Nr. 231. — 13. Jahrgang.
Kasseler Reuest« Rachrichte«?
Donnerstag, 4 Oktober 1923.
DerGtanb des Dollars
Dlenstog
’ vivvüVIl »'.■ „7
Hierzu bemerkt die Polizei-Behörde Kastel, daß Anträge auf Genehmigung Sffenttickcr Versammlungen rechtzeitig mindestens acht Tage vorbei bei der PÄizei-Behördc einzurcichen smd.
Letzte Depeschen.
Sine düstere Zukunft?
Lloyd George verurteilt Englands Politik.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 3. Oktober. .
„Daily Telegraph" gibt eine Rede Lloyp Georges wieder, die er in Wallis am letzten Sonntag gehalten hat. Lloyd George sagte u. o.t Die britische Reichskonferenz soll M mit der Reparationsfragr nicht befassen, so will xs die Regierung Baldwin. Damit ist das Desinteressement am Ruhrgebiet und am Rhein feierlich vcrkiindigt. Wie es England fertig bringen will, hinfort als Feftlaubsmacht anfzntreten und die Herrschaft des Jestlandrs an Frank- reich ausgeliefert zu haben, werde ich nie verstehen. Die Zukunft wird immer düsterer
Felten . . . 2800 Mill
Lahmeyer . . 730 Licht u. Kraft 410 ' Schuckert. . 3900
ZuchtsihwelnemorN. ,
Amtliche Marktpreise!
Saffet, 3. Oktober. Der sogenannte Ferkel- markt sah heute einen Auftrieb von 884 Ferkeln bis zu 13 Wochen und 75 Läufern im Alter von 3 Monaten an, zusammen 959 Stück gegen 044 Stück am 5. September. — Bezahlt wurden (in Millionen Marks für da« Stück Ferkel im Alter brs 6 Wochen 300—500 (am 5. September 15—25): solche im Alter von 6—8 Wochen 500 bis 800 (25—50), Von 8—13 Wochen 800—1200 (50—100); fiirn Läufer im Alter von 3—4 Monaten 1500—2500 (100—200), von 4—5 Mo werten 2500—3500; über 5 Monate 4000—6000. Tendenz: Anfangs flott, später schleppend, geringer Ueberftanv. Ter heutige Markt Wa
der erste ohne Großhändler; es trafen vorwiegend nur Züchter cm . Die Läuferschweine, bei denen die Preise erstnutlra in die Mil- Harben gingen (!) wurden alle verkauft.
lene bis zum Brunsthirsch, und ... Lehen Sie, empfiehlt der .Kunsthändler" einer Frau seinen .schönsten" Wandschmuck. Hai mal eine Fliege was drauf gemacht, drüber weggewischt, und er ist wieder sauber ...
Mutter, die Schreckenskammer! Aber Kind, das ist doch strenge Graphik! Rann! Richtig, echte Kunst von heute! Ein Ehristuskopf ist auch dabei, der Grmien weckt, doch sicher keine Andacht. Verkäufer sind Jugendliche von bekanntem Stil, und ihre Firma lautet: .Jungwerkstube, freier Arbeitskreis junger Menschen". Sogar eigenes Geld gibts hier: Gut für eine Wertmark! Rein, höre ich hinter mir sprechen, sie gefallen mir nicht, diese Bilder! Ja, lautet die Antwort, das ist erpresseristisch, das ist modern!
Der Hausfrau wird an verschiedenen Stellen gelehrt, wie sie Smyrnaarbeit schafft. Wollstickerei mit besonderen Radeln, hübsche Teppicharbeit. Ter Andrang ist groß, und plötzlich eine erschrok- kenc Frauenstimme: Jesses, da habe ich im Gedränge das falsche Kind mitgenommen ...!
Mittwoch
amtliche giottenmg
UQ 000 000
-müiche Notierung
320000000
Unter dem Ausnahmezustand.
Kontrolle öffentlicher Versammlungen.
Auf Anordnung des militärischen BefehlS- Kabers ’.m Wehrkreis 5 hat der Herr Oberpräsident unter dem 1. Oktober dieses Jahres folgende Bekanntmachung erlaffen:
§ 1. Alle öffentlichen Versammlungen in geschlossenen Räumen bedürfen der Genehmigung der zuständigen Polizei-Behörde.
§ 2. Durch das Erlaß oes Hetrn Ministers des Innern vom 24. I. 23 ausgesprochene Verbot aller Versammlungen unter freiem Himmel cirt'eff. der Umzüge bleibt bestehen.
Mein Freund Henner, der in feiner Türe stand, erklärte mir. daß es früher doch viel schöner war, als o»k dem Meßplatz noch die Buben aufgeschlagen waren, in der Karlstraße und in der Wilhelmstraße bis zur Königstraße, und ais es auf dem Karlsplatz die Mefscwccke und die warme Messekochwurst gab. Damals kostete alles einen Groschen, und einen Groschen kriegten wir Kinder für die ganzen vierzehn Tage, die die Messe dauerte, als .Kleine Messe".
Da kamen einmal kleine Kästchen auf mit Buchstaben in Zucker aufgespritzt. Wir Kinder wollten nun zu gerne wissen; was in so einem Kästchen war, aber den Groschen wollten wir nicht anbrechen. Zwei Pfennige kostete das Kästchen, und mit acht Pfennigen war nachher nichts anzufangen ... Schließlich kriegten wir unsere Schwester rum ...
In dem Kästchen waren ein paar Kuchenkrümel. Tas arme Mädchen weinte, und mir hat sie die Haare halb vour Kopfe geholt ...
Ja, ja, es waren doch schöne Zeiten, auch auf dem Wall, wo die Karussells, die Kasperletheater und Schaubuden standen, und bei der .Stadt Prag" und dem „Löwen" die Bänkelsänger.
Hört die araufc Mordtat, Die sich zugetragen hat usw. »sw.
Daß die Leistcrsche Wiese aufkam, wird so Stücker sünfzetzn bis zwanzig Jahr^ her sein. Heute straft die .Hertha, das kolossalste Kind" alles Gerede von Unterernährung Lügen, und die .starken Männer" ... auch sie sind bisher gut durch die Zeit des Dollarkollers und der Fleischvreisnöte gekommen! Schließlich ... wer Glück hat, gewinnt am großen Rad einen Korb mit Wurst und Eier ...! Rud. Hcynemann.
Seiturta von Frau Käthe Wolf hat sich das Lesen und Spielen von Schauspielen zum Ziel gemacht. Von Zeit zu Zeit werden allgemeine Aussprache- ebenbe über kulturelle, politische und wirtschaftliche Fragen der Jugendbewegung unter Leitung von Dr. Walther Koch stattfinden, die dem gegenseitigen Gedankenaustausch der verschiedenen Jugendströmungen untereinander dienen sollen. Zu diesen Ausspracheabenden werden auch auswärtige Jugendführer hinzugezogen werden. Alle jungen Menschen, die sich in irgend einer Weise in der Jngendvolkshochschulgemcinde beteiligen wollen, einerlei, ob sie aus der Jugendbewegung stammen oder nicht, müssen sich auf der Geschäftsstelle der Volkshochschule in der Mauerstraße melden.
Auf der Porzellan- und Steingirtstraße längs der Budenreihen ist alles da. W i c d e r da. denn wir wissen noch von einer der letzten Messen, daß für Geld und gute Worte nicht einmal der Topf zu kaufen war, der viel begehrt, von dem man sonst nicht spricht. Heute kostet er dreißig Millionen. Eine .Kaff"tasst kostet zehn bis zwanzig Millionen ... Ich glaube, hörte ich Jemand sprechen, ick gebe doch dreißig Milliönchen aus, im Verhältnis ist „Er" billiger, und ... es gebt mehr Kaffee hinein, wenn er als ... Kaffeetasse benutzt wird!
Zuckerstangen. Honigkuchenherzen, Schnürstn- kel der Zukunft, Küchengeräte. Anzugstoffe, Wäsche und Ziaaretten ... soll da die Run st fernbleiben? Bünte .Kunstdrucke" mit den schönsten Idyllen, Drucke von der büßenden Magda-
Dstsst ohne Regen ... nein, das geht nicht an! So machte ich mich erst gestern, als der Himmel fein dickstes Wolkenkleid angezogen hatte, auf den ortsüblichen Messebummel.
Ter Stände platz ist ja allein geblieben, aber er hat doch wenigstens so nier Zuzug bekommen, daß der Ausdruck „Messe" der Wirklichkeit einigermaßen erhalten blieb.
.Ta kannste wie Bfticher rangeben!" Ein Schild mit dieser Aufschrift war nicht zu übersehen nnb die Dame, die unter ibm ihren „Flek- kentod" anpries, nicht zu überhören. Tas heißt, daß hier das „zarte" Geschlecht amtierte, konnte erst durch Zuschauen festgestellt werden. Gegen diesen aefvrochenen Alt bei kräftigster Berechnung auf Fernhörbarkeit ... Männer, versteckt euch!
Sie sparen Zeit. Die sparen Geld, die Axt im Haus erspart den Zimmermann, Jedermann sein eigener Fußbekleidungsarchitekt, Flicke mit Klebstoff. Gummisohlen das '«ebot der Zeit, das Heinftc Kind perfekte Friseuse ... wer all das, was hier angepriesen wird als letzter Triumph der Technik, als das Wunder des Fortschritts und der Gegenwart, verwendet, der wird dereinst, wenn er's kann, Milliarden ersparen ... jetzt wird er erftmal Millionen los!
Wohnungen gibts nicht auf der Messe (noch nicht), aber Türschilder! Der Name wird an Ort und Stelle eingraviert. Auch in Ringe ... ist das Letztere nicht Verleitung zum Wege über das Wobnungs- zum Standesamt, noch dazu, Wenns die unaeteilte Dienstzeit der Beamten geben sollte ... ?
Kinder sind heute teuer! Wie oft hören wir das Klagelied. Auf der Messe sogar in höherer Potenz. Ein Schweinchen zum Aufblasen, eines der Windmühlen-ErsatzMcke. das Rad mit bunten Federn ... Stück für Stück zebn Millionen ... es gab eine Zeit, da kostete das alles zehn Pfennige!
Was meinen Sie, sagte einer der Messeonkels, was morgen genommen werden muß, bei diesem Tollarstand ... das ist heute noch gestriger Kurs!
Kasseler Kurse vom 3. Lktobor.
Baumann u. Lederer Nachfrage 460; Eüeut. Pharm. Werke Voellee N. 7, A. 8; Deutsche Ml- neralöl R. 3,3, A. 3,8; Gebr. Ungewitter N. *5.
55: Lesse::bank R. 7, A. 8; Hohenlohe Nährmittel N. 300; Kasseler Jutespinnerei R. 40u, Rhein. Hess. Treibriemen R. 20, A. 25; Stahl u. Mölke R. 450. Ad. Wever R. 50; W. Berge R. 4,5, A. 5; Mitteldeutsche Geschäftsbücher R. 6,650. Ä, 0,750; Eisenschmibt R. 12, A. 14. (alles in Millionen Prozent).
Aus 6er Welt des FllmS. v.
Ein Tibet-Film im Ehaffalla.
Mit einer hübschen Handlung verbunden ist 8er gegenwärtige Film in den Ehassalla-Lickt- fpielen „Der Kampf umS Glück", ein prachtvoller Vortrag Über Tibet, Lund, Lehrte und Tierwelt. Mehrere Chinesen Und eine Chinesin treten als gewandte Filmschauspieler auf, führen in Eigentümlichkeiten des Reiches der Mitte ein und dann gehts durch Schnee und Eis in das Hochgebirge von Tibet, wo auf dem Heiligen Berge Buddha, als er zur Erde stieg, seine Fußspur hinterließ. Es gibt ttbetanische Pilgerbräuche, Kulttänze, Wölfe, Paks, jene aus den Mount Everest-Berichten bekannten tibetanischen Büffel, wilde Pferde und Trampelttere zu sehest und einen treuen Hund! Haqenbeck hat die Tiere gestellt. "■rienbcrS die Wolfszenen lassen an Realität nichts zu wünschen. Daß die Handlung spannend und originell, erhöht beu Reiz dieses wertvollen Films, der neben feinen wissenschaftlichen Belehrungen auch dem Hmttor freien Spielraum laßt. =»•
Zungbeutscher Orden.
Stellungnahme zu Reaktion und Putsch.
Im vollbesetzten Saale des Orbenshauses fand gestern, am Geburtstage Hindenburgs, die Oktober-Vollversammlung ber Bruderschaft Kassel statt. Der Komtur der Ballei verbreitete sich über die politische Lage. Unter scharfer Verurteilung aller putschi st« scheu Bestrebungen, tote sie in getoissenloser Weise vor einigen Tagen in Küstrin geschahen, stellt er erneut fest, daß der Jungdeutsche Orden sich auf der Grundlage des Staates für Ordnung und Wiederaufbau des Vaterlandes einfetzt. Gerade in den letzten Wochen sind die über ganz Deutschland verbretteten Einheiten des Ordens gewaltig gewachsen. Nachdem man, auch auf bislang gegnerischer Seite, nunmehr einzusehen begonnen bot. was der Juugdeut- sche Orden bedeutet, ist ein großer Zustrom von allen Seiten und aus den verschtedenst gefärbten Lagern zu verzeichnen; ja ganze Verbände haben sieb ihm zur Vermgung gestellt . In der Folgezeit gilt nicht mehr die Partei; da heißt es nur noch: Hie beutfeb! Hie international! Und wehe denen, die sich bann dem Jungdeutschen Orden in feinem Kampfe für Deutschtum und Ordnung entgegenstellen! Die Feuerprobe tommt für alle noch **nmal, und es wird sich entscheiden, ob toir national fein werden und uns national regieren lassen, ober ob toir in den Abgrund, dem Ehaos entgegenrennen.
Erzellenz B r e ß l e r hielt fodann einen an- derthalbstündigen Vortrag über die Schlacht bei Tannenberg. Der verdienstvolle Führer, der als Oberst die Schlacht an der Spltze feines Regimentes mitfocht, gab an Hard felbstentwor- .pnen Karlenmaterials äußerst klare Bilder über den Verlauf ber gewaltigen Tragödie zweier russischer Heere, vom Gefecht bei Gumbinnen an bis zur endgültigen Befreiung Ostpreußens. Nunmehr gab ber Leiter der I u ii g g e f o l gs ch a ft en Kassels. Studien- ussessor R ö s e r. einen Arbeitsbericht über den verstossenen ersten Monat der neuen Ju-
AuerkennuNg ihrer treuen Dienste wurde den Jubilaren ein Dankschreiben des Magistrats überreicht. — Weberei - Betriebsleiter Louis S k e n z el bei der Firma Fröhlich und Wolff, mechanische Segeltuchweberei, feierte am 1. Oktober sein sünsundzwanzigjähriges Dienstjubiläum bei der genannten Firma. Ter Jubilar wurde an diesem Tage vielfach geehrt und erfreut.
-r- Justus Marx ch. Bei dem gestern gemeldeten Todesfall in der Fünffenstchstraße handelt es sich um den in weitesten Kreisen bekannten und hochgeschätzten Jnftrtunenteuhändler Justus Marx, der als Geigenbauer einen klangvollen Namen in der dänischen Musikwelt hat. Ein tragischer Tod hat ihn nun entführt.
-2- In einem Auto entführt? Während man über den Verbleib der dreizehn Jahre alten Malkus vom Graben noch nichts wieder gehört hat, kam gestern bereits wieder Meldung, daß ein fünfzehn Jahre altes Mädchen ans der Obersten Gasse vermißt wird. Es sollte für seinen Vater Kartoffeln nach der Fünffensterstraße bringen, traf dort aber nicht ein. Nunmehr ist aus Oberkaufungen berichtet worden, daß sich das Mädchen dort in Schutzhaft befindet. Nach seinen Angaben ist es in einem Auto entführt worden. Das Weitere muß nun die Unterfnchnng des Falles ergeben.
Allerlei vom Tage. Heute morgen gegen 3 Uhr überraschte eine Polizeistreife zwei mit schweren Rucksäcken belastete Männer, die ange- sickvz der Beamten Reißaus nahmen. Als sie verfolgt wurden, warfen sie die Rucksäcke fort, in denen Wäsche im Werte von 50 Milliarden (!) gefunden wurde. — In der Gießbergstraße brach gestern abend ein Schorn st einbrand aus, der von der Feuerwehr beseitigt wurde. Am Nachrnittad wurde in derselben Straße eine Frau derart von einem Hunde gebissen, daß die Sanitätswachc Orleansstraße Hilfe entsenden mußte.
Wie wird das Wetter? Der Frankfurter Wetterdienst berichtet: Der unbeständige Witterungscharafter. ber zurzeit wieder herrscht, wird im wesentlichen auch in den nächsten Tagen erhalten bleiben. Indessen ist zu erwarten, daß die Bewölkung etwas zurückgebt und daß Niederschläge nur noch in ganz geringem Maße auftreten. Vorhersage bis Donnerstag abend: Wolkig, ftibl, trocken, nordwestliche Winde.
-4- Veranstaltungen am Donnerstag. Staats- tbcater: „Freischütz", 7’X Uhr. — Renes Tbeater: „Aus Hamburgs goldener Zeit", 'ty«, Uhr. — Stadtvark: Jubiläumskonzert von Georg Henkel, 8 Uhr. — Frauenvor- trag: Murhardfaal, 8 Uhr.
Aus 6er 3eit 6er Not.
Bitteres vom Zucker.
Ab heute (Mittwoch) kostet ein Pfund Zucker 19900000 Mark. Es handelt sich um eine 60- vrozentige Erhöhung gegenüber dem bisherigen Preis. Dazu bemerkt die Zuckerkontrollstelle Kastel u. a.: Ter Beirat der Zuckcrwirtschafts- fteffe in Berlin hat wiederum unter Zustimmung des Reichsernährungsministers den Fabrikgrundpreis erhöbt und zwar um etwa 60 Prozent. Auch die Zuckersteuer hat eine 60Prozen- tige Erhöhung erfahren, fodaß die maßgebenden Kasseler Stellen den örtlichen Richtpreis entsprechend herauffetzen mutzten. Künftig wird ber Fabrikgrundpreis in Berlin zweimal wöchentlich festgesetzt werden, szdatz auch für Kassel zwei Preisfestsetzungen wöchentlich in Aussicht genommen sind Tie Preise sollen jeden Montan und Donnerstag in Kraft treten, doch wird es das Bestreben der maßgebenden Stellen bleiben, solange tote möglich Preiserhöhungen zurückzu- stellen. ■’ -•
' Die Kasseler Teuerungszahl.
Die im Statistischen Amt der Stadt Kassel berechnete Teuernngszabl beziffert sich für die laufende Woche — Stichtag 1. Oktober — auf 8 441018 gegenüber 2572217 in der vergangenen Woche (unter .Kürzung der drei letzten Stellen in 1000 Mark). Dies bedeutet eine Steigerung von 34 Prozent. Zufolge Verfügung des Preußischen Stattsttschen Landesamtes ist der Stichtag zur Errechnung der Staffelet Teuerungszahl ab 1. Oktober 1923 vom Mittwoch auf den Montag der jeweiligen Woche verlegt.
(Eigener telegraphischer Bericht.)
Berlin, 3. Oktober, 1 Uhr, ** .Tue Devisen lagen heute, entsprechend deck schwachen Markmelvrmgen aus dem Auslände und infolge ber inncrpoliti schon Umwälzunmn, Weiter lehr fest. Der Dollar setzte mit 480 Mli- harben Mark ein. Die Reichsbank nahm eine .innen Mark ein. Tie Reichsbank nahm eine veichrankte Zuteilung vor und zwar für ben Dollar 6 Prozent für das Pfund 8 Prozent. Amtlich wurde der Dollar auf 440 Millionen das englische Pfund auf 2 Milliarden Mark
Dollarfchatzantoeifungen notierten 43o Millionen, die Goldanleihe 397 500 000. Am Effektenmarkt war die Steigerung nicht 1® stark. Die Kursgewinne standen in keinem Verhältnis zu der Tevistnsteigerung. Zunäcmt kam logar Material heraus, das aber von der 'Spekulation sofort ausgenommen wurde. Tarun schloß sich auch wieder die Kauflust des Puvli- kums an, sodaß die Tendenz fest wurde. Gesucht waren Bankaktien, Montan-, Kali-. Eye- mi)che- und Schiffahrtsaktien.
Bank-Aktten
Siemens. . 4000 A. E. G.. . . 515 '
Crenftein&R.120O L>irsch,Kupser2800 ’
Adler-Kleyer 140 ,
Daimler ... 150 .
Bing-Metall 410 .
Mansselber 1290 Kali Afchersl.1800 '-Bert. Masch. 700 ' Krauß .... 910
Daluta.Worle
Otavi . . . 3400 Mid- Tiamonshar. 2500 Zolltürken. 1700 Bagdad I . 1300 Bagdad II . 1300 .
Freiverkehr
Krügershall . 850 Mill. Becker-Kohle 1100 .
Becker-Stahl 1100 , Api...... 800 ,
Benz..... 450 ,
Ufa ...... - .
Darmst. B. . 400 Mill. DeutscheB. . 700 Disk-Ges. . 1500 Dresdner B. 480 Berl.Hd.-G. 2800 .
Montan-Aktien
D.-Luxemb- 5500 Mill.
Gelsenkirch. 6000 Harpener . 7000 Phönix. . . 4300 Mannesm. 4100 , Buderus. . 22co , Rhein-Stahl 4450 Caro .... 2250
Oberbedarf 2400
Schiffahrts-Werte
Hapag ... 2900 Mill- rordd. Lloyd 585
Hansa-Dpf. . 925
Industrie-Aktien
Bad. Anilin 1050 Mill. Goldschmidt 1600 Höchster . . 1500 „
Elberfelder 1750 ,
Aobel-Dyn. . 510 Anglo-Guan. 1800 Accumulat. 1430
Allerlei von der Messe.
Ein Bummel über den Gtändeplatz und Erinnerungen an die gute alte Meffezeit,
»eutscher Botschafter in Varis. *
Paris, 3. Oktober. (Privattelegramm.) Wie „Echo bc Paris" meldet, haben zwisck-en Paris und Berlin Besprechungen über die Person des zukünftigen deutschen Botschafters in Paris begonnen. Die erste deutsche Anfrage sei am 30. September in Paris eingegangen.
Die Gotvantethe.
Berlin, 3. Oktober. (Privattelegramm.) Vorbehaltlich geringfügiger Aenderungen sind auf die Goldanleihe 164 224 000 Gvldmark gezeichnet worden.
Deutsche <5achltlffuiifien.
Paris, 3. Okiol'er. (Eigene Drahtmeldung.) Dr „Matin" meldet, der deutche Entschluß, die Ratnralliefe rangen an Frankreich und England wieder aufzunehmen, beschäftigte den Ministerrat. Man einigte sich auf ein Wieberzusammengehen mit den übrigen Alliierten, nm Deutschland nicht nur zu ben Leistungen für Reparationszwecke, fonbern auch zu ben breü viertel noch unerfüllten Leistungen nach bcm Fricbcnsvcrtrag (Holz, Kohlen) zu bestimmen.
Derdoffungen in München.
München, 3. Oktober. (Privattelegramm.)' Der Kommanbant ber sozialistischen Sicherh« itsa btcilun g, Apotheker Buffon, ist verhaftet worben. Zahlreiche Sozialisten würben gleichfalls in München feftgenommen mit bet «nfdnitbigung, an ber Schießerei in ber Schellingftraßc erheblichen Anteil zu haben.
Heutige Berliner Börse.
Devisen weiter gesteigert.
gcndorgamsation itnb über ihren Aufbau. Weiter folgte eine Mitteilung des Kontturs, baß für die nunmehr eröffnete Geufenküchc reichlich Vorräte an Lebensrnitteln zur Verfügung gestellt worden seien u. noch in Aussicht stehen, t.., • H. K.
< ‘
Möblierte Zimmer.
„.v Sind die Mietpreise zu hoch? ’
In ber letzten Zeit hört man vielfach, daß die Preise für möblierte Zimmer zu hoch sind. Dazu wird aus dem Kreise des Rentnerbundes und des HauAfrauenvereins, die beide Aus- kunffftellen Wer Permie>sbedinguvgen eingerichtet haben, folgendes ausgcführt. das der Beachtung würdig ist. Es scheint, heißt cs. m eiltet entsprechenden Zuschrift, daß oft gar nicht bedacht wird, daß das Zimmervermieten für Diele eine Einnahmequelle darstellen muß, wie dies ja fchon vor dem Kriege der Fall war und heute, besonders für viele alte alleinstehende Leute zutrifft, für die häufig das Vermieten die einzige Erwerbsmöglichkett ist.
Daß die Richtlinien de- Wohnungsamtes keine zu Hoven Preist ansttzen. zeigt ein Vergleich. Früher zahlst man für ein Zimmer monatlich im Durchschnitt 25—30 Mark Miete, für das Monatsabonnement an einem Mittagstisch ebenfalls 25—30 Mark Heust bekommt man schwerlich ein einzelnes Mittagseffcn unter 15 Millionen Mark, das wären monatlich gerechnet 450 Millionen. Was sind dagegen die Zimmcrpreist? lind nun die Bedienung! Der Preis dafür fetzt sich zufammen aus dem Stun- benlohn (gemessen an der Forderung ber Stundenfrau) itnb den übrigen Kosten (Seist usw., Putzmittel. Abnutzung von Geräten. Steinigen von Tüchern usw.). Wird die Bedienung nicht Mo tatsächlich sehr ntiHHa berechnet? Viele Mieter sagen wohl, daß dir Kosten für die Bedienung zu hoch feien, wenn die Vermieterin selbst die Bereinigung ausführt .eine Stundenfrau also „spart". Soll sie also ihre Artwst, die mühsame tägliche Haussrauenarbett. etwa ganz umsonst leisten? Daß sie dafür dasfelbe berechnen darf w:e eine Stundenfrau, dürfte doch wcbl selbstverständlich sein.
Schließlich mögen die Mieter bedenken, daß sie als Fremde fremdes Eigentum benutzen, daß sie frei von Sorgen um Beschaffung oder Erhaltung des Vorhandenen, alle Bequemlichkeiten genießen . Sie werden von diesem Standpunkte ans die ganze Frage anders und freundlicher betrachten und danach handeln. Mr bedürftige Mieter wird sich immer ein Ausgleich finden lassen! _____ .... ... .
Lofalnachrlchren vom Tage
ui- Ende des Mühlenarbeiterstreiks. Der Streik in der Vogtschen Mühle ist beendet. Kurz nachdem die eingesetzte Technische Rothilfe in der Mühle eingetroffen war und mit den zu übernehmen Arbeiten verstaut gemacht wurde, erklär- ten sich die Mühstnarbeiter bereit, die Arbeit in vollem Umfange und bedingungslos wieder auf- zunchmen. Nachdem die Arbeit wieder ausge- iiommen war, wurde dst Nothilfe gestern früh zurückgezogen.
-t- Weitere Oktober-Jubiläen. Arn morgigen Toniierstag feiern Arbeiter Karl Winkler und Arbeiter Heinrich Ledderhofe vom Gaswerk ihr fünfundzwanzig jähriges Tienstiubiläum. In