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Nummer 223

Dienstag, 25. September 1923.

Einzelnummer 600 000 Mark.

13. Jahrgang.

Einzelnummer 600000 Mark.

ne Saneier »ieueftm Sia»rt*ten erfdjetnen rontbenllitb fediSmal itno zwar natfcm ttaa« Der MbonnementtoretS beträgt für die zweite Hälfte September 7 000 000 Mark bei freier Sunehuna m3 Haue.inder ®efd)a(t8rteue abgebolt iviark.Beitellungen werden jeherneit entoeaen. genommen, «erlag und Redaltion: Schlachtbofftcatze 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine veraEt. Wortung ober <Lernähr tn keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Beznasgeides oder «nfprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlosten. Postscheck Frankfurt a M. 6380. Druckerei: Schlachthostlr.28/30. Geschäftsstelle: Kölnisch-Str 5

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Sie Ausgabe des Ruhnviderstaudes.

Gachwert-Geld.

Die Etappe zur Goldwährung.

Nach dem neuen Währungsplan, sine »Bo­de nma11 herauszugeben, beträgt das Ka­pital der Währungsbank 2400 Millionen Bo­denmark, von dem Vie jpätftd von Industrie, Gewerbe und Handel aufgebracht werden soll. Der städtische Grundbesitz soll eventuell später nach Maßgabe des Abbaues der Wohnungszwangswirtschaft ebenfalls herange­zogen werden. Die Goldmark wird hierbei mit 0,358 Gramm Feingold gerechnet. Die Grundschulden sind mit «^Prozent zu verzin­sen; die Zinsen sind fällig jeweils am 1. April uns 1. Oktober, erstmalig am 1. April 1924. Es werden Rentenbriefe ausgetzeben, die auf 500 Goldmari und auf Beträge ausgestellt wer­den ,die durch 500 teilbar sind. Innerhalb von 2 Jähren kann die Bank dein Reich Darlehen in Goldmark verzinslich, bis zu 2 Milliarden Bodenmark zur Verfügung stellen. Paragraph 18 sicht eine Sprozentige Tilgung vor. Nach Pa­ragraph 20 hat die Bank dem Reich sofort ein Darlehen von 300 Millionen Bodenmark zu ge­währen.

Der neue Währungsplan soll aus alle Fälle Wahrheit schaffen. Was wir bisher in Nullen sonder Zahl vor uns sehen, ist nichts anderes als eine üble Täuschung. Der Aufbau der neuen Währung, bei der die Papiermark nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel ist, sondern nur noch als Scheidemünze nach Art unseres früheren Kupfer- und Nickelgeldes gelten soll, ist gar nicht möglich ohne eine entschlossene Fort­streichung aller überflüssigen Nullen, die den ge­samten wirtschaftlichen und Privaten Verkehr heute so ungemein belasten Diese Fortstreichung, Die einer großzügigen Zusammenlegung des Pa­piergeldes. einer sogenannten Denomination, gleichkommt. ist denn auch in dem neuen Wäh­rungsplan vorgesehen. Nach diesem Plan wer­den wir für die nächste Zeit jedoch nur für eine Uebergangsepoche, die höchstens auf.ein halbes Jahr bemessen sein dürfte, drei Wäh­rungen nebeneinander haben. Einmal wird die Papiermark als Scheidemünze aufrecht erhalten, die gegen di« neu zu schaffenden Sach- wertnoten umtauschbar ist. zum zweiten werden wir ein neues wertbeständiges Geld erhalten, das sich auf Sachwerten gründet und schließlich wird eine nur von der Reichsbank auz- zugeibend« Goldnote zunächst für den großen Wirtschaftlichen Verkehr herauskommen.

Die wichtigste Rolle in diesem Programm wird das neue Sachwert - Geld spielen. Es wird alleiniges gesetzliches Zah' lungsmittel sein. Um solch« Roten auszu­geben. wird eine Währungsbank gegründet, die aber auch nur für die Uebergangszeit bestehen und dann zugunsten der reinen Goldbank, als welche die Reichsbank figurieren soll, zu liqui­dieren sein wird. Die neuen Sachwert-Noten der Währungsbank sollen durch eine Goldver- pfliö^ung der dcutschen Wirtschaftskräf­te, also Landwirtschaft, Industrie. Handel, Ge­werbe und Banken, und zwar auf der Grundla­ge des Wehrbeitrages sichergestellt weisen. Daß man den unter ganz anderen Bermögoens- verhältnissen erhobenen Wehrbeitrag hier zur Grundlage nimmt, erklärt sich aus der Notwen­digkeit, rasch das neue Geld zu schaffen. Es ist aber vorgesehen. daß mit dem Stichtag des 31. Dezember 1923 eine neue Vermögensauf nähme stattfindet, auf Grund deren die Ver­mögensabgabe neu festgestellt wird. Man glaubt mit fünf Prozent Belastung des eben bezeichne- ten Besitzes auszukommen. Die Schätzungen, die sich in Goldmark unterdessen auf diese Weis« ergeben, gehen weit auseinander: Das Reichs­finanzministerium schätzt eine Milliarde Gold­mark, während die privaten Wirtschastskrcise so­gar mit vier Milliarden Goldmark rechnen, die aus diese Weis« mobilisiert werden könnten

Run liegt ja gewiß auch die Gefahr vor, daß auch dieses neue Geld einer Inflation und da­mit einer Entwertung ausgesetzt sei. Man ver­weist in währungspolitischen Kreisen sehr gern auf das von den Franzosen im Jahre 1795 zur Ablösung der damaligen Assignaten-Wirtschaft die. nebenbei bemerkt, noch nicht den hundert­sten Teil der gegenwärtige Entwertung der deut­schen Mark erfahren hatte herausge^bene neue Papiergeld. Dieses war ebenfalls auf Sachwerten, nämlich auf ben land- und forstwirt­schaftlichen Besitz, gegründet und waren die so­genannten Mandats Territoriaux. die allerdings in kaum einem Jahre bis zu knapp einem Pro­zent ihrer ursprünglichen Geltung entwertet wa­ren. Einem derarsigen Schicksal aber sucht man dadurch zu entgehen, daß die Menge des neue" Sachwert Geldes von vornherein begrenzt und daß ja mach die Geltungsdauer dieser Währungsnofen im Voraus beschränkt wird Eine gewisse Entwertung wird natürlich auch bet diesem Gelde nicht aufzuhalten sein. Es wird nüpr künktia das alleinige aesetzliche Zahlungs­

mittel für die UebergangSzeit sein und selbst- verWndlich auch im Keinen Handels- und priva° ten Verkehr, insbesondere bei Lohn- und Ge­haltszahlungen in Frage kommen. Die neue Währungsnote soll dem Staat die notwendigen Mittel zum Ausgleich seins Budgets zur Ver­fügung stellen, denn die Goldwährung selbst di« ja das Ziel all dieser Aktionen sein muß, kann ja erst dann aufgerichtet werden, wenn der Reichshaushalt in Einnahmen und Ausgaben voll und ganz ausgeglichen ist.

Aufgabe des Widerstandes.

Ein RegierungSbeschlutz im Laufe der Woche.

(Eigener Drudtbericht.1

Berlin 24. September.

Die Konferenz der Ministerpräsiden­ten der deutschen Länder findet am Dienstag statt. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß der bayrische Ministerpräsident v. Knil- ling die Polittk der Reichsregierung, den Wider­stand aufzugeben, nichtmitmachen wird und daß die Pfalz den passiven Widerstand fortsetzt. Am Mittwoch oder Donnerstag soll dann die Erklärung der Regierung er­scheinen über das, was in aller Heimlichkeit zum Beschluß erhoben worden ist nnd durch die Un­terschrift der Vertreter der besetzten Gebiete ge­deckt werden soll. Im übrigen zeigen sich die Wirkungen im Rheinland« schon in katastropha­ler Weise. So liegen jetzt auch aus Trier und Aachen Meldungen vor, wonach sich die Post­beamten der alliierten Regie unterworfen haben. Weitere Meldungen sind zurzeit auf ihre Richttgkeit nicht uachzuprüfen.

ffirflSrung In ötn nächsten Tagen.

Berlin, 24. September. (Privattelegramm.) Wie derLokalanzeiger" erfährt, ist mit der amtlichen Aufgabe des passiven Wider­standes in den nächsten Tagen zu rechnen. Das Blatt bedauert die fortgesetzten Dementis der Regierung, die seit vierzehn Tagen Tatsachen ableugne, von denen jeder Mensch wisse, daß sie längst Tatsachen sind. Auch der Oberreichsanwalt habe es abgelehnt, gegen ein Berliner Mittags­blatt vorzugehen, weil das Blatt Meldungen gebracht habe hinsichtlich der Aufgabe des pas­siven Widerstandes im Ruhrgebiet, die schon in den nächsten Tagen sich bestätigen würden.

Die Entscheidung.

Berlin, 24. September. (Privattelegramm.) Tie Besprechungen über den Ruhrkonflitt und über die Frage des passiven Widerstandes wurden auch am gestrigen Sonntao fortgesetzt. So sand eine Ministerratsfitzung statt, in der darüber beraten wurde, welche Erklärung heute oder morgen den Ruhrvertretern und den Mini­sterpräsidenten der Länder, die zu einer Sitzung in Berlin zusammenkommen, abgegeben werden soll. In den Grundzügen ist die Entschei- düng in der Ruhrftage bereits gefallen.

Die Vertreter des besetzten Gebiete«.

Berlin, 24. -September. (Privattelegramm.) Der Reichskanzler hat gestern den parlamen. tarischen Vertretern des besetzten Gebiets zugesichert, daß die Frage des Wider­standes nur in engster Uebereinstimmung mit den Vertretern des besetzten Gebietes erledigt werden solle und daß eine bedingungslos« Preisgabe des passiven Widerstandes ausge­schlossen fei. Gewerkschaftsvertre­ter des Ruhregebiets weilen seit gestern wieder in Berlin, wo sie Besprechungen mit den leiten­den Regierungsstellen haben. Sie werden auch am heutgen Montag vom Reichskanzler empfan­gen. Die Gewerkschaftsvertreter des Ruhrgebie­tes sind für die Aufnahme von Verhand­lungen mit Frankreich, sofern die bekannten Vorbedingungen erfüllt werden: Rückkehr der Verurteilten und Ausgewiesenen und Siche­rung der wirtschaftlichen Arbeitsfreiheit.

Ordnungs-Maßnahmen.

Die Staatsgewalt gegen Putschversuche.

Berlin, 24. September.

Gestern hat sich das Reichskabineü auch mtt den Gerücht»« und Drohungen hinsicht­lich der P u t s ch v e r s u ch e, die in dieser Woche erfolgen foöten, befaßt. Die Regierung bat eine energische Haltung eingenommen. Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten hat eine eingehende Beratung stattgefunden, an welcher der Reichskanzler, der Reichsminister des Innern, der Reichwehrminifter tuib

der Ehef der Heeresleitung, General v. Seeüt, teilgenommen haben. Diese Beratung hatte den Zweck, alle Maßnahmen vorzu­bereiten, die notwendig werden können, »m derartigo Bestrebungen unschädlich zu machen. Es besteht unter den verantworttichen Faktoren der Reichsregierung volle Uebereinsttmmung darüber, daß gegen jeden Versuch, die Staatsge­walt zu erschüttern, von welcher Seite er auch kommen mag, sofort die erforderlichen Maßnah­men ergriffen und die der Reichsregierung genü­gend zur Verfügung stehenden Machtmittel des Staates eingesetzt werden.

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VeruvIgunoserNaruna In Sagern.

München, 24. September. (Privattelegramm.) In Bayern lausen wieder einmal Puffchgerüchie um, die keinen anderen Sinn haben können, als die ohinhin schon durch di« wirtschaftliche. Not­lage bedrückte Bevölkerung noch mehr zu beun­ruhigen. Während auf der einen Seite von kommunistischen Umtrieben im oberbaye­rischen Jndnstriebezirk gefabelt wird, erzählt man at-F der anderen Seite von nationali st i s ch e n Vorbereitungen im Oberland. Die Sozialist« führen Beschwerde über rechtsbolsche­wistische Angriffe auf Parteigenossen, dir Kampfverbände beschuldigen ihrerseits den In­nenminister Schweyer der Duldung marxistischer Uebersälle und fordern feine Demission. An Re­gierungsstelle werden diese Beschwerden ftir durchaus unberechtigt erklärt. Die Putsch gefahr selbst hält man in Regierungskreisen nicht für akut, ist vielmehr zuversichtlich, daß mit dem wirtschaftlichen Gesahrenmoment auch siezuEndeseinwird.

Unruhen im Reiche.

Blutige Zusammenstöße mit Kommunisten. (Eigene Drahtmelduna-i

Gleiwitz, 24. September.

Gestern ist es zu blutigen Z u s a mm e n - flößen im oberschlesischcn Industrie­gebiet gekommen. Die Kommunisten veran­stalteten in Gleiwitz einen großen Umzug durch die Hauptstraßen. Die Polizei war nicht im­stande. Absperrungsmaßnahmen zu treffen. Sie wurde von der johlenden Menge mit Steinen beworfen. Die Beamten gingen darauf mit der blanken Waffe vor. Es gab an z w a n z i g V e r- letzte, darunter fechs schwer. Gegen Mitter- nacht zogen neue Trupps von Demonstranten unter dem Absingen der Internationale und pol­nischer Lieder nach dem Bahnhof. Die Polizei griff nicht ein. Die Menge zerstteute sich.

Sprvtzttnge der neuen Zett.

B e r l i n, 24. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Im Laufe des gestrigen Nachmittags kam es in Berlin zu einem Zusammenstoß zwi­schen der Polizei und kommunistischer Jugend. Die Polizei nmtzte mehrfach von der Waffe Gebrauch mndjen. Am rabiatesten benah­men sich fünfzehn- bis neunzehnjäh­rige Bengels, die den Versuch unternah­men, den Beamten die Tschakos vom Kopfe zu reißen, bissen und kratzten. Als ein elfjähriger Junge einem Beamten das Seitengewehr ent­reißen wollte, gab dieser einen Schuß ab, durch den aber niemand verletzt wurde. Die Polizei nahm sieben Verhaftungen vor. Etwa 13 Perso­nen sind durch Säbelhiebe verletzt worden.

VoincareS Sonntagsrede.

Frankreich läßt nickst nach. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 24. September.

PoinearS hat gestern wieder seine übliche Sonntagsrede gehalten, aus der nur einige mar- kanntc Sätze hervorzuheben sind. Er sprach un­ter anderem: Wenn dieDeutschenamRan- de des Abgrunds angelangt sein werden, werden sie immer noch Herr darüber werden, nicht in den Abgrund hineinzufallen. Die brau- chen nur die Eitelkeit a^ulegen, (?) die sie zum Widerstand treibt und endlich zu beweisen, daß sie den ehrlichen Willen haben ihre Berpflich- tungen zu halten. Wir sind, sagte Poincarö, nicht leichten Herzens an die Ruhr gegangen. (?) Be- dingunge» lassen wir uns nicht vorschreibeu. Mr haften uns an unsere öffentlichen Erklärungen und haben ihnen nickts bin- zuzufügen und nichts zurückzunehmen. (!)

An Schule und Haus

Erneuerung des deutschen Geistes.

Der pr-utzisch- Rultutminifte« 9t. »oettg richtet» in einer Neve einen deheriigens- wrrten Abpell an Eltern und L-hrerr Dor Lehrern Mer Schulgattungen, Eltern und Erziehungsberechtigten hielt Kuttusminister Dr. B o e l i tz in Guben ein« Rede über den geistigen Wiederaufbau unseres Volkes. Aus­gehend von einer ParMele zu der Zeit vor hun­dert Jahren, wies er zunächst darauf hin, wie­viel Güter wir trotz des verlorenen Krieges, trotz der Umwälzung besitzen: den nationalen Staat mit sechzig Millionen Menschen; ein orga­nisch entwickeltes Volksschulwesen; ein allen Be­dürfnissen des Levens folgendes höheres Schul­wesen; ein weitverzweigtes Netz von Volks­schulen, mittteren und höheren Schulen, von Hochschulen und Bildungsorganisationen von größter Vielseitigkeit über das ganz« Land. Alles das," so fuhr der Minister fort,besitzen wir, was damals in den Tagen noch größerer Not schmerzlich vermißt wurde oder erst in den ersten Anfängen vorhanden war." Wie große Hoffnungen müßten wir aus einem solchen Ver­gleich schöpfen! Und doch ein tiefer Unter­schied zwischen damals und heute in der g e i- stigen Verfassung des Volkes. Jenes Zeitalter war beherrscht vom deutschen Ide­alismus, von einer unbeugsamen

Strenge des Pflichtbegriffs in den führenden Ständen, wie er in der Philo­sophie Kants feine klassische Ausprägung gesun­den hatte. Heute erleben wir ein Zeitafter, das, aus den Kämpfen um äußere Werte erwachsen, im Materialismus zu versinken drobf- «in Zeitalter, das auf der einen Seit«, wo die leib­liche Not droht, nur noch die eine Sorge kennt: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns Neiden? Wer nichts anderes mehr denkt, als nur noch an Spekulatio­nen und Börsenmanipulationen, der kann frei­lich einem führungsbedürftigen Volke nicht Ide­alismus predigen. Der Kern aller Reformen liegt und das sollten sich alle Reformer klar­machen in der Zurücksührung des Vol­kes zu dem Quellbezirk seiner Kraft, in der Zu- ruckfubrung der Jugend zur Einfachheit, Innerlichkeit, in der Erziehung des Nach­wuchses vor allem zur Selbstzucht, Wahr­haftigkeit und zur Ehrfurcht. Die ein­zige Hilfe, auf die wir für Jahrzehnte in un­serem Vaterland« angewiesen sein werden, wird die eigene Kraft

die Selbsthilfe fein, die allein in der Selbst- crneuerung unseres VoLes liegt. Es gibt für uns keine Führung aus unserer Not als die eigene Willenskraft. Diese Gesundung un­sres Volkes wieder herbeizuföhren, ist die erste Pflicht des Elternhauses. Die Familie ist die Zell« des Staates. Hier herrsche der Geist der Ehrfurcht. Und dann müssen Elternhaus und Schule, Väter, Mütter und Lehrer, Hand in Hand gehen. Wird diese Gemeinschaft von Schule und Haus nicht geschaffen und in lebendige, zielbewußte Erziehunasarbeit nm- gesetzt, dann ist es unmöglich, unsere Nation wieder zu einem starken Staatsvolk zu macken. Unter den sittlichen Mächten, die zur Rettung be- fähiqt und berufen sind, gehören in die erste Reihe unsere Schulen. Noch nie Hai die Not des deutschen Volkes so eindringlich nach Wie­dererhebung und Erneuerung gerufen wie jetzt. Meine Zuversicht ist, daß auf uns, die wir als Lehrer und Führer der Jugend zu allererst be­rufen und verpflichtet sind, Staat und Volks- aemeinschast einen festen Zukunsts glau- ben zu setzen berechtigt sind.

Segen Kovlenserien kn den Schulen.

Ein Mahnruf an die Ettern und Behörden.

DerBund entschiedener Schulreformer* warnt die Oeffentlichkeit davor, untätig den Not­ständen des kommenden Winters entgegenzu­sehen, die das Sckmlleben und damit das Ge­samtwohl unserer Jugend bedrohen. Der Bund faßte zur Abwehr folgende Entschließung:

Der Bund entschiedener Schul-Re­former, Bezirksverband Groß-Berlin, richtet an die kommunalen und staatlichen Schulbehör­den die dringende Aufforderung, schleunigst von der bureankratischen Auffassung ihrer Ausgaben zur organisatorischen überzugehen, das heißt an allen Schulen ohne Verzug die Elternschaften so zu vereinigen, daß durch deren nach Bedarf er« olgende Opfer ein Schulleben aufrecht erhalten werden kann. Die oberen Schulbehörden müssen Lehrerkollegien und Elternschaften alsbald die notwendigen Vollmachten zur etwaigen Herab­setzung der Unterrichtsstundenzahlen und Pau- en geben. Nicht auf Innehaltung paragraphen­mäßiger Ansprüche an Lehrstoffe und Prüfungs- reife kommt es jetzt an, sondern auf die Erhal­tung der deutschen Jugend, die nicht gerettet werden kann, wenn man Kohleserien an- ordnet und die Schulen schließt. Ter Bund ver-