch: vom 14.-20JDlt.90 WUIicnenDarl bei irsier uiiellun.i ms »cu ,tobet <Sefd)afts>ie.ie abyeoolt «7 Millionen, «eftiitangrn werben t«btn»«'entfi»aen" aertommen. 4$erlag uno Steb-iitioii: Lchlachleo'str.ch: 28/30. Fernsprecher Stammte 951 und 952. rur unoerlangi eingesandte Beitrag- kann die RedaMon etne ^erart. mortung oder Gewahr in feinem Falle übernehmen. Auszahlung Sei Bezuadaelder S?» «nwruch^ wegen etwaiger nicht ordnungSrnitztger Lieierang ist auSgefdifoffcn. Postscheck Frankfurt a M 6380. 1 ruderet Schlachtgoi-ir.28^0. Geschäftsstelle «ölnifch- Ztr 5

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

"" '*** Lnzeigenpie.se: SrnnbpreiSsürdie Zelle 50 Mark, für Reklamen 200 Mark mal Schliss-

felzahl u baS deutsche Zettungsgew rbe zur Zeit 600000), auf FamUllen n.zeigen und Steine An eigen 20«/° Nachlaß. Auf alle nicht bi» zum Ao:nd Oe-s aur be i AnSgadekag folgenden Tages bezahlten Anzeigen erfolgt ein RechnungSau schlag von 10/^ Bei dieser Rechnungs- er-cilun istb r Betrog inner «alb Tagen zu zahlen, Rach Abliu dieser Frist ist -er Anzeigen- grunvorei mit b in am Zahtanastage . listige i Anzeigenfchliiffel zu ve vielfachen. Laufende An­zeigen werden mit dem Tageszeit npr.'is berechnet zur die Richliateit aller durch Fernsprecher ansgegedenen Anzeigen, oroie für Aufnahmedaten und Platze kann nicht garantiert werben

Iorkgesehke Schwierigkeiten im Reiche.

Das neue Geld.

Drei Zahlungsmittel nedensinattder.

Der Beschluß der Reichsregierung auf Schaf­fung derneuenWährung bedeutet eine Tat. Daß die Reichsregierung sie als eine Zwischen- löfung ansieht, geht aus der amtlichen Kund­gebung hervor, worin der endgültige Zustand alsnur in der Rückkehr zur Goldwährung" be­stehend bezeichnet wird. Wenn die Reichsregie- iung nunmehr als Zwischenlösung eine durch Goldrentenbriefe gedeckte Reut en mark schasst, so ist diese Maßnahme nicht so sehr vom wäh- rungIwissenschaftlichen oder währungspolitischen Standpunkle aus zu betrachten, als vielmehr un­ter allgemein politischen und wirtschaftlichen Ge­sichtspunkten. Die augenblickliche Lage unseres Volkes ist derartig abnorm, daß wir keine Zeit mehr haften, die Ueberleitung sorgfältig ausge­klügelter währllmgstheoretischer Probleme in die Praxis zu versuchen. Wir mußten sehr rasch ein der Allgemeinheit greifbares, wertbeständiges Zahlungsmittel schäften, um breite Schichten des Volkes vor der unmittelbaren Not zu bewahren! Das neue Geld trägt die BezeichnungRen- tenm ar ff. Sie lehnt sich an das ursprüngliche Projekt der sogenannten Bodemnark sehr eng an. Tie Rentenmark wird gesichert durch Goldhypotheken, dir an erster Stell« auf den gesamten deutschen Grundbesitz eingetragen werden, und ferner durch ersttlafsigc Goldobli- gationen, die von Jnduftrie, Handel und Ban­ken aufgebracht werden müssen. Tie Deckung, die sich damit stir die Rentenmark ergibt, ist sehr umfassend, und sie dürste gewiß dazu beitragen, das neue Zahlungsmittel mit dem wichtigsten, was es benötigt, anszustatten, mit dem Ver­trauen.

Diese neu« Rentenmark wird aber erst in einigen Wochen man rech tet in unterrichteten Kreisen frühestens mit vierzehn Tagen, also mit einem Termin vom 1. November ab in Um­lauf gesetzt werden können. Da aber auch in die­ser Zwischenzeit die Ernährungslage unseres Volkes keinen Auffchub gestattet, so hat die Reichsregierung beschlossen, die schon bestehende Gold-Anleihe volkstümlich zu machen. Man will diese Goldanleihe in ihrem Ausgabe- bewag bis auf zweihundert Millionen Goldmark erhöhen und die Anleihe in kleinen Stücken zu 1, 2 und 5 Dollar ausgeben. Diese Goldanleihe- schcine sollen später auf Wunsch in Rentenmark umgetauscht werden. Doch ist der Charakter die­ser Goldanleihe derartig, daß sie auch als An­leihe- und Sparpapier gelten kann.

Rentenmark und Goldanleihe werden aber nur ergänzende Zahlungsmittel sein. Das allei­nige gesetzliche Zahlungsmittel bleibt auch weiterhin die Papidrmark. Wir werden also drei Zahlungsmittel nebeneinander haben. Mit der Schaffung des neuen Geldes wird eine groß­zügige Stützung der alten Papiermark unter­nommen. Das geschieht dadurch, daß zunächst einmal die für die Ausgabe der Rentenmark, neu zu gründende deutsche Rentenbank dem Reiche 1,2 Milliarden Rentenmark zur Ver­fügung stellt, um die schwebenden Schulden abzu- tragen. Weiter wird endlich einmal die Jn- slationsquelle der Papiermark dadurch verstopft, daß mit der Ausgabe der Renten- mark die Reichsbank keinerlei Diskonfterungen von Schatzanweisungen des Reiches mehr vor- nftmnt. Das bedeutet, daß ungedeckte Roten nicht mehr gedruckt werden. ^Das kommt auf einen Abbau und schließliche gänzliche Ein­stellung der Rotenpresse hinaus.

Run darf man sich Ober nicht der völlig irrigen Annahme hingehen, als wenn jetzt der Stein der Weisen in der Währunzsftage gefun­den wäre. Davon kann noch gar keine Rede fein. Die Papiermark wird noch manchen Lei­densweg gehen und auch der Rentenmark. wie der Goldanleihe lverden schmerzliche Erfahrun­gen nicht erfpart bleiben. Es ist richtig, wenn die Reichsregierung geltend macht, daß die end­gültige Regelung unserer Verhältnisse zur Vor­aussetzung neben der Klärung der außen­politischen Lage die Wiederherstellung der sinanziellen und wirtschaftlichen Ordnung im Innern hat. Und nun komm: es daraus an. daß die Reichsregieruna die ihr durch das Er- mäcbftaungsgesetz gegebenen Vollmachten so rasch als möglich durch das vom Reichstag xu schaf­fende Arbeitszeitgesetz ergä bt erhält und daß sie bann damit in der Lage ist, wirklich diefeni- aen sinanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen zu treffen, die das feste Fundament für die Rückkehr zur Goldwährung abgeben kön­nen. Wir werden jetzt in eine Epoche eintreten, die uns vielleicht die letz c Gelegenheit bietet, »ns auf die völlig veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse einzustellen und uns bewußt zu wer­den, wie arm und dürftig wir geworden sind. Es wird dann für manche Streife wenn sie von

den aufgeblähten Milliardenzftfern der Papier­mark zurückgeführt werden in die reale Wirklich­keit, eine Enttäuschung geben. Aber wir müssen durch diese Krisis hindurch, da sie die Voraus- setzuug für die Gesundung unserer ..Wirtschaft ist!

Me polttzschkn LMmhen. Verhaftung von Berliner Kommunisten.

iPrivat-Telegrsmm 1

Berlin, 17. Oktober.

Die gestrigen Arbeitslosenunruhen, die sich um das Rathaus herum abfp selten und in deren Verlauf scharfe Schüsse fielen, find unter­drückt worden. Das Bestreben der Polizei- mannschaften ging namentlich dahin, die gewis­senlose» Hetzer, die sich hinter der erregten Menge hin rmd herbewegten, ,u ermitteln und festznnehmen. Um Mitternacht war die Ruhe in Berlin wieder hergestellt. Von gut unterrichteter Seie wird erklärt, dass noch im Lause des Abends mehrere Verhaftungen von Kommuni st en vorgenommen werden sind. Es ist bei ihnen belastendes Material beschlag­nahmt worden, das mit de» gestrigen Vorgän­gen in engstem Zusammenhänge steht.

Sachfrn tmter r"fsssHkr Kststrrmg!

Dresden, 17. Oktober. (Privattelegramm.t Die kommunistischen Betriebsräte von Sachsen, die sich mit Unterstützung der Dresdener Regierung für einen politischen Mas­senstreik gegen die Rekchsexekutive aus­gesprochen und diesen Streik ausgerufen haben, sind durch das Reichswehrkommando aufge­löst morden. Zahlreiche Russen, die als Gäste der Dresdener Regierung (!) »ur Vorbereitung einer Arbeiter- und Baurrnregierung in Sachsen weilen, sind durch Reichswehr festgenommen und wer­den über die ReichSarenzr obgeschoben. In Plauen und Ehemnitz sind russische Stosstrupps ausgehoben und ausgewiesen worden. Sie toa reu mit Wissen der Dresdener Regierung gebil­det Der Konflikt zwischen Berlin und Dres­den hat zu einer neuen Berufung Dr. Zeig- ners noch Berlin geführt. In Dresden sind von der Reichswehr grössere Wakkenbestünde der Roten Hundertschaften beschlagnahmt worden.

KvMkMlnistett-Vkrstastt'Nss fm Lwunoyrrs^-w.

Hannover, 17. Oftober. (Privat - Tele­gramm.) Der von de» Kommunisten zum 14. Oktober angekündigte Betriebsrätekonaress in Hannover war verboten worden. Man ver­suchte nun in Hildesheim und Alfeld einen Ersatz für di» verbotene Hannover'ch» Tagung zu schaffen. Aber kaum MCe der frfrr-- kongreß begonnen, als die Polizei -"f *'»r Bildfläche erschien, um die Verkamme-mo f"*- znlöscn. 3» Hildesheim wurden,tv>r-i'>*SF'' in Alfeld dreißig Kommunisten verhaktet darunter bekannte Führer aus K-nmawir u »st»- reiches politisches Material tottrbt 6cfog nahmt,«, a. Mobilmachungsvläne (ft Ein Teil der versammelten Kommimisten konnte durch die Senffer flüchten Bei Haussuchungen sind ebenfalls m-ch-me Komnnisten verhaftet wor­den. Berhnfter und nach H-mnover gebracht wur­den außerdem kommunistische Führer in Peine

Terror an tJteßr unk> sMeSrrrhein.

Köln, 17. Oktober. (Privattelegrannn.f In Krefeld und in Wesel sind revolu­tionäre Hundertschaften eingerückt Das Rathaus und die städtischen Gebäude wurden von ihnen besetzt. In Hamborn sind mehr als 200 Geschäfte von ihnen g e p l ü n. d e r t worden. In Mülheim gab eS gestern acht Tote und 30 Verletzte. Zwei Drittel des RuhrgebieteS stehen unter dem Terror der kommunistischen Arbeiterschaft. 310 Werke des Ruhrgebiets feiern wegen Rohstoffmangel.

Die Thüringer Regierung.

Di« sozialdemokratisch-kommunistische Koalition (Privat-Telearmmn >

Weimar, 17. Oktober.

Das neue Kabinett in Thüringen ist nunmehr zustande ßefommen. Ter bisherige Justizmini­

ster Dr. Rittweger scheidet auS und wird durch den der kommunistischen Partei «»gehörenden Privatdozenten Dr. Korsch von der Universi­tät Jena ersetzt. Als zweiter Kommunist über­nimmt Senner das Wirtschaftsministerium. Don den bisherigen sozialdemokratischen Kabi- neftsmttgliedern bleiben im Amte Innenmini­ster Hermann, Firwnzminificr Hartmann und VolksildungSminister Greil. Ministerprä­sident bleibt der Sozialdemokrat Fröhlich. Er übernimmt gleichzeiftg das neu geschaffene Ministerium des Aeutzern. (ft

Am öas WuhmebM.

Amtliche Verhandlungen mit Frankreich. tBrivat^elegrmnm)

Berlin, 17. Oktober.

Rach Pariser Meldungen finden Verhand­lungen zwischen dem deutschen Geschäfts­träger und der französischen Regierung über die aktuellen außenpolitischen Fragen statt, die in den letzten Tagen die Oksfentlichftit in­folge der Verhandlungen zwischen deutschen In­dustriellen und General Degoutte beschäftigt ha­ben. Es liegt in der Natur der Sache, wie von unterrichteter Seite erklärt wird, dass diese Ver­handlungen über die Wiederherstellung der Wirt­schaft im Ruhrgebiet streng vertraulichen Charakter tragen, zumal sich bei den Besprechung gne der Großindustriellen mit General Degoutte gezeigt hat, daß Paris geneigt ist, jeden agi­tatorischen Vorteil für sich auszunutzen.

* »

Belgiens aSletzr-rnder EtsuSyunkt.

Brüssel, 17. Oktober. (Eigene Drahtmel­dung.) Dem deutschen Geschäftsträger wurde bei seinem zweiten Besuch am Montag mitgeteilt, daß Belgien den deutschen Verhandlungs-An­trag nicht sofort annehmen könne, da die Verhanrsiungen mit den Alliierten über die deutschen Vorschläge wohl eingeleitet, aber noch nicht abgeschlossen feien. Eine Aufgabe der Ruhr- besetzung komme für Belgien zunächst nicht in Frage, das ReparationSprogramm für das Ruhr­revier sei vorläufig bis 1929 zwischen Belgien und Frankreich festgelegt worden. Eine schnelle Wiederausnahme der Arbeit im Ruhrrevier liege auch im Iw er esse Deutschlands.

Die KbiaufenÖ» Besetz«» gs rist.

Köln, 17. Oktober. (Privattelegramm.) Die englische Besatzungsbehörde hat zahlreiche Bureaus und Unterkunftsräume für Offiziere und Beamten für den 31. März 1924 kündigen lassen. 1924 würde die fünfjährige Besetzungsfrist des Brückenkopfes Köln ab lauf en, sofern die Alliierten bis dahin die Erfüllung des Berfailler Friedensverttages (!) durch die deutsche Regierung anerkennen.

Folgen der Teuerung.

Weitere Preissteigerung trotz Dollarstillstandes. (H'rivat.L«l«armnm.j

Berlin, 17. Oktober.

^n Berlin verdoppeln sich, obwohl der "^chl-r feit Taeen wenig Veränderungen zeigt, die Greife fast täglich. In den Markthal. l e n i'" di- bereitgestellte Schutzpolizei nicht mehr imstande, die aufgeregten Berbrauchermassen von Ansfch reit» «gen zurückzuhalten. Plündc- rtniren und Zerstörungen werden aus den Markthallen im Norden und ''itfn der Stadt ge­meldet. Si*tenberfl und Reukölln werden durch Hundertschaften von Erwerbslosen terrorisiert, in Strelau-R>«wmetSdorf sind zahlreiche Süden infolge der Blüudentnpen der letzten Rächt heute gefchlossen. Die «öckerinntma ttwd.ot für Mon­tag eine neue Brotpreiserb Atzung auf -59 Millionen Mark an. Alle Anzeichen der kom­mende« Tage weifen auf Sturm. Ein Pfund Butter wurde gestern schon mit 2 M-lliarden Mark d-rahlt und ist ebenso wie Mett und Fleisch, für 95 Prozent der Bevölkerung zu diefen Preisen nicht mehr erschwinglich.

Reue Lohnveryandlungen.

Berlin, 17. Cftober. (Privattelegramm.j Die Kohlenarbeiterverbände haben neue Lohuverhandlungen beim Reichsfinanzmi­nisterium ngchgefuchtt Sie fordern eine 120- prozentige Erhöhung der Wochenlöhne, was zu weiteren Kohlenpreiserhöhnnaen ffihren muss Für den Finanzminisser führt Ministerialdirek­tor von Schlieben die Verhandlungen Die Werkstättenarbeiter der Eisenbahn und die Betriebsräte der Metallindustrie Groß- Berlins haben gestern abend, unter Bernfttng aus die 25fache Verteuerung innerhalb der letz­en Woche, die Forderng nach einem Stun­de u l o h n von >1 Milliarde Mark gestellt.

Aus dem Ruhrgebiet.

Immer noch Wirtschaftskrise,

Obwohl der palfive Widerstand von der deutschen Seite aufatgebe« worden ist, «ihiilt die BesatzungSbehiirde ihr« da« Wirtschaftsleben störende» Berord- runqeit noch <-« recht. Leber biese 2n- stcindc wird bas SRa folgende berichtet» Trotz der völligen Einstellung des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet ist von einer Wie- derbelebung der Wirtschaft im hiesigen Gebiet noch nicht viel zu bemerken. Uetzer die einzelnen Zweige des Wirtschaftslebens ist folgendes zu sagen: Der Telephon- und Telegra- phenverkehr in Düsseldorf, Duisburg und Mülheim und vor allen Dingen in Essen, der vor neun Monaten eingestellt werden mußte, ruht noch vollkommen. Ein Versuch, ihn wieder in Ging zu bringen, kann vorläufig nicht gemacht werden, da die Verordnungen des Ge­nerals Degoutte, die das Arbeiten an Telephon- und Telegrap hcnleitungen verbieten, bisher nackt nicht aufgehoben worden sind. Aber selbst nach Aufhebung dieser Verordnungen ist an eine Wiederherstellung der Leitungen nicht zu denken, da die mit den höchstkomplizierten Telephon- und Telegraphennetzen vertrauten Telegraphendirek­toren und Bauführer sich zumeist

noch in Gefangenschaft

befinden, und die Leitungen, welche Me ganzen Monate hindurch ohne Reparaturen bleiben muß­ten und allen möglichen Einflüssen und Eingrif­fen ausgesetzt waren, sich in einem völlig ver­wahrlost e«Zn stand befinden. Es wird die Arbeit vieler Wochen bedürfen, bis dieser Verkehr wieder in Gang kommt. Bei der Eisen­bahn liegen die Verhältnisse ebenso. Die mei­sten Strecken des Industriegebietes sind ver­stopft. Die Geleise und die Weichen sind zum großen Teile nsthf in Ordnung. Auf allen Bahn­höfen stehen reparaturbedürftige, gegenwärttg nickst verwendbare Lokomotiven. Auch hier wird es vieler Artzeit und langer Zeit bedürfen, bis wieder einigermaßen geordnete Verhältnisse ge­schaffen worden sind. Auch hier tft es notwendig, das; verschiedene Verordnungen deS Generals Degoutte zunächst aufgehoben werden und die vertriebenen und verhafteten Eisenbahner wieder zurückkehren dürfen, damit Post- und Güterver­kehr erst wieder in Ordnung gebracht werden können. Die Personenzüge der stanzöfischen Regie verkehren nur auf den Hauptstrecken, während die Nebenstrecken ohne Verkehr sind. Da der F a h r p r e i s, der feit kurzer Zeit tote* der in Papiermmck gezahlt werden darf,

in Franken berechnet \

und bann in Papiermark iungerechnet wird, und bei dem gegenwärtigen Dalntaftand fehr große Aufwendungen erfordert, können die Züge von den Deutschen nur insehrgcringem Maße benutzt werden. Bei dem Güterverkehr sie­gen die Verhältnisse ähnlich. Wagen für bert Kohlen- unb Gütertransport werben kaum ge­stellt unb können wegen Mangels an brauch­baren Waaen unb genügendem Personal auch nicht gestellt werben. Infolgedessen müssen die Lebensrnittel zum großen Teil mit Kraftwagen berangeschafft werden, was zur anhaltenden Verteuerung der Baren beiträgt. Die Koh­len können nicht ab transportiert werden.

Der Kohlenbergbau ist zur Nntätigkeit Verurteilt. Zechen, die über genügend Gelände" verfügen, schütten die Kohlen auf Halben, bie übrigen aber, die dazu nicht *n der Lage sind, müssen den Beginn der Forderung auf» chieben. Da ober ohne Förderung Bargeld ficht hereinkommt und die Werke erklären, daß te über die zur Lohnzahlung nötigen Mittel nicht verfügen, werden diese Werke voraussicht­lich dazu übergehen, Feierschichten einzu­legen bezw. Arbeiter zu entlaffen. Der Kohlen verkauf wird auch dadurch gehemmt, baß die Bezahlung der Kohlensteuer in Devisen verlangt wird, bie bei ben jetzigen hohen Preisen nur schwer ju beschaffen sind. Die Eisen." industrie hat mit ben gleichen Schwierigkei­ten zu kämpfen, sie kann mit der Wiederaufnahme her Arbeit nicht beginnen, da Rohstoffe unb Halb­fabrikate nur schwer heranzufchassen unb. Die großen Werke, die gleichfalls erklären, über Mit­tel zur Zahlung der Löhne nicht zu verfügen, geben infolgedessen dazu über, ihre Betriebe ganz zu schließen unb die Arbeiter zu ent­lassen oder wenigstens Feierschichten einzulegen und Kurzarbeit einzuführen. Ter Lohn- a u s f a l l für die Arbeiter ist natürlich sehr cmp. findlich. umso mehr, als die Preise für bie not­wendigen Lebensrnittel eine außerordentliche Höhe erreicht haben. Die Belebung der Wirt­schaft wird auch dadurch sehr aufgehalten unb in ihrer Entwicklung gehindert, daß bestimmte

Richtlinien der Regierung fehlen.

Die Besatzungsmächte weigern sich, mit der Re­gierung iüreti zu verbandeln. Sie ziehen viel­mehr gesonderte Besprechungen mit ben einzel­nen Werken und den lokalen Behörden vor. wo-