Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 230
13. Jahrgang
Mittwoch, 3. Oktober 1923
Einzelpreis 3 Millionen Mark.
Einzelpreis 3 Millionen Mark.
Neue Maßnahmen zur Ordnung
L
den von Reichswehr aus dem Betrieb geholt und raubten achteinhalb Billiarden Mark.
abgeführt. Sie werden mit Beschleunigung abgeurteilt. In den Maffei-Werten wird gearbeitet.
Aus der
Berlin, 2. Oktober. (Privatttte"ramm.) In parlamentarischen Kreisen legt man der sozialdemokratischen Frakiionssitzuna besondere Bedeutung bei. Es ist nickt zu verkennen, daß de-» linke Flügel der Sozialdemokratie großen Einfluß auf die Parteipolitik gewinnt. Von der in Thüringen und Sachsen ein= getretenen starken Annäherung zwischen So. z i a l i st e n und Kommunisten ist auch die Politik der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, wie man beobachten will, stark beeinflußt.
$te Staffelet üleueüen eiadmdifen erfcbetnen wntbentltrt) <ecti«mat unb iroar nachm ttagS. Der Abonnementspreis beträgt für die Woche vom 1.—7. Okt. 14 Millionen Marl bei freier Zuuellun? ins Han-,in der Äefcyaflsiieiic abgeuou LN/, Millionen. BefleUungen werden jeder-ei: cntgeaen. nenomme». Hittiag und Redaltlon: ^ctzlachitoistcob- 2b,30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unoerlangt etngcfanbte Beiträge tann die Nevaltion eine Gerant, loortung oder Eewäht in feinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugspeides oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnnngsinnbiger Lieferung ist ausgeschlosten. Postscheck Frankfurt a M. 5380. Truckerei. Schlachthofftr.28/30. Geschäftsstelle. Kölnisch: Str. ->.
Sür eint bürgerliche Regierung.
München, 2. Oktober. (Privattelegramm.) Wie jetzt bekannt wird, hat die bayerische Volkspartei stch mit großer Mehrheit für die Unterstützung der Siegerwaldsch en Vor- schlägx nach einer rein bürge rlichen Reichs- regierunn ausgesprochen. Weiter wurde eine Entschließung angenommen, in der sofortige Aufhebung des Achtstundentages gefordert wird.
Rur umtilche Meldungen.
Berlin, 2. Oktober. (Privattelegramm.) 2er Reichswehrministcr verbietet die Veröffentlichung aller Meldungen über Unruhen im Reiche und im besetzten Deutschland mit Ausnahme der Meldungen, die er selbst ausgibt. Als Begründung wir- angegeb.n, vaß die Unruhe in der Bevölkerung nicht geschürt werden dürfe. Ueber Ereignisse, die der gestrige Tag gebracht hat, lasten sich deshalb auch andeutungsweise keine Berichte geben. Ueber die Zweckmäßigkeit dieser Anordnung läßt stch streiten. — Die „Hamburger Nachrichten" sind beschlagnahmt worden, weil sie eine vom Reichswehrminister nicht genehmigte Meldung der Telegraphen-Union über den Putsch in Küstrin veröffentlicht haben.
Die Vorgänge im Westen
Reue französische Uebergriffe.
iPrivai-Telegramm.)
richten muffen. Der Staat muß — das ist mit die dringlichste Ausgabe — selbst mit einer Spar- und Einschränkungspolitik ein leuchtendes Vorbild gebens Erst wenn im lebendigen Zusammenwirken zwischen Staat und Volk die Grundlage für eine neue Wirtschaft geschaffen ist, werden wir Aussicht haben können, die großen Rätsel zu lösen, dte nun jetzt mit aller Wucht und in einer Fülle ohnegleichen wieder auf uns eindringen.
Vor ernster Entwicklung.
Die Stellungnahme der Regierung.
(Eigene Deahttneldung.z
Berlin, 2. Oktober.
Das Reichskabinett hat gestern untor dem Vorsitz des Reichspräsidenten die Beratungen über die heutige Regierungserklärung fortgesetzt. Die Erklärung des Reichskanzlers in der heutigen Reichstagssitzung wird von programmatifck-er Bedeutung sein. Die Sitzung des Reichstags wurde auf 5 Uhr nacy- mittags anberaumt. Die politische Anssprnme wird er ft am morgigen Mittwoch erfolgen. Sie wird mit einer Vertrauenskundgebung für dir Regierung abschließen. — Zwisckfen der prenßt- schen Slaaisregierung und den Mitgliedern aller Fraktionen des Landtages fanden eingehende Besprechungen über die politische Lage statt. Tie nngekündigten Versammlungen — besonders die Kommunisten hatten eine Anzahl von Versammlungen einbernfen — wurden verboten. Gleichzeitig erläßt die Regierung einen Aufruf an die Bevölkerung, in dem zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt wird.
Strenge in Bagern.
Maßnahme gegen Streik und Landesverrat.
(eigene Drahtmeldung.j
München, 2. Oktober.
Generalstaatskommiffar Dr. von Kahr hat gestern ein allgemeines Streikverbot erlassen. Uebertretungen des Verbots werden mit schweren Zuchthausstrafen ohne Höchstmaß und in schweren Füllen mit dem Tode bestraft. Die Todesstrafe ist sofort zu vollstrecken. Alle Terrorakte, Mißhandlungen, Beleidigungen und Bedrohung von Arbeiter - Angestellten und Beamten wegen ihrer vaterländischen Gesinnung fallen gleichfalls unter die Verordnung und unter die Androhung der Todesstrafe. — Dr. von Kahr hat gestern abend verfügt: Ich ordne an, daß jeder Landesverrat mit dem Tode bestraft wird. Die Todesstrafe ist ohne Aufschub innerhalb drei Stunden zu vollziehen.
Neue Aufgaben.
Um einen Ausgleich im Innern.
_ Für die Beurteilungsweise der drängenden Wirtschaftlichen uftd politischen Probleme der jetzigen Zeit und Zukunft ist außerordentlich bezeichnend die Tatsache, daß man jetzt vielfach hören und lesen kann, mit dem Aufgeben des passiven Widerstandes seien wir über das Schlimmste hinweg und nun würde alles weitere sich schließlich von selber finden. So weit sino wir leider noch nicht. Wir stehen heute genau noch an demselben Fleck, an dem wir im Mai 1921 zur Zeit des Londoner Ultimatums standen. Die Untersuchung darüber, ob all das Furchtbare, das wir in diesen zweieinhalb Jay- ren erlebt haben, wirklich nicht zu vermeiden wäre, wollen wir der Geschichtsforschung überlassen. Aber an dieser Stelle muß ausgesprochen werden, daß alle Hoffnungen und Erwar. tungen fehlgeschlagen sind, die dahin gingen, als würde uns irgend eine Hilfe von außenher kommen. Davon war niemals die Rede und wird niemals die Rede fein. In dem Maße unserer Gesundung aus uns selbst heraus wird man von außenher Interesse für uns nehmen, in dem Umfange, in welchem wir unsere Geschicke selbst in die Hand nehmen und unsere Wirtschaft in den Dienst der Abtragung unserer Schuldverpflichtungen stellen, werden wir auch auf ausländischen Kredit rechnen könne». Und dieser wiederum wird stch in demselben Maße zeigen, in vem es uns gelingt, das intet* nationale Vertrauen durch entschlossene innoee Maßnahmen, die stch vor aller., auf dem Gebiete des Budget-Ausgleichs zu bewegen hätten, her- beizuführen.
Von Anfang an war es das Bemühen der neuen Regierung, das Verhältnis des Reich« s zu den Ländern zu bessern. Inzwischen haben bereits einzelne Besprechungen zwischen der Reichsregierung und den Vertretern der Länder stattgeftrnden. Im Laufe dieser Woche werden wieder die Ministerpräsidenten der Länder in Berlin erwartet, weil in einer Bespreng ung, die der Reichskanzler leiten wird, eine einheitliche Slellungncchmc aller Länder zu den Arbeiten der Rcichsrcgierung angestrebt werden soll. Es ist geplant, bestimmte Richtlinien der Innen- und Außenpolitik aufzustellen. Uno en- nerhakb dieser Richtlinien der Reichsregierung ein leichtes Arbeiten zu ermöglichen. Des weiteren will die Reichsregierung die Verpflichtung übernehmen, die schon von der Regierung Cuno geübt wurde, bei allen wichtigen Schritten, zuvor die Länder zu hören. So stehen wir heute vor neuen Aufgaben, die eigentlich aue Probleme sind! Wir müssen vor vorn ansangen und zwar mit einem bis zur Unkenntlichkeit zusammengeschmolzenen Vorrat an metallischen und sonstigen Reserven und nach Abschluß em-r ungeheuren Verlust-Bilanz, alles das Politisch, wirtschaftlich und sozial und kulturell gesehen! Wenn wir uns allein die Zerrüttung der Währung vorstellen, die seit Mai 1921 dis beute eingetreten ist,, dann werden wir nme werden, daß wir im jetzigen Zeitpunkte, gemessen an unserer Finanzkrast, nur noch ein D.er- ßigmillionstel unserer geldlichen Fähigkeit von ehedem haben.
Unter solchen furchtbar veränderten Verhält, nisten muffen wir jetzt eine Fülle von Probt^ men innerer und äußerer Natur bewältigen. Alle Kraft muß stch konzentrieren auf die Beantwortung der Frage: Wie kommen wir aus dem nationalen und wirtschaftlichen Eleno nuferer Tage heraus? Wir müssen endlich einmal lernen, den Boden der Tatsachen niemals wieder zu verlassen; ebenso wenig, wie wir auf Hilfe von außen her unsere Erwartungen setze.-, dürfen, ebenso sehr müssen wir alle Kräfte im Innern an,pannen, um unsere Freiheit zu erkaufen. Denn das ist das Problem, das jetzt gelöst werden muß: Wir muffen ans eigene Kraft die Voraussetzungen dafür schaffen und die Mittel zur Verfügung stellen.
Was aber das wichtigste ist: Jeder einzelne Deutsche muß erkennen, um was es geht, er muß nach dem Maß seiner Kraft seine Mitarbeit zur Verfügung stellen, und er muß vor allem sich zu tätigen Opfern für die Gesamtheit des Staates bereitfinden. Der Staat aber hat die strengste Pflicht, in seiner eigenen Wirtschaft nach dem Rechten zu sehen. Zuvor muß mit allen erträglichen Mitteln und mit möglichster Beschleum- aung der Ausgleich des Reichshaus- h altes herbeigeführt werden. Das geschieht durch eine großzügige und gerechte Steuerpolitik, vor allem auf der Grundlage werthestä-chi- rer Steuern, mit denen ja jetzt oer Anfang gemacht worden ist. Aber das Steuett^m darf auch nicht derart schematisch und roh sein, tote wir es ietzt mit dem Multiplikator-Svstem eiic- ben. Sonst kommt man zu Ueberspannunge», die jed:S Ncformwerk von vornherein zugrunde
Drrdaftung von Strrikdetzern.
München, 2 Oktober. (Privattelegramm.) In den Maffei-Werken erfoglten gestern die ersten Verhaftungen von Arbeitern auf Grund des Kahrschen Streikverbots. W Arbeiter, die zum Streik aufgehetzt hatten, wur
Berlin, 2. Oktober.
Wie eine Berliner Korrespondenz miticilt, beabsichtigt die Reichsregierung, gegen die Vorfälle in Düsseldorf und gegen das E i n- greifen der Franzosen gegenüber der deutschen Schutzpolizei bei der französischen Regierung Protest einzulegen. — Ans Düsseldorf wird gemeldet, daß der französische kommandierende General Simon infolge der blutigen Vorfälle vom Sonntag nachmittag über die Stadt den Belagerungszustand verhängt hat. Anderen Meldungen zufolge sind die Vertreter des Magistrats von der ftanzösi scheu Behörde festgenommen worden (!) — Aus Essen wird gemeldet: Die Franzosen haben alle Zechen in Altenessen besetzt. Die Belegschaften arbeiten weiter. In B o ch n m besetzten die Franzoson den Bochumer Verein und
Ein mißlungener Vutsch.
„Nationalkommunisten" in Küstrin.
(Privat-Telegramm;
Berlin, 2. Oktober.
Am Montag vormittag versuchten sogenannte Rationnlkommunisten Küstrin zu überfallen, wurden aber von der Reichswehr z u r ü ck g e - schlagen. Der Anführer ist gefangen genommen worden. Ueber die heutige Lage in Küstrin wird vom Reichswehrministerium mitge- teilt: Durch sofortiges energisches Eingreifen ist der Komandant von Küstrin der Bewegung Herr geworden. Die Garnison ist in die Stadt eingedrungen und hat unter schweren Kämpfen die Unruhestifter in der Zitadelle (Zeug- Hos) eingeschlossen. Mehrere Führer find verhaftet. Bon den Nachbargarnifonen au- marfchierende Verstärkungen werden vorausstcht- lich nicht mehr einzuschreiten brauchen.
Anzeigenpreise: ® r u n e p r e t 8 für bte Zeile 50 Mark, für Reklamen 200 Mark mal Schlüsselzahl u - da« deulfche Zcitunpszew rbe «zur Zelt 50 000), aus Familienanzeigen und Kleine Ao-eigen21.°/, Nachlaß. Auf alle nicht dis zum Ao.-nb des au- den i-uSgabetag felgenden Tages bezahlten Anzeigen erfolgt ein Rechnungrau schlag von 1G»/O! Bei diser Rech'-ungs- er eilun ist d r Betrag innerhalb - Tagen zu zahlen. Rach Ablauf dieser Frist ist- er Anzeigen- grunvprei - mit d in am ZahIungStagc rnltige.r Anzeigsnichlufselzu ve vielfachen. Laufenoe Anzeigen werden mit dem Tageszeit npreis berechnet. Für die Richtigkeit aller durch ernsprechcr ausgegebenen Anzeigen, loiote für Aufnahmeoaten und Plätze kann nicht garantiert werden.
Neue Steuerpläne.
Das Strebe« nach WertbestSndigkeit.
®le Rei-^«regiernng plant wertb ft ndlgch Vermögenssteuer, Erwerbslösensteuer, Jta’ pitnlverkchrSstcner, Erhöhung der Umsatz' steuer unb eine Drrsenznlassungkstoue r Ueber Ergänzung unb. ben Ausbau der steuerlichen Maßnahmen, Vie kurz vor dem Rücktritt bes Kabinetts Cuno eingeleitet worden sind, itnb jetzt von dem Reichsfinanzminister Dr. Hil- ferding bearbeitet werden, erfährt eine Korrespondenz folgende Einzelheitm: Um die vorhandenen Steuern ergiebiger und vor allem wertbeständig zu gestatten, ist zunächst ein Gesetzentwurf über wertbeständige Steuern unb Vereinfachung des Steuersystems ausge- arbeitet worden, der dem Reichsrat bereits zugegangen ist und zur Zeit der Begutachtung durch den finanzpolittschen Ausschuß des Reichs- wirtschaftsrates unterliegt. Dicher Gesetzentwurf will, nachdem die Einkommen- und Körperschafts st euer bereits durch die Multiplikation der Vorauszahlungen wertbeständig geworden find, auch die Erwerbslose n st e u e r und die Kapitalverkehrs- (teuer wertbeständig gestalten. Ferner soll durch Erhöhung der Um s a tz st e u e r und durch Einführung einer auf Gold gestellten Börsen st euer dem Reich neue Mittel zugeführt iwerden. Schließlich enthält der Entwurf auch Vorschriften zur Vereinfachung des Steuerverfahrens.
Die Vermögenssteuer wird in diesem Jahr zum erstenmal, und zwar auf Grund des Permögensstandes vom 31- Dezember 1922, veranlagt werden und gilt auch für 1924 und 1925. Obwohl die Veranlagung für dieses Jahr noch nicht abgeschloffen ist, laßt sich doch schon übersehen, daß das Ergebnis der Vermögenssteuer ein überaus geringes fein wird, weil die Bewertungsvorschriften für Vermögensgeae.t- Ede, Preise und Werte maßgebend sein läßt, die hinter dem Kurswett oder Marktpreis am Stichtage des 31. Dezember 1922 beträchtlich zurückgeblieben sind. An der int Gange befindlichen Veranlagung kann trotz des Voraussicht- lich geringen Ergebnisses nichts geändert werden. Dagegen soll nach dem Entwutt die nächste Veranlagung im Jahre 1924 auf Grund des Vermögensftandes vom 31. Dezember 1923 vorgenommen werben. Der Entwurf sieht weiter die Möglichkeit einer Veranlagung von Jahr zu Jahr vor. Für die Veranlagung zum 13. Dezember 1923 fallen für die Wettermittelung besondere Bestimmungen erlaffen werden. Die^ Bewertung des Vermögens soll in Golvmark erfolgen; dementsprechend ist im Entwurf mich ein Goldmarktarif vorgesehen. Die Vermögenssteuer soll jährlich betragen bei pchnsischen Personen für die ersten 10090 Goldmark des steuerbaren Vermögens 2 vmn Tausend, fiir die nächsten 25 000 Goldmark 4 vom Tausend, für die nächsten 50000 Goldmark 6 vom Tausend, f--r die nächsten 100000 Goldmark 7 vom Taufend, für die nächsten 509000 Goldmatt 8 vom Taufend, für eine Million Goldmark 9 vom Tausend, für weitere Beträge 10 vom Taufend. Für die nichtphysischen Personen sollen die halben Sätze gelten. Wenn das Vermögen 2090 Goldmatt nicht übersteigt, soll eine Steuerpflicht nicht bestehen. Die Steuer soll in Gold bezahlt werden oder aber in deutschen Goldwerten. Reichs - kaffen schein en und Darlehn skaffenscheinen, die um das entsprechende Aufgeld erhöht werden.
Bezüglich der Erbschaft? st euer ist vorgesehen, daß künftig bei der Bewertung des Vermögens der Erbschaftssteuer die Grundsätze, die der Entwurf der Vermögenssteuer Vorsicht, entsprechend gelten. Dabei soll Von dem tatsächlichen Wert am Todes» oder Schenkungstage ausgegangen werden. Die Wertstufen des Steuertarifs und die Befreiungsgrenze sollen gleichfalls auf Gold gestellt werden.
Die Umsatzsteuer soll auf 21/ Prozent erhöht werden. Bei der Kapitalverkehrssteuer handelt es sich hauvtsöchttch um Abstellung der Nachteile, die bei Bewettunq und Zahlung infolge der Kekdentwertuna entstehen. — Ein-öWeue Steuerquelle stellt die in dem Entwurf vorgesehene Börsen st en er dar. Die v.örsenzulaffung soll einer einmaligen, der Bör- ienbefuch einer fortlaufenden Steuer nnterwor- [en werden. Die Steuer ist in G o l d tu zahlen, Re beträgt kür jede Person, die zum Börsenbe- nch rüge soffen wird, 500 Goldmatt und außerdem für jeden angefangenen Kalendermonat der kauer des Börsenbesuches 100 Goldmark.
Der Entwurf enthält weiter ausführliche Bestimmungen über Steueraufwertung «ch Steuergeldstrafen. Bemerkenswert ist unter anderem, daß alle Zahlungen, die nach 31. Dezember 1923 fällig werden, in Gold Leistet werden muffen, ohne Rücksicht darauf, ob die Steuer selbst in Gold zu zahlen ist oder pidu. — Schließlich ist in dem Entwurf noch eine Keihe von Vereinfachungen im Besteuernngsver- srhren vorgesehen. Die neuen Vorschttsten sol, (en grundsätzlich am 1. Januar 1923 in Kraft iicteiu Bezüglich drr Erbschaftssteuer ttt
Entwaffnung und Säuberung.
Berlin, 2. Oktober. (Privattelegramm.) Ueber den Kuftrinvr Putsch gibt in später Nachtstunde der Reichswehrminister noch einen Bericht aus, in dem es heißt: Die Aufständischen haben in Küstrin einen Entsetzungsversuch der Eingeschlossenen unternommen. Es hat ein Feuergefecht ftattgefunden, wobei die Aufständischen Verluste an Toten und Verwundeten hatten. Am Abend waren die Revolutionäre im Zenghos von der Außenwelt völlig abgeschloffen. Die Entwaffnungsaktion ist eingeleitet und die Säuberung der Umgebung Küstrins im Gange.
München, 2. Ottober. (Privattelegramm.) Generalsmatskommiffar Dr. von Kahr empfing gestern die Vertreter der bayrischen Preffe, denen gegenüber er erklärte, er sei zur Au 81ragnng der Gegensätze entschloffen. Ter Marxismus fei ein Verbrechen an unserem Volke. Er werde nur noch Männer von beutfdjer Abstammung und von deutscher Gesinnung in Bayern dulden. Tie letzten Bemerkungen zielten auch unzweideutig auf den Reichsfinanzminister Dr. Hjlfer- ding hin, der gebürtiger Oesterreicher ist.
SKuty Aeriin bedroht?
Berlin, 2. Ottober. (Privattelegramm.) Der Reichswehrministcr teilt noch mit, daß die Umgebung von Berlin durch Reichswehr und Polizei scharf überwacht wird. Beffer als lange Veröffentlichungen beleuchtet diese kurze amtliche Mitteilung den Ernst der Lage.
LlnerwünsHte Ausländer.
München, 2. Ottober. (Privattelegramm.) In den Fremdcn-Kurorten Garmisch-Partenkir- chen und Tegernsee wurde gestern polizeiliche Kontrolle nach unerwünschten Ausländern durch- gesührt. Mehr als fünfzehn Sowjetrussen wurden festgenommen, ebenso drei kommunistische Italiener und dreizehn norddeutsche Kommunisten. Sie werden per Schub über die Grenze gebracht. In ihrem Besitz wurden für etwa dreihundert Milliarden Devisen gefunden und beschlagnahmt. Die Wertpapiere sind damit dem bayrischen Staat verfallen.