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Die zweite Frau.

S) Nomen von Dr. Hans Schulze.

1 Tie hinreißenden Klänge der grenzenlosen Weltverachtenden Ironie bdr Schlußakkorde tön­ten ihnen noch in den Obren, als sie jetzt wieder in die linde Sommernacht hinanstraten.

Sie schickten den harrenden Wagen fort und gingen nach dem Mittelwegs der Linden hin­über. noch ganz erfiillt von dem Geschauten

Wie ein Bild aus einer anderen Welt tauchte plötzlich das hastende Menschengewühl vor ihnen auf: die grelle Lichtwoge beleidigte sie fast.

Dann ward es wieder stiller und bald erstarb -der tobende Lärm hinter ihnen ganz.

Und dann dehnte sich hinter dem einsamen, lichterfüllten Rondell das massige Dunkel des TickrgartenS.

Lizzie hängte sich fester an Georgs Arm.

Der Ohernhausabend hatte in ihr verwandte Saiten angeschlagen, das ergreifende Gemälde dieser Liöbesleidenschaft und gewaltsamen See- lenzerstörunq ihr Innerstes in seinen tiefsten Tiefen aufgewühlt.

Glich sie nicht selbst dieser blonden Isolde, war sie nicht ein Abbild des liebeglühenden, in der Leidenschaft bis zum Verbrechen vorschrei­tenden Weibes?!

Der ganze Umfang dessen, was sie durch ihr Verhältnis zu Mfred seit anderthalb Jahren an dem Gatten tat, kam ihr plötzlich voll zum Be- wußsern.

Und ging nicht neben ihr ein Mann, in dem dasselbe Feuer schlummerte, das zuvor auk der , Bühne in den wogenden Orchestermassen vernich­tend emporgeschlagen war, den nur der eherne Wall von Sitte und Gesetz davon abhielt, sie in seine Arme zu reißen?!

Me ein Grauen vor ihr selbst beschlich es dir , funge Frau.

War es denn ihr Verhängnis, daß sie in aller Herzen dsn Brand sündiger Liebe entzünden mußte?

Wie froh und wie leicht hatte si-> sich seit /Alfreds Abreise gefühlt! Sie hegte für Georg

eine herzliche, freundschaftliche! Zuneigung, rmd gerade dies Gefühl alleiniger Freundschaft, das ihr Gewissen nicht belastete, hatte ihr das Be­wußtsein glücklicher Sicherheit gegeben, das sie in seinbr Nabe empfand uNv um dessentwillen sie seinen Verkehr so sehr gesucht.

Und nun batte er durch sein Geständnis vom Vormittag all diese Unbefangenheit in ihr zer­stört.

Morgen kehrte Alfted zurück. und damit be­gann der alte Kampf in ibr wieder von nerem.

Wenn doch nur erft Käthes Hochzeit vorüber wäre, um all diesckn Beziehungen aus der Basis der neuen Verhältnisse eine völlig ander« Wen­dung geben zu können. Jetzt traten sie in den Vorgarten der Forsterschen Villa, die sich wie eine gewaltige Silhouette schwarz gegen den hellen Nachthimmel abhob.

Sie hatten unterwegs kein einziges Wort miteinander gewechselt, so daß Lizzie fast zu- sammensch-ak, als Georg, dis Haustür öffnend, sich plötzlich mit einer Frage zu ihr zurückwandte

Wollen wir noch einmal durch den Garten gehen?

Lizzie, die an ihm vorbei schon ins Treppen­haus eingetreten war, zauderte einen Moment.

Ich bin sehr müde!* sagte sie leise, doch sein bittender Blick bezwang sie.

Sie reichte Georg wieder ihren Arm und folgte ihm durch einen La'.tbengang um die Billa. Der Gatten lag fast weiß im Mondschein.

lieber die weiten Rasenplätze woate das bleiche Licht flimmernd Wie mit durchsichtigen Schleiern.

Im Hinterarunde die schwarzen Massen des Waldes, umhüllt von dem großen Schweigen der Nacht. *

Sie batten sich auf die Dank im Schatten einer mächtigen alten Steineiche niedergelassen.

Dott saßen sie lange.

Das Herz war ihnen beiden voll und doch wagte keiner das Schweigen zu brechen.

Ringsum auf den Blumenrabatten lag der Nachttau.

Ern betäubender Tust entstieg dem Erdboden. Zuweilen ging der Wind mft stärkerem Atem und wühlte ausschauernd in den Wipfeln der

Nr. 225.

Dreizehnter Jahrgang.

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Kasseler Neueste Nachrichten

Beilage.

Donnerstag, 27. September 1923

Zugend-GlückSlanö.

Abschied von de« Fleischtöpfen «sthlands.

SRnt zu raf<6 wußte Me gerienjugend fi-v von Herzen unjeter deutschen Bruder in Ssthlund, Son Meer, Wald und Düne, von ihrem märchen­haften Tischlein deck dich losreisen und heim, feilten ins Sungerland. Einer unserer Mitar­beiter schreibt uns nachfolgendes ans Reval: Nüchternes Morgenlicht fällt über die schwarz drohenden Sttandkiefern. Ganz eilig aber steht der Osten in Blut und Feuer. Viele flinke Schtttte hallen in den engen Gattenstraßen, die zum Bahnhof führen. Gruppen von Knaben und Mädchen ziehen dotthin, mit Köfferchen und Rucksäcken. Hinter den verhängten Fensterscheiben wohnt die Neugier. Denn heute ist die Abreise der reichsdeutschcn Ferienkinder. Zum Äihschied am Bahnhof sind Viele gekommen. Vierzehn Tage lang haben sie eigentlich Abschied gefeiert, da sich der Termin ihrer Abreise über zwei Wochen hinausgeschoben hatte und keine Fahrgelegenheit auf einem Dampfer zwischen Re- val und Stettin sich bitten wollte. Da brachte manche Spenderin mit großem Herzenszug ein Speck- und Butterpaket, eine Dose mit baltischem Backwerk und Süßigkeiten. Noch umfangreicher wäre das nahrhafte Paktt ausgefallen, wenn nicht auf dem Papier der deutschen Behörde das fett gedruckte Verbot gestanden hätte, den hcim- kehrenden deutschen Kindern größere Paktte mit» zugeben ...

Sechsundzwanzig rttchsdeutsche Fettenkinder reisen heute ab. Vorwiegend ists Berliner Jugend, Knaben und Mädchen zwischen zwölf und siebzehn Jahren. Und jedes bildet den Mit­telpunkt eines Familienkreises. Verwandte, Be­kannte haben sich eingefunden. Es ist, als ziehe der Sonnenschein des ganzen Hauses in die Fremde. Denn liebgewonnen hat man die Kei­nen Gäste wohl überall und in der Abschieds­stunde springen Herzensquellen auf. Hier und dott in den Gruppen tauchen alte liebe Gestalten auf, legen ihre Hände aus die Schultern der Kin­der:Arme, arme Kinder, von den Schmand- töpfen sott in die fettarme, butterlose £>eimat." Heiße, gute Wünsche springen durch die Grup­pen, über die Köpfe hinweg und werden in Kin­derohren geraunt:Tapfer sein. In anderen Jahren kommt Ihr wieder." Wenn Gelegenhttt zum Schüfen ist, folgt ein Sveckpaket. Da werden noch zwischen Lachen und Tränen und Hände­schütteln fremde Geldschttne in die Kinderhände gedrückt. Man will ja, daß den Heimkehrenden das Darben erleichtert wird. Gekräftigt, wohlge- uähtt sehen alle, alle aus. Eine hastige Rund­frage von Gruppe zu Gruppe wegen der Ge­wichtszunahme lehtt, daß die Fettengäste drei bis siebzehn Pfund in etwa zebn Wochen zu­genommen haben. Aufleuchten werden die Augen mancher Mütter beim Empfang der jun­gen Tochter, die sich aus ihrer Backfischmagerkeit herausgeschält und hübsche, rundliche Formen einer vollendeten jungen Dame angenommen hat. Unter den Buben haben einzelne wirkliche Paus­backen bekommen wie bunte Engelsköpfe alter deutscher Dorfkirchen.

Eine gute Zeit vor Anrollen des Zuges bat r ''-« char hier versammelt. AbscAedsgrüße fliegen über die stille, blaugewellte Meeresbucht, zu den ziehenden bleichen Segeln klttner, ferner Jnselboote. Run pfeift der Bahnzug aus den dichten Sttandkiefern und rollt hart am Meere weiter. Heber die engen Wiesenwege, die gleich braunen Linien die grüne Ewigkeit schneiden, rumpeln und rasseln ländliche Fuhrwerke mit deutschen Buben. Die alte tiefe Landpastorkutsche mit dem plumpen Ackergaul davor, der die Mähne im Winde schüttelt, kein Freund vom Trab ist. möchte am liebsten direkt ins Alter­tumsmuseum rollen. Mit Windeseile bat sie der hochräderige gelbe Jagdwagen einer stolzen För­sterei überholt rmd die hellbaattge Knabenschar darauf singt aus frischen stehlen ein keckes Bur­schenlied.

Die Dame der Transpottltttung zählt die Häupter ihrer Lieben, gibt das Zeichen zum Ein­stigen und brav und gewandt folgt der Trupp, füllt rasch die Fenster, streckt die Hände heraus

den draußen Stehenden entgegen, denen meist der ehrliche Abschiedsschmerz um die Lippen zit- tert. Der Pastor des Städtchens schreitet von Fenster zu Fenster, ist ein fröhlicher, herzhafter Charakter, ruft manches kernige Wort in die Ab­teile und empfängt ein heiteres Gebe Die Rund­frage wandert:Was hat Euch am besten btt uns gefallen?"Das Rudern, das Segeln, das Baden im Meer, das Reiten," lauten die flinken Antworten der Knaben. Die Mädchen geben be­sinnlichere Antwotten, die «reiften loben das Essen: die dicken, mit Butter gepolsterten Weiß- brotschnitten, die fette Milch die Törtchen beim stadtbekanntensüßen Onkel". Der Zug rollt schon, da rennen vereinzelt Zurückbleibende irebeu den Wagen her, erhaschen eine Hand, grü­ßen, winken. Der Meerwind trägt den leisen Gesang der Kinder zu, die in die Morgen- soune hineinfahren. Und eine freundliche Stimme sagt, dies möge ein gutes Vorzeichen sein für die Abfahrenden und für ihre ferne Heimat. Auch aus anderen Teilen Estlands reifen die Fetten­gäste allmählich ab, auf deutschen und estnischen Dampfern, auf Passagier- und Frachtschiffen, die kein Fahrgeld von ihnen erheben. Für Ver­pflegung haben sie dagegen zu sorgen, auch zum Teil für ihre bescheidene Ausrüstung an Woll­decken,- und Tttnkgefchirrr. Mer die freund- lichen Schiffssührer bewilligen den Keinen Rei­senden fast ausnahmslos ein kräftiges Mittag- und Nachtessen. Inngdeutschland bat es ja ver­standen, sich im Auslande wieder neue Her­zen zu erobern. R. Kau!itz=Niedeck.

Aus aller Welt.

BrudervVfer für die hungernden Kinder.

DasPrager Tagblatt" hat unter sei­nem deutsch-böhmischen Leserkreis eine Samm­lungfür die hungernden Kinder in Deutschland" eingeteitet mit dem Ergebnis, daß bereits 235 Ong tschechisch-slowakische Kronen eingegangen früh, die nach heutigem Korse einen Betrag von anher1 halb Billionen Reichsmark darstellen. Die Gebe­freudigkeit bat dabei noch gar nicht nachgelassen, so daß die Hoffnung, das Gesamtergebnis einer halben Million Tschechottonen nalhekommen zu seben, nicht unberechtigt erschttnt, zumal sich, waz sestgestellt weiden muß, auch warmherzige Men­schen tschechischer Rmonalitüt an dieser Hilfelei­stung für die unschuldig leidenden deutschen Kin' der zahlreich beteiligen. DasPrager Tagblatt" hat beschlossen, der unsagbaren Not so vieler deutscher Kinder ko schnell wie irgend möglich zu fteitern und die Beträge foateirfi ihrem Zwecke in Deutschland zuzulühren. So hat es an das 9Je< lincr Hauptmrartier der Heilsarmee zehntauftup Kronen, an die Zentrale für pttv Fürsorge 2Sfty Kronen, an die Schriftstellerinnen Abg. Dr. Adele Schreiber lRotes Kreuzt und Frau Airguste .Kauschner je zweitausendfünflmndett für beten Kindersommlunaen, u. an die W"hlfahttsabtei- lung des Verlaasbauses Ullstein. für be Samm­lung für GrofchadtKnber fünftausend Kronen als erfte Mte überwiesen. Auch andere Kinder. Wohlfahrtsstellen in Berlin und im Reiche wer­den noch birefte Zuwendungen erhalten.

* Don Meuchelmördern niedergestreckt. In Düsseldorf wurden in einer der letzten Nächte zwei diensttuende Wachtmeister der Schutzpolizei durch mehrere Revolverschüsse ge­tötet. ?lls Täter kommen nach Zeugenaus­sagen zwei Männer in Betracht, die nach der Tat davonliefen. Es sollen rheinische Son­derbündler sein.

* Für die Toten aus Oppau. Den Opfern der großen Explosionskatastrophe vom 21. September 1921 hat die Gemeinde Ovpau ein Denkmal errichtet. Das Denkmal ist in Bronze hergestellt und charattettsiett ergreifend den Schmerz der Bettoffenen.

* Ein kostbarer Tropfen. Beim letzten Aus- aebot von Niersteiner Gewächsen 1921 und 1922 wurden fabelhafte Preise erzielt. Schon die ersten neun Nummern brachten Höchstangebote von zwanzig bis vierzig Milliarden Mark für

das Halbstück. Somit stellte sich der Liter auf rung 33,3 bis 7 0 Millionen, wobei zu beach­ten ist, daß es sich hierbei um diekleineren" Sachen handelte. Diegroßen" Sachen und die Spitzen werden noch ganz andere Preise er­zielt haben.

* Dom Erdbeben verwüstet. Bei dem von uns bereits gemelbeten Erdbeben in der Provinz Khorasan (ePrsien) sind mehrere Dürfet voll­kommen vernichtet worden, Tie letzten Nach­richten sprechen von 123 Toten und mehreren Verwundeten.

* Giftiges Fleisch im Krankenhaus. Im Weißenfelser Krankenhause (Thüringen) erkrankten achtunddreißig Personen anFleisch- vergiftung, darunter auch Aerzte und Pflegepersonal. Durch sofottige Anwendung von Gegenmitteln gelang es, die Erttantten zum gro­ßen Teil wieder dienstfähig zu machen.

* Unter der Wucht des ZhKons. Ein ZhKon großer Hestigheit hat das Dorf Longchamps heimgesucht und die Gegend auf einen Kilometer Länge vollkommen zerstört. Die Häuser wur­den zum Teil vom Sturm Hunde« Meter in das Feld hineingetragen und umgeftiint. Sämtliche Telegraphen- und Telephonverbindungen sind unterbrochen..

* Billionendiebe ... Milliardenbelohnung. In einem Berliner Hotel wurden einem ameri­kanischen Ehepaar Juwelen und SÄmucksachen im Wette von drei Billionen Mark gestoh­len, für deren Wiederbeschaffung achtzig Mil­liarden Mar? ausgesetzt sind.

* Im Gewitter abgestürzt. Auch der a m e r i- kanische Militärballon ist bei der Wett- fahtt um den Gordon-Benttt-Preis im Gewitter an der holländischen Grenze abgestürzt. BeidePiloten, zwei amettkanische Offiziere, sind tot. Die beiden anderen verunglückten Ballone waren, wie wir gestern berichteten, Po­lar (Spanien) und Genf (Schweiz).

* Der Spion im Zuchthaus. Der Attist Mather aus Köln, her sich der französischen Kontrollkommission als Spion angetragen hatte, wurde vom Reichsgericht zu zweieinhalb Fähren Zuchthaus verurteilt.

Aus der Heimat,

«raftoen Borken.

Die Stromversorgung des Main-Weser-Gebiets.

Zur Inbetriebsetzung des Großkraftwerks Main-Weser in Botten wird uns mitgetttlt, daß nunmehr für die zu versorgenden Städte und Steife am Main, der Fulda und der Weser Stromnot nicht mehr in Betracht kommen kann, die Stromversorgung eines weiten Gebietes gedeckt und Erweiterungsmöglichkeiten geboten sinh. Das Hauptwerk Borken wird in der Strom* Belieferung unterstützt durch die Mainstaustuftn, die Ebertalsperre. die Diemeltalsperre. b-8 G kraftwerkAm letzten Heller" bei Hann-Mün- ben, die Kaligrube Wintershall in der Rhön und das Bommkohlenbergwett der Gewerkschaft Dettingen bei Aschaffenburg. Schon in der Vor- ttitzgs.zeit war bekanntlich der Braunkohleustrom bet billigste Strom. Durch die jetzt in dem Groß­kraftwerk Main-Weser bei Botten und feinen Hilfsstellen in die Erscheinung tretette geaenseft tige Ausnutzung der Braunkohlen- und Wasser­kraft kann das Versorgimgsgebiet mit einem verhältnismäßig recht billigen Strom beliefert werden, wie er sonst durch Steinkohle nicht her- qsstellt werden kann.

Bit evangelischen Sungnilldchen.

Bei stattticher Beteiligung fand am Sonnwz in Bebra das Provinzialfest des Kurhessifchen Verbandes Ev. Jungmädchenvereine statt. . Ein Festgottesdienst in der schön geschmückten Kirche, in dem Pfarrer Riebeling-Kasscl über das Bi­belwort sprach:Die mich frühe suchen, finden mich-, ging der sonntägliche Gemeindegottes. dienst voran, in dem den Vätern und Müttern durch Ingendpfarrer Schmidt-Kassel di« ernste Verantwortung der Jugend gegenüber ins Herz

gelegt wurde. Dann ging es im Zuge, dem 3um ersten Male das Banner des Kurhessischen Ver­bandes. geschmückt mit dem grünen Kreuz, dem Abzeichen des Hauptverbandes. vorangetragen wurhe. zum Sportplatz, wo man die in rei­cher Abwechselung gebotenen Ansprachen. Gesän­ge unh Gedichte auf sich wirken ließ. Ausgehend von der großen Not des Volkes, wurden die jun­gen Festteilnehmerinnen durch Pfarrer Cappes- Bebra, Pfarrer Arnold-Eschwege und Pfarrer Iunghans-Kassel an ihre heiligen Aufgaben in schwerer Zeit erinnert.

WaweSfche Londesverlretung.

Aus Arolsen wird gemeldet: Die Mite glieder der waldeckischen Landesvertretung un­ternehmen am heutigen Mittwoch eine Infor­mationsreise nach dem höchstgelegenen Bezirk unseres Ländchens, dem f»genannten Uplano, um sich über die klimatischen und Bodenverhäkt- niffe an Ort und Stelle eingehend zu unterrich­ten. Der Gesetzgebungsau stchuß der Landesvertretuna hält am 1. und 2. Oktober Sitzimgen ab, denen sich eine Vollsitzung ter Landesvertretung am Mittwoch, den 3. Oktober, nachmittags 3 Uhr, anschließen wird. Die Ta­gesordnung bringt u. a. Bericht über den Ein­tritt des Fabrikarbeiters Arndt-Helsen in den waldeckischen Landtag, als nächster auf der Wahlvorschlagsli sie Loos. Loos hat bekanntlich fein Landtagsmandat am 1. August freiwillig niedergelegt. Das weiteren sind Berattrngs- gegenstände: Das Gerichtskostengesetz, die Er­höhung der Umlage der Landwirffchaftskam- mer, der StaatShaush altsvlan, die Verordnung zur Ausdehnung der Pachffchutzordnung sowie Petitionen.

* Hofgeismar, 26. September. (Einbruch Schafdiebstahl.) In einem benachbärten Dorfe wurden einem Gastwirt eine verschlossene Stube erbrochen. Als Täter ermittelt wurden 3 Mäd- d?en im Alter von 16 Jahren, die, nachdem sie die Schlüssel au>geftt>bert, aus Vertiko und Bü­fett goldene und silberne Uhren, Halsketten, Broschen sowie Schokolade mitgehen hießen und unter sich teilten. Fast die gesamten gestohlenen Sachen, die heute einen Milliardenwert haben, konnten wieder herbeigeschafft Md dem Ergm- tiimer zugestellt werden. In Kranthau - fen wurden aus dem Schafft alle mehrere Schaft gestohlen und in der Nähe des Ottes in einem Wäldchen ab geschlachtet.

Grebenstein, 25. September. (Im silbernen Hochzeftskranz.i Heinrich Vogt aus Kttchdtt, mold stammend, zurzeit hier wohnhaft, begeht am heutigen Tage mit feiner Ehefrau Marie ge­borene Dalibor. aus Polanowitz, Oberschlesien, das Fest der silbernen Hochzeit.

* Kirchhain, 26. September. (Neuer Bürger­meister.) Der Landrat bat den Landwirt Adam Will 2 zu Wolferode als Bürgermeister der ge­nannten Gemeinde verpflichtet.

* Marburg, 26. September. (Abschied des Landrats.) In einer Versammlung der Land- bürgermeifter des Kreises Marburg nahm Land- rat v. L o ewenste in anläßlich feines bevor­stehenden Austritts aus seinem Amt ht herzli­chen Worten von seinen Bürgermeistern Ab­schied. Mit der Ermabnung auszuharren in treuer Pflichterfüllung schloß der Landrat seine Ansprache mit dem Ruf:Vergessen Sie dre Stadt Marburg nicht? Vergessen Sie die alten Rentner und die Bedürftigen nicht!"

* Eorbach, 6. September. Wiederaufnahme des Betriebs der Gummifabrik.) Der Gemeindr- rat wurde zu einer eiligen Sitzung zusammm- beritfen, um über die infolge der Arbeitslosigkeit notwendig werdenden Notstandsarbeiten Stel­lung zu nehmen. Bürgermeister Meinecke teilte mit, daß zwischen der Leitung der Gummiwa- renfabttk und deren Nrbeitervertreter in den nächsten Tagen Verhandlungen stattfindeu wer­ten und daß voraussichtlich am 2. Oktober der Betrieb der Gummiwarenfabrik wieder eröff-rer werden solle. Landrat Klapp empfahl die Au-- "üebntng von Notstandsarbeiten.

BäuuW als wollte er sie aus träumenden Schlum­mer erwecken.--

Ich danke dir für den heutigen Tag, Lizzie!

Georgs Stimme zitterte, mit verzehrenden Blicken umfaßte er ihr feines Profil.

Armer Kerl, ich kann dir doch nicht helfen !"

Rein, Lizzie, das kannst du nicht! Aber ich möchte wüten gegen das Geschick, das dich mir auf diese Wekse geraubt hat! Wiewitt Tage noch und du bist für ewig aus meinem Lüben ge- strichrn!"

Georg, warum immer toieber diese Gedan­ken? Was hast du mir heute morgen verspro­chen? Ich daff es nicht» hören, wenn du so zu mir redest!"

Du hast recht, Lizzie! Ich bin ja wahnsin­nig! Du bist die Frau eines anderen, die Frau meines Vaters! Aber eins kann man mir nicht nehmen, daß ich dich liebe, daß ich dich mehr lieb habe als a.es auf der Welt!"

Georg, laß mich gehen, ich will ins Hans."

Eine plötzliche Anäst überfiel sie in dieser Einsamkeit mit dem Manne an ihrer Seite, der feine Erregung kaum mehr zu meistern vermochte.

Lizzie, bleib doch nur einen Augenblick!" bat er flehend.Wann kommt es denn wieder, daß wir so zusammerrsitzen können? Vielleicht ist es heute das letztemal!"

Er batte ihre Hand gefaßt und gegen seine fieberheiße Wange gedrückt.

Lizzie, wenn du wüßtest, wie mir vor der ZuKlnft graut, was jetzt vor mir liegt: dieser Oede. dieser Hoffnungslosigkeit. Mr ist, als schwände alle Sonne, alle Freudigkeit aus mei­nem Dasein bei dem Gedanken, daß ich mich von dir trennen soll. Was nützt mir denn alle Ar­beit, alles Weiterstreben, wenn ich ertennen muß, daß ich mein Leben so vollständig vettehlt habe!"

Er hatte sich in eine immer wachsende Auf­regung hineingefprochen.

Nur einmal dich wirklich lieb haben, nur einmal vergessen dürfen, wen ich in dir vor mir habe, Lizzie! Nur einmal dir als Mensch dem Menschen gegenübetttehen! Lizzie!--

Die Stimme versagte Plötzlich, er wußte nicht mehr, was er tat.

Mit beiden Armen preßte er sie an sich und bedeckte ihr Gesicht mit stürmischen Küssen.

Georg, laL mich!"

Fast erftiett rangen sich die Worte aus ihrem Munde.

Sie fühlte, wie ihr Widerstand ermattete un­ter der Glut seiner Leidenschaft; fassungslos gab sie sich einen Moment dieser wilden Zärtlich­keit hin.

Dann Ober rang sie sich heftig los und eilte wie ein gehetztes Wild dem Hause zu.

Regungslos sah Georg der Fliehenden nach.

Was hatte er getan?

Er hatte die Frau seines Vaters in sündigem Verlangen berührt, ihm, dem ruhigen, verstän­digen Manne hatte die Erregung des Augenblicks mtch die letzte Beherrschung und Besonnenheit geraubt.

War es da nicht besser, er packte noch heute nacht seine Koffer und ging wieder über den Ozean?! Denn er fühlte, daß das Feuer seiner Leidenschaft in seinem Herzen ungeschwächt wei- tetbrannte.

Flucht vor sich selbst. Flucht aus diesem Hause!

Wie eine Ahnung kommenden Unheils be­schlich es ihn plötzlich.

Und dann trat wieder Lizzies Bild vor feine Seele.

Wenn er heure ohne Abschied ging, dann sah er sie ja niemals wieder, dann war alles für ihn zu Ende!--

Mitternacht war lange vorüber, als Georg sich aus dem Garten wieder dem Hause zu­wandte.

Ruf den Treppenflügeln des Vesttbüls surr­ten die Gasflammen mit leise vibrierendem Ge­räusch und flackerten in den mattaeschliffenen Schalen bin und her, daß über die Fresken der Wände seltsame Lichtreflexe neckisch hinweg- huschten.

In tiefem Sinnen ging er zum zweiten Stockwerk empor und suchte sein Schlafzim­mer auf.

Ohne Licht zu entzünden, Keidete er sich aus und warf sich auf fein Bett.

Humor in ernster Lett.

Ach so!Mutter," sagte der Keine Fritz, was hast du denn für Haar in deinem Medail­lon ?"Das sind welche vom Vater!"Ach, «rum hat er auch keine mehr auf dem Kopf!"