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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 239,

Einzelpreis 5 Millionen Mark.

Sonnabend, 13. Oktober 1923.

Einzelpreis 5 Millionen Mark. 13. Jahrgang

3n Erwartung der Regierungsmaßnahmen.

Was ist zu tun?

Regierung und Wirtschaft.

Ster Dollar steigt in schwindelnde Höhen. Mit Siecht fragt sich alle Welt, woher die riesigen tu die Billionen gehenden Mittel kommen, die für die Umfaße auf dem Devisenmarkt unter den gegenwärtigen Kursverhältnissen benötigt werden- Wer mit den Dingen unmittelbar vertraut ist, der muß immer wieder sagen, daß die unselige, auch jetzt noch nicht eingestellte Papiermark- Kreditpolitik der Reichsbank an diesen Verhältnissen, die Reich, Volk und Wirtschaft zu. gründe richten, mitschuld ist. Der Reichsbankdis- kontsatz beträgt heute über 100 Prozent pro Nähr, während der tägliche Zinssatz der Ban­ken annähernd 2000 Prozent pro Jahr aus­macht. Die Großspekulanten finden immer wie­der Mittel und Wege, durch die Papiermarkkre­dite Devisen sich zu kaufen, mit denen sie Riesen­verdienste einheimsen, während der Reichsbank letzten Endes völlig entwertetes Geld zurückge- geben wird. Das sind unhaltbare Verhältnisse, und es ist einfach unbegreiflich, wie trotz berech­tigtem Entrüstungssturm in der Oeffentlichkeit, aber auch trotz schärfster Kritik in den Kreisen der Banken und der Wirtschaft, namentlich der führenden Banken in Berlin, das System ves Reichsbankpräsidenten nicht von der Bildfläche verschwindet.

Vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, in Wahrung der Interessen sowohl von Reich uno Volk, wie von Wirtschaft und Geldmarkt wären folgende Forderungen zu erbeben: Der Re eys- länzler müßte all seine Kräfte auf Die innere Politik und vor allem aus die Wirtschafts­politik konzentrieren und für eine Zeitlang sie Außenpolitik völlig ruhen lassen. Das würde ja auch seinen ursprünglich ausgegebene,, Ansichten entsprechen, daß die innere Gesundung die Voraus<ietzung für die äußere ist. Jnsbeson. dere hätte der Reichskanzler seine ganize Kraft auf die Verhältnisse an der Börhe und aus Mtftel und Wege zur Stabilisierung des M a r t- kurses zu richten. Es mußte mit sofortiger Wirkung ein Gesetz erlassen werden, daß die Er­hebung der fälligen Steuern in Goldwert fordert. Diese Steuern müßten in Dollarschatz- anweisungen bezahlt werden uno zu diesem Zwecke müßten diese .Schätze" erheblich ver­mehrt und in Umlauf gebracht werden. Weiter müßte das gesamte Wintschastsleben auf Gold­basis gestellt und die Aufstellung von Gold­bilanzen zur Pflicht gemacht werden. Auch müßten mit sofortiger Wirkung alle Papier- markkredilr aufgehoben werden. Mit eine der wichtigsten Maßnahmen wäre die unverzügliche Angleichung des Reichsbankoiskontsatzes an den privaten Diskont.

Die Vollmachten, die die Regierung jetzt durch das Ermächtigungsgesetz erlangen wiro. würden ihr die Möglichkeit zu solchen Schär­fen, aber nach Lage der Dinge unvermeidbaren Maßregeln geben. Mit ihnen würde man viel mehr erreichen können, als mit einer ftaawürdi- gen Neumark, die unter den obwaltenden Der» Haltnissen uno bei der bisherigen Scheu vor ra­dikalen Eingriffen unzweifelhaft den Weg wie die alte Mark gehen wurde. Leider war es auch jetzt trotz aller Bemühungen nicht möglich eine unmittelbar im Wirtschaftsleben stehende führend« Wirtschaftsperfsönlichkeir für ein Ministeramt zu gewinnen. Tas Organ der Deutschen Volkspartei diefteit" nimmt ge­wisse Aeußerungen aus Gruppen solcher Kreise, die den Parlamentarismus bekämpfen, und vor allen Dingen auch dem Kabinett zum Vorwurf machen .daß es keine Wirtschaftler enthielte, z»m Anlaß zu Ausführungen, die um deswillen be­achtlich sino, weil man hinter ihnen den Reichs­kanzler selbst und gewisse Kreise der Deutschen Volkspartei vermuten kann. Es heißt da: Je­denfalls muß man die bedauerliche Tatsache feft- stellen, daß feit der letzten Reichstag swahl alle Bemühungen, die Mitwirkung von Männern des prattischen Lebens für die Regierung zu gewin­nen, vergeblich gewesen sind.

Als das Kabinett Fech-renbach gebildet wurde, hat die Deutsche Volkspattei mit mehreren Ver­tretern der Industrie mindestens zehn Tage lau« verhandelt, um ihre Mitarbeit für die Wirt­schaft und die Finanzen und für das damals auch freistehende Verkehrsministerium zu ge­winnen. Diese Bemühungen endeten mit einem Mißerfolg und die Berufung dez Dr. Scholz, des jetzigen Fraktümsvorsiyenden, zum Wiri- schastsminister erfolgte damals auf Vorschlag der Industrie. Als das zweite bürgerliche Ka­binett sich bildete, und zwar unter der Führung eines aus der Beamtenlausbahn hervorgegange- nen Wirtschastsoertreters, war es noch am Abend vor der Kabinettsbildung zweifelhaft, oh di« Regierung zustande kommen würde, weil, in letzter Stunde der Direttor eines «roßen Reichs- Werks ablehnte, das Reichswirtjchafisministerium zu übernehmen. Damals mußte Dr. Becker dem

Rufe Folge leisten, obgleich er wiederholt dar­auf hingewiesen hatte, daß er sich nur für das Reichsfinanzministerium zur Verfügung stellen könne. Nach dieser Richtung hin sind bisher alle Bemühungen gescheitert. Darauf bezieht sich der Protest, den der Reichskanzler gegen den Beschluß der Eisen- und Stahlindustriellen er­hoben hat. Jetzt hätten die Herren erneut Ge­legenheit, die Regierung mit Rat und Tat zu unterstützen. J. B.

Autorität der Regierung.

Zu erwartende Maßnahmen.

(*rt»aKeiearemmj

Berlin, 12. Oktober.

Der Reichskanzler hat gestern den Parteifüh­rern mttgeteftt, daß er die Autorität der Reichsregierung im Falle einer Minder­heit für das Ermächtigungsgesetz wahren werde, das heißt, er werde den Reichstag auflö- f e n. Der neue Reichstag werde dann frühestens in drei Monaten zusammentreten. Dio Reichs­regierung hat gestern beschloffen, mit den not­wendigen Maßnahmen nicht bis zur Berab- schiedung des Ermächtigungsgesetzes zu warten. Auf Grund des Paragraphen 48 der Roichsver- faffung sind sofort Maßnahmen der Rcichsrcgie- rung zu erwarten und zwar: Anpassung der Steuern an die Geldentwertung. Abbau der Ausgaben, Einführung der neuen Währung und Aufhebung der Kohlensteuer.

e

Verschiebung der Kanzierrrtfe.

Berlin, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Die Sonnabendsitzung des Reichstags machte die Aufschiebung der Reise des Kanzlers, der chv* Zusammenkunft mit dem österreichische« Bundeskanzler für Sonnabend vereinbart hatte, notwendig. Die Fraktionssttzungen sind oestern spät abend« auf heute früh 8 Uhr vertt 1 worden. Die gestrigen Frattionssitzungen habe:: keinerlei Entspannung der Lage gebracht. Nach L - heutigen Meldung ist mit einer Zwei drittel-Mehrhcit für die Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz zu rechnen.

Bolschewismus in Sachsen.

Trostlose Zustände im sächsischen Landtag.

(Oigcne Drahtmeldung.)

Dresden. 12. Oktober.

Die «estrige Landtagssitzung bot ein Bild, wie es der Reichstag nach dem 9. Novem­ber 1918 geboten hat. In den Gängen und Wandelhallen zogen unzählige Delegierte von zum Teil bewaffneten Arbeitern auf und nieder. Die kommunistischen Betriebsräte Sachsens waren vollzählig erschienen. Eine Ab­ordnung aus Sowjetrutzland war eben­falls gekommen, um die Verbrüderung Sowjet« rutzlands mit Sachsen, zu feiern. Kommun sti- schc Führer aus Berlin und dem Ausland, mehrere hundert Russen und ein Filmoperateur (!!) der amtlichen Sowjetbilder-Berichterstat- mng gaben der gestrigen Landtagssitzung in Dresden ein Gepräge, das an den Vorabend ei­ner Staatsumwälzung erinnert könnte.

Dretzvrn gegen Berlin.

Dresden. 12. Oktober. (Privattelsgramm.) Der Reichswehrkommandant für Sach­sen ist gestern abend telegraphisch nach Ber­lin berufen worden, um die weiteren Befehle des Reichswehrminifters in Empfang zu neh­men. Die neue kommunistisch-foz-alistische Regie­rung in Sachsen hat das Landtagsgebäude and auch mehrere Staatsgebäude durch die ihr unter­stehende Staatspolizei besetzen lassen, um Ueberraschungen der ReichSregierung zuvorzu- lommcn. (!!) Auch die gestrige Abendfitztzung des Landtages fand unter Pofizeischutz patt.

Tlnarchtstische lAndeuiungen.

DreÄ»e«, 12. Oktober. fPrivattelegramm.) Der neue Chef der Staatspolizei, der Kommunist Brandler, hielt gestern eine Rede, in der er sagte: Die Lageist außerordent­lich ernst Wir werden die Berliner Militärdik­tatur (?) beseitigen. Die Arbeiterschaft ist ent­schlossen, eine Arbeiter und Bauernre­gierung in Sachsen zu errichten. Wir wer­den einschneidende Maßnahmen gegen den Besitz vornehmen. Der Besitz muß bluten »nrd Garantien für die Ernährung geben.

Teuerungstumulte in Köln.

Gefährdete Lebensrnittel- und Kotzleillager. fPrivat-Telearamm.)

Köln, 12. Oktober.

Gestern ist es hier zu großen Tumulten ge- lommcn. Infolge der Lebeusmittelteuernug zo­

gen gegen 2 Uhr nachmittags Tausende von Frauen, Kindern und Männern durch die Haupt­straßen der Stadt. Zahlreiche Lebens mit- telgeschästv wurden vollkommen auSge­plündert. Tie Menschenmenge wurde von der Polizei zerstteut. Im Hafenviertel wur­den über vierzig Kohlenwagen umge« warfen und die Kohlen abgefahren. Dio Po- lizeibeantten mußten, weil sie von der Menge mit Kots beworfen wurden, von der Handwaffe Gebrauch machen. Die Martthalle wurde noch rechtzeittg van der Polizei besetzt. Dadurch ge­lang es dort Plünderungen zu vermeiden Abends bot das Stadtbild wieder ein ruhiges Aussehen, doch war der Verkehr in den Straßen noch in den späten Abendstunden sehr bewogt.

Folgen der Lebensmittelnot.

Bedenkliche Entwicklung in Berlin.

<PriMtt.rel«gr«mm)

Berlin. 12. Oktober.

Rach Schluß der gestrigen Reichstagssitzung kam es zu einem Umzugkommunistifcher Betriebsräte. Gestern nachmittag wurden die Markthallen in Berlin varzeittg g e - schlossen, weil man mit dem Eintritt der Dunkelhett Plünderungen befürchtete. Zahlreiche Marktstände waren schon gestern nachmittag ge­schloffen. Ebenso hatten die großen Geschäfte die Schutzgitter und Rolläden Heruntergelaffen. In dm Markthallen wogen die Händler nicht mehr ihre Stände zu ßffnen. Soweit überhaupt die Stände geöffnet werden, lassen die Verkäu­fer die eisernen Rolladen herunter und verkaufen durch einein schmalen Spalt an das Publikum, weil man ganz allgemein mit Tu­multen der Hausfrauen rechnet, die für die mitgenommenen Millionen nichts mehr »n laufen vermachen. Kar offein waren am Donners­tag vormittag fast überhaupt nicht mehr zu ha­ben. Gemüse war ebmfalls knapp, bis auf Spi­nat. der 12 Millionen pro Pfund kostete. Eier fehlten auf dem Markt schon seit Montag. Infolge des Anziehens des Dollars war Ge­frierfleisch teilweise teurer als inländisches Fleisch. tSo wurde daS städtische Gefrierfleisch mit 208 Millionen bezahlt, während Frisch­fleisch. allerdings nicht erste Qualität, an einigen Ständen 200 Millionen kostete. Für Margarine, soweit sie verkauft wurde, muß­ten 500 Millionen angelegt werden, für Schmalz (AuslandSware> 650 Millionen. Fische sind ebmfalls sehr knapp und teuer, da sich hier schon die neuen Eisenbahnfrachten auswirken. Ein Pfund Mehl kostete 180200 Millionen. Im Laufe deS Vormittags haben verschiedme Händler ihre Waren fortgeschafft, da sie mit Un­ruhen rechnen. Die Haltung der Käufer wird von Stunde zu Stunde erregter.

* * *

Sufammenlegung von Bäckerläden.

Berlin, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Das markenfreie Brot kostet in Berlin vom heu­tigen Freitag ab 250 Millionen, die markenfreie Schrippe 10 Millionen. Erläuternd wird vom Zweckverband der Bäckermeister Groß-Berlins mitgeteilt, daß die Mühlm und Händler R o g- geu- ober Weizenmehl nur noch nach Dollar Parität verkaufen. So kostet der Dop­pelzentner Weizenmehl rund 23 Milliarden Mark. Dieser Preisbildung vermag das Bäcker­gewerbe nicht mehr zu folgen. Die kleineren Be­triebe find nicht mehr in der Lage. Mehl zentner­weise zu taufen, sondern müssen sich, k nach dem Umfang ihres Betriebes, täglich 20 bis 30 Pfund kaufen. Der Rückgang des Konsums hat die Bäcker veranlaßt, zu dem System der La­denzusammenlegung überzugehm und die Folge davon ist eine ungeheuere Entlassung der davon betroffenen Arbeitskräfte.

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Die Brolversorgung.

Berlin, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Die Führer der Regierungsparteien im Reichs­tag haben eine Entschließung ein gebracht, der zufolge die Gefahr bettet»!, daß die freie Br Öl­versorgung nach dem 15. Oktober zu Stö­rungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit führt. Die Parteien fordern die Reichsregierung aus, bis zur Festigung der Währung die Brot­versorgung zwangsweise zu erschwinglich en Preisen *u sichern und zwar zunächst durch Fortführung der gegenwärtigen Markenbrot­versorgung bis zum Ende des Monats.

Brot und Ernte.

Die Verknüpfung von Stadt und Land.

Ins» ge ber Notlage ist Stabt »ab Land mch» als in normalen Zeiten voneinander abh« i,ig. »ie nawstcyenden Berichte zeigen den jetzigen Stand ber Drotversorgnng «nd ber Ernte.

Die gesamten im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft zusammengestrß- ten Körperschaften haben zu den Reichsratsbe­schlüssen Über die Sicherung der Brotversorgung wie folgt Stellung genommen: Die am 5. Ok­tober im Reichsrat gefaßten Beschlüsse zur Siche- ning der Brotgvcrsorgung haben in der gesamten deutschen Landwirtschaft berartige Beunru­higungen hervorgerusen, daß der Reichsaus­schuß der deutschen Landwittschast sich gezwun­gen sieht, bei den zuständigen Reichsbehörden und beim deutschen Reichstage die eindringlich­sten Vorstellungen zu erheben. Der Reichsaus- schuß der deutschen Landwirtschaft muß grund­sätzlich auch heute den Standpunkt einnehmen, den er in seiner Vollsitzung vom 16. Mai 1923 sestgelegt hat. Der Rcichsausschuß hat der

Bildung einer Brotreserve

zngeftimmt. Die organisierte Landwirtschaft hat sich bereit erklärt, sich für die Aufbringung der von der Regierung beabsichtigten, auf der Grundlage des neuen Marktpreises einzudecken­den Jnlandsreservcn einzusetzen. Gegen den Ge­setzentwurf der Reichsregierung über die Brot- getteideversorgung vom Frühjahr dieses Jahres waren Bedenken geäußert worden, die sich gegen die finanzielle Belastung des Reii cheS und die wirtschaftlich nicht gerechtfertigte Höhe der vorgeschlagenen Reserve richteten. Der Reichstag hat diese Bedenken geteilt. Trotzdem haben die Vertreter der Landwirtschaft dem jüngsten Gesetzentwurf, soweit er eine Brotrelcr- ve bis zu 2V. Millionen Tonnen Vorsicht, nicht widersprochen. Der Reichscmsschuß forbert die Wiederherstellung dieses Regierungsentwurfes. Er legt schärfste Verwahrung gegen den Ver­such einer Wiedereinführung des Umlage­verfahrens ein. Die organisierte deutsche Landwirtschaft ist u i ch t m e h r i n d e r L a « e, eine Verantwortung für die Sicherstellung der deutschen Volksernährung zu übernehmen, wenn von der Entschließung der Reichstags- mehrheit vom 12. April 1923 abgewichen wird. An Reichsregierung und Reichstag richtet der Reichsausschuß im Hinblick auf die sehr ernste

Gefährdung der Ernährungswittschaft ' das dringende Ersuchen, jeden Versuch zur Wie­dereinführung einer gebundenen Wirtschaft grundsätzlich abzulehnen. Er fordert,die Reichs­regierung auf, mit allem Nachdruck für die Wie­derherstellung ihres ursprünglichen Gesetzent­wurfs zur Sicherung der Brotversorgung im Wirtschaftsjahr 1923- -24 einzutreten, und erwsft' tet, daß die Reichsregierung in allen die Ernah- lungswirtschast betreffenden Fragen die.Kusi­nen Vertreter ber Landwirtchaft rechtzeitig zu Rate ziehen wird/

Srnkesianb in JSreuBtn.

lieber den Stand der Ernte in Preußen An' sang Oktober wird berichtet: Für Hackfruch. te, Kohlarten ufto. ist das Septemberwetter im allgemeinen nicht ungünstig gewesen. In der ersten Hälfte des Monats war es in säst allen Landesteilen überwiegend heiter und warm, an einigen Tagen sogar hochsommerlich. Die zweite Hälfte des Monats brachte dann mit Au,- nähme der letzten Tage eine Wiederholung des veränderlichen Wetters bei fast täglichen Regen­schauern und kühlen westlichen Winden, eines Wetters, wie es in den meisten Gegenden den ganzen Sommer über geherrscht hat. Betroffen wurden hiervon hauptsächlich wieder die Kü­stengebiete der Nord- und Ostsee sowie die an- grenzenden Bezirke. Nach diesem ganz leidlichen Verlaufe der Septembettvitter>!n.a bäte ttia » w- mit auf eine Besserung im Gedeihen ber Hack­früchte schließen müssen. Diese Erwartung hat sich jedoch nicht erfüllt, wie ans den Begutach- tungsziffern der beigegebenen Tabelle er- sichtlich ist, wobei 1 sehr gut, 2 gut, »mittel 4 gering, 5 sehr gering bedeuten. Kartoffeln Ok­tober 1923 3,2 (September 3,1), Zuckerrüben Ll (2,9), Futterrüben (Runkeln) 3,0 (2,9), Kohlrü­ben (Steckrüben, Bodenkohlrabi. Wruken, Dot- schenf 2,8, Mohrrüben (Möhren. Karotten) 3,0, Weißkohl 3,1, Andere Koblatten 3,1, Klee (auch mit Beimischiing von Gräsern 2.7 (2,5). LuzerftL 23 (2,6), Wiesen mit Be- oder EntwässerungS- anlageu (Rieselwieseitt 2,6 (2.5), andere Wieien 2,8 (2,7). Die Ursache des Rückganges , ist in der übermäßig kühlen und in den Mona.en Mai und Juni viel zu nassen Witterung zu su­chen, die keine rechte Frische und Treibkraft >n der Entwicklung dieser Frncharten aufkommen ließ. Bei den Rüben kommt noch hinzu Mfj sie ungewöhnlich viel Samen- und Nebenschotz- linge treiben Immerhin kann nach den Vor- schätzungsangaben über den voraussichtlichen vT trag int ganzen mit einer leidlichen Mittel:rnw gerechnet werden. Die Futterpflanzen uns