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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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stummer 225.
Einzelnummer 600000 Mark.
Donnerstag, 27. September 1923.
Einzelnummer 600 000 Mark.
13. Jahrgang.
bayrische Sonderstellung zum Reich?
Der verlorene Kampf.
Kein Widerstand mehr.
In den gestrigen Sitzungen, die die Reichs- regierung mit ven Parteiführern, Industriellen und Gewerkschaften des besetzten Gebietes, sowie mit den Ministerpräsidenten der deutschen Länder hatte, ist die Entscheidung gefallen. Der passive Widerstand im Ruhrgebiet ist aufgehoben! Was das Heißt, wird erst deutlich, wenn man die acht bis neun Monate überblickt, in denen der Kampf geführt wurde. Schon die Anwesenheit der feindlichen Truppen im besten deutschen Wirtschaftsgebiet in der FriedenSzeft ist eine furchtbare Verletzung des deutschen Empfindens, abgesehen von dem Rechtsbruch, der bei den Feinden schon zur Gewohnheit geworden ist. Me feindliche mit Geschützen und Tanks bewaffnete Macht, darunter die schwarzen Regimenter, mußte bei der Bevölkerung des Ruhrgebiets Empörung und Ekel erregen. P o i n c a r e hat zwar kürzlich in einer seiner Sonntagsreden die Halbwilden als seine treuen, braven B/üder bezeichnet, was sehr charakteristisch für die französische Geistesverfassung ist. Daß diese Aeußerung unwidcr- sprochen von den Franzosen hingenommen worden ist, kennzeichnet die Minderwertigkeit deS französischen Charakters. Dieses geistig und sittlich angefaulte VE mißbrauchte seine Waffengewalt, um das weit höher stehende deutsche Volk zu unterdrücken, das über vier Jahre lang die Kraft hatte, sich gegen eine Welt von Feinden zu behaupten. Wie Frankreich ’m Kriege ohne die alliierte Hilfe schon im ersten halben Jahre zusammenaebrochen wäre und während oes Verlaufs nur seine kurze Front halten konnte, so hat es auch in der Nachkriegszeit die alliierte Hilfe nicht entbehren können. Die vergangenen neun Jahre haben zur Genüge gezeigt, daß Frankreich niemals fähig ist, die Führerrolle in Europa zu spielen. Infolgedessen fehlt auch jede nere Berechtigung zu der jetzt angemaßten Vorherrschaft. Desgleichen fehlt auch in jeder Form die Berechtigung der Ruhrbesetzuug. Wie sich dte Bevölkerung au Ruhr und Rhein gegen die Vergewaltigung auflehnte und dabei vom ganzen deutschen Volke unterstützt wurde, so muß auch jede deutsche Regierung den Standpunkt beibehalten, daß die französisch-belgische Besetzung ein brutaler Rechtsbruch ist.
Da der passive Widerstand im Januar dieses Jahres eine heldenhafte Erhebung der hart betroffenen Bevölkerung des Westens war, so war es notwendig, daß die Reichsregierung jetzt, da der Widerstand abgebrochen wird, die Vertreter der besetzten Gebiete um ihre Meinung fragte. In den Sitzungen legte der R-ichskanzler di« Finanznot des Reiches dar, die durch die außerordentlich hohen Kosten des Ruhrkampfes entstanden ist. Es ist erklärlich, daß sich kein Widerspruch erhob, als ihnen gesagt wurde, was sie ja wußten, daß das Reich nicht mehr in der Lag« ift Unterstützung zu leisten. Di« Frage der Geldverschleuderung und unsachgemäßen Verteilung wurde nicht erörtert, da jetzt am Ergebnis doch nichts zu änbnn ist. Ob man Die Angelegenheit aber mit Stillschweigen weiter übergehen wird, ist doch ftaglich. Vermutlich wird sich der Reichstag noch damit beschäftigen. Die Vertreter des besetzten Gebiets tragen nun mit der Reichsregierung zusammen di« Verantwortung für die neue Politik, die sich aus den Aufgaben des Widerstandes ergibt.
Daß es schließlich zum Zusammenbruch kommen mußte, war schon feit längerer Zeit vorauszusehen. Es ist ja bekannt, daß Dr. St re- sema nn das Kanzleramt mit der Aufgabe übernommen hat, den Ruhrkampf zu liquidieren. Es ist eine undankbare Sache, einen Mißerfolg zu einem traurigen Ende zu führen. Was im Januar noch große Hoffnungen erweckte, ist nun dahin geschwunden, ohne ein frohes Zeichen für die Zukunft zu hinterlassen. Man ftagt sich, was nun werden soll. Wird un- fer Nachgeben eine Kapitulation oder nicht? Bis heute betont die Regierung und betonen die Rhein- und Ruhrvertreter, eine Kapitulation werde niemals unterschrieben, weil kein zweites Versailles geschaffen werden soll. Die nationale Ehre soll verteidigt werden. Wir möchten wünschen, daß diese Worte zur Wahrheit werden, obwohl im Augenblick nicht zu sehen ist, w i e diese Verteidigung ausgeführt werden soll. Es ist leider zu befürchten, daß die Feinde auch Wei. terhin die deutsche Ehre verletzen werden, da sie ihre Truppen aller Voraussicht nach nicht aus dem besetzten Gebiet zurückziehen. Sie werden bleiben, wo sie sind und behalten, was sie haben und werden ihren „Sieg* über Deutsch, land wieder in die Welt Posaunen, womit sie sich ins „Recht* und uns ins „Unrecht* setzen. Was die Reichsregierung bei dieser Liquidation retten wird, das ist die Vermeidung der Ruhrab'wehrkosten, sowie die Umwandlung des stilliegenden Wirtschaftsgebietes in ein Produktives Arbeitsfeld. D-as wäre schon ein Gewinn,
Der Abbruch des Widerstandes.
Die Proklamation des Reichspräsidenten, der Reichsregierung und der Vertreter des besetzten Gebiets wird heute erwartet.
Berlin, 26. September. (Eigener Drahtbericht.) Rach der gestrigen Konferenz der Ministerpräsidenten und nach erneuten Besprechungen des Reichskanzlers mit den P ar - teiführern fand noch am Abend ein Ministerrat statt, der in der Hauptsache der bevorstehenden Proklamation des Reichspräsidenten und der Reichsregierung gewidmet war. Um elf Uhr dauerte der Ministerrat noch an. Gleichzeitig mit der Proklamation der Reichsregierung wird eine zweite durch die Vertreter des besetzten Gebietes erfolgen, in der natürlich der Beschluß der Reichs- rcgierung gutgeheißen und die Wiederaufnahme der normalen Tätigkeit im besetzten Gebiet empfohlen wird. Die Deutschnationalen fehen sich veranlaßt ausdrücklich sestzustellcn, daß nicht ein einziger ihrer Vertreter im Rheinlande zur Konferenz zugezogen wurde, obwohl in den Cuno- schen Listen dreizehn Mitglieder der Partei als Ruhrvertreter aufgeführt worden find. — Die Proklamation der Reichsregierung über die Aufgabe des pafsiven Widerstandes ift im Laufe des heutigen Tages zu erwarten.
Zustimmung 6er Koalttiontz-Varlelen.
Berlin, 26. September. (Privattelegiamm.) Tie Führer der Reichstagssraktionen hatten gestern im Relchskanzlerpalais eine Besprechung, nach deren Beendigung ein übereiu- flimmender amtlicher Bericht aufgesetzt wurde, der die Zustimmung der Parteien zur Aufgabe des passiven Widerstandes ausspricht. — Der Führer der Deutschnationalen Volkspartei hat sofort Einspruch erhoben. Die Kommunisten waren nicht geladen. In einem Ersatzblatt der verbotenen „Roten Fahne" teilen sie mit, daß sie eine bedingungslose Kapitulation nicht mitmachen würden. — Aus dem Reichstag wird erklärt: Heute nachmittag tritt der Auswärtige Ausschuß zusammen. morgen das Plenum des Reichstages. Ob und wann eiup politische Aussprache ftatt- sinden wird, steht noch nicht fest.
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Bayerns Dorbrvatt.
Berlin, 26. September. (Privattelegramm.) Der hier wettende bayrifche Ministerpräsident
Dr. von Knilling erklärte auf eine an ihn gerichtete Anfrage, daß er über die Stellungnahme Bayerns zu der von der Reichsregierung befchloffenen Aufgabe des pafsiven Widerstandes noch nichts mitteilen könne. Entgegen der offiziösen Erklärung der Reichsregierung müsse er feststellen, daß die Entscheidung Bayerns nicht bei ihm, sondern beim bayrischen Mi- nisterrat liege, der aber erst in den nächsten Tagen zusammentreten könne.
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Die Vfaizer wollen wetteren Widerstand.
Ludwigshafen, 26. September. (Privattelegramm.) Eine hier stattgefundene Tagung von Vertretern der Wirtschafts - und Be - amienverbände der bayrischen Pfalz sprach sich einstimmig für die Fortsetzung des passiven Widerstandes aus. Eine Entschließung an die bayrische Regierung verlangt, falls das Reich den passiven Widerstand ausgibt, seine Fortsetzung durch Bayern in der Pfalz.
Reine Rückkehr der Tlusgewlefenen!
Berlin, 26. September. (Privattelegramm f Rach einer Meldung aus Essen woilten gestern die Gewerkichastsvertreter beim stan- zöfijchLn rot-se-mdierenden General in Düsseldorf und verlangten die Rückkehr ihrer verhafteren und ausgewiesenen Vertreter. Der General hat das Verlangen abgelehnt.
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Die Ängenieurkommissio» wird verstärkt!
Paris, 26. September. (Eigene Drahtmeldung.) Der Matin berichtet, der Chef der Rnhr- Jngenieurkommission ist nach Paris berufen worden. Soweit Informationen vorliegen soll sofort nach Aufgabe des passiven Widerstandes die Jngenieurkommission an der Ruhr auf 480 leiteside Ingenieure verstärkt werden, um. die intensive Ausbeutung des Reviers für Reparationszweüe vorzubereiten.
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Buch die schwarzen Franzosen dieiden.
Paris, 26. September. (Eigene Drahttnel- dung.) Wie der Temps erführt ist vom Kriegs- Minister die Uebcrtointerunaber afnkam- fchen Truppen jm besetzten Gebiet am 19. dieses Monats angeordnet worden.
der eine Bessenma der gesamten Wlrtfchafts- und LebenAverhältniss« verspricht. Wir konnten also aufatmen, wenn die Franzosen letzt nicht gleich mit erdrückenden Forderungen kämen. Bald werden wir sehen, was kommen soll. Jetzi wird sich Deutschlands Schicksal eMscheiden!
Agitation der Kommunisten-
Stimmungsmache zu einem Gewaltstreich.
(Privat-Telearamm.)
Münster, 26. September.
Ueber die Tätigkeit der Kommunisten ift mitzuteilen, daß sie im ganzen Ruhrgebiet zur Fortführung des pafsiven Wideritlinde« auffordern. Ter Regierung Strefemann-Htt- ferdina werfen sie Landesverrat vor. Wetter wird für die sofortige Bildung einer Arbeiter« und Bauernregi ernng Stimmung gemacht, die durch die Macht der Ruhrarbeiter, schäft herbeiqesührt werden fall. — Vom Grenz- gebiet wird lebhafte Bewegung der Kommum- sten gemeldet. In Lüdenfcheid entfalten wieder kommunistische Hundertschaften ihr Unwesen.
Jtebolutlon und Waffenloser.
Karlsruhe, 26. September. (Privattele-> gramm.) Die letzte kommunistische Ausstandsve- wegung in Lörrach und S ü d b a d e n hat zu einer pofizeilichen Nachforschung in Baden nach kommunistischen Geheimverbänden und Waf- fenlaqern geführt. In Karlsruhe, Mannheim, Freiburg und Lahr find kommunistische Revoliüionsbünde und kommunistische Waffenlager ausgehoben worden, zahlreiche B e r h a f - tun gen wurden vorgenommen. Die Untersuchung wird vom Landgericht Freiburg geführt.
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Die roten Fahnen.
Meiwitz, 26. September. «Privattelegramm.) Aus den Beuthener Schächten haben kommunt-
stische Hunderffchaften die roten Fahnen gehißt. Die Beseuung wurde von der Polizei verhindert. Es gab elf Tote und Verletzte.
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(Segen die Ausgabe des Widerstandes.
Berlin, 26. September. (Privattelegramm.) Die kommunistische Reichstagspartei hat beim Kanzler Einspruch gegen die Auswahl der Ruhrvertreter erhoben, weil die Vertreter der kommunistischen Arbeiterschaft überhaupt nicht zugezogen worden sind, die ein Drittel aller Arbeiter des Ruhrgebiets umfassen und gegen die Aufgabe des Widerstandes gestimmt hätten.
Die Sag» noch Devisen.
Weitere Beschlagnahme großer Bestände. tPrivat-TelegrammZ
Berlin, 26. September.
Am Montag abend find in Berliner Fremdenhotels wieder alle Ausländer der Devisenkontrolle unterworfen worden. An fast neunhundert Billionen Mark auslän- difche Depifenbestände wurden beschlagnahmt. Die Maßnahmen gegen den Devisenbefitz haben zu diplomatischen Konflikten geführt. Bon zwei Gesandtschaften, darunter der belgischen, ist dem Auswärttgen Amt die kategorische Forderung übermittelt worden nach Zu rück - erstattung der bei ihren Staatsangehörigen beschlagnahmten Devisen, andernfalls Gegenmaßnahmen angekiiudigt werden. — Aus Essen wird gemeldet, daß dort zahlreiche ^hamsterte Devisen auf dm Markt kommen. — Journal des Debats schreibt, daß von der deutsa-en Regierung bei der Interalliierten Rheinlandkommission in Koblenz der offizielle Antrag nach Zulassung Seiner neuen deutschen Währung auch im besetzten Gebiet eingegangen ist.
GpaniensWanölung.
Das neue Staatslebe«.
Der mUitärifcpe Staatsstreich in Spanien ift mit verhaltnismatzig großer Ruhe erfolgt. Wie sich da« Leden unter der Diktatur voll, zieht, stell« der nachstehende Bericht dar, Die beiden Hitzemonate dieses Sommers, von deren Unerträglichkeit sich lediglich an nordische oder mitteleuropäische Temperaturen ge-s wöhnte Menschen schwerlich eine Vorstellung machen können, waren noch nicht vollständig überwunden, als di« Spanier durch den neuen
Krieg in Marokko überrascht wurden. Sehr unangenehm überrascht wurden, denn die Kämpfe gegen die Moros nahmen auch diesmal wieder, trotz aller Erfahrungen, die in den letzten Jahren gesammelt werden mußten, etnen Üblen Verlauf. Die Re- gierung, anstatt zu zeigen, daß sie auf dem Posten war, legte ein Verhalten an den Tag, das ihr ioirklich keine Achtung eintragen konnte. Hörte sie auf die Stimmen im Volke, so mochte sie freilich um guten Rat arg in Verlegenheit kommen: Dieser schrie hü. wir wollen weiter Vorgehen — jener hott, wir wollen lieber etwas zurückgehen — und bet dritte rief dazwischen, nach Hause, nach Hause, Spanien den Spaniern und Afrika den Marokkanern! Die Regierung War völlig hilflos und ließ es zu, daß die Oes- fentlichküt, wahrend man nichts tat, damit unterhalten wurde, welche schneidigen >Angriffsplä- ne man vorbereitete, wie man dann und daun und dort und dort über den Feind herfallen »nd ihn über den Hansen rennen werde — sehr zum Ergötzen gewisser europäischer Freunde, eben dieser K a b y l e n (der Franzosen), die nur darauf lauerten, ihren afrikanischen Schützlingen zu neuen kriegerischen Lorbeeren gegen die Spanier verhelfen zu können. Das Offizierskorps sah dicffeu Vorgängen nur mit Ingrimm zu. Die Wut war um so größer, als auch die sonstigen Zustände im Lande mehr und mehr ine schärfste Kritik herausfordertöu. Auch wer von Sympathie für Spanien erfüllt ist und der Eigenart seiner überlieferten Sitten und Gewohnheiten manches zugute hält, konnte seine Augen vor der ungeheueren Ausbreitung der
Korruption und Günstlingswirtschaft nicht verschließen, konnte nickt umhin, ganz eror» bitaute Fälld von Rechtsbeugung fcstzustcllen, die in anderen Kulturländern kaum ihresgleichen finden dürsten. Das Schlimmste war dabei vielleicht, daß die sogenannte Volksvertretung nicht nur keinen Schutz gegen diese Mißstände bot. sondern daß diese in den Cortes als ihrein ckgentlichen Herd und Mittelvunkt verwurzelt erschienen. Wer den Kamps gegen sie ernstlich aufnehmen wollte, hatte freilich mit dem besonders stark ausgebildeten Familiensinn des Spaniers zu rechnen. Wer Staatsbeamter ist, siebt es sozusagen als seine Pflicht an, alle feine jüngeren Familienangehörigen im Staatsdienst unterzubringen; wer es mit dieser Art der Versorgung seiner Blutsverwandtschaft nicht genau nimmt, kommt unfehlbar in fchlechten Ruf. Auch wer einen Freund hat, dessen Freund einen Freund im Staatsdienst fein eigen nennt, hat begründete „Reichte* auf einen Posten. Die Folge ist natürlich eine Ueberzabl von Beamten und damit ein gewaltiges Miß- verhältnis zwifchen dem Heer von Staatsdienern unt> der von ihnen zu lastenden Arbeit. Nickt selten kommt es vor. daß dieser „Hauptberuf* einen Beamten höchstens zwei Stunden täglich in Anspruch nimmt, und daß er dann seine freie Zc^it nicht etwa mit Nebenbeschäftigungen, sondern mit einer oder gar mehreren Hauptstellungen in privaten Unternehmungen ausfüllt. Mit der Finanzwirffchaft des Staates ging es unter solchen Umständen natürlich immer mehr bergab. Angestckts dieser Folgen der nur allzulange geduldeten, ja vom ganzen Volke mit groggezogenen Günstlingswirtschaft wurde die Stimmung im Lande doch allgemach sehr be- denklick, und da die in erster Reihe dazu berufene Regierung keine Hand rührte, um den Staat vor dem Untergang zu retten, mußte derjenige leichtes Spiel haben, der an dieser schmerzhaften Stelle sein heilendes Messer anzu-- setzen versprach. General de Rivera war klug genug, in seinem Regierungsprogramm den
Kampf gegen die Mißstände in den Vordergrund zu rücken, in dem er ver« hicch, den toten Ballast in der Verwaltung zu be- seittgen. Und er hat damit eine sehr gute Aufnahme im Lande gefunden; Beweis genug, daß das Gefühl für Anstand und gute Sitte auch im Staatsleben vor an sich verständlichen Privatinteressen nickt haltmacken will. In den größten Städten des Landes häuften sich bisher die Raubüberfälle von geradezu wildwest-- amerikani scher Tollheit, und so wurde der Ruf nack einer starken Hand an der Svitze des Staates immer allgemeiner. Eine« günstigeren Auoen- blick als diesen hätte sich deshalb dos Omziers- korps der Armee für sein Pronunziamiento ge-