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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

TÄltnmer 234. Einzelpreis 5 Millionen Mark.

Sonntag, 7. Oktober 1923.

Einzelpreis 5 Millionen Mark.

13. Jahrgang.

Las neue Kabinett in alter Form.

Das neue Kabinett.

Die alte Koalition.

Es ist dem Reichskanzler Dr. Stresemann nicht leicht geworden, ein zweites Kabinett zu bilden, nachdem das vorige aus politischen und persönlichen Gründen zum Rücktritt veranlaßt worden war. Man muß es schon als mutig be­zeichnen, wenn sich überhaupt noch Männer bc- reitfinden, das undankbare Amt zu übernehmen, obwohl kein klarer Ausweg aus der politischen und wirtschaftlichen Zerrüttung sichtbar ist. Erst am heutigen Sonnabend vormittag ist es gelun­gen, das Kabinett zustande zu bringen. Aber es 'st eine Ueberraschung. Die alte Koalition ist wieder erneuert worden. Dieses Ergeb­nis ist den Bemühungen der Demokraten und des Zentrums zuzuschreiben, die unter allen Um­ständen eine Regierung auf parlamentarischer Grundlage haben wollen. Vielleicht ist diese- sung^die die Parteien der Mitte mit Einschluß der Sozialdemokraten wieder zusammengeführi hat, geeignet, innere wirtschaftliche und sozial­politische Verwirrungen zu vermeiden. Aber wozu dann die zwecklose Erregung? Der Rück­tritt der bisherigen Regierung hatte also gar kei­nen Erfolg und zeigte nur die tief bedauerliche Uneinigkeit im deutschen Volke. Ein ungünstiges Licht wirst dieser Vorgang auf die Parteien der Rechten und Linken. Die Deutschnationalen hat­ten die Regierungskrise herbeigeführt, und es wäre demnach ihre Pflicht gewesen, im neuen Kabinett mitzuarbeiten Sie zogen sich aber zu­rück, als es darauf ankam, die Verantwortung mit zu übernehmen. Daneben haben auch die Sozialdemokraten ihren Anteil an der Krise, weil sie ihren Achtstundentag aus dem Ermäch­tigungsgesetz ausgeschaltet wissen wollten. Nach diesem überflüssigen Zwischenspiel ist nun eine neue Regierung in der alten Form gebildet wor­den. Man muß daher annehmen, daß in der bisherigen Politik keine grundsätzliche Aenderung eintritt, daß aber doch die Resormpläne Stresemanns den Sieg davongetraaen baden/

Die Frage entsteht nun: Wird die neue Re­gierung fÄhig fein, die Lage zu bessern? Denn es war doch der Zweck des Ministerwech­sels, uns aus den widerlichen Verhältnissen der dauernden Geldentwertung, der Teuerung und des Warenmangels, desgleichen aus der allge­meinen Uneinigkeit herauszuführen und die Ge­sundung des kranken Staatskörpers vorzuberei­ten. Der vorigen Regierung wird zum Vorwurf nem/cht, daß sie dieses Ziel, das auch sie ver­sprochen hatte, nicht erreicht hat. Grund für die Erfolglosigkeit war die engherzige Parteipolitik, die immer die Sonderinteressen in den Vorder­grund stellte und nicht auf das Wohl des gesam- ien Volkes achtet. Das Programm des neuen Kabinetts will angeblich in sachlichen Erwägun­gen, die das Ganze im Auge haben, das Beste für das Volk erstreben. In der Erhöhung der Pro­duktion erblickt Stresemann den Kern der Ent­wicklung. Man darf nicht verkennen, daß darin auch die Schwierigkeit ^3 Problems liegt, weil zur Erreichung dieses ZiOes nicht nur Regie­rungserlasse, sondern auch ausführende Kräfte erforderlich sind. Daher ist es vor allem notwendig, neben der Absicht zur Vermehrung der Produktion auch den Willen zur Mehrlei­stung zu wecken, wofür also die Ar beiter- oraanisationen gewonnen werden müsien.

Man kann die Frage aufwerfen, ob es an­gesichts dieses Umstandes richtig war, die So- rialdemokratie vor einigen Tagen auszuschalten. Aber dem kann entgegengehalten werden, daß die Sozialdemokraten.die in der alten Regierung ver­treten waren, die Mehrleistung bereits abgelehnt batten. Sie betrachteten den Achtstundentag als die Errungenschaft der Revolution, die sie nicht vreisgeben wollten. Trotzdem weiß man, daß ein sehr großer Teil der Sozialdemokraten nicht mehr an diesem starren Grundsatz festhält, son­dern zur Mehrarbeit bereit ist, wenn dadurch Aussicht auf Besserung der Verhältnisse geschaf­fen wird. Wie groß die Zahl der Einsichtigen ist gebt schon aus der Abstimmung in der Reichstaasfrastion bervor, wobei 61 für die Bei­behaltung des Achtttimdentages, 54 dagegen stimmten. Bei dem Problem der Mehrlei­stung kommt es übrigens gar nickt so sehr dar­auf an. ob acht oder neun Stunden gearbeitet wird, sondern vielmehr daraus, daß in den acht Ständen intensiv gearbeitet wird.Wo früher ein Mann gearbeitet hat, sollen jetzt nicht -wei oder drei Mann stehen." sagte jüngst ein Wirtschaftler. Die Theorie, daß die Arbeit ge­streckt werden müsse, damit möglichst viele Men­schen daran tätig sein können, bat tut Vermin­derung der Leistung geführt. Die Theorie aber, daß mit weniger Menschenkraft mehr geleistet werden müsse, bat die frühere praktische Erfah­rung für sick, wonach wir bei billigerer Mehr- orreugung wieder aus dem Weltmarkt konkurrenz­fähig werden und dadurch neue Aufträge vom Auslände erhalten. Je mehr die Wa­renausfuhr gehoben und die Einfuhr gesentt

wird, desto besser wird unsere Valuta! Dementsprechend wird auch die Teuerung zu­rückgehen.

Neben den innenpolitischen Aufgicken der Re­gierung sind auch die außenpolitischen Pläne von großer Wichtigkeit, denn im Ruhr- gMet wüten dis Franzosen und Belgier, und in Paris lauert die alliierte Reparations-Kom­mission. Was die Regierung tun wird, nachdem die Feinde trotz des aufgegebenen Widerstandes das Ruhrgebiet auch weiter besetzt halten, ist noch nicht bekannt. Auch steht nicht fest, wie sie sich den Reparationsforderungen gegenüber verhält. Tiefe Aufgaben sind ebenso bedeutungsvoll, wie die inneren Reformen, da Deutschlands Be- wegungssteiheit nach wie vor durch die feind­liche Besetzung gehindert wird. K. F. D.

Die neue Reichsregierung.

Bcrständigung der Koalitionsparteien.

<Wrivat-Telesrsmm.)

Berlin, 6. Oktober.

Heute früh acht Uhr wurde mitgeteilt: Die Einigung über die Kabinettsbildung ist in ihren Grundzügen abgeschlossen. Eine Eini­gung über das Arbeitszeitgesetz ist bis heute früh noch nicht vollzogen worden. Dazu wird wei­ter grmldet: Die Parteien der großen Koa­lition sind diese Nacht über die Grundlagen ihrer Verständigung mit Reichskanzler Dr. Stresemann einig geworden. Die Rücksprache mit dem Kanzler fand um zwölf Uhr nachts statt. Heute früh wurde auf der Reichskanzlei mitge­teilt: DasKabinettistgebildet.es mutz nur vervollständigt werden, da Dr. Raumer und Dr. Hilferding zurückgetreten sind. Beide Res­sorts sollen vorläufig unter einer Leitung ver­einigt werden. Das im Zustand der Demission befindliche alte Kabinett ist gestern noch einmal zusammengetreten und hat in seiner Sitzung verschiedene wichttge Entscheidungen getroffen.

Gin neuer Trwrkftützungsversurv.

Berlin, 6. Oktober. (Privattelegramm.) Als erste Regierungshandlung beabsichtigt das neue Kabinett eine neue und durchgreifende Markstützungsaktion. Im Auftrag des Reichs­kabinetts wurden die Bankenvortzände und die Währungssachverständigen in das Kanzlerpalais geladen. Die Aussprache war vertraulich. Man darf schon für die nächsten Tage mtt einem neuen, aber in den Grundzügen weitgesteckten Versuch rechnen, die Aufwärtsbewegung der fremden Zahlungsmittel zum Stillstand zu bringen. Den eingehenden Besprechungen wohnte auch der Reichsbankpräsident Havenstein bei.

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Frankreich wartet av.

P a r i s, 6. Ottober. (Eigene Drahtmeldung.) Die Pariser Presse nimmt zu der Regierungs­umänderung ttr Deutschland eine abwartende Haltung ein.Journal" schreibt, der densche Parlamentarismus erlebt vielleicht bald feine Sterbestunde, wie der Parlamentarismus in Spanien durch feine Unfruchtbarkeit sich selbst beseitigt hat. Frankreich wird keiner Regierung in Deutschland Schwierigkeiten bereiten, wenn sie wirklich zu zahlen und gutzumachen beginnt. Das deutsche Parlament hat Alle enttäuscht.

/Sine englische Meinung.

London, 6. Ottober. (Eigene Trahtmel«. düng.) Lord Curzon erklärte auf der britischen Reichskonferenz unter anderem: Nach englischer Auffassung ist Deuttchland nicht imstande, sofort grosse Zahlungen zu leisten. Die Befet- zung des Ruhrgebiets ist nicht der erlaubte Weg gewesen, Zahlungen zu sichern, die nun auf un­bestimmte Zeit hinausgeschoben sind. Die Folge ist lediglich der Verfall der deutschen Währung.

GineNegierungserMmng.

Stellungnahme im heurigen Reichstag.

(Pttvat-relogramm.)

Berlin, 6. Oktober.

Die ReichStagssitzung ist VE Reichs- tagSpräsidenten auf heute 2 Uhr nachmittags anberauntt. Auf der Tagesordnung steht die Regierungserklärurrg. Die lieber - raschungcn, an denen die letzten Tage so reich waren, mahnen zur V o r s i ch t in der Beurtei­lung der politischen Lage. Die Fraktionen sind heute früh 8 Uhr zu entscheidenden Sitzungen zufammrngetreren. Von ihnen wird es abhän­gen, ob Dr. Stresemann Vollmacht hat, mit

den bisherigen Ministern wieder vor den Reichs, tag zu treten. Als gemeinsamer Minister für das Finanz- und das Wirtschafts Mi­nisterium nennt man den Direktor d-r Darmstädter Bank, Dr. Schacht. Gestern abend verlautete, Dr. Stresemann fei entschlossen, un­ter allen Umständen am Sonnabend mittag vor den Reichstag zu treten, ohne Rücksicht daraus, ob bis zu dieser Stunde das Kabinett vollstän­dig ist, oder ob es noch Lücken habe.

Die Besetzung dauert an.

Harte Verhandlungs-Bedingungen.

(Privat-TelegrammI

Paris, 6. Ottober.

DerTemps" meldet über die gestrige Kabi­nettssitzung unter Vorsitz Millerands: In Er- Wartung des deutschen Verhanillungsangebots hat der Ministerrtt die Grundlinien seiner Stel­lungnahme besprochen. Die Notwendigkeit der unbedingten Fortsetzung der militäri­schen Besetzung des Ruhrgebiets bis zu­nächst 1926 ist einstimmig anerkannt worden. (1) Als Vorbedingungen für Verhandlungen mit Deutschland wurde beschlossen: Anerkennung sämtlicher Massnahmen der alliierten Behörden im Ruhrgebiet durch Deutschland; Verzicht auf amtliche Gegenhandlungen Deutschlands für die Dauer der Besetzung, Wiederanstiahme der Sach­lieferungen und Tragung der bisher entstande­nen Kosten der Ruhrbesetzung durch Deutschland.

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Sin neue» Angebot.

Berlin, 6. Oktober. (Privattelegramm.) Das utn Mittwoch an die deutschen diplomatt- schen Vertretungen in London, Paris, BrMet und Rom gegangene Verhandlungserssn- chen Deutschlands soll am Montag den dortigen Regierungen überreicht werden, nach­dem auch das neue Kabinett den entsprechenden Verhandlungsvorfchlägen zugestimmt hat.

Die franzvfischrn «Sewerkschasten lehnen ad-

PariS, 6. Ottober. (Privattelegramm.) Echo de Paris meldet, daß die französische» Gewerkschaften in ihrer Tagung in Lyon einen neuen Antrag der deutschen Ge­werkschaften in Besprechungen über die Re­parationsfrage und die Wiederaufnahme der Ar­beit an dor Ruhr einzutreten abgelehnt ha­ben, da sie durch die Aufgabe des passiven Wi­derstandes und die bevorstehenden Verhandlun- gen Deutschlands mit den Alliierten über tue Reparationsfrage das deutsche Ersuchen für ge­genstandslos mischen müssten. Der Beschluß fei mit allen gegen acht Stimmen gefasst worden.

Widerstand im Ruhrgebiet.

Kein Erfolg der Franzosen.

(igene Drahtmeldung.)

Düsseldorf, 6. Oktober.

DerTemps" meldet ans Düsseldorf: Im Ruhrgebiet zeige» sich neue Widerstän- d d. Arbeiter und Eisenbahner l e h n e n die B e. dingangen des Generals Degoutte für die Wiederaufnahme der Arbeit ab. Infolge­dessen konnten bisher erst kaum fünf Prozent der Arbeitswilligen eingestM werden. Die Repara­tionsausbeute im Ruhrrevier liegt noch ebenso danieder wie in den Monaten des passiven Wi­derstandes. General Degoutte wird einen letzten Auftmf an die Arbeiterschaft des Ruhrgebiets er- laffon, nach dessen fruchtlosem Ablauf der Gene­ral zu den schärfsten Ma ß n a h m e n über­zugehen entschlossen ist. Der General hält die Verstärkung der Befatzungsarmee um etwa die Hälfte des fetzigen Kopfbestandes für notwendig, um neue Widerstände im Keime zu ersticken. Er hat entsprechende Anträge an die Regierung nach Paris gerichtet.

Dermedning Der feindlichen Truppen.

Düsseldorf, 6. Ottober. (Privat-Tele- gramm.) Aus Paris wird berichtet, daß der zur Entlassung stehende französische Jahrgang um zunächst vier Wochen zurückbehalten wird. Ter PariserTemps" meldet aus Essen, für alle Gar­nisonen des französischen Befatznngs- bereichs wurden neue Unterkunfts­räume von den Stadtgemeiiiden angefordert. Es verlautet, daß die Kopfliärke der französischen Truppen am 30. Oktober um 30 Prozent, am 30. November um weitere 30 Prozent erhöht wird, um die weiteren Maßnahmen der alliierten Jn- genieurtommiffton sicher zu stellen.

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Weitere Ausweisungen.

Berlin, 6. Ottober. (Privattelegramm.) Wie ans Essen gemeldet wird, hat die Vesat- znngsbehörde am Montag von neuem 413 den t- sche Beamte, Angestellte und Arbei­ter, die an der Propaganda für de» passiven Widerstand teitgsniiiüiten haften, ausgewiesen. Ihnen wurde eine Frist von acht Tonen gestellt.

Bankbedingungen.

Die Kreditbeschränkung.

®ie EeswiiftSwelt ist mit den harte« Bankb«. bmanngen sehr unzufrieden, t>e der Gefehlt t«- vrrkehr außererdenilich geschädigt wird durch Derweigerung des Kredits, hohe Dedct. und . gering» Kreditzins««, DerzSzernng von Gut. schritten u|i». Gegen bi« vie fach geitdte Kri.

tik verteidigen stch Berliner Aantcn wie folg«

Die neuesten Bedingungen der Stempelv-r- einigung sind in den letzten Tagen lebhaft kriti­siert worden. Im Interesse einer richtigen Wür­digung derselben scheint es wichtig, der Oefsent- lickkett Näheres über die Beweggründe mitzuteilen, die zu diesen einschneidenden Be­schlüssen geführt haben. Zwei Dinge sind es. welche besonderen Widerspruch Hervorgernzen haben, die große Spannung zwischen De- bet- und Kredit; infen und die ins Auge gefaßte Aufwertung von Kontoüber­ziehungen. Es scheint, als ob mit bieien Maßnahmen in erster Linie eine proh-bitive Wirkung beabsichtigt sei, nämlich eine Ein­schränkung der Kredite und vor allem der unberechtigten Kontenüberziebuna sowie die Erziehung zu gewissenhafter Kontogege.ifüh- rung. Für die Bemessung der Zinst,ätze ist be- kanntlich der jeweilige Geldmarkt maßgebend. Die durch Beschluß Der Stempelvereinigung jetzt geforderten Debetzinsen wurden in der Tur schon längst gezahlt, die Berichte über die für tägliches Geld an der Börse gezahlten Sätze be­weisen dies. Die Börse ist aber doch der Spie­gel für die Lage des Geldmarktes. Die Höhr der Kredit zin sen, welche früher als ein wesentlicher Anreiz für dir Belassung frenper Gelder bei den Banken wirkte, spielt andererseits heute nahezu gar keine Rolle mehr. Tie Banken sind infolge der Entwicklung der Ver- hättmsse nicht mehr das Reservoir der sonst brachliegenden Bargelder. Die Flucht vor der Mark Hai vielmehr die volkswirtschaftlich brdenk- liche, andererseits «der psychologisch erklärliche Folge gezeitigt, daß sich jeder, koste es was es wolle,

durch Kauf von Sackgütern möglichst schnell gegen die Geldentwertung zu schützen suchte und sich dabei steilich keinerle'. Gewissen daraus machte, über die verftigbaren eigenen Mittel hinaus die Mittel der Banken in Anspruch zu nehmen, so daß die Kreditoren der Banken immer mehr schwanden und die, Debi­tor en eine so unerwünschte Zunahme erfuhren, daß es erhebliche Schwierigkeiten bereiten mußte, die für die Hergabe der wirtschaftlich notwendi­gen Kredite erforderlichen Beträge bereiitzustel- lcn. Eine Gesundung der Geldmarttverhält- nisse war daher nur auf dem Wege über eine kräftige und wirklich fühlbare Herauf­setzung der Debetzinsen möglich. Lie bisherigen Versuche nach dieser Richtung Wür­ben iedoch immer wieder durch die sich uoerstur- zende Markverschlechterung zuschanden gemacht. Es mußte daher nach neuen Wegen gesucht wer- den, um auch im Falle eines weiteren Herabim- kens des Markwerts die vorher nickt zug:sagte Kreditinanspruchnahme zu bekämpfen, um so die verfügbaren Mittel in den Dienst der volkswirt- !'chaftliche berechtigten Kreditbedürfnisse stellen zu können. Nm einen Ausweg zu wäh­len, kam man daher auf die Wertbeständigmackung der Kontenüberziehung. Sie soll also in echter Linie ein Notbehelf und Abschreckungsmittel für diejenigen fein, welche sich nachgeraoe daran gewöhnt batten, auf Kosten der kreditgebenden Danken große Inflaiiousge- winne $u machen.

Dazu ist zu bemerien, daß davon leider auch die solide Geschäftswelt, die nicht ruf Inflationsgewinne ausging, betroffen wurde, wodurch sie großen, S ch ad e n erlitt. D. Red.) Weiter heißt es in den Ausführungen der Banken, daß die Unkosten der Banken namenttich in letzter Zeit ganz gewaltia gestiegen sind. Während früher aus der Spannung zwischen Debet- und Kreditzinsen ein beträchtlicher Teil der Handlungsunkosten bestritten werden konnte, ist dies seich dem Schwinden der Kreditoren ttoy der erhöhten Spannung nicht mehr möglich, so daß neben den rein volkswirtschaftlichen Ge­sichtspunkten auch die Selbsterhaltung die Ban- fen zu einer stärkeren Belastung der Debitoren zwingt. Die starke Steigerung der Unkosten dürfte auch dazu geführt haben, nachzuprüfen, ob einzelne Geschäftsvorgänge nicht schon des­halb abgesiellt werden müßten, weil sie fick in­folge der Entwertung der Mark als8eertauf* herausgestellt haben. Dies gilt aber nickt nur für die Banken selbst, sondern in erster Lini; auch für deren Kundschaft. Die Gutschrift von Zinsscheinen nach Mark verzinslicher Schuld» vttzschreihungen beispielsweise hat für den Glhn. biger normalerweise »ein Interesse mehr, bürdet der Bank aber Lasten auf, die einem Vieltau« sendfachen des zur Gutschrift gelangenden Be­trages entsprechen. Die Bestimmungen über

Hinausschiebung der Wertfkllung beruhen im wesentlichen darauf, daß infolge der